Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung - Persönlicher Bezug 2-4
2 Begriffsdefinitionen 5-7
2.1 Interventionen 5-6
2.2 Störungen im Unterricht S.6-7
3 Empirische Studie zu Unterrichtsnachbesprechungen 8-9
(UNB) in der Lehrerbildung
3.1 Die Unterrichtsnachbesprechung in den Lehrpraktika - 8-9
Eine Nahtstelle von Wissen und Handeln ?
von Jürg Schüpbach (2005)
3.1 Eigene Fragestellung 9
4 Methodische Überlegungen 10-11
4.1 Auswahl und Entwicklung der Erhebungsinstrumente 10
4.1.1 Der Fragebogen 10-11
5 Das Fallbeispiel: Die Sekundarstufe I Zollikofen 12
- eine Partnerschule der PH Bern
5.1 Eckdaten zu unserer Schule 12
5.2 Unterrichtsnachbesprechungen an der Sekundarstufe I 12
Zollikofen
6 Ergebnisse 13-18
6.1 Die Praktikumsart und die Geschlechterverteilung 13
6.2 Die Einschätzung der Praktikumsbetreuung 13
6.3 Verbesserungsvorschläge zur Betreuung der Fachpraktika S.13-14
6.4 Die Thematisierungshäufigkeit von Interventionen in den UNB 14-15
6.5 Der Stellenwert des Themas „Interventionen“ 15
6.6 Der zeitliche Anteil für Interventionen während der UNB 15-16
6.7 Die erbrachte Aufmerksamkeit gegenüber den Interventionen 16
in den UNB
6.8 Vorwiegende Interventionsarten 16
6.9 Häufigkeit der besprochenen Interventionsarten 17
6.10 Die Art der Thematisierung von Interventionen 17
6.11 Die Eignung der Thematisierungsarten für Interventionen 18
7 Fazit 19
8 Abstract 20-21
9 Schlussbemerkungen 22
10 Literaturverzeichnis 23
11 Anhang 24-31
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1 Einleitung - Persönlicher Bezug
Ausgehend von unserer Tätigkeit als Praxislehrkräfte an der Sekundarstufe I Zollikofen (7.-9. Schuljahr Real und Sek) und unseren Literaturrecherchen nach dem Workshop „Interventionen in schwierigen Situationen“ mit Beatrice Sutter, haben wir uns entschlossen als Team das Thema „Interventionen als Gegenstand der Unterrichtsnachbesprechungen im Fachpraktikum an der Sekundarstufe I Zollikofen“ zu bearbeiten.
Daniel Himmelberger unterrichtet an der Sek. I Zollikofen gegenwärtig an einer 9. Realklasse, welche sehr heterogen und multikulturell zusammengesetzt ist. 9 von 20 Schulkindern stammen aus dem arabischen Sprachraum und gehören von ihrer Religionszugehörigkeit dem muslimischen Glauben an. Die Arbeit als Klassenlehrer beinhaltet nebst dem Vermitteln von Fachkompetenz vor allem auch das Erarbeiten einer möglichst entwicklungsfördernder Selbst- und Sozialkompetenz bei den Schülerinnen und Schülern.
Bruno Schnetzer unterrichtet an vier verschiedenen Sekundarschulklassen das Fach Mathematik und arbeitet dort vorwiegend als Fachlehrkraft. Diese Klassen sind etwas homogener zusammengesetzt und Verständigungsschwierigkeiten und Störungen stehen nicht im Vordergrund. Aber auch bei ihm stellt sich immer wieder die Frage, inwiefern die Selbst- und die Sozialkompetenz als unabdingliche Grundlage für einen erfolgreichen Unterricht vorausgesetzt werden können und inwiefern Interventionen im Unterricht angebracht sind, um die Zielsetzungen der Lehrkraft zu erreichen. Hans-Peter Nolting (2002, S. 29) schreibt in der Einleitung zu seinem Werk Störungen in der Schulklasse - ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung: „Das grösste Problem für Lehrerinnen und Lehrer ist gewöhnlich nicht das unterrichten der eigenen Fächer, sondern der Umgang mit der Klasse. Zugleich ist dies aber die Aufgabe, auf die in der Ausbildung am wenigsten vorbereitet wird. So bleibt denn auch der Umgang mit „Störungen“ weitgehend dem persönlichen Temperament und Gutdünken der jeweiligen Lehrkraft überlassen und wird viel zu wenig von professionellen Kenntnissen und Fertigkeiten bestimmt.“
Als Zielsetzung für unsere Arbeit haben wir uns auf die Beantwortung der Frage konzentriert, inwiefern Interventionen aus dem Unterricht des Fachpraktikums während der Unterrichtsnachbesprechungen an der Sekundarstufe I Zollikofen thematisiert und reflektiert werden. Wir wollen aufzeigen, welchen Stellenwert sie dabei einnehmen.
Aufgrund unserer Erfahrung im Unterrichten haben wir über Jahre hinweg festgestellt, dass auch oder gerade in den Fachpraktika Interventionen oft nötig sind, um den Unterricht förderorientiert zu gestalten. Zugleich ist es eine Tatsache, dass bei den Besprechungen mit den Studentinnen und Studenten das Thema Interventionen oft stiefmütterlich behandelt wird und gerne dem Gutdünken und dem persönlichen Unterrichtsstil der einzelnen Lehrkraft überlassen wird. Hier möchten wir ansetzen und unsere Untersuchungen anstellen. Uns interessiert vor allem der Umgang mit Störungen und Widerständen in den Klassen. Bei den Unterrichtsnachbesprechungen der Fachpraktika 1 und 2 stellen wir oft fest, dass der grösste Teil der Zeit für fachliche und methodische Aspekte verwendet wird und Störungen und diesbezügliche Interventionen nur am Rande thematisiert werden. Es gibt offenbar eine gewisse
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Handlungsunsicherheit, jede Lehrkraft reagiert bei ähnlichen Vorfällen unterschiedlich, es existiert kaum ein Konsens und Interventionen werden zwischen den Lehrkräften nur wenig abgesprochen und obliegen dem individuellen Gutdünken. Gewöhnlich ist aber nicht der fachliche Aspekt des Unterrichtens die anspruchsvollste Aufgabe, sondern die Führung und der Umgang mit der Klasse. Hier sehen wir Handlungsbedarf. Wir sind der Meinung, dass diesem Thema bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde.
Jürg Rüedi (2007, S. 19) schreibt in seinem Buch Disziplin in der Schule: „Wie gross die Belastung der Lehrpersonen im Zusammenhang mit Disziplinschwierigkeiten ist, zeigen Untersuchungen aus den verschiedensten Ländern. Schon 1980 bezeichneten Lehrpersonen in den USA den Umgang mit undisziplinierten Kindern als eine der Hauptquellen für ihr Ausbrennen (vgl. BARTH 1997, S. 105). Dass Disziplinschwierigkeiten auch rund zwanzig Jahre später ein belastendes Thema bleiben, zeigt die vom Lehrerverband (1998) durchgeführte schriftliche Befragung. Zwei Drittel der befragten Lehrpersonen gaben an, dass sie nach der Arbeit nicht abschalten können, sondern dass sie von den Disziplinschwierigkeiten in der sogenannten Freizeit begleitet, ja verfolgt werden.“
Die Ergebnisse dieser Befragung werfen viele Fragen auf: Etwa ob die Lehrkräfte heute die Versäumnisse der Gesellschaft gutmachen müssen? - Oder ob sie erzieherische Arbeit leisten müssen, die eigentlich von den Eltern übernommen werden sollte? - Vielleicht werden die Lehrkräfte auch zu wenig unterstützt? - Wie können sich die Lehrkräfte effizient dagegen wehren? - Welche Art von Interventionen können sie im Unterricht einsetzen, damit das Lernklima gut bleibt und die Schwierigkeiten bei der Klassenführung nicht überhand nehmen? Als mögliche Hypothesen haben wir folgende Sätze aufgestellt:
- Interventionen werden im Fachpraktikum nur marginal thematisiert.
- Es herrscht eine grosse Handlungsunsicherheit bezüglich Interventionen im Unterricht.
- Das Interventionsspektrum ist oft auf wenige Massnahmen eingeschränkt.
- Im Studienplan der PHBern werden Interventionen im Zusammenhang mit der Unterrichtsführung / Klassenführung nur am Rande thematisiert. Daraus resultierten folgende Fragestellungen:
- Inwiefern werden Interventionen aus dem Unterricht des Fachpraktikums während der Unterrichtsnachbesprechungen thematisiert und reflektiert?
- Welche Interventionsmöglichkeiten werden von den Praxislehrkräften bzw. Praktikantinnen und Praktikanten angewendet?
- Inwiefern sind „Interventionen“ im Studienplan der PHBern vorgesehen? Aus diesen drei Fragestellungen haben wir schliesslich eine eingrenzende Fragestellung für unsere Arbeit herausdestilliert.
Sie lautet wie folgt: Inwiefern werden Interventionen aus dem Unterricht des Fachpraktikums während der Unterrichtsnachbesprechungen an der Sekundarstufe I Zollikofen thematisiert und reflektiert?
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Als Verfahren zur Datenerhebung haben wir vor allem Problemzentrierte Interviews mit den Praxislehrkräften der Sekundarstufe I Zollikofen eingesetzt. Auch ehemalige Praktikantinnen und Praktikanten kommen dabei zu Wort. Hierbei wurden halbstrukturierte Befragungen unter Zuhilfenahme eines Interviewleitfadens durchgeführt. Die Auswertung der Interviewprotokolle erfolgte mit Hilfe der „Qualitativen Inhaltsanalyse“ nach Mayring (2003).
Zwecks Triangulation verschiedener Zugänge haben wir ergänzend zu den Problemzentrierten Interviews mit den Praxislehrkräften der Sekundarstufe I Zollikofen auch noch Fragebögen an ehemalige Praktikantinnen und Praktikanten eingesetzt. Mit unserer Arbeit zum Thema Interventionen möchten wir einen Beitrag zur Behebung unserer alltäglichen Schwierigkeiten im Umgang mit Störungen in der Klasse leisten und zeigen wie wichtig es ist dieses Thema bei den Unterrichtsnachbesprechungen mit den Studentinnen und Studenten aufzugreifen. Nur wer bewusst mit Störungen im Unterricht umgehen kann und diese richtig einzuschätzen vermag, kann auch entsprechend professionell darauf reagieren und die Interventionen so einsetzen, dass sie dem Unterricht nachhaltig verbessern. Und dies ist von uns aus gesehen ein pädagogisch sinnvolles Ziel: Interventionen nicht als kurzfristige Feuerwehrübung, sondern als überlegte und nachhaltige Massnahmen für einen gut reflektierten Unterricht.
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2 Begriffsdefinitionen
In der Folge befassen wir uns näher mit „Interventionen“ als Thema in Unterrichtsnachbesprechungen (UNB). Es soll daher zuerst eine Begriffsklärung stattfinden, um den Gegenstandsbereich abzustecken.
Zum Thema Interventionen gibt es verschiedene Begriffsdefinitionen, die einerseits im Bildungswesen und andererseits aber auch im völkerrechtlichen Sinne verwendet werden.
Wir beschränken uns in unserer Zertifikatsarbeit auf die Begriffsverwendung im sozialen Bereich, insbesondere im Bildungswesen, wo wir uns im Speziellen für die Interventionen in den Unterrichtsnachbesprechungen (UNB) interessieren.
2.1 Interventionen
Im Wörterbuch für Erziehung und Unterricht von Köck & Ott (1997, S. 338) wird die soziale Intervention wie folgt definiert: „Die soziale Intervention stellt die entsprechende Übertragung des Begriffes auf soziale Kleingebilde wie Kleingruppen, Klassen, Arbeitsteams usw. dar. Vor allem der Erzieher ist von seinem pädagogischen Auftrag her zu sozialen Interventionen legitimiert, es ist aber ebenso seiner pädagogischen Verantwortung anheimgestellt, seine Interventionen auf das notwendige Mindestmass zu beschränken, wenn sein Engagement nicht in Gängelung umschlagen soll. Eine spezielle Bedeutung kommt der sozialen Intervention bei gruppendynamischen Trainingsmethoden und bei psychotherapeutischen Massnahmen zu. Sie bezeichnet hier das weiterführende, klärende Eingreifen und Denkanstösse des Trainers bzw. Psychotherapeuten.“
Eine andere Definition des Begriffs Intervention finden wir im Pädagogik-Lexikon von Reinhold, Pollak und Heim (1999, S. 277). Diese Definition ist in zwei Teile gegliedert, wobei der erste Teil eine wie eine Gebrauchsanweisung klingt, wie eine Intervention zu gebrauchen ist:
„Intervention meint ein bewusstes, zielgerichtetes Eingreifen, das in fünf Schritten abläuft:
- Problemerfassung
- Informationssammlung
- Methodenwahl
- Methodenanwendung
- Auswertung
Intervention zielt auf eine Veränderung von Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmalen von Individuen oder von Strukturen, Normen und sozioökonomischen Bedingungen (sozialer) Felder ab.“
Eine ausführliche dritte Begriffsdefinition von Interventionen stammt aus dem dtv-Wörterbuch zur Psychologie von Fröhlich (1993, S. 225f) und ist in mehrere Teile gegliedert:
„(1) Allgemeine Bezeichnung für Massnahmen, die durch gezieltes Eingreifen in Organismen, soziale oder technische Systeme dem Auftreten von Störungen vorbeugen, Störungen beheben und/oder ihre Folgen eindämmen sollen. In der medizinischen und psychologischen Gesundheitsversorgung zählen hierzu neben Therapie bzw. Psychotherapie alle Massnahmen der Prävention und Rehabilitation.
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(2) Als psychologische Intervention (psychological intervention) gelten alle Massnahmen, die mit psychologischen Mitteln das Erleben und Verhalten ansprechen und durch den Abbau von Störungen bei gleichzeitigem Aufbau positiver Einstellungen (z.B. Ichstärke, Kontrollüberzeugungen) sowie kreativer, kommunikativer und sozialer Fähigkeiten der Förderung von Gesundheit, harmonischem Zusammenleben, Wohlbefinden und Zufriedenheit dienen. […] In der Pädagogischen Psychologie schliesslich gelten als Intervention z.B. Massnahmen zur Verbesserung von Bedingungen des Lehrens und Lernens.“ In unserer Zertifikatsarbeit interessieren wir uns insbesondere für die Interventionen im schulischen Bereich, insbesondere im Fachpraktikum. Dort sind die Begriffsdefinitionen ziemlich allgemein gehalten und bedürfen je nach Problemstellung weiterer Erklärungen. Aus Erfahrung wissen wir, dass jede Störung im Unterricht anders ist und wegen ihrer Komplexität per Definition oft nur schwer einzugrenzen und zu verstehen ist.
Gemäss Reinhold, Pollak und Heim (1999, S. 277) können wir Interventionen als „ein bewusstes, zielgerichtetes Eingreifen“ verstehen. Dieses verläuft in fünf Schritten: Problemerfassung, Informationssammlung, Methodenwahl, Methodenanwendung und Auswertung. „Intervention zielt dabei auf eine Veränderung von Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmalen von Individuen oder von Strukturen.“
Auch bei Fröhlich (1993, S. 225) wird Intervention allgemein als „gezieltes Eingreifen“ definiert, um dem Auftreten von Störungen vorzubeugen, Störungen zu beheben und/oder ihre Folgen einzudämmen. Speziell in der Pädagogischen Psychologie als „Massnahmen zur Verbesserung von Bedingungen des Lehrens und Lernens.“
Der Begriff wird auch bei Köck & Ott (1997, S. 338) als „klärendes Eingreifen“ aufgeführt.
Zusammenfassend verstehen wir unter Intervention ein bewusstes, zielgerichtetes Eingreifen, das Störungen vorbeugen, Störungen beheben und/oder ihre Folgen eindämmen und dadurch zur Verbesserung der Bedingungen des Lehrens und Lernens führen soll.
2.2 Störungen im Unterricht
In der Literatur finden wir diverse Definitionen für Unterrichtsstörungen, so zum Beispiel nach Winkler (2005): „Eine Unterrichtsstörung liegt dann vor, wenn der Unterricht gestört ist, d.h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird.*
Hierbei sind verschiedene Formen von Unterrichtsstörungen zu unterscheiden. Grob können diese in folgende drei Bereiche unterteilt werden: 1. Unterrichtsstörungen, die aus Eigenschaften und Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern resultieren (z.B. Zwischenrufe, Drohungen, verbale Konflikte, Obszönitäten).
2. Unterrichtsstörungen, die aus Eigenschaften und Verhaltensweisen der Lehrkräfte resultieren (z.B. uninteressanter und nicht abwechslungsreicher Lehrstil, ungerechte Behandlung, ironische oder sarkastische Bemerkungen).
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3. Unterrichtsstörungen, die durch äussere Ereignisse entstehen (z.B. schlechte Raum und Medienausstattung, Lärm von ausserhalb, extreme Wetterlage). In unserer Arbeit interessieren wir uns ausschliesslich für Unterrichtsstörungen der ersten Art, solche die aus Eigenschaften und Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern resultieren. Es handelt sich um disziplinarische Störungen, die aus einem nicht lernbezogenen Verhalten entspringen. Weshalb beschränken wir uns auf den ersten Bereich?
Aufgrund unserer beruflichen Erfahrung vermuten wir, dass disziplinarische Störungen (1. Bereich) in den UNB nur beschränkt oder gar nicht thematisiert werden, währenddessen die beiden letzteren Bereiche in der Regel ausgiebig zur Sprache kommen.
Viele Lehrpersonen leiden vermehrt unter Disziplinschwierigkeiten an den Schulen. Da Disziplinlosigkeit, fehlender Respekt und die daraus folgenden Störungen unseren Unterricht stark beeinträchtigen, werden wir uns in dieser Arbeit gerade diesem Aspekt der disziplinarischen Störungen im Unterricht zuwenden. Auch im Wissen darum, dass solche Störungen nie vollständig behoben werden können wie bereits Wilhelm Busch in Max und Moritz geschrieben hat:
3 Empirische Studie zu Unterrichtsnachbesprechungen in der Lehrerbildung 3.1 Die Unterrichtsnachbesprechung in den Lehrpraktika - eine <
In dieser Grundlagenstudie interessiert sich Schüpbach (S. XII) insbesondere dafür,
„[…] ob die Unterrichtsnachbesprechung in den Praktika tatsächlich als Verbindung von unterrichtlichen Handlungserfahrungen und beruflichem Wissen und insofern als eine <
Phase 4: Tips und Verbesserungsvorschläge der Praxislehrperson Phase 5: Konkrete Schlussfolgerungen und praktische Konsequenzen Phase 6: Hinweise auf den nachfolgenden Unterricht
Allerdings fehlt die Phase 3 in den allermeisten UNB (90% gemäss den Praxislehrpersonen und 96% gemäss den Studierenden). Nach Schüpbach (S. 282) bedeutet das, „[…] dass in einem Grossteil der Lehrpraktika die Tiefenstrukturen des Erziehens und Unterrichtens kaum oder überhaupt nicht reflektiert und analysiert werden.“ Abbildung 14: (Schüpbach 2005, S. 175)
Am häufigsten werden Themenbereiche (S. 175 bzw. 288) besprochen, in welchen das Positive und die Studierenden selber im Zentrum stehen. Stärken und Positives im Verhalten der Studierenden sowie die Frage danach, wie es dem Studierenden in der Lektion ergangen war. Zentral ist hierbei das Loben. Hier steht das Emotionale und nicht ein Verstehen im Vordergrund.
Themenbereiche (S. 176 bzw. 289), in welchen negativ bewertete Phänomene und Situationen im Zentrum stehen (Schwachstellen und Probleme, fehlerhaftes Verhalten), werden am zweithäufigsten besprochen. Damit verbunden sind pädagogische Alternativen, im Sinne einer Verbesserung des negativ Beurteilten. Hier zeigt sich die evaluative Grundhaltung der Praxislehrpersonen.
Mit Abstand weniger häufig (S. 177) als die andern Inhalte werden Abweichungen von der Präparation thematisiert.
Es geht in den UNB (S. 289) offenbar vordergründig mehrheitlich darum, wie man richtig Unterrichtet, um ein Know-how, und nur untergeordnet um ein Reflektieren, ein Verstehen der Praxis. 3.2 Eigene Fragestellung
Unser Interesse gilt speziell den „Interventionen“ als Thema bei den UNB. Dieses Thema tritt jedoch nicht als eigenständige Kategorie bei der Analyse der inhaltlichen Aspekte der UNB bei Schüpbach (2005) (s. Abb. 14 oben) auf. Sie sind vielmehr auf die folgenden Themenbereiche verteilt: Gutes und Gelungenes, Stärken und Positives im Verhalten des Studierenden, Praktische Hinweise und Anregungen, Schwachstellen und Probleme, Didaktische und pädagogische Alternativen, Schülerverhalten und Fehler im Verhalten des Studierenden.
Dahingehend ist keine abschliessende Aussage über die Häufigkeit und die Bedeutung von „Interventionen in UNB“ möglich und deshalb eine gesonderte Untersuchung zu diesem Thema notwendig.
Der von Schüpbach (2005, S. 282) festgestellte oft fehlende Reflexionsteil in UNB mag jedoch ein Indiz dafür sein, dass wahrscheinlich auch beim Thema „Interventionen“ in UNB keine hohen Reflexionsanteile zu erwarten sind.
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4 Methodische Überlegungen
Die leitende Frage dieser Untersuchung ist, inwieweit Interventionen aus dem Unterricht des Fachpraktikums an der Sekundarstufe I Zollikofen während der UNB thematisiert und reflektiert werden.
4.1 Auswahl und Entwicklung der Erhebungsinstrumente
Insgesamt gibt es zwei Gruppen, die dazu relevante Daten geben können:
a) Die ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten der Sekundarstufe I Zollikofen.
Als Grundgesamtheit werden hierfür alle Studierende gewählt, die zwischen 2005 (seit dem Bestehen als Partnerschule der PH Bern) und 2009 ihr Fachpraktikum an der Sekundarstufe I in Zollikofen absolviert haben. Dies sind total 47 Studierende der Pädagogischen Hochschule Bern. Um aussagekräftige Daten dieser relativ grossen Gruppe zu bekommen, wählen wir das Fragebogenverfahren. Es ermöglicht uns eine relativ schnelle und ökonomische Befragung vieler Personen.
b) Die Praxislehrkräfte der Sekundarstufe I in Zollikofen Die Grundgesamtheit wird hier aus allen Praxislehrkräften gebildet, die zwischen 2005 (seit dem Bestehen als Partnerschule der PH Bern) und 2009 Studierende der PH Bern in Fachpraktika an der Sekundarstufe I in Zollikofen betreut haben. Es handelt sich dabei um fünf Praxislehrkräfte mit erweitertem Auftrag. Um einen effizienten Vergleich mit der Studierendengruppe vornehmen zu können, wählen wir auch hier das Fragebogenverfahren.
4.1.1 Der Fragebogen
Für die Konstruktion des Fragebogens liessen wir uns durch die wertvollen Hinweise von Raab-Steiner & Benesch (2008, S. 47ff.) sowie Hauser & Humpert (2009, S. 25ff.) leiten. Hier eine Auswahl:
- Die Gesamtlänge muss zumutbar sein! (Zwei Seiten)
- Eine Einleitung, in der die Einrichtung, für die die Erhebung durchgeführt wird und deren Fragestellung, kurz dargestellt wird. Ergänzt durch eine Zusicherung der Anonymität und einen Dank.
- Items mit Antwortkategorien sind der offenen Frageform vorzuziehen. Dies erleichtert die Auswertung und erhöht die Objektivität.
- Am Anfang sind Aufwärmfragen empfehlenswert.
- Vermeidung unklarer Wörter (deshalb auch unsere Begriffsdefinition von Interventionen im Fragebogen)!
- Die Sprache ist auf die Zielgruppe abgestimmt.
- Es muss vermieden werden, mehrere Sachverhalte in ein Item zu „verpacken“.
- Vermeidung suggestiver Fragen.
- Nennung aller Antwortmöglichkeiten.
- Befragte sollten nicht zu viel schreiben müssen. (Gegeben durch die zwei Seiten mit grösstenteils geschlossenen Fragen).
- Schwierige Fragen werden am besten gegen Ende einer Umfrage gestellt.
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- Die Durchführung eines Testlaufs liefert wichtige Hinweise für die Hauptbefragung. (Da es sich bei dieser Befragung nicht um eine streng wissenschaftliche Arbeit, sondern um eine forschende Erkundung handelt, haben wir den Testlauf nur mit einigen bekannten Erwachsenen durchgeführt. Die dabei erhaltenen wertvollen Rückmeldungen konnten wir danach berücksichtigen.) Da wir von allen zu Befragenden die E-Mailadresse hatten, konnten wir den Fragebogen in virtueller Form als schreibgeschütztes Word-Dokument zusenden, bei dem nur die Formularfelder (Kästchen und Schreibfelder) bearbeitbar waren. Auf diese Art wurde sichergestellt, dass der Aufwand für die Befragten so gering wie möglich war (ca. 5-10 Minuten) und damit eine überdurchschnittlich hohe Rücklaufquote erwartet werden konnte.
Bereits nach kurzer Zeit mussten wir feststellen, dass zehn Emailadressen der ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten veraltet waren. Dies war darauf zurückzuführen, dass diese ihr Lehramtsstudium mittlerweile abgeschlossen hatten und damit keine Studierenden-Email-Adresse mehr unterhielten. Daraufhin versuchten wir sie telefonisch zu erreichen und konnten bei dreien den Kontakt aufbauen. Insgesamt hatten wir während der dreiwöchigen Beantwortungsphase einen Rücklauf von 12 von insgesamt 47 Fragebogen bei den ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 25,5 Prozent. Unsere Erwartungen wurden damit erfüllt.
Bei der Adressatengruppe der Praxislehrkräfte erhielten wir alle fünf verschickten Fragebogen ausgefüllt zurück, was einer Rücklaufquote von 100 Prozent entspricht. Aufgrund der kleinen Gruppe und engen Zusammenarbeit zwischen diesen Lehrkräften fiel dieses Resultat ebenfalls im erwarteten Rahmen aus. Den Rückmeldungen unserer Kollegen und Kollegin konnten wir entnehmen, dass der Fragebogen für die Praxislehrkräfte sich zu stark an jenem der Studierenden orientierte. Beispielsweise war die Frage B5 „Welcher Art waren Ihre Interventionen während des Fachpraktikums vorwiegend?“ ungeeignet für die Praxislehrkräfte, da diese in der Regel während der Fachpraktika selber nicht intervenieren. Bei unserem Pretest haben wir vor allem Personen aus unserem Bekanntenkreis berücksichtig, welche über keine spezifischen Fachkenntnisse verfügen. So konnte es geschehen, dass wir diesem Sachverhalt zuwenig Rechnung getragen haben und sich eine Frage eingeschlichen hat, die von den Praxislehrkräften nur teilweise be-antwortet wurde. Daraus können wir lernen, dass bei einer zukünftigen Befragung, bereits im Pretest der Fragebogen einer wirklich äquivalenten Adressatengruppe unterbreitet wird.
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5 Das Fallbeispiel:
Die Sekundarstufe I Zollikofen, eine Partnerschule der PHBern
5.1 Eckdaten zu unserer Schule
Die Gemeinde Zollikofen - eine Agglomerationsgemeinde nördlich von Bern - gehört mit ihren 10000 Einwohnern zu den populationsreichen Vorortsgemeinden der Hauptstadt. Landwirtschaft und Kleingewerbe prägen das Ortsbild. Seit 1996 besuchen alle Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler die Sekundarstufe I an der Schulhausstrasse 32 in einem mehrteiligen Schulhauskomplex aus den 60er- Jahren.
Zurzeit besuchen in 13 Schulklassen 240 Schülerinnen und Schüler die Sekundarstufe I in Zollikofen. Sie sind aufgeteilt in 6 Realklassen und 7 Sekundarklassen. Die Kleinklasse ist seit Sommer 2009 aufgelöst und die Schülerinnen und Schüler wurden in die Realklassen der 7.-9. integriert. An der Schule unterrichten derzeit 32 Lehrkräfte. Die Sek. I Zollikofen ist seit dem Jahre 2005 Partnerschule der PHBern und bietet für die Studierenden vor allem Fachpraktika an. Das Ausbildungsteam umfasst 5 Praxislehrkräfte mit erweitertem Auftrag. 5.2 Allgemeines zu den Fachpraktika an der Sekundarstufe I in Zollikofen Während der Zeit von 2005 - 2009 absolvierten insgesamt 47 Studierende der PHBern ihre Fachpraktika an der Sekundarstufe I in Zollikofen, wovon 24 (51%) weiblich und 23 (49%) männlich waren. Das durchschnittliche Fachpraktikum umfasste 16 Lektionen. Es wurden dabei etwa gleich viele Fachpraktika 1 (51%) wie Fachpraktika 2 (49%) durchgeführt. Zu der Fachverteilung gibt das untenstehende Diagramm Auskunft:
6 Ergebnisse
6.1 Die Praktikumsart und die Geschlechterverteilung
Genau wie bei der Grundgesamtheit der Befragten (s. S. 12) haben wir auch bei den eingegangenen Fragebögen genau die gleiche paritätische Verteilung, d.h. gleich viele Fachpraktika 1 wie Fachpraktika 2 (6 : 6) und gleich viele männliche wie weibliche Befragten (6 : 6).
6.2 Die Einschätzung der Praktikumsbetreuung
Bei der Aufwärmfrage A2 mussten die ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten auf einer ganzzahligen Skala von 1 (unzufrieden) bis 6 (sehr zufrieden) ihre Bewertung zum erfahrenen Praktikum wiedergeben.
Die Ergebnisse im Diagramm zeigen, dass zwei Drittel der Studierenden (8) mit der Praktikumsbetreuung zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind. Ein Viertel (3) ist nur mässig zufrieden und ein Zwölftel (1) ist eher unzufrieden. Das Arithmetische Mittel ergibt einen Wert von 4,92 und drückt damit die durchschnittliche Zufriedenheit der Studierenden aus.
6.3 Verbesserungsvorschläge zur Betreuung der Fachpraktika
Bei der letzten Aufwärmfrage A3 wurden die ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten gebeten allfällige Verbesserungsvorschläge zur Fachpraktikumsbetreuung zu notieren. Hierzu stand Ihnen ein unbegrenztes Textfeld zur Verfügung. Zwei Drittel der Studierenden (8) haben diese Frage mit einem kurzen Text beantwortet. Der restliche Drittel (4) liess diese Frage unbeantwortet. Ein Studierender betonte nochmals, dass die Betreuung sehr gut gewesen sei und ein zweiter notierte, dass ihm dazu spontan nichts einfalle. Die restlichen Antworten (6), also insgesamt von der Hälfte der ehemaligen Praktikanten und Praktikantinnen, waren Verbesserungsvorschläge, die sich fast alle (5) auf das Verhalten der Praxislehrkräfte bezogen:
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„Mehr Zeit nehmen.“ (w)
„Im Rückblick finde ich es auch gut, wenn nicht jede einzelne Lektion nachbesprochen wird, sondern zum Beispiel eine Woche reflektiert wird. Dies aus dem Grunde, da eine Lektion ein kleiner Ausschnitt des ganzen Praktikums ist und ein Wochenrückblick auch für die Praxis realistischer ist.“ (w) „Mehr konstruktive Kritik, klarere Tipps.“ (w)
„Praktikant ist Lehrperson, die Praktikumslehrperson sollte nie intervenieren. Einzig wenn der Praktikant unhaltbar ist. Wenn sich die Praktikumslehrperson über die Klasse nervt, soll sie/er doch das Klassenzimmer verlassen.“ (m)
„Die Lehrperson, die einen Praktikanten betreut, sollte sich dessen bewusst sein, dass sie eine wohlüberlegte Distanz zwischen dem Praktikanten einerseits und dem Dozenten andererseits bewahrt. Hier den Überblick und einen kühlen Kopf zu haben, ist ein Kunststück.“ (m) Eine Beobachtung bezog sich auf das Verhalten der Schulleitung: „Die Schulleitung hat sich sehr wenig um die Praktikantinnen und Praktikanten gekümmert.“ (m)
6.4 Die Thematisierungshäufigkeit von Interventionen in den UNB
Frage B1: Inwieweit wurden Interventionen (als zielgerichtetes Eingreifen, um disziplinarischen Störungen vorzubeugen, zu beheben und/oder ihre Folgen einzudämmen) aus dem Unterricht des Fachpraktikums während der UNB thematisiert?
Die Praxislehrkräfte haben eine optimistischere Einschätzung zur erbrachten Thematisierungshäufigkeit von Interventionen in den UNB als die ehemaligen Praktikanten und Praktikantinnen: 75% der Praxislehrkräfte glauben Interventionen oft oder immer angesprochen zu haben. Bei den Studierenden sind es jedoch nur 50%, bei denen
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diese oft oder meistens angesprochen wurden. 42% der Studierenden sind der Meinung, dass sie nur gelegentlich thematisiert wurden.
6.5 Der Stellenwert des Themas „Interventionen“
Frage B2: Welchen Stellenwert nimmt das Thema „Interventionen“ für Sie als Lehrperson ein?
Sowohl die überwiegende Mehrheit der Studierenden (75%) als auch jene der Praxislehrkräfte (60%) schätzen den Stellenwert des Themas „Interventionen“ als erheblich oder sehr gross ein.
6.6 Der zeitliche Anteil für Interventionen während der UNB
Frage B3: Wie gross schätzen Sie den Anteil des zeitlichen Aufwandes einer Unterrichtsnachbesprechung für das Thema Interventionen?
Die ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten veranschlagen den zeitlichen Anteil für Interventionen in den UNB tendenziell höher (Spitzenwert bei 30-40%), während die Praxislehrkräfte einen klaren Spitzenwert bei 10-20% haben. 6.7 Die erbrachte Aufmerksamkeit gegenüber den Interventionen in den UNB Frage B4: Finden Sie, dass dem Aspekt der Interventionen während der UNB genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde?
Hier zeigt sich bei beiden Gruppen ein ähnliches Bild: Nämlich, dass nur ein kleiner Teil (33% bei den Studierenden bzw. 20% bei den Praxislehrkräften) der Ansicht ist, dass den Interventionen nur gelegentlich oder selten Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
6.8 Vorwiegende Interventionsarten
Frage B5: Welcher Art waren Ihre Interventionen während des Fachpraktikums vorwiegend?
Alle Studierende (100%) haben als vorwiegende Interventionsart bei der Erstnennung die Verbale angegeben. Erst als Zweitnennung folgen die mimische (ca. 42%) und die gestische Interaktion (25 %). Diese Frage wurde ausschliesslich den ehemaligen Praktikanten und Praktikantinnen gestellt, da die Praxislehrkräfte im Regelfall ja nicht in den Unterricht der Studierenden intervenieren.
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6.9 Häufigkeit der besprochenen Interventionsarten
Frage B6: Wie oft wurden die untenstehenden Interventionsarten in der UNB thematisiert und besprochen?
Aus beiden Gruppen (ST= Studierende, PL= Praxislehrkräfte) geht deutlich hervor, dass in den UNB häufig nur die verbalen Interventionen thematisiert werden. Die restlichen Interventionsarten (mimische, gestische, schriftliche und andere) kommen nie oder höchstens gelegentlich zur Sprache.
6.10 Die Art der Thematisierung von Interventionen
Frage B7:Wie wurden die Interventionen während der UNB hauptsächlich thematisiert?
In beiden Gruppen wurde der gemeinsame Dialog über Handlungsalternativen klar als häufigste Thematisierungsart genannt. Im Gegensatz zu den Praxislehrkräften schätzen die Studierenden den Anteil des Ratschlags von der Praxislehrkraft höher (58% gegenüber 40%) ein.
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6.11 Die Eignung der Thematisierungsarten für Interventionen
Frage B8: Welche Besprechungsart über Interventionen finden Sie persönlich am geeignetsten?
Beide Gruppen sehen den gemeinsamen Dialog über Handlungsalternativen als geeignetste Methode an, um Interventionen in den UNB zu besprechen. Die Eignung der Grundsatzdiskussion pädagogischer Fragen für die Thematisierung von Interventionen wird von den Studierenden mehrheitlich als wenig geeignet oder nicht geeignet angesehen, währenddessen die Praxislehrkräfte diese einhellig als geeignet oder sogar sehr geeignet betrachten.
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7 Fazit
Wenn wir die Ergebnisse unserer Befragung im Lichte unserer ursprünglichen Forschungsfrage (Inwiefern Interventionen aus dem Unterricht des Fachpraktikums während der Unterrichtsnachbesprechungen an der Sekundarstufe I in Zollikofen thematisiert und reflektiert werden?) betrachten, so zeigt sich folgendes Bild: 1. Unsere Vermutung, wonach Interventionen im Fachpraktikum nur marginal thematisiert werden, hat sich nicht bestätigt. Die Umfrage zeigte nämlich, dass nur ein kleiner Teil (33% bei den Studierenden bzw. 20% bei den Praxislehrkräften) der Ansicht ist, dass den Interventionen nur gelegentlich oder selten Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
2. Es hat sich zudem gezeigt, dass mehrheitlich sowohl die ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten, als auch die Praxislehrkräfte dem Thema „Interventionen“ eine erhebliche oder sogar sehr grosse Bedeutung zumessen.
3. Die in der Einleitung angesprochene Hypothese, wonach das Interventionsspektrum nur auf wenige Massnahmen eingeschränkt ist, wurde durch die Befragung insofern bestätigt, dass meistens nur die verbalen Interventionen thematisiert wurden. Hier sehen wir auch eine Chance unsere Wahrnehmung und Intervention zu differenzieren, indem wir auch vermehrt nonverbalen Interventionsarten Aufmerksamkeit schenken. Eine verbale Intervention zerhackt, unterbricht den Unterricht. Eine Mimik oder Gestik genügt vielleicht schon und der Unterricht bleibt im Fluss.
4. Die Thematisierung geschieht vor allem in Form eines gemeinsamen Dialogs über Handlungsalternativen. Die Eignung der Grundsatzdiskussion wird von beiden Gruppen unterschiedlich bewertet: Die Studierenden sehen sie mehrheitlich als wenig geeignet, die Praxislehrkräfte jedoch als sehr geeignet an.
Wie weiter? Unsere Arbeit sehen wir als eine forschende Erkundung unserer Praxis und als solche soll sie ein Stück reflektierte Praxis sein. Sie soll aber auch wieder Eingang in die Praxis finden und nicht jungfräulich in einer Schublade verstauben. Dies geschieht wie folgt:
Die Ergebnisse unserer Untersuchung werden später in einer Sitzung aller Praxislehrkräfte der Sekundarstufe I in Zollikofen präsentiert. Hierbei ist uns wichtig, dass die Lehrkräfte für das Thema „Interventionen“ sensibilisiert werden und auch bisher weniger favorisierte Interventionsarten wie die Nonverbalen (Mimik, Gestik) in den Unterricht einbezogen werden.
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8 Abstract
Interventionen als Gegenstand der Unterrichtsnachbesprechungen im Fachpraktikum an der Sekundarstufe I Zollikofen Studie:
9 Schlussbemerkungen
Seit Herbst 2009 beschäftigen wir uns mit unserer Zertifikatsarbeit. Bei einem wöchentlichen Treffen haben wir die zuhause erarbeiteten Kapitel gemeinsam besprochen und überarbeitet.
Dabei konnten wir uns auch neue Kompetenzen erarbeiten wie beispielsweise die Konstruktion von Fragebogen sowie deren Erstellen als virtuelle Word-Dokumente mit Formularfeldern und der grafischen Präsentation und Auswertung. Während der rund acht Monate, mit der wir uns mit dem Thema „Interventionen“ auseinandersetzten, stellten wir fest, dass uns diese Auseinandersetzung nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch weiterhalf, indem wir während des Unterrichts und den Nachbesprechungen mit den Studentinnen und Studenten einen geschärften Blick für die Thematik der Interventionen erhielten und selber auch für uns ungewohnte Interventionsarten wie beispielsweise mimische oder gestische Interventionen vermehrt im eigenen Unterricht ausprobierten. Bei der Durchführung unserer Umfrage konnten wir auch aus Fehlern lernen. Zum Beispiel ist die Wichtigkeit und Bedeutung eines seriösen Pretests nicht zu unterschätzen, da dieser sehr aufschlussreich über die Angemessenheit und Verständlichkeit von Fragen Auskunft gibt. Zu Beginn unserer Arbeit haben wir dem zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und dabei die Auswahl der Befragten zu wenig auf die eigentliche Zielgruppe abgestimmt.
In Bezug auf unsere Arbeit als Praxislehrkräfte sind wir einen Schritt weiter gekommen, indem wir in Zukunft die Thematik der Interventionen in den UNB mit den Studentinnen und Studenten der PH Bern ganz pragmatisch und bewusst angehen können, im Wissen darum, dass wir bisher bereits einiges richtig gemacht haben und das Thema gemäss unseren Erkenntnissen weiter wie bis anhin in die UNB einbeziehen können.
Ein wenig erstaunt waren wir doch, dass unsere ursprüngliche Forschungsfrage „Inwiefern werden Interventionen aus dem Unterricht des Fachpraktikums während der UNB an der Sekundarstufe I in Zollikofen thematisiert und reflektiert?“ sich nicht in dem Masse erhärtet hat wie wir zu Beginn unserer Zertifikatsarbeit angenommen hatten. Offenbar hatten wir laut unseren Umfragen bereits vorher vieles richtig gemacht, als neue Erkenntnis können wir vor allem festhalten, dass die verbalen Interventionen stark dominieren und die mimischen und gestischen Interventionsarten noch vermehrt im Unterricht einbezogen werden könnten. Diese Sensibilisierung für Interventionen und Interventionsarten wollen wir in Zukunft auch noch vermehrt im Unterricht einbringen und damit unseren Unterricht qualitativ verbessern, was sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch der Zufriedenheit der Praktikantinnen und Praktikanten - und nicht zuletzt den Praxislehrkräften selber - zu Gute kommt.
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10 Literaturverzeichnis
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Winkel,Rainer (2005): Der gestörte Unterricht: Diagnostische und therapeutische
11 Anhang
Die Zuordnung der Anteile unserer Gemeinschaftsarbeit
Die Zertifikatsarbeit mit dem Titel
Interventionen als Thema in den Unterrichtsnachbesprechungen
(UNB) der Fachpraktika
wurde als Gemeinschaftsarbeit verfasst.
Die Anteile sind dabei wie folgt zuzuordnen:
Verfasser Anteil
Bruno Schnetzer 3 Empirische Studie zu UNB
Daniel Himmelberger 1 Einleitung - Persönlicher Bezug
Fragebogen zum Thema „Interventionen“ für ehemalige Praktikantinnen und Praktikanten
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, geschätzte Studierende
Im Rahmen unserer Zertifikatsarbeit im Weiterbildungsangebot „Berufspraxis kompetent begleiten“ führen wir eine Befragung aller ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten an der Sekundarstufe I in Zollikofen durch. Zweck dieser Befragung ist, genauere Kenntnisse darüber zu gewinnen, inwieweit Interventionen aus dem Unterricht des Fachpraktikums an der Sekundarstufe I in Zollikofen während der Unterrichtsnachbesprechungen thematisiert wurden und wie Sie deren Stellenwert einschätzen. Die Antworten werden vertraulich behandelt. Für das vollständige Ausfüllen der Fragen bedanken wir uns recht herzlich. A Allgemeine Fragen
B Fragen zu den Unterrichtsnachbesprechungen
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Fragebogen zum Thema „Interventionen“ für Praxislehrkräfte
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen
Im Rahmen unserer Zertifikatsarbeit im Weiterbildungsangebot „Berufspraxis kompetent begleiten“ führen wir eine Befragung aller ehemaliger Praktikantinnen und Praktikanten, sowie der Praxislehrkräfte an der Sekundarstufe I in Zollikofen durch. Zweck dieser Befragung ist, genauere Kenntnisse darüber zu gewinnen, inwieweit Interventionen aus dem Unterricht des Fachpraktikums an der Se-kundarstufe I in Zollikofen während der Unterrichtsnachbesprechungen thematisiert wurden und wie Sie deren Stellenwert einschätzen.
Die Antworten werden vertraulich behandelt. Für das vollständige Ausfüllen der Fragen bedanken wir uns recht herzlich.
A Allgemeine Fragen
B Fragen zu den Unterrichtsnachbesprechungen
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Arbeit zitieren:
Bruno Schnetzer, Daniel Himmelberger, 2010, Interventionen als Thema in den Unterrichtsnachbesprechungen (UNB) der Fachpraktika, München, GRIN Verlag GmbH
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