Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 3
2 Bibelauslegung bei den Kirchenvätern anhand von Gen 22 5
2.1 Historische Hinführung 6
2.2 Begriffsbestimmungen 7
2.2.1 Allegorie und Allegorese 7
2.2.2 Typologie 9
2.3 Origenes 10
2.3.1 Allgemeines 10
2.3.2 Homilia in Genesi octava 10
2.3.3 Homilia in Genesi nona 12
2.4 Ambrosius von Mailand 12
2.4.1 Allgemeines 12
2.4.2 De Abramo 13
2.5 Die Frage der Versuchung - Ein Vergleich 15
3 Zusammenfassung 17
4 Schluss 18
2
1 Einführung
Mit Isaak begegnet dem Leser einer der drei Patriarchen, der Erzväter des Alten Testamentes. In der Erzvätergenealogie in Gen 12-50 ist er nach Abraham und gefolgt von Jakob an zweiter Stelle. Interessant ist, dass dieser Name nur in der Bibel gebraucht wird, im außerbiblischen Kontext allerdings nicht belegt ist 1 . Als einziger Sohn Abrahams scheint ihm in Gen
22 eine schwere Bestimmung zu zukommen und gleichzeitig zeigt sich der Gott Abrahams als hartherzig, grausam und blutdürstig, da er ein Menschenopfer 2 verlangt. Wie die Existenz Abrahams 3 , so kann heute auch die Isaaks als historisch gesichert gelten 4 . Im Rahmen von
Gen 22, das zwischen der Geburt Isaaks (Gen 21) und dem Tod der Patriarchen (Gen 24) eingebunden ist, erfährt der Leser einen kurzen Abschnitt aus der Jugend des Isaak. Für ihn und seinen Glauben muss dieses Erlebnis letztlich prägend gewesen sein, da er hier die Liebe und Barmherzigkeit Gottes am eigenen Leib erfährt. Wir erfahren hier aber nicht nur von einer schönen Geschichte mit reichen Bildern. Wie in den vielen anderen Gotteserfahrungen, die innerhalb der Bibel geschildert werden, so findet sich auch in Gen 22 die objektive Glaubenserfahrung - die der Autor(en?) und des ganzen Volkes Israel 5 .
Die Perikope selber strotzt nur so von Bildern und tiefsinnigen Sätzen, so dass eine allegorische bzw. typologische Exegese ihrem Wesen wohl sehr entgegenkommt und auf positive Weise Elemente aus ihr aufgreifen kann. Um diese Auslegung besser verstehen und nach-
1 SCHMID,H.: Art. Isaak. In: NBL II. Zürich: Benzinger o. J., Sp. 238. Zur weiteren Bedeutung des Namen „Isaak“ („Gott lacht“ bzw. „lächelt“) vgl. u. a. N.N.: Art. Isaak. In: TRE XVI. Berlin: Walter de Gruyter 1987, Sp. 292-304 und UECKER, Thomas: Art. Isaak. In: BBKL II. Nordhausen: Traugott Bautz 1990, Sp. 1353-1356 und die dort angeführte Literatur, sowie GESENIUS, Wilhelm: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Hrsg. v. H. Donner. Berlin u. a.: Springer, S. 484.
2 An dieser Stelle bzw. in dieser Arbeit ausführlich auf die Bedeutung dieser Forderung einzugehen und die Problematik der Menschenopfer - damit auch die Frage nach der realen Existenz von Menschenopfer als Ausprägungen ritueller Handlungen - zu behandeln, würde den Rahmen sprengen. Es sei lediglich angemerkt, dass das Verlangen Jahwes nach einem Mensch als Opfer als Symbol für den absoluten Anspruch Jahwes auf die ganze Schöpfung gedeutet werden kann. (vgl. weiter: UECKER, Th.: Isaak, Sp. 1354). Für weitere Ausführungen sei auf den Exkurs von K. Engelken „Menschenopfer im Alten Orient und im Alten Testament“, in SEEBASS, Horst: Genesis II. Vätergeschichte I (11,27-22,24). Neukirchen-Vlyuyn: Neukirchener 1997, und die einschlägige Literatur verwiesen, z. B. in FREVEL, Christian: Art.
Menschenopfer, II. Altes Testament. In: LThK Bd. 7. Freiburg i. Br. u. a.: Herder 3 2006, Sp.118-120.
3 Vgl. Art. Abraham. In: Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Bd. 1. Leipzig u. a.: Brockhaus 201996, S. 57.
4 UECKER, Th.: Isaak, Sp. 1353
5 Vgl. BALTHASAR, Hans Urs v.: Herrlichkeit. Eine theologische Ästhetik. Bd. I. Schau der Gestalt. Einsiedeln, Trier: Johannes 3 1998, S. 294.
3
vollziehen zu können, werden zuerst die erforderlichen Begrifflichkeiten näher betrachtet. Anschließend möchte diese Arbeit einen Einblick in die Exegese der Kirchenväter geben und mit einem Vergleich abschließen.
4
2 Bibelauslegung bei den Kirchenvätern anhand von
Gen 22
Die Kirchenväter, unter denen die Kirche im Allgemeinen all jene ersten Theologen versteht, die in der frühen Kirche in der Nachfolge der Apostel begannen die apostolische Lehre weiterzuentwickeln und darzulegen 6 , verbanden in ihren Werken Theologie und Exegese,
Vernunft und Glaube, auf einmalige Art und Weise. Als patristischer Grundgedanke kann sicher folgendes Wort von Irenäus von Lyon gelten:
„Es ist vielmehr so, dass die Inhalte der Parabeln (d. h. der schwierigen Schriftstellen) klarer herausgearbeitet werden, um sie in die Grundgedanken der Wahrheit einzuordnen, und dass das Handeln und die Heilsordnung Gottes für die Menschheit erläutert werden“ (haer. 1,10,3). 7
Eine geistige Deutung von Schriftstellen war damals keineswegs eine unwesentliche Zutat zum Gesamt der Theologie und kann schon gar nicht als geistiges Spiel aufgefasst werden. Gerade gegenüber den Juden - und auch gegenüber der heidnischen Bevölkerung des Imperium Romanum - konnte das Neue, welches mit Christi Leben und Sterben in der Welt präsent wurde, mit einer Besinnung auf das Alte besser verdeutlicht werden. So er fuhr das Christentum durch den Bezug auf das Alte Testament - wobei man an dieser Stelle vielleicht wirklich einmal den Begriff des „Ersten Testamentes“ 8 gebrauchen kann - außerdem auch
eine weitere Verwurzelung in die Geschichte und konnte in einer gewissen historischen Situation Fuß fassen und gewissermaßen aus ihr heraus emporwachsen 9 . Innerhalb dieser Epoche
entwickelte sich im Laufe der Zeit verschiedene Schulen, die mit leicht verschiedenen Ansätzen 10 die Wahrheit des Glaubens von der Schrift her auslegten. Die Exegese der Kirchenväter
6
DROBNER, Hubertus R.:
Art. Kirchenväter. In: LThK Bd. 6. Freiburg i. Br. u. a: Herder
3
2006,
Sp. 71.
7 Irenäus von Lyon: Adversus haeresis 1,10,3. Hier zitiert nach: FIEDROWICZ, Michael: Theologie der Kirchenväter. Freiburg i. Br. u. a.: Herder 2007, S. 22.
8 Vgl. hierzu auch die kurzen, an dieser Stelle aber ausreichenden Ausführungen, von E. Zenger in: Ders. (Hrsg.): Einleitung in das Alte Testament. Stuttgart, 6 2006 (KStTh 1,1), S. 26f.
9 LUBAC, Henri de: Typologie, S. 12.
10 Beispielhaft seien hier Clemens von Alexandrien, Origenes, Hilarius von Poitiers und Augustinus genannt. Während Clemens bemüht ist zwischen der glaubensfeindlichen Gnosis und dem wissenschaftskritischen Christentum einen Mittelweg zu finden, gehen Origenes Bemühungen eher in die Richtung eines vernünfti-
5
entsprach eben den Anforderungen, die im frühen Christentum an sie gestellt wurde, und war oftmals eine geistige Schriftauslegung 11 .
Mit Origenes und Ambrosius von Mailand werden exemplarisch zwei bedeutende Kirchenväter genannt und anhand ihrer Gedanken und exegetischen Werke die Methode von Allegorie und Typologie bei den Kirchenvätern aufgezeigt.
2.1 Historische Hinführung
Durch die ersten vier bis fünf Jahrhunderte hindurch macht sich ein gewisses Wachstum des Christentums bemerkbar, denn „[d]ie Religion aus Jerusalem eroberte die römische Hauptstadt [und diesem] Eindringling (. . . ) fiel am Ende das Imperium zu“ 12 . In der christlichen Li-
teratur dieser Zeit wird zunehmend der Versuch unternommen, die damals bestehende antike Welt im Lichte des Christentums zu deuten; deshalb könnte man sagen, dass das Christentum in gewisser Hinsicht konservierend für das antike Denken gewirkt hat 13 . So kann man
diese Epoche literarisch in verschiedene Abschnitte untergliedern. Den Anfang markieren die Apostolischen Väter und die Apologeten, gefolgt von der Literatur der Verfolgungen. Die Literaten im dritten und vierten Jahrhundert waren geprägt von der aufstrebenden Reichskirche und den theologischen Auseinandersetzungen der damaligen Zeit 14 , aber auch davon,
dass sie mit dem Geist der Heiligen Schriften auch ihre Theologie vollkommen durchdrangen. Unter den Autoren von denen uns bis heute exegetische Werke erhalten sind, stechen besonders Origenes und Augustinus hervor 15 .
Besonders bedeutend für die Auslegungsgeschichte von Gen 22 sind die Anfänge bei Clemens von Alexandrien, der schon eine gewisse Tradition der typologischen Auslegung zu kennen scheint, denn in seinem ethischen Werk „Paidagogus“ nennt er die Beziehung zwischen Isaak und Jesus 16 .
gen Glaubens, einer wissenschaftlichen Theologie. Hilarius und Augustinus streben dann in ihren Werken, ähnlich dem Origenes, zu einer Theologie und zu einem Glauben, die von Intellekt und Erkenntnis geprägt sind.
11 Vgl. LUBAC, Henri de: Typologie, S. 10.
12 HAMMAN, Adalbert/ FÜRST, Alfons: Kleine Geschichte der Kirchenväter. Freiburg i. Br. u. a.: Herder 2004, S. 195.
13 HAMMAN, A.; FÜRST, A.: Geschichte., S. 195.
14 Vgl. ALTANER, Berthold/ STUIBER, Alfred: Patrologie. Leben, Schriften und Lehre der Kirchenväter. Freiburg i. Breisgau: Herder 1993, S.260: „ ...im Osten (waren) (. . . ) dies vor allem die Trinitätslehre und die Christologie (Arianismus, Nestorianismus, Monophysitismus), im Westen die Kirchen- und die Gnadenlehre (Donatismus, Pelagianismus)“.
15 Vgl. DROBNER, Hubertus R.: Lehrbuch der Patrologie. Frankfurt a. M.: Peter Lang 2 2004, S. 171.
16 Vgl.: CLEMENS ALEXANDRINUS: Paid. I,5,23,1: „ Und wo war wohl das Fenster, durch das der Herr sich zeigte? Das war das Fleisch, durch das er sichtbar geworden ist. Wiederum ist Isaak [denn man kann es auch anders auffassen] ein Vorbild des Herrn, ein Knabe wie der Sohn [denn er war Sohn Abrahams
6
Arbeit zitieren:
Florian Schmutz, 2008, Typlogische und allegorische Exegese bei den Kirchenvätern, München, GRIN Verlag GmbH
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