Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Biografie des Michel Foucault 2
3. Foucault und die Malerei von Manet 3
4. Manets „Olympia“ und dessen Vorbilder 6
4.1 „Olympia“ 7
4.2 Gegenüberstellung Manets „Olympia“ mit Tizians „Venus von Urbino“ S.10
5. Schlussbemerkung S.12
6. Abbildungsverzeichnis S.14
7. Literaturverzeichnis S.28
1. Einleitung
Édouard Manet - provokativster und aufständischster Künstler schlechthin unter den Impressionisten.
Seine ersten impressionistischen Werke waren ein regelrechter Skandal und entsetzte das Pariser Kunstpublikum zutiefst. Es vollzog sich ein Bruch in der Malerei. Sein Ziel war es einen vollkommen neuen und eigenen Malstil schaffen und die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachten und zeigen.
Diese Arbeit soll Einblicke geben in Michel Foucaults Auseinandersetzung mit Manets Malerei. Vorerst wird die Person des Foucault und des Manet charakterisiert, um im Anschluss daran die Malerei des Édouard Manet zu deuten und dessen Stilbruch zu veranschaulichen. Roter Faden bleibt hierbei immer Manets Hauptwerk das der „Olympia“ aus dem Jahre 1863, welches als bedeutender Beitrag zur Entwicklung der modernen Malerei zählt.
2. Biografie des Michel Foucault
Der französischer Philosoph, Historiker, Übersetzer und Soziologie Paul-Michel Foucault wurde als Sohn einer anerkannten Arztfamilie am 15. Oktober 1926 in
Poitiers, Vienne geboren. 1
Nach seiner Schulzeit am Lycee Henri IV in Paris bewältigte er das ab 1946 begonnene Philosophiestudium erfolgreich unter der Ophut des Louis Althusser. In dieser Zeit studierte er nebenbei Psychologie. Sein Staatsexamen in Philosophie machte Foucault 1951 und ein Jahr darauf folgte das Diplom im Bereich
Psychopathologie. 2
Im Alter von 28 Jahren brachte er sein erstes eigenangefertigtes Buch heraus mit dem Titel „Maladie mentale et personnalité.“, zu Deutsch „Geisteskrankheit und Persönlichkeit“. Ab 1960 war er sechs Jahre lang Privatdozent an der Universität Clermont-Ferrand und unterrichtete Philosophie und Psychologie. Seine Dissertationsschrift mit dem Titel „Folie et déraison. Histoire de la folie à l'âge
1 Vgl. Didier Eribon: Michel Foucault - Eine Biographie, Frankfurt am Main, 1991.
2 Vgl. ebd.
classique.“, zu Deutsch „Wahnsinn und Gesellschaft“ kam 1961 heraus. Hauptaugenmerk legte er hierbei auf die Geschichte des Wahnsinns und die Entstehung einer Grenze von geistiger Gesundheit und Krankheit. Von 1965 bis 1968 war er Gastprofessur an der Universität in Tunis. An „Les mots et les choses", zu Deutsch „Die Ordnung der Dinge“ arbeitete er ab 1966. Michel Foucault nahm außerdem an der Gründung des Centre universitaire experimental de Vincennes teil. 1971 gründete er die „GIP“, die Gruppe zur Information über Gefängnisse. Zusammen mit seinem Lebensgefährten namens Daniel Defert beteiligten sie sich an den Aufständen gegen die Maßnahmen im französischen Strafvollzug. Foucaults Werk „L´Ordre du discours", zu Deutsch „Die Ordnung des Diskurses“ wurde 1972 veröffentlicht - und drei Jahre darauf, nach seinem ersten Aufenthalt in Kalifornien, „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses". Außerdem beschäftigte sich Foucault mit dem Zen-Buddhismus und engagierte sich für die islamisch-
fundamentalistische Revolution im Jahre 1978 gegen das Schahregime. 3 Am 25. Juni 1984 starb Paul-Michel Foucault an den Folgen einer HIV-Erkrankung
in Paris. 4
3. Foucault und die Malerei von Manet
Michel Foucault befasste sich zwanzig Jahre lang mit Manet, nahm an der großen Manet-Retrospektive im Grand Palais teil und hielt Vorlesungen über ihn. 1832, das Jahr in dem der französische Künstler Édouard Manet am 23. Januar geboren wurde. Seine Eltern waren Auguste Manet, er hatte eine hohe Stelle als Beamter im Justizministerium und Eugénie-Désirée Manet, eine geborene Fournier. Manet besuchte von 1838 bis 1840 als Schüler in Vaugirard das Institut Poiloup und
3 Vgl. Didier Eribon: Michel Foucault - Eine Biographie, Frankfurt am Main, 1991.
4 Vgl. ebd.
in den Jahren 1844 bis 1848 das Collége Rollin. Dort besuchte er erste Zeichenkurse. Manet widersetzte sich dem Wunsch seines Vaters und studierte nicht Jura, sondern folgte seinen künstlerischen Talenten. Mit Antonin Proust, den er während seines Aufenthaltes im Collége Rollin kennenlernte, tritt er 1850 in das Atelier des
französischen Malers Thomas Coutures ein. 5
Im Jahr 1856 verlässt Manet Coutoures Atelier und zieht mit einem Freund um in ein Atelier in der Rue Lavoisier. In seinem ganzen Leben wechselt er circa sechs weitere Male in verschiedene Ateliers. Sein Letztes bezieht er im Jahre 1878 in der Rue d´
Amsterdam. 6
„Portrait de M. et Mme Auguste Manet“ (Abb.01) und „Der spanische Sänger“ (Abb.02) beide aus dem Jahr 1860 werden 1861 im Salon de Paris ausgestellt. Für Zweitgenanntes interessierte sich eine Gruppe von Malern und Schriftstellern wie beispielsweise Fantin-Latour und Baudelaire, sehr. Der Pariser Salon war zu jener Zeit die bedeutendste französische Kunstausstellung, welche regelmäßig stattfand und zum Ziel hatte, bildenden Künstlern unter anderen die Möglichkeit zu geben,
sich in der Öffentlichkeit mit ihren Kunstwerken Anerkennung zu verschaffen. 7 Ein Jahr später gründet er gemeinsam mit Fantin-Latour und anderen die Künstlervereinigung „Société des Aquafortistes“. Eines der bekanntesten Werke, die Manet für dieselbe schuf, war das Bildnis der „Lola de Valence“ (Abb.03) aus dem Jahr 1862. Im Pariser Salon wurden einige Werke Manets und auch anderer Künstler nicht zugelassen mitunter zählen zu den abgelehnten Werken „Die Erschießung des Kaisers Maximilians“ (1868/69) (Abb.04) oder „Nana“ (1877) (Abb.05). Die Kritiken und Ablehnung der Jury des Pariser Salons veranlasste Manet seine Bilder im Salon des Refusés auszustellen, welcher als Parallelausstellung zur offiziellen
französischen Kunstausstellung gegründet wurde. 8 Um das Jahr 1871 waren Manets Bilder wohl sehr gefragt. Durand-Ruel, ein Kunsthändler, erstand für 50 000 Francs, 24 Bilder bei Manet. Einer seiner größten
5 Vgl. Michel Foucault: Die Malerei von Manet. Aus dem Französischen von Peter Geble. Merve
Verlag, Berlin, 3. Aufl. 1999, S. 171.
6 Vgl. ebd. S. 121.
7 Vgl. ebd. S. 118.
8 Vgl. ebd. S. 118.
Erfolge feierte Manet im Pariser Salon mit seinen Bildern „Le Bon Bock“ (Abb.06)
im Jahr 1873 und „Bar in den Folies-Bergéres“ (1881/82) (Abb.07). 9 Um den Salonkritiken, derer Manet sich über viele weitere Jahre stellen musste, zu entgehen, plante er eine eigene Ausstellung. Nachdem noch einige Bilder wie „Im Boot“ (1874) (Abb.08) oder „Im Wintergarten“ (1879) (Abb.09) im Pariser Salon zu sehen waren, wird Manet im Jahr 1881 durch Antonin Proust zum „Ritter der
Ehrenlegion“ 10 ernannt. Nach der Amputation seines linken Beines, nach jahrelanger Rückenschwindsucht, tritt Édouard Manet im Alter von 51 Jahren, aus dem Leben. 11
Als Basis für Fouacaults Buch „Die Malerei von Manet“ galt sein Vortrag in Tunesien. In diesem Werk will er uns den Künstler Édouard Manet näher bringen, in dessen Auswirkung in der Geschichte der Kunst, als auch in der Geschichte der Malerei. Manet galt nicht nur generell in der Kunstgeschichte, sondern auch in der Geschichte der Malerei des neunzehnten Jahrhunderts als ein bedeutsamer Künstler. Foucault befasste sich mit dem fortschrittlichen Werken Manets. Das Bild wird als Objekt dargestellt, das Bild als Materialität, als farbigen Gegenstand. Um diese neue Kunstauffassung Manets zu verinnerlichen, greift Foucault auf zwölf Bilder von ihm zurück, welche er unter drei Gesichtspunkten durchleuchten zu versucht - wie er die materiellen Eigenschaften der Oberfläche, Länge und Breite behandelte; und wie Manet die räumlichen Eigenschaften der Leinwand, in das was er darzustellen versuchte, einbezogen hat. Im nächsten Gesichtspunkt wird die Schwierigkeit der Beleuchtung analysiert, hierbei wird kein dargestelltes Licht eingesetzt, dieses im Bild direkt leuchtet, sondern nur das äußere reale Licht. Foucault konzentriert sich im letzten
Gesichtspunkt auf die Stellung des Betrachters gegenüber dem Bild. 12 Édouard Manet ist für Michel Foucault in dem Sinne so bedeutsam, da er in seinen Augen nicht nur den Impressionismus ermöglichte, sondern auch die gesamte
nachimpressionistische Malerei beeinflusste. 13
9 Vgl. Michel Foucault: Die Malerei von Manet. Aus dem Französischen von Peter Geble. Merve
Verlag, Berlin, 3. Aufl. 1999, S. 120.
10 Vgl. ebd. S. 122.
11 Vgl. ebd. S. 122.
12 Vgl. ebd. S.11.
13 Vgl. ebd. S.5.
Die Kunstbewegung des Impressionismus beschäftigte sich ausschließlich mit der Lichtwirkung. zur Entfaltung einer neuen Nutzbarkeit der Farben und dessen Abhebung vom Schatten. Manet rückte die materiellen Merkmale der Fläche zurück in das künstlerische Interesse. Das Wesen der Leinwand, welches im 15. Jahrhundert völlig außer Acht gelassen wurde, rückte er in Mittelpunkt seines Schaffens. Qualitäten, Eigenschaften, materielle Beschränkungen der Leinwand selbst, versuchte Manet deutlich zu machen. Klare Farben, horizontale und vertikale Achsen, reelle Beleuchtung, als auch der Realität entsprechende Motive sind in seinen Bildern zu finden. Dem Betrachten war das Gemälde von mehreren
Blickwinkeln zugänglich. 14
Michel Foucault bemüht sich in seinem Vortrag in Tunesien, seinen Zuhörern, die Besonderheiten Manets Schritt für Schritt nahezubringen. Hauptaugenmerk im 15. Jahrhundert war Perspektive und dreidimensionale Darstellung, wobei sich bei Manet das räumliche Gleichgewicht wandelt. Er spielt regelrecht mit der Fläche an sich, die der Leinwand. Nicht das Sichtbare wird offenbart, dem Betrachter wird nicht offenbart, was die Menschen im Bild sehen, denn das Bild wird zu einem unsichtbaren Ort, welches Foucault an einem dem wohl mit bedeutsamsten Bild Manets „Un bar aux Folies -Bergère" (1881) (Abb.07). In diesem Werk werden Inkompatibilität des Raumes, die Stellung des Lichtes, als auch die Position des Betrachters zusammengefügt.
4. Manets „Olympia“ und dessen Vorbilder
Unmittelbare Vorbilder für die „Olympia“ (Abb.10) des Manets sind die im Jahre 1510 entstandene Giorgiones „Schlummernde Venus“ (Abb.11) und Tizians „Venus von Urbino“ (Abb.12) von 1538. Beide Vorgängerbilder zeigen eine entkleidete Frau in fast identischer Pose. Das Werk Tizians weist jedoch durchaus mehr Ähnlichkeiten zu Manet auf, als das Werk des Giorgiones. „Olympia“ und „Venus“ werden beide präsentiert in einen Innenraum des Hauses. In identischer Pose lehnen die abgebildeten Frauen auf ihren rechten Arm, welcher am
14 Vgl. Michel Foucault: Die Malerei von Manet. Aus dem Französischen von Peter Geble. Merve
Verlag, Berlin, 3. Aufl. 1999, S.9.
Handgelenk mit einem Armreif geschmückt ist. Bei beiden Frauen liegt die linke Hand in Schoß und bedeckt das Schamdreieck. Ihre Gesichter sind dem Betrachter zugewandt.
Am Fußende der „Venus“ als auch der „Olympia“ sitzt ein Haustier; bei Tizians Darstellung handelt es sich um einen kleinen schlafenden Hund und bei Manet um eine aufgerichtete kleine schwarze Katze. Eine weitere Wiederholung, die in beiden Werken anzutreffen ist, die Betonung der Nacktheit der „Olympia“ und „Venus“ durch die im Hintergrund befindenden bekleideten Figuren. Auch Goya wendete bereits in seinem Werk „Die nackte Maja“ (Abb.13) einen direkten und offene Blick der dargestellten nackten Frau an. In „Esther“ oder „Odaliske“ von Léon Benouville machte man bereits Gebrauch von einem Kontrast zwischen einer hellhäutigen und einer schwarzen Frau. In diesem Gemäde aus dem Jahre 1844 ist die hellhäutige Frau jedoch angekleidet. Das Motiv einer liegenden nackten Frau fanden seit ungefähr 1850 auch im Bereich der Fotografie große Vorliebem und verbreitete sich rasch in Paris.
4.1 „Olympia“
Im Jahre 1863 entstand, wie auch sein Werk „Das Frühstück im Freien" (Abb.14), eines der Hauptwerke des Künstlers Édouard Manets als bedeutender Beitrag zur Entwicklung der modernen Malerei, das Gemälde der Olympia. Zu dessen Entstehungszeit befand sich das 130x264,50 cm große Werk im Pariser Salon und erregte im Jahre 1865 großes Aufsehen in der Kunstgeschichte. Nun wird es im Musée d’Orsay ausgestellt und befindet sich unter französischen Staatsbesitz. Zur ursprünglichen Entstehungsgeschichte ist nur sehr wenig bekannt. Es gibt lediglich zwei Rötelzeichnungen des Olympia Aktes (Abb.15). Françoise Cachin erwähnt zur Entwicklung des Werkes von Manet:
„[...] das Vorhaben wurde reichlich überlegt und indirekt durch vielfachen Gedankenaustausch mit seinen Schriftstellerfreunden, ob nun mit Baudelaire oder mit Astruc, gestützt. Der Bildgedanke ist sowohl von Museumskunst als auch von
Lebenserfahrung, literarischen Einflüssen und ... Humor gespeist“ 15 , „Es ist nicht
15 Françoise Cachin: Ausstellungskatalog Manet Paris 1983, deutsche Ausgabe 1984, Übersetzung:
Roman Piesenkam S.176
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S. Müller, 2010, Über Michel Foucaults "Die Malerei von Manet", München, GRIN Verlag GmbH
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