Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Religion und Essen 3
3. Das antike Symposion 4
4. Einflüsse des antiken Symposions auf die christliche und jüdische Mahlpraxis 6
5. Fazit 8
6. Quellenverzeichnis 10
7. Literaturverzeichnis 10
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1. Einleitung
Dieser Essay ist im Rahmen des religionswissenschaftlichen Seminars „Religion und Essen“ entstanden. Zu diesem Oberthema sollen Einflüsse des antiken Symposions auf christliche und jüdische Gemeinschaftsmähler aufgezeigt und untersucht werden. Das gemeinsame Mahl hat bereits in der Antike Menschen miteinander verbunden, besonders in der Form des sog. Symposions. In einem langen Prozess entwickelte sich das griechische Symposion über das römische Convivium und die höfischen Tafeln des Mittelalters zum aristokratischen Bankett der Neuzeit und damit wieder zum Vorbild bürgerlicher Tischkultur in der Moderne. Im 20. Jahrhundert erschwerten Eile und Rastlosigkeit die Zusammenkunft bei einem geselligen Festessen. Dieser Prozess der „McDonaldisierung“ hat auch im 21. Jahrhundert nur leichte Auflockerungen und Entschleunigungen erfahren. In einer Zeit, in der Fast Food und Convenience-Produkte unsere Speisekultur beherrschen, und das Sich-Ernähren nur noch einen Begleitcharakter zu allen möglichen anderen Lebensvollzügen zu haben scheint, gilt das klassische Gastmahl sozusagen als ein Gegenmodell zu dieser Entwicklung. Das Gemeinschaftsmahl kann dabei zu einer eigenen Sinngebung von Grundformen menschlicher Lebens- und Weltgestaltung und zu einer Ausgestaltung sozialer Bindungen führen. Die Fragestellung, in welcher Art und Weise das Gastmahl als religiöses Phänomen klassifiziert werden kann und inwieweit die Harmonisierung antiker Mahlpraxis mit frühchristlichen und jüdischen Gemeinschaftsmählern gelingt, soll in dem vorliegenden Aufsatz bearbeitet werden.
Im Folgenden soll zunächst versucht werden, einige grundlegende Gemeinsamkeiten von Religion und Mahl festzustellen, bevor die Charakteristika eines antiken Symposions skizziert und die gewonnenen Erkenntnisse mit christlicher und jüdischer Mahlpraxis in Beziehung gesetzt werden.
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2. Religion und Essen
Grundmotive herauszuarbeiten, die auf einen prinzipiellen Zusammenhang zwischen Religion und Essen verweisen, erscheint nicht zuletzt aufgrund der Definitionsvielfalt des Religionsbegriffs als sehr schwierig. Portmann stellt zu dieser Problematik fest: „Was Religion ist, ist unklar geworden, ihre Grenzen verschwimmen.“ 1 Die Religionsdefinition, die er erarbeitet, ist daher sehr weit gefasst und lautet wie folgt:
„Als Religion bezeichne ich vorläufig alle Wissenselemente, Erfahrungen und Handlungen kollektiver und
individueller Art, die für das Individuum (und indirekt für Gruppen) Sinn und Orientierung herstellen. Die
Erfüllung dieser Funktion ist eine Folge der Wechselwirkungen, die zwischen diesen drei Grössen bestehen.
Religion in diesem Sinn lässt sich bezeichnen als Gesamtheit aller Zeichen und Deutungsprozesse, die für
Einzelne (und zum Teil für Kollektive) Sinn und Orientierung herstellen.“ 2
Wenn man sich dieser Definition anschließt, dann ist die Einbettung gemeinschaftlicher Mahlpraxis in den weiten Bereich religiöser Konzeption nachvollziehbar: Der Mensch ist auf die Nahrungsaufnahme angewiesen, er bereitet seine Nahrung mehr oder weniger kunstvoll und aufwendig zu und drückt in seinem Speiseverhalten seine soziale Veranlagung aus. Das gemeinsame Essen mit Familie, Freunden oder Bekannten dient also der Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse, der unmittelbaren Gestaltung der eigenen Welt und Wirklichkeit und der Schaffung sozialer Identität und Beziehungen. 3 Dementsprechend ist der Schritt von dem einen in den anderen Bereich nach der Religionsdefinition von Portmann so leicht vollzogen - charakteristische Elemente des Gemeinschaftsmahles sind danach auch Elemente von Religion.
Auch in der Forschung wird besondere Emphase auf den die Gemeinschaft fördernden Charakter des gesellschaftlichen Speiserituals gelegt, der eine Orientierungshilfe für das menschliche Individuum in der generellen Gestaltung seines Lebens bietet. Schmidt-Leukel bemerkt hierzu: „Das gemeinsame Mahl scheint eine der vorzüglichsten Möglichkeiten für den Menschen zu sein, sich die Sozialnatur seines Wesens, ja seine Einbindung in den Gesamtzusammenhang des Lebens zu vergegenwärtigen und zu feiern.“ 4 Gottwald schreibt dem Essen ebenfalls einen sinnstiftenden und damit nach Portmann religiösen Charakter zu: „Im Speiseritual verdichtet sich die Erinnerung an das Einfache und führt zu einer neuen
1 Portmann, Adrian. Kochen und Essen als implizite Religion. Lebenswelt, Sinnstiftung und alimentäre Praxis,
Münster 2003, S. 79.
2 Ebd., S. 88 f.
3 Vgl. Schmidt-Leukel, Perry. Heiligkeit des Lebens. Über den Zusammenhang von Essen und Religion, in:
Schmidt-Leukel, Perry (Hg.), Die Religionen und das Essen, München 2000, S. 9-20, hier: S. 11 f.
4 Ebd., S. 18 f.
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Arbeit zitieren:
Joschka Riedel, 2010, Einflüsse des antiken Symposions auf die christliche und jüdische Mahlpraxis, München, GRIN Verlag GmbH
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