Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
Mutter Teresa
2. Das Leben von Agnes Gonxha Bojaxhiu - Mutter Teresa 7
3. Die Berufung 9
4. Auf den Spuren Jesu Christi, „unterwegs im Dienste der Liebe“ 12
5. Die Missionarinnen der Nächstenliebe 14
5.1 Die Schwesternausbildung 15
5.2 Würdiges Sterben - Das Hospiz Nirmal Hriday 17
5.3 Sorge um die Verstoßenen und Verwaisten - Die Kinderheime 18
6. Nächstenliebe oder Eigennutzen?
Lob und Kritik an Mutter Teresas Lebenseinstellung 19
7. „Mutter ist tot “ Nicht die ganze Welt, aber ganz Indien
trauert um ihre „Handfeste Heilige.“ 29
8. Die Seligsprechung des „Engel der Armen“ 34
Prinzessin Diana
9 Lady Diana Spencer, „The Princess of Wales“
Der Lebenslauf 38
10. Vom Landmädchen zur „Königin der Herzen“ 44
10.1 „Ich war krank, und ihr habt mich besucht“ Mt,25, 36 ,
Dianas Engagement für die Armen und Kranken 46
11. Die Welt trägt schwarz - ungeahnte Gefühlsausbrüche und
Trauer um Diana 50
12. Dianas Tod - Der Aufstieg vom Popstar zur Heiligen 54
13. Fazit 64
14. Nachtrag 66
Literaturverzeichnis S. 68
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1. Vorwort
Wenn man heut zu tage Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Frage stellen würde, welche Person sie mit dem Wort „heilig“ verbinden, so würden wahrscheinlich die Personen Nikolaus von Myra oder auch der heilige Apostel Petrus weit oben auf der Liste der Antworten stehen. Aber es könnte durchaus sein, dass ganz andere Personen in diesem Zusammenhang genannt werden, mit denen man wohl nicht gerechnet hätte. Einige begeisterte Fußballfans würden wahrscheinlich den deutschen Fußballer Andreas “Andi“ Brehme, nach seinem verwandelten Foul Elfmeter im WM Finale 1990 nennen. Es könnten ebenso Popstars oder andere Berühmtheiten wie z.B. Elvis Presley, James Dean, Marilyn Monroe oder auch Elisabeth von Österreich („Sissi“) genannt werden, obwohl sie aus christlicher Sicht wohl kaum in den stand eines heiligen erhoben werden könnten, aber von ihren Anhängern, Fans oder „Groupies“ wie eine heilige Person verehrt werden. Mit genau diesem Phänomen möchte ich mich in der folgenden Arbeit beschäftigen und aufzeigen, wie schnell die Grenze von der Verehrung eines Popstars zur Heiligenverehrung überschritten werden kann und welche Rolle die modernen Medien dabei spielen. Im Zentrum der Arbeit stehen zwei bekannte Personen des 20. Jahrhunderts, deren Lebensläufe ich miteinander vergleichen möchte. Bei der ersten Person handelt es sich um Mutter Teresa, die als Vorzeigekatholikin bekannt geworden ist und in christlichen Kreisen direkt nach ihrem Tod schon wie eine Heilige verehrt wird.
Bei der zweiten Person handelt es sich um die wohl bekannteste Prinzessin der Welt, Lady Diana, die bei einem tragischen Autounfall ihr Leben verlor und von ihren Anhängern seit ihrem Tod wie eine Heilige verehrt wird.
Meine Beobachtungen und Nachforschungen stützen sich hauptsächlich auf Zeitungsartikel, die kurz nach dem Tod der beiden Frauen erschienen sind.
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Auf den ersten Blick scheinen Mutter Teresa und Lady Diana nicht viel gemeinsam zu haben, denn es prallen zwei völlig verschiedene Lebenswelten und Lebenseinstellungen aufeinander. Auf der einen Seite die Ordensschwester Mutter Teresa, die freiwillig ein Leben in Armut gewählt hat, um den verarmten und ausgestoßenen Menschen in den Slums von Kalkutta nicht nur materielle Dinge sondern auch Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe zu schenken. Mutter Teresa selbst sah sich als Dienerin Gottes und versorgte nicht nur die Armen und Kranken, sondern auch den leidenden Christus der sich hinter der Maske von Armut und Leid verbirgt. Ebenso wie Mutter Teresa wegen ihrer aufopfernden Hingabe für die Mittellosen Indiens bewundert wurde, erntete sie aber auch wegen ihrer desorganisierten Organisation und ihrer konservativen Einstellung in Glaubensfragen des öfteren Kritik. Mit ihrer freiwillig gewählten Armut und Askese passte Mutter Teresa nicht in unsere Konsum und Genussgesellschaft, denn wer möchte schon in der heutigen Zeit ständig Sterbende und Leprakranke sehen? Die kleine unscheinbare Frau ließ sich für die Presse also nur schlecht vermarkten, wurde aber trotzdem von der westlichen Pressewelt entdeckt, stieg schnell zur berühmtesten Katholikin auf und schaffte es durch öffentliche Auftritte, Millionen an Spendengeldern zu sammeln, auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam zu machen und erhielt sogar 1979 den Friedensnobelpreis.
Auf der anderen Seite Lady Diana, die aparte Prinzessin von Wales, ein Popstar, über den nahezu täglich in sämtlichen Tageszeitungen und Klatschblättern berichtet wurde. Sie setzte sich aber ebenfalls für die kranken und benachteiligten Menschen auf der Welt ein. Die Meistfotografierteste Frau der Welt nutzte den Rummel um ihre Person aus, um Spendengelder zu sammeln, geriet aber auch häufig wegen ihres Hangs zum Jet Set und der Kritik an der Monarchie Großbritanniens ins Kreuzfeuer der Kritiker.
Diana war für die Glamourpresse wie geschaffen. Mit ihr konnte man regelrecht mitleben und mitleiden, denn obwohl sie einen Adelstitel hatte und so fern schien, war sie doch nur eine ganz normale Frau, die vom
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Aschenputtel zur Prinzessin aufgestiegen ist. Mit ihren alltäglichen Problemen in ihrer Ehe, der Scheidung und den Fragen in der Kindererziehung konnten sich viele Menschen gerade in den 90er Jahren identifizieren.
Obwohl sich das Leben der beiden Frauen völlig unterschiedlich gestaltete, waren sie laut eigenen Aussagen Freundinnen und trafen sich mehrmals, zuletzt noch zufällig kurz vor Dianas Tod in den USA. „Diana sorgte sich sehr um die Armen, deshalb war sie mir so nahe“, sagte Mutter Teresa kurz nach Dianas Tod. 1
Es gibt bei genauerer Betrachtung der beiden so unterschiedlichen Frauen Gemeinsamkeiten. Zum einen waren sie zwei der bedeutendsten Personen des 21. Jahrhunderts, wie Zeitungsberichte und u.a. das Ergebnis einer Umfrage in der Zeitschrift Eltern belegen. Auch ihr Engagement für die Armen und Kranken war ernst gemeint. Zweitens starben beide ganz überraschend nur wenige Tage nacheinander im Jahre 1997. Mutter Teresa starb am 05.09.1997 im Alter von 87 Jahren an Herzversagen und überdauerte Prinzessin Diana nur wenige Tage, die am 31.08.1997 den Folgen eines Autounfalls erlag. Der Tod der beiden Frauen wurde jedoch ganz unterschiedlich aufgenommen. Während Dianas Tod die Presse und das öffentliche Interesse dominierte, ging der Tod von Mutter Teresa im Presserummel um Diana unter und wurde kaum wahrgenommen. Trotzdem findet sich nach dem Tod der beiden noch eine weitere, überraschendere Gemeinsamkeit, nämlich der Einsatz vieler Menschen für eine Heiligsprechung der beiden Frauen.
Aussagen wie „Sie war ein außergewöhnlicher Mensch.“, „Ich bewundere ihre Energie und ihr Engagement, besonders ihre Hingabe.“, „Niemand wird sie je vergessen.“,
„Sie war ein Engel auf Erden, jetzt ist sie ein Engel im Himmel.“ 2 galten überraschenderweise nicht der nach christlichen Werten lebenden Mutter
1 N. N., Nachruf. Mutter Teresa 1910 - 1997, in: Spiegel 08.09.1997, Nr. 37, S. 235
2 http://www.stjosef.at/dokumente/zoske_diana.htm, 30.08.2006, Zoske, Robert M., Die Mutter und die Prinzessin, o.J.
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Teresa, die schon zu Lebzeiten als „Engel der Armen“ 3 und „Handfeste Heilige“ 4 bezeichnet wurde, sondern der reichen Prinzessin Diana. Die Prinzessin von Wales wurde von der Presse und dem Volk nach ihrem tragischen Tod in den Stand einer Heiligen erhoben und verehrt wie kaum eine andere Person im 21. Jahrhundert, obwohl doch das Leben Mutter Teresas unseren Vorstellungen nach eher einer Heiligen Frau entspricht.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich nun zum einen die Lebenswege und das Engagement für Bedürftige von Mutter Teresa und Lady Diana genauer aufzeigen, sowie die zahlreichen positiven aber auch kritischen Zeitungsberichte auf Anzeichen einer religiösen Lebensführung hin betrachten. Außerdem möchte ich sowohl der Frage nachgehen, wie sich der Kult um die Prinzessin bis heute, zehn Jahre nach ihrem Tod entwickelt hat, welche religiösen Sehnsüchte und Riten während der tagelangen Trauerhysterie um Diana wiederzuerkennen sind und warum es zu diesem Phänomen, dieser extremen Verehrung Dianas gekommen ist. Ebenso gehe ich auch die Geschehnisse, sprich Seligsprechung und Aussicht auf eine Heiligsprechung von Mutter Teresa nur sechs Jahre nach ihrem Tod ein.
Am Ende dieser Arbeit möchte ich zum Nachdenken anregen, ob die starke Verehrung der beiden Frauen nach ihrem Tod im Jahr 1997 gerechtfertigt ist.
3 Oschwald, H., warten auf das erste Wunder. Menschen aus der ganzen Welt drängen die Kirche, die verstorbene Mutter Teresa, den „Engel der Armen“, umgehend heilig zu sprechen, in: Focus 15.09.1997, Nr. 38, S. 354
4 Venzky, Gabriele, Handfeste Heilige. Elendsbekämpfung, Geburtenkontrolle: Davon hielt Mutter Teresa wenig. Aber als energische Helferin der Ärmsten war sie der Welt ein Vorbild, in: Die Zeit 12.09.1997, Nr. 38, S.10
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Mutter Teresa
2. Das Leben von Agnes Gonxha Bojaxhiu - Mutter Teresa
Mutter Teresa wurde als Agnes Gonxha Bojaxhiu am 27. August 1910 in Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens geboren. 5 Agnes Gonxha war das jüngste von drei Kindern (eine Schwester und einen Bruder) in der Familie Bojaxhiu und wuchs wohlbehütet in einer wohlhabenden Familie auf. 6 Der Name Gonxha stammt aus dem persischen und bedeutet übersetzt „Knospe“.
Ihr Vater war ein angesehener albanischer Kaufmann, der aber unerwartet verstarb als Agnes acht Jahre alt war. Ihre Mutter hatte italienische Wurzeln und stammte aus einem streng katholischen Elternhaus. 7 Die Kinder der gläubigen Familie wurden ebenfalls streng katholisch erzogen und so äußerte Agnes laut Berichten schon früh den Wunsch Missionarin zu werden.
Sie besuchte ein staatliches Gymnasium und trat dann am 29. November 1928 im Alter von 18 Jahren dem Orden der Schwestern von Loreto bei. Vom Loreto Kloster Rathfarnham in Dublin wurde sie nach Indien geschickt, um in Darjeeling ihr Noviziat zu beginnen. Vom 6. Januar 1929 bis zum 18. August 1948 war sie an der St. Mary´s High School, einer sehr gut ausgestatteten Schule in Kalkutta als Lehrerin für Geographie und später auch als Direktorin der Schule tätig. 8 Am 24. Mai 1931 legte die noch junge Novizin Agnes Gonxha Bojaxhiu ihr erstes Gelübde in Darjeeling ab und nahm von nun an den Namen Teresa „die Kleine“ an - nach der französischen Heiligen Therese von Lisieux. Sechs Jahre später, am 24. Mai 1937 legte Teresa in Darjeeling dann ihr ewiges Gelübde ab. 9
5 Vgl. http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/mutter-teresa, 05.09.2007, Schweers, Ursula, Mutter Teresa, 2007
6 Vgl. Doig, Desmond, Mutter Teresa. Ihr Leben und Werk in Bildern, Freiburg 1976 [2] , S. 185
7 Vgl. N. N., Nachruf. Mutter Teresa 1910 - 1997, in: Spiegel 08.09.1997, Nr. 37, S. 234
8 Vgl. Doig, Desmond, Mutter Teresa. Ihr Leben und Werk in Bildern, Freiburg 1976 [2] , S. 185
9 Vgl. A.a.O., S. 43
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Es war der 10. September 1946, auf einer Zugfahrt von Kalkutta nach Darjeeling, als sich Teresa entschied, ihr Leben zu ändern. Dieser Tag wird auch als „Tag der Entscheidung“ bezeichnet. Sie möchte außerhalb des Loreto Ordens arbeiten und mehr den Armen helfen. So bittet Teresa die Oberin im Januar 1948 allein außerhalb des Klosters leben und in den Slums von Kalkutta arbeiten zu dürfen.
Weiter erbittet sie im Februar 1948 von Papst Pius XII. die offizielle Erlaubnis für ihr Vorhaben, die Teresa dann auch gewährt wird. Am 18. August 1948 legt Mutter Teresa dann den Habit der Loreto Schwestern ab und trägt von nun an den weißen Sari mit blauer Borte, der in Indien als das Gewand der Armen in Bengalen gilt und später zum Ordenskleid und Markenzeichen der Missionarinnen der Nächstenliebe wird. Teresa lässt sich in Patna von den Missionsärztlichen Schwestern in der Krankenpflege ausbilden, kehrt drei Monate später wieder nach Kalkutta zurück und wohnt in der Zeit bei den Kleinen Schwestern der Armen. Im Jahr 1948 nimmt Mutter Teresa die indische Staatsbürgerschaft an und eröffnet am 21. Dezember 1948 ihre erste Slum Schule in Mothi Jheel. 10
Zwei Jahre später, am 7. Oktober 1950, erhielt ihre neue Kongregation der Missionarinnen der Nächstenliebe die offizielle Anerkennung des Papstes. 11 . Es ist zugleich das Gründungsdatum des Mutterhauses in der Lower Road Nr. 54a in Kalkutta. 12 Von Kalkutta aus breitet sich der Orden über ganz Indien aus
Im Jahr 1952 erhielt Teresa die Erlaubnis der Stadtverwaltung von Kalkutta, alle Kranken und Sterbenden, die sie in den Gossen Kalkuttas aufgelesen hatte, im verlassenen Pilgerschlafsaal des Kali-Tempels unterzubringen. 13
Von 1962 an werden Mutter Teresa zahlreiche Preise für ihre Arbeit verliehen, darunter:
10 Vgl. Doig, Desmond, Mutter Teresa. Ihr Leben und Werk in Bildern, Freiburg 1976 [2] , S. 185
11 Vgl. N. N., Nachruf. Mutter Teresa 1910 - 1997, in: Spiegel 08.09.1997, Nr. 37, S. 234
12 Vgl. Doig, Desmond, Mutter Teresa. Ihr Leben und Werk in Bildern, Freiburg 1976 [2] , S. 185
13 Vgl. N. N., Nachruf. Mutter Teresa 1910 - 1997, in: Spiegel 08.09.1997, Nr. 37, S. 234
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-1962 der Padmaschree, der Lotusorden („Magsaysay-Preis für internationale Verständigung“)
- 6. Januar 1971 der Friedenspreis, verliehen von Papst Paul VI.
- September 1971 der Preis des „Guten Samariters“
- 16. Oktober 1971 der John F. Kennedy Preis
- 1979 der Friedensnobelpreis in Oslo.
Außerdem erfolgte überall auf der Welt die Gründung neuer Niederlassungen ihrer Ordensgemeinschaft. Dazu gehörten
Niederlassungen u.a. in Caracas/ Venezuela, Colombo/ Ceylon, Amman/ Jordanien, Bourke und Melbourne/ Australien sowie in Belfast/ Irland, Paddington/ England, Addis Abeba/ Äthiopien, Gaza/ Israel, Lima/ Peru. 14 Bis zu ihrem Tod am 05. September 1997, ganze 68 Jahre lang, kümmerte sich Mutter Teresa mit voller Hingabe um die Ausgestoßenen, Leprakranken und Waisenkinder von Kalkutta und leitete bis zuletzt den erfolgreichsten und wohl bekanntesten Orden in der Geschichte der katholischen Kirche. 15
3. Die Berufung
Als sie zu Ehren des Herrn den Gottesdienst feierten und fasteten, sprach der Heilige Geist: „Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie mir berufen habe.“ 16 (Apg. 13,2-3)
Agnes Gonxha Bojaxhiu wusste schon früh, dass sie nicht irgendeinen normalen Beruf erlernen, sondern Nonne werden wollte wie Pater Julien Henry, ein langjähriger Vertrauter Mutter Teresas erzählt. 17 Aus katholischem Elternhaus stammend entschloss sie sich also, ihr junges Leben Gottes Werk zu weihen und schloss sich als junge Frau dem Loreto Orden an. Von dort aus kam sie nach Indien und zwar in ein Loretokloster
14 Vgl. Doig, Desmond, Mutter Teresa. Ihr Leben und Werk in Bildern, Freiburg 1976 [2] , S. 185
15 Vgl. Wüllenweber, Walter, Mutter Teresa - wo sind ihre Millionen? Nehmen ist seliger denn geben., in: Stern 10.09.1998, Nr. 38, S. 214
16 Die Bibel, Einheitsübersetzung, Freiburg im Breisgau 1993
17 Vgl. Doig, Desmond, Mutter Teresa. Ihr Leben und Werk in Bildern, Freiburg 1976 [2] , S. 43
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nach Darjeeling, einem zum damaligen Zeitpunkt noch unter britischer Herrschaft stehenden Bergkurort. Es war ein beliebtes Urlaubs- und Erholungsziel in der Himalayagegend für die wohlhabenderen indischen Bürger und Gouverneure, wenn man im Sommer der Hitze entfliehen wollte. Zudem war es ein führendes Zentrum europäischer Erziehung. 18 Von dort aus kam Mutter Teresa dann nach Kalkutta. Kalkutta war das genaue Gegenteil zu Darjeeling, denn das Loretokloster Entally und die Klosterschule St. Mary` s High School lagen in einer der ärmsten und schäbigsten Gegenden, umgeben von den Slums, Fabriken und dem Verschiebegelände des verkehrsreichsten Bahnhofs Kalkuttas. Trotzdem war dieses Kloster für diese Gegend eine grüne, gepflegte Oase, in der viele Waisenkinder und Kinder aus zerrütteten Familien aller Gemeinschaften und Hautfarben lebten und lernten. An dieser Schule unterrichtete Mutter Teresa zuerst die Schüler, bevor sie die Direktorin der Schule wurde. 19
Doch während ihrer Zeit als Lehrerin und später als Leiterin der Missionsschule, die mit allem kolonialen Komfort ausgestattet war und an der die englischsprachige indische Elite erzogen wurde, bekam Mutter Teresa das Gefühl, sie „verrate Gott“.
Denn ihre eigentliche Aufgabe, für die sie ursprünglich nach Indien gekommen war, war die Versorgung und Unterstützung der Armen und hilflosen Menschen. Diese befanden sich jedoch vor den Toren des Klosters und während der großen bengalischen Hungersnot, als Dutzende Arme in den Straßen lagen und starben, fühlte sie sich nutzlos. 20
Es geschah auf einer Zugfahrt nach Darjeeling als der Ruf Gottes an sie erging, wie Mutter Teresa selbst berichtete. Am 10. September 1946, unterwegs zur Bergstation im Himalayagebiet, erging der Ruf Gottes an sie. Sie war versunken im vertrauten, stummen, betenden Zwiegespräch mit dem Herrn, als sie ganz deutlich ihren „Auftrag“ vernahm, den sie als eine „Berufung in der Berufung“ empfand. Ihr Auftrag war ganz deutlich,
18 Vgl. Doig, Desmond, Mutter Teresa. Ihr Leben und Werk in Bildern, Freiburg 1976 [2] , S. 43
19 Vgl. A.a.O., S. 45
20 Vgl. N. N., Nachruf. Mutter Teresa 1910 - 1997, in: Spiegel 08.09.1997, Nr. 37, S. 234
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berichtete Mutter Teresa: „Ich sollte den Konvent verlassen, den Armen helfen und bei ihnen leben und wohnen. Das war ein Befehl. Ich wusste also, wo ich hingehörte. Bloß wie ich dorthin kommen sollte, das wusste ich nicht.“ 21
So kam es, dass Mutter Teresa, gehorsam ihrem göttlichen Auftrag, am 16. August 1948 den Konvent verließ, um ihr Leben den Armen zu widmen. Die Tür des Klosters schloss sich hinter ihr und von nun an sollte sie wie die Armen Kalkuttas auch auf der Straße stehen. 22 Es war eine ganz besondere Art und Weise wie Gott sie in seinen Dienst genommen hatte. Hier begann nun das Leben Mutter Teresas, das sie zu der bekanntesten Katholikin unserer Zeit gemacht hat und ihren Orden zu einem der berühmtesten und erfolgreichsten der katholischen Kirche. 23 Siebenundzwanzig Jahre später sagte sie selbst: „Dass ich Loreto verlassen musste, das war mein größtes Opfer, das Schwerste, was ich jemals habe tun müssen. Es war viel schwerer als damals, als ich doch meine Angehörigen und meine Heimat verlassen musste, um in den Orden einzutreten. Loreto war einfach mein ein und alles. Dort habe ich meine geistliche Ausbildung bekommen. Dort wurde ich eine Ordensfrau. Dort habe ich mich Jesus zugeeignet. Die Arbeit, den Unterricht habe ich geliebt.“ 24
Aber genau das ist ein Zeichen für einen Gottesmenschen, nämlich alles, sei es Familie, Freunde und Bekannte hinter sich zu lassen, um Gott zu dienen.
21 Le Joly, Edward, Wir leben für Jesus. Mutter Teresas geistlicher Weg, Freiburg 1978, S. 25
22 Vgl. A.a.O., S. 31
23 Vgl. Wüllenweber, Walter, Mutter Teresa - wo sind ihre Millionen? Nehmen ist seliger denn geben., in: Stern 10.09.1998, Nr. 38, S. 214
24 Le Joly, Edward, Wir leben für Jesus. Mutter Teresas geistlicher Weg, Freiburg 1978, S. 31
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4. Auf den Spuren Jesu Christi, „unterwegs im Dienste der
Liebe“
„Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ 25 (Joh 13,34-35)
Wie viel glücklicher wären wir, wenn alle Menschen dies in ihrem Leben anwenden würden? In der schnelllebigen Konsumwelt des 20. und 21. Jahrhunderts hat das Wort Liebe jedoch vielfach die eigentliche Bedeutung verloren. Unter „Liebe schenken“ verstehen viele nicht mehr das Schenken von Gefühlen an eine Person, die das Herz berühren und Kraft geben in schwierigen Lebenslagen und Situationen, sondern vielmehr materielle Dinge, die einem das Leben versüßen. Große Geschenke, wie ein Auto zum Geburtstag beispielsweise, von den Eltern geschenkt, wird von vielen Jugendlichen und Erwachsenen als Zeichen der Zuneigung, ja als ein Liebesbeweis von den Eltern verstanden. Die Größe des Geschenkes scheint also heutzutage zum Teil die Liebe und Zuneigung zu einer Person zu beschreiben.
Liebe schenken, das war es, was Mutter Teresa wollte! Aber nicht indem sie den Armen und Ausgestoßenen Kalkuttas Geld schenkte oder andere materielle Dinge, sondern indem sie sich gerade um die kümmerte und sorgte, die wirklich Liebe, Zuneigung und Unterstützung in Form von aufmunternden Worten brauchten, weil materielle Dinge ihr Leben nicht mehr gerettet oder versüßt hätten. Es waren die Sterbenden der Stadt Kalkutta um die sich sonst keiner mehr gekümmert hat, für die es nicht einmal eine Möglichkeit gab würdig zu sterben. Sie lagen Mutter Teresa am meisten am Herzen. „Um Hunde und Katzen kümmert man sich mehr als um seine Mitmenschen!“, beklagte sich Mutter Teresa voller Empörung, als sie eines Tages unweit eines Krankenhauses einen Sterbenden auf der Straße liegen sah. Nachdem Mutter Teresa zu diesem Mitmenschen, nach ihrer Bemühung um einen Krankenhausplatz und
25 Die Bibel, Einheitsübersetzung, Freiburg im Breisgau 1993
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erbettelten Arzneimitteln zurückkehrte, dieser jedoch in der Zwischenzeit schon verstorben war, reifte in ihr der Plan für die Errichtung eines Heims für Sterbende in Kalighat. 26
Dennoch verstand sich Mutter Teresa nicht als Krankenschwester, Ärztin, Lehrerin oder Sozialarbeiterin, sondern in erster Linie als Ordensschwester, die nicht der Arbeit wegen vor Ort ist, sondern in erster Linie Jesu wegen. Ihr Orden war an allererster Stelle also eine religiöse Gemeinschaft, die nicht nur den Armen sondern Jesus dient. Die Grundlage für ihr Engagement war der Satz aus dem Evangelium: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). 27
„Alles, was wir tun, tun wir für ihn. […] Wenn wir den Armen dienen, dann dienen wir Jesus. Ihn pflegen wir, ihm geben wir zu essen, ihn kleiden wir, ihn besuchen und trösten wir, wenn wir die Armen trösten, die Verlassenen, die Kranken, die Waisen, die Sterbenden. All unser Tun, unser Gebet, unsere Arbeit, unsere Leiden vollbringen und tragen wir für Jesus. Unser Leben hat keinen anderen Sinn und keine andere Motivation. Das ist etwas, was viele Menschen nicht verstehen können. […] Ihn liebe ich, wenn ich die Armen liebe, und durch ihn liebe ich die Armen. […] Jesus ist hier.“ 28
Geldsorgen und der Mangel an Hilfsmitteln konnten Mutter Teresa in ihrer Überzeugung nicht stoppen, denn sie vertraute und hörte auf Gott, der ihr den richtigen Weg zeigte, wie sie selbst sagte: „ Die Arbeit, die wir verrichten, dient ihm, und er kommt für uns auf. Wenn er uns bei einem bestimmten Werk unterstützt, zeigt er uns, dass es ihm lieb ist. Also, worum sollte ich mich sorgen?“ 29
26 Vgl. Le Joly, Edward, Wir leben für Jesus. Mutter Teresas geistlicher Weg, Freiburg 1978, S. 81
27 Vgl. Beckmann, Bernhard, Mutter Teresa. Was zählt ist das Herz. Gebete, Gedanken, Meditationen, Leipzig 2004, S. 7
28 Le Joly, Edward, Wir leben für Jesus. Mutter Teresas geistlicher Weg, Freiburg 1978, S. 81
29 Beckmann, Bernhard, Mutter Teresa. Was zählt ist das Herz. Gebete, Gedanken, Meditationen, Leipzig 2004, S. 7
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Voller Gottvertrauen und mit einer Aufgabe im Gepäck machte sich Mutter Teresa also daran ihre Aufgabe zu erfüllen und den Armen und Kranken zu dienen. Der Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“ war das Resultat ihrer Arbeit. Um Geld brauchte sich Mutter Teresa auch keine Sorgen zu machen, denn ihr Orden wurde weltberühmt und sie hatten durch die zahlreichen Spenden auch das meiste Geld. 30
5. Die Missionarinnen der Nächstenliebe
Der Orden, den Mutter Teresa gründete und weltberühmt machte, trägt auch heute noch nach dem Tod Teresas den gleichen Namen „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Im Jahre 1950 wurde die Regel der Kongregation „Missionarinnen der Nächstenliebe“ vom Vatikan offiziell approbiert. Dem Orden gehören heute ca. 2500 Schwestern an, die in etwa 340 Niederlassungen in 75 Ländern tätig sind. Zudem kommen noch ca. 440 „Missionare der Nächstenliebe“ in 85 weiteren Niederlassungen in 30 Ländern hinzu. 31 Es handelt sich bei den Häusern in erster Linie um Hospize und Waisenhäuser, wobei Mutter Teresa häufig betonte, dass es sich bei den Ordensschwestern weder um Krankenschwestern, Lehrerinnen oder Sozialarbeiterinnen handelt, sondern um Nonnen die selbst die Armut für sich entdeckt haben um Jesus Christus zu dienen. 32 Diese Einfachheit und ihr Charisma, vor allem aber die dienende Demut, mit der sie und die Schwestern den Armen halfen, haben Mutter Teresa und den Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“ zu einer Leitfigur gemacht. 33 Aufrecht erhalten wird der Orden durch die Schwestern und Brüder, die eine Ausbildung durchlaufen müssen.
30 Vgl. Wüllenweber, Walter, Mutter Teresa - wo sind ihre Millionen? Nehmen ist seliger denn geben., in: Stern 10.09.1998, Nr. 38, S. 215
31 Vgl. Beckmann, Bernhard, Mutter Teresa. Was zählt ist das Herz. Gebete, Gedanken, Meditationen, Leipzig 2004, S. 29
32 Vgl. N. N., Nachruf. Mutter Teresa 1910 - 1997, in: Spiegel 08.09.1997, Nr. 37, S. 234
33 Vgl. Venzky, Gabriele, Handfeste Heilige. Elendsbekämpfung, Geburtenkontrolle: davon hielt Mutter Teresa wenig. Aber als energische Helferin der Ärmsten war sie der Welt ein Vorbild, in: Die Zeit 12.09.1997, Nr. 38, S. 10
14
5.1 Die Schwesternausbildung
Die Schwesternausbildung war für Mutter Teresa von großer Bedeutung, denn sie wusste, dass der Orden nur überleben kann, wenn es genügend Schwestern gäbe, die die von ihr gegebenen Impulse verstärken und ausweiten können und bereitwillig und voller Hingabe am Ordensleben festhalten. Das Erziehungsziel bestand darin, die jungen
Ordensschwestern zur Christusfrömmigkeit zu führen und die Novizinnen auf die erwartete Lebensform einer Braut Christi vorzubereiten. 34 Die Missionarinnen der Nächstenliebe sollten ein sehr einfaches Leben führen. Dazu gehörte zwangsläufig die Abwendung von weltlichen Dingen und die Hinwendung allein zu Gott. 35 Mutter Teresa unterwies ihre Schwestern durch Wort und Tat, führte sie so ins geistliche Leben ein, gab ihnen den Sinn für Verzicht, Demut, Dienstbereitschaft, weckte die Liebe zu Gott und den Menschen und lehrte sie Gott im Gebet zu finden. Die Schwestern sollten lernen, auch in schwierigen Zeiten trotzdem ihre Aufgaben zu erfüllen. Sie verlangte von ihren Schwestern nichts, was sie sich nicht auch selbst abverlangt hätte. Ihren Aussagen nach habe sie selbst, wie Jesus auch, anderen die Füße gewaschen, Wunden ausgewaschen und verbunden, die verwaisten Kinder an sich gedrückt, den Verkrüppelten aufgeholfen und in den Slums die Armen, Kranken und Hungernden besucht und das trotz Durst, Hunger, Erschöpfung und gelegentlich bei Fieber und mit Krankheiten. 36
In einem Zeitungsinterview einer belgischen Zeitschrift sagte Mutter Teresa: „Am wichtigsten scheint mir, dass den Schwestern eine tiefe innere und persönliche Liebe zum Altarsakrament vermittelt wird. Dann können sie Jesus in der Eucharistie begegnen; dann können sie hinausgehen und Jesus im Nächsten begegnen und ihm in den Armen dienen.“ 37 Das Zentrum der Ausbildung liegt also im Insistieren auf
34 Vgl. Le Joly, Edward, Wir leben für Jesus. Mutter Teresas geistlicher Weg, Freiburg 1978, S. 169
35 Vgl. Wüllenweber, Walter, Mutter Teresa - wo sind ihre Millionen? Nehmen ist seliger denn geben., in: Stern 10.09.1998, Nr. 38, S. 222
36 Vgl. Le Joly, Edward, Wir leben für Jesus. Mutter Teresas geistlicher Weg, Freiburg 1978, S. 169- 171
37 Vgl. A.a.O., S.175
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Marcel Lange, 2008, Mutter Teresa und Lady Diana - Moderner Personenkult mit religiösem Hintergrund, München, GRIN Verlag GmbH
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