Inhaltsverzeichnis
Vorwort (S. 3)
1. Die Person des Ritters Lang (S. 4-5)
2. Archive vor dem Reichsdeputationshauptschluss
2.1 Wer war im Besitz von Archiven ? (S. 6-7)
2.2 Warum brauchte man Archive ? (S. 7-8)
2.3 Langs Betätigungsfelder bis zum Reichsdeputationshauptschluss (S. 8-9)
2.3.1 Grenzfestlegungen in Fürstentum Ansbach (S. 10-11)
3. Archive nach dem Reichsdeputationshauptschluss
3.1 Neue Besitzer alter Archive (S. 11-12)
3.2 Langs Aufgaben in der Neuordnung von Archivbeständen (S. 12-13)
4. Politisch-rechtliche Zwecke weichen
geschichtswissenschaftlichen Bedeutungen
4.1 Regionale und dynastische Geschichtsschreibung (S. 14)
4.2 Beginn nationaler Geschichtsschreibung (S. 15-16)
Schlussbemerkung (S. 16)
Literatur - und Quellenverzeichnis (S.17-18)
2
Vorwort
In meiner Arbeit möchte ich den Wandel in der Funktion von Archiven, wie er am Übergang vom 18.Jhdt. zum 19.Jhdt. erkennbar wird, mit der Person des Historikers, Schriftstellers, Juristen und Archivars Ritter Karl Heinrich von Lang verbinden.
Dazu versuche ich die stattgefundene Entwicklung anhand einzelner Teilabschnitte zu veranschaulichen. Im ersten Teil zeichne ich einen chronologischen Lebenslauf des Ritters von Lang, verbunden mit den wichtigsten Stationen seiner beruflichen Laufbahn.
Die wesentlichen Gründe warum es überhaupt zu einem Wandel kam, sind die Mediatisierung und Säkularisierung im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses. Darum werde ich in den folgenden beiden Abschnitten die Funktionen von Archiven vor und nach dem Reichsdeputationshauptschluss erörtern und darstellen, wer überhaupt im Besitz von Archiven war, wozu sie dienten und wie und warum sie neu gegliedert wurden. Diese Fragen will ich zum leichteren Verständnis mit der Person des Ritters von Lang und seiner Tätigkeiten verbinden, wobei mein besonderes Augenmerk auf der Grenzfestlegung im Fürstentum Ansbach liegt, an der Karl Heinrich Ritter von Lang maßgeblich beteiligt war. Im letzten Teil der Arbeit gehe ich auf den mit dem Wechsel der Funktion von Archiven einhergehenden Wandel der Betätigung mit und in den Archiven ein. An die Stelle des politischen und juristischen Zwecks tritt ein neuer Aufgabenbereich für die Geschichtswissenschaft und markiert somit den Beginn von nationaler Geschichtsschreibung.
Beim erstellen meiner Arbeit orientierte ich mich hauptsächlich an zwei Werken die mir quasi als Ausgangspunkt und Basis zu meinen Überlegungen dienten. „Die Memoiren des Karl Heinrich Ritters von Lang“ die 1842 erschienen sind und die Arbeit von Adalbert Raumer „Der Ritter von Lang und seine Memoiren“ aus dem Jahr 1923.
3
1. Die Person des Ritters von Lang
Karl Heinrich Lang wurde am 7. Juli 1764 im kleinen Ort Balgheim bei Nördlingen in der Grafschaft Oettingen als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren. Bedingt durch den frühen Tod des Vaters wuchs Lang in der kleinstaatlich strukturierten Landschaft des Ries auf. Nach seinem juristischen Studium in Altdorf trat Lang, ohne ein Examen abgelegt zu haben, in den Oettinger Dienst, den er als Sekretär des Fürsten Oettingen - Spielberg jedoch nach 3 Jahren wieder verließ, um eine Anstellung in Wien zu suchen. Seine dortigen Tätigkeiten als Privatsekretär des württembergischen Gesandten am Wiener Hof Baron von Bühler und als Hofmeister eines ungarischen Magnaten sagtem ihm nicht besonders zu und er kehrte 1790 zurück nach Oettingen. 1
Nun im Dienst des Grafen Oettingen - Wallerstein kümmerte er sich um die fürstliche Verwaltung und fuhr im Auftrag des Grafen zur Krönung Kaiser Leopolds II nach Frankfurt um von dort zu berichten. Bedingt durch Meinungsverschiedenheiten und dem Ausbleiben seines Gehaltes, kündigte Lang seinen Dienst und besuchte, um seine Kenntnisse in Reichs- und Territorialrecht zu erweitern, die zu dieser Zeit bedeutendste deutsche Universität, Göttingen. Wiederum ohne Abschluss beendete er 1793 seine Ausbildung und wurde dank des Einsatzes Hardenbergs 2 der in den Jahren 1790 bis 1803 als preußischer Ministers für das Fürstentum Ansbach- Bayreuth zuständig war, in den preußischen Staatsdienst erhoben. Schon 1795 erhielt Lang von Hardenberg die Stelle des ersten Archivars in Bayreuth, nahm 1797 am Rastatter Kongress teil und durfte ab 1798 im Kriegs- und Domänenrat in Ansbach die Bearbeitung von
1 Die Memoiren des Karl Heinrich Ritters von Lang, in Bibliotheca Franconica, Faksmile der
Ausgabe von 1842, Teil 1 S. 115-136.
In den Jahren 1788 bis 1790 war Lang bei Baron von Bühler für dessen private Korrespondenz
zuständig und gleichzeitig Angestellter des ungarischen Fabrikbesitzers Imre von Reutel in
dessen Auftrag Lang als Hofmeister zahlreiche Reisen nach Budapest, Amsterdam und Böhmen
machte.
2 Meyers Enzyklopädisches Lexikon, hrsg.: Bibliographisches Institut Mannheim 1978,
Band 5 S. 442.
Karl August von Hardenberg Fürst wurde am 31. Mai 1750 in Essenrode (Hannover) geboren
vollzog die Vereinigung Ansbach-Bayreuths mit Preußen 1791. 1804 wurde er preußischer
Außenminister, 1810 Staatskanzler in Preußen. Sein Bemühen galt den Staat vom Absolutismus
Zum Liberalismus zu führen. 1814/1815 sicherte er auf dem Wiener Kongress Gebietsgewinne
Preußens und galt bis zu seinem Tod am 26 November 1822 als Anhänger des Systems
Metternich.
4
landeshoheitlichen, lehensrechtlichen und geistlichen Anträgen übernehmen. 3 Hierbei zeichnete sich Lang besonders durch seine Kompetenz in den schwierigen Verhandlungen um Territorialabtretungen und Grenzverhandlungen aus.
Nachdem das Fürstentums Ansbach 1803 an Bayern übergegangen war 4 , trat auch Lang in den bayerischen Dienst ein und wurde zunächst als Direktor der Regierungskammer zum leitenden Beamten des neuen Rezatkreises. Als Dank für seine erbrachten Leistungen erhielt Lang 1808 den Zivilverdienstorden Bayerns und durfte sich von nun an Ritter von Lang nennen. 1810 wird Lang zum Leiter des Landesarchivs und des neu gegründeten Reichsarchivs in München ernannt mit der Aufgabe, die durch die Säkularisation hinzugekommenen Archivalien an zentraler Stelle zu sichten und zu ordnen. Den Höhepunkt seiner Beamtenlaufbahn erreichte Lang, als er 1812 zum Vorstand des Reichsheroldamtes befördert wurde. Diese Aufgabe bereitete ihm aber viel Ärger, da er sich mit der konzipierten Verfassung, der Adelsgesetzgebung und der politischen Entwicklung generell nicht mehr identifizieren konnte. 5 Verbittert und gebrochen zog er sich als Regierungsdirektor in seinen Rezatkreis zurück und gab 1815 auch dieses letzte Amt ab.
In den Jahren seiner Pensionierung bis zu seinem Tod am 26. März 1835, beschäftigte sich Lang mit dem Verfassen seiner Memoiren, gründete den Historischen Verein Mittelfrankens 6 und unterhielt enge Kontakte zu namhaften Gelehrten seiner Zeit.
3 Adalbert von Raumer: Der Ritter von Lang und seine Memoiren, München Berlin 1923,
S. 109. Im Kongress zu Rastatt wurde in Anschluss an den Frieden von Campo Formio 1797 die
Abtretung linksrheinischer Gebiete an Frankreich zwischen Österreich und Frankreich
beschlossen. Der Kongress begann im Dezember 1797 und wurde im April 1799 erfolglos
abgebrochen.
4 Franz Tarrasch: der Übergang des Fürstentums Ansbach an Bayern, hrsg.: Historische
Bibliothek, München 1912, S. 13. Schon im April 1801 schlug Montgelas unterstützt durch
Frankreich die Abtretung Ansbachs an Bayern vor. Preußen sollte bayerischen Besitz in
Westfalen erhalten.
5 Memoiren Langs, Faksmile, Teil I, S. 185- 192.
6 Neue Deutsche Biographie, Berlin 1982, Band 13 S. 542. Der von Lang gegründete Verein
hieß ursprünglich Historischer Verein des Rezatkreises und war der erste regionale Geschichts-
verein Bayerns.
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Arbeit zitieren:
Markus Wagner, 2005, Ritter von Lang und der Funktionswandel von Archiven, München, GRIN Verlag GmbH
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