1. Einleitung
Wie ist die Hölle zu deuten und existiert sie wirklich?
Um die Höllenbedeutung im Christentum richtig einordnen zu können, gebe ich zu Beginn meiner Hausarbeit eine kurze Einführung in den Begriff „Eschatologie“. Im Anschluss verweise ich in Kapitel 3 auf den religionsgeschichtlichen Verlauf der unterschiedlichen Deutungen der Hölle und stelle neben der Sichtweise der Katholischen Kirche die Positionen von Ludwig Ott, Leonardo Boff und Hans Urs von Balthasar dar. Hierdurch wird bereits deutlich werden, dass es auch Theologen gibt, die das Dogma zur Existenz der Hölle nicht einfach akzeptieren, sondern durchaus andere Ansichten vertreten. Im zweiten Teil meiner Hausarbeit beginne ich mit Angaben zur Biografie Drewermanns. Im
5. Kapitel werde ich dann einen Überblick über die für ihn wichtigen Aspekte der Psychoanalyse und über seine theologische Position geben. Mit Hilfe der theologischen Hermeneutik von Drewermann versuche ich am Ende meiner Arbeit, aus seiner Sicht eine Antwort auf die Frage nach der Deutung und Existenz der Hölle zu finden.
2. Einführung in die Eschatologie
„Unter dem Begriff Eschatologie werden alle diejenigen Anschauungen und Glaubensvorstellungen zusammengefaßt, die die ‚letzten Dinge‘ […] zum Gegenstand haben.“ 1 Diese Glaubensvorstellungen betreffen „das Geschick des einzelnen […] [und; D.P.] das der ganzen Menschheit oder der gesamten Welt“ 2 , weswegen man den Begriff Eschatologie in Individualeschatologie und Universaleschatologie unterteilt. 3 In der Individualeschatologie wird der „Mensch[…] als […] Freiheitswesen“ 4 betrachtet, welches die Freiheit hat, sich gegen oder für Gott zu entscheiden. 5 Er hat also die Wahl zwischen einer endgültigen „Selbstverschließung gegen ihn zur brennenden Finsternis ewigen Gottlosigkeit“ 6 , was als Hölle bezeichnet wird, und ewiger Liebe und Nähe Gottes, die einem im Himmel widerfährt. Jedoch sind „Himmel und Hölle nicht als gleichrangige Aussagen der
1 H. WIßMANN, Art. Eschatologie, 254.
2 Ebd., 254f.
3 Vgl. ebd., 255.
4 K. RAHNER, Grundkurs, 417.
5 Vgl. hierzu und zum Folgenden: ebd., 418-426.
6 Ebd., 423.
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christlichen Eschatologie zu betrachten“ 7 , weil „die Hoffnung auf den Himmel den absoluten Vorrang vor aller Höllenangst“ 8 hat.
Die Universaleschatologie verweist hingegen darauf „, daß die Welt-, Geistes-, Heils- und Unheilsgeschichte als ganze eine einbahnige, zu einer Endgültigkeit kommende Geschichte […] ist“ 9 , in der „Gott selbst […] die absolute Zukunft“ 10 ist. Biblisch betrachtet ergibt sich der Begriff Eschatologie im Alten Testament aus der Apokalyptik und der Prophetie. 11 Im Neuen Testament „wird er durch die Reich- Gottes-Botschaft Jesu […] u. die urchr. Verkündigung seines Todes, seiner Auferweckung u. seiner Wiederkunft […] gefüllt.“ 12
3. Zur Existenz der Hölle
Die Hölle, von der Jesus im Neuen Testament gesprochen hat, soll ein Ort tief unten in der Erde sein. 13 Doch diese Erkenntnis ist bis heute umstritten, so dass es Christen gibt und gab, die durchaus die Meinung vertreten, dass die Hölle gar nicht existiert oder nur als ein Zustand gedeutet werden darf. 14
Der Scholastiker Thomas von Aquin, der als „Kirchenlehrer der katholischen Kirche“ 15 bezeichnet wird, übernahm die Ansichten aus früherer Zeit und sah die Hölle als einen Ort „in der Erdmitte […] [, an dem sich eine; D.P.] große Zahl der Verdammten“ 16 befindet. 17 Hierbei wird jener Mensch als böse bezeichnet, der sich aus seinem eigenen, freien Willen weigert, „sein ‚letztes Ziel‘ [zu; D.P.] erkennen und sich ihm ‚vollkommen‘ zu[zu; D.P.]wenden“ 18 . Die Strafe, die die Verdammten, deren Entscheidungswille mit dem Tod beendet worden ist, 19 dort erleiden, richtet sich im Härtegrad an der Größe ihrer Schuld, die Dauer hingegen wird nach der Schwere der Schuld bemessen und nicht nach ihrer Dauer. 20 Weil Thomas von Aquin der
7 Ebd., 418.
8 G. GRESHAKE, Art. Eschatologie, 875.
9 K. RAHNER, Grundkurs, 427.
10 Ebd., 428.
11 Vgl. G. GRESHAKE, Art. Eschatologie, 859.
12 Ebd.
13 Vgl. H. VORGRIMLER, Geschichte der Hölle, 29f.
14 Vgl. M. KEHL, Nach dem Ende, 143.
15 H. VORGRIMLER, Geschichte der Hölle, 200.
16 Ebd., 202.
17 Vgl. ebd., 207.
18 Ebd., 205.
19 Vgl. ebd.
20 Vgl. ebd., 206.
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Ansicht war, dass Feuer die größten Schmerzen verursacht, wurde „jede heftige Pein [so; D.P.] bezeichnet“ 21 , die die Ordnung wieder herstellen sollte, die Gott gewollt hat. 22 In der nachfolgenden Zeit „änderte sich die Höllenlehre […] nicht wesentlich“ 23 und erst mit Beginn der Aufklärung konnten andere Ansichten über die Hölle frei geäußert werden, ohne dass man dafür direkt hingerichtet wurde. 24
Im Jahr 1566 erschien im Anschluss an das Konzil von Trient der „Catechismus Romanus“ in dem unter anderem steht, dass der „Ausdruck ‚Hölle‘ […] jenen verborgenen Aufenthaltsort für die Seelen, die nicht in den Besitz der himmlischen Seligkeit gelangt sind“ 25 , bezeichnet. Diese erleiden dort zwei verschiedene Strafen: einmal die des Verlustes, weil die sogenannten Verworfenen Gott nicht mehr schauen, und die Strafe der Sinne, welche durch das Feuer in der Hölle hervorgerufen wird. 26 Auf diese „poena damni“, welche alle erleiden, und die „poena sensus“, welche bei jedem unterschiedlich ausfällt, kommt auch Kardinal Gasparri in seinem 1930 erschienen Werk „Catechismus catholicus“ zu sprechen. 27
Die „lange christliche Tradition“ 28 besagt also „, daß es die Hölle tatsächlich gibt und - aus Gründen der Gerechtigkeit - auch geben muß.“ 29 Wir sind als freie Wesen geschaffen worden und haben somit auch die freie Wahl zwischen einem Nein und einem Ja zu Gott. 30 „In der Lehre von der Hölle halten wir [also; D.P.] die Möglichkeit einer Verlorenheit endgültiger Art für jeden einzelnen […] aufrecht, weil sonst die Ernsthaftigkeit einer freien Geschichte nicht mehr bestünde“ 31 schreibt Karl Rahner in seinem Grundkurs des Glaubens und Medard Kehl bezeichnet die Hölle als „die Möglichkeit […] sich den Sinn seines Lebens und damit auch seiner Vollendung nicht durch Gottes und der Menschen Liebe schenken zu lassen, sondern […] allein durch sich selbst zu erlangen.“ 32
Aber dennoch gibt es genügend Vertreter der „Allversöhnung“, die die Meinung vertreten, dass es diese Hölle aufgrund der „unendlichen Liebe Gottes […] [und aufgrund der Tatsache; D.P.], daß Gottes allumfassender Heilswille nicht zum Ziel kommt und […] scheitert,“ 33 nicht gibt.
21 Ebd., 201.
22 Vgl. ebd., 207.
23 Ebd.
24 Vgl. ebd., 233.
25 Ebd., 245.
26 Vgl. ebd., 246.
27 Vgl. ebd., 304f.
28 M. KEHL, Nach dem Ende, 143.
29 Ebd.
30 Vgl. ebd., 149.
31 K. RAHNER, Grundkurs, 426.
32 M. KEHL, Nach dem Ende, 151.
33 Ebd., 143.
5
Existiert die christliche Hölle also tatsächlich oder nicht? Auf diese Frage wissen die meisten keine sichere Antwort und so gibt es durchaus auch Vertreter der These, dass aufgrund der Liebe Gottes die Hölle leer ist.
Auf jeden Fall sollte man sich jedoch von der Vorstellung lösen, dass die Hölle eine gleichrangige Alternative zum Himmel ist, 34 da das Ziel nur der „Himmel als endgültiges Ankommen aller noch so verworrenen Lebenswege im Leben Gottes“ 35 sein kann. Die Hölle hingegen, die es nach Kehl durchaus geben kann, ist der Zustand derer, die sich gegen Gottes Liebe entscheiden und sich dadurch selbst die Hölle schaffen.
3.1 Bestätigung des Dogmas: Ludwig Ott
Der Theologe Ludwig Ott kommt am Ende seines Werkes „Grundriss der katholischen Dogmatik“ auf die Eschatologie und somit auf die Hölle zu sprechen. Zu Beginn nennt er den Glaubenssatz, der die Existenz der Hölle beinhaltet und den man glauben muss: „Die Seelen derer, die im Zustand der persönlichen schweren Sünde sterben, gehen in die Hölle ein. [im Original fett gedruckt] De fide.“ 36 Wie Thomas von Aquin und andere frühere Theologen sieht Ott die Hölle als einen Ort, an dem sich die Sünder nach dem Tod aufhalten werden, und als deren Zustand, der alle Ewigkeit andauert. 37 Diese Ewigkeit als eine Eigenschaft der Hölle ist ebenfalls als ein unbedingt zu glaubendes Dogma formuliert worden: „Die Höllenstrafe dauert in alle Ewigkeit. [im Original fett gedruckt]“ 38 Dieses Dogma wird zum einen durch die Hl. Schrift bestätigt, in der unter anderem das Feuer [Vgl. Mt 18,8], das Verderben [Vgl. 2 Thess 1,9], der Spott [Vgl. Weish 4,19] und die Strafe [Vgl. Mt 25,46] als ewig andauernd bezeichnet werden. Zum anderen wird es aber auch durch die Glaubensväter vor Origines sowie Augustinus bezeugt, die die Offenbarungslehre als Grundlage benutzten. Aus ihr lässt sich schließen, dass die Sünder, die von Gott keine Gnade mehr erhalten, „für eine wahre Reue unzugänglich“ 39 sind.
Um seine Ansicht von der Existenz der Hölle zu bestärken, verweist Ott auf verschiedene Bibelstellen. So steht zum Beispiel im Evangelium nach Matthäus im Bezug auf das Töten: „Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.“ [Mt 5,22] und an anderer Stelle wird zum Ehebruch gesagt: „Denn es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verloren geht, als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“ [Mt 5,29] Auch die
34 Vgl. hierzu und zum Folgenden: ebd., 145f.
35 Ebd., 145.
36 L. OTT, Grundriss, 571.
37 Vgl. ebd.
38 Ebd., 573.
39 Ebd., 574.
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Arbeit zitieren:
Daniela Poloczek, 2006, Deutung und Existenz der Hölle bei Eugen Drewermann, München, GRIN Verlag GmbH
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