Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 1
2 Grundzüge der Signalingtheorie 1
2.1 Marktversagen durch asymmetrisch verteilte Informationen 1
2.2 Begriff und Funktion des Signaling 2
3 Ein Signalingmodell nach Michael Spence 3 3.1 Grundlagen 3
3.2 Das Grundmodell: Alleinige Betrachtung von Signalen 5
3.2.1 Annahmen und Prämissen 5
3.2.2 Das Signalinggleichgewicht 6
3.2.3 Beurteilung aus Wohlfahrtssicht 8
3.2.4 Sonderfälle des Grundmodells 9
3.3 Modellerweiterung um Indizes 11
3.3.1 Annahmen und Prämissen 11
3.3.2 Das Signalinggleichgewicht 11
3.3.3 Beurteilung aus Wohlfahrtssicht 13
4 Anwendungsgebiete des Signaling 14
5 Schlussbemerkung 15
Anhang 1: Der Rückkopplungskreislauf 16
Anhang 2: Lohntabelle als Funktion des Ausbildungsniveaus 17
Anhang 3: Das Signalinggleichgewicht im Grundmodell 18
Anhang 4: Sonderfall des Signalinggleichgewichtes: Beide Gruppen wählen y = 0 19
Anhang 5: Lohntabelle für Männer und Frauen als Funktion des Ausbildungsniveaus 20
Anhang 6: Das Signalinggleichgewicht im um Indizes erweiterten Modell 21
Literaturverzeichnis 22
II
1 Einführung
Das Signaling kann der Informationsökonomie, einer Teildisziplin der Volkswirtschaftslehre, zugeordnet werden.
Das Fundament für den Zweig der Informationsökonomie legten die Ökonomen George Akerlof, Michael Spence und Joseph Stiglitz Anfang der 1970er Jahre. Zuvor hatten sich die Wirtschaftswissenschaften ausschließlich mit Märkten beschäftigt, auf denen alle Marktteilnehmer über sämtliche Informationen verfügen. Diese Annahme der perfekten Information wird in den Theorien der Informationsökonomie aufgehoben. Den Anstoß hierzu bildete die Erkenntnis, dass Ansätze, die von der Prämisse vollkommener Information ausgehen, wie z.B. die neoklassische Theorie mit dem Modell der vollkommenen Konkurrenz, bestimmte, in der Praxis auftretende Phänomene nicht erklären können. 1
Die Theorie des Signaling wurde 1973 von Michael Spence begründet. Für seine Untersuchungen zu diesem Thema erhielt er 2001, gemeinsam mit George Akerlof und Joseph Stiglitz, den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. 2 Das Ziel dieser Arbeit ist es, herauszuarbeiten, wie durch den Mechanismus des Signaling Informationsprobleme entschärft werden können. Hierzu werden in Kapitel 2 zunächst der Begriff des Signaling, sein Anwendungsbedarf und seine Wirkungen erläutert. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in Kapitel 3. Dort wird ein von Michael Spence entwickeltes Modell dargestellt, das am Beispiel des Arbeitsmarktes zeigt, wie der Signalingmechanismus abläuft. Schließlich wird in Kapitel 4 kurz auf praktische Anwendungsgebiete des Signaling eingegangen. Die Schlussbemerkung beinhaltet eine Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse sowie einen kurzen Ausblick auf die mögliche zukünftige Bedeutung des Signaling im Rahmen der Informationsökonomie.
2 Grundzüge der Signalingtheorie
Das folgende Kapitel beinhaltet eine allgemeine Darstellung der Signalingtheorie in ihren Grundzügen.
2.1 Marktversagen durch asymmetrisch verteilte Informationen In bestimmten Situationen liefert das Modell der vollkommenen Konkurrenz, das in der ökonomischen Theorie üblicherweise verwendet wird, keine effiziente Marktlösung. Die Ursache hierfür sind Marktunvollkommenheiten, die dazu führen, dass die
1 Vgl. Emons (2001), S. 664f.; Stiglitz (2002), S. 461f.; Riley (2001), S. 433.
2 Vgl. Emons (2001), S. 664, S. 668.
1
Prämissen des Modells der vollkommenen Konkurrenz nicht erfüllt sind. Sind diese Unvollkommenheiten so gravierend, dass der Marktmechanismus weder in statischer noch in dynamischer Hinsicht eine effiziente Allokation realisieren kann, spricht man von Marktversagen. 3 Eine mögliche Ursache für das Versagen des Marktes kann eine asymmetrische Verteilung von Informationen unter den verschiedenen Marktakteuren sein. In diesem Fall verfügen die Akteure einer Seite über bessere Informationen als die Beteiligten auf der anderen Marktseite. Das Auftreten von Informationsasymmetrien ist typisch für Märkte, auf denen Güter mit schwer feststellbarer Qualität, z.B. Erfahrungs-oder Vertrauensgüter, gehandelt werden. 4 Da die Informationen in diesem Fall nicht für alle Marktteilnehmer gleichermaßen und nicht kostenlos verfügbar sind, ist eine Prämisse der Modells der vollkommenen Konkurrenz verletzt. Zum Ausgleich des Informationsnachteils müsste die schlechter informierte Partei Ressourcen aufwenden, um sich die entsprechenden Informationen zu beschaffen. Folglich wäre es möglich, dass aus diesem Grund Markttransaktionen trotz bestehendem Angebot und entsprechender Nachfrage nicht durchgeführt werden. 5
Es ist mit Hilfe verschiedener Ansätze möglich, diesen negativen Auswirkungen einer asymmetrischen Informationsverteilung entgegenzuwirken. Grundsätzlich werden hier staatliche und private Ansätze unterschieden. 6
2.2 Begriff und Funktion des Signaling
Mit dem Begriff Signaling wird ein Instrument bezeichnet, das zur Entschärfung der Probleme, die am Markt durch asymmetrisch verteilte Informationen auftreten können, eingesetzt wird. Das Signaling ist der Gruppe der privaten oder marktlichen Lösungsansätze zuzuordnen. Charakteristisch für das Signaling ist, dass die besser informierte Marktseite die Initiative zum Abbau der Informationsasymmetrie ergreift. 7 Die besser informierte Partei nutzt sogenannte Signale, um der schlechter informierten Seite In-formationen zu übermitteln. Signale können als Eigenschaften oder Aktivitäten verstanden werden, die anderen Marktteilnehmern Informationen vermitteln und dadurch evtl. deren Einschätzungen oder Erwartungen in Bezug auf den Gegenstand der Transaktion verändern. 8 Bei Signalen „handelt es sich um beobachtbare Eigenschaften des
3 Vgl. Donges/ Freytag (2001), S. 127f..
4 Vgl. Spence (2002), S. 434; Stiglitz (2002), S. 469f..
5 Vgl. Donges/ Freytag (2001), S. 153; Fritsch/ Wein/ Ewers (2001), S. 272.
6 Vgl. Donges/ Freytag (2001), S. 160.
7 Vgl. Donges/ Freytag (2001), S. 160; Fritsch/ Wein/ Ewers (2001), S. 288; Stiglitz (2002), S. 475; Riley (2001), S. 443f..
8 Vgl. Spence (1974), S. 1; Spence (2002), S. 434.
2
Signalsenders, aufgrund derer der Signalempfänger unter genau definierbaren Bedingungen auf nicht beobachtbare Eigenschaften des Senders zurückschließen kann.“ 9 Die zentrale Funktion des Signaling ist es, die Durchführung zusätzlicher Transaktionen zu ermöglichen. Dies ist sowohl für die besser informierte Partei als auch für die schlechter informierte Seite vorteilhaft, da der Nutzen beider Seiten durch ein steigendes Transaktionsvolumen erhöht wird. Somit wird erkennbar, dass auch für die besser informierte Seite ein Anreiz bestehen kann, die nur ihr zugänglichen Informationen mitzuteilen. 10 Dies gilt jedoch nicht für alle Marktteilnehmer auf der besser informierten Seite: Akteure mit überdurchschnittlich guten Qualitäten bzw. Fähigkeiten haben ein Interesse an der Offenlegung aller Informationen, die nicht direkt zu beobachten sind. Daneben gibt es allerdings auch Beteiligte mit unterdurchschnittlichen Eigenschaften, die einen ebenso großen Anreiz haben, diese Informationen nicht bekannt werden zu lassen bzw. die Signale hochqualitativer Akteure zu imitieren. 11 Aus diesem Grund ist die Glaubwürdigkeit der über die Signale vermittelten Informationen ein zentrale Aspekt des Signaling. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf den Aufbau einer Reputation für zukünftige Perioden. 12
Ein Marktteilnehmer wird das Signaling jedoch nicht unbegrenzt betreiben, da Investitionen in Signale für ihn mit entsprechenden Kosten verbunden sind. Das Signaling ist folglich nur so lange lohnend, wie die dadurch erzielten Erträge die Kosten übersteigen. 13
3 Ein Signalingmodell nach Michael Spence
Im folgenden Kapitel wird ein Signalingmodell erläutert, das 1973 von Michael Spence entwickelt wurde.
3.1 Grundlagen
Spence bezieht sein Signalingmodell auf Märkte mit unvollkommener Information, die dadurch gekennzeichnet sind, dass die Marktakteure, die Signaling betreiben, relativ zahlreich vertreten sind und so selten auf dem Markt tätig werden, dass der Aufbau einer Reputation für sie nicht erforderlich ist. Das Modell wird am Beispiel des Arbeitsmarktes dargestellt, da dieser Markt die oben genannten Merkmale typischerweise
9 Schmidtke (2002), S. 74f..
10 Vgl. Fritsch/ Wein/ Ewers (2001), S. 290.
11 Vgl. Stiglitz (2002), S. 463f.; Spence (2002), S. 434.
12 Vgl. Donges/ Freytag (2001), S. 162.
13 Vgl. Donges/ Freytag (2001), S. 163.
3
erfüllt. 14 Auf dem Arbeitsmarkt sind die Informationen ungleich zwischen den beiden Parteien, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, verteilt. Der Arbeitgeber hat einen Informationsnachteil, da er die Fähigkeiten eines Bewerbers zum Zeitpunkt der Einstellung nicht mit Sicherheit kennt. 15
Es wird deutlich, dass Einstellungen neuer Arbeitnehmer Investitionsentscheidungen unter Unsicherheit sind. Sie können als Lotterie betrachtet werden, bei der der Arbeitgeber ein sicheres monetäres Äquivalent in Höhe des Lohnes zahlt. Der Arbeitgeber kann die Produktivität des Bewerbers, nach der sich sein Lohnangebot richtet, nicht direkt beobachten. Die tatsächlichen Fähigkeiten des Arbeitnehmers werden erst einige Zeit nach der Einstellung erkennbar. Auf der Grundlage früherer Erfahrungen bildet der Arbeitgeber nun bedingte Wahrscheinlichkeitsannahmen, die seine Einschätzung der Lotterie widerspiegeln: Immer, wenn er an einem Bewerber bestimmte Eigenschaften beobachtet, trifft er auf dieser Basis Annahmen über dessen Produktivität. 16 Die Eigenschaften, aus denen der Arbeitgeber Rückschlüsse auf die Fähigkeiten des Bewerbers zieht, unterteilt Spence in zwei Gruppen. Als Indizes bezeichnet er unveränderliche Eigenschaften, auf die der Arbeitnehmer selbst keinen Einfluss nehmen kann. Hierzu gehören z.B. das Geschlecht oder die Rasse. Daneben gibt es persönliche Eigenschaften, die vom Bewerber beeinflusst werden können wie z.B. die Ausbildung oder die Berufserfahrung. Diese veränderlichen Eigenschaften bezeichnet Spence als Signale. Veränderungen der Signale sind mit Kosten verbunden. Beispielsweise muss ein Bewerber Geld und Zeit investieren, um eine Ausbildung zu erhalten. Diese Kosten werden als Signalingkosten bezeichnet. Der Begriff Signalingkosten beinhaltet Aufwendungen aller Art, die zum Signaling getätigt werden; d.h. nicht nur die monetären Kosten, sondern beispielsweise auch den Zeitaufwand. Signale und Indizes bilden in dem Modell von Spence die Parameter, die die bedingten Wahrscheinlichkeitsannahmen des Arbeitgebers und damit seine Einschätzung der Lotterie einer Neueinstellung bestimmen. 17
Die Lohnangebote des Arbeitgebers sind in einer Lohntabelle in Abhängigkeit von den Signalen und Indizes zusammengefasst. Die Arbeitnehmer maximieren bei der Bestimmung ihrer Investitionen in Signale ihren Gesamtertrag, d.h. sie wählen ihre
14 Vgl. Spence (1973), S. 355f.; Spence (1974), S. 2.
15 Vgl. Spence (1973), S. 356; Spence (2002), S. 436; Spence (1974), S. 2.
16 Vgl. Spence (1973), S. 356f.; Spence (1974), S. 8.
17 Vgl. Spence (1973), S. 357ff.; Spence (2002), S. 434; Spence (1974), S. 10; Lechner (1998), S. 181f..
4
Investitionen in Signale so aus, dass die Differenz zwischen dem in der Tabelle angegebenem Lohn und den Signalingkosten maximal wird. 18
3.2 Das Grundmodell: Alleinige Betrachtung von Signalen
In einem ersten Schritt wird nun das Grundmodell zum Ablauf des Signaling auf dem Arbeitsmarkt dargestellt. Wenn die Arbeitgeber die Produktivität der Bewerber ex ante nicht beurteilen können, werden sie einen der durchschnittlichen Produktivität entsprechenden Lohn zahlen. Dies würde eine Subventionierung der Arbeitnehmer mit geringer Produktivität durch die Arbeitnehmer mit hoher Produktivität bedeuten. Deshalb haben die Bewerber mit hoher Produktivität ein Interesse daran, die Arbeitgeber über ihre tatsächliche Produktivität zu informieren. Als Signal, das dem Arbeitgeber Informationen über die Produktivität der Bewerber liefert, wird in diesem Modell die Ausbildung der Arbeitnehmer betrachtet. Die Arbeitnehmer können in Ausbildung investieren, um dem Arbeitgeber ihre Produktivität zu signalisieren. 19
3.2.1 Annahmen und Prämissen
Spence geht in seinem Modell davon aus, dass der Arbeitgeber risikoneutral ist. Das bedeutet, dass der Lohn der erwarteten Grenzproduktivität des Arbeitnehmers entspricht. 20
Außerdem wird angenommen, dass die Signalingkosten negativ mit der produktiven Leistungsfähigkeit des Bewerbers korreliert sind, d.h. je höher die Produktivität eines Bewerbers ist, desto weniger Signalingkosten muss er aufwenden, um ein bestimmtes Ausbildungsniveau zu erreichen. Diese Prämisse stellt sicher, dass die Bewerber in ihrer Produktivität durch das Signal unterschieden werden können. Könnte jeder Bewerber ein bestimmtes Bildungsniveau mit dem gleichen Aufwand erreichen, wäre eine Differenzierung der Arbeitnehmer anhand des Signals nicht möglich. 21 Zusätzlich muss eine ausreichende Anzahl von Signalen, in diesem Fall Bildungsniveaus, innerhalb eines Kostenrahmens verfügbar sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass ein optimales Signal nicht realisiert wird, weil nur ein wesentlich höherer oder ein wesentlich geringerer Wert angenommen werden kann. 22 Es wird weiterhin davon ausgegangen, dass sich das Produktivitätsniveau mit den Investitionen in ein Signal nicht verändert. Für den Fall des Arbeitsmarktes bedeutet das, dass eine Steigerung des
18 Vgl. Spence (1973), S. 358.
19 Vgl. Emons (2001), S. 665.
20 Vgl. Spence (1973), S. 358.
21 Vgl. Spence (1973), S. 358; Spence (1974), S. 15; Lechner (1998), S. 182f..
22 Vgl. Spence (1973), S. 367; Spence (1974), S. 26.
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Arbeit zitieren:
Martina Schmitt, 2003, Signaling, München, GRIN Verlag GmbH
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