Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Epoche der musikalischen Romantik-
typische Stilmittel und historische Kontextualisierung 4
3. „Winterreise“ allgemein
3.1 Werkgenese 6
3.2 Darstellung der Handlung 7
4. Analyse und Interpretation
4.1 Analyse und Interpretation des Liedes „Gute Nacht“ 8
4.2 Analyse und Interpretation des Liedes „Der Leiermann“ 11
5. Fazit 13
6. Anhang
6.1 Quellen- und Literaturverzeichnis 17
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1. Einleitung
Seit jeher herrscht in der musikalischen Fachwelt ein unermüdlicher Diskurs die Abgrenzung romantischer und klassischer Musik betreffend, auf den bereits mit dem Titel dieser Arbeit hingewiesen werden soll.
Die verschiedenen Standpunkte reichen von unterschiedlichen zeitlichen Ansätzen bis hin zu einer Zusammenlegung beider Epochen. Doch mit der Zeit und in Hinblick auf nachfolgende musikalische Strömungen bildeten sich dennoch zahlreiche Merkmale heraus, die als charakteristisch für das romantische Komponieren angesehen werden können. Wenngleich diese Merkmale keinen normativen Charakter haben, da sie sowohl vereinzelt in zeitlich früheren Werken vorkommen als auch über die Epoche der Romantik hinweg tradiert werden. So lässt sich aufgrund einer verstärkten Frequentierung bestimmter kompositorischer Praktiken in parallel entstehenden Arbeiten dennoch eine hinreichende Evidenz für die zeitliche Gebundenheit solcher Wesenheiten ausmachen, die dann retrospektiv zum „Typischen“ eines bestimmten Epochenkonstruktes erhoben werden. In einem ersten Schritt sollen in dieser Arbeit die wesentlichen dieser Charakteristika herausgearbeitet werden und im Anschluss auf ihr Vorhandensein in einem bedeutenden Werk dieser Zeit geprüft werden.
Als exemplarische Komposition soll in diesem Fall Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ dienen, da dieser -zumindest der Majorität der Epochenkonstrukte nachfolgend- zu einem recht frühen Zeitpunkt des musikalisch Romantischen entstanden ist. Somit steht er an der Schnittstelle der beiden diskutierten Epochen, was eine Analyse nochmals interessanter erscheinen lässt.
Durch die Analyse und Interpretation des einleitenden Liedes „Gute Nacht“, sowie des abschließenden Stückes „Der Leiermann“ soll, beispielhaft für den ganzen Zyklus, geprüft werden, welche Thematiken, Bilder und Stimmungen bedient und schließlich von Schubert in Musik gesetzt werden.
In einem Fazit soll schließlich erörtert werden, ob die Ergebnisse der Analyse mit den zuvor herausgearbeiteten epochentypischen Merkmalen übereinstimmen.
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2. Die Epoche der musikalischen Romantiktypische Stilmittel und historische Kontextualisierung
Ebenso wie der Epochenbegriff als solcher, wird auch die zeitliche Eingrenzung der musikalischen Romantik kontrovers diskutiert. Sie soll einen Rahmen aufspannen zwischen der „Wiener Klassik“ und der Musik der Moderne, der so genannten „Neuen Musik“. Doch eine „definitorische Festlegung“ 1 , bezüglich der Datierung scheint nahezu unmöglich, da, wie bereits in der Einleitung erwähnt, die Werke der Komponisten, die allgemeinhin als Inbegriff der Klassik gelten, vereinzelt jene Merkmale aufweisen, die rückblickend als typisch romantisch klassifiziert werden. Somit wird deutlich, dass die Grenzen zwischen klassischen und romantischen Epochenbegriff fließend sind. Dennoch existieren verschiedene Ansätze der Periodisierung, die oftmals eine dreiteilige Gliederung dieses Zeitraumes vorsehen. Demnach ergeben sich eine frühromantische (ca. 1800-1830), eine hochromantische (ca.1830-1850) und eine spätromantische Phase (ca. 1850-1890).
Das bereits lange zuvor verwendete Adjektiv „romantisch“ leitet sich ab von „romanisch“ (wie in einem Roman) und soll das „phantasiehaft Unwirkliche und (…) Gegenweltliche“ 2 zum Ausdruck bringen. Besonders durch E.T.A Hoffmanns Rezension der Fünften Symphonie Beethovens (1810) erhält dieser Terminus „ästhetischen Rang“ 3 , obwohl er auch schon im Vorfeld in Bezug auf Musik angewendet wird. Die Romantik steht für eine Abkehr von nüchterner Rationalität und Formvollendung, vielmehr dominieren Gefühl, Subjektivität und Fantasie. Themen wie Fremde, Ferne, Tod, Nacht, Traum, Liebe und Sehnsucht spiegeln dies wieder. Eine besondere Bedeutung kommt auch der Natur zu, die das Nicht-Kontrollierbare repräsentiert.
Während die klassischen Komponisten die „von der Natur der Tongesetze gegebenen Bedingungen“ 4 respektierten, werden diese normativen Muster nun zusehends aufgeweicht. Durch die Hinzuziehung chromatischer und enharmonischer Wendungen, wird der harmonische Bereich erweitert. Somit entstehen vermehrt Klänge, die nicht teleologisch einem Abschluss entgegenstreben, sondern sich „ins Nichts“ 5 zu verlieren scheinen. Diese Erweiterung des harmonisch-tonalen Rahmens bildet hier bereits den Grundstein für die
1 Eggebrecht, Hans Heinrich: Romantisch, Romantik, in: Handwörterbuch der musikalischen Terminologie, hrsg. von Albrecht Riethmüller, Stuttgart 1997, S.1
2 ebd.
3 ebd.
4 Eggebrecht, Hans Heinrich: Romantisch, Romantik, in: Handwörterbuch der musikalischen Terminologie, hrsg. von Albrecht Riethmüller, Stuttgart 1997, S.5
5 Romantik, in: Schubert-Lexikon, hrsg. von Ernst Hilmar und Margret Jestremski, Graz 1997, S.375
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spätere Entwicklung der Harmonik, die sich während des Impressionismus weiter von der „klassischen“ Tonalität entfernt und sich im Expressionismus in vollkommene Losgelöstheit entfaltet. Außerdem lassen sich neben den Quintverwandtschaften von Akkorden, Terzverwandtschaften, so genannte Medianten ausmachen. Neben den harmonischen Neuerungen, sind auch Rhythmik und Dynamik im Wandel. In den Kompositionen findet sich nun häufiger eine „Polyrhythmie“ 6 , unterschiedliche, teils komplexe Rhythmen, die gleichzeitig oder nacheinander auftreten. Die Verwendung von Synkopen und Überbindungen, sorgt für eine Verschleierung des Taktschwerpunktes. Darüber hinaus verfügen die Werke nun über eine differenziertere Dynamik.
Wenngleich die Romantik die Gattungen der Klassik übernimmt, erhalten diese nun einen, mehr oder weniger, veränderten Charakter. Vor allem die Dimensionen der Werke variieren im Laufe der Epoche stark. Denn während Wagner gegen Ende des musikalisch Romantischen für monumentale Tonkunst steht, ist anfänglich eher eine Tendenz zur „kleineren Form“ auszumachen. Besonders ausgeprägt ist die Gattung „Lied“. Sie transportiert durch eine „poetisierende Begleitung“ 7 die enge Verbindung von Text und Musik.
Während des 19. Jahrhunderts nimmt die Bildung einer öffentlichen Musikszene weiter zu, Konzertveranstaltungen und Opernaufführungen werden zunehmend besucht. Musik wird aber auch in den aufkommenden Salons rezipiert, oder innerhalb des eigenen Hauses (Hausmusik) dargebracht. Die Zeit ist geprägt durch das Metternichsche System und der angestrebten Restauration nach dem Wiener Kongress, was sich durch die strenge Zensur auch auf die Künstler auswirkt. Dies erklärt die Flucht aus der „biederen“ Realität, in das Traumhafte oder Thematiken aus ferner Vergangenheit. Ebenso findet auch eine Hinwendung zu volkstümlichen oder national gefärbten Stilen statt, die oftmals Ausdruck der unterdrückten liberalen und nationalen Gedanken sind.
6 Romantik, in: Schubert-Lexikon, hrsg. von Ernst Hilmar und Margret Jestremski, Graz 1997, S.375
7 ebd.
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Arbeit zitieren:
Jan Wellnitz, 2009, Stilmittel der musikalischen Romantik - nachgewiesen an ausgewählten Liedern aus Schuberts Zyklus "Winterreise", München, GRIN Verlag GmbH
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