Gliederung
1 EINLEITUNG. 2
2 DIE MITTELDEUTSCHEN VERTRETER DER DEUTSCHEN
FORTSCHRITTSPARTEI. 4
2.1 Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen. 4
2.2 Franz Hermann Schulze-Delitzsch 5
2.3 Hans Victor von Unruh 5
3 DIE DEUTSCHE FORTSCHRITTSPARTEI IN DER QUELLENBETRACHTUNG,
DAS GRÜNDUNGSPROGRAMM VOM 9. JUNI 1861. 7
4 DIE PARTEIENFORSCHUNG ALS ANALYSEANSATZ ZU DEN
VERSCHIEDENEN DARSTELLUNGEN DER GESCHICHTE DER DEUTSCHEN
FORTSCHRITTSPARTEI. 8
4.1 Die Geschichte der Parteienforschung 8
4.2 Der Gegenstand der Parteienforschung 9
4.3 Die Methode der Parteienforschung. 10
5 BEITRAG ZUR PARTEIENFORSCHUNG: DIE DEUTSCHE
FORTSCHRITTSPARTEI IN AUSGEWÄHLTEN DARSTELLUNGEN. 11
5.1 Walter Tornim: Geschichte der deutschen Parteien seit 1848 11
5. 2 Gerhard Eisfeld: Die Entstehung der liberalen Parteien in Deutschland 1858-1870. 13
5. 3 Gustav Seeber: s.v. Deutsche Fortschrittspartei (DFP) 1861 - 1884 16
5. 4 Andreas Biefang: National-preußisch oder deutsch-national? Die Deutsche Fortschrittspartei in
Preu ßen 1861-1867. 18
6 SCHLUSSFOLGERUNGEN UND AUSBLICK 21
7 QUELLE-N UND LITERATURVERZEICHNIS 23
8 ANHANG. 26
1
1 Einleitung
Die Deutsche Fortschrittspartei (DFP) wurde 1861 von liberalen Abgeordneten im preußischen Abgeordnetenhaus als erste deutsche Programmpartei gegründet. Die Mitglieder entstammten dem 1859 von Liberalen und Demokraten gegründeten „Deutschen Nationalverein“. Ziele der Partei waren vor allem die Einigung der deutschen Staaten, eine starke Zentralgewalt in Preußen, eine Volksvertretung, die Verwirklichung des Rechtsstaates, sowie eine Selbstverantwortung der kommunalen Ebenen und eine neue soziale Ordnung. Die DFP war von 1861 bis 1866 die stärkste Fraktion im preußischen Abgeordnetenhaus. Im Jahre 1866, kurz nach der Billigung der Indemnitätsvorlage 1 , brach die Partei allerdings auseinander. Die großbürgerlichen Kräfte bildeten 1867 die Nationalliberale Partei, während sich im Süden aus demokratisch-republikanischen Kräften die Deutsche Volkspartei bildete. Bedeutende Kräfte der Deutschen Fortschrittspartei waren zunächst Leopold Freiherr von Hoverbeck, Franz Leo Benedikt Waldeck und Hans Victor von Unruh, später Eugen Richter. Zu den Mitbegründern zählten Rudolf Virchow und Werner von Siemens. 1884 fusionierte die Partei unter Eugen Richter und Franz August Schenk von Stauffenberg mit der Liberalen Vereinigung, einer linken Abspaltung der Nationalliberalen Partei, zur Deutschen Freisinnigen Partei. 2
Nicht die Geschichte der deutschen Fortschrittspartei soll in dieser Hausarbeit beleuchtet werden, sondern die Darstellung der Partei in einzelnen Werken. Es soll die Absicht verfolgt werden, aufzuzeigen, wie verschieden ein Gegenstand dargestellt werden kann. Der Untersuchungsgegenstand ist allein deshalb interessant, da die Partei, wie erwähnt, die erste moderne deutsche Partei darstellt. Die zu benutzenden literarischen Werke werden neben Monographien und einem Aufsatz auch ein Lexikonartikel sein. Zum besseren Verständnis wird zuerst auf die mitteldeutschen Vertreter der Partei eingegangen. Mitteldeutsch deswegen, da sich so ein regionaler Bezug der Partei herstellen lässt. Dazu zählen Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen, Franz Hermann Schulze-Delitzsch und Hans Victor von Unruh. Die als Grundlage für die Parteiengeschichte der Deutschen Fortschrittspartei relevante Quelle stellt im weiteren Verlauf dieser Arbeit das Gründungsprogramm der Partei vom 9. Juni 1861 dar. Diese Quelle soll betrachtet und analysiert werden.
1 Indemnität = lat. indemnitas: Schadloshaltung
Im September 1866 wurde der Preußischen Regierung nachträglich vom Preußischen Abgeordnetenhaus
Straflosigkeit zugebilligt, diese bezieht sich auf den Preußischen Verfassungskonflikt von 1862.
2 Vgl.: Lösche, Peter: Kleine Geschichte der deutschen Parteien. Stuttgart/Berlin/Köln ² 1994, S. 28 ff.
2
Der benutzte Analyseansatz zur Betrachtung ausgewählter Darstellungen ist die sog. Parteienforschung. Dieses wichtige Instrument wird zum einen in seiner Entwicklung und seinem Gegenstand dargestellt. Zum anderen wird versucht, die einzelnen Methoden dieser Forschungsrichtung genauer zu skizzieren.
Schließlich erfolgt die Betrachtung der einzelnen ausgewählten Darstellungen. Die jeweiligen Beiträge zur Parteienforschung stellen eine Mischung aus Monographien, einem Lexikonartikel und einem Aufsatz dar. Die zu benutzenden Werke sind nicht willkürlicher Art, sondern sind eine Auswahl aus verschiedenen zeitlichen Abständen, sowie verschiedener Autoren der Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik. Ziel ist keine eigene Darstellung einer Partei, sondern der Versuch herauszufinden wie verschieden eine Partei beschrieben werden kann. Dazu gehören eine Analyse, als auch die Bewertung der ausgewählten Literatur.
Die Arbeit mündet abschließend in eine Schlussbetrachtung zu den vorangegangenen Betrachtungen, sowie einem Fazit.
3
2 Die mitteldeutschen Vertreter der Deutschen Fortschrittspartei
2.1 Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen
Der erste zu beschreibende Politiker ist Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen. Dieser wurde am 10. Juli 1824 in Lüneburg geboren. Bennigsen studierte 1842 bis 1845 in Göttingen und Heidelberg Jurisprudenz. Der studierte Jurist trat nach seinem Studium in den hannoverschen Staatsdienst. Diesen verließ Bennigsen jedoch schon bald darauf, weil er in die zweite Kammer des Abgeordnetenhauses in Hannover gewählt wurde und für dieses Mandat nicht von seinem Dienst freigestellt wurde.
Er gehörte zu den Gründern des Deutschen Nationalvereins 3 und stellte gleichzeitig den eigentlichen Leiter dieses Vereines dar. Vor Ausbruch des Deutschen Krieges 1866 versuchte er vergeblich, Hannover vor einem Bündnis mit Österreich zu bewahren. Nach der Annexion Hannovers durch Preußen wurde er in den Norddeutschen Reichstag und das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Bennigsen trat an die Spitze der nationalliberalen Fraktion und hatte von 1873 bis 1879 das Präsidium des Preußischen Abgeordnetenhauses inne. Nach der Reichseinigung 1871 trat er in den Reichstag über und übernahm auch hier die Führung der nationalliberalen Fraktion. Zu seinen Leistungen in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts zählte u.a. die Justizgesetzgebung von 1876. Als sich ab 1879 aus verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Problemen der liberale Block in einen rechten und linken Flügel zu spalten begann, wurde die Machtstellung der Liberalen gebrochen, Bennigsens Lebenswerk somit vernichtet. Er legte als Folge dessen seine gesamten Mandate im Jahre 1883 nieder und kehrte 1887 wieder in die Politik zurück, ohne aber jedoch seiner Partei wieder wesentliche Bedeutung verleihen zu können.
Neben seiner Tätigkeit im Reichstag und Abgeordnetenhaus war Bennigsen gleichzeitig auch als Selbstverwalter in seiner Heimatprovinz tätig. Auch wurde er 1868 von den Provinzialständen zum Landesdirektor gewählt und war darüber hinaus von 1888 bis 1897 Oberpräsident von Hannover. Bennigsen starb am 7. August 1902. 4
3 Der Deutsche Nationalverein war eine parteiähnliche Organisation, welche aus einem Zusammenschluss von
Liberalen und gemäßigten Demokraten 1859 entstand und bis 1867 bestand. Das Ziel des Nationalvereins war
die Schaffung eines liberalen kleindeutschen Staates unter preußischer Führung mit einem Nationalparlament.
4 Vgl.: Herzfeld, Hans: s.v. Karl Wilhelm Rudolf von Bennigsen. In: Neue deutsche Biographie. Band 2, Behaim
- Bürkel. Hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Berlin
1971, unveränderter Nachdruck, S. 50 ff.
4
2.2 Franz Hermann Schulze-Delitzsch
Franz Hermann Schulze-Delitzsch wurde am 29. August 1808 in Delitzsch geboren. Er studierte von 1827 bis 1830 Jura in Halle und Leipzig. Seinen beruflichen Werdegang begann er als Assessor am Kammergericht in Berlin und wurde 1841 Patrimonalrichter in Delitzsch. Im Zuge der Revolution wurde er 1848 in die verfassungsgebende Preußische Nationalversammlung in Berlin gewählt, ab hier führte er seinen Beinahmen „Delitzsch“. Schulze-Delitzsch trat für die deutsche Einigung unter preußischer Führung ein. Wegen der drohenden Auflösung der Nationalversammlung rief er Ende 1848 zur Steuerverweigerung auf und wurde bald darauf vor Gericht gestellt. Zwar wurde er freigesprochen, aber zum Hilfsrichter degradiert, was ihn dazu zwang, seinen Dienst zu quittieren. Aus dieser Not heraus gründete Schulze-Delitzsch 1849/50 Selbsthilfevereine und Genossenschaften. Er sah zudem die Genossenschaften als wichtige Ergänzung zu seinen demokratischen Vorstellungen. Zielgruppe dieser Genossenschaften waren der gewerbliche Mittelstand und die Lohnarbeiterschaft. Jegliche Form von staatlicher Hilfe wurde aus Gründen der politischen Unabhängigkeit abgelehnt.
Auf Grund seiner Entwürfe kam 1867 das preußische Genossenschaftsgesetz zustande, welches auch vom Deutschen Reich übernommen wurde. Seit 1858 beteiligte er sich an der Gründung des Volkswirtschaftlichen Kongresses, des Deutschen Nationalvereins und der Deutschen Fortschrittspartei. Die DFP vertrat er ab 1861 im Preußischen Abgeordnetenhaus und ab 1867 im Deutschen Reichstag. Als Liberaler setze er sich für das Recht der Arbeiter auf eine eigenständige politische Vertretung und gesellschaftlicher Organisationen ein. Auch verlangte er volle Vereins- und Koalitionsfreiheit. Der zentrale Verdienst Schulze-Delitzschs war es, dem gewerblichen Mittelstand durch den Zugang zu Krediten eine Zukunftsperspektive eröffnet zu haben. Für seine Leistungen wurden ihm zahlreiche Ehren und Auszeichnungen zu Teil. Er starb am 29. April 1883 in Potsdam. 5
2.3 Hans Victor von Unruh
Der letzte vorzustellende Vertreter ist Hans Victor von Unruh. Dieser wurde am 28. März 1806 in Tilsit geboren. Unruh studierte zunächst an der Berliner Bauakademie und legte 1828
5 Vgl.: Aldenhoff-Hübinger, Rita: s.v. Franz Hermann Schulze-Delitzsch. In: Neue deutsche Biographie. Band
23, Schinzel - Schwarz. Hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der
Wissenschaften. Berlin 1971, unveränderter Nachdruck, S. 731 f.
5
bei Karl Friedrich Schinkel sein Examen ab. Dann trat er in den preußischen Staatsdienst ein und wurde zunächst 1839 Regierungs- und Baurat in Gumbinnen und 1843 nach Potsdam berufen. 1844 ließ er sich aus dem Staatsdienst beurlauben, um sich dem Eisenbahnbau zu widmen. 1846 siedelte er nach Magdeburg über, wo er die Leitung des Eisenbahnbaus zwischen Magdeburg und Wittenberg übernahm.
1848 wurde Unruh in die Preußische Verfassungsgebende Versammlung mit dem Mandat Magdeburgs gewählt. Er trat als Vertreter des konstitutionellen Staatsmodells englischer Prägung auf. Damit gewann er vor allem das Vertrauen der gemäßigten Liberalen. Er zog in das Berliner Parlament ein, wo er sich zunächst dem linken, später dem rechten Zentrum anschloss. Unruh wurde schließlich zum Präsidenten der Verfassungsgebenden Versammlung gewählt. Er bemühte sich, neue revolutionäre Kämpfe zu verhindern, gleichzeitig hielt er aber an seinen liberal-konstitutionellen Zielen fest. Nach der Abschiebung des Parlaments von Berlin nach Brandenburg rief er zum passiven Widerstand auf. 1849 wurde er erneut mit dem Mandat Magdeburgs in die zweite Kammer des Preußischen Landtages gewählt. Unruh sprach sich des Weiteren gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht aus. In Folge seiner Haltung während der Revolution lehnte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die vorgeschlagene Ernennung Unruhs zum Oberbürgermeister von Magdeburg ab, auch kamen andere berufliche Schikanen auf ihn zu. Unruh ging daraufhin nach Dessau, um sich den politischen Einfluss Preußens zu entziehen. Dort gründete er die Deutsche Continental-Gasgesellschaft und baute in vielen deutschen Städten Gasanstalten.
In die Politik kehrte er als Mitbegründer des Deutschen Nationalvereins und der Deutschen Fortschrittspartei zurück, deren erster Vorsitzender er auch von 1861 bis 1863 war. 1863 zog Unruh wieder mit dem Magdeburger Mandat in das Preußische Abgeordnetenhaus ein. Nach Zusammenbruch der DFP gründete er zusammen mit Bennigsen 1867 die Nationalliberale Partei Deutschlands. 1867 bis 1879 war er Mitglied des Norddeutschen Reichstages und des Deutschen Reichstages. Im Parlament führte er den sog. Hammelsprung 6 ein. Unruh wurde im Rahmen seiner Verdienste Ehrenbürger von Magdeburg und Dessau. Er starb am 4. April 1886 in Dessau. 7
6 Ist die Methode, welche zum Zweck der Verkürzung des Verfahrens die Abgeordneten durch Betreten des
Plenarsaales durch zwei dafür bestimmte Türen mit pro oder contra stimmen. Dies erspart das Verfahren des
Namenaufrufens.
7 Vgl.: Engelmann, Jürgen: s.v. Hans Victor von Unruh. In: Magdeburger Biographisches Lexikon. 19. und 20.
Jahrhundert. Hrsg. von Guido Heinrich und Gunter Schandera. Magdeburg 2002, S. 746 f.
6
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Udo Krause, 2008, Die Darstellung der Deutschen Fortschrittspartei im Diskurs der Parteienforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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