initiierten „linguistic turn“ zu recht die Ablösung der Sprache als Hauptkategorie der Wirklichkeitserfassung durch das Bild.
Seine Popularität und Faszinationskraft verdankt das Bild per se seiner ikonischen Differenz, der materiellen Manifestation von etwas Immateriellem: Bilder machen etwas sichtbar, was sie selbst nicht sind und was ohne sie nicht sichtbar wäre. Diese u.a. von Edmund Husserl und Jean Paul Sartre konstatierte Ambivalenz zeigt sich in gesteigertem Ausmaß in technisch generierten Digitalbildern. Hier richtet sich die Sinneswahrnehmung auf etwas, das im traditionellen ontologischen Sinn nicht in der Welt existent ist, sondern auf eine durch technische Apparate evozierte Medienwirklichkeit ohne dass ein physisch zugängiger Realkontext zwingend erforderlich ist.
Diese Referenzlosigkeit des Visuellen ist nicht neu - erinnert sei beispielsweise an das Thaumatrop, ein so genanntes „philosophical toy“, das Mitte des 19. Jahrhundert en vogue war - allerdings weist diese heute eine andere Qualität auf: Medienwirklichkeit und Realität synthetisieren.
Anders als dem von Otto Neurath 1936 ins Leben gerufenen System von universal gültigen Piktogrammen muss den heutigen technischen Bildern der Status einer lingua franca entschieden abgesprochen werden.
Die Digitalisierung des Visuellen, das Rechnen von Bildern, erschafft statische und bewegte Bilder im phänomenologischen Code des Realbildes ohne eine Referenz zur Realität. Diese synthetisch erzeugten Bilder werden durch verschiedene Trägermedien wie Laptop, Mobiltelefon, TV in Umlauf gebracht und generieren somit eine Hyperrealität ohne Senden und Empfangen an sich. Per se suggerieren Bilder Evidenz und evozieren beim Rezipienten die Illusion der Augenzeugenschaft, da sie im immersiven Modus wahrgenommen werden. Die ambivalente Eigenschaft der modernen Bilder kollidiert mit der aufgrund kultureller Darstellungskonventionen internalisierten und jedem Bild unterstellten Urbild-Abbildrelation. Die Definition Platons von Bild als das „einem Anderen ähnlich gemachte“ (Sophistes, 240 a), ist vom medienphilosophischen Standardpunkt aus obsolet.
Die mit Jean Baudrilliard als „Simulakren der Simulation“ zu bezeichnenden modernen Bilder haben sich von dem traditionellen Repräsentationsraum der
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Wahrnehmungsästhetik emanzipiert und dem Bildbetrachter somit die visuelle Verfügungsgewalt entzogen. Die zwischen Ikonizität, Indexikalität und Hyperrealität changierenden Bilder spielen eine wichtige Rolle im alltäglichen Erkenntnisprozess und üben so Gewalt aus. Die von Peter Sloterdijk diagnostizierte „Allmacht der Bilder“ zu durchbrechen ist eines der Anliegen einer noch in den Kinderschuhen steckenden Medienphilosophie und Medienethik.
Mit Jean Baudrilliard sollte aber auch konstatiert, werden dass den Bildern selbst Gewalt angetan wird, indem sie mit Bedeutung überfrachtet und instrumentalisiert werden. Aufgrund zahlreicher Eingriffsmöglichkeiten in den Prozess der Bildproduktionangefangen bei Bildbearbeitung über Bildkontextualiserung zur Fotomontage - tritt das Sujet hinter den Sinn, der ihm aufgezwungen wird, zurück. Den arbiträren Charakter digitaler Bilder möchte ich anhand dreier Bespiele illustrieren.
Quelle: Streitmüller, Andreas (2005): Alle Bilder lügen. Foto - Film - Fernsehen - Fälschung.
Universitätsverlag Konstanz: Konstanz. S. 7.
Abbildung 1 zeigt ein Bild das im Feburar 2001 veröffentlicht wurde. Hier - so macht es Abbildung 2 deutlich, wird ein Absperrseil fälschlicherweise mit dem Hinweis
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„Schlagstock“ versehen. Ein Autodachgepäckträger, an dem sich ein Demonstrant festhält wird als „Bolzenschneider“ etikettiert.
Abbildung 3 zeigt ein Foto, das im März 2003 auf der Titelseite der LA Times erschien. Das Foto wurde aus zwei anderen Fotos generiert, um einen dramatischern Effekt zu erzielen:
Quelle: http://www.rhetorik.ch/Bildmanipulation/Bild-
manipulation.html#kombination. Letzter Aufruf : 14.07.2010. Auch folgendes Foto zeigt die Manipulationskraft des Visuellen:
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Arbeit zitieren:
Nora Nebel, 2010, Eine medienphilosophische Betrachtung des aktuellen Bilddiskurses "Bilder der Gewalt - Gewalt der Bilder", München, GRIN Verlag GmbH
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