Gliederung
1 Einleitung 3
2 Statussymbole I 4
2.1 Begriffsbestimmung 4
2.2 Literatur zu Statussymbolen 6
3 Statussymbole II 8
3.1 Die Kategorie der Partizipation 8
3.2 Die Kategorie der Authentizität 9
3.3 Die Kategorie der Öffentlichkeit 10
3.4 Die Kategorie der Potenz 11
4 Abschließende Betrachtung: Schematische Darstellung und Erläuterung 13
5 Literatur 16
2
1 Einleitung
„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ - diese Trias, die als Slogan in einem TV-Werbespot 1 von sich reden gemacht hat, liefert für eine Untersuchung der Soziologie der Statussymbole erste einprägsame Hinweise. Zwei gut gekleidete Männer, die sich lange nicht gesehen zu haben scheinen, treffen sich in diesem Spot zufällig in einem Restaurant und legen buchstäblich die Karten auf den Tisch, indem sie jeweils Fotos ihrer Errungenschaften zücken. Auffallend ist hierbei, dass sowohl ein Kausalzusammenhang von Wohlbefinden und dem Besitz jener Objekte suggeriert, als auch provokant mit dem Odium eines materialistischen Konkurrenzdenkens gespielt wird. Dieser Werbespot dient als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer Soziologie der Statussymbole, die Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist. Ziel ist es, eine schematische Darstellung der Wirkungsweise von Statussymbolen zu entwickeln. 2 Dazu ist es notwendig, mit der Erarbeitung einer Definition zunächst eine grundlegende Begriffsbestimmung vorzunehmen und die Statussymbole beispielsweise von persönlichen Objekten abzugrenzen (Abschnitt 2.1). Dieser Abschnitt stellt somit die konzeptionelle Basis der weiteren Ausführungen dar. Es folgt eine kurze Darstellung der Literatur zu Statussymbolen. Das dritte Kapitel stellt daraufhin vier Kategorien (Partizipation, Authentizität, Öffentlichkeit und Potenz) vor, die sich für die Entwicklung einer Soziologie der Statussymbole als nützlich erweisen. Diese Arbeit im Gesamten, also auch die schematische Darstellung der Soziologie der Statussymbole und deren Erläuterung (Kapitel 4) orientiert sich vor allem an folgender Fragestellung: Welche Wirkungsweisen der Statussymbole innerhalb einer Gruppe sowie bezüglich des Individuums lassen sich erkennen? Es wird grundsätzlich von einer nahezu unüberblickbaren Vielzahl an Interaktionen zwischen dem Statussymbol, dem Individuum und der Gruppe ausgegangen. Die vorgestellte Soziologie der Statussymbole kann folglich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Sie steht zudem im übergeordneten Kontext der Frage, welche Bedeutung bestimmten Objekten im Allgemeinen zukommt. Diese Fragestellung wiederum führt unverzüglich auf den Weg der grundlegenden Problematik, ob die Bedeutung der Dinge allein der Zuschreibung durch den Menschen entspringt oder vielmehr in den spezifischen Eigenschaften des Objekts bereits angelegt ist. In dieser Arbeit wird versucht, zwischen diesen Positionen einen Mittelweg zu beschreiten. Es wird in dieser Arbeit angenommen, dass nicht jedes Objekt gesellschaftlich zu einem Statussymbol erhoben werden kann. Im Zuge der Erläuterung der schematischen Darstellung, die die zuvor gewonnenen Erkenntnisse in graphischer Form zusammenfasst, wird diese Problematik diskutiert, bevor die für die Anfertigung dieser Arbeit verwendete Literatur genannt wird.
1 Es handelt sich um einen Werbespot der Sparkasse aus den 1990er-Jahren.
2 Der Terminus Wirkungsweise impliziert die Annahme eines reziproken Verhältnisses von Objekt und Subjekt. Von
Funktionen oder Bedeutungen ist im Folgenden dann die Rede, wenn der Fokus stärker auf die Subjektperspektive
gerichtet ist.
3
2 Statussymbole I
2.1 Begriffsbestimmung
Eine Begriffsbestimmung des Wortes Statussymbol erweist sich schnell als ein durchaus kompliziertes Unterfangen. Dennoch scheint ein intuitives, gleichwohl gesellschaftlich geprägtes Wissen darüber zu existieren, wann ein Objekt als Statussymbol fungiert. Man bemerkt beispielsweise unverzüglich, dass die Wörter Haus, Auto und Boot in dem genannten Werbespot vor allem durch ihre Reihung eine Bedeutungserweiterung erfahren und den Gedanken an Reichtum und Luxus evozieren. Eine semantische Vorentscheidung bei der Begriffsbestimmung kann aber auch in Anbetracht der Tatsache getroffen werden, dass durch die Wortbildung aus den Wörtern Status und Symbol bereits angezeigt wird, dass es sich um Objekte handelt, die verstärkt auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht oder einer bestimmten Gruppe verweisen. Definiert man Status als „[d]ie gesellschaftliche Anerkennung oder das Prestige, das einer bestimmten Gruppe […]“ 3 , werden in Bezug auf seitens anderer Gesellschaftsmitglieder gezollt wird
Statussymbole bereits wichtige Aspekte der Soziologie der Statussymbole angedeutet: Zum einen spielen im Kontext der Statussymbole, die gegenständlicher (z.B. Auto, Markenkleidung) und nicht-gegenständlicher (z.B. Titel, Verhaltensweisen) Art sein können 4 , die gesellschaftliche Wertschätzung der Gruppe und daraus resultierende Erwartungen sowie Erwartungserwartungen 5 eine entscheidende Rolle, zum anderen verweisen Statussymbole auf die Partizipation eines Individuums an einer Gruppe, die auf Grund einer Privilegierung in Bezug auf mindestens ein allgemein erwünschtes Merkmal (z.B. exklusiver oder umfangreicher Besitz, hohes Einkommen, hohe Bildung) 6 ein hohes Ansehen genießt und auf Grund eines gewissen positiven Selbstverständnisses eine Partizipation sowohl für sich selbst als auch für Außenstehende als ein unzweifelhaftes Desiderat versteht. In den Augen des Verfassers dieser Arbeit stellt die Partizipation die grundlegende Kategorie dar, die alle weiteren Funktionen der Statussymbole erst ermöglicht. Es ist hierbei wichtig, zwischen tatsächlicher Partizipation und Partizipationsbestreben zu differenzieren, denn es muss angenommen werden, dass ein Statussymbol eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten privilegierten Gruppe ist. 7 Statussymbole stellen eine spezielle Form der Zugehörigkeitssymbole dar, die sich als
3 Giddens 1999, S.634f.
4 Der Fokus wird in dieser Arbeit auf gegenständliche Statussymbole und auf das erwünschte Merkmal Besitz gerichtet,
wenngleich der Besitz nicht mehr als alleinige Determinante angesehen werden kann (vgl. Hradil 2001, S.297). Siehe
dazu auch Abschnitt 3.2.
5 Zur Erläuterung des Terminus siehe Abschnitt 3.1.
6 Häufig, aber nicht immer korrelieren diese Merkmale. Mitunter geht beispielsweise eine hohe Bildung nicht mit einem
hohen Einkommen einher. Man spricht von Statusinkonsistenz (vgl. Hradil 2001, S.33f.). Doch mindestens eines dieser
allgemein erwünschten Merkmale fungiert bei Statussymbolen als Anreiz zur Partizipation.
7 Auf diese Problematik wird im Abschnitt 3.3 im Zusammenhang mit der Kategorie der Authentizität ausführlich
eingegangen.
4
„bedeutungserweiterte Zugehörigkeitssymbole“ von „reinen Zugehörigkeitssymbolen“ unterscheiden lassen. 8
Die auf der Basis der dargestellten Überlegungen erarbeitete Definition lautet folgendermaßen:
Statussymbole sind gegenständliche und nicht-gegenständliche Objekte, deren Besitz in Bezug auf eine gesellschaftliche Gruppe, die hinsichtlich mindestens eines allgemein erwünschten Merkmals privilegiert ist, Partizipationsbestreben oder tatsächliche Partizipation anzeigt.
Diese Definition dient als Leitfaden und als Basis für die schematische Darstellung der Soziologie der Statussymbole, da sie sich für eine Analyse der Funktionsweise der Statussymbole eignet. Es wird sich zeigen, dass die Definition den Kern der Analyse bildet, jedoch um einige weitere Kategorien ergänzt werden kann, denn neben der in der Definition enthaltenen Hauptkategorie der Partizipation tangieren Statussymbole weitere Kategorien, die jedoch als sekundäre Funktionen (Demonstration von Potenz) und als Rahmenbedingungen (Authentizität, Öffentlichkeit) Relevanz besitzen. Es muss im Folgenden grundsätzlich zwischen Statussymbolen und persönlichen Objekten unterschieden werden. Individuell geprägte Bedeutungen sind bei Statussymbolen eher von marginaler Bedeutung oder besitzen diese nur über den Weg der Partizipation an einer Gruppe. 9 Im Vergleich zu Statussymbolen weisen persönliche Objekte in stärkerem Maß individuelle und private Funktionen auf und können unter anderem verschiedene Erinnerungsfunktionen und ästhetisch-rezeptive Funktionen besitzen. 10 Ein klassisches persönliches Objekt ist beispielsweise der Teddybär. Das Repertoire an persönlichen Objekten ist demgemäß auch ungleich größer und variabler als das der Statussymbole. Bei der Analyse der Wirkungsweise von Statussymbolen steht nicht die persönlich-subjektive Zuschreibung einer Bedeutung im Mittelpunkt des Interesses, sondern die gesellschaftliche Verständigung darüber, welches Objekt welcher Gruppe zuzuordnen ist. Da ein Statussymbol einen Zugehörigkeitsanspruch an eine privilegierte Schicht demonstrieren soll, muss die Semantik eines Statussymbols jederzeit decodiert werden können, ein persönliches Objekt behält seine Bedeutung für das Individuum unabhängig von einem gesellschaftlichen Konsens.
8 Als Beispiel können Fußballfangruppen herangezogen werden. So ist das Tragen eines Trikots einer
Nationalmannschaft während einer Fußballweltmeisterschaft als reine Zugehörigkeitssymbolik zu verstehen, nicht
jedoch als das Zuschaustellen eines Statussymbols, da grundsätzlich kein Partizipationsbestreben seitens der Fans
anderer Nationen zu erwarten ist und ein solches Partizipationsbestreben auch von den Fangruppen selbst nicht
erwartet wird.
9 Diese Annahme wird in Abschnitt 3.1 vertiefend dargestellt.
10 Vgl. Habermas 1996. S.423.
5
Arbeit zitieren:
Nils Schmidt, 2010, Die Soziologie der Statussymbole, München, GRIN Verlag GmbH
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