Danksagung
Herzlich bedanken möchte ich mich bei meiner Betreuerin Nina Fuisz-Szammer, Msc. für die fachliche Unterstützung während der Erstellung der vorliegenden Arbeit und für die Hilfestellung bei der Literatursuche.
Ebenso möchte ich mich bei Mag. Harald Lothaller für seine endlose Geduld bei der Beantwortung von wissenschaftlichen Fragestellungen bedanken. Bedanken möchte ich mich auch bei meiner Kollegin und engen Freundin Christina Kickinger für das Korrekturlesen der Arbeit.
Mein aufrichtigster Dank gilt meinen Eltern, Hanna Winkler und Dr. Ernst Kobau, die mir diese Ausbildung erst ermöglicht und mich während der Zeit bedingungslos unter- stützt haben.
Abstract
Die Frühförderung der Muttersprache von Migrantenkindern spielt in Bezug auf den erfolgreichen Zweitspracherwerb eine wesentliche Rolle und stellt das österreichische Bildungssystem vor große Herausforderungen. Von wissenschaftlicher Seite gibt es Forderungen, wie mit Mehrsprachigkeit in Institutionen umgegangen werden soll, um das vorhandene Potential langfristig nützen zu können und den bilingualen Kindern eine erfolgsversprechende (sprachliche) Zukunft zu gewährleisten. Dem Kindergarten als frühester Bildungseinrichtung kommt dabei eine Schlüsselposition zu, innerhalb derer der Grundstein für die weitere bilinguale sprachliche Entwicklung gelegt wird. Schlagwörter: Bilingualismus - Frühförderung - Zweitspracherwerb
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Theoretische Grundlagen zum Bilingualismus. 3
2.1 Was versteht man unter „Mehrsprachigkeit“? 3
2.2 Bilinguale Sprachvermittlungskonzepte. 4
2.2.1 Additive Mehrsprachigkeit 4
2.2.2 Subtraktive Mehrsprachigkeit. 4
2.2.3 Doppelspracherwerb. 4
2.2.4 Zweitspracherwerb 4
2.3 Theorien zum Erwerb der Zweitsprache. 5
2.3.1 Die Identitätshypothese 5
2.3.2 Die Transfer-Hypothese 6
2.3.3 Die Interlanguage-Hypothese 6
2.3.4 Die Monitor-Hypothese. 6
2.3.5 Die Pidgin-Hypothese 7
2.4 Typen der Bilingualität 8
2.4.1 Eine Person - Eine Sprache. 8
2.4.2 Nicht Umgebungssprache zu Hause 8
2.4.3 Die eine Sprache zu Hause - die andere Sprache aus der Umgebung 8
2.4.4 Zwei Sprachen zu Hause - eine andere Sprache aus der Umgebung 9
2.4.5 Nicht muttersprachliche Eltern. 9
2.4.6 Gemischte Sprachen 9
2.5 Bedingungen für den Zweitspracherwerb 9
2.5.1 Prestige der Muttersprache 9
2.5.2 Gleichwertigkeit von Erst- und Zweitsprache 10
2.5.3 Individuelle familiäre Situation 10
2.6 Wichtigkeit der Muttersprache in Bezug auf den Zweitspracherwerb 11
2.6.1 Entwicklung von Selbstvertrauen 11
2.6.2 Sprache der Gefühle/des Erziehens 11
2.6.3 Aufbau von Weltwissen 12
2.6.4 Zurückgreifen auf bekannte Strukturen/sprachliche Ressourcen. 12
2.6.5 Kognitive Entwicklung 12
3 Wissenschaftliche Forderungen an den Umgang mit Mehrsprachigkeit 13
3.1 Welche Sprache soll gefördert werden? 14
3.2 Über welchen Zeitraum soll gefördert werden? 17
3.3 „Deutsch-only-Programme“ und Mehrsprachigkeitskritik. 18
3.4 Mangelnde Kompetenzen in der Zweitsprache bei Schuleintritt - mögliche
Gr ünde und Lösungsstrategien 20
3.5 Die Rolle des Kindergartens in einer multikulturellen Gesellschaft 21
3.6 Studie: A kuci sprecham Deutsch. 23
3.6.1 Design der Studie 23
3.6.2 Ergebnisse der Studie 23
3.6.3 Empfehlungen der Autoren an die Bildungspolitik 24
4 Aktuelle Situation in den österreichischen Kindergärten. 26
4.1 Besuch von Kinderbetreuungseinrichtungen 26
4.2 Einstellung zur Mehrsprachigkeit im Kindergarten 28
4.2.1 Ziel der Studie 28
4.2.2 Durchführung 29
4.2.3 Ergebnisse der Studie 31
4.2.4 Empfehlungen der Autoren 32
4.3 Zweisprachige Kindergärten in Österreich. 33
4.3.1 Interkultureller Bildungsgarten Graz. 33
4.3.2 Interkultureller Montessori-Kindergarten Ottakring (Wien 16) 34
4.3.3 Interkultureller Kindergarten Lehen 34
5 Conclusio 37
6 Literaturverzeichnis 39
1 Einleitung
In Zeiten weltwirtschaftlicher Globalisierung und zunehmend engerer Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Europäischen Union herrscht allgemeiner Konsens darüber, dass Mehrsprachigkeit und das frühzeitige Erlernen von Sprachen unabdingbar ist bzw. immer notwendiger wird.
Trotz dieser eindeutigen multilingualen Priorität in der Arbeitswelt ist in Österreich der „monolinguale Habitus“ (Röhner, 2005, S. 7) vorherrschend, und die Betonung der Notwendigkeit, nach Österreich kommende Migranten so rasch wie möglich Deutsch lernen zu lassen, lässt nicht nach.
„Es entsteht der Eindruck, man müsse zwischen den Sprachen wählen und sich für eine entscheiden. Die an sich doch nahe liegende Lösung der Mehrsprachigkeit wird kaum bedacht. Sie bedeutet allerdings, dass neben dem Erlernen des Deutschen auch die Herkunftssprache gefördert werden müsste.“ (Montanari, 2007, S. 8)
Multikulturalität und Bilingualität stellen die österreichische Politik in Sachen Bildung vor große Herausforderungen.
Mittlerweile lebt in Österreich die dritte Migrantengeneration, und das Thema muttersprachlicher Frühförderung von Migrantenkindern im Kindergarten, um allen Kindern gleiche bildungsmäßige Eingangsvoraussetzungen, die Chance auf eine gute mehrsprachliche Entwicklung und eine Integration im Land zu ermöglichen, spielt eine immer wichtigere Rolle. Dabei geht es auch zuletzt darum, in Zukunft das große gesellschaftliche Potential der Mehrsprachigkeit auch in Hinsicht auf den „Wirtschaftsstand-ort Österreich“ nützen zu können.
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Thema der Frühförderung der Muttersprache von Migrantenkindern im Kindergarten auseinander.
Im ersten Kapitel soll eine theoretische Einführung zum Thema „Bilingualismus“ das nötige Basisverständnis schaffen, während im zweiten Teil der Arbeit eine Studie und
1
etliche Fachartikel und Expertenmeinungen in Bezug auf die wissenschaftlichen Forderungen an den Umgang mit Mehrsprachigkeit beleuchtet werden.
Das dritte Kapitel stellt einen groben Überblick über den aktuellen Stand der multikulturellen Integration im Kindergarten in Österreich dar. Es wird eine Studie präsentiert, die sich mit der „Einstellung von KindergartenpädagogInnen zu Ein- und Mehrsprachigkeit“ auseinander gesetzt hat. Außerdem werden drei österreichische Kindergärten vorgestellt, die die muttersprachliche Förderung unter anderem in den Mittelpunkt ihrer pädagogischen Arbeit gerückt haben.
Abschließend wird im Conclusio Teil darauf eingegangen werden, was eventuell zukünftig in diesem Bereich noch erforscht werden könnte und wie meine persönlichen Schlussfolgerungen dieser Arbeit lauten.
2
2 Theoretische Grundlagen zum Bilingualismus
2.1 Was versteht man unter „Mehrsprachigkeit“?
In der Regel verstehen Menschen unter dem Begriff Mehrsprachigkeit die gleich gute Beherrschung zweier Sprachen. Die Definition von „gleich gut“ fällt hierbei jedoch sehr vage aus, da nicht präzisiert wird, ob damit die Sprachkompetenz für die Alltagskommunikation oder auch Fachsprachenkompetenz gemeint ist. Auch die Lese- und Schreibfähigkeit wird nicht berücksichtigt.
Mehrsprachigkeit dient daher als Schirmbegriff, der viele einzelne Fähigkeiten in zwei oder sogar mehreren Sprachen unter sich vereint. Dazu zählen das Verstehen und Sprechen, aber auch die Kompetenz des Lesens und des Schreibens in einer Sprache (vgl. Küpelikilinc & Ringler, 2007, S. 29).
In der Wissenschaft ist die Definition „Beide Sprachen wie ein Einheimischer zu beherrschen“ („native-like control“, Bloomfield) [Hervorhebung v. Verf.] geläufig, auf der anderen Seite gibt es auch Definitionen, nach denen die Fähigkeit, vollständige, sinnvolle Äußerungen in mehr als einer Sprache zu machen, bereits als Mehrsprachigkeit anerkannt wird („complete meaningful utterances“, Haugen). [Hervorhebung v. Verf.] (vgl. Albayrak, 2007, S. 5f) Vereinfacht könnte man sagen:
„Unterschiedliche Sprachen im Kindergarten, in der Familie, im Lebensmittelgeschäft, auf dem Spielplatz, in der Straßenbahn.“ (Baker, 2007; zitiert nach Albayrak, 2007, S. 5)
In Österreich ist der Glaube, Monolingualität wäre die Norm und Bilingualität die Ausnahme, weit verbreitet. Es wird nicht bedacht, dass mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung mehrsprachig ist (vgl. Danzer, 2007, S. 69). Bilingualismus wird einerseits als wertvolles Bildungsgut angesehen, auf der anderen Seite werden mit Mehrsprachigkeit oft Schlagwörter wie „Sprachprobleme“ und „Defizite in der deutschen Sprache“ ver-bunden (vgl. Ulich, 2007, S. 20).
3
2.2 Bilinguale Sprachvermittlungskonzepte
Es werden mehrere Begriffe unterschieden, die im Bereich der Mehrsprachigkeit von Bedeutung sind:
2.2.1 Additive Mehrsprachigkeit
Eine zweite Sprache wird hinzugelernt, ohne die erste Sprache zu verlernen. Beide Sprachen entwickeln sich weiter, eine Situation, in der viele Vorteile der Mehrsprachigkeit für die sprachliche und kognitive Entwicklung insgesamt beobachtet werden können.
2.2.2 Subtraktive Mehrsprachigkeit
Die erste Sprache wird aufgrund des Eintauchens in eine neue Sprache verlernt oder zumindest nicht altersgemäß weiter entwickelt. Unter diesen Bedingungen können erhebliche Nachteile für die gesamte sprachliche und kognitive Entwicklung entstehen.
2.2.3 Doppelspracherwerb
Ein Kind lernt von Geburt an (oder bereits ab einem sehr frühen Alter) zwei oder mehr Sprachen gleichzeitig. Häufig handelt es sich um ein Kind, dessen Eltern zwei verschiedene Sprachen sprechen (z.B. Vater Türkisch, Mutter Deutsch). Es kann aber auch eine Tagesmutter oder eine andere wichtige Bezugsperson sein, die die zweite Sprache vertritt.
2.2.4 Zweitspracherwerb
Ein Kind lernt zu einem späteren Zeitpunkt eine zweite Sprache dazu, z.B. durch den Eintritt in den Kindergarten oder durch den Umzug in ein anderes Land. In der Regel wird gesagt, dass Zweitspracherwerb nach dem dritten Geburtstag eintritt (davor spricht man von Doppelspracherwerb). Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen einem Dreijährigen, einem Zehnjährigen und einem Erwachsenen, die jeweils beginnen, eine zweite Sprache zu lernen, weil diese unterschiedliche Lernstrategien und metasprachliche Fähigkeiten entwickeln. Zweitspracherwerb im Sinne eines Fremdsprachenunter-
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Arbeit zitieren:
Sophie Winkler, 2010, Frühförderung der Muttersprache von Migrantenkindern, München, GRIN Verlag GmbH
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