Volk Jakobs nicht verflucht werden kann, da es von Gott gesegnet ist. Auch die zweite & dritte Bitte Balaks nach einem Fluch gegen Israel wendet Bileam, unter dem Geheiß Gottes in einen Segen um. Als Balak darauf wütend wird, prophezeit Bileam ihm den Aufstieg Israels und die Eroberung des gelobten Landes, sowie den Untergang Moabs und seiner Nachbarvölker durch Israel, Assyrien und Babylon. Nach und nach fingen die Israeliten an sich mit den Moabitern anzufreunden und es kam zu Unzucht und Götzendienst. Adonai machte das sehr zornig und er forderte von Mosche alle abtrünnigen Israeliten zu töten. Als das israelitische Volk, verständlicherweise darüber weinte, brachte der Israelit Simri eine Moabiterin ins Lager und trieb dort Unzucht mit ihr. Da tötete der Priester Pinchas aus Wut beide mit einem Speer. So wurde die moabitische Plage von Israel abgewendet und G“tt gab Pinchas zum Dank, seinen Bund des Friedens. Von Mosche forderte Adonai aber die Vernichtung der Medianiter, damit sie Israel nicht mehr verführen können. Das Heer wurde aufgestellt und das gelobte Land unter den Israeliten verteilt.
Am Anfang dieser Geschichte steht also als Hauptfigur Bileam, welcher Israel augenscheinlich schützt und segnet, aber unter den Rabbinen ist Bileam sehr umstritten. Nach der rabbinischen Auffassung wollte Bileam Israel Böses antun, denn er empfahl Balak, Israel zu verführen. Der Babylonische Talmud argumentiert wie folgt in Sanhedrin 106 a: „Bileam sagte zu ihnen: Ihr Gott verabscheut Unmoral. Die Israeliten sehen sich nach Leinengewändern. Ich will euch einen Rat geben. Stellt Stände auf und verkauft ihnen Leinen ... Wenn die Israeliten essen, trinken, sich vergnügen und am Markt spazieren gehen, wird sie zu ihm sagen: Du bist wie einer aus der Familie, setze dich und wähle! Kalebassen mit amonitischem Wein standen neben ihr ... Sie sagte zu ihm: Willst du einen Becher Wein trinken? Sobald er einen Becher getrunken hatte, entbrannte in ihm die böse Neigung und er sagte zu ihr: Gib dich mir hin! Dann nahm sie ihr Götzenbild heraus und sagte zu ihm: Verehre es! Er sagte zu ihr: Bin ich nicht ein Jude? Sie sagte zu ihm: Was kümmert es dich? ... Ich werde mich dir nicht hingeben, solange du nicht das Gesetz Moses', deines Lehrers, zurückgewiesen hast, wie es heißt (Hosea 9, 10): Sie kamen nach Baal-Peor und weihten sich der Schande und wurden mir ein Gräuel wie ihr Buhle.“ Die meisten Rabbinen sehen also Bileam als Verräter G“tes an. Er habe zwar Israel gesegnet und nicht verflucht, aber Balak einen Weg gezeigt wie er eine Spaltung zwischen Gott und den Israeliten herbeiführen kann. Daher findet man im Buch Josua 13,22 die Notiz das Bileam von den Israeliten getötet wurde. Andere Rabbiner sehen Bileam als Prophet der Völker, gleichwertig mit Mosche.
Die andere Hauptfigur, welche für die Beantwortung unserer anfänglichen Frage wichtig ist, ist die des Pinchas - der jähzornige Kohen. Aber wieso belohnt Haschem Pinchas für den Mord an einem Israeliten, indem er Pinchas den Friedensbund gibt? Rabbi Naftali Zwi Jehuda aus Berlin beantwortet die Frage so: „Als Belohnung, dass er den Zorn des Ewigen, gepriesen sei Er, abgewandt hatte, segnete Er ihn mit Frieden, damit er nicht jähzornig sei. Da es nur natürlich ist, da eine solche Tat, wie sie Pinchas beging, eine intensive emotionale Unruhe hinterlässt, war der göttliche Segen eine Hilfe für den Umgang mit der Situation und versprach der Seele Ruhe
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und Frieden.“ 1 Für Raschi musste Pinchas den Bund erhalten, da der Enkel Aarons noch nicht zum Priester ernannt wurde. Durch Pinchas Tat wurden Israels Taten also gesühnt, das radikale ausmerzten der Sünde verhinderte, mit der Tötung des dreistesten Täters (denn er brachte die Frau mit in sein Zelt, obwohl allen Strafe drohte) verhinderte das Leiden aller. Da im hebräischen Original das Wort Frieden in Bemidbar 25,12 mit einem „zerbrochenen“ Waw geschrieben wird, erklären die Rabbinen den Bund durch die Tötung als nicht vollkommen. Anspielungen auf die Geschichte aus Baal- Peor findet man in verschiedenen Bibelstellen, so zum Beispiel in Numeri 31,16, im Psalm 106, 28-29 und in Deuteronomium 4,45f. Das zeigt, dass die Gefahr der Vermischung der Israeliten mit ihren Nachbarvölkern immer gegeben war. Denn auch wenn die Assimilation ein rein natürliches Verhalten widerspiegelt und für die Entwicklung großer Nationen hilfreich war, so ist sie aber für die Identität eines kleinen Volks tödlich. Das halachische Verbot der Mischehe zwischen Israeliten und Frauen anderer Volksgruppen zeugt von dieser Angst, sich in der Masse zu verlieren, denn die Frau gilt als Traditionsbewahrer in den Familien. Sie sind es, die die Kinder erziehen und die Speisen zubereiten und nur wer von einer Jüdin geboren wurde ist ein Jude, dass gilt bis heute. Daher ist Gottes Zorn über den Glaubensabfall der Israeliten ein Zeichen seiner Sorge um den Erhalt seines Bundesvolkes. Auch wenn das Verbot der Vermischung eines kleinen Volkes mit den größeren Nachbarn immer auch ein Anderssein zur Folge hat, erhält es doch den jüdischen Glauben schon seit über 2000 Jahren in der Diaspora. Und für den Jüdischen Philosophen Derrida ist genau das ANDERSSEIN die Definition des Judentums.
Quellen:
Senfkornbibel Elberfelder Übersetzung, R. Brockhausverlag, 8.Auflage, 1991 Wuppertal
Hanna Liss: Tanach Lehrbuch der jüdischen Bibel, Universitätsverlag Winter, 2. Auflage 2008
http://www.hagalil.com/judentum/torah/leibowitz/pinchas.htm (Zugriff 30.07.2009 um 11:34)
1 http://www.hagalil.com/judentum/torah/leibowitz/pinchas.htm (Zugriff 30.07.2009 um 11:34)
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Arbeit zitieren:
Yvonne Büchner, 2009, Transkription der Parsche „Matot“, München, GRIN Verlag GmbH
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