Inhaltsübersicht
Kapitel I: Einleitung 10
Kapitel II: Die NATO 14
2.1 Gründungen der NATO 14
2.2 Geschichte der NATO von 1949-1989 16
2.3 Geschichte der NATO von 1990- 1999 25
2.4 Geschichte der NATO nach 2000 27
2.5 Organisation der NATO 32
2. 6 Allianztheorie 37
Kapitel III: Kroatien 44
3.1 Geschichte der Republik Kroatien 44
3.2 Kroatische Streitkräfte 46
3.3 Die Reform der kroatischen Streitkräfte 54
3.4. Wirtschaftliche Aspekte 62
3.5 Zivil- Militärische Beziehungen in der Republik Kroatien 68
Kapitel IV: Kroatien und die NATO 75
4.1 Kroatiens Weg in die NATO 75
4.2 Integrationsinstrumente der NATO 78
4.3 Kroatische Streitkräfte in NATO- und UN-Missionen 84
Kapitel V: Schlussbemerkung 98
Anhang
2
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 8
Kapitel I: Einleitung 10
Kapitel II: Die NATO 14
2.1 Gründungen der NATO 14
2.1.1 Brüsseler Pakt 14
2.1.2 Gründung der NATO 15
2.2 Geschichte der NATO von 1949-1989 16
2.2.1 1949- 1955 16
2.2.1.1 NATO- Vorwärtsstrategie 17
2.2.1.2 NATO- Beitritt der Bundesrepublik Deutschland 18
2.2.2 1956- 1966 19
2.2.2.1 Fortentwicklungen der NATO 19
2.2.2.2 Kuba- Krise 20
2.2.2.3 Austritt Frankreichs aus der militärischen Organisation
der NATO 20
2.2.3 1967- 73 21
2.2.3.1 Entspannungspolitik 21
2.2.4. 1973- 1985 22
2.2.4.1 NATO-Doppelbeschluss 22
2.2.4.2 Abkühlung der Beziehungen zwischen NATO und
Warschauer Pakt 23
2.2.5 1985-1991 24
2.2.5.1 Ende des Ost- West- Konfliktes 24
2.3 Geschichte der NATO von 1990- 1999 25
2.3.1 Transformation der NATO 25
2.3.2 Die NATO im ehemaligen Jugoslawien 26
2.3.3 Erste NATO-Osterweiterung 26
2.3.4 Kosovo- Konflikt 26
3
Kapitel III: Kroatien 44
3.1 Geschichte der Republik Kroatien 44
3.1.1 Unabhängigkeit von Jugoslawien 44
3.2 Kroatische Streitkräfte 46
3.3 Die Reform der kroatischen Streitkräfte 54
3.4. Wirtschaftliche Aspekte 62
3.5 Zivil- Militärische Beziehungen in der Republik Kroatien 68
Kapitel IV: Kroatien und die NATO 75
4.1 Kroatiens Weg in die NATO 75
4.2 Integrationsinstrumente der NATO 78
4.3 Kroatische Streitkräfte in NATO- und UN-Missionen 84
Kapitel V: Schlussbemerkung 98
Abbildungsverzeichnis 101 Tabellenverzeichnis 101 Literaturverzeichnis 102
1. Monographien, Zeitschriften Dokumente 102 2. Internetquellen 103 3. Internetdokumente 105 4. Artikel zur NATO und OSRH 107 5. UN- Resolutionen 108
Anhang 110
7
Abkürzungsverzeichnis
ACE Allied Command Europe ACLANT Allied Command Atlantic ACO Allied Command Operation ACT Allied Command Transformation ANP Annual National Plan BIP Bruttoinlandsprodukt CAF Croatian Army Force CROCON Croatian Contingent DDR Deutsche Demokratische Republik DPC Defense Planning Committee DPQ Defence Planning Questionnaire EAPC Euro- Atlantic Partnership Council EAPWP Euro-Atlantic Partnership Work Plan EG Europäische Gemeinschaft ESVP Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik EU Europäische Union EUFOR European Union Force EUPOL EU Police Mission GASP Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik HDZ Hrvatska Demokratska Zajednica (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) HKoV Hrvatska Kopnena Vojska(Kroatisches Heer) HRM Hrvatska Ratna Mornarica (Kroatische Kriegsmarine) HRZ Hrvatsko Ratno Zrakoplovstvo (Kroatische Luftwaffe) HS Hrvatski Samokres (Kroatische Pistole) HSLS Hrvatska Socijalno-Liberalna stranka (Kroatische Sozial-Liberale-Partei) HV Hrvatska Vojska (Kroatische Armee) HVCON Hrvatski contingent ICTY International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia IMS Integrierter Internationaler Militärstab IPP Individual Partnership Program ISAF International Security Assistance Force JNA Jugoslavenska narodna armija (Jugoslawische Volksarmee) KFOR Kosovo Force KSZE Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa MAP Membership Action Plan
8
MC Military Committee MORH Ministarstvo obrane Republike Hrvatske (kroatisches Verteidigungsministerium) MPRI Military Professional Resources INC. NACC North Atlantic Cooperation Council NATO North Atlantic Treaty Organization NDH Nezavisna Drzava Hrvatska (Unabhängiger Staat Kroatien) NPG Nuclear Planning Group NRF NATO-Response-Force OSRH Oruzane snage Republike Hrvatske (Streitkräfte der Republik Kroatien) OSZE Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa PARP Planning and Review Process PfP Partnership for Peace PRT Provincial Reconstruction Team PZO Protuzracna Obrana (Luftverteidigung)
RH Republika Hrvatska (Republik Kroatien) SACEUR Supreme Allied Commander Europe SACLANT Supreme Allied Commander Atlantic SACT Supreme Allied Commander Transformation SFRJ Socialisticna Federativna Republika Jugoslavija (Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien) UN United Nations UNCRO United Nations Confidence Restoration Operation in Croatia UNPA United Nations Protected Areas UNPRFOR United Nations Protection Force ZNG Zbor Narodne Garde (Nationalgarde)
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Kapitel I: Einleitung
Die vorliegende Arbeit behandelt den Weg Kroatiens in die NATO 1 . Die Literatur zu dieser Arbeit kann als ausreichend bis befriedigend bezeichnet werden, da Literatur über die kroatische NATO- Integration vor allem in der Zeit nach 2004 eher dürftig ist. Zur NATO als solcher war die Menge und Qualität der deutschen wie kroatischen Literatur sehr zufrieden stellend.
Begonnen habe ich mit der Geschichte der NATO von ihrer Gründung bis heute, um zu verdeutlichen, dass die NATO seit ihrer Gründung immer ein wichtiger sicherheitspolitischer Faktor in den Weltgeschehnissen war und ist. Vom Beginn des Kalten Krieges bis zu heute, kam es immer wieder zu kleineren oder größeren politischen Konfrontationen zwischen den NATO- Mitgliedsstaaten, die aber immer beigelegt werden konnten, sodass bis heute kein Mitglied aus der NATO ausgetreten ist. Nur Frankreich trat 1966 aus der militärischen Organisation zurück, trat aber 2009 wieder ein. Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte sich die NATO mit ihrer Existenzberechtigung auseinanderzusetzen, da mit dem Ende der UdSSR 2 und der Auflösung des Warschauer Paktes 3 der Feind verschwunden war. Somit kam es zur notwendigen Transformation der NATO. In der Folgezeit öffnete sich die NATO für die ehemaligen Mitglieder des Ostblocks, was schließlich in den NATO-Osterweiterungen 1999, 2004 und 2009 und den Beitritten ehemaliger kommunistischer Staaten zum NATO- Bündnis mündete.
Daraufhin analysierte ich die Struktur der NATO, die sich in eine politische und eine militärische Organisation gliedert, um einen kurzen Einblick in die innere Arbeitsweise der NATO darzustellen. Am Ende des Kapitels über die NATO wurde aus theoretischer Sicht auf das Bündnis eingegangen. Dabei wird auf verschiedene
1 NATO/OTAN (North Atlantic Treaty Organization/ Organisation du Traité de l’Atlantique Nord, dt.
Nordatlantische Vertragsorganisation oder Nordatlantikpakt-Organisation)
2 UdSSR/SSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken /Sowjetskich Sozialistitscheskich
Respublik (SSSR) zentralistisch regierter, föderativer Einparteienstaat in Osteuropa, dem Kaukasus
und Nord- und Zentralasien. (Gründung am 30. Dezember 1922, Auflösung am 21. Dezember 1991)
Rechtsnachfolge in internationalen Organisationen: Russische Föderation
3 Warschauer Pakt (auch Warschauer Vertragsorganisation oder Warschauer Vertrag), ein von 1955
bis 1991 bestehender militärischer Beistandspakt des Ostblocks unter der Führung der UdSSR.
Mitglieder: Albanien bis 1968, Bulgarien, DDR bis 1990, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei,
UdSSR, Ungarn
10
Aspekte von Allianzbildungen, den damit verbunden Verpflichtungen und die Kriterien eingegangen.
Im darauf folgenden Kapitel bin ich auf die Republik Kroatien eingegangen. Vor ihrer Gründung 1991 kann die Republik Kroatien auf eine lange und turbulente Geschichte zurückblicken. Allerdings muss gesagt werden, dass diese Geschichte fast nie von Selbstständigkeit zeugt. Es ist Fakt, dass im Laufe der kroatischen Geschichte vor 1991 nur von einem unabhängigen Staat und einem quasi unabhängigem Staat gesprochen werden kann.
Die erste Unabhängigkeit geht noch auf das neunte Jahrhundert zurück, als 879 Fürst Branimir von Papst Johannes VIII. 4 , als „dux Chroatorum“ 5 bezeichnet wurde. Dies kann als Annerkennung eines unabhängigen Staates betrachtet werden. Das Jahr 925, als Papst Johannes X. 6 in einem Brief an den kroatischen Fürsten Tomislav 7 diesen „rex croatorum“ 8 , König der Kroaten, anspricht, wird als das Gründungjahr des Königreichs Kroatien bezeichnet. Das kroatische Königreich existierte selbständig bis zur Personalunion mit Ungarn 1102, zu welcher es aufgrund der Niederlage des letzten kroatischstämmigen kroatischen Königs Petar Svacic 9 1097 kam.
Seit dieser Zeit sollten bis zur zweiten Unabhängigkeit 839 Jahre vergehen. In diesen mehr als 800 Jahren blieb Kroatien mit Ungarn verbunden und wurde 1527 mit der Annerkennung des Habsburgers Ferdinand I. als König von Kroatien und Ungarn Teil des Habsburger Reiches. In diesem verblieb Kroatien als Teil des 1867 aus dem alten Habsburgerreich hervorgegangenem Österreich- Ungarischen Kaiserreiches bis zu dessen Zerfall 1918 nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.
Am 29. Oktober 1918 lösten sich die südslawischen Länder von der Doppelmonarchie und bildeten den Staat der Slowenen, Kroaten und Serben (Drzava Slovenaca, Hrvata i Srba- Drzava SHS). Im Londoner Vertrag von 1915 wurden Italien große Teile der kroatischen Adriaküste zugesprochen, so dass italienische Truppen begannen, die ihnen zugesprochenen Gebiete zu besetzen.
4 Johannes VIII. (gest. 16. Dezember 882 in Rom) Papst (872 -882)
5 Dt. Führer der Kroaten
6 Johannes X. (gest. 929) Papst (914 - 928)
7 Tomislav (gest. 11. März 928) Herrscher Kroatiens (910- 928) seit 925 König
8 Dt. König der Kroaten
9 Petar Svacic (gest. 1097) König von Kroatien (1093-1097)
11
Aufgrund dessen beschloss der „Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben“ im November 1918 die Vereinigung mit dem serbischen Königreich. Somit wurde der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca- Kraljevina SHS). Somit war Kroatien nach mehr als 800 Jahren in Union mit einem anderen Staat, in welchem die Kroaten immer das unterlegene Volk waren, wieder einem Staatenbund beigetreten, in welchem, wie sich zeigen sollte, die Serben das dominierende Volk waren und das kroatische Volk unfrei blieb.
Nach dem Attentat 1928 im Parlament auf kroatische Politiker durch einen serbischen Abgeordneten rief König Alexander I. 10 1929 die Königsdiktatur aus und änderte den Namen des Königreiches in Königreich Jugoslawien um. Diese Zeit wird als die „Zeit des ersten Jugoslawien“ bezeichnet. In diesem Staatenbund blieb Kroatien bis 1941.
Am 10. April 1941, erfolgte die Proklamation des „Unabhängigen Staates Kroatien“(Nezavisna Drzava Hrvatska- NDH), nachdem das Königreich Jugoslawien von der Wehrmacht innerhalb weniger Tage besiegt worden war. Dies war, formell gesehen, der erste eigenständige kroatische Staat seit dem Ende des kroatischen Königreiches im 11. Jahrhundert. De facto war der „Unabhängige Staat Kroatien“ ein Staat von deutschen Gnaden und Teil der italienischen Einfluss-Sphäre. Somit kann dieser vom Ustasa 11 - Regime geführte Staat unter Ante Pavelic 12 nicht wirklich als unabhängig bezeichnet werden.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Kroatien ein Teil des kommunistischen Jugoslawien unter Josip Broz Tito 13 , welches wiederum von Serben dominiert wurde. In diesem neuen Staatenbund verblieb Kroatien bis zu seiner Unabhängigkeit 1991. Allerdings erfolgte der Übergang Kroatiens vom
10 Alexander I. Karadjordjevic (16. Dezember 1888 - 9. Oktober 1934) Prinzregent von Serbien (1914-
1918), König des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen(1921 -1934). 1934 kam er durch
ein Attentat in Marseille ums Leben,
11 Ustaša, dt. „die Aufständischen“) kroatische faschistische Bewegung, geg. 1929 von Ante Pavelic
12 Ante Paveli (14. Juli 1889 - 28. Dezember 1959), kroatischer faschistischer Politiker, Führer des
kroatischen Ustaschastaates NDH 1941. 1945).
13 Josip Broz Tito (7. Mai 1892 - 4. Mai 1980) jugoslawischer Politiker, Ministerpräsident Jugoslawiens
(1945- 1953), Präsident Jugoslawiens (1953-1980), Mitbegründer der „Bewegung der Blockfreien
Staaten“
12
Kommunismus zur Demokratie und Unabhängigkeit nicht kriegsfrei wie in den anderen Staaten des kommunistischen Ostblocks. Man musste sich gegen die serbische Aggression verteidigen, welche die Unabhängigkeit Kroatiens verhindern wollte. Dieser Krieg dauerte bis 1995 und wurde mit dem Dayton- Abkommen für beendet erklärt.
Nach dem Sieg im Heimatkrieg (Domovinski rat, Anm. d. Verf) und der Festigung der kroatischen Unabhängigkeit folgte allerdings die politische Isolation der Republik Kroatien, was auf die Politik des ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman 14 zurückzuführen war. Erst mit dem Regierungswechsel 2000 verbesserten sich die internationalen Beziehungen der Republik Kroatien. So wurde die Republik Kroatien 2003 offizieller EU- Beitrittskandidat, und 2005 begannen die Beitrittsverhandlungen über eine EU- Vollmitgliedschaft. Dies war vor allem auf die gute Zusammenarbeit mit dem ICTY 15 zurückzuführen, die sich seit 2000 stetig verbessert hatte. Bereits 2000 wurde die Republik Kroatien ein Teil des „Partnership for Peace“- Programms der NATO, was als Integrationsbeginn in die Nordatlantische Allianz bezeichnet werden kann.
Schlussendlich habe ich noch die Rolle der kroatischen Streitkräfte untersucht, die seit ihrer Gründung ein wichtiger Faktor in der jüngeren kroatischen Geschichte sind, da sich durch die militärische Zusammenarbeit mit anderen Staaten und internationalen Organisationen weltweit die politische Rolle der Republik Kroatien gefestigt und verbessert hat.
.
14 Franjo Tuđman (14. Mai 1922 -10. Dezember 1999) erster Präsident der Republik Kroatien (1990-
1999)
15 ICTY, International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia
13
Kapitel II: Die NATO
2.1 Die Gründung der NATO
„Nachdem im Jahre 1947 die zweite Konferenz der vier Mächte Frankreich, Großbritannien, Sowjetunion und Vereinigte Staaten über die Zukunft Gesamtdeutschlands scheiterte, war der britische Außenminister Ernest Bevin 17 überzeugt, „daß die Sowjetunion in absehbarer Zukunft nicht bereit sein wird, in vernünftiger Weise mit dem Westen zu verhandeln und daß die Rettung des Westens von der Bildung einer Art - formeller oder informeller - Union in Westeuropa abhängen wird, die von den Vereinigten Staaten and den Dominions unterstutzt wird - von einer solchen Mobilisierung der moralischen and materiellen Kraft, die Vertrauen im Inneren und anderswo Respekt hervorrufen wird.“ 18
2.1.1 Brüsseler Pakt
Die westlichen Demokratien fühlten sich aufgrund der sowjetischen Unterstützung verschiedener Aktionen im Ostblock zwischen 1947 und 1949 in ihrer Sicherheit bedroht. So schlossen sich die Benelux- Staaten, Großbritannien und Frankreich bereits am 17. März 1948 mit dem unkündbaren Brüsseler Pakt zusammen. Dieser Pakt basierte auf dem in Dünkirchen von Engländern und Franzosen geschlossenen Vertrag und wurde auf eine Dauer von 50 Jahren angesetzt. Mit dem Brüsseler Pakt zeigten die Mitgliedstaaten ihre Entschlossenheit, mit einem gemeinsamen
16 NATO- Flagge,
http://www.welt.de/multimedia/archive/1194533824000/00428/Wortgefecht_01_nato_428131g.jpg,
16.12.2009
17 Ernest Bevin (9. März 1881 - 14. April 1951), Außenminister Großbritanniens (1945 - 1951).
18 Greiner/Maier/Rebhan/Thoß(Hrsg.);Die NATO als Militärallianz. Strategie, Organisation und
nukleare Kontrolle im Bündnis 1949 bis 1959, S.19
14
Verteidigungsbündnis sich gegen die kommunistische Bedrohung aus der Sowjetunion, aber auch gegen eine eventuelle erneute Aggression aus Deutschland zu wehren. 19
Die Ziele des Brüsseler Paktes waren so formuliert: „die Prinzipien der Demokratie, der persönlichen and politischen Freiheit, der verfassungsmäßigen Traditionen und der Herrschaft des Gesetzes, die ihr gemeinsames Erbe sind, zu befestigen und zu erhalten; die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Bindungen, die sie bereits vereinigen, mit diesen Zielen vor Augen zu stärken; loyal zusammenzuarbeiten und ihre Bemühungen, in Westeuropa eine feste Basis für die wirtschaftliche Erholung Europas zu schaffen, aufeinander abzustimmen; in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen sich gegenseitig Beistand zu leisten, um den internationalen Frieden and die Sicherheit zu erhalten und jeder Angriffspolitik Widerstand zu leisten; alle Schritte zu unternehmen, die sich für den Fall einer neuen deutschen Aggressionspolitik als notwendig erweisen; in der Verfolgung dieser Ziele auch noch diejenigen Staaten hinzuzuziehen, die von den gleichen Ideen erfüllt und von der gleichen Entschlossenheit beseelt sind.“ 20
2.1.2 Gründung der NATO
Es kann gesagt werden, dass 1948 mit dem Staatstreich und der Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei die Gründung der NATO konkretisiert wurde. Denn bereits am 22. März 1948 begannen die Verhandlungen zwischen Vertretern der US- Außenministeriums und den Botschaftern Kanadas und Großbritanniens zwecks eines Nordatlantikpaktes. Diese „Pentagongespräche“ waren streng geheim und dauerten bis zum 1. April 1948. 21
In Folge dieser Gespräche legte im April 1948 das US- Amerikanische Außenministerium in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Sicherheitsrat Einzelheiten eines möglichen Vertrages fest. Die wesentlichen Einzelheiten waren das Prinzip der Selbsthilfe und gegenseitigen Unterstützung sowie der Grundsatz, dass jedes Mitglied selbst bestimmen sollte, „ob eine Aggression vorliege und welche
19 Vgl. Varwick; Die NATO, Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei, S. 20f
20 Varwick; Die NATO, Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei, S.20f
21 Vgl. Greiner/Maier/Rebhan/Thoß(Hrsg.);Die NATO als Militärallianz. Strategie, Organisation und
nukleare Kontrolle im Bündnis 1949 bis 1959, S. 25
15
Maßnahmen es dann ergreifen wolle, bis Übereinstimmung über gemeinsame Maßnahmen erzielt sei.“ 22
Nachdem die „Vandenberg-Resolution“ vom US- amerikanischen Senat am 11. Juni 1948 angenommen und am 2. Juli vom Präsidenten unterschrieben wurde, war nun für die USA der Weg zu Verhandlungen über einen Nordatlantikpakt frei. Am 6. Juli begannen, mit Unterbrechungen, zwischen den USA, Kanada und den Brüsseler Pakt- Staaten die Vertragsverhandlungen, die so genannten „Washington Security-Talks“, die am 9 September mit einem fertigen Vertragsentwurf endeten. Vom 10. Dezember 1948 bis zum 15. März 1948 wurde erneut über den Vertrag diskutiert, und erst zu diesem Zeitpunkt wurden Dänemark, Island, Norwegen und Portugal eingeladen dem Nordatlantikpakt beizutreten. 23
Der NATO- Vertrag wurde am 4. April 1949 von den zehn europäischen 24 und den zwei nordamerikanischen Staaten 25 unterschrieben. Bereits vier Monate danach war der NATO-Vertrag von allen nationalen Parlamenten ratifiziert worden, so dass er am 24. August. 1949 in Kraft trat. 26
„Nach dem viel zitierten Wort von Lord Ismay 27 wurde die NATO gegründet „to keep Russia out, the Unitet States in and Germany down. “ 28
2.2 Geschichte der NATO von 1949-1989
2.2.1 1949- 1955
„Militärische Aufgabe der NATO war die Verteidigung des Bündnisterritoriums gegen eine Invasion - eine Aufgabe, die unter den spezifischen Bedingungen des Ost-West-Konflikts ausschließlich durch Abschreckung, d. h. die bloße Androhung von Gewalt,
22 ebd. S.25
23 Vgl. ebd. S. 25
24 Belgien, Dänemark, Frankreich, Island, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal,
Vereinigtes Königreich
25 Kanada, Vereinigte Staaten von Amerika
26 Vgl. Varwick; Die NATO, Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei, S. 21f
27 Hastings Lionel Ismay, 1. Baron Ismay (21. Juni 1887 -17. Dezember 1965), von 1952 bis 1957
erster NATO-Generalsekretär.
28 Stöckel, Strategie und Einfluss von EU, NATO und OSZE auf osteuropäische Transformations-
staaten, S.150
16
wahrgenommen werden konnte.“
Bereits in den ersten Jahren sah sich das noch junge Bündnis mit zwei sicherheitspolitischen Problemen konfrontiert. Die Sowjets zündeten ihre erste Atombombe am 23. September 1949 und im Juni 1950 brach der Koreakrieg aus.
Kurz nachdem die Amerikaner Südkorea geräumt hatten begann der Angriff des kommunistischen Nordkorea auf den Süden. Aufgrund dessen kam bei einigen Regierungen der NATO- Mitgliedstaaten die Vermutung auf, dass ein Angriff der Sowjetunion auf Europa nicht mehr ausgeschlossen war.
2.2.1.1 NATO- Vorwärtsstrategie
Aufgrund der Zuspitzung der Weltgeschehnisse änderten die Mitglieder ihre Planungen, da man noch im Jahr zuvor nicht daran gedacht hatte, eine integrierte militärische Organisation und ein engeres institutionelles Geflecht aufbauen zu müssen.
Um eine Aggression auf Europa, ähnlich des Angriffes auf Südkorea, zu vermeiden, vereinbarte der NATO-Rat 1950 die Einführung integrierter Streitkräfte und die Vorwärtsstrategie. 29
Besagte Strategie bestand wie folgt: „jedem Angriff soll so weit ostwärts wie möglich entgegengetreten werden, um die Verteidigung aller europäischen Mitgliedsländer zu gewährleisten.“ 30 .
„Im Dezember 1950 wurden vom NATO-Rat eine integrierte europäische Verteidigungsstreitmacht, die Errichtung eines obersten Hauptquartiers sowie die Ernennung von General Dwight D. Eisenhower 31 zum Obersten Alliierten Befehlshaber in Europa (SACEUR) bestimmt.“ 32
1952 wurden Griechenland und die Türkei Mitglieder der NATO, so dass sich nun das NATO-Gebiet bis hin in den Mittleren Osten erstreckte. Aufgrund der immer
29 Vgl. Varvik/Woyke, Die Zukunft der NATO, Transatlantische Sicherheit im Wandel, S. 53f
30 Hauser, Die NATO- Transformation, Aufgaben, Ziele, S.25
31 Dwight David Eisenhower (14. Oktober 1890 - 28. März 1969) , 34. Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika (1953-1961) und Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa während
des Zweiten Welt- kriegs.
32 Varwick; Die NATO, Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei, S. 33
17
schlechter werdenden Beziehungen zwischen dem Ostblock und dem Westblock wurde 1952 beschlossen, bis 1954 90 Divisionen in Europa aufzustellen. 1954 standen dann letztendlich 96 Divisionen in Europa, im Jahr davor waren derer nur 18. 33
2.2.1.2 NATO- Beitritt der Bundesrepublik Deutschland
„Der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland am 5. Mai 1955 gab der schon im Dezember 1950 vom NATO-Rat vereinbarten „Vorwartsstrategie“ ihre geographische Grundlage, die sich vom „Eisernen Vorhang“, d.h. der Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, bis an den Rhein erstreckte“ 34
Der Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik Deutschlands wurde, nachdem die Europäische Verteidigungsgemeinschaft am 30. August gescheitert war, ausdrücklich von den USA gefordert. Von Seiten Frankreichs stieß diese Idee allerdings auf Widerstand, da es ein Wiederbeleben des deutschen Militarismus befürchtete. Mit den Pariser Verträgen im Oktober 1954, mit denen die Bundesrepublik Deutschland der NATO beitrat, wurde auch die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland hergestellt. Somit endete formal die Besatzung der Bundesrepublik Deutschland durch Frankreich, Großbritannien und den USA. Mit dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland und Italien zum Brüsseler Pakt wurde die Westeuropäische Union gebildet, die in enger Zusammenarbeit mit der NATO stehen sollte. Somit war die erste Etappe der NATO- Entwicklung abgeschlossen. 35
„Das Vertragsgebiet grenzte damit aber auch mit seiner längsten Ausdehnung an den so genannten Ostblock und den 1955 gegründeten Warschauer Pakt. Die Ostseeausgänge, der einzige Seeweg der sowjetischen Marine in die Nordsee und den Atlantik, wurde nun von zwei Allianzmitgliedern, Dänemark und der Bundesrepublik, überwacht.“ 36
33 Vgl. Hauser, Die NATO- Transformation, Aufgaben, Ziele, S. 25
34 Greiner/Maier/Rebhan/Thoß(Hrsg.);Die NATO als Militärallianz. Strategie, Organisation und
nukleare Kontrolle im Bündnis 1949 bis 1959, S. 39
35 Vgl. Varwick; Die NATO, Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei, S. 33f
36 Greiner/Maier/Rebhan/Thoß(Hrsg.);Die NATO als Militärallianz. Strategie, Organisation und
nukleare Kontrolle im Bündnis 1949 bis 1959, S. 39
18
2.2.2 1956- 1966
2.2.2.1 Fortentwicklungen der NATO
Nun konnten sich die NATO-Mitglieder auf eine Fortentwicklung der Nordatlantik-Allianz konzentrieren, da mit dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland in die NATO das die Bündnismitglieder am meisten belastende Problem gelöst war. Aufgrund der wachsenden Abhängigkeit der Industriestaaten voneinander wurde vom NATO-Rat eine „engere Koordinierung der Organisation der Streitkräfte“ 37 beschlossen. Dies sollte dazu dienen, dass jedes Mitglied sein Maximum an Beitrag an die Allianz leisten konnte. Des Weiteren sollten die Mitgliedsstaaten jede für das Bündnis relevante Entwicklung dem Nordatlantikrat melden, damit wirksam politisch beraten werden konnte, welche Maßnahmen zu treffen seien. 38
„1956 wurde die NATO erstmals auf eine harte Probe gestellt: Wahrend der Suezkrise verurteilte die US-Administration die britischen und franzosischen Luftangriffe und Landungen von Fallschirmjägern und Truppen in der Suezkanalzone. Frankreich and Großbritannien betonten die Notwendigkeit dieser Aktion, um den Kanal, der durch Schiffwracks bereits versperrt war, für den internationalen Seeverkehr zu sichern and die israelisch-ägyptischen Kampfe zu beenden.“ 39
Die Briten und Franzosen beendeten ihre Militäroperationen auf Druck der USA, wobei bei der britischen und Französischen Regierung das Gefühl auftrat, dass es bei den USA und der Sowjetunion in der Nahost-Krise zu einem Zusammengehen kam. Im November 1958 kam es zur zweiten Berlin- Krise, als Nikita Chruschtschow von den Westmächten verlangte, das West-Berlin Problem zu lösen. 40 „Er forderte die Bildung einer entmilitarisierten Freien Stadt West-Berlin und den Abzug aller westlichen Truppen.“ 41
Für den Fall, dass keine Lösung gefunden werden sollte, drohte er, mit der Deutschen Demokratischen Republik einen eigenen Friedensvertrag abzuschließen
37 Varvik/Woyke, Die Zukunft der NATO, Transatlantische Sicherheit im Wandel, S. 55
38 Vgl. ebd. S. 53
39 Hauser, Die NATO- Transformation, Aufgaben, Ziele, S. 26
40 Vgl. Varvik/Woyke, Die Zukunft der NATO, Transatlantische Sicherheit im Wandel, S.56
41 Hauser, Die NATO- Transformation, Aufgaben, Ziele, S.26
19
und die sowjetischen Rechte auf Berlin an die DDR abzugeben. Diese Krise, die mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 ein Ende fand, war der Beginn einer noch engeren Zusammenarbeit zwischen den NATO-Staaten und stärkte zudem die Einsicht, dass der Status quo in Europa gefestigt werden müsse. 42
2.2.2.2 Kuba- Krise
Eine noch größere Standfestigkeit als bei der Berlin-Krise bewiesen die NATO-Staaten ein Jahr später mit der aufkommenden Kuba-Krise im Herbst 1962. Nikita Chruschtschow installierte auf Kuba Mittelstrecken Raketen. Die Sowjetunion hatte mit der „Operation Anadyt“ 42.000 Soldaten, militärisches Gerät und hunderte Atomsprengköpfe nach Kuba geschifft. Des Weiteren hatte der dortige sowjetische Kommandeur General Issa Plijew die Ermächtigung, bei einem amerikanischen Angriff ohne weitere Absprache mit Moskau die nuklearen Sprengköpfe zu zünden. Somit befand sich die Welt am Rande eines Atomkrieges. Erst aufgrund der massiven und harten Reaktionen aus Washington unter Präsident John F. Kennedy 43 lies Nikita Chruschtschow 44 am 28. Oktober 1962 die Truppen und Nuklearsprengköpfe aus Kuba abziehen. 45
2.2.2.3 Austritt Frankreichs aus der militärischen Organisation der NATO
Frankreich war bereits seit Ende der 1950er Jahren ein Problem im NATO- Bündnis, da es unter Präsident Charles de Gaulle zunehmend zu einer nationaleren Ausrichtung der französischen Verteidigungspolitik kam sowie zu Ambitionen, ein eigenes Nuklearprogramm aufzubauen, da Charles de Gaulle 46 Zweifel hegte ob die USA bei einer nuklearen Bedrohung Westeuropas und Frankreichs ihr Nukleararsenal zu dessen Verteidigung einsetzen würden. 47
„Nach Differenzen über die Rolle der Europäer im NATO- Bündnis und der Auseinandersetzung über die NATO- Strategie kündigte die französische Regierung
42 Vgl. Varvik/Woyke, Die Zukunft der NATO, Transatlantische Sicherheit im Wandel, S. 56
43 John Fitzgerald Kennedy (29. Mai 1917 - 22. November 1963) 35. Präsident der Vereinigten
Staaten
von Amerika (1961 -1963)
44 Nikita Sergejewitsch Chruschtschow (17. April 1894- 11. September 1971) Parteichef der KPdSU
(1953-1964), Regierungschef der UdSSR (1958-1964)
45 Vgl. Hauser, Die NATO- Transformation, Aufgaben, Ziele, S. 26f
46 Charles André Joseph Marie de Gaulle ( 22. November 1890 -9. November 1970) französischer
General und Politiker. Präsident der „Fünften Republik“(1959- 1969)
47 Vgl. Hauser, Die NATO- Transformation, Aufgaben, Ziele, S. 37
20
im März 1966 an, ihr Personal zum 1. Juli aus den integrierten militärischen Stäben der NATO zurückzuziehen[…]“ 48
So mussten bis April 1967 alle NATO- Institutionen, auch der Sitz des Generalsekretärs, Frankreich verlassen. Frankreich blieb aber weiter Teil der NATO und erlaubte weiterhin, dass der französische Luftraum für NATO- Flugzeuge zur Verfügung stand. 49 Da nun Frankreich aus dem militärischen Teil der NATO ausgetreten war, konnten nun Strukturreformen eingeleitet werden, „denn Frankreich hatte bereits seit 1959 sukzessive Truppenteile aus dem militärischen Bündnis zurückgezogen“. 50
2.2.3 1967- 73
2.2.3.1 Entspannungspolitik
„Die Kuba-Krise bildete sowohl einen Höhepunkt des Kalten Krieges wie auch einen Wendepunkt in den Beziehungen der Blockführungsmächte“ 51
Die Kuba-Krise hatte gezeigt, wie nah ein Atomkrieg war, und führte zur Einsicht der Blockführungsmächte USA und der Sowjetunion, dass ein Atomkrieg für beide Seiten sinnlos wäre, da dies zu einer totalen Vernichtung ihrer Gesellschaft führen würde. So führten die beiden Supermächte 1963 den „heißen Draht“, eine direkte Nachrichtenverbindung, ein. 1968 folgte der Atomwaffensperrvertrag.
Der Bericht „Die zukünftigen Aufgaben der Allianz“ oder Harmel- Bericht von 1967 (benannt nach Pierre Harmel, belgischer Außenminister von 1966 bis 1972 Anm. d. Verf.) formulierte die politische Strategie der NATO in der Verteidigung und Entspannung, mit dem Ziel der Abrüstung, die Grundlage der NATO-Politik wurden. Diese Politik führte zu einigen wichtigen Rüstungskontrollabkommen wie z.B. START ( Strategic Arms Reduction Treaty. 52 )
48 Varvik/Woyke, Die Zukunft der NATO, Transatlantische Sicherheit im Wandel, S. 56
49 Vgl. ebd. S. 56f
50 Ebd. S. 57
51 Ebd. S. 57
52 Vgl. Hauser, Die NATO- Transformation, Aufgaben, Ziele, S. 27
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Die USA erhielten durch diesen Bericht die politische Legitimation, Gespräche über die Begrenzung strategischer Waffen zu führen, und die Bundesrepublik Deutschland eine politische Rückversicherung für ihre Ostpolitik. Weiterhin wurde die politische Kooperation der NATO-Staaten untereinander und mit denen des Warschauer-Paktes gestärkt. 53
„Das neue Selbstverständnis der NATO kam von nun an in der Kurzformel „Sicherheit gleich Verteidigung und Entspannung“ zum Ausdruck.“ 54
2.2.4. 1973- 1985
2.2.4.1 NATO-Doppelbeschluss
In den Jahren 1973 bis 1985 wurde die NATO besonders durch den Wandel der US-Außenpolitik, durch den seitens der USA in Vietnam geführten Krieg wie auch durch interne Auseinandersetzungen zwischen der amerikanischen Führungsmacht sowie den europäischen Regionalmächten belastet. “ 55
Der SALT I-Vertrag war das Ergebnis der von den USA gegenüber der Sowjetunion von 1969 bis 1975 betriebenen Entspannungspolitik. US- Außenminister Henry Kissinger 56 wies den Europäischen Verbündeten nur noch regionale Aufgaben zu, während er den USA weltpolitische Bedeutung zuwies. So kam es zur Befürchtung, dass die USA und die Sowjetunion eine atomare Zusammenarbeit führten. Zu weiteren Konflikten kam es in Folge des NATO-Doppelbeschlusses vom 12. Dezember 1979, der von großen Teilen der Bevölkerung und einigen Regierungen nicht unterstützt wurde. Der NATO-Doppelbeschluss war eine Antwort auf die in den 1970er Jahren von der Sowjetunion betriebene Aufrüstung ihrer Streitkräfte mit Mittelstreckenraketen des Typs SS-20. Auf diese Weise hätte die strategische Stabilität zwischen NATO und Warschauer Pakt unterlaufen werden können. Da das US-amerikanische Territorium von den SS-20 Mittelstreckenraketen nicht getroffen werden konnte, fürchteten die Europäer, vor allem Deutschland, dass die USA einen
53 Vgl. Varvik/Woyke, Die Zukunft der NATO, Transatlantische Sicherheit im Wandel, S 58
54 Ebd. S. 58
55 Varwick; Die NATO, Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei, S.37
56 Henry Alfred Kissinger geb. 27. Mai 1923) US-amerikanischer Historiker und Politiker. Nationaler
Sicherheitsberater der USA (1969 - 1973, Außenminister der USA(1973 -1977)
22
sowjetischen Angriff mit SS-20 Raketen auf Westeuropa nicht mit ihren Interkontinentalraketen vergelten würden.
Der NATO- Doppelbeschluss sah eine Stationierung von 108 Pershing II- Raketen und 464 Marschflugkörpern in Westeuropa vor, sollte es mit der Sowjetunion bis 1983 zu keinen Verhandlungsergebnissen über die Mittelstreckenraketen kommen.
Als diese Verhandlungen 1983 scheiterten, wurde der Stationierungsplan eingehalten, obwohl es in Belgien, Dänemark, Deutschland und den Niederlanden zu massiven Protesten kam.
2.2.4.2 Abkühlung der Beziehungen zwischen NATO und Warschauer Pakt
Mit dem Regierungswechsel in den USA 1980 kam es unter Präsident Ronald Reagan 57 zu einer Abkühlung der Beziehungen zwischen den NATO-Staaten und dem Warschauer Pakt. Die Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion im Dezember 1979 und die Verhängung des Kriegsrechts in Polen im Dezember 1981 trugen zur Abkühlung bei und führten zu weiteren Aufrüstungen beider Supermächte. US- Präsident Reagan wollte die Sowjetunion mit einer Politik der Stärke in die Knie zwingen, da sich seiner Meinung nach die bisherige Entspannungspolitik als Fehlschlag entpuppt hatte. 58
In dieser Zeit der Abkühlung der Beziehungen zwischen den beiden Supermächten kam der Beitritt Spaniens 1982 zum NATO- Bündnis.
Seit der Gründung der NATO hatte es immer wieder kleinere und größere Spannungen zwischen den NATO-Staaten gegeben. Es kam sogar zu größeren Konflikten wie dem griechisch-türkischen Konflikt um die Ägäis und Zypern, wo es sogar zu kämpferischen Auseinandersetzungen und Toten kam, oder den drei „Kabeljaukriegen“ zwischen Großbritannien und Island, in denen es um Fischereigründe ging. Die NATO konnte all diese Krisen überwinden, auch wenn sie durch diese Konflikte geschwächt worden war. Trotz alldem hatte kein Staat von
57 Ronald Wilson Reagan (6. Februar 1911 - 5. Juni 2004 ) 40. Präsident der Vereinigten Staaten
(1981-1989)
58 Vgl. Varwick; Die NATO, Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei, S.37ff
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Arbeit zitieren:
Frano Visak, 2009, Der Weg Kroatiens in die NATO, München, GRIN Verlag GmbH
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