Humboldt-Universität zu Berlin PS Eschatologie Theologische Fakultät WS 2010/11 Seminar für Systematische Theologie Seite 2/7
Joseph Ratzinger, geboren am 16. April 1927, studierte von 1946 bis 1951 katholische Theologie und Philosophie in Freising. 1953 promovierte Ratzinger an der Universität München und 1958 trat er eine Professur für Dogmatik an der Universität in Freising an. 1966 erhält er den Lehrstuhl für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen. 1977 wurde Joseph Ratzinger zum Erzbischof ernannt. Und im April 2005 wurde er als Nachfolger von Papst Johannes Paul II gewählt. Über 600 Veröffentlichungen hat Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI) seit seinem
Theologiestudium geschrieben. Zu seinem letzten Werk gehört „Licht der Welt“. A
Seine Veröffentlichung „Zwischen Tod und Auferstehung“ schrieb Joseph Ratzinger noch bevor er zum Papst gewählt wurde, als Kardinal Ratzinger. Sie ist in Communio 9, 1980, auf den Seiten 209 bis 226 abgedruckt. Diese Erklärung bezieht sich auf ein Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre, welche sich mit eschatologischen Fragen in der katholischen Kirche befasst hat. Der Heilige Stuhl hat dieses Schreiben gebilligt und seine Veröffentlichung am 17. Mai 1979 angeordnet. Sowohl Ratzinger, als auch die katholische Kirche, beschreiben einen Ist-Zustand zum Thema Unsterblichkeit der Seele und zeigen eine Tendenz für die Zukunft.
Im Folgenden werde ich Ratzingers Position zum Schreiben der Kongregation darstellen, sein Anliegen und seine Argumentation verdeutlichen und am Schluss meine eigene Sichtweise positionieren.
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A http://de.wikipedia.org/wiki/Benedikt_XVI
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Im vorliegenden Text „Zwischen Tod und Auferstehung“ beschreibt Joseph Ratzinger die veränderte - philosophische und theologische - Situation um 1980, die in Bezug auf die Problematik des Seelenbegriffs vorliegt; welche Schwierigkeiten das Thema Unsterblichkeit der Seele darstellt und wie die katholische Kirche darauf reagieren möchte. Ratzinger geht in seinem Text auf das Schreiben der Kongregation vom 17. Mai 1979 ein, benennt moderne Kritiken und neue Lösungsansätze bezüglich des Themas und Problems des Seelenbegriffs. Er schreibt, dass die Kirche vor dem Problem stünde, die Treue zu grundlegenden Wahrheiten des Glaubens der Christen nicht stabilisieren zu können. Dass die Wahrheit und die Interpretation der Bibel durch die Kirche richtig vermittelt werden müsse, um ihr treu zu bleiben. Denn die Treue beziehe sich auf die fundamentalen Glaubenswahrheiten. Es bestehe ein Zusammenhang von Glaube und Leben, von Glauben selbst und von Gebet und Gottesdienst. Dies werde nur deutlich durch Treue und wahre Interpretation. Das Credo dürfe dabei nicht verändert werden, denn sonst wären Glaube und Treue nicht mehr wahr. Hierfür benennt er zwei Aufgaben aus dem Schreiben der Kongregation: >>Einerseits muss Theologie forschen, diskutieren, experimentieren; andererseits kann sie sich dabei ihren Gegenstand nicht selber geben, sondern ist immer rückbezogen auf die >>Essenz des Glaubens<<, der ein
Glaube der Kirche ist<< 1 . Dabei sei die Aufgabe der Theologie, die Wahrheit zu stärken. Der Begriff Seele so stehe es im römischen Schreiben trete in der Bibel an unterschiedlichen Textstellen auf und dürfe deshalb nicht verworfen werden. Ratzinger schreibt, der Seelenbegriff würde seit Jahrzehnten sprachlich zerrissen. Dadurch ginge die wahre Interpretation verloren.
Interessanterweise schreibt Ratzinger, dass das Neue Testament einen festen Begriff Seele nicht kenne. Aber einen Zwischenzustand dennoch beschreibe. Für ihn scheinen Seele und Zwischenzustand identisch. Und >>die Seele als Träger des
Zwischenzustandes beschrieben<< 2 zu sein.
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1 RATZINGER, Zwischen Tod und Auferstehung, 211
2 RATZINGER, Zwischen Tod und Auferstehung, 212
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Im Mittelalter hätte es ein Menschenbild gegeben, wonach Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung der Toten zusammen gehört hätten. Im Folgenden beschreibt Ratzinger die in der Kirche sichtbar werdende Krise. Dass der Seelenbegriff nicht im Neuen Testament stünde und ein Dualismus von Leib und Seele beängstigend sei und als Verrat gelte. >>Verrat an der biblischen und modernen Erkenntnis von der Einheit
des Menschen<< 3 . Im Weiteren stellt er Inhalt und Problematik von neuen Lösungsversuchen dar. Und es gebe für ihn die Schwierigkeit, was dem Menschen bleibe, wenn der Dualismus (Existenz von Leib und Seele, und deren Unterscheidung) bestritten würde. Wenn es keinen Zwischenzustand gebe, gäbe es folglich auch keine Seele. Eine Lösung wäre die, dass die Auferstehung im Tod erfolge. Aber ohne Trennung von Leib und Seele, könne der Mensch nicht auferstehen. Müsse dann nicht folglich ein Zwischenzustand existieren, wo es doch einen Dualismus von Leib und Seele gäbe? Joseph Ratzinger schreibt weiter, dass man auf die Frage nicht antworten könne. Es gäbe zu viele Tendenzen. Daher müsse die Frage offen stehen bleiben. Für ihn weise die innere Logik des Ganzen auf eine bereits stattgefundene Auferstehung, wo
>>der einzelne in das schon geschehene Ende der Welt eingetreten ist<< 4 hin. Das scheint ihm aber im Ergebnis bedenklich zu sein. Deshalb wäre für ihn damit die Auferstehung ohne Seele nicht möglich.
Für ihn war es ein Experiment, zu überlegen, ob es eine Auferstehung ohne den Begriff Seele und dessen Inhalt geben könne. Er stelle aber fest, dass das Schreiben der Kongregation schon wichtig sei, damit ein einheitlicher Konsens bezüglich des Begriffes Seele und dessen Bedeutung herrsche. Deshalb sei es auch wichtig, die Zugehörigkeit von Auferstehung des Menschen und Unsterblichkeit der Seele, diese Begriffe, zu schützen.
Am Schluss stellt er eine Grundrichtung für einen neuen Dialog einer überarbeiteten Sichtweise dar. Im gesamten Text von Joseph Ratzinger wird deutlich, dass der Begriff Seele mit der zugehörigen Problematik, Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung der Toten, schon immer für Kontroversen gesorgt hat. Aber aus heutiger Sicht (1980) sei eine Furcht vor dem Begriff Seele verflogen. _________________________________________
3 RATZINGER, Zwischen Tod und Auferstehung, 216
4 RATZINGER, Zwischen Tod und Auferstehung, 217
Arbeit zitieren:
Markus Weggen, 2010, Die Unsterblichkeit der Seele in Joseph Ratzingers "Zwischen Tod und Auferstehung", München, GRIN Verlag GmbH
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Zu: Paul Gerhardts "O Haupt voll Blut und Wunden"
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