1. Vorwort/ Einleitung
Im Zuge des Seminars „Sprachen und Kulturen in Argentinien“ bearbeiten wir das Thema „Franzosen und Okzitanen in der Pampa“.
Dieses Thema ist sehr spezifisch gestellt und auf Grund von fehlendem Material haben wir das Thema auf „Franzosen in Argentinien“ umgewandelt. Wir möchten uns nicht nur auf einen kleinen Teil Argentiniens beschränken sondern möchten, durch die Abwandlung des Themas, einen allgemeinen Überblick das Französische in Argentinien geben. Unter dem Begriff „Das Französische“ kann sowohl die Sprache als auch die französische Kultur verstanden werden. Wir möchten uns eher auf den sprachlichen Aspekt konzentrieren wobei wir den kulturellen Aspekt nicht gänzlich außer Acht lassen möchten, diesen aber eher nur ansatzweise besprechen
Argentinien wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Einwanderungsstaat, wobei eine große Anzahl von Einwandern aus Europa kommt, vorzugsweise aus Spanien und Italien. Die Anzahl der französischen Einwandere ist generell und verglichen mit den Zahlen derer, die aus den beiden genannten Ländern kommen, gering, allerdings darf sie aus verschiedenen Gründen nicht übersehen werden. Welche Gründe das sind, möchten wir in unserer Arbeit versuchen herauszuarbeiten.
Aber nicht nur die französischen Einwanderer und die Kultur und Sprache, die sie nach Argentinien mitnehmen, sind von Bedeutung sondern auch prinzipiell die Rolle Frankreichs. Im Besonderen hat die Stadt Paris eine große Anziehungskraft auf argentinische Intellektuelle und die Oberschicht, gilt die Stadt doch als Zentrum der Aufklärung aber auch der Mode und des gehobenen Lebensstils.
Die französische Sprache und Kultur haben eine große Vorbildwirkung für die argentinische Nation und ihre Institutionen- welche genau, werden wir in dieser Arbeit besprechen. Das Material über Okzitanen in Argentinien ist mehr als gering, weshalb wir uns auf einen Artikel, beziehungsweise ein Dorf beschränken werden (müssen), nämlich auf das Dorf Pigüé. Dieses Dorf in der Provinz Buenos Aires, das 1884 gegründet wurde weißt hat die Besonderheit, die darin besteht, dass die ursprünglichen Bewohner alle okzitanisch Sprecher waren. In dem Kapitel über Pigüé möchten wir auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Dorfes eingehen.
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Im Jahre 1810 weist das Land Argentinien kaum 400000 Einwohner auf und war so, auch im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern, nur sehr dünn besiedelt. In den Jahren zwischen 1857 und 1910 stieg die Bevölkerungszahl dann von 1,1 Millionen auf etwa 3,3 Millionen 1 an, was auf die vor allem europäische Einwanderung zurückzuführen ist.
2. Gründe der europäischen Immigration und der Versuch einer gesetzlichen Regelung Diese starken Einwanderungsströme sind auf den wirtschaftlichen Aufschwung Argentiniens zurückzuführen, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingesetzt hat. Ein Grund zur Auswanderung war die Aussicht auf günstigen Landbesitz, was allerdings im Endeffekt nur Wenigen gelingen sollte.
Der argentinische Präsident Nicolás Avellaneda, dessen Amtszeit von 1874- 1880 dauert, fördert die Einwanderung unter anderem mit dem Gesetz „La ley 817 de Immigración y colonialización“ 2 welches ein erster Versuch ist, die Einwanderung zu systematisieren. Durch dieses Gesetz sollte festgelegt werden, dass die neu ankommenden Einwanderer sich an Plätzen ansiedeln, wo sie auch Arbeit finden konnten. Außerdem finden sich in diesem Gesetz Normen, die die Integration Siedlungswilliger regeln ebenso wie die Finanzierung von notwendigen Siedlungen für die Einwanderer. Das Gesetz regelt außerdem die Rechte und Pflichten der Einwanderer und den Erwerb von Boden und schreibt den Provinzen bestimmte Verordnung vor.
Grundsätzlich ist das Gesetz von Avellaneda ein guter Versuch die Einwanderungsströme zu regeln und das Land zu besiedeln um dadurch noch kaum genutzte Gebiete zu bebauen. Allerdings scheitert dieser Versuch kläglich einfach daran, dass eine große Mehrheit der Einwanderer in Buenos Aires und dessen Umfeld bleibt und sich nur ein kleiner Teil in einigen, ausgewählten Provinzen ansiedelt. Dadurch werden die meisten Punkte, die das Gesetz umfasst, irrelevant.
3. Das Scheitern der argentinischen Einwanderungspolitik
Aber nicht nur aus „geographischen“ Gründen( da sich ein großer Teil der Einwanderer an einem Punkt, nämlich Buenos Aires, niedergelassen hat) kann die argentinischen
1 Zahlen vgl. Leitner, 2004, S.32
2 Leitner, 2004, S.33
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Einwanderungspolitik als nicht erfolgreich bezeichnet werden sondern auch demographische Gründe sind Ursache für das Scheitern.
Anders wie von argentinischen Politikern erhofft, kommt nicht ein europäisches Bildungsbürgertum ins Land sondern vielmehr eine große Schar von ungebildeten Menschen, die zumeist Analphabeten sind und die in Argentinien auf einen Neuanfang als Landbesitzer hoffen. Dieser Traum wird sich nur für einige wenige erfüllen und so bleiben die meisten Europäer Lohnarbeiter, einige können sich als Pächter etablieren. Viele Einwanderer zieht es vom Land wieder in die Städte, um dort „ihr Glück zu versuchen“.
Durch diese Ströme geht die Urbanisierung rasch voran und es bildet sich in den Städten eine proletarische Schicht heraus.
4. Argentinien als Schmelztiegel der Kulturen- vor allem der europäischen… In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebt die Wirtschaft Argentiniens einen enormen Aufschwung. Als Gründe dafür sind unter anderem der Ausbau der Eisenbahn und der Beginn der Dampfschiffahrt zu nennen.
Argentinien erlebt einen großen Schub an Einwanderung ab dem Jahre 1880 untern den Präsidenten Roca und Celman.
Julio Roca geht im Jahre 1880 aus den Präsidentschaftswahlen heraus. Das Land erlebt unter seiner Präsidentschaft eine ruhige Zeit ohne militärische Auseinandersetzungen und Aufstände. Ein großes Ziel der Regierung ist es die wirtschaftliche Expansion des Landes voranzutreiben. Mit der „conquista del desierto“, worunter die Besiedlung des Gebietes Patagoniens verstanden wird, erschließt er ein riesiges Gebiet und die Einwanderung ins Land erlebt einen starken Aufschwung. Zwar findet die Einwanderung von Europäern schon früher statt allerdings kommt es erst in diesen Jahren zu einem beträchtlichen Anstieg. Ab den 80iger Jahren des 19. Jahrhundert fängt die argentinische Wirtschaft an zu schwächeln, was unter anderem durch riskante Spekulationen an der Börse auf Grund des übertriebenen Strebens nach Fortschritt zu erklären ist. Es kommt zum Aufbrauchen öffentlicher Fonds und zur starken Abwertung des argentinischen Geldes. Die Misswirtschaft endet 1890 in einer Wirtschaftskrise, von der sich das Land in den darauffolgenden Jahren erst wieder erholen musste. Diese wirtschaftliche Krise wirkt sich auch auf die Einwanderungsströme aus, die in diesen Jahren zurückgehen.
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5. Zahlen der Einwanderer
Pelosi 3 führt Zahlen an, die die Einwanderung in den Jahre 1860 bis 1924 darstellen:
Ohne auf den genauen Wert der Zahlen zu achten, kann erkannt werden, dass einerseits eine große Anzahl an Menschen nach Argentinien kommt und dass vor allem die Anzahl der Italiener und Spanier von großer Bedeutung ist.
Bezüglich unseres Themas, nämlich der Franzosen in Argentinien, kann aus dieser Tabelle herausgelesen werden, dass die französische Immigration zahlenmäßig weit hinter der der Italiener und Spanier liegt. Allerdings ist der kulturelle Einfluss wiederum ein sehr bedeutender. Unter den französischen Einwanderern befinden sich viele Gelehrte, die die französische Sprache, Kultur und Lebensweise nach Argentinien mitbringen. Außerdem vertreten viele unter ihnen liberale Ideen die sich so auch in Argentinien durchsetzen können. Die französische Immigration ist also kein Massenphänomen, wie es die spanische und italienische war.
6. Franzosen und Französisch in Argentinien
Die französische Einwanderung reicht in Argentinien bis ins 16. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit erreichen die ersten Franzosen, die mit einer spanischen Expedition mitgereist sind, die Rio de la Plata Mündung.
3 Pelosi, 1999. S.62
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Die französische Einwanderung nimmt vor allem ab der Juli Revolution im Jahre 1848 zu. Hierbei handelt es sich um Gelehrte und Intellektuelle die in Argentinien die französische Sprache aber auch das Gedankengut der Aufklärung verbreiten. Es darf aber nicht vergessen werden, dass auch viele französische Arbeiter und Bauern nach Argentinien kamen. Im 19. Jahrhundert ist in Argentinien starker französischer kultureller Einfluss zu spüren, was sich zum Bespiel in der Architektur in Buenos Aires auswirkt, die vom französischen Architekten Prosper Catelin geprägt ist und der im Jahre 1821 zum Stadtplaner erklärt wird. „Die Imitation französischer Kultur verhielt sich wie jene in Rom zur Zeit der griechischen Kultur, denn im antiken Rom was man ebenso eifrig auf der Grundlage griechischer Vorbilder Eigens zu schaffen wie im Buenos Aires des 19. Jahrhunderts die Imitation europäischer Modelle den Versuch darstellte, eine neue Gesellschaft zu formieren.“ 4
Auch Carlos Gardel, der als „Urvater des argentinischen Tangos“ gilt war eigentlich Franzose, der im Jahre 1887 in Toulouse als Charles Gardes geboren wurde. Ein Grund für diesen französischen und europäischen Einfluss kann sein, dass man versuchte, den Rückstand, der durch die spanischen Kolonialisatoren entstanden ist, durch Imitation aufzuholen. Die Wahl auf die französische Kultur ist darauf zurückzuführen, dass Frankreich als Staat der Aufklärung gilt, wo unter anderem der citoyen, der freie Bürger, seinen Ursprung hat.
Frankreich und Belgien sind die wichtigsten Handelspartner der argentinischen Wirtschaft, da die Hälfte der argentinischen Exporte in diese Länder fließen. Dies ist der Grund warum im Jahre 1884 die französische Handelskammer in Buenos Aires gegründet wird. Die Absetzung des spanischen Königs durch Napoleon gilt als Ursprung der Unabhängigkeitsbewegung. Das Gedankengut der französischen Aufklärung, der französischen Revolution aus dem Jahre 1789 und die Grundideen des Code Napoleons finden in Argentinien zu dieser Zeit reges Interesse. Paris wird zum Zentrum argentinischer Intellektueller, die dort unter anderem das Gedankengut der Aufklärung studieren wollten.
4 zitiert nach Leitner, 2004, S.42
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Arbeit zitieren:
Dr. Claudia Nowotny, 2005, Franzosen und Okzitanier in der Pampa, München, GRIN Verlag GmbH
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