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Inhalt
1. Einleitung 2
2. Voraussetzungen für deutsche Siedlungsunternehmungen 3
2. 1. Die Situation nach den Türkenkriegen 3
2. 2. Die Landnutzung nach den Türkenkriegen 4
3. Die deutsche Einwanderung in Transdanubien 5
3. 1. Die Einwanderung der Deutschen von 1689 bis 1720 5
3. 2. Die Einwanderung der Deutschen von 1720 bis zum Ende des
18. Jahrhunderts 8
3. 3. Lebensbedingungen der deutschen Siedler und Gemeindestruktur
in der Schwäbischen Türkei im 18. Jahrhundert 10
4. Fazit 13
5. Literaturverzeichnis 14
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit ist im Rahmen des Proseminars „Deutsche Auswanderung nach Ungarn im 17. und 18. Jahrhundert“ entstanden. Zu diesem Oberthema soll die Einwanderung der Deutschen nach Südosttransdanubien im 18. Jahrhundert untersucht werden. Besondere Schwerpunkte sollen dabei auf den Bedingungen, dem Verlauf und dem Ergebnis der Ansiedlung liegen.
Der Untersuchungsraum des südöstlichen Transdanubiens, das in die deutsche Sprache übersetzt das Gebiet „jenseits der Donau“ bedeutet, befindet sich im Südwesten Ungarns, umfasst die Komitate Baranya (Branau), Tolna (Tolnau) und Somogy (Schomodei) mit einer gesamten Fläche von ca. 15.000 km² und soll im weiteren Verlauf der Arbeit nur noch als Transdanubien benannt sein. Es wird geografisch begrenzt durch den Plattensee im Norden und die Flüsse Donau und Drau im Osten bzw. Süden. Das Gebiet wird auch als „Schwäbische Türkei“ bezeichnet. Diese Terminologie lässt sich erstens dadurch erklären, dass die Bevölkerung dieses Areal im 18. Jahrhundert im Gedenken an die Zeit unter der Türkenherrschaft und der Türkenkriege „Türkei“ genannt hatte, und zweitens im 18. Jahrhundert schwäbische Deutsche als Siedler im Untersuchungsgebiet überhand nahmen 1 . Geologisch betrachtet bildet die Schwäbische Türkei die Donau-Drau-Platte, das transdanubische Nachbargebiet der Großen Ungarischen Tiefebene. Es handelt sich hier um ein von einzelnen Wäldern durchsetztes Hügelland. Die wirtschaftliche Struktur der Schwäbischen Türkei ist gekennzeichnet durch das Vorherrschen von Landwirtschaft, für die die natürlichen Voraussetzungen gegeben sind. Die 20 bis 100 cm dicke Lößdecke der Hügellandschaft liefert fruchtbaren Ackerboden 2 und auch die klimatischen Verhältnisse ermöglichen intensiven Weizen- und Mais-, aber auch Reis-, Wein- und Tabakanbau, da sich das Gebiet im Übergang von Gebirgs- zu Flachlandklima befindet. Ferner fanden in vergleichsweise geringem Maße auch Waldwirtschaft vorwiegend im Nordbaranyaer Gebirge und Bergbau z. B. in der Gegend um Fünfkirchen, der Hauptstadt des Baranyaer Komitats, Eingang in das trandanubische Wirtschaftsspektrum 3 . In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts waren vor allem im Komitat Somogy auch Kohlenbrennerei, Glasbläserei und die Produktion von Pottasche von ökonomischer Bedeutung. Dadurch wurden jedoch die Waldbestände schnell dezimiert, so dass sich die Bevölkerung der Landwirtschaft widmete 4 .
1 Vgl. Holder, Gottlob, Das Deutschtum in der unteren Baranya. Eine bevölkerungs- und siedlungsgeographische
Studie über die Schwäbische Türkei, Stuttgart 1931, S. 39 ff.
2 Vgl. Hartmann, Rudolf, Das Deutsche Volksschauspiel in der Schwäbischen Türkei, Marburg 1974, S. 11.
3 Vgl. Holder, Das Deutschtum in der unteren Baranya, S. 8.
4 Vgl. Weidlein, Johann, Die Schwäbische Türkei I. Beiträge zu ihrer Geschichte und Siedlungsgeschichte,
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Welchen Anteil deutsche Siedler an den durchaus günstigen geografischen und ökonomischen Faktoren in Transdanubien hatten, soll im Folgenden untersucht werden. Zunächst sollen die Voraussetzungen für die Ansiedlung deutscher Kolonisten im Untersuchungsgebiet unmittelbar nach den Türkenkriegen beschrieben werden, bevor der eigentliche Zulauf deutscher Einwanderer, unterteilt in zwei Siedlungsetappen, genauere Beachtung findet. Schließlich soll das Ergebnis der Ansiedlung anhand der Lebensbedingungen der Siedler in ihrer neuen Heimat gedeutet werden.
2. Voraussetzungen für deutsche Siedlungsunternehmungen
2. 1. Die Situation nach den Türkenkriegen
Transdanubien wurde 1686 nach einem dreijährigen Krieg von der türkischen Herrschaft befreit. Als Kriegsschauplatz war die Gegend daher stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Permanente Plünderungen, Brandlegungen, Morde und Überfälle waren die Auswirkungen der Kriege. Im Jahr 1695 weist die Konskriptionsliste, d. h. die Steuerliste, für das Gebiet Fünfkirchen 142 Dörfer auf, von denen 42 Dörfer verwüstet waren 5 . Die Bevölkerung war bis zu diesem Zeitpunkt ungarisch, slawisch bzw. slawisch-ungarisch. Die slawische Bevölkerung teilte sich hauptsächlich in Serben, Kroaten und Slowaken auf. Im Durchschnitt bewohnten vier bis fünf Familien einen Ort, nicht selten auch mehrere Familien ein Haus. Insgesamt bewohnten zu diesem Zeitpunkt ca. 3.200 Familien die Schwäbische Türkei 6 . Im Jahr 1696 hatte das Komitat Baranya nur 110 besiedelte Ortschaften, das Komitat Tolna nur 28 bewohnte Orte 7 .
Auch die Ackerböden waren durch die Türkenkriege weitgehend zerstört. Die Felder und Weinberge waren verwüstet und brachten nur noch geringe Erträge, undurchdringliche Sümpfe und Moraste bildeten sich vor allem im innersten Donau-Drau-Winkel, die Überschwemmungen der vielen kleinen Flüsse gefährdeten Menschen und Felder, und auch die Wälder waren vernichtet. Vor allem im Komitat Somogy wurden Waldrestbestände oft zu Dickicht. Noch 1722 meldet ein Bericht, dass im Komitat Baranya von 1.718.000 Joch rund
München 1967, S. 83.
5 Vgl. Steinsch, Irma, Die Ansiedlung der privaten Grundherrschaften der Schwäbischen Türkei in Ungarn im
18. Jahrhundert, Budapest 1942, S. 8.
6 Vgl. Eberl, Immo, Gündisch, Konrad, Richter, Ute u. a., Die Donauschwaben. Deutsche Siedlung in
Südosteuropa, Sigmaringen 1987, S. 138.
7 Vgl. Fata, Márta, Einwanderung und Ansiedlung der Deutschen (1686-1790), in: Schödl, Günter (Hg.),
Deutsche Geschichte im Osten Europas. Land an der Donau, Berlin 1995, S. 89-180, hier S. 95.
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160.000 Joch unfruchtbarer Boden war (ein Joch hat die Größe von ungefähr 0,4316 ha) 8 . Auch im Komitat Tolna wurden im Jahr 1722 von 1.093.000 Joch Ackerland nur 150.000 Joch angebaut 9 . Weiterhin war das Gebiet durch die Kriegsleistungen unter der Türkenherrschaft finanziell ausgepresst. Es wurden zeitweise bis zu 500 Gulden pro Gemeinde gefordert, zudem die Abgabe des Zehnten pro Haus.
2. 2. Die Landnutzung nach den Türkenkriegen
Nach den Türkenkriegen gingen die meisten Güter in den Besitz des Staates über, da die meisten Grundherrschaften ausgestorben, vertrieben oder unauffindbar waren und somit keinen urkundlichen Anspruch auf ihre Besitzungen nachweisen konnten. Auch die eigens von der Wiener Regierung gegründete Institution „Neoacquistica Commissio“, welche die Familien der Grundherrschaften ausfindig machen sollte, blieb erfolglos. Lediglich die beiden großen Prälaturen, das Bistum Fünfkirchen und die Abtei Pécsvárad, übernahmen ihren alten Besitz wieder 10 . Aus diesem Grund wurden von der Kameraladministration die Besitzungen mehrerer Dörfer vorübergehend an Pächter, unter denen auch Deutsche waren, ausgegeben. Nach drei Jahren musste der Pächter das Land wieder in besserem Zustand, als er es übernommen hatte, abgeben. Auf diese Weise sollte die Instandsetzung des zerstörten Landes erreicht werden. Das eigentliche Ziel war jedoch, eine sichere Einnahmequelle für die Staatskasse zu schaffen. Auch die Pächter selbst waren motiviert, sich während der drei Jahre persönlich zu bereichern, was sich nicht selten in einer Ausbeutung der bäuerlichen Bevölkerung niederschlug. Das Bestreben nach bestmöglicher Landnutzung veranlasste nun die Ungarische Hofkammer, die riesigen Besitzungen zeitlich unbegrenzt an vermögende und angesehene Adelsfamilien abzugeben. Hinzu kam, dass siegreiche Feldherren der Türkenkriege mit Besitztümern belohnt und somit ebenfalls zu Grundherren wurden 11 . Durch kaiserliche Schenkungsurkunden wurden die Feldherren Preuner, Carprara, Veterani und Pállfy sowie die Grafen Batthyáni, Limburg-Styrum, Appony, Eszterházy, Mercy, Széchényi und der Prinz Eugen von Savoyen Grundherren in der Schwäbischen Türkei. Die geistlichen Großgrundbesitzer waren der Abt von Pécsvárad Franz Jány und der Bischof Franz Wilhelm von Nesselrode mit dem Bistum Fünfkirchen und dem Fünfkirchner Domkapitel 12 . Die
8 Vgl. Steinsch, Ansiedlung der privaten Grundherrschaften, S. 10.
9 Vgl. Eberl, Die Donauschwaben, S. 138.
10 Vgl. Senz, Josef, Geschichte der Donauschwaben, Salzburg 1955, S. 27 ff.
11 Vgl. Kriss, Rudolf, Die Schwäbische Türkei. Beiträge zu ihrer Volkskunde Zauber und Segen Sagen und
Wallerbrauch, Düsseldorf 1937, S. 7.
12 Vgl. Steinsch, Ansiedlung der privaten Grundherrschaften, S. 17.
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Arbeit zitieren:
Joschka Riedel, 2006, Die deutsche Auswanderung nach Südosttransdanubien im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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