sich Details zu merken. Ist ein Detail so bedeutsam, wie ein Puzzlestück, ohne dass man kein vollkommenes Bild erhält und den Zusammenhang und Inhalt des Bildes nicht erkennen kann oder ist ein Detail unwichtig, vertauschbar, ein fehlendes Stück Fetzen in einem riesigen Ölgemälde?
Liest man Poes Werk „Murders in the Rue Morgue” stellt man schon zu Beginn seines Romanes fest, dass für Poe analytisch sein bedeutet, trotz eines fehlenden Stücks eines Gemäldes, eines fehlenden Fragments, das Gesamtbild zu erkennen und nicht aufgrund des Gesamtbildes zu realisieren, wie das fehlende Stück oder Detail aussieht. Diese Übersicht über die Dinge ist es, die Edgar Allan Poes Romanfigur C. Auguste Dupin zu einem analytischen Genie macht. Trotz der ausführlichen und guten Arbeit der Pariser Polizei an den Morden in der Rue Morgue und den zahlreichen Zeugenaussagen des Geschehens, gelingt es der Polizei nicht, ohne die Hilfe Dupins den Fall zu lösen und den Mörder - mit dem wohl kein Leser hätte rechnen können - zu identifizieren.
Neben Dupin gibt es noch den Ich-Erzähler, der in der Kurzgeschichte nicht von Dupins Seite weicht und uns somit die Möglichkeit gibt, uns in dieses Geschehen hineinzuversetzen. Der Ich-Erzähler, dessen Name unbekannt bleibt und deshalb ein gewisses Interesse weckt, da man sich selbst als den Ich-Erzähler identifizieren kann, ist ein normaler Mensch, so wie wir alle auch. Er besitzt nicht diese Gabe, die Dupin in die Wiegenliege gelegt bekam. Aufgrund Dupins Rationalität und Liebe zum Detail, die bei ihm sehr stark ausgeprägt ist, findet er einen Lösungsweg, während die Anderen im Dunkeln sitzen und überzeugt sind, dass es keine Lösung in diesem Mordfall geben kann. Doch davon lässt er sich nicht abhalten. Nein, es bringt Dupin eher dazu, noch mehr Details zu suchen, um eine Lösung zu finden, um sich und den Anderen zu beweisen, dass er ein Genie ist.
Genau diese Situation bekommt man in der Kurzgeschichte vorgesetzt: Ein abgeschlossenes Zimmer mit einem Kamin, durch den man nicht hätte fliehen können und dennoch wurden in diesem Zimmer Mutter und Tochter ermordet, ohne jegliche Spur des Mörders. Die Polizei, gleichgesetzt mit dem Ich-Erzähler und somit uns, untersucht den Tatort mit einer bestmöglichen Detailtreue und dennoch realisieren sie nicht, dass sie die Fenster nicht kontrolliert haben. Dass die Fenster auch von außen hätten geschlossen werden können, ist für Dupin von Anfang an klar, für uns aber nicht, da wir genauso wie die Polizei nur das Gesamtbild sehen und nicht alle einzelnen Details, wie es Dupin macht. So geschieht es leicht, dass die Polizei und der Ich-Erzähler den Überblick über die wichtigen und unwichtigen Details verlieren. Was aber sind wichtige oder unwichtige Details?
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Dupin erkennt alle Details in seiner Umgebung, seien sie nun wichtig oder unwichtig. Genau das macht ihn aus. Aufgrund seiner Aufmerksamkeit kann er damit den Ich-Erzähler überraschen. Die Details, die für uns und den Ich-Erzähler unwichtig sind, wie zum Beispiel der Sohlenflicker, der Fruchthändler oder das Straßenpflaster, veranlassen Dupin jedoch dazu aus der Kette der für uns unwichtigen Details den Gedankenhergang des Ich-Erzählers zu konstruieren. Dieses beeindruckende Talent zeigt noch einmal, wie sehr Dupin den Ruf eines Genies verdient und das auch Details, die für uns unwichtig erscheinen, für ihn jedoch von Bedeutung sind. Er unterscheidet nicht zwischen unwichtig und wichtig, denn für ihn ist jedes Detail ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Ziel. Poe erwähnt in der Kurzgeschichte beispielsweise einen Blitzableiter. Für uns spielt dieses Detail keine wirkliche Rolle. Obwohl wir lesen, dass dieser Blitzableiter existiert, ist er für unsere Phantasie eine unwichtige Information. Für ihn jedoch ist es ein wichtiger Teil seiner Aufklärung. Dupin ist, trotz des unmöglichen Flüchtens des Mörders aus dem verschlossenen Raum, von Anfang an davon überzeugt, dass sich die beiden Frauen nicht selbst oder gegenseitig umgebracht haben können. Warum ? Weil er selbst die kleinsten Details erkennt: Er erkennt, dass die Frauen sich selbst solche Wunden nicht angetan haben konnten und auch wenn der Mörder ein Geist zu sein scheint, der durch Wände gehen kann, verliert er nicht sein Ziel aus dem Auge und versucht weiter den Mörder ausfindig zu machen.
Stellt sich nun die Frage nach der Rolle der Details in Poes Kurzgeschichte. Es ist nicht zu übersehen, dass Poe eine Fülle von Details verwendet und diese Details die Geschichte ausmachen. Meiner Meinung nach spielen die Details in Poes Kurzgeschichte verschiedene Rollen.
Sie verdeutlichen uns zunächst die Brutalität der Morde und lassen uns realisieren, dass der Mörder skrupellos sein muss, um zwei Frauen so etwas antun zu können und genauso lässt es uns auch verstehen oder akzeptieren, dass die Frauen sich solche Brutalität nicht selbst antun konnten. Die genaue Darstellung der Umgebungen, in denen sich der Ich-Erzähler und Dupin befinden, hilft dem Leser sich in die fiktive Realität hineinversetzen zu können. Durch die sehr ausführliche Darstellung des Tatortes bekommt man das Gefühl mit den Augen Dupins zu sehen, das zu sehen, was er sieht, so zu denken, wie er denkt. Man verliert sich dadurch in der fiktiven Welt und hat das Bedürfnis vor Dupin oder den Polizisten den Mordfall zu lösen. Dadurch, dass Dupin den Tatort analysiert, und nicht der Ich-Erzähler, bekommen wir alle Details des Mordes und seiner Umgebung und können nun, mit dem Wissensstand Dupins, den Fall möglicherweise lösen, bevor Dupin es getan hätte, da er uns alle wichtigen und sogar unwichtigen Details preisgibt. Die Details haben also auch die wichtige Rolle uns die Chance
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Arbeit zitieren:
Susanne Hahn, 2007, Zu "Murders in the Rue Morgue" von Edgar Allan Poe , München, GRIN Verlag GmbH
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