Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1 Das endzeitliche Thema der Parusie 2
1.1 Die Bedeutung der Parusie und ihr Einsatz im Christentum 2
1.2 Die frühchristliche Ikonografie der Parusie 3
2 Die Taufe Christi 5
2.1 Das Sakrament und seine Bedeutung für die frühchristliche Zeit 5
2.2 Das Motiv der Taufe Christi in frühchristlichen Werken 6
3 Die Besonderheit im Apsismosaik von SS. Cosma e Damiano in Rom 9
3.1 Die kompositorische Eingliederung der Parusie in das Bildprogramm 9
3.2 Die Taufe Christi als Verweis auf das endzeitliche Ergebnis 11
Fazit 12
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsnachweis
Abbildungen
Einleitung
Die Bildprogramme in Kirchenapsiden sollen die Kirchengemeinde und Besucher an wichtige Momente der Bibel erinnern und dadurch den Glauben der Christen verstärken. Dabei werden die einzelnen Elemente der Komposition zu wichtigen Anhaltspunkten im Erinnern an die biblischen Stellen und dem Vertiefen der inhaltlichen Zusammenhänge, um auch die Bedeutung der Kernpunkte des Glaubens besonders hervorzuheben und zu verstehen. 1 Das Apsismosaik (Abb. 1) der Kirche SS. Cosma e Damiano in Rom (526-30) weist in der Komposition und Gestaltung ein Motiv auf, welches zunächst in der gesamten Apsis nicht von Bedeutung erscheint: den Fluss Jordan. Obwohl er im Mosaik, welches die 2. Ankunft Christi darstellt, vorläufig keine inhaltliche Aussage hat, kommt die Frage auf, weshalb der Jordan überhaupt als Element aufgenommen und warum er auch noch explizit mit einer Inschrift hervorgehoben wurde, und dies auch noch in einem endzeitlichen Geschehen, das sich auf die Taufe in den entsprechenden biblischen Textpassagen überhaupt nicht bezieht. Meine Fragestellung lautet: Welche Bedeutung hat die Taufe Christi in der Parusie Christi und vor allem ist dies kompositorisch in Verbindung mit endzeitlichen Motiven in frühchristlichen Werken bis 500 n. Chr. ersichtlich?
Ich möchte im Folgenden zeigen, dass die Taufe Christi, welche im Fluss Jordan angedeutet wird, besonders im Parusie-Geschehen eine bedeutende Stellung einnimmt. In der einschlägigen Forschungsliteratur über die frühchristliche Darstellungsweise der Parusie oder der Taufe Christi kommt der Zusammenhang zwischen den beiden Motiven immer etwas zu kurz und wird meist nur am Rande erwähnt 2 , weshalb ich versuchen werde, die wichtigsten Verbindungen und biblischen Textbezüge aufzugreifen und miteinander in Beziehung zu setzen. Deshalb möchte ich folgendermaßen vorgehen. Im ersten Kapitel werde ich die Parusie Christi etwas genauer beleuchten und vor allem auf die verschiedenen Bildmotive bis 500 n. Chr. eingehen. Im zweiten Kapitel liegt mein Schwerpunkt auf der Taufe Christi, deren Ikonografie besonders für das dritte Kapitel entscheidend sein wird. Im letzten Kapitel möchte ich zeigen, inwieweit die Taufe Christi ein Wesensmerkmal der in SS. Cosma e Damiano ausgewiesenen Parusie ist und möchte dies als eine Besonderheit auszeichnen.
1 Über die Verbindung von Apsisprogrammen und Betrachter schreibt ausführlich Gamber, Klaus:
Liturgie und Kirchenbau. Studien zur Geschichte der Meßfeier und des Gotteshauses in der Frühzeit.
Regensburg 1976. S. 10 ff.
2 Als Beispiel dazu dient Ihm, Christa: Die Programme der christlichen Apsismalerei vom 4. Jh. bis
zur Mitte des 8. Jh. Wiesbaden 1960. S. 36 ff.
- 1 -
1 Das endzeitliche Thema der Parusie
1.1 Die Bedeutung der Parusie und ihr Einsatz im Christentum
Der Begriff der Parusie (παρουσία) taucht erstmals bei den antiken Philosophen Platon und Aristoteles auf. Dort bezeichnet er in der Aristotelischen Formenlehre der Metaphysik die „Anwesenheit der Form in der Materie 3 “. Bei Platons Ideenlehre wird dies noch in erweiterter Form als „Gegenwart oder Anwesenheit oder Erscheinung der Idee in den immer entstehenden und vergehenden Dingen“ 4 angesehen. Beide Ansichten jedenfalls beziehen sich auf eine Existenz in der Gegenwart, welche sich aus einem vorigen Zustand heraus entwickelt und diesen ergänzt. Was hier in einer philosophischen Gedankenwelt erzeugt wurde, wird daraufhin bei den frühen Kirchenvätern aufgegriffen und im theologischen Sinne eingesetzt. 5 So ist im Neuen Testament an zwei wichtigen Stellen von der „Anwesenheit“ die Rede. Zum Einen bezieht sie sich auf die „Fleischwerdung des Wortes“ und zum Anderen auf die „Wiederkunft Christi“. Diese beiden Momente sind die sogenannte erste und zweite Ankunft Christi. 6 Ein Zeugnis aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. bei Justin, dem Märtyrer, weist diese zweimalige „Anwesenheit 7 “ auf:
„Denn eine zweimalige Anwesenheit (παρουσία) Christi verkündigten die Propheten im Voraus, die Eine, welche schon geschehen ist, als eines ungeehrten
leidenden Menschen, und die zweite, wenn verkündigt ist, dass er in Glorie aus dem Himmel mit seinem Heere von Engeln herabkommen wird, wann er auch die Leiber aller gewesenen Menschen wiedererwecken wird “. 8
Die erste Parusie, in welcher der λόγος in Menschengestalt verkörpert wird, ist die Geburt Christi. Viel populärer allerdings als Parusie gedeutet, und nur darauf werde ich im Folgenden eingehen, ist der secundus adventus, die 2. Ankunft Christi.
3 Zitiert nach Teichmüller, Gustav: Geschichte des Begriffs der Parusie. In: Aristotelische
Forschungen. Bd. III. Halle 1873. S. 6.
4 Zitiert nach Gustav Teichmüller: Geschichte der Parusie, S. 9.
5 Eine ausführliche Erläuterung der Zusammenhänge von παρουσία und anderen wichtigen Begriffen
wie ἐντελέχεια und ἐνέργεια bei den antiken Philosophen bietet Gustav Teichmüller im ersten Kapitel
dieses Bandes.
6 Gemäß Ebd., S. 26ff.
7 Eine gute Auflistung und Zusammenfassung der ersten Kirchenväter bietet das Buch von Carroll,
John T.: The return of Jesus in Early Christianity. Massachusetts 2000. Der Verweis auf den
Märtyrer Justin zur doppelten Parusie ist auf S. 156 belegt.
8 Zitiert nach Gustav Teichmüller: Geschichte der Parusie, S. 67f. Gemäß einer deutschen
Übersetzung aus dem Griechischen der Justini apolog. I 52. (Patrolog. Ser. Graec. Tom. VI. Migne p
404.)
- 2 -
Über die Wiederkunft Christi wird in allen Teilen des Neuen Testaments berichtet: „in den 4 Evangelien (Lk 21,27; Mt 24/25; Mk 13; Joh 21/22) und in der Apostelgeschichte, in den Briefen (Paulus/Thess im 1. & 2. Brief) und in der Apokalypse des Johannes.“ 9 So ist allgemein zu sagen, dass der „Parusie“-Gedanke als Erlösung der Menschheit und der Welt Ziel und Zweck der Christen ist. Auf diese endzeitliche Erscheinung Gottes hin richtet sich der feste Glaube aller, um in das Paradies zu gelangen.
1.2 Die frühchristliche Ikonografie der Parusie
Die Bilder in frühchristlicher Zeit wurden nicht wie heute analytisch geschaffen und interpretiert, sondern synthetisch 10 . Das bedeutet, dass die Einordnung der Illustrationen in die entsprechenden biblischen Textquellen nicht immer genau fest zu legen ist und dass deshalb immer mehrere Aspekte der Bildmotive berücksichtigt werden müssen. 11 Dies hat zur Folge, dass es keine eindeutige Interpretationsmöglichkeit gibt, sondern mehrere, welche sich allerdings auf ähnliche und häufig vertauschte Textstellen beziehen. Besonders für die Ikonografie der Parusie ist dies ein wichtiger Punkt, da die „Apokalypseinterpretationen“ 12 einen der Kernpunkte im synthetischen Mechanismus bilden.
Die verschiedenen Bildmotive, welche auf den secundus adventus hinweisen, lassen sich auf nur wenige reduzieren. Bereits in den biblischen Textstellen ist die Rede von dem Kommen des Herrn „in den Wolken“ (Apk. 1,7; 14,14; oder Mt 26,64 und Mk 14,62 u.a.). Bei Lk 17,30 wird dies konkreter, wenn er schreibt: „ Genauso wird´s auch an dem Tag gehen, an dem der Menschensohn offenbar wird.“ Das Wort „offenbar werden“, aus dem griech. αποκάλυψεται (apokalyptetai), bedeutet „ent-decken“, „enthüllen“. Das „Enthüllen“ bezieht sich dabei auf das „Herabsteigen vom Himmel“ (1 Thess 4,16) von den Wolken. 13
9 Die Textstellen stammen aus Schroeder, Hans-Werner: Von der Wiederkunft Christi heute.
Verheißung und Erfüllung. Stuttgart 1991. S. 27 ff.
10 Die synthetische Methode ist hier zu verstehen als eine Zusammenstellung oder Verbindung
verschiedener Elemente. Im Gegensatz dazu bezeichnet das analytische Verfahren die Bestimmung
der Einzelelemente aus einem Ganzen oder neu Entstandenen.
11 Die Meinung des synthetischen Verfahrens äußert Josef Engemann in Übereinstimmung mit Yves
Christe in Engemann, Josef: Auf die Parusie Christi hinweisende Darstellungen in der
frühchristlichen Kunst. In: Jahrbuch für Antike und Christentum. Jahrgang 19. Aschendorff 1976. S.
139.
12 Zitiert nach Josef Engemann: Auf die Parusie Christi hinweisende Darstellungen in der
frühchristlichen Kunst. S. 140. - 3 -
13 DieseErklärung befindet sich bei Hans-Werner Schroeder: Von der Wiederkunft Christi heute, S.
81.
Zu den Wolken kommen noch die verschiedenen Apokalypse-Symbole aus Apk 4 und 5, demnach die 4 himmlischen Wesen, der Thron, der Rotulus mit den 7 Siegeln, die 24 Ältesten u.a., Apk 20,11-15 (das Jüngste Gericht) und das Gemmenkreuz (nach Mt 24,30) hinzu. Als früheste bekannte Parusie-Darstellung kann das heute nur noch nach einem Titulus zeichnerisch rekonstruierbare Apsisbild nach Paulinus von Nola in Fundi (Abb. 2 und etwas anders interpretiert Abb. 3) angesehen werden, denn „wir wissen durch diesen Titulus nämlich, dass bereits am Beginn des 5 Jh. eine allegorische Darstellung des Weltgerichtes Thema einer Apsisdarstellung sein konnte.“ 14 In diesem Apsisbild ist Christus als Lamm auf dem Paradiesberg dargestellt, welches sich den Schafen links zu- und den Böcken rechts abwendet. Das Scheiden der Schafe von den Böcken ist biblisch in Mt 25,31/3 belegt, allerdings die Erscheinung Christi als Lamm zum Endgericht nicht. 15 Dies zeigt, wie oben beschrieben, dass es in frühchristlicher Zeit nicht immer zeitlich übereinstimmende Textstellen sein müssen, da die Elemente „vielschichtig und synthetisch“ 16 verarbeitet werden. Das Apsismosaik von S. Pudenziana in Rom (Abb. 4) weist auch ein endzeitliches Kreuz neben den 4 apokalyptischen Wesen im Hintergrund und Christus als Weltenrichter im Zentrum auf, 17 doch ist das Mosaik als Parusie-Darstellung noch allgemein umstritten, weshalb ich darauf nicht näher eingehen werde.
Beeindruckender dagegen sind der Mosaikschmuck im Mausoleum der Galla Placidia (Abb. 5) und das Apsismosaik in S. Apollinare in Classe (Abb. 6), beides in Ravenna. In diesen Mosaiken ist das endzeitliche Kreuz das Wesen der Erscheinung. Es deutet nach Mt 24, 30 als „Zeichen des Menschensohns am Himmel“ das Erscheinen Christi, also die Parusie an. Im Mausoleum ist das Kreuz in einem Sternenmeer mit den 4 apokalyptischen Wesen eingebettet. In S. Apollinare in Classe ist das Kreuz ebenfalls von einer Sternenschar umgeben, allerdings von einem Clipeus umrahmt, das, welches den Himmel und die Paradieslandschaft verbindet. 18 Wie wir bisher gesehen haben, taucht die Taufe Christi und der Jordan bis 500 n. Chr. in keinerlei Parusie-Darstellung auf. Im Folgenden werden wir untersuchen, ob die Parusie eventuell in Tauf-Darstellungen auftritt. Zunächst wenden wir uns allerdings der Bedeutung der Taufe Christi im Christentum zu.
14 Zitiert nach Josef Engemann: Auf die Parusie Christi hinweisende Darstellungen in der
frühchristlichen Kunst, S. 141.
15 Entnommen aus Ebd., S. 142.
16 Zitiert nach Ebd., S. 143.
17 Gemäß Ebd., S. 145 ff.
- 4 -
18 GemäßJosef Engemann: Auf die Parusie Christi hinweisende Darstellungen in der frühchristlichen
Kunst, S. 152 ff.
Arbeit zitieren:
Nicole Hilbig, 2010, Das Motiv der Taufe Christi als Bildinhalt der Parusie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Kunst / Kunstwissenschaft / Kunstgeschichte: Das Motiv der Taufe Christi als Bildinhalt der Parusie ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Kunst / Kunstwissenschaft / Kunstgeschichte: neuer Titel erschienen: Das Motiv der Taufe Christi als Bildinhalt der Parusie
Nicole Hilbig hat einen neuen Text hochgeladen
The Christian Topography of Cosmas, an Egyptian Monk: Translated from ...
Cosmas Indicopleustes, Indicopleustes Cosmas, J. W. McCrindle
ANBETUNG DER MAGIER UND DIE TA
A Schilling
Taufe im Leben der Kirchen / Baptism in the Life of the Churches
Dokumentation eines orthodox-e...
Jochen Kramm, Michael Beintker, Viorel Ionita
0 Kommentare