Inhalt
1. Einleitung 2
2. Vorab: Die Raumstruktur 2
2.1. Die Stadt offizieller und ziviler Raum 2
2.1.1. Der offizielle Raum vs. dem zivilen Raum 3
2.1.2. Das Gerichtsgebäude als Extremraum des offiziellen Raums 4
2.1.3. Die Teilräume des zivilen Raums 4
2.1.3.1. Die Wohnung der Geschwister Lipski. 4
2.1.3.2. Das Zimmer der Joanna Lipska und seine Gegenräume 4
2.1.3.3. D 5
2.1.4. Der ideale vs. dem realen Raum 6
2.1.5. Weitere Räume 7
3. Licht vs. Dunkelheit und unsichtbare Mächte 7
3.1. Das Licht als Bote des idealen Raums 7
3.1.1. Licht vs. Dunkelheit 9
3.1.1.1. Aus der Dunkelheit ins Licht 9
3.1.2. Licht vs. unsichtbare Kräfte 10
3.1.2.1. Aus dem Licht in die Dunkelheit 11
4. Augen und Sehen als Spiegel der Seele und Instrument der Erkenntnis 12
4.1. Die Augen als Spiegel der Seele 12
4.2. Das Sehen als Instrument der Erkenntnis 14
4.2.1. Joanna als Betrachtungsobjekt Blicke als Wendepunkte 14
4.2.1.1. 14
4.2.1.2. 15
4.2.1.3. Der Gerichtsvorsitzende 16
5. Fazit: Licht, Sehen, Augen Zusammenhänge im Text 17
6. Der kulturelle Hintergrund 19
7. Zusammenfassung und weiterführende Fragestellungen 21
8. Literaturverzeichnis 23
8.1. Primärliteratur 23
8.2. Sekundärliteratur 23
8.3. Nachschlagewerke 23
9. Abbildungen 24
1
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit liefert eine Strukturanalyse von Eliza Orzeszkowas Erzählung 1 anhand der Erzählstrukturelemente 2 Licht sowie
Augen und Sehen. Die Arbeit zeigt, dass diese für den behandelten Text von zentraler Bedeutung sind. Betrachtet werden in diesem Zusammenhang die Raumstruktur der Erzählung sowie die Figurencharakterisierung und die Bewegung der Figuren im Raum. Der ausführlichen, textimmanenten Analyse ist eine kurze Einordnung des Erzähltextes in den kulturellen Kontext seiner Entstehungszeit nachgestellt. Dies erscheint sinnvoll, da kein Text im luftleeren Raum existiert und eine Betrachtung seines Kontextes zu einem besseren Verständnis der herausgearbeiteten Strukturen beiträgt.
2. Vorab: Die Raumstruktur
vorwiegend semantisierte topographische Räume und Teilräume, die über ein verzweigtes Beziehungsgeflecht miteinander verknüpft sind. (Vgl. Abb. 1.)
Die Stadt offizieller und ziviler Raum 2.1.
Der augenfälligste Raum der dargestellten Welt ist der Großraum Stadt. Dieser zerfällt in zwei oppositionelle Teilräume: Zum einen kann innerhalb seiner ein offizieller Raum festgemacht werden, zu dem die Institutionen Jungenschule, Gymnasium, Landratsamt und vor allem das Gerichtsgebäude gehören. Zum anderen ist vom offiziellen Raum ein ziviler Gegenraum abzugrenzen, in welchem die Figuren der Diegese ihrem täglichen Leben nachgehen. Dieser umfasst das Mietshaus, in dem Joanna und Mieczys wohnen und dessen Innenhof. Auch die Wohnung, die die Geschwister mit ihrem Vater teilten bevor dieser starb, 3 muss zum zivilen Raum gerechnet werden.
1 Die zitierte Fassung der Erzählung ist erstmalig im Jahr 1886 als Fortsetzungsgeschichte in der Gazeta Warszawska erschienen; vgl. Gacowa, Halina, Eliza Orzeszkowa. Warschau usw. 1999 (= Bibliografia literatury polskiej: Nowy Korbut, 2), S. 32. Die der Arbeit zugrundeliegende Ausgabe: Orzeszkowa, Eli- Nowele. Warschau2004, S. 89-116.
2 Als Erzählstrukturelement wird hier die kleinste, nicht weiter zerlegbare Einheit des Erzähltextes als semantisches Strukturgefüge bezeichnet. Zu den Begriffen Element vgl. Krah, Hans, Einführung in die Literaturwissenschaft. Textanalyse. Kiel 2006, S. 48 ff.
2
2.1.1. Der offizielle Raum vs. dem zivilen Raum
Der Raum Stadt ist in seiner Gesamtheit mit dem Merkmal deutsch l 4 . Dieses manifestiert sich jedoch vor allem in den
Institutionen des offiziellen Teilraums: Das Gerichtsgebäude ist durch Deutschland er- D.S.] i wielki zbudowany przez 5 6 a-
7 entstammen der deutschen Sprache. Der zivile Teilraum hingegen ist zunächst weitestgehend frei von diesem Merkmal. Er ist in erster Linie der Lebensraum von Figuren, denen auf Grund ihrer Namen das Merkmal polnisch zuzuschreiben ist.
Der offizielle Raum zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm die als polnisch gekennzeichneten Figuren der Diegese zu ihren Ungunsten fremdbestimmt werden: Der alte Lipski wird von seiner Stellung als Lehrer an der Jungenschule entlassen; h- men,wo er offensichtlich ausgebeutet wird; Joanna wird im Gerichtsgebäude wegen dem privaten Unterrichten von Kindern angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Gegensatz dazu ist der zivile Raum zunächst ein Ort der Selbstbestimmung. Die hier situierten Figuren organisieren aus eigener Initiative Joannas Schule, welche in Opposition zum institutionellen Schulsystem des offiziellen Raums steht. Dem offiziellen und dem zivilen Teilraum können unterschiedliche Wertesysteme zugeordnet werden: Die durch den alten Lipski favorisierten Unterrichtsinhalte beziehungswe ku owoców swojej
8 Der von Joanna abgehaltene Unterricht wird hier als Vergehen einge Joann[a] Li 9 Vor
allem diese letzte Wertung wird von den Figuren des zivilen Raums nicht geteilt. So
dobrze czyni 10
4 Ebd., S. 91.
5 Ebd. 6 Ebd., S. 95. 7 Ebd. 8 Ebd., S. 93
9 Ebd., S. 103.
10 Ebd., S. 106.
3
2.1.2. Das Gerichtsgebäude als Extremraum des offiziellen Raums
Im Gerichtsgebäude, wo Joanna verurteilt wird, manifestieren sich das abweichende Wertesystem des offiziellen Raums sowie die Fremdbestimmung von Figuren, die als polnisch gekennzeichnet sind, am stärksten. Das Gericht wird im Text darüberhinaus am deutlichsten von allen institutionellen Gebäuden mit dem Merkmal deutsch verbun- 11 Esmuss daher als Extremraum des offiziellen, deutschen Raums angesehen werden. Zusätzlich ist festzuhalten, dass das Gerichtsgebäude der einzige öffent- o 12
2.1.3. Die Teilräume des zivilen Raums
Der zivile Raum ist, wie im Folgenden klar wird, in sich stark ausdifferenziert.
2.1.3.1. Die Wohnung der Geschwister Lipski
Einen Teilraum des zivilen Raums stellt die Wohnung der Geschwister Lipski dar. Diese zeichnet sich in erster Linie durch Ärmlichkeit aus. Dadurch steht die Behausung in Opposition zu dem Raum, den die Geschwistern zusammen mit dem Vater bewohn- 13 DieWohnung ver-
fügt über zwei Zimmer, die sich in ihren Merkmalen unterscheiden, das Zimmer Joan- 2.1.3.2. Das Zimmer der Joanna Lipska und seine Gegenräume
Im strukturellen Gefüge der Erzählung ist das Zimmer von Joanna Lipska ein Raum von zentraler Bedeutung. Neben Ärmlichkeit ist es vor allem gekennzeichnet durch Beengt-
[] 14 Damit steht es in direkter Opposition zum
Extremraum des offiziellen Raums, dem Gerichtsgebäude. Dieses wird im Text als riesig, weit ausgedehnt und vornehm dargestellt:
11 Ebd., S. 91.
12 Ebd., S. 108. 13 Ebd., S. 92. 14 Ebd., S. 94.
4
[]
15
Der Gegensatz von Klein und Groß wird im Text jedoch relativiert. So bereits durch die Ausi- 16
Überdies ist Joannas Zimmer gekennzeichnet durch die Merkmale Fleiß sowie
18 Da Joannas Unterricht hier stattfin-
det, ist die Wohnküche vor allen Dingen auch ein Ort des Lernens und der Bildung. Damit steht sie in Opposition zum Raum Schenke, die sich durch Schmutz, Müßiggang und unreflektierte Zügellosigkeit auszeichnet:
krzykiem zaw 19
Diese positiv/negativ Opposition wird durch eine klassische oben/unten Situierung der Räume verstärkt: Joannas Zimmer befindet sich in der Dachetage, die Schenke im Erdgeschoss des Mietshauses. Die übrigen Teile des Hauses, so etwa der Innenhof und die Waschküche, liegen mehr oder minder neutral zwischen diesen beiden Extrempolen.
2.1.3.3. l- lungein. Neben einem Schlaf- ist es vor allen Dingen ein Arbeitszimmer. Es ist mit aus dem Landratsamt stammenden Unterlagen angefüllt. Durch sie wird es mit dem Merkmal deutsch aufgeladen, welches ja eigentlich dem offiziellen Raum zugehörig ist. Um das vom Landratsamt vorgegebene Pensum zu bewältigen, muss der Kanzlist nach Feierabend in seinem Zimmer bis spät in die Nacht arbeiten. Dadurch wird der Raum zusätzlich mit dem Merkmal Fremdbestimmung in Verbindung gebracht. Auch diese ist in
15 Ebd., S. 103.
16 Ebd., S. 107. 17 Ebd., S. 97. 18 Ebd., S. 102.
19 Ebd., S.115.
5
erster Linie mit dem offiziellen Raum korreliert. Es ist also festzustellen, dass iziellen Raum eingenommen ist.
2.1.4. Der ideale vs. dem realen Raum
Ein weiterer wichtiger Raum der Diegese ist ein idealer Raum, der durch Joannas Träume und Phantasien aufgemacht wird. Der ideale Raum ist vor allen Dingen gekennzeichnet durch Glück und Reichtum im weitesten Sinne:
20
Er ist auch mit dem Merkmal Hoffnung verbunden, dass klassisch durch einen Regenbogen 21 symbolisiert wird:
22
Darüberhinaus ist der ideale Raum mit einem riesigen Bauwerk korreliert: 23 Dieses Merkmal teilt er mit dem offi-
ziellen Raum, dessen Extremraum das übergroße Gerichtsgebäude darstellt. Im Gegensatz zum Gerichtsgebäude wird die im idealen Raum herrschende Größe jedoch nicht relativiert. Da sich ihre wichtigsten Merkmale Glück beziehungsweise Fremdbestimmung gegenseitig ausschließen, stehen der ideale Raum und der offizielle Raum in direkter Opposition zu einander. 24
Eine weitergefasste Opposition besteht außerdem zwischen dem idealen Raum und dem gesamten Großraum Stadt. Dieser ist in diesem Zusammenhang als ein realer Raum zu sehen, der sich im Gegensatz zum idealen Raum durch Tristesse, Traurigkeit, Sorgen und Pragmatismus auszeichnet:
20 Ebd., S. 102.
21 / Jacob, Joachim (Hg.), Metzler Lexikon literarischer Symbole. Stuttgart usw. 2008, S. 291 ff. 22 23 Ebd.
24 Im weiteren Verlauf der Arbeit wird klar werden, dass der ideale Raum mit dem zivilen Raum in Verbindung steht, der ja ein Gegenraum des offiziellen Raums ist.
6
Arbeit zitieren:
Dominika Sobecki, 2009, Licht vs. Dunkelheit und unsichtbare Mächte, München, GRIN Verlag GmbH
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