Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 INDIZIEN FÜR DIE BED EUTUNG DER FRAUENFIGUREN 4
2.1 FRAUENFIGUREN BEI BÜCHNER - LEONCE UND LENA, WOYZEC,K LENZ 4
2.2 DER REALHISTORISCHE BEZUG 5
2.3 DIE PRÄSENZ DER FRAUEN : ZEITLICHE UND INHALTLICHE RAHMUNG 6
3 DIE DREI FRAUE-N JULIE, MARION, LUCILE 7
3.1 JULIE. 8
3.2 MARION 11
3.3 LUCILE 12
4 FAZIT. 16
5 LITERATURVERZEICHNIS 17
5.1 PRIMÄRLITERATUR. 17
5.2 SEKUNDÄRLITERATUR. 17
2
1 Einleitung
In der Rezeptionsgeschichte von Büchners Dantons Tod ist den Frauenfiguren oft nur eine untergeordnete Rolle eingeräumt worden. Sie schienen allein in ihrer Funktion als Liebende wichtig und dienten - so meinen zumindest einige Literaturkritiker- der Darstellung einer grenzenlosen Verherrlichung der Liebe. Als Personen und eigene Charaktere aber spielten sie gemäß Interpretation dieser Art (vgl. z.B. Albers, 1983) keine Rolle. Hasselbach (1997) spricht auch davon, Frauenfiguren kämen lediglich in "entbehrlichen Szenen" vor und lenkten von der „eigentlichen Thematik des Stückes“ ab. Genaue Lektüre des Textes jedoch verdeutlicht, daß eine solche Sichtweise die Bedeutung der dargestellten Frauen auf ein Maß verkürzt, daß in keiner Weise die komplexe Rolle wiederspiegelt, die ihnen im Rahmen des Stückes zukommt und vom Autor Georg Büchner selber zugeschrieben w urde. Diese These kann direkt durch Bezüge auf Inhalt und Struktur des Stücks Dantons Tod bewiesen werden. Zusätzlich stützen läßt sie sich außerdem durch Bezüge zu anderen Stücken Büchners und den Rollen, die Frauen in diesen Werken spielen. Zudem scheint Büchner zumindest bei der Gestaltung einer der Frauenfiguren, Julie, auf seine eigene Biographie zurückzugreifen und Elemente seiner Beziehung zu Minna Jaegle zu verarbeiten. Diese Thesen sind im Folgenden ausführlicher darzustellen.
Dabei sei zunächst auf die Funktionen der Frauenfiguren in anderen Werken Büchners verwiesen, bevor dann ihre spezielle Funktion in Dantons Tod zu reflektieren sein wird. Auf eventuelle biographische Bezüge des Stückes zu Büchners eigener Vita ist - obwohl diese als Indiz der Bedeutung der Frauenfiguren gesehen werden - erst am Ende der Interpretation zurückzukommen. Der Grund für dieses Vorgehen liegt in der Tatsache, daß eine Gegenüberstellung der Beziehungen Minna Jaegles zu Büchner mit der Dantons zu Julie wohl keinen Sinn macht, wenn nicht erst auf der Textgrundlage ein Vergleichspunkt geschaffen wurde. Zunächst also kurz zu weiteren Werken Büchners.
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2 Indizien für die Bedeutung der Frauenfiguren 2.1 Frauenfiguren bei Büchner - Leonce und Lena, Woyzeck, Lenz
In mehreren Werken Büchners besitzen die Frauenfiguren eine besondere Bedeutung, wobei ihre Bedeutungen teilweise erst hinter ihrer vordergründigen Funktion als Liebende bzw. Partner der männlichen Protagonisten deutlich werden. So ist man versucht, die Figur der Lena in Leonce und Lena ebenfalls lediglich als Partnerin von Leonce Bedeutung zuzumessen (ähnlich wie Julie). Allerdings faßt Lena in mehreren Szenen zentrale inhaltliche Punkte zusammen, beispielsweise als sie sagt: “Ist es denn wahr, die Welt sei ein gekreuzigter Heiland, die Sonne seine Dornenkrone und die Sterne die Nägel und Speere in seinen Füßen und Lenden?” (Büchner, 1999, S. 173); hier verdeutlicht sie die universelle Tragik des Problems der Langeweile.
Noch offensichtlicher ist die Bedeutung der Marie im Woyzeck, in dem Einsamkeit und Armut als wichtigste Themen gelten können 1 . Im Stück bilden Woyzeck und Marie eine Schicksalsgemeinschaft. Beide haben unter ihrer materiellen Not schwer zu tragen und können es sich deshalb nicht leisten 2 , moralisch zu sein 3 . Im Woyzeck geht es also (wie bei Leonce und Lena und durch den Fatalismus auch beim Danton) um die Abhängigkeit der Existenz von Dingen, die außerhalb des menschlichen Einflußbereiches liegen. Diese Tatsache wird durch die Liebe Woyzecks zu Marie, die diesen um des Goldes willen betrügt, zu einer traumatischen Erfahrung Woyzecks, die schließlich zu Maries Ermordung führt. Ihr Treuebuch hat Woyzecks einzige Verbindung zur Welt zerstört. An Marie entlädt sich somit all die aufgestaute Wut und die Verzweifelung, die eigentlich anderen (Doktor, Hauptmann) gelten. Marie wird somit zu einem Symbol von Woyzecks Machtlosigkeit und seines letztendlich sinnlosen Versuches, dagegen anzukämpfen. Marie ist demnach also mehr als nur eine Geliebte.
Auch im Lenz verdeutlicht eine Frauenfigur den inneren Konflikt der Hauptfigur. Denn in dem Porträt, das Lenz gegenüber Madame Oberlin von Friederike zeichnet, sagt er: „Wenn sie
1 Anders als Leonce und Lena leidet Woyzeck in und nicht an der Welt und empfindet eben deshalb keine
Langeweile.
2 vgl.: Woyzeck wird als "guter Mensch" bezeichnet (Büchner, 1999, S. 240).
3 Bezüglich des Woyzecks ist ebenfalls ein interessantes Verhältnis von historischer Quelle und Bearbeitung
festzustellen: Auch der Woyzeck teilt Elemente mit seinem historischen Vorbild, die mehr sind als nur
Übernahmen - auch sie sind wichtige Teile der Gesamtaussage des Stückes.
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da durch das Zimmer ging, und so halb für sich alleine sang, und jeder Tritt war eine Musik, es war so eine Glückseligkeit in ihr, und das strömte in mich über, ich war immer ruhig, wenn ich sie ansah“. Der inneren Zerrissenheit von Lenz wird also die Glückseligkeit von Friederike gegenübergestellt, die eben dadurch den Mangel verdeutlicht, unter dem Lenz leidet.
Die Tatsache, dass Frauenfiguren an anderen Werken Büchners zentrale Bedeutungen haben, ist natürlich kein Beweis dafür, dass sie auch in Dantons Tod eine wichtige Rolle spielen. Dennoch dürfte durch die Beispiele deutlich geworden sein, dass es durchaus lohnt, hinter ihre vordergründigen Rollen als Liebende/ Geliebte zu sehen. Dies sei im Folgenden in Bezug auf Dantons Tod getan. Ein erstes Indiz für die besondere Funktion, die die Frauenfiguren in diesem Stück besitzen, ergibt sich bereits durch einen angedeuteten Vergleich mit ihren historischen Vorbildern.
2.2 Der realhistorische Bezug
Wie sich beispielsweise bei Grimm (1968) nachlesen läßt, wich Büchner gerade in Bezug auf die Frauenfiguren stark von den historischen Vorbildern ab, während er sich sonst überwiegend an die historischen Vorbilder gehalten hat (Beckers, 1961) und sein Drama nach eigenen Aussagen "wie ein geschichtliches Gemälde (betrachtete), dass seinem Original gleiche muß" (Büchner, 1999, S. 301). Dennoch hieß die wirkliche Julie nicht Julie sondern Louise. Auch dachte sie nicht daran, gemeinsam mit Danton in den Tod zu gehen. Sie überlebte ihn nicht nur, sondern heiratete nach seinem Tod sogar erneut. Ähnliches gilt für Lucile. Die wirkliche Lucile wurde auf die Denunziation L aflottes hin verhaftet, verurteilt und schließlich guillotiniert während Büchners Lucile am Ende allein übrig bleibt und mit ihrem Ausruf „Es lebe der König“ (3. Akt, 9. Szene) wahrscheinlich für ihren eigenen Untergang sorgt. Zu weiteren Veränderungen der historischen Vorbilder bemerkt Jan-Christoph Hauschild, daß Büchner die (bei der historischen Figur vorhandenen) politischen Aktivitäten und Interessen Julies in dem Maße verstärkte, wie er diese bei Lucile verminderte. Die historische Lucile hatte mit der von Büchner gezeichneten hysterisch-wahnsinnigen Lucile jedenfalls wenig gemein.
Diese Änderungen können nur aus zwei Gründen vorgenommen worden sein: Entweder die Frauenfiguren spielen eine derart untergeordnete Rolle im Stück, daß die Abweichungen vom Vorbild ihre Bedeutungslosigkeit reflektieren oder - und dies wird hier angenommen-Büchner mußte die Vorbilder verändern, damit sie die von ihm angelegte Rolle überhaupt
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Arbeit zitieren:
Hanno Frey, 1999, Die Frauenfiguren in Büchners Drama 'Dantons Tod', München, GRIN Verlag GmbH
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