Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Buch Dtn 3
2.1 Entstehung 3
2.2 Einordnung und Abgrenzung im Alten Testament 5
2.2.1 Das Buch Dtn im Pentateuch 5
2.2.2 Das Buch Dtn im DtrG 6
2.3 Inhalt und Gliederung 7
3. Kriterien für eine „Große Gestalt“ 8
3.1 Schreibstil 8
3.2 Parallelen 9
3.2.1 Innerbiblische Parallelen 9
3.2.2 Außerbiblische Parallelen 10
3.3 Große Gestalten innerhalb des Dtn 11
3.3.1 YHWH 11
3.3.2 Abraham - Isaak - Jakob 11
3.3.3 Mose 13
3.4 Theologie 14
3.5 Wirkungsgeschichte 15
3.5.1 Unmittelbare Wirkungsgeschichte 15
3.5.2 Wirkungsgeschichte im Judentum 16
3.5.3 Wirkungsgeschichte im Christentum 17
3.5.4 Auswirkungen auf Kultur und tägliches Leben 18
4. Fazit 19
5. Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
Kann man ein Buch als eine große Gestalt bezeichnen?
Die Antwort auf diese Frage hängt alleine vom Verständnis des Begriffs „Gestalt“ ab. Versteht man ihn wie im Hauptseminar „Große Gestalten im Alten Testament“ als Bezeichnung für eine erfundene Figur oder eine nicht näher bezeichnete Person, so lässt sich der Begriff selbstverständlich nicht auf ein Buch anwenden. Versteht man ihn jedoch als Bezeichnung für ein äußeres Erscheinungsbild oder im Sinne von „einer Sache Gestalt geben“ und „Gestalt annehmen“, so lässt sich durchaus überprüfen, ob in einem Buch ein Anliegen deutlich erkennbar gemacht wird.
Im Folgenden soll nun also der Frage nachgegangen werden, ob das Dtn eine große Gestalt im Alten Testament einnimmt. Hierzu werden zunächst einige Informationen zur Entstehung, Einordnung und zum Inhalt des Buches gegeben. Nach der Analyse des Schreibstils, der Parallelen in anderen Werken, dem Auftreten großer Gestalten wie YHWH und Mose und der Herausarbeitung der Wirkungsgeschichte soll am Ende dieser Arbeit feststellbar sein, ob das Dtn als eine große Gestalt bezeichnet werden kann.
2. Das Buch Dtn
Die in der griechischen Bibelübersetzung verwendete Überschrift ∆ευτερονόµιον - „das zweite Gesetz“ für das 5. Buch Mose, welche den Inhalt des Buches beschreibt, hat sich im Christentum durchgesetzt, während im Hebräischen das Buch gemäß seiner Anfangsworte ~yrbd - „Worte“ (vgl. Dtn 1,1) genannt wird. 1
2.1 Entstehung
So leicht wie die Namensgebung des Buches nachzuvollziehen ist, ist die Entstehungsgeschichte des Buches, welches für eine Phase des Übergangs von einer vorzu einer nachexilischen Religion steht, jedoch nicht geklärt. Anhand von verschiedenen Unterscheidungskriterien wie dem Numeruswechsel, den Voraussetzungen, theologischen Schlüsselbegriffen und den verschiedenen Gesetzesformen versucht man, die Entstehung des Dtn nachvollziehen zu können. Wie die restlichen Bücher des Pentateuchs dürfte auch das Dtn „Ergebnis eines jahrhundertelangen Wachstumsprozesses […] [sein; D.P.], eine
1 Vgl. E. ZENGER, Einleitung in das AT, 62.
3
Verschmelzung verschiedener Quellen und Traditionen, die zunächst mündlich überliefert und erst später niedergeschrieben wurden.“ 2 In einer ersten Phase spricht man von dem UrDtn, welches wohl als eigenständiges Buch unter der Bezeichnung „Tora“ existiert hat. Es umfasst die Kapitel 6.12-28 ohne die narrativen und paränetischen Texte und ist vornehmlich an der 2. Person Singular erkennbar. 3 In einer anschließenden zweiten Phase wurde das UrDtn in enger Nachahmung deuteronomistisch überarbeitet und in mehreren Schichten um die Kapitel 1-4 und 29-32 erweitert. Dieser Redaktionsprozess ist an der Verwendung der 2. Person Plural erkennbar und bildet den Ausgangspunkt des DtrG. In einer abschließenden dritten Phase wurde das Dtn vermutlich hinsichtlich der Rechtmaterialien dekalogisch strukturiert. Durch die Erweiterung eines wahrscheinlich priesterschriftlichen Berichts über den Tod des Mose in Dtn 34,1.7-9 werden zugleich der Höhepunkt und das Ende des Dtn, aber auch des ganzen Pentateuchs, markiert. Aufgrund von 2 Kön 22-23 lässt sich die Entstehung des UrDtn mit einiger Sicherheit festlegen. 4 In den beiden Kapiteln wird von dem in Juda regierenden König Joschija berichtet, dessen Hohepriester Hilkija bei Renovierungsarbeiten im Tempel ein Gesetzbuch gefunden hat. Die anschließende religiöse Reform, die von Joschija 622 v. Chr. durchgeführt wurde, weist Parallelen zu Gesetzen auf, die nur im Dtn enthalten sind, so dass man davon ausgeht, dass es sich bei dem gefundenen Buch, welches „wohl noch als Jahwerede stilisiert“ 5 war, um eine Grundform des Dtn handelt. Später wurde dem Dtn eine mosaische Funktion zugeschrieben, indem Mose, der die Gesetze an das Volk weitergibt, das göttliche Ich beerbt und das Dtn in der Folge zur Gründungsurkunde Israels wird.
Über die Verfasser des Dtn herrscht jedoch weiterhin Unklarheit. So vermutet Plaut die anfängliche Entstehung im Norden aufgrund der „Nähe zur Tradition der Quelle E“ 6 , während Otto die Ansicht vertritt, dass das Buch von Schriftgelehrten des Priesteramtes verfasst worden sein muss, da der König, Mose und JHWH als Schreiber charakterisiert werden. 7 Verschiedene Kriterien wie die Sprache veranlassen Braulik dazu, davon auszugehen, „dass die Verfasser des Dtn in den literarisch wie theologisch und juristisch kompetenten Kreisen der Jerusalemer Führungselite zu suchen sind.“ 8
2 W. G. PLAUT, ~yrbd, 26.
3 Vgl. hierzu und zum Folgenden: J. C. GERTZ, Grundinformation AT, 246-251 und E. ZENGER, a.a.O., 140-146.
4 Vgl. hierzu und zum Folgenden: W. G. PLAUT, a.a.O.
5 G. BRAULIK, Deuteronomium, 12.
6 W. G. PLAUT, a.a.O., 27.
7 Vgl. J. TASCHNER, Mosereden, 6.
8 E. ZENGER, a.a.O., 142.
4
2.2 Einordnung und Abgrenzung im Alten Testament
Das Dtn, welches sowohl für ein das Bundesbuch überbietendes Gesetzbuch, als auch für eine Predigt zur Übernahme von Verantwortung und eine Liturgie zur Feier des Bundes, aber auch für eine Beschreibung der Ablösung von der Oberherrschaft und Hinwendung zu Gott gehalten worden ist, steht im christlichen Kanon an fünfter Stelle des Alten Testaments und nimmt eine Doppelfunktion ein. 9 Zum einen bildet es den Abschluss des Pentateuchs, der fünf Bücher Mose, und zum anderen leitet das Dtn mit der Situation kurz vor der Landnahme gleichzeitig in die Darstellung der Geschichte Israels ein und ist somit Teil des DtrG Jos - 2 Kön. Es gibt nach Schmid aber auch Indizien dafür, dass das Dtn in einem gewachsenen Erzählzusammenhang des ganzen Enneateuchs steht, da sowohl die Sprache als auch die Sachzusammenhänge nicht undifferenziert als deuteronomistisch oder undeuteronomistisch charakterisiert werden können. 10 Zudem gilt der Dekalog als Maßstab literarischer Verbindungen, weswegen davon auszugehen ist, dass das Dtn nach seiner selbständigen Entstehung von einer Redaktion bewusst an den Kontext der vorderen und hinteren Bücher angepasst worden ist.
2.2.1 Das Buch Dtn im Pentateuch
Der Pentateuch, dessen Leitthema die Landverheißung als Eid an die Väter ist, ist chiastisch aufgebaut, so dass die Bücher Gen und Dtn, in denen Weisungen für das Leben im zuvor verheißenen Land sowie der Auftrag zum Gehen gegeben werden, den äußeren Rahmen bilden. Im inneren Rahmen weisen die Bücher Ex und Num zahlreiche parallel erzählte Geschichten auf und im theologischen Zentrum der Komposition befindet sich das Sühne und Versöhnung thematisierende Buch Lev, in welchem Israels Status als das heilige Volk, dem YHWH sich zugewendet hat, begründet wird. 11 Zielpunkt ist jedoch das später zum Tetrateuch hinzugefügte Dtn als Tora in der Tora, durch das der Erzählbogen von der Schöpfung über die Entstehung des israelitischen Volkes bis zum Moment vor der Landnahme vervollständigt wird. Erst durch die komplette Lektüre der fünf Bücher wird die Tora für den Leser verständlich.
Bei der Betrachtung des Dtn im Kontext des Pentateuchs liegt ein besonderes Augenmerk auf den Entstehungsvoraussetzungen. Neben dem ethischen, den Willen Gottes formulierenden, Dekalog und dem kultischen Dekalog in Ex 34,10-26, aus dem die Zentralisationsgesetze hervorgehen, sowie der Pentateucherzählung vom Exodus über den
9 Vgl. W. G. PLAUT, a.a.O., 33.
10 Vgl. hierzu und zum Folgenden: E. OTTO, Das Deuteronomium, 195-197, 209.
11 Vgl. E. ZENGER, a.a.O., 62.
5
Sinai bis zur Wüstenwanderung bezieht sich das Dtn vor allem auf das Bundesbuch in Ex 20,22-23,33. 12 Jedoch weist das Dtn neben vielen Parallelen zu diesem ältesten Gesetzeskorpus auch einige Differenzen auf (vgl. z.B. Ex 21,2-6 und Dtn 15,12-18), die nach Otto darauf hindeuten, dass mit dem Dtn eine „Reformulierung des Bundesbuches unter der Leitidee der Kultzentralisation“ 13 vorliegt. Bei dem im Dtn überlieferten Gesetzesmaterial scheint es sich demzufolge um die an die neuen Bedürfnisse angepassten, ausformulierten und ausgelegten Gesetze zu handeln, die YHWH Mose zuvor am Gottesberg mitgeteilt hatte, die dieser jedoch erst jetzt in seiner Abschiedsrede unmittelbar vor seinem Tod an das Volk weitergibt. Statt YHWH ist nun also Mose der Verkünder der Gesetze, womit sich das Dtn von der Darstellung vorausgehender Gesetze unterscheidet, in denen stets YHWH der Sprecher war. 14
Während Schmitt die Ansicht vertritt, dass das Epitaph in Dtn 34,10-12, welches wohl erst in der dritten Phase der Entstehung hinzugefügt worden ist, lediglich zu einer Unterteilung des Enneateuchs in eine vorangehende und in eine noch folgende Geschichte führt, 15 wird der Bericht über den Tod des Mose, der nach Plaut ursprünglich am Ende des Buches Num gestanden hat, mehrheitlich so verstanden, dass er zugleich die Entstehungsgeschichte des Volkes Israel, die Biographie Moses und den gesamten Pentateuch abschließt. 16
2.2.2 Das Buch Dtn im DtrG
Bevor das Dtn jedoch zum Tetrateuch hinzugefügt worden ist, war es weitläufigen Meinungen zufolge Teil eines DtrG Dtn - 2 Kön. Diese Zugehörigkeit wird damit begründet, dass das Dtn als Gründungsurkunde den Maßstab für die darauf folgenden Bücher Jos - 2 Kön gebildet hat und zahlreiche Gemeinsamkeiten mit ihnen aufweist. Diese erstrecken sich „vom Sprachgebrauch über Inhalte wie JHWH-Alleinverehrung und Torabeobachtung, bis zu Vorstellungskomplexen […] und kompositorischen Schemata“ 17 . So befinden sich Parallelstellen zu „weil du tust, was in den Augen des Herrn, deines Gottes, gut und richtig ist.“ (Dtn 12,28) in 1 Kön 11,33.38 und die von YHWH gespendete Ruhe für sein Volk ist sowohl in Dtn 12,9 als auch in Jos 21,44 zu finden. Da aufgrund der Forschungsergebnisse jedoch nicht mehr wie bei der klassischen Entstehungstheorie von Noth davon ausgegangen wird, dass es nur einen
12 Vgl. G. BRAULIK, a.a.O., 10.
13 E. OTTO, a.a.O., 200.
14 Vgl. U. RÜTERSWÖRDEN, Das Buch Deuteronomium, 12.
15 Vgl. E. OTTO, a.a.O., 182.
16 Vgl. W. G. PLAUT, a.a.O., 43.
17 E. ZENGER, a.a.O., 194.
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Arbeit zitieren:
Daniela Poloczek, 2008, Ist das Deuteronomium eine große Gestalt des Alten Testaments?, München, GRIN Verlag GmbH
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