Inhaltsverzeichnis:
1. Einführung: 3
2. Gespenst und Geist. 4
3. Gespenster bei Marx 6
4. Derridas Begriffe. 8
4.1. Dekonstruktion 8
4.2. Differänz. 10
4.3. Spur. 12
5. Verschiedene Dimensionen. 13
5.1. Politik und die neue Internationale 13
5.2. Moral und Gerechtigkeit 14
5.3. Leben, Tod und Religion 15
6. Fazit. 17
7. Biografie 18
8. Literatur 21
8.1. Primärliteratur: 21
8.2. Sekundärliteratur 21
2
1. Einführung:
In dem 1995 veröffentlichten Werk „Marx’ Gespenster“ unternimmt Jacques Derrida den Versuch, eine Gesellschaftskritik zu formulieren. Der Ursprung dieses Werkes ist ein Vortrag, welchen Derrida im April 1993 anlässlich der Eröffnung eines internationalen Kolloquiums mit dem Titel „Wither Marxism?“ („Wohin geht der Marxismus?“) an der Universität von Kalifornien hielt. Das Buch besteht aus fünf Kapiteln, in denen unter anderem um den zentralen Begriff des „Spektralen“, dem was nicht mit dem Gegenwärtigen identisch ist, geht. Derrida behauptet, dass eine angemessene Kritik der heutigen Welt Marx positiv aneignen und ihn dennoch grundsätzlich kritisieren muss. Er fordert sogar fast dazu auf, den „kritischen Geist“ von Marx zu bewahren und den Auftrag, den er der Nachwelt überliefert hat, die Welt gerechter und für die Menschen lebenswerter zu machen, nicht zu vergessen.
Gleichzeitig kritisiert er die traditionell-marxistischen Theorien, wie auch die gegenwärtige kapitalistische Gesellschaft und drängt auf einen Bruch mit der „Neuen Weltordnung“, welche sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem europäischen Kommunismus etablierte.
Mit dieser Arbeit möchte ich nun versuchen, einige Punkte aus dem Werk „Marx’ Gespenster“ aufzugreifen und näher auf diese einzugehen. Dies geschieht auf Grund des Umfangs und der Komplexität dieses Werkes jedoch nur exemplarisch. Auch werde ich im Folgenden einige speziell von Derrida gebrauchte Begriffe umreißen, die in seinen Werken eine zentrale Rolle spielen, wie z.B. die Dekonstruktion. Dies geschieht ebenso exemplarisch und soll der Versuch sein, einen kleinen Einblick in zentrale Themen in den Theorien Jacques Derridas zu geben.
3
2. Gespenst und Geist
Bei der Lektüre von „Marx’ Gespenster“ stellt sich einem sehr schnell die Frage, was es mit den Gespenstern und Geistern auf sich hat, welche sich durch das gesamte Werk hindurch ziehen. Dabei geht es nicht nur um Marx’ Gespenster, sondern auch um Derridas und Stirners. Dies erschwert die nähere Beschreibung und Eingrenzung, da die verschiedenen Geister bzw. Gespenster unterschiedliche und teilweise sogar gegensätzliche Eigenschaften aufweisen. Auch ist keine klare und eindeutige Definition zu geben, was genau das Gespenst von dem Geist unterscheidet. Und es ist fraglich, ob dies generell möglich und sinnvoll ist. Trotzdem werde ich im Folgenden versuchen, dem Unterschied zwischen dem Gespenst und dem Geist bzw. den Gespenstern und den Geistern nachzugehen.
Wichtig sind die Eigenschaften und Eigenarten, welche ein Gespenst nach Derrida aufweist und welche Vorraussetzungen erfüllt sein müssen, damit man vom Gespenst sprechen kann.
Dass Geist und Gespenst nicht dasselbe sind lässt sich relativ schnell feststellen, wie zwischen zwei Masken besteht eine Differenz zwischen beiden, diese lässt jedoch nicht so einfach erkennen, wo die Gemeinsamkeiten liegen. Der Geist verkörpert sich im Gespenst, wenn er nicht mehr von diesem zu unterscheiden ist. Das Gespenst ist also eine bestimmte Erscheinungsform des Geistes, welcher zwischen den Erscheinungen unsichtbar bleibt, aber trotzdem in irgendeiner Form anwesend ist. Derrida bezeichnet das dadurch entstehende Phänomen als „Visier-Effekt“ 1 , da uns etwas ansieht, was wir nicht sehen können. Ein Geist ist also unsichtbar, während ein Gespenst für einen flüchtigen Moment eben dieses Unsichtbare sichtbar werden lässt.
Auch das Erscheinen eines Gespenstes lässt sich nicht kontrollieren, da es immer mit der Wiederkehr beginnt. Hieraus kann man schließen, dass es also schon einmal da gewesen sein muss, um überhaupt wiederzukehren.
Trotzdem ist das Gespenst immer zukünftig, es erscheint nur als das, wiederkommen oder kommen könnte. 2 Dabei stellt sich die Frage, ob es dann überhaupt in der
1 Derrida, Jacques: Marx’ Gespenster, S. 22
2 vgl. Derrida, Jacques: Marx’ Gespenster, S 69
4
Gegenwart existieren könnte. So trifft ein Gespenst nach Derrida nur ein, indem es nicht eintrifft.
Ein Gespenst kann so auch als Frequenz einer gewissen Sichtbarkeit des Unsichtbaren aufgefasst werden, es ist andererseits aber auch das, was man sich vorstellt zu sehen oder sich lediglich einbildet. 3 Diese Tatsache erschwert es natürlich, ein Gespenst als dieses zu erkennen, da man sich nie sicher sein kann, ob dieses tatsächlich anwesend ist oder lediglich in der eigenen Vorstellung existiert. Die Differenz zwischen Geist und Gespenst ist eine Differänz, welche später noch näher erläutert wird. Das Gespenst ist nämlich nicht nur die leibliche Erscheinungsform des Geistes, sondern auch das Warten auf eine Erlösung, also auf einen Geist. 4
So ist das Gespenst bereits vor seinem ersten Erscheinen anwesend, entweder in Form der Erwartung oder des Versprechens einer Erscheinung. 5 Das bedeutet aber, dass ein Gespenst, obwohl es nicht sichtbar wird, trotzdem ständig anwesend ist. Es ist gewissermaßen eine Beschwörung der Zukunft, deren Entwicklung unsicher ist. So gibt es weder eine Wirklichkeit vor den Geistern, noch eine Welt nach diesen, von wo aus die Geschichte neu geschrieben werden könnte. So wird man in Zukunft lernen müssen, mit dem Gespenst zu leben, mit ihm zu sprechen und ihm zuzuhören, denn „sie sind immer da, die Gespenster, auch wenn sie gar nicht existieren, auch wenn sie nicht mehr sind, auch wenn sie noch nicht sind.“ 6
3 vgl. Derrida, Jacques: Marx’ Gespenster, S. 162
4 vgl. Derrida, Jacques: Marx’ Gespenster, S 215
5 vgl. Derrida, Jacques: Marx’ Gespenster, S 257
6 Derrida, Jacques: Marx’ Gespenster, S. 276
5
3. Gespenster bei Marx
Nicht nur in „Marx’ Gespenster“ spielen diese eine große Rolle, auch in Marx’ Werken selber treten immer wieder Gespenster, Geister und Phantome auf. Nach Marx Überzeugung geht in Europa das „Gespenst des Kommunismus“ 7 um. Derrida untersucht, in welcher Gestalt dieses existiert und ob es wünschenswert ist, dieses zum Verschwinden zu bringen.
Marx selber ist mit den „Mächten des alten Europas“, den Gegnern des Kommunismus einer Meinung, welche dieses Gespenst austreiben wollen, wobei sich das Gespenst des Kommunismus manifestieren soll und so in eine sichtbare Realität transformiert wird. Obwohl er nicht an sie glauben will hat er diese Gespenster beschworen um sie verschwinden zu lassen. Bei Marx ist das „kommunistische Gespenst“ den Gefühlen der Angst und der Hoffnung verbunden, da es keine Gewissheit für die Zukunft gibt, sondern lediglich eine Ankündigung in Form eines Versprechens einer Möglichkeit sei. Das marxistisch-revolutionäre Denken, in dem der Menschen ein geknechtetes und unterdrücktes Wesen ist, welches durch eine Umwälzung aller Verhältnisse befreit werden soll, ist die marxistische Gesellschaftskritik. Marx beschwor das Gespenst des Kommunismus, wobei er nach einer Verkörperlichung des Gespenstigen suchte, welche auf die Zerstörung des Staates und das Ende des Politischen verweisen würde.
Denn nach Marx Ansicht entspringen die Gespenster direkt aus dem kapitalistischen Warenverkehr. Um sie auf ihren Ursprung zurückzuführen, welcher in der materiellen Produktion anzusiedeln ist, versucht er sie zu bändigen und zu entlarven. Derrida versucht, Marx Kritik am Kapitalismus zu dekonstruieren und stellt fest, dass Marx von dem Gespenst, welches er versuchte auszutreiben selber heimgesucht wurde. Auch wirft er ihm vor, zu viele Gespenster auf zu einfache Weise auf einmal ausgetrieben zu haben und dies unter dem Vorwand sie würden gar nicht existieren. 8
7 Derrida, Jacques: Marx’ Gespenster, S. 18
8 vgl. Derrida, Jacques: Marx’ Gespenster, S. 274
6
Arbeit zitieren:
Juliane Loll, 2004, Jacques Derridas Gesellschaftskritik in "Marx' Gespenster", München, GRIN Verlag GmbH
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