Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 2
2 BETTINA IN JUNGEN JAHREN. 4
2.1 Herkunft und Entwicklung 4
2.2 Begegnungen mit Goethe. 10
3 DIE FRAU ACHIM VON ARNIMS 16
3.1 Die Ehe und Mutterschaft 16
3.2 Der Tod Achim von Arnims 20
4 DIE SCHRIFTSTELLERIN 23
4.1 „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“ - Ihr erstes Buch 23
4.2 Die Vorrednerin des Volkes 26
5 SCHLUSSFOLGERUNGEN UND AUSBLICK AUF MÖGLICHE KÜNFTIGE
FORMEN BIOGRAPHISCHER ARBEITEN ÜBER BETTINA VON ARNIM 31
6 LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS. 35
I
1 Einleitung
Biographien haben immer etwas subjektives an sich. Nie kommt es zu einer gewünschten Objektivität, da jeder Biograph die Person, die er darstellen will, aus seinem Blickwinkel her betrachtet. Immer baut sich ein vom Biographen erdachtes Konstrukt auf, welches ein Bild von der zu beschreibenden Person entwickelt und dem Leser glaubhaft macht, dass die Person genau so war. Oft ist die Konstruktion gesellschaftsabhängig und entspricht den Umständen der Zeit, in der der Autor schreibt. Aufgabe eines Historikers und Ziel dieser Arbeit ist es, entsprechende Biographien zu Bettina von Arnim zu analysieren und zu dekonstruieren, d.h. aufzudecken, wie eine Person in den entsprechenden Biographien dargestellt wird und was dies für sie bedeutet.
Bettina von Arnim, geboren 1785 in Frankfurt am Main als Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, war eine deutsche Schriftstellerin und zudem eine der bedeutendsten Vertreterinnen der deutschen Romantik. Sie selbst nannte sich Bettine, um Verwirrungen mit einigen Buchtiteln auszuschließen. Der Name diente als Kurzform ihres Vornamens Elisabeth. Bettina von Arnim wurde im Ursulinenkloster in Fritzlar erzogen und lebte nach dem Tode ihrer Eltern bei ihrer Großmutter Sophie von La Roche. 1811 heiratete sie den bekannten Schriftsteller Achim von Arnim. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor. Erst nach dem Tod Arnims 1831 begann ihr eigentliches schriftstellerisches Schaffen. Unter anderem korrespondierte sie mit Johann Wolfgang von Goethe, Karoline von Gründerode, ihrem Bruder Clemens Brentano, Philipp Nathusius und Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Diese Schriften gab sie z. T. in bearbeiteter Form heraus. Von Bedeutung ist auch ihr politisches Engagement. So schrieb sie 1843 ein sozialkritisches Werk mit dem Namen „Dieses Buch gehört dem König“, in welchem sie die Missstände der in Berlin grassierenden Cholera beschreibt. Des Weiteren veröffentlichte sie 1852 in Enttäuschung der misslungenen Revolution von 1848 „Gespräche mit einem Dämonen“. Weitere bedeutende Titel sind die „Polenbroschüre“, in der sie die ungerechte preußische Verwaltung der ehemals polnischen Gebiete anprangert und ihr „Armenbuch“, welches der Zensur unterworfen wurde. Auch kümmerte sie sich um die Herausgabe der Werke ihres Mannes. Nach einem Schlaganfall verstarb sie 1859 in Berlin und wurde in Wiepersdorf bestattet. 1
1 Vgl.: Kluckhohn, Paul: s.v. Bettina von Arnim. In: Neue deutsche Biographie. Band 1, Aachen - Behaim.
Hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Berlin 1971,
unveränderter Nachdruck, S. 369 ff.
2
Anhand ausgewählter Lebensabschnitte der Bettina von Arnim sollen Differenzen in dem von ihr gezeichneten Bild aufgezeigt werden. Dabei werden unterschiedliche weibliche und männliche Betrachtungswinkel der Autoren berücksichtigt werden, welche untersucht und miteinander verglichen werden sollen. Diese unterschiedlichen Lebensepochen der Bettina von Arnim sind nicht von willkürlicher Art gewählt, sondern stellen wichtige Einschnitte im Leben der von Arnim dar. Bei der Betrachtung geht es jedoch nicht darum zu fragen, wer Bettina von Arnim war, sondern vielmehr darum, wie sie dargestellt wurde und es bis heute wird.
Die für diese Hausarbeit benutzte Literatur ist von Herman Grimm „Bettina von Arnim“ aus dem Jahre 1880, das zeitnaheste Werk nach dem Tod Bettina von Arnims. Des weiteren Moriz Carriere „Bettina von Arnim“ von 1887 und Karl Hans Strobl ebenfalls mit dem Titel „Bettina von Arnim“ von 1906. Adda von Koenigsegg „Die Frau, die die Romantik selber war. Bettinas Lebensroman“ von 1938. Ingeborg Drewitz „Bettine von Arnim. Romantik, Revolution, Utopie - Eine Biographie“ von 1969, Fritz Böttger „Bettina von Arnim. Ein Leben zwischen Tag und Traum“ von 1986, sowie eine weitere Biographie, verfasst von Michaela Diers „Bettine von Arnim“ von 2001. Wie zu ersehen, ist die gewählte Literatur ein Querschnitt durch 120 Jahre der Biographiehistorie der Bettina von Arnim. Dabei soll zum einen die Beschreibung Ende des 19. Jahrhunderts, sowie Anfang des 20. Jahrhunderts, zum anderen die Sichtweise während des dritten Reiches, sowie die aktuelle Sichtweise zu Bettina von Arnim beleuchtet werden. Sowohl in der Darstellung der Bundesrepublik als auch der Deutschen Demokratischen Republik. Es soll ein Überblick durch verschiedene Epochen gewährleistet werden, um das gezeichnete Bild der Darstellung der Bettina von Arnim umfassend zu analysieren.
Im letzten Teil der Arbeit erfolgt ein Ausblick über mögliche Formen zukünftiger biographischer Darstellungen über das Leben und das Werk Bettina von Arnims. Dieses Kapitel soll schließlich gleichzeitig als ein Fazit bzw. Resümee dienen.
3
2 Bettina in jungen Jahren
In diesem Kapitel soll die Schilderung Bettina von Arnims in den Jahren ihres Werdegangs untersucht werden. Dazu soll zum einen ein Bild über ihre Herkunft und Entwicklung gezogen werden, zum anderen wird die Begegnung mit Goethe untersucht, einem in ihrem jungen Leben einschneidendem Ereignis. Fraglich ist bei der Begegnung mit Goethe, ob die älteren biographischen Darstellungen diesem Ereignis genauso viel Bedeutung zumessen wie einige jüngere Werke dies tun oder ob nicht gar die Bekanntschaft zu Karoline von Gründerode hier als wichtiger dargestellt wird. Zu beantworten sind weiterhin Fragen, z.B. welches Bild die Autoren zu der Entwicklung Bettinas zeichnen und wie sie dargestellt wird.
2.1 Herkunft und Entwicklung
Zunächst fällt die Betrachtung der Bettina von Arnim auf die Jahre ihrer Jugend und ihrer Entwicklung.
Die zeitnah erste Beschreibung der Bettina von Arnim wird durch Herman Grimm geliefert. Dieser schrieb eine Biographieskizze und beschreibt sich selbst als Freund der Familie von Arnim. Er kann sich mit Recht als ein solcher bezeichnen, denn er war der Sohn von Wilhelm Grimm. Die Gebrüder Grimm standen im engen Kontakt zu Bettina. Zudem war er der Schwiegersohn von Bettina. Er beschreibt, dass er sehr viel von Bettina gelernt habe und sie als eine Art Doppelgängerin seiner Mutter ansah. 2 Zur Jugend Bettinas beschreibt er, dass sie ungezwungen aufwuchs, inmitten einer großen Familie und Verwandtschaft. Auch deutet er an, dass sie später gern aus ihrer Kindheit und Jugend erzählte. 3 Weiter beschreibt er, dass sie bis auf ihre letzten Lebensjahre, nie krank war. Sie füllte jeden Moment mit Lebendigkeit aus. Auch soll sie sich überall zu Hause gefühlt haben und war es gewöhnt, viel unterwegs zu sein. „Wir finden sie am Main, am Rhein, in Baiern, Oestreich, Thüringen, immer an jedem Orte von Freunden oder Verwandten umgeben.“ 4
Folgt man dem Autor, so wird Bettinas spätere Stärke gerade durch diese Jahre geprägt, in welchen sie ein sicheres und glückliches Leben erfuhr. Ein Motiv, welches auch durch viele spätere Autoren aufgegriffen wurde. Auch wird sie als Person beschrieben, die an jedem Ort zu Hause sein konnte, nur deckt sich dies nicht mit ihrem späteren Leben. In diesem
2 Vgl.: Grimm, Herman: Bettina von Arnim (=Sonder-Abdruck aus dem Goethe-Jahrbuch, Bd. 1). Berlin 1880,
S. 9.
3 Vgl.:Ebenda, S. 1 f.
4 Ebenda, S. 2.
4
Lebensabschnitt wollte sie nur an einem Ort zu Hause sein, wollte nicht dauerhaft zwischen ihrem Wohnsitz Berlin und dem Gut in Wiepersdorf pendeln.
Moriz Carriere verfasste ebenfalls eine knapp gehaltene Biographieskizze und kannte sie ebenfalls persönlich. Er beschreibt, dass er ein sehr enges Verhältnis zu ihr hatte, hauptsächlich basierend auf kulturellen Austausch. Er selbst beschreibt sich als ein glaubwürdiger Zeuge. Auch distanziert er sich davon, durch die Bekanntschaft zu Bettina einen Nutzen gezogen zu haben. 5 Dabei schildert er anfangs ausführlich ihre Entwicklung in jungen Jahren. Hier wird zum ersten Mal ihre Jugendzeit im Kloster Fritzlar beschrieben, ein Faden, der sich auch durch spätere Biographien ziehen wird. Alles wird als glücklich und heiter beschrieben. Das ist als Motiv der Stärke aufzufassen. In einer glücklich verlebten Kindheit sehen viele Autoren immer wieder ein Indiz für einen späteren gefestigten Charakter. Neben ihren künstlerischen Fähigkeiten bemerkt er, dass sie sich früh der Romantik zuwandte. Schnell wird hier auch wieder ein Bezug zu Goethe festgehalten. So meint Carriere, dass schon früh durch ihren Umgang mit bekannten Zeitgenossen die Fäden geknüpft wurden, welche Bettina zu Goethe führten. 6
Die Schilderungen von Karl Hans Strobel, eine um die Jahrhundertwende verfasste Biographie, beginnt mit der Beschreibung Bettinas Jugendzeit im Kloster Fritzlar. So beschreibt er z.B., dass sie von jedem verwöhnt und gehätschelt wurde und sich das gesamte Kloster ihren Launen unterworfen habe. Der Autor nimmt eine detaillierte Beschreibung der Jahre in Fritzlar vor. So stellt er Bettina als sehr naturverbunden dar. Sie soll den ganzen Tag an der frischen Luft gewesen sein, sich mit dem Bachlauf beschäftigt haben und sich sehr für die Fauna des Klosters interessiert haben. Hier soll sie auch schon früh festgestellt haben, dass sie anders ist als andere: nicht ängstlich, in Harmonie lebend und immer mit der Natur verbunden. Aber auch Strobel kann nicht ohne Goethe auskommen. Er meint, dass die Verehrung der Natur die Grundlage von Goethes Pantheismus ist, nur im Gegensatz zum ruhigen Goethe ist Bettina in der Natur wie ein Wirbelwind. Auch wurden hier im Kloster ihre künstlerischen Fähigkeiten geweckt, von Gitarrespielen, über das Malen bis hin zur weiblichen Hausarbeit, wie er meint. 7
Die Vorgeschichte mit ihrer Geburt und ihrem Elternhaus findet bei Strobl keine Erwähnung. Vielmehr geht er nach der Klosterzeit auf ihren Aufenthalt in Frankfurt am Main ein. Dort beschreibt er den starken Einfluss ihrer Großmutter Sophie von La Roche und ihrem Bruder
5 Vgl.: Carriere, Moriz: Bettina von Arnim. München 1887, S. 83.
6 Vgl.: Ebenda, S. 66.
7 Vgl.: Strobl, Karl-Hans: Bettina von Arnim. Bielefeld/Leipzig 1906, S. 2 ff.
5
Clemens Brentano. Die Großmutter wird hier, im Gegenteil zu vielen späteren Biographien mehr in den Mittelpunkt gerückt. Sie wird als eine große Schriftstellerin gewürdigt, die zudem großen Einfluss auf die Gesellschaft hatte. Jedoch soll das Verhältnis Bettinas zu ihrer Großmutter nicht von Liebe geprägt gewesen sein, sondern eher von Ehrerbietung. Auch beschreibt er den Großvater La Roche, welcher Staatsminister von Kurmainz war. Zwar hatte Bettina diesen nie kennen lernen dürfen, aber diesen nennt er nur, weil er einen Bezug zu Bettina herstellen will. So meint er, dass Bettina ihre Begabung wohl weniger von ihren Eltern, als vielmehr von ihren Großeltern hätte. Von der Großmutter die Begabung zur Schriftstellerei, vom Großvater die der Philosophie. Dieses stellt gleichzeitig aber auch einen Widerspruch dar, denn des Weiteren zählt er zu Bettinas Vorzügen die Mischung von „Germanentum“ und „Romanentum“. 8 Dieses sog. Romanentum konnte aber nur von ihrem Vater stammen, welcher italienische Wurzeln hatte.
Strobel schildert weiterhin eine sehr glückliche Kindheit, eine Jugend, die nicht besser hätte sein können. So erlangte das junge Wesen in der naturverbundenen Umgebung von Fritzlar viel Kraft, um das spätere Leben zu meistern. Dieses Motiv taucht auch bei vielen späteren Autoren auf. Zugleich einwickelte sie in Obhut der Großmutter geistige Fähigkeiten, die sie in ihrer späteren schriftstellerischen Karriere nutzte. Die Liebe, welche sie, wie beschrieben, bei der Großmutter nicht hatte, schien sie bei ihrem Bruder Clemens gefunden zu haben. Dieses Verhältnis wird als innig und liebevoll beschrieben. So kann man konstatieren, dass sie eine Dreiteilung in ihrer Jugend erfuhr, von allen Seiten ein Element bekommen zu haben. Mit Adda von Koenigsegg bekommt eine Autorin aus der Zeit des dritten Reiches das Wort. In ihrem Werk „Die Frau, die die Romantik selber war. Bettinas Lebensroman“ ersieht man schon am Titel eine Wertung. So wird sie auch schon in den einleitenden Worten als die Frau der Romantik beschrieben, die zudem ihrer Zeit weit voraus war. Dieses Werk stellt einen historischen Roman dar, welcher mit Selbstdokumenten und zeitgenössischen Schriften untermauert wird. Bei dieser Arbeit werden die benutzten Quellen nicht direkt genannt, wie es auch bei fast allen übrigen Werken der Fall ist.
Der Roman setzt erst mit der Zeit Bettinas im Kloster Fritzlar ein. Ihr Elternhaus wird als mutterlose Einrichtung beschrieben, es folgt eine nüchternde Schilderung des Vaters. Bettina wird in diesen Jahren als Kind schon mit der Gabe beschrieben, dass sie alle Unruhe bannen konnte. So beruhigte sie laut Koenigsegg immer den aufbrausenden und strengen Vater. Auch soll sie, trotz dessen, dass sie kindlich aussah, etwas an sich gehabt haben, was ganz und gar nicht einem Kind entsprach. Hier kann man festhalten, dass Bettina als kein normales Kind
8 Vgl.: Strobl, Karl-Hans: Bettina von Arnim. Bielefeld/Leipzig 1906, S. 2 ff.
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Arbeit zitieren:
Udo Krause, 2008, Biographienanalyse zu Bettina von Arnim, München, GRIN Verlag GmbH
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