Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Flucht und Botschaftsbesetzung an Hand von Beispielen 3
2.1. Die Flucht über Ungarn. 3
2.2. Prager Botschaft 5
2.3. Budapest 9
2.4. Warschau, sowie weitere Vertretungen. 11
3. Fazit/ Ausblick 13
4. Literatur. 15
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1. Einleitung
Kaum eine andere Zeit der Deutschen Demokratischen Republik ist interessanter als die sogenannte „Spätphase“ der DDR. Mit ihr verbunden ist die Zeit der großen Ausreisewellen, welche im Sommer des Jahres 1989 stattfanden. Diese und Ereignisse wie die Fälschung der Kommunalwahlen im Mai bildeten den Auftakt einer Zeit der Umwälzungen in der DDR, welche schließlich zu deren Untergang führen sollte.
Das von mir zu behandelnde Thema umfasst die Massenflucht als ein Instrument des Untergangs der DDR am Beispiel der Botschaftsbesetzungen in Prag, Budapest und Warschau, sowie die Flucht über die ungarische Grenze. Diese war neben der Massenausreise über die Besetzungen der Botschaften in Warschau, Prag und Budapest das zentrale Mediensowie Politikereignis jenes Sommers. Zu welchen Folgen diese ersten Schritte dann im November 1989 führen sollten war, sich zu dieser Zeit noch Niemand im Klaren. Als erstes werde ich kurz die Flucht über Ungarn skizzieren, welche Maßnahmen und Vorraussetzungen dazu nötig waren und vor allem wie die Fluchten abliefen. Wie konnte es überhaupt zu dieser Massenausreise kommen? Danach folgt ein Abschnitt über die Flucht in die Prager Botschaft, eine Darstellung eines Aufenthaltes in der Botschaft und welche Verhältnisse dort herrschten. Anschließend stelle ich die Verhältnisse in der Budapester Botschaft dar, die man anhand der Anzahl von Flüchtlingen ähnlich der in Prag betrachten muss. Als letztes Beispiel folgt die BRD-Mission in Warschau, in welcher zwar weniger Flüchtlinge zugegen waren, aber dennoch spielte auch diese Botschaftsbesetzung eine große Rolle in dieser Angelegenheit. In diesem Unterpunkt werde ich zudem noch kleinere Botschaftsbesetzungen anführen, wie Bukarest, Belgrad und Ost-Berlin. Auch wird in den einzelnen Betrachtungen die Rolle der BRD angeführt, hier zu nennen ist ein Außenminister Genscher, welcher sich rücksichtslos um das Schicksal der Flüchtlinge aus der DDR bemühte. Ziel der vorhergehenden Analyse ist es, die Grenzfluchten und Botschaftsbesetzungen miteinander zu vergleichen und in einem Schlussteil und Fazit zusammenzufassen. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Frage, in wieweit die Botschaftsfluchten und Grenzfluchten über Ungarn eine Signalwirkung für spätere Ereignisse, wie den Untergang der DDR gegeben hatten. Zu klären ist des Weiteren ob die Ereignisse jenes Sommers und Herbsts die Vorboten der Massendemonstration wie der in Leipzig und Berlin waren. Denn nicht umsonst wurde aus dem Ruf „Wir wollen raus!“ der Ausspruch „Wir bleiben hier!“.
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2. Flucht und Botschaftsbesetzung an Hand von Beispielen
2.1. Die Flucht über Ungarn
Allen Fluchten aus der DDR geht ein entscheidender Impuls im Sommer 1989 voran. Am 2. Mai 1989 öffneten die Budapester Reformer, die ihr System allmählich in Richtung der westlichen Linie bewegten, den Stacheldraht, der die ungarische Grenze verschlossen hatte 1 . Denn wenn es Unzufriedenheit in der DDR gab, dann zum großen Teil über die Tatsache, dass Reisen ins Ausland verboten waren. Ungarn schon immer ein verlässlicher Partner, trat nun im Gegensatz zur DDR in einen reformorientierten Kurs wie ihn die Sowjetunion vorgab. Innerhalb weniger Wochen stürzte die Auseinandersetzung um das Recht zu Reisen das DDR-Regime in eine Krise. Dass die Ungarn mit der, wenn auch zu diesem Zeitpunkt nur teilweisen Öffnung ihrer Grenzen, selbst in eine Krise geraten sollten, war abzusehen. So waren sie auf der einen Seite mit der DDR vertraglich gebunden. So besagt ein Protokoll, welches am 20. Juni 1969 geschlossen wurde, dass Ungarn und die DDR die Reisebeschränkungen des jeweils anderen Staates anerkannten 2 . Auf der anderen Seite stand die BRD, mit der die Regierung in Budapest gute diplomatische Beziehungen hegte. Am Anfang der Fluchtbewegung erhielten die beim Fluchtversuch von ungarischen Grenzbehörden gestellten DDR-Flüchtlinge einen entsprechenden Stempel in den Pass, wurden festgenommen und an die DDR ausgeliefert. Diese Praxis änderte sich jedoch bald 3 . Kurze Zeit später wurde am 17. Juli 1989 von österreichischen Behörden bekannt geben, dass 100 DDR-Bürgern die Flucht über die Grenze nach Österreich gelang. Zu dieser Zeit begann die Fluchtbewegung, mit ihr verbunden die Botschaftsbesetzungen, auf die ich später zu sprechen komme, eine Eigendynamik zu entwickeln. Die Reaktion von Ungarn, als auch die der DDR waren höchst gegensätzlich, denn auf der einen Seite das reformorientierte, an der Realität des politischen Wandels gehaltene Ungarn und auf der anderen Seite die reformfeindliche, an der nicht mehr vorhandenen Solidarität des sozialistischen Lagers orientierte DDR.
Als die Menschen aus der DDR Anfang August erfuhren, dass die Ungarn, angeblich unter westdeutschem Druck, die Pässe derjenigen nicht stempeln würden, die auf dem Weg nach Österreich abgefangen wurden, war klar, dass keine Sanktionen, wie beispielsweise eine
1 Vgl.: Maier, Charles S.: Das Verschwinden der DDR und der Untergang des Kommunismus. Frankfurt/M.
2002, S. 213.
2 Vgl.: Ebenda.
3 Vgl.: Schützsack, Axel: Exodus in die Einheit. Die Massenflucht aus der DDR 1989. Melle 1990, S. 27.
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Auslieferung mehr möglich waren. Wer den Mut hatte, konnte die Sommerferien dazu nutzen, sich über die Tschechoslowakei nach Ungarn abzusetzen 4 . Am 22./23. August 1989 kam es wieder zu einem Grenzdurchbruch von 200 Personen, diesmal bei Klingenbach 5 . Doch kann man bei dieser Personenanzahl schon nicht mehr von einem unbemerkten „Durchbruch“ sprechen, wohl eher von einem Dulden der Grenzer eine so große Anzahl von Flüchtenden unbemerkt über die Grenze entkommen zu lassen. Unterdessen nahm die Zahl der DDR-Bürger, die ihren Ferienaufenthalt in Ungarn dazu benutzten, in den Westen zu flüchten, sprunghaft zu. Am 28. August 1989 warteten etwa 1.400 DDR-Flüchtlinge in Auffanglagern nahe Budapest auf ihre Ausreise. Am 2. September waren es schon mehr als 3.500 Flüchtlinge. Weitere Flüchtlingslager mussten eingerichtet werden. Am 4. September 1989 wurden bereits mehr als 4.700 zur Ausreise in den Westen entschlossene DDR-Bürger in Ungarn registriert 6 .
Am 10./11. September 1989 gewährten die ungarischen Behörden, ohne Absprache mit der DDR-Regierung, allen Fluchtwilligen, die sich in ihrem Land aufhielten, die Ausreise. Nach dieser Veranlassung kam es zu einem lawinenartigen Exodus wie einst vor dem Bau der Berliner Mauer 1961. Als Ende September 1989 ca. 25.000 Übersiedler in die Bundesrepublik gelangten, musste das Regime in Ost-Berlin seinen Zusammenbruch fürchten 7 . Die DDR reagierte auf diese Entscheidung mit heftiger Kritik und warf Ungarn die Verletzung völkerrechtlicher Verträge und die Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR vor 8 . Die Ungarn selbst reagierten mit überzeugenden Argumenten, wie die des humanitären Gedankens. So ist es kaum zu übersehen dass, es für die kleine Donaurepublik schwer war, die vielen tausend Flüchtlinge unterzubringen und angemessen zu versorgen. So gab es offiziell, entgegen dem eben Geschilderten keine Flüchtlingslager, denn der ungarische Staatsminister Öszi verwandte die Formulierung „Unterbringungsmöglichkeiten aus humanitären Gründen“ 9 . Egal wie man es formulieren mag, es war immer noch ein Flüchtlingslager, was das nächste Beispiel zeigt. So wurden im Budapester Flüchtlingslager Zugliget am 13. September 1989 sechs Busse zum Transport ausreisewilliger DDR-Bürger nach Österreich eingesetzt, so dass sich am 14.09. noch fast 100 DDR-Bürger in diesem Lager
4 Vgl.: Maier, Charles S.: Das Verschwinden der DDR und der Untergang des Kommunismus. Frankfurt/M.
2002, S. 214.
5 Vgl.: Mayer, Wolfgang: Flucht und Ausreise. Berlin 2003, S. 444.
6 Vgl.: Schützsack, Axel: Exodus in die Einheit. Die Massenflucht aus der DDR 1989. Melle 1990, S. 31.
7 Vgl.: Weber, Hermann: Die DDR 1945-1990 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 20) München 2000,
S. 103.
8 Vgl.: Eine deutsche Revolution. Der Umbruch in der DDR, seine Ursachen und Folgen. Hrsg. v. Gert-Joachim
Glaessner. Frankfurt/M. 1992, S.40.
9 Vgl.: Mayer, Wolfgang: Flucht und Ausreise. Berlin 2003, S. 445.
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Arbeit zitieren:
Udo Krause, 2006, Massenflucht als ein Instrument des Untergangs der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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