Inhaltsverzeichnis
1.Kapitel: Einleitung 3
2.Kapitel: Begriffliche Definition 4
2.1 Allgemeine Begriffsfindung per Definition 4
2.2 Mobbing im Arbeitsumfeld per Definition 4
2.3 Rechtliche Definition 5
2.4 Internationale und europäische Begriffsbestimmung 5
2.5 Ursprung, Entwicklung und räumliche Ausdehnung 6
3.Kapitel: Ursachenforschung und deren innere Faktoren 8
3.1 Gesellschaftliche Faktoren 9
3.2 Innerbetriebliche Faktoren 9
3.3 Der Gruppenfaktor 11
3.4 Problematische Übereinstimmung in Schule und Beruf 11
3.5 Die Täterpersönlichkeit 12
3.6 Die Opferpersönlichkeit 14
3.7 Statistischer Nachtrag 16
4.Kapitel:Der Mobbingprozess und Verlaufsstrukturen 18
4.1 Mobbing in realen Leidensbezügen 19
4.2 Leidensbezüge nach Prof. Leymann 23
4.3 Statistische Unterstützung 23
5.Kapitel: Mobbing und seine Folgen 24
5.1 Folgen für die Volkswirtschaft 25
5.2 Die Folgen für das betreffende Individuum 27
5.3 Der symptomatische Phasenverlauf nach Leymann 29
5.4 Abschlussbericht und Ende des Mobbingprozesses 29
6.Kapitel:Dem Mobbingproblem begegnen 32
6.1 Rechtliche Wahrnehmung 32
6.2 Ausschalten des Täter und Sensibilisierung des Beobachters 33
6.3 Die Möglichkeiten des Opfers 34
7.Kapitel: Psychologische Hilfe für das Opfer 35
7.1 Die Gesprächspsychotherapie in Bezug auf das Mobbingopfer 37
7.2 Weitere Therapiemethoden und angedachte Möglichkeiten 41
8.Kapitel: Schlusswort und Resümee 42
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1. Kapitel: Einleitung
Die Thematik die im Rahmen dieser Arbeit angegangen werden soll, bezieht sich auf das Thema Mobbing und soll bewusst als negative bis krankmachende, real existierende Parallelwelt in ihren Facetten, Ursachen und Auswirkungen beschrieben und aus dem Blickwinkel verschiedener Beobachtungswarten kenntlich gemacht werden; gerade auch im Hinblick auf die Tatsache, das jeder einmal in bestimmten Stadien seines Lebens in diese unfreiwillige „Opferrolle“ gedrängt werden kann und sich dadurch natürlich auch eine therapeutische Behandlungsrelevanz ergibt, wenn der Leidensdruck als übermächtig empfunden wird.
Gerade hier kann die Gesprächspsychotherapie innere Stauungen beseitigen und aus der kommunikativen Katalyse heraus neue Wege in eine bessere, unbeschwertere Zukunft weisen. Dennoch ergeben sich in der Festmachung der Umrisse dieses fatalen Phänomens problematische Ansätze die aus der Welt und den Mitmenschen erwachsen die sich in Unwissenheit, Ignoranz und in die als verheerend zu bezeichnende Verharmlosung erstrecken.
Mobbing findet sich in nahezu allen Lebensbereichen wo Menschen aufeinander treffen; wobei die Schul -und Berufswelt einen bevorzugten Kosmos und Nährboden für die zu untersuchende Thematik bilden, sich aber auch in der persönlichen Umgebung und sozialen Institutionen etc. finden lassen; unabhängig von Herkunft, sozialer Schicht oder hierarchischer Ausrichtungen. Der dabei entstehende Kontrollverlust, die eigene Person betreffend die zum „Spielball“ ihrer Mitmenschen wird, führt in eine Situation die ich als „verzweifelte Hilflosigkeit“ bezeichnen möchte, die von Seiten der Täter mit System gegen das Opfer gerichtet ausgeführt werden. Die Bandbreite der Zur Verfügung stehenden „Foltermethoden“ ist reichhaltig und erschließt sich im Extremfall bis in die Androhung körperlicher Gewalt und dessen Ausführungen.
Viele Schüler und Mitarbeiter von Betrieben werden gezielt ausgegrenzt, beschimpft, schikaniert, zu unrecht mit einem Fehler, Missmangement etc. in Verbindung gebracht oder einfach gehänselt. Von dieser „Feindschaft der Übermächtigen“ sind allein ca. 1,5 Millionen Deutsche (1) am Arbeitsplatz betroffen; der Aufgrund der enorm hohen Dunkelziffer; jedoch kaum eine aussagekräftige Relevanz zu Grunde liegt; gerade auch im Hinblick auf das leidende Individuum in einer scheinbar aufgeklärten, westlichen Gesellschaft, die Ihre Errungenschaften durch die Tatkraft niederer Beweggründe in Misskredit bringt.
Besonders dies hervorzuheben gewinnt durch die Tatsache an Bedeutung, das 20 Prozent (2) aller Suizidversuche einen direkten Bezug zum Thema Mobbing aufweisen und eine Bankrotterklärung der Opfer an einer Parallelwelt aufzeigen, die mit einem „normalen Umgang von freundlich bis hin zu kleinen außerplanmäßigen Reiberein“ nichts mehr gemein hat und sich mit den Worten Jean Paul Sartres in dem Zitat wiederspiegelt „Die Hölle; das sind die anderen.“ Hier erschließt sich ein Teufelskreis von Täterverhalten im Wegsehen, Verharmlosen und Bagatellisieren und findet leider nur selten einen Weg in die Medien, wenn brisantes Bild- und Videomaterial die Sensationslust stützt und zugleich ein perfides Täterverhalten in der Selbstinszenierung und Glorifizierung ihrer Taten zum Ausdruck bringen. Demnach wird auch die Technik als modernes Hilfsmittel zur Herabwürdigung der Opfer herangezogen, die nicht nur verbreiten hilft sondern auch Nachahmungstaten nährt. Als letzte allgemeine Betrachtungsweise vor dem detaillierten Einstieg und Aufschlüsselung dieser Problematik, sei natürlich auch darauf verwiesen, das dieses „Fehlverhalten“ einen nicht zu beziffernden volkswirtschaftlichen Schaden nach sich zieht, der Verluste in Milliardenhöhe aufzeigt
(1) DGB: Informationsbroschüre zum Thema „Mobbing“, 2002 (2)Krejny, W.: Psychologie des TÜV Rheinland. (Pressemitteilung), 2003
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und die Zukunft einzelner Individuen in der Mikroökonomie deutlich schädigt und der freien Entfaltung des Lebens und dem kantschen (3) Recht auf Glück; dargelegt in dem philosophischen Werk „Kritik der praktischen Vernunft“ entgegen steht. Die Essenz dieser Abhandlung dient demnach nicht zuletzt auch als Fingerzeig der Hoffnung auf rechtliche Würdigung und psychologische und therapeutische Hilfe, die aus einer erweiterten Wahrnehmung erwachsen sollte.
2. Kapitel: Begriffliche Definition
Die begriffliche Definition dieses Phänomens ist trotz seiner mannigfaltigen Erscheinungsformen keineswegs klar eingegrenzt sondern bestenfalls umrissen, was die Würdigung in Einzelfällen auch so problematisch erscheinen lässt. Selbst die wissenschaftliche Literatur bezieht keinen einheitlichen Standpunkt und richtet sich mehr nach den Grundtendenzen der Autoren, Wissenschaftler und staatlichen Institutionen, die jeweils eine eigene Sicht der Dinge im Umkreis ihres Interessengebietes beschreiben, eigene Analysen hervorheben, Ursprünge zu ergründen suchen, die in verschiedene Varianten münden.
Um hier dennoch eine begriffliche Einheit zu finden, werden hier fachliche Definition nach Leymann Gehör finden, genau so wie jene die in eine öffentliche und politische Diskussion Eingang gefunden haben und damit im Kontakt der Umwelt eine zweite Realität bilden.
2.1 Allgemeine Begriffsfindung per Definition (4)
Mobbing besagt, dass es sich um gestörte und damit negative Handlungen innerhalb von kommunikativen Prozessen handelt, die von Einzelpersonen oder ganzen Gruppen an einem Individuum über einen zumeist längeren Zeitraum vorgenommen werden und damit ein Täter- und Opferprofil in diesem Kontaktbezug hergestellt wird.
2.2 Mobbing im Arbeitsumfeld per Definition (5)
Die Auslegung in diesem Bereich der Aufsplittung nähert sich der allgemeinen Begriffsfindung an und besagt exakt das die Kommunikation am Arbeitsplatz durch andauernde Konflikte belastet ist und sich zwischen Kollegen auf gleicher Hierarchiestufe abspielt oder aber in der beruflichen Beziehung zwischen Untergebenem und Vorgesetzten, wobei die Person die als Ziel der Mobbingattacken in Visier gerät, immer als unterlegen in einem Täterumfeld steht, welches eine Einzelperson oder wie bereits erwähnt ganze Gruppen umfassen kann. Weiterhin ist es bedeutsam zu erwähnen, das die besagten negativen Handlungen eine gezielte Struktur aufweisen und systematisch über einen längeren Zeitraum bestand haben, verbunden mit dem Ziel das nicht nur eine Diskriminierung eines Menschen beschreibt, sondern oftmals das Ziel der Aufgabe des Unterlegenen einfordert. Dies bedeutet Kündigung aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis oder aber entlassen werden.
(3) Kant, Immanuel: Kritik der praktischen Vernunft .Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1968 (Erstaufl. 1785) (4) Leymann ,H.: Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz u. wie man sich dagegen wehren kann. Rowohlt, 1993 (5) Leymann ,H.: Mobbing. Rowohlt, 1995
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Als Unterkategorie, zählt hier natürlich auch die Schule oder die Berufsschule als Nebenhandlung der Argumentationskette der Erwachsenenwelt. Auch hier finden sich ähnliche Strukturen, die von einem oder mehreren „Tätern“ gegen eine arglose Person ausgeführt werden. Besonders häufig kommt es hier auch zu Gewaltandrohungen, die als Gefahr für Leib und Leben die Psyche belasten und ein reguläres Arbeiten und Erreichen bestimmter Etappenziele oftmals unmöglich machen und damit ein akademisches Gesamtziel gefährdet, mit Folgen die sich auf ein ganzes Leben beziehen können.
2.3 Rechtliche Definition (6)
Eine erste juristische Würdigung dieser Belange, ergeht vom Landesarbeitsgericht in Thüringen (LAG), welches sich eingehend mit dem Thema Mobbing auseinander zu setzen hatte und eine Definition zur Anschauung stellt, die ich kurz in eigenen Worten wieder geben möchte. So wird Mobbing nach Auffassung des Gerichtes als Verhaltensweise beschrieben, welche der Schikane, Anfeindung oder einfach der Diskriminierung dienen soll und sich begünstigt durch den Zeitfaktor in-und aufeinander aufbaut und übergreift und in der
Gänze das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen verletzt und auch die Ehre und die Gesundheit in Mitleidenschaft ziehen; unabhängig davon ob eine Planung den Handlungen zu Grunde liegt oder eine schlichte „Ausnutzung von Gelegenheiten“ den Vorrang haben.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem die Verbindung die eine Täter-Opfer Beziehung erkennen lassen; ein einfacher gegenseitiger Prozess der Eskalation wird hingegen nicht als Mobbing aufgefasst und gewürdigt, wenn diese Komponente fehlt.
Was sich jedoch zur Klärung der Tatbestände herausarbeiten lässt, eröffnet sich aus den so genannten Indiztatsachen heraus, die in diesem Zusammenhang einheitliche Strukturen beschreiben, die auf Mobbing verweisen oder diesen Tatbestand ausschließen. Zu den natürlich auch psychologisch relevanten Wesensmomenten dieser Festmachung werden folgende drei Klärungsmethoden
herangezogen, die wiederum eine Verbindung zum Betroffenen in Bezug auf die vorgenommenen Mobbing Handlungen aufweisen muss, die von diesem dargelegt wurden. 1. mobbing - typische Motivation des Täters 2. mobbing - typischer Geschehensablauf
3. mobbing - typische Veränderung des Gesundheitszustandes des Opfers
2.4 Internationale und europäische Begriffsbestimmung
Auch wenn in Deutschland das Problem teilweise in Einzelfällen angegangen wird, kann von einer weltweiten Verarbeitung keine Rede sein, weshalb ich die begriffliche Dimension hier schuldig bleiben muss. So findet zwar eine Globalisierung statt, aber nicht im gleichen Maße eine mitmenschliche Problembewältigung die eher den westlich orientierten Ländern zugesprochen werden kann, da die Defizite des Mobbing vielfach vor der allgemeinen Forderung nach Menschenrechten im internationalen Vergleich hinterherhinken und damit ein Postulat ersten Ranges vor einer allgemeinen spezialisierten Sensibilisierung bleiben.
(6)LAG Thüringen: Urteil vom 10.04.2001 (Aktenzeichen: 5 Sa 403/00)
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Aber selbst im europäischen Vergleich besteht zwar eine derartige Sensibilisierung der Menschen und des Mobbing Problems, aber keinesfalls eine einheitlich verbindliche Definition, als vielmehr eine Reihe von Möglichkeiten, die von den Mitgliedsstaaten angeführt werden. Eine psychologisch verbindliche Rahmensetzung würde auch der Rechtsfindung im Ausdruck des europäischen Gedankens, im Sinne der Menschen und des Problembewusstseins Lösungen eröffnen, die auf Prävention und damit der Vorbeugung hinauslaufen, um nicht nur den Informationsfluss der eigentlichen Tathandlung folgen zu lassen.
Um das Problem zu verdeutlichen, seien hier die europäischen Unterschiede an Hand der begrifflichen Bestimmung dargelegt, die sich aus den Auffassungen Belgiens (7) und Frankreichs (8) als Nationen ergeben.
In diesem Zusammenhang wird deutlich das Frankreich dem Problem weit weniger Relevanz beimisst als dies Belgien tut. Während in Frankreich im Gesetz über die soziale Modernisierung im Abschnitt über Mobbing „nur“ als seelische Schikane und Belastung gesprochen wird, welche die Würde beeinträchtigt und ein demütigendes und erniedrigendes Arbeitsumfeld schafft, wird in Belgien ein weitreichender Bezug proklamiert, der auch die physischen Auswirkungen umfasst und seelische Belästigung am Arbeitsplatz, wiederholt missbräuchliches Verhalten jeglicher Art, sogar in einen räumlichen Kontext einbindet, der Unabhängig innerhalb oder außerhalb eines Betriebes zur Geltung gelangt. Ferner wird explizit darauf verwiesen das folgende Handlungen mit diesem Problem in Verbindung zu bringen sind: negatives Verhalten in Gesten, Handlungen, Worten, Einschüchterungen, einseitig schriftlichen Äußerungen und die Art der Arbeitsorganisation, die in ihrer Missbräuchlichen Eigenschaft ganz klar mit folgenden Zielen benannt werden die es auszuräumen gilt. Die Folgen der „Herabwürdigung“ der psychischen und physischen Integrität ist demnach darauf ausgerichtet den Arbeitsablauf zu stören, indem die Durchführung be- oder verhindert wird, eine feindselige, einschüchternde, herabwürdigende, beleidigende und demütigende Umwelt zu schaffen oder es gar auf eine mutwillige Gefährdung eines Arbeitsplatzes anzulegen. Diese Diversifizierung, zeigt demnach sehr anschaulich das die Grenzen der Wahrnehmung deutliche „Höhenunterschiede“ als Gratmesser einer real gelebten Problematik aufweisen, die hier wie dort ähnliche Züge tragen und doch einer unterschiedlichen Würdigung und Beachtung unterworfen werden.
2.5 Ursprung, Entwicklung und räumliche Ausdehnung
Die Anfänge dieser Problematik finden sich sicher nicht in unseren Tagen, nicht in der Gegenwart des Informationszeitalters oder einer hedonistisch veranlagten Spaßkultur, sondern in zwischenmenschlichen Sachverhalten die immer schon ab einer bestimmten Entwicklungsstufe des Homo Sapiens präsent waren. Einfacher und dem Volksmund zuträglicher als Neid eingegrenzt und fassbar gemacht, finden sich Belege für Intrigen, schmutzige Machenschaften auf dem Rücken anderer, Niedertracht und Gerüchteküchen die zum „Kochen“ gebracht wurden.Nicht zuletzt wie auch zu Anbeginn sind diese Themen immer wieder von Dichtern und Denkern aufgebracht und sprachlich gewürdigt worden. So haben besonders das Versmaß der Lyrik die „dunklen Seiten“ menschlicher Abgründe aufgewühlt und nicht auch zuletzt die Philosophie ihren Anteil einer frühen Wahrheitsfindung in einer präpsychologischen Kultur niedergelegt, dessen Anfänge zumindest in europäischen Bezügen im antiken Griechenland zu suchen sind und schon bei Plato eine soziologische Beobachtung an den Tag bringen, die bis auf den heutigen Tag bestand hat; nämlich die besondere Freude des Menschen hinter dem Rücken des Anderen zu reden. Die Philosophie baut immer wieder an der Komplexität des Werdens und Daseins und gewinnt in jeder Epoche Wahrheitsfindungen, die auf den Menschen bezogen werden, von
(7) Belgisches Arbeitsministerium: „Geplante Rechtsvorschriften gegen das Mobbing am Arbeitsplatz“ (8) Französische Gesetzgebung über die „soziale Modernisierung“
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humanen Standpunkten zur Beförderung des Besseren Ichs, aber auch eine Umwertung aller Werte wie bei Nietzsche zu finden. Die Grundlagen dieses unterschiedlichen Denkens von Kants (9) Forderung nach Glück für alle Menschenwesen in seinem Werk „Kritik der praktischen Vernunft“ und der Bezug zu F. Nietzsches „Genealogie der Moral“ (10) der den Altruismus, Glaube, Liebe, Religionkurz gesagt alle Kulturaspekte zu Gunsten eines opportunen Egoismus, der auch buchstäblich über Leichen geht negiert, ist signifikant für den Menschen, der aus unterschiedlichen soziologischen Lagern und Zeitenwenden heraus agiert, wobei sich dies unmittelbar auf die Umwelt auswirkt und hier die Basis von Motiven und Einstellungen liefert, die den exakten psychologischen Wesensmomenten dieser Thematik als kulturgeschichtlichen Werdegang vorausgeht, ohne jedoch den Begriff Mobbing schon zu verwenden, obwohl der Wortlaut sich höchstwahrscheinlich auf die lateinische Vokabel „mobile vulgus“ (11) bezieht und damit den Pöbel meint und eine „aufgewiegelte Volksmenge“ beschreibt der sich umgangssprachlich als Mob (Gesinde) herleitet und damit erneut den Rückgriff auf vergangene Zeitspannen wagt.
Dieser vagen Beschreibung, folgt natürlich noch eine wissenschaftliche und geht auf keinen geringeren zurück, als auf den berühmten aber nicht ganz unumstrittenen Nobelpreisträger (1973) Konrad Lorenz (12), der erstaunliches auf dem Gebiet der Biologie und als Verhaltensforscher geleistet hat und in diesem Zusammenhang das Wort „Mobbing“ erstmals in den Sprachgebrauch überhaupt einführte und damit die aggressiven und negativen Aspekte von Tieren im Kollektiv beschrieb, die nicht nur Tiere gleicher Gattung verscheuchen, sondern auch aus einem Verband vertreiben und ausschließen. Eine andere Situation, von Lorenz beschrieben ist die Vertreibung eines übermächtigen Gegners (z.B. Fuchs) durch Angriffe der gesamten Gruppe (z.B. Gänse). Die Bezüge zum Menschen als Säugetier aufgefasst; Instinkte gegen Kulturaspekte und geistige Errungenschaften wägend, zeigt sich hier auch ein Bild des Menschen und seiner niederen Natur im Verhältnis zu seinen Mitmenschen aus biologischer Sicht. Gemeinschaft macht stark und eignet sich auch zur bewussten Verkehrung der Machtverhältnisse.
Um diesen Gedanken der Entwicklung weiter zu spinnen, der Mobbing direkt auf den Menschen bezieht, sei hier der namhafte Wissenschaftler Dan Olweus (13) erwähnt, der als norwegischer Forscher in den 70er Jahren erste Studien an Schulen zu diesem Thema; ausgelöst durch den Suizid von drei Schülern durch anhaltende Schikane, durchführte und sich u.a. mit seinem Buch „Gewalt in der Schule“ einen Namen machte. Die zweite wichtige Parallelwelt findet sich neben der Schule im Berufsalltag, dessen Erforschung rund um die Problematik des Mobbing kreist und in vorbildlicher Weise von Prof. Heinz Leymann herausgearbeitet wurde, welche nicht zuletzt neue Aufmerksamkeit erregte, da er die internen Vorgänge begrifflich und im Realitätsbezug zur Geltung brachte. Es verwundert nicht, das die ersten arbeitspsychologischen und arbeitsmedizinischen Fortschritte aus Schweden kamen, da Leymann selbst als gebürtiger Deutscher in Schweden lebte und so Teil des Anstoßes war, dessen Bedarf im gesellschaftlichen Hintergrund sich auf weite Teile Skandinaviens ausdehnte und durch politische Rückendeckung und Aufklärungsbedarf große Fortschritte gemacht hat, die nicht nur Studien von Kern- und Randbereichen darlegen sondern auf eine Verbesserung der Verhältnisse abzielten.
(9) Kant,Immanuel: Kritik der praktischen Vernunft. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1968 (Erstaufl. 1785) (10)Nietzsche,Friedrich: Genealogie der Moral. Reclam Verlag ,1988 (11) Litzke, Sven: Sozialer Stress durch Mobbing. (FH Bund), 2003 (12) Lorenz,Konrad: Über tierisches und menschliches Verhalten. R.Pieper & Co Verlag, 1965 (13)Olweus,Dan: Gewalt in der Schule - was Lehrer und Eltern wissen sollten und tun können. Huber Verlag, 1996
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3. Kapitel: Ursachenforschung und deren innere Faktoren
Mobbing findet immer in einem gefestigten sozialen Umfeld statt in dem wir uns bewegen oder per Zweck und letztendlich Zwangsdekret bewegen „müssen“; aus der Hoheit von Gesetzen, Bildungsansprüchen einer geistig orientierten Gesellschaft und natürlich zur Wahrung des wirtschaftlichen Überlebens als Individuum in der Gemeinschaft.
So ergibt sich das Dilemma; wieder in einem Bezug zur griechischen Antike als gedanklicher und begrifflicher Vorläufer, das sich der Mensch gerade in diesem Umfeld nicht aussuchen kann mit wem er umgeht und mit wem er sich nicht abgibt. Er findet sich zum Lernen in der Schule ein oder zum Lösen geschäftlicher Anforderungen in einem Unternehmen und ist oftmals auf diese Situation auf „Gedeih und Verderb“ wie es so schön heißt angewiesen und kann nicht einfach gehen, wenn sich nur schwerlich eine Alternative findet; von der öffentlichen Schule zur Privatschule, aus dem Betrieb in ein anderes Unternehmen. Die gegenwärtige Bindung aufzugeben wird als Beängstigend empfunden; aus Mangel an realen Möglichkeiten.
Aus diesem starren Rahmen scheint daher eine Eingangsvoraussetzung für das Mobbing zu erwachsen, welches in der Folge der Kommunikation seine ersten Ausläufer gewinnen kann, da diese oft konfliktbeladen sind, wenn Probleme des Arbeitsalltags angegangen werden, an denen auch eine ganze Existenz und auch deren Ängste hängen. So können auch Nichtigkeiten in diesem Umgang zu Konfliktstoff heranreifen und eine Parallelwelt der Schikane neben dem Alltag von Beruf und Schule begründen, dessen Anfänge und Grenzen wie eingangs erwähnt nur schwer fassbar sind. Der ungelöste Konflikt steht in diesem Zusammenhang jedoch immer im Raum, wird aber erst akut wenn weitere Prozesse zu „Selbstläufern“ werden. Ungelöste Sachfragen werden auf andere als Fehler abgewälzt und fungiert daher auch als Ventil für fehlende und dringend benötigte Problemlösungsstrategien, die sich sowohl als auch auf fachliche Dinge, wie auf interne Konfliktlösungen beziehen.
Doch dies allein ist nur ein Punkt ursächlicher Festmachung und hat in seiner Vielfalt und Erscheinungsformen meist mehr als nur einen einzigen Auslöser.
Viele weitere Dinge scheinen hier eine eklatante Rolle zu spielen und oftmals einen engen Bezug im Zusammenspiel aufzuweisen. So sind schlechte wirtschaftliche Rahmenbedingungen, der Führungsstil, das Arbeitsklima das organisatorisch negativ belastet sein kann weitere betriebliche Probleme, die auch Schulen in ähnlicher Weise betreffen. Wo Autorität versagt und die Kommunikation zurückbleibt, findet sich ein Nährboden im Klima des Leistungs- und Konkurrenzdrucks. Selbst Leymann (14) betont diese Fehler der Führungsebene im Zusammenhang mit Defiziten in organisatorischen Belangen.
Diese vermeidbaren Fehler erzeugen Frustrationen die in Konflikte einmünden und von Stress begleitet werden, was die Situation spiralförmig auf ein anderes Level hebt, welches hier vielleicht schon Mobbing bedeuten kann.
Zum Entarten einer Situation die in Mobbing einmündet, kommt jedoch noch ein weiterer Faktor hinzu und findet sich im „Arttypischen“ Verhalten des Täters und des Opfers, die eine „Beziehung“ entstehen lassen, die in dieses verfahrene Konfliktumfeld eingebettet wird. Alles gewinnt nach Zapf (15) Bezug zueinander. Die Situation, die Rahmengedingungen und organisatorische Belange, bis hin zu einer
(14) Leymann, Heinz: Mobbing - Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann. Rowohlt,1993 (15) Zapf, D. : Mobbing - eine extreme Form sozialer Belastungen in Organisationen. Asanger Verlag, 2002
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Verflechtung des „von oben herab“ des Täters auf die unterlegene Position des Opfers, das sich dort als Teil einer Parallelgesellschaft einnistet, wo weggesehen, verdrängt und verleugnet wird und die Schwäche der Führung nach Leymann zur Duldung dieser „Martyrien“ ausnutzt, sind Belege für die Verbindung dieser „Machenschaften“, die aus Vergünstigungen der Gesamtsituation erwachsen und den schönen Aphorismus des berühmten englischen Staatsmanns und Ästhetikers Edmund Burke zur Diskussion stellen, der da lautet „Für den Sieg des Bösen reicht es aus wenn die Guten nichts tun.“
3.1 Gesellschaftliche Faktoren
Die Ursachen der Gesellschaft, die im Zusammenhang mit diesem Problem auftreten sind zwar allgemeiner Natur, betreffen flächendeckend aber alle Menschen. Die Lage die für Einzelne daraus erwächst, ist jedoch individuell verschieden. Da die Gesellschaft natürlich im großen Maße mit der Wirtschaft verknüpft ist, entstehen hier auch die vermehrten Reibungspunkte, da bekanntlich bei Geld die Freundschaft endet wie schon der Volksmund zu berichten weiß. Der wirtschaftliche Wandel macht vielen Unternehmen zu schaffen, Globalisierung bedeutet auch mehr Wettbewerb, der durch das rasante Wachstum Chinas und der Tigerstaaten in eine nicht unerhebliche Konkurrenz mit extremen Billiglöhnen eintritt.
Die Welt wird schnelllebiger; Fusionen sind an der Tagesordnung, technische Produkte veralten schneller als der Aktienkurs vom Vortag und Rationalisierungen bedeuten oftmals das Arbeitsplätze ganz aufgehoben und anderen Mitarbeitern für den gleichen Lohn untergeschoben werden. Die Angst vor Stagnation der Konjunktur und Arbeitslosigkeit fördert in diesem Sinne auch die fatale egoistische Haltung, sich selbst erst einmal als seinen Nächsten zu betrachten, auch wenn dies einer moralischen und christlich religiösen Mehrheit wiederspricht.
Das moralische Verhalten wird verzerrt und im Nutzen einer opportunen Haltung „umgewertet“ und durch diesen Ich - Faktor unsozial und unsolidarisch, was auch dem „Teamworkbegriff“ widerspricht, der Desorganisation durch schlechte oder mangelnde Kommunikation zuarbeitet und damit den Boden für das Mobbing bereitet, welches sich in vielerlei Formen erstrecken kann, die in der Folge detaillier behandelt werden sollen.
3.2 Innerbetriebliche Faktoren für Mobbing in der Berufswelt
Die Verknüpfung der Gesellschaft mit den Faktoren der Wirtschaft von der die Existenz und der Begriff der Mikroökonomie zusammenhängt, verketten sich mit einem negativen Wertewandel, welche die Grundlagen dazu bilden.
Die DGB (16) hat in Studien und Erhebungen vier wesentliche Gründe für die Entstehung des Mobbing herausgearbeitet und in der „Information zum Mobbing“ (Bundesvorstand, 2000) dargelegt, welche sich wie folgt einzeln auffächern und in der Würdigung eigener Worte wiedergegeben werden sollen.
(16) DGB, Information zu Mobbing, Bundesvorstand, 2000
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Arbeit zitieren:
Carsten Behm, 2007, Mobbing - Fatale Parallelwelt in der Gegenwart, München, GRIN Verlag GmbH
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