INHALT
1. EINLEITUNG:
DER BEGRIFF KULTURRAUM, DEFINITION VON REGIONALKULTUR 1
2. KULTURRÄUMLICHE ENTWICKLUNG BADEN-WÜRTTEMBERGS
BIS 1803 2
2.1 Altsteinzeit, Neolithikum und die Begriffe Altsiedelland/Jungsiedelland 2
2.2 Die Kelten (8.bis 1. Jh. v. Chr.), Stammesgebiete in Süddeutschland 2
2.3 Die Römer (1. bis 3. Jh. n. Chr.) 3
2.4 Die Alemannen (3.bis 7. Jh. n. Chr.) 4
2.4.1Erste und zweite Ausbauzeit 5
2.4.2Fränkische Sicherungskolonisation und Christianisierung
in der Ausbauzeit 5
2.4.3Siedlungsgefüge und soziale Rangstufe 5
2.5 Das Herzogtum Schwaben und die Siedlungspolitik im 10. bis 12. Jh. 6
2.5.1Stadtgründungen der Staufer, Zähringer und Welfen 7
2.5.2Zerfall des Stauferreiches inTerritorialstaaten 7
2.5.3Wüstungsperiode 13. bis 15.Jh. im ländlichen Raum 8
2.6 Territoriale Aufteilung und Zersplitterung Südwestdeutschlands
in weltliche und geistliche Gebiete (15. bis 18.Jh.) 8
2.6.1Der Dreißigjährige Krieg und seine Auswirkungen (1618 - 1648) 9
2.6.2Neue Städte und Siedlungen im 17. und 18.Jh. 11
2.6.3Auswanderungen Ende 18. Jh. 12
2.6.4Gesetze zur Heiratsbeschränkung und deren Aufhebung 12
3. KULTURRÄUMLICHE ENTWICKLUNG BADEN-WÜRTTEMBERGS
VON 1803 BIS 1953 12
3.1 Reichsdeputationshauptschluss 1803 und Neuordnung des Südwestens 12
3.1.1Missernten, politische Unruhen und Auswanderung Mitte des 19. Jh. 14
3.1.2Epochale Erfindungen um 1900 und Entwicklungen
bis zum zweiten Weltkrieg 15
3.1.3Der Südwestdeutsche Kulturraum und das Dritte Reich bis Ende 1945 15
3.1.4Nachkriegszeit bis 1953, Gründung Baden-Württemberg 1952 16
3.1.5Überblick zur Siedlungsgeschichte in Baden-Württemberg 16
4. BADEN-WÜRTTEMBERG, SEINE REGIONEN
UND KULTURRÄUMLICHEN POTENZIALE IM ZEITALTER
VON INDUSTRIE UND GLOBALISIERUNG AB 1945 BIS HEUTE 20
4.1 Baden-Württemberg nach 1953, Aufschwungphase,
sozio ökonomische und kulturräumliche Veränderungen
in Stadt und Land 21
4.2 Die heutigen Regionen Baden-Württembergs 22
4.2.1Konfessionszugehörigkeit in Stadt- und Landkreisen
und religiöses Brauchtum 25
4.2.2Odenwald/Bauland und Kraichgau 26
4.2.3Hohenlohe und Franken 27
4.2.4Das oberrheinische Tiefland 30
4.2.5Der Schwarzwald 35
4.2.6Oberschwaben und Bodensee 42
4.2.7Das Neckarland 48
4.2.8Die Schwäbische Alb 54
5. FAZIT 60
6. LITERATUR 63
7. ABBILDUNGSVERZEICHNIS 66
VORWORT
Im vorliegenden Band wird sowohl die Kulturgeschichte als auch die Wirtschaftsgeschichte Baden-Württembergs behandelt. Hervorgegangen ist dieses Buch aus einer Hauptseminarsarbeit in der Anthropogeographie im Jahr 2004. Inhaltlich wurden Erweiterungen um physischgeographische und neue administrative Grundlagen vorgenommen.
Sinn und Zweck dieser Ergänzungen ist es, zu zeigen, dass man Entwicklungen im Raum nicht ausschließlich unter einzelnen Aspekten sehen kann, sondern dies erst durch die Synthese sich scheinbar nicht berührender Teilbereiche möglich wird.
Sozioökonomische wie soziokulturelle Gegebenheiten und Charakteristiken entwickeln sich in Abhängigkeit voneinander. Weiterhin stehen diese Entwicklungsprozesse immer im Zusammenhang mit den vorgegebenen Möglichkeiten der Natur- bzw. Landschaftsräume.
Administrative Vorgaben schließlich stellen ein Regulativ in der Verwaltung und Nutzung des Raumes dar.
Da es sich um den Zeitraum Neolithikum bis heute handelt, welcher sich mühelos auf ca. 7500 Jahre beläuft und Literatur hierzu ganze Bibliotheken füllt, ist dieser Band quasi naturgemäß ein Überblickswerk.
All jenen, die sich mit Geographie, Kulturwissenschaften, Archäologie oder Wirtschaftsgeschichte befassen, soll das Buch einen schnellen Ein- und Überblick verschaffen. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre.
1. EINLEITUNG:
DER BEGRIFF KULTURRAUM, DEFINITION VON REGIONALKULTUR
Kulturelle Erscheinungen sind raumgebunden. Sie beziehen sich auf den typisch gestalteten Naturraum im Sinne der „Kulturlandschaft“. Die Anpassung des Menschen an natürliche Gegebenheiten und auch das Anpassen des menschlichen Lebensraumes an menschliche Bedürfnisse schließt auch eine Betrachtung der technischen Daseinsgrundlagen sowie deren materieller Produkte ein.
Im Folgenden wird die Entwicklung Baden-Württembergs in Kapitel eins bis drei anhand der Sozialgeschichte dargestellt. Kapitel vier zeigt den heutigen Stand und Entwicklungstendenzen des Wirtschafts- und Kulturraumes Baden-Württemberg auf. In Kapitel fünf wird schließlich ein Fazit gezogen.
H. PACHNER (2000) hat sich mit Regionalkultur und nachhaltiger Regionalentwicklung intensiv beschäftigt. Er definiert Regionalkultur wie folgt: ...........“ Regionalkultur ist (dabei) die Summe von Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wertvorstellungen, Regionalbewußtsein und daraus resultierenden
Verhaltensweisen, die eine Gruppe von Menschen in ihrem Lebensraum kennzeichnet“ (ders., 2000: 176).
In seiner Mehrebenenanalyse der Regionalkultur wird diese mit einer nachhaltigen Regionalentwicklung verflochten. Zum einen erscheint Kultur als
funktionsräumlicher Entwicklungsfaktor für alle Räume, begonnen bei der Familie und kleinen Betrieben, über die Gemeinden, das Land bis hin zum Staat. Zum anderen wird eine Raumwirksamkeit von Kultur auf viele Lebensbereiche, insbesondere des Heimatraumes, als strukturräumliche Einflussgröße, zu Grunde gelegt. Durch Rückkoppelungseffekte soziokultureller Art entwickeln sich Dörfer, Städte, Natur- und Wirtschaftsräume sowie Verwaltungsräume und damit ganze Regionen weiter (ders., 2000: 175).
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2. KULTURRÄUMLICHE ENTWICKLUNG BADEN-WÜRTTEMBERGS
BIS 1803
2.1 Altsteinzeit, Neolithikum und die Begriffe Altsiedelland/Jungsiedelland
Der sensationelle Fund von Knochenteilen des „Homo heidelbergensis“ nahe Heidelberg belegt eine menschliche Besiedlung des Raums bereits vor ca. 600 000 Jahren. Reste paläo- und mesolithischer Siedlungsplätze von Jägern und Sammlern fand man in Höhlen der schwäbischen Alb (Lonetal) und im Hegau. Im 5. Jtsd. v. Chr. (Neolithikum) wanderten die sog. “Bandkeramiker“ aus der Donauregion ein und ließen sich in klimatischen Gunsträumen u. a. am Federsee, Bodensee, an Rhein, Donau, Neckar und Tauber nieder (vgl. BURKHARDT et al., 1990: 279ff). R. GRADMANN prägte hierfür den Begriff Altsiedelland (vgl. KULLEN, 1984: 25). Die bis ins Hochmittelalter unbesiedelt gebliebenen Gebiete wie Schwarzwald, Odenwald, schwäbisch-fränkische Waldberge und das südliche Oberschwaben werden als Jungsiedelland bezeichnet.
2.2 Die Kelten (8. bis 1. Jh. v. Chr.), Stammesgebiete in Süddeutschland
Seit dem 1. Jtsd. v. Chr. siedelten Stammesgruppen der Kelten im westlichen Mitteleuropa. Die Stammeszugehörigkeit zeigte sich in einer gemeinsamen Sprache (BURKHARDT et al., 1990: 282ff). Es werden zwei Epochen unterschieden: Die Hallstattzeit (8. bis 5. Jh. v. Chr.) und die La-Tène- Zeit (5. bis 1. Jh. v. Chr.):
In der Hallstattzeit treten die ersten Metallwerkzeuge (Kupfer, später Bronze) auf. Die Kenntnisse in der Erzverarbeitung stammten von eingewanderten Volksstämmen aus Südosteuropa und Vorderasien. Die soziale Oberschicht lebte auf befestigten Herrensitzen, so z. B. die Heuneburg bei Hundersingen/Donau. Die Burgsiedlungen waren von einem Kreis großer Grabhügel, den Fürstengräbern mit reicher Grabausstattung, umgeben. Die ländliche Bevölkerung siedelte in Weilern und Einzelhöfen (vgl. KULLEN, 1983: 29ff).
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In der La-Tène-Zeit entwickelten sich Kunsthandwerk und Münzwesen bedeutend (BURKHARDT et al., 1990: 283ff).
Ausgrabungen förderten stadtähnliche Anlagen in Schutzlagen, die Oppida (ca. 2. Hälfte 2. Jh. v. Chr.), wie der Heidegraben bei Grabenstetten oder der Burgstall bei Finsterlohr zu Tage.
Die sog. Viereckschanzen sind nach TORBRÜGGE/MENZE (1968: 221) als ehemalige Heiligtümer zu deuten. In vielen geographischen Bezeichnungen ist der keltische Ursprung nachgewiesen (KEINATH, 1951: 33): So z. B. bei Donau, Neckar, Iller, Schussen, Nagold, Kocher, Jagst, Ipf, Teck, Zollern.
2.3 Die Römer (1. bis 3. Jh. n. Chr.)
Um Oberitalien gegen Einfälle der Alpenvölker zu schützen wurde von Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) der sog. Donaulimes errichtet. Die Grenze wurde mehrmals nach Norden verschoben. Im 2. Jh. erfolgte unter Kaiser Antonius Pius eine letztmalige Verschiebung.
Dieser obergermanisch-rätische Limes , der als bedeutendstes antikes Denkmal auf deutschem Boden gilt, hatte eine Länge von 548 km, durchlaufende Palisaden mit Graben und Wall bis Lorch, dann begann der rätische Limes mit meterdicker und ca. 2,5 m hohe Steinmauer. Der Limes erstreckte sich vom Neuwieder Becken über den Taunus, die Wetterau bis zum Main, von Miltenberg nach Lorch, dann nach Osten bis Eining an der Donau (vgl. KULLEN, 1984: 32ff).
Die Kastelle waren durch Fernstraßen, die auch zu zentralen Orten im Hinterland führten, miteinander verbunden. Stadtähnlich entwickelten sich z.B. Rottenburg (Sumelocenna) und Ladenburg (Lopodonum), Rottweil (Arae Flaviae) war bereits Stadt. Aus Militärlagern entstanden Siedlungen wie z. B. Cannstatt und Heidenheim (Aquileia), Baden-Baden (Aquae) und Badenweiler.
Häufigste Siedlungsform auf dem Land war der Gutshof, die Villa Rustica. In Südwestdeutschland sind mehr als 1000 dieser großen, landwirtschaftlichen Güter nachgewiesen (PLANCK, 1976: 129). Das Hauptgebäude bestand aus einem Steinbau, vorgesetztem Säulengang und zwei Ecktürmen sowie
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Badegebäuden, Ställen, Scheunen, Werkstätten mit Ziegel-, Töpfer- und Backöfen. Die „Villa“ war von einer Mauer umgeben. An Hausaltären wurden Götter verehrt, imposant waren die bis zu 15 m hohen Jupitergigantussäulen, die Wohlstand und die religiöse Einstellung des Besitzers zeigten.
Römer und Kelten besiedelten den Raum gemeinsam. Mit dem großen „Alamannen-Einfall“ (spr. von: alle Mannen) 259/260 n. Chr. wurde die römische Kultur weitgehend vernichtet.
2.4 Die Alemannen (3. bis 7. Jh. n. Chr.)
Auf die Alemannen geht die endgültige Germanisierung Südwestdeutschlands zurück. Ihr Einfluss lässt sich bis heute in Sprache und Volkstum nachweisen. Sie waren ursprünglich im norddeutschen Tiefland östlich der Elbe beheimatet. Bis zum Beginn des 5. Jh. waren sie bis ins Elsass, die Nordschweiz und den Vorarlberg vorgerückt. Die Stämme zählten zum Verband der Sueben (spr. abgeleitet: Schwaben). Römische Bauten, Fernverkehrswege und Kulturland wurde von den Alemannen weiter benutzt. Siedlungsform war in der Regel der Einzelhof. Ende des 5. Jh. waren angrenzend Friedhöfe mit Reihengräbern angelegt. 496 n. Chr. wurden die Alemannen vom Frankenkönig Chlodwig nach kriegerischen Auseinandersetzungen gezwungen Land abzugeben. Die ehemalige Stammesgrenze vom Main wurde nach Süden vorgeschoben. Sie begann nördlich des Hagenauer Forstes, lief über Oos, Schwarzwald, die Täler von Murg, Enz, Nagold, Teinach, Würm zum Neckar, bei Marbach über die Keuperberge bis zum Hesselberg im Ries. Bis heute kann man den Grenzverlauf noch als Mundartgrenze erkennen.
Ortsnamenendungen auf „-ingen“ sind die ältesten Siedlungsnamen in Baden-Württemberg und zeitlich der Phase der ersten alemannischen Landnahme zuzuordnen. Mit dem Suffix „-ingen“ wurde die Zugehörigkeit von Siedlern zu einem Sippenoberhaupt dokumentiert. Als Beispiel: Tübingen - Menschen, die der Sippe des Tuo zugehörig waren.
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Im Altsiedelland treten diese Ortsnamenendungen häufig auf. In der Nähe der damaligen Stammesgrenze sind fränkisch geprägte Ortsnamenendungen auf „-heim“ häufiger.
2.4.1 Erste und zweite Ausbauzeit
Ein erster Siedlungsausbau erfolgte bis ins 7. Jh.. Typische Ortsnamenendungen sind „-dorf, -hausen, -hofen , -weiler, -stetten, -beuren“. Eine zweite Ausbauphase bis ins 10. Jh. die sich auf landwirtschaftlich weniger ertragreiche Gebiete erstreckte, brachte Siedlungen mit den Ortsnamenendungen „-bach, -bronnen, -au, -felden, -hardt“ hervor (Ortsnamenendungen s. GRADMANN, 1964: 76ff). Wälder und Landstriche mit unfruchtbaren Böden wurden weiterhin gemieden. Für das zu Beginn des 9. Jh. entstandene alemannische Herzogtum wurde die Bezeichnung „Schwaben“ gebräuchlich.
2.4.2 Fränkische Sicherungskolonisation und Christianisierung
in der Ausbauzeit
Die Frankenkönige errichteten zur Stabilisierung ihrer Macht Militärkolonien und Wehrdörfer vor allem entlang des Fernstraßennetzes. Ihre Lage ist heute noch an bestimmten Ortsnamen erkennbar, so etwa Ostheim, Westheim, Stammheim, Hochdorf u. a. m.
Die Christianisierung und die Errichtung von Bistümern Ende des 6. Jh. erfolgte durch das fränkische Königshaus. Um 600 wurde das Bistum Konstanz gegründet, dessen Diözese vom Gotthardmassiv bis zum Hohenasperg reichte. Der nördliche Teil wurde von Mainz, Worms, Speyer und Würzburg aus christianisiert. Bestattungen wurden seither sukzessive von den Reihengräbern auf die Friedhöfe der Kirchen verlegt.
2.4.3 Siedlungsgefüge und soziale Rangstufe
Neuregelungen im Agrarwesen führten zur genossenschaftlichen Bewirtschaftung der Feldflur. Der „Flurzwang“ galt für alle Dorfgenossen und wurde vom Inhaber des Herrenhofs geregelt.
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Der Herrenhof besaß Vorrechte gegenüber den dienenden Bauernhöfen und lag oft mit den dazugehörigen Nutzflächen an bevorzugter Stelle innerhalb der Dorfumzäunung (Etter). Die Flurteile sind noch an Namen wie „Hofäcker“, „Herrenäcker“, „Fronäcker“, „Anger“ oder „Brühl“ erkennbar (vgl. KULLEN, 1983: 36ff; BURHKARDT et al., 1990: 279ff).
2.5 Das Herzogtum Schwaben und die Siedlungspolitik im 10. bis 12. Jh.
Politisch bestimmend waren zwischen 10. und 12. Jh. die Familien der Staufer, Welfen und Zähringer sowie etliche Grafenfamilien, u. a. die Grafen von Calw, die Grafen von Löwenstein, die Herren von Hohenlohe, und die Diözesen. Adel und Kirche verfolgten das Ziel, geschlossene Herrschaftsbereiche aufzubauen. Dies war nur in den unbesiedelten Waldgegenden möglich, da im Altsiedelland die Rechtsverhältnisse völlig zersplittert waren und die Bevölkerungszahlen stark angestiegen waren. Eine Rodung entsprechender Waldgebiete folgte. Es kam zu Neugründungen von Siedlungen, Klöstern, Burgen und etwas später den Städten.
Die Reformklöster stellten Siedlungs-, Kultur- und Innovationszellen für die ländliche Bevölkerung dar. Wichtige, für die Landwirtschaft innovative Orden waren die Zisterzienser, die z. B. das Kloster Maulbronn betrieben oder das von Benediktinern betriebene Kloster Hirsau mit seinen Tochtergründungen (u. a. St. Georgen 1083, Zwiefalten, St. Peter 1090) und Kloster Bebenhausen bei Tübingen. Wichtige agrarische Innovationen u. a. im Wein- und Obstbau und die Technik der Melioration wurden von den Zisterziensern eingeführt. Die Prämonstratenser mit Klöstern in Obermarchtal, Schussenried u. a. Klöstern widmeten sich schwerpunktmäßig der Urbarmachung sumpfiger Gebiete. Planmäßig angelegte Bauernhufen entstanden, Herrenhof und Allmende fehlten meist. Die Rechtsverhältnisse wurden neu geordnet und das Anerbenrecht eingeführt. Beispiele für nebeneinander liegende geschlossene Grundstücke sind die Zinken im Schwarzwald und die Waldhufendörfer im Odenwald und auf der Nagold-Enz-Platte.
Im Keuperbergland entstanden Streusiedlungen mit Einzelhöfen und Einödfluren sowie Rodeweiler mit unregelmäßiger Blockflur.
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Ortsnamenendungen aus dieser Rodezeit sind „-brand, -reut, -schnait, -schwand, -lohe“ und belegen die Rodungsart. Ortsnamenendungen auf „-wald, -buch, -grün, -hardt, -tann“ weisen auf alte Waldbezeichnungen hin. Die Ritterburgen aus der Burgbauhochphase im 13. Jh. dienten der Herrschaftssicherung und Wehrfunktion. Standorte waren Zeugenberge, Auslieger der Schwäbischen Alb, die Vorhügelzone am Westrand des Schwarzwaldes, Randhöhen des Odenwalds u. a. ähnliche Schutz- und Kontrolllagen. Auch entlang größerer Flüsse und an steilen Talhängen finden sich diese Anlagen. Die Anlage der Burgweiler erfolgte später. Ortsnamenendungen für die Zeit des Burgenbaus sind „-berg, -burg, - eck, -fels, -stein“.
2.5.1 Stadtgründungen der Staufer, Zähringer und Welfen
Im 12. und 13. Jh. wurden von Staufern, Zähringern und Welfen zahlreiche Städte gegründet oder Siedlungen erhielten das Stadtrecht. Es entwickelte sich der Baustil der Gotik. Die Naturalienwirtschaft wurde von der Geldwirtschaft abgelöst.
Die Städte waren Verwaltungsmittelpunkte und Amtssitze, die für einen weiteren Umkreis politischen-administrativen Aufgaben wahrnahmen. Die Staufer gründeten u. a. Ulm, Hagenau, Breisach, Nördlingen, Hall. In Hall befand sich die Reichsmünze und wirtschaftlich wichtige Salzvorkommen. Zähringergründungen waren vor allem Freiburg, Bern und Rheinfelden. Die Welfen hatten ihre Besitztümer schwerpunktmäßig in Bayern, im südwestdeutschen Raum gehörten hierzu Ravensburg und Weingarten. Vor allem unter den Staufern blühte die Wirtschaft auf, gefolgt von besseren Lebensumständen für die Bevölkerung.
2.5.2 Zerfall des Stauferreiches in Territorialstaaten
Nach dem Niedergang der Welfen (bis 1191), der Zähringer (bis 1218) und auch der Staufer (bis 1268) löste sich das Herzogtum Schwaben auf. Die Besitzungen wurden reichsunmittelbar, kleine bis kleinste Grundherrschaften entstanden (vgl. BORCHERDT, 1991: 10).
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In der folgenden Zeit, von ca. 1250 bis 1350, wurden die meisten Städte überhaupt gegründet. Auf die Markgrafen von Baden gehen Städte wie Backnang, Besigheim, Baden-Baden und Stuttgart zurück, die Grafen von Württemberg gründen Leonberg, später u. a. Cannstatt und Nürtingen. Auf die Pfalzgrafen von Tübingen gehen z. B. die Stadtgründungen Tübingen, Böblingen und Sindelfingen zurück. Kurpfälzische Stadtgründungen waren Heidelberg und Wiesloch. Auch das österreichische Haus Habsburg erwarb viele Besitzungen (BURKHARDT et al., 1990: 298ff).
2.5.3 Wüstungsperiode 13. bis 15. Jh. im ländlichen Raum
Ackerbaugebiete der Gäulandschaften, des Baulandes, der Keuperwälder und der Alb erleben in dieser Zeit einen enormen Siedlungsschwund. Weinbaugebiete an Oberrhein und Neckar sowie Städte waren weniger betroffen. Eine allgemeine Agrarkrise mit Einbrüchen im Produktions-, Preis- und Einkommensgefüge mag eine Ursache gewesen sein. Eine zweite liegt aber sicher in den großen Pestepidemien von 1349/50 und 1365 (KULLEN, 1984: 53ff).
2.6 Territoriale Aufteilung und Zersplitterung Südwestdeutschlands in weltliche und geistliche Gebiete (15. bis 18. Jh.)
Aus den vielen kleinstaatlichen Gebilden entwickelte sich die Grafschaft „Wirtemberg“ zum einflussreichsten und größten Gebiet und wird 1495 Herzogtum.
Bei der Markgrafschaft Baden (Seitenlinie der Zähringer) waren 1515 durch Erbteilung eine Markgrafschaft Baden und eine Markgrafschaft Baden-Durlach entstanden. Gebietsneuerwerbungen brachten aber keine weitere Arealarrondierung.
Um 1500 wurde das Deutsche Reich in Kreise aufgeteilt. Es bildeten sich der Schwäbische, der Österreichische und der Fränkische Kreis sowie die Kurpfalz.
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Die zersplitterten Besitzungen des Hauses Habsburg gehörtem zum Österreichischen Kreis, weshalb sich die Bezeichnung „Vorderösterreich“ einbürgerte (GÖNNER, 1980: 23). Mit der Vogtei St. Blasien (Schwarzwald), Teilen des Breisgaus, Städten wie Munderkingen, Riedlingen, Saulgau, Waldsee u. a. erwarben die Habsburger großflächigen Besitz. Auch Bistümer, Klöster und Ritterorden erwarben viele Gebiete.
Die Habsburger, die Bistümer, Klöster, Stifte und Ritterorden vertraten eine christlich-konservative Politik. Diese Gebiete waren daher streng katholisch. Kapellen, Barockkirchen mit prächtiger Innenausstattung, Mariensäulen in den Städten, Bildstöcke in der Flur zeugen heute noch davon. Gegner der konservativen Fürsten waren das Herzogtum Wirtemberg, die Markgrafschaft Baden, die Pfalzgrafschaft am Rhein, die Zollerische Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth. In diesen Regionen entwickelte sich eine effiziente Wirtschaftspolitik mit vereinheitlichtem Rechtswesen. Die Besitzungen der Reichsritter bestanden meist aus einem Gutsbetrieb, einem Dorf und einem kleinem Schloss in bevorzugter Lage. In diesen Siedlungen wurden aus wirtschaftlichen Gründen durch sog. Peuplierungsmaßnahmen Bettler, Hausierer u. a. in Starzeln, Jungingen und Hausen bei Hechingen und Juden in Buttenhausen angesiedelt (BORCHERDT, 1991: 345ff; BURKHARDT et al., 1990: 50ff).
So waren verarmte Volksschichten in Lohn und Brot gekommen und fielen nicht mehr der Armenhilfe zur Last (BOELCKE, 1989: 151ff). Das Herzogtum Wirtemberg bekannte sich zum Glaubensgut der Reformation (1517-1580). Die Grafschaften Baden-Durlach und Hohenlohe folgten.
2.6.1 Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und seine Auswirkungen
Als Folge der Reformation standen sich katholische und evangelische Landesfürsten feindlich gegenüber. Mit Ausnahme des Schwarzwalds wurden in fast allen Landesteilen schwere Verwüstungen angerichtet, die Bevölkerung war um mehr als die Hälfte zurückgegangen und der Viehstand fast vernichtet. Im Westfälischen Frieden von 1648 musste Österreich den Sundgau, linksrheinische Gebiete und die Landvogtei über 10 Reichsstädte von Kolmar bis Landau an Frankreich abtreten.
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Arbeit zitieren:
Diplom-Geographin Dagmar Götz, 2010, Kultur- und Wirtschaftsraum Baden-Württemberg, München, GRIN Verlag GmbH
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