Verzeichnisse III
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
1.1 Themenstellung. 1
1.2 Gang der Arbeit 2
2 Ethikbasierte Investments 3
2.1 Grundlagen ethikbasierter Investments. 4
2.1.1 Definition und Begriffserklärung 4
2.1.2 Überblick über die Entwicklung 7
2.1.3 Gegenwärtige Marktsituation. 8
2.1.3.1 Ethikbasierte Geldanlagen in Deutschland 10
2.1.3.2 Ethikbasierte Geldanlagen in der Schweiz 10
2.1.3.3 Ethikbasierte Geldanlagen in Österreich 10
2.1.3.4 Trends in Deutschland, der Schweiz und Österreich. 10
2.2 Argumente pro und contra ethikbasierte Investments 12
2.3 Ethikbasierte Geldanlagen - Produkte. 14
2.3.1 Aktien 14
2.3.2 Anleihen 16
2.3.3 Direktbeteiligungen 17
2.3.4 Immobilien. 18
2.3.5 Investmentfonds. 19
2.3.5.1 Indexfonds 20
2.3.5.2 Nachhaltigkeitsfonds 21
2.3.5.3 Ökologische Aktienfonds 21
2.3.5.4 Renten- und Mischfonds. 23
2.3.5.5 Technologiefonds 24
2.3.5.6 Themenfonds. 25
2.3.6 Lebensversicherungen. 26
2.3.7 Mikrofinanzierungen. 27
2.3.8 Sparanlagen. 29
3 Probleme der Implementierung ethikbasierter Investments. 30
3.1 Mangelnde Kenntnis ethikbasierter Investments. 30
3.2 Unschärfen bei der Bestimmung ethikbasierter Investments 31
3.3 Erwartung einer schlechteren finanziellen Performance 32
3.4 Informationsdefizite 33
Verzeichnisse IV
3.5 Fehlende Markttransparenz 34
3.6 Problematik der Datenerhebung. 37
4 Ansätze zur Problemlösung. 39
4.1 Finanzrating 39
4.2 Nachhaltigkeitsrating 41
4.2.1 Definition 41
4.2.2 Anforderungen an nachhaltige Ratings 42
4.2.2.1 Unabhängigkeit. 42
4.2.2.2 Vollständigkeit 43
4.2.2.3 Vergleichbarkeit. 43
4.2.3 Der Rating Prozess 44
4.2.3.1 Kriterienauswahl und Operationalisierung 45
4.2.3.1.1 Engagement Ansatz. 45
4.2.3.1.2 Negativkriterien 46
4.2.3.1.3 Positivkriterien. 47
4.2.3.1.4 Best-in-Class-Ansatz. 48
4.2.3.2 Informationsgewinnung und -verarbeitung. 50
4.2.3.3 Standardisierung und Qualitätssicherung 51
4.2.3.3.1 Frankfurt-Hohenheimer-Leitfaden 51
4.2.3.3.2 Eurosif Transparenzleitlinien 53
4.2.3.3.3 Europäisches Transparenzlogo. 56
4.2.3.3.4 CSRR-QS 57
4.2.4 Nutzen nachhaltiger Ratings 58
4.2.5 Grenzen nachhaltiger Ratings. 59
4.3 Überblick über Agenturen des Nachhaltigkeitsratings in Europa. 60
4.3.1 Bank Sarasin. 60
4.3.2 EIRis 61
4.3.3 Imug 61
4.3.4 Innovest 62
4.3.5 SAM 62
4.3.6 SiRi 63
4.3.7 oekom research AG 63
4.3.7.1 Untersuchungskriterien. 65
4.3.7.2 Ratingprozess 67
Verzeichnisse V
4.3.8 Fazit 70
4.4 Nachhaltigkeits Indizes als Orientierungsgröße 71
4.4.1 Dow Jones Sustainability World Index 71
4.4.2 Natur-Aktien-Index (NAI) 74
4.4.3 Fazit 75
4.5 Nachhaltigkeits-Zertifikate 76
4.5.1 Das Umweltzeichen für grüne Fonds 76
4.5.2 Die Australische Responsible Investment Certification 78
4.5.3 Ethibel European Quality Label. 79
4.5.4 Panda WWF. 79
4.5.5 Fazit 80
5 Resümee 81
5.1 Kritische Würdigungen 81
5.2 Ausblick. 82
Literaturverzeichnis 83
Verzeichnisse
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Ethische Konzepte
Abb. 2: Nachhaltige Investments im deutschsprachigen Raum, 2006-2007.
Abb. 3: Typologisierung ethisch-nachhaltiger Fonds
Abb. 4: Beispiele für Negativkriterien.
Abb. 5: Beispiele für Positivkriterien
Abb. 6: Rating - Konzept auf Basis des Frankfurt-Hohenheimer-Leitfadens.
Abb. 7: Bestandteile des Corporate Responsibility Rating
Abb. 8: Ratingprozess
Abb. 9: DJSI World Performance Lancierung
Abb 10: DJSI World Regionale Allokation
Verzeichnisse VII
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Argumente zur Wertentwicklung ethisch-nachhaltiger Geldanlagen……...…12 Tab. 2: Kriterien der „Grundsätze des Nachhaltigkeitsrating“ des BdRA…………….44
Verzeichnisse VIII
Abkürzungsverzeichnis
ATX…………...Austrian Trade Index
BdRA…………Bundesverband der Ratinganalysten und Ratingadvisor CSR…………..Corporate Social Responsibility
CSRR-QS……Corporate Sustainability and Responsbility Research Quality Standart EIRis………….Ethical Investment Research Service DJSGI………...Dow Jones Sustainable Group Index DJSI World…...Dow Jones Sustainability World Index Eurosif…..........European Sustainable and Responsible Investment Forum FMA…………...Finanzmarktaufsicht Imug………......Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft Innovest………Innovest Strategic Value Advisors MFI…………….Mikrofinanzinstitut NAI…………....Natur Aktien Index OeKB………....Österreichische Kontrollbank OeSFX………..OeKB Sustainability Fund Index RIAA…………..Responsible Investment Association Australia SAM…………...Sustainable Asset Management SiRi……………Sustainable Investment Research International SRI…………....Social Responsible Investments UN…………….Vereinte Nationen VAG…………...Versicherungsaufsichtsgesetz WWF………….World Wide Fund For Nature
Ethikbasierte Investments 1
1 Einleitung
1.1 Themenstellung
Jüngste wirtschaftliche Ereignisse, welche auf nicht verantwortliches Handeln zurückzuführen sind, haben uns gezeigt, dass die Wirtschaft langfristig nicht auf diese Art und Weise funktionieren kann. Dem Aspekt der Nachhaltigkeit wird seitens der Unternehmungen aber auch seitens der Konsumenten immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
Dadurch lässt sich auch das steigende Interesse an ethikbasierten Geldanlagen erklären. Immer mehr institutionelle aber auch private Anleger wollen wissen, wofür sie ihr Geld einsetzen und sie wollen ethisch-nachhaltige Aspekte in ihre Investitionsentscheidungen miteinbeziehen.
Doch dieser neue Investmentstil sieht sich noch mit zahlreichen Problemen konfrontiert, welche die Implementierung ethikbasierter Investments auf dem Geldmarkt erschweren.
Ziel dieser Arbeit ist es, zunächst einen umfassenden Überblick über die ethikbasierten Veranlagungen zu geben und anschließend aufzuzeigen, welche Probleme bei der Umsetzung ethikbasierter Investments in der Praxis auftreten können. Danach wird überprüft, welche Lösungsansätze es in der Praxis für diese Probleme gibt und inwieweit diese in Bezug auf die Lösung der vorliegenden Problematik geeignet sind.
Ethikbasierte Investments 2
1.2 Gang der Arbeit
Einleitend werden im Kapitel 2 die Grundlagen ethikbasierter Investments erörtert. Ausgehend von der Definition der Begriffe „ethikbasiert“, „ethisch-nachhaltig“ und „ethisch-ökologisch“ legt dieses Kapitel die Geschichte, die Entwicklung und die gegenwärtige Marktsituation ethikbasierter Investments dar. Danach werden die pro und contra Argumente bezüglich ethikbasierter Investments gegenübergestellt und es folgt eine Spezifikation ethikbasierter Geldanlagen; hier soll vor allem gezeigt werden, welche vielfältigen Geldanlagemöglichkeiten dem Investor zur Verfügung stehen.
Das dritte Kapitel widmet sich den möglichen Problemen, die bei der Umsetzung des Angebots ethikbasierter Investments auftreten können. Zu diesen Problemen zählen vor allem die mangelnde Kenntnis ethikbasierter Investments, Unschärfen bei der Bestimmung ethikbasierter Investments, die Erwartung einer schlechteren finanziellen Performance, Informationsdefizite seitens der Anleger sowie eine fehlende Markttransparenz und Probleme bei der Datenerhebung, welche für die Gestaltung nachhaltiger Ratings aber notwendig sind.
Das vierte Kapitel versucht die zentrale Frage zu beantworten, ob in der Praxis Ansätze existieren, die die Probleme, die bei der Umsetzung ethikbasierter Investments auftreten können, lösen können. Hier werden vor allem gängige Ansätze aus der Praxis explizit vorgestellt und es wird untersucht, inwiefern sie zur Problemlösung geeignet sind. Vorgestellt werden das Nachhaltigkeitsrating der oekom research AG, Nachhaltigkeits Indizes wie der Dow Jones Sustainability Indexes (DJSI) oder der Natur-Aktien-Index (NAI) und schlussendlich werden einige Nachhaltigkeits-Zertifikate veranschaulicht.
Abschließend erfolgen im fünften Kapitel eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen dieser Diplomarbeit und ein kurzer Ausblick auf die mögliche Entwicklung ethikbasierter Investments.
Ethikbasierte Investments 3
„Das höchste Ziel des Kapitals ist nicht, Geld zu verdienen, sondern der Einsatz von
2 Ethikbasierte Investments
„Ethikbasierte“ bzw. „ethisch-nachhaltige“ Investments gewinnen weltweit an Bedeutung. Für institutionelle aber auch für private Anleger wird es immer wichtiger, sich mit ethischen, sozialen und umweltfreundlichen Anlageformen
auseinanderzusetzen, 1 wobei immer mehr Anleger noch zusätzlich soziale und ökologische Kriterien in ihre Anlageentscheidungen mit einbeziehen. Sie sind neben den klassischen Kriterien der Geldanlage daran interessiert zu erfahren, wofür sie ihr Geld einsetzen. 2
Bei einer Geldanlage werden immer drei Ziele verfolgt: Erstens soll das Geld möglichst sicher angelegt werden; dabei versucht man, das Risiko möglichst gering zu halten. Zweitens soll das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar bzw. liquidierbar sein. Und drittens sollte dabei noch eine Rendite erzielt werden. Diese drei Anforderungen werden in der Literatur als „Magisches Dreieck“ bezeichnet und stehen in Verbindung zueinander. 3
„Ethisch-nachhaltige“ Geldanlagen - eine Begriffserklärung folgt später - ergänzen die klassischen Dimensionen von Geldanlagen um eine vierte Dimension, nämlich die ethische Verantwortung. Diese neue Dimension beinhaltet Ethik-Themen wie Soziales, Humanes und Ökologie und bildet zusammen mit den klassischen Dimensionen ein „magisches -Viereck“. 4
1 Vgl. Dreblow [ethics in investment 2005], S.5.
2 Vgl. Franck et al. [Markt für nachhaltige Investments 2002], S.47.
3 Vgl. Gabriel/Schlagnitweit [Das gute Geld 2009], S.114.
4 Vgl. Friesenbichler/Reithofer [Kriterien ethischer Veranlagung 2001], S.68.
Ethikbasierte Investments 4
Demnach werden bei der Auswahl „ethisch-nachhaltiger“ Investments neben den Faktoren wie Rentabilität, Sicherheit und Liquidität auch Nachhaltigkeitskriterien miteinbezogen. 5
In diesem Abschnitt wird versucht, einen umfassenden Überblick über die ethischnachhaltigen Investments zu geben, wobei auf die wichtigsten Anlagenformen und insbesondere auf die Investmentfonds detailliert eingegangen wird.
2.1 Grundlagen ethikbasierter Investments
2.1.1 Definition und Begriffserklärung
Die Begriffe „ethikbasiert“, „ethisch-nachhaltig“ und „ethisch-ökologisch“ werden im Folgenden als Sammelbegriffe für Geldanlagen verwendet. Diese Geldanlagen verfügen über viele Bezeichnungen und die Bemühungen, die verwendeten Begriffe zu differenzieren und zu definieren, sind zahlreich, bleiben aber meist unbestimmt. 6 Das Ziel dieser speziellen Geldanlagen ist jedoch immer dasselbe, nämlich ein verantwortungsvoller, nachhaltiger Ansatz, der soziale, kulturelle und ökologische Faktoren berücksichtigt. 7
Die Bezeichnungen für „ethikbasierte“ Geldanlagen sind länderspezifisch unterschiedlich. In den USA ist der Begriff „SRI“ (Social Responsible Investment) für „ethikbasierte“ Geldanlagen gängig, in Großbritannien verwendet man hingegen die Bezeichnung „Ethical Investments“. 8
„Nachhaltiges Investment“ bedeutet, auf ökonomische, ökologische und soziale Belange Rücksicht zu nehmen, verantwortlich zu handeln und nebenbei noch gute Erträge aus Investments zu erzielen, 9 während sich das „Ethische Investment“ auch um die Einhaltung von kulturell geprägten Werten und Normen bemüht, religiöse und weltanschauliche Werte werden bei dieser Geldanlage berücksichtigt. Demnach
5 Vgl. von Rosen [Nachhaltige Geldanlagen 2009], S.83.
6 Vgl. Gabriel [Nachhaltigkeit am Finanzmarkt 2007], S.82.
7 Vgl. Pinner [Ethische Investments 2003], S.20f.
8 Vgl. Pinner [Ethische Investments 2003], S.21.
9 Vgl. Pinner [Nachhaltig investieren 2008], S.18f.
Ethikbasierte Investments 5
verzichten Anleger auf Investitionen in Unternehmen im Bereich Glücksspiel, Tabak oder Alkohol. 10
In der Folge wird diese Diplomarbeit meist durch die Begriffe „ethikbasiert“, „ethischnachhaltig“ und „ethisch-ökologisch“ geprägt sein. Der Unterschied besteht in der Berücksichtigung der ökonomischen Komponente. Diese ist im „ethischnachhaltigen“ Ansatz stets vorhanden, wobei der „ethisch-ökologische“ Ansatz nicht ausdrücklich ertragsorientiert ist. Die folgende Abbildung soll diese Zusammenhänge veranschaulichen. 11
Abb. 1: Ethische Konzepte
Vermutlich lässt sich keine einheitliche Definition für ethikbasierte Geldanlagen finden, trotzdem ist es wichtig, zentrale Themen und Standards einer ethikbasierten Geldanlage zu benennen. 12 Eine solche Präzisierung aus ökonomischer, ökologischer und sozial-kultureller Perspektive bietet neben dem gerade erörterten Konzept von Pinner auch die Darmstädter Definition ethischer Geldanlagen, welche Folgendes besagt:
10 Vgl. Oberdorfer [Ethisch-nachhaltige Investments 2007], S.24f.
11 Vgl. Pinner [Ethische Investments 2003], S.20f.
12 Vgl. Gabriel [Ethik in der Geldanlage 2008], S.31.
Ethikbasierte Investments 6
Aus ökonomischer Sicht erfordern ethikbasierte Geldanlagen, dass Renditen auf Basis langfristiger Produktions- und Investitionsstrategien und nicht im Sinn kurzfristiger Gewinnmaximierung erwirtschaftet werden, Erträge aus Finanzanlagen in vertretbarer Relation zu den Erträgen aus realer Wertschöpfung stehen, 13
die Erfüllung elementarer Bedürfnisse (z.B. Trinkwasserversorgung) nicht gefährdet wird und Gewinne nicht auf Korruption beruhen. 14
Aus ökologischer Sicht wird gefordert, dass die Gewinnerzielung auf einer Steigerung der Ressourcenproduktivität, Investitionen in erneuerbare Ressourcen, einer Wiederverwendung gebrauchter Stoffe und der Erhaltung von Ökosystemen (z.B. Regenwälder) beruht. 15
Aus sozialer und kultureller Sicht ist es notwendig, dass die Gewinnerzielung in Einklang steht mit der
Entwicklung des Humankapitals (z.B. Vereinbarkeit von Beruf und Familie), Entwicklung des Sozialkapitals (z.B. Geschlechtergerechtigkeit) und Entwicklung des Kulturkapitals (z.B. Respekt vor kultureller Vielfalt). 16
Die Vielzahl der Begriffe und Definitionen ist stellvertretend für die Vielfalt dieser neuen Möglichkeiten einer Geldanlage, 17 doch eines ist allen Definitionen gemeinsam, nämlich dass ethisches Handeln aktive Weltgestaltung bedeutet. 18
13 Vgl. Gabriel/Schlagnitweit [Das gute Geld 2009], S.119.
14 Vgl. Gabriel [Ethik in der Geldanlage 2008], S.31.
15 Vgl. Gabriel/Schlagnitweit [Das gute Geld 2009], S.120.
16 Vgl. Gabriel [Ethik in der Geldanlage 2008], S.32.
17 Vgl. von Flotow [Anlageuniversum 2008], S.11.
18 Vgl. Gabriel/Schlagnitweit [Das gute Geld 2009], S.121.
Ethikbasierte Investments 7
2.1.2 Überblick über die Entwicklung
Die Entwicklung ethikbasierter Investitionen ist keine temporäre Erscheinung, sondern eine nachhaltige Entwicklung - insbesondere am Kapitalmarkt. Die Verbindung von Ethik und Ökonomie reicht bis in die Antike zurück, es wurde schon damals über den Umgang mit Geld und dabei insbesondere über das Zinsnehmen nachgedacht. Es herrschte eine ablehnende Haltung gegenüber dem Zinsnehmen, der die Idee zugrunde lag, dass sich Geld nicht selbst vermehren könnte und Zinsnehmen daher unnatürlich wäre. Bereits Aristoteles 19 erkannte, dass man Wirtschaft und Ethik nicht trennen sollte, sondern Ethik, Ökonomie und Politik Teile der praktischen Philosophie sind. Adam Smith 20 entwickelte als Professor der Moralphilosophie wichtige Aspekte der Ethik. 21
Die Idee, Geldanlagen an moralischen Kriterien auszurichten, stammt von christlich geprägten Investoren, den Methodisten und Quäkern. Ihre religiöse Grundhaltung verbot es ihnen, in Unternehmen zu investieren, die Geschäfte mit Tabak, Waffen und Alkohol machten. Sie bezeichneten solche Investitionen als „Sin Stocks“ oder Sündenaktien. 22
Im Jahre 1928 fand der Einzug des Ethikgedankens am Kapitalmarkt in Amerika statt und zwar mit der Auflage des Pioneer Fund in Boston. Dieser war darauf ausgelegt, religiöse Ansprüche zu erfüllen; man schloss Firmen aus, die mit Waffen und Sklaverei in Zusammenhang standen. 23
In den sechziger Jahren unterstützten verschiedenste politische, ökologische, feministische und pazifistische Bewegungen die Entwicklung des
verantwortungsbewussten Investment. 24
19 Aristoteles war ein griechischer Philosoph.
20 Adam Smith war Begründer der modernen Nationalökonomie im 18. Jahrhundert.
21 Vgl. Werner [Ökologische Investments 2009], S.27.
22 Vgl. Werner [Ökologische Investments 2009], S.27f.
23 Vgl. Kirchhoff [Investor Relations 2007], S.109.
24 Vgl. Werner [Ökologische Investments 2009], S.27f.
Ethikbasierte Investments 8
In den Siebzigerjahren kam es vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs und der damals aufkommenden Friedensbewegung zu einem weiteren Aufschwung der ethikbasierten Investments. 25 Es erfolgte der Aufruf, sein Geld nicht in Unternehmen zu investieren, die in Südafrika oder in der Rüstungsindustrie tätig waren. Unternehmen begannen sich daraufhin aus Südafrika zurückzuziehen. 26
1971 wurde der Pax World Funds, der erste ethische Investmentfonds gegründet, der eine Geldanlage nach ökologischen, politischen, sozialen und religiösen Kriterien bewertete. Heute sind solche „Social Responsible Investments“ 27 aus dem amerikanischen Wirtschaftsleben nicht mehr wegzudenken. 28
In Europa konnte sich die Idee der verantwortlichen Geldanlage erst spät etablieren. Das Anlageverhalten war aufgrund zahlreicher Ereignisse in den 1980er Jahren, welche die Frage des Umweltschutzes mit der Rolle der Industrie und der Finanzwirtschaft in Verbindung brachten, eher ökologisch orientiert. Es entstanden Öko-Fonds, Öko-Banken und zahlreiche Öko-Produkte. 29 So kam der erste ethische Investmentfonds 1984 auf den Markt: der Stewardship Unit Trust der britischen Versicherungsgesellschaft Friends Provident. 30 Inzwischen hat sich der Markt für ethikbasierte Investments europaweit etabliert.
2.1.3 Gegenwärtige Marktsituation
Mittlerweile existieren zahlreiche Erhebungen über den Markt ethikbasierter Geldanlagen. Das Zahlenmaterial weist allerdings erhebliche Differenzen im vorhandenen Marktvolumen auf. Dies resultiert daraus, dass einerseits fast alle Studien unterschiedliche Produktkategorien einbeziehen; andererseits entstehen große Differenzen bei der Zuordnung des Investitionsvolumens zu einzelnen Ländern. 31
25 Vgl. Kirchhoff [Investor Relations 2007], S.109.
26 Vgl. Schneeweiß [Kursbuch ethische Geldanlagen 2002], S.90.
27 Social Responsible Investment ist der amerikanische Ausdruck für „ethikbasierte“ Investments.
28 Vgl. Werner [Ökologische Investments 2009], S.28.
29 Vgl. Oberdorfer [Ethisch-nachhaltige Investments 2007], S.27.
30 Vgl. Werner [Ökologische Investments 2009], S.28.
31 Vgl. Faust/Scholz [Nachhaltige Geldanlagen 2008], S.153.
Ethikbasierte Investments 9
Laut Forum Nachhaltige Geldanlagen 32 betrug das Volumen nachhaltiger Geldanlagen Ende 2007 in Deutschland, Österreich und der Schweiz 33,2 Milliarden Euro. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg von 69%. 33
In Deutschland stieg das Volumen der nachhaltigen Investments im Vergleich zu 2006 um 85% auf 11,1 Milliarden Euro und in der Schweiz um 71% auf knapp 21 Milliarden Euro. In Österreich sank das Volumen nachhaltiger Geldanlagen leicht von 1,4 Milliarden auf 1,17 Milliarden Euro, was folgende Abbildung auch veranschaulicht: 34
Abb. 2: Nachhaltige Investments im deutschsprachigen Raum, 2006-2007
In den USA betrug das Volumen an ethischen bzw. nachhaltigen Investments Ende 2007 ca. 2,71 Billionen USD, was einem Marktanteil von ca. 11% entspricht. Im Jahr 2005 lag der Anteil noch bei 9,8%. 35
32 Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) ist ein Zusammenschluss von rund 120 Unternehmen und Organisationen, die sich für nachhaltige Geldanlagen einsetzen; http://www.forum-ng.org.
33 Vgl. Faust/Scholz [Nachhaltige Geldanlagen 2008], S.153.
34 Vgl. Kahlenborn/Fritzsche [Nachhaltiger Anlagemarkt 2008], S.5.
35 Vgl. Faust/Scholz [Nachhaltige Geldanlagen 2008], S.153.
Ethikbasierte Investments 10
2.1.3.1 Ethikbasierte Geldanlagen in Deutschland
Im Statusbericht Anlagemarkt 2008, den das Forum Nachhaltige Geldanlagen veröffentlicht hat, ist nachzulesen, dass Ende 2007 knapp 11,1 Milliarden Euro in nachhaltige Geldanlagen investiert wurden - dies ist fast doppelt soviel wie im Jahr 2005. Im Verhältnis zum gesamten Geldvermögen in Deutschland machen ethischnachhaltige Geldanlagen im Jahr 2007 mit 0,7% jedoch nur einen bescheidenen Anteil aus. 36
2.1.3.2 Ethikbasierte Geldanlagen in der Schweiz
Der nachhaltige Anlagemarkt in der Schweiz ist seit 2007 wie schon bereits in den Vorjahren stetig gewachsen. Das Volumen der nachhaltigen Assets under Management 37 stieg bei den schweizerischen Finanzdienstleistern im Vergleich zum Jahr 2006 um 71% auf rund 20,9 Milliarden Euro. 38
2.1.3.3 Ethikbasierte Geldanlagen in Österreich
Seit 2005 erlebte der nachhaltige Anlagemarkt in Österreich eine Berg- und Talfahrt. Ende 2007 wurden rund 1,17 Milliarden Euro in den nachhaltigen Markt investiert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Minus von 16 Prozent. Der Rückgang ist damit zu begründen, dass im vergangenen Jahr ein großer österreichischer Marktteilnehmer seine Investitionen in nachhaltige Geldanlagen verringerte. 39
2.1.3.4 Trends in Deutschland, der Schweiz und Österreich
Im deutschsprachigen Raum verzeichnen ethikbasierte Geldanlagen deutliche Zuwächse. Jedoch zeigt sich auch, dass ethisch-nachhaltige Geldanlagen in allen drei Ländern eine Randerscheinung auf den Finanzmärkten darstellen, denn lediglich ein bis zwei Prozent aller veranlagten Gelder sind nachhaltig investiert. 40 Betrachtet
36 Vgl. Upgang [Gewinn mit Sinn 2009], S.66f.
37 Die hier dargestellten Daten wurden nur unter Asset Managern erhoben und schließen nicht die Assets institutioneller Investoren wie etwa Pensionsfonds mit ein.
38 Vgl. Kahlenborn/Fritzsche [Nachhaltiger Anlagemarkt 2008], S.21.
39 Vgl. Kahlenborn/Fritzsche [Nachhaltiger Anlagemarkt 2008], S.18.
40 Vgl. Gabriel [Nachhaltigkeit am Finanzmarkt 2007], S.94.
Ethikbasierte Investments 11
man hingegen den Anteil nachhaltiger Geldanlagen am gesamten Anlagevolumen in den USA, der bei 11% liegt, lässt sich schnell das Potenzial dieser Anlageform erkennen. 41
Kirchliche Einrichtungen zählen in allen drei Ländern zu den wichtigsten institutionellen Investoren, die Anzahl der privaten Investoren steigt rapide und trägt sichtlich zum Wachstum ethikbasierter Geldanlagen bei. Staatliche Pensionsfonds und die österreichischen Mitarbeitervorsorgekassen unterstützen zusätzlich den Trend bei nachhaltigen Geldanlagen. 42
Es kann konstatiert werden, dass der Markt für ethikbasierte Geldanlagen in ganz Europa an Bedeutung gewinnt. Dabei wächst nicht nur das Anlagevolumen, sondern auch die Anzahl der angebotenen Produkte. Immer mehr Produktanbieter befassen sich mit ethisch-nachhaltigen Geldanlagen und erweitern ihre Angebotspalette dementsprechend. 43 Für Europa wird ein Wachstumsschub für ethisch-nachhaltige Geldanlagen vorhergesagt. Roland Kölsch, Fondsmanager für ethische Fonds bei Dexia AM in Brüssel, geht davon aus, dass der Anteil von ethisch verwalteten Geldern in Deutschland in den nächsten Jahren auf fünf bis zehn Prozent des Gesamtmarktes anwachsen wird. 44
Das Beratungsunternehmen Mercers befragte 190 institutionelle Investmentmanager: drei Viertel unter ihnen erwarteten, dass in Deutschland in zehn Jahren neben Rendite, Risiko und Liquidität auch ethische Kriterien bei der Finanzanalyse einen wichtigen Bestandteil ausmachen würden. Sollte dies zutreffen, würde sich der Markt der ethikbasierten Geldanlagen vom Nischenmarkt zum Massenmarkt entwickeln. 45
41 Vgl. Faust/Scholz [Nachhaltige Geldanlagen 2008], S.135.
42 Vgl. Gabriel [Nachhaltigkeit am Finanzmarkt 2007], S.94f.
43 Vgl. Faust/Scholz [Nachhaltige Geldanlagen 2008], S.135.
44 Vgl. Nitzl [Ethikfonds 2008], S.13.
45 Vgl. Nitzl [Ethikfonds 2008], S.13.
Ethikbasierte Investments 12
2.2 Argumente pro und contra ethikbasierte Investments
Generell sprechen mehr Argumente für ethikbasierte Investments als dagegen. In der folgenden Tabelle werden für eine erste Übersicht einige Argumente zur Wertentwicklung, die für eine ethikbasierte Veranlagung bzw. für eine traditionelle Veranlagung sprechen, tabellarisch gegenübergestellt.
Ethikbasierte Investments 14
2.3 Ethikbasierte Geldanlagen - Produkte
In diesem Kapitel wird näher auf die einzelnen ethikbasierten Anlageformen eingegangen. Den ethikbasierten Investmentfonds wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt, da die ethikbasierten Investmentfonds die wichtigste Anlageform am nachhaltigen Geldmarkt darstellen.
2.3.1 Aktien
Eine nachhaltige Geldanlage in Aktien unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von einer klassischen Aktienanlage. 46 Ethikbasierte Aktien werden nicht separat an der Börse gehandelt. Der Sammelbegriff „grüne Aktien“ bezieht sich vielmehr auf Aktien verschiedener Kategorien von Unternehmen. 47 Welche Kategorie von Unternehmen für eine ethikbasierte Investition gewählt wird, hängt dabei von den Zielen und Wertvorstellungen des Anlegers ab:
Umwelttechnik-Unternehmen
Hier handelt es sich vor allem um Unternehmen aus dem Ver- und Entsorgungsbereich, die einen Beitrag zur nachträglichen Verminderung von Umweltschäden leisten, z.B. Best Water Technology AG.
Ökologische Pioniere
Zu den ökologischen Pionieren zählen Unternehmen, die umweltfreundliche Produktionsprozesse und Verfahren entwickeln, z.B. Solar World AG.
Ökologische Leader
Unternehmen, die bereits die Phase des Ökologischen Pioniers durchlaufen haben und seit mehreren Jahren fest etabliert sind, z.B. Henkel. 48
46 Kohrs/Grün [Ethisch Geld anlegen 2008], S.99.
47 Vgl. Khalenborn et. al [Mehr Wert 2002], S.15.
48 Vgl. Werner [Ökologisches Investment 2009], S.133 und Khalenborn et. al [Mehr Wert 2002], S.15ff.
Arbeit zitieren:
Anela Suljagic, 2010, Ethikbasierte Investments, München, GRIN Verlag GmbH
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