4.5 Anwendungsbezogene Inhalte 35
5. Kritische Betrachtung 38
6. Schluss 40
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Abbildungsverzeichnis :
Abb. 1: Lernfeld „Das Einzelhandelsunternehmen repräsentieren“
Abb. 2: Beschreibungskomponenten einer Lernsituation
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1. Stand des Lernfeldkonzepts
Mit der Einführung des Lernfeldkonzepts an beruflichen Schulen durch das Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) Ende der neunziger Jahre geschah ein Wechsel weg von fachsystematisch orientierten Lehrplänen hin zu Lehrplänen, die sich an beruflichen Handlungen orientieren. Dadurch wird laut Clement (2003, S. 1) gehofft, dass das von vielen als obsolet bezeichnete Fächerprinzip nun durch eine handlungsorientierte Ausbildungsstruktur ersetzt wird. Auch bei der Lehrplanentwicklung für den Einzelhandel im Jahr 2004 wurde dieser neue Weg eingeschlagen. Beide Berufe, Verkäuferin/Verkäufer und Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel, sind seit Juni 2004 nach dem Lernfeldkonzept strukturiert (Dilger, Krakau, Rickes, Sloane & Tiemeyer, 2005, S. 3). Dieses neue Konzept stellte die Rahmenlehrplanausschüsse vor eine schwierige Aufgabe. Sie mussten ein neues und nur grob entwickeltes Curriculumkonzept so konkretisieren, dass mit ihm die angestrebten Ziele in der organisatorischen und didaktischen Planung des Unterrichts verwirklicht werden konnten. Auf der Schulebene ergab sich das gleiche Problem, hier mussten die Lernfelder unter den Rahmenbedingungen der jeweiligen Schulen in Lernsituationen konkretisiert und für den Unterricht aufbereitet werden (Bader, 2004, S. 11). Das Lernfeldkonzept soll nach Tramm (2003) den Stellenwert der Berufsschule im dualen System stärken und gleichzeitig den Bildungsauftrag der Berufsschule offensiv umsetzen. Zusätzlich soll es die Rolle der Berufsschule als Lernort stärken, nachdem diese in den 90er Jahren vor allem wegen der nicht berufsbezogenen Fächer und ihrem allgemeinen Bildungsauftrag von Wirtschaftsverbänden und Kammern kritisiert wurde (ebd.). Die Idee des Lernfeldkonzepts ist nach Dubs (2000, S. 24), den eher disziplinenorientierten und auf Faktenwissen ausgerichteten Unterricht durch einen handlungsorientierten, auf die Bearbeitung von authentischen Problemen orientierten Unterricht, zu ersetzen.
Ziel dieser Arbeit ist es, zuerst die grundlegenden Elemente des Lernfeldkonzepts zu skizzieren. Danach wird der Prozess der Umsetzung lernfeldstrukturierter Lehrpläne in Lernsituationen genauer betrachtet und im Kapitel 4 auf die Merkmale zur Gestaltung von Lernsituationen eingegangen. Am Ende erfolgt eine kritische Betrachtung des gesamten Lernfeldansatzes aus verschiedenen Perspektiven. Im Lernfeldkonzept kommt immer wieder die Förderung des selbst regulierten Lernens zur Sprache, die zur erfolgreichen Umsetzung auf allen Ebenen der Bildungsgangarbeit berücksichtigt werden sollte. In dieser Arbeit wird das selbstgesteuerte
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Lernen nur im Kapitel 2.6 angesprochen, da es eine ganze Arbeit füllen würde, dieses Thema ausführlich und differenziert darzustellen.
2. Zentrale Elemente des Lernfeldkonzepts
2.1 Rahmenlehrplan Einzelhandel
Der Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel ist dem Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung zugeordnet und die reguläre Ausbildungszeit beträgt drei Jahre (Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung [ISB], 2001, S. 2). Für den Ausbildungsberuf Ver-
käufer/Verkäuferin, der in dieser Arbeit nicht näher behandelt wird, beträgt die reguläre Ausbildungszeit nur zwei Jahre, in der der Lehrplan deckungsgleich mit den ersten zwei Ausbildungsjahren der Kaufleute im Einzelhandel ist. (ISB, 2001, S. 7). Der neue Rahmenlehrplan trat durch den Beschluss der KMK am 18.06.2004 in Kraft (ISB, 2001, S. 2). Die Tätigkeitsfelder eines Kaufmanns/einer Kauffrau im Einzelhandel sind hauptsächlich der Warenverkauf, die Beratung und der Service. Weitere Tätigkeitsfelder können der Servicebereich Kasse, die Warenbeschaffung, der Wareneingang, die Lagerwirtschaft, das Marketing, die Personalwirtschaft und das Rechnungswesen sein (ISB, 2001, S. 7). Vor der Einführung der lern-feldorientierten Rahmenlehrpläne wurde an beruflichen Schulen getrennt nach Fächern unterrichtet. Diese richteten sich an den jeweiligen Wissenschaftsgebieten der Universitäten aus. In Folge dessen enthielten diese Lehrpläne eine Liste von Fachinhalten, die den Schülerinnen und Schülern fachsystematisch durch die Lehrkraft vermittelt werden sollten (Beck, Fritz, Otte & Schäfer, 2008, S. 11). Ergebnisse aus der pädagogischen und psychologischen Forschung haben gezeigt, dass es vorteilhaft ist, Lehrpläne handlungsorientiert zu gestalten (KMK, 2007, S. 17). Nach der Handreichung der KMK (2007, S. 17) ist es darum unverzichtbar, die entsprechenden Arbeits- und Geschäftsprozesse mit den Fachwissenschaften in Zusammenhang zu bringen. Diese können, soweit sie in den Handlungsfeldern der Ausbildungs-ordnungen des jeweiligen Ausbildungsberufs ausreichend beschrieben sind, zur Strukturierung der Lernfelder im Rahmenlehrplan verwendet werden (ebd.). Im Vergleich zu z. B. Baden-Württemberg erfolgt in Bayern keine direkte Übernahme des Rahmenlehrplans für die schulische Arbeit. Eine Kommission des bayerischen Landesinstituts, das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung in München (ISB), erarbeitet aus dem von der KMK vorgegebenen Rahmenlehrplan ihre Lehrplanrichtlinien und teilweise Umsetzungshilfen zur Implementation. Hier erfolgt eine Bündelung der Lernfelder in Fächern. Damit verfolgt das
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ISB (2006, S. 36) nach eigener Aussage vor allem die Ziele Leistungserhebungen zu reduzieren, Abschlusszeugnisse übersichtlicher zu gestalten und dem in der Berufsschulordnung verankerten Fächerprinzip gerecht zu werden. Das ISB weist darauf hin, dass durch das oben genannte Vorgehen, also die Anpassung des Rahmenlehrplans, das Prinzip der Handlungsorientierung nicht verletzt wird (ISB, 2006, S. 36).
Der lernfeldorientierte Rahmenlehrplan unterteilt sich in die drei Unterrichtsfächer „Kunden-orientiertes Verkaufen“, „Einzelhandelsprozesse“ und „Kaufmännische Steuerung und Kontrolle“. Dazu kommen noch Englisch, Deutsch, Religionslehre bzw. Ethik und Sozialkunde mit je einer Schulstunde pro Woche (ISB, 2001, S. 3). Es ist auch möglich, den Berufsschulunterricht als Blockunterricht zu gestalten. Diese Organisationsform wird aus Gründen der Vereinfachung hier nicht genauer erläutert. In dieser Arbeit soll das im Fach „Einzelhandelsprozesse“ enthaltene Lernfeld „Das Einzelhandelsunternehmen repräsentieren“, das im Kapitel 2.3 genauer vorgestellt wird, als Beispiel dienen. An diesem Beispiel soll die Entwicklung einer Lernsituation aus einem Lernfeld aufgezeigt werden. Der Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz beschreibt nur die Entwicklung und Abstimmung der Lernfelder. Die Umsetzung in Lernsituationen, die im Unterricht einsetzbar sind, ist Aufgabe der Lehrkräfte an den Berufsschulen und bedarf der Regelungen durch die Länder (KMK, 2007, S. 18). In dieser Arbeit dienen die vom Cornelsen Verlag im Jahr 2010 veröffentlichten Lehr- und Arbeitsbücher (vgl. Fritz, 2010a & b) als Praxisbeispiele. Beide Bücher sind nach Lernfeldern gegliedert und das im Lehrbuch vorhandene Fachwissen ist im Arbeitsbuch in Lernsituationen aufbereitet worden.
2.2 Handlungsfeld
Handlungsfelder sollen nach Kremer und Sloane (2000a, S. 73) als komplexe Aufgabenbereiche formuliert werden. Sie sollen berufliche und außerberufliche Lebensräume abbilden und Aufgabenbündel zusammenfassen. Handlungsfelder dienen den Lehrenden und Curriculumentwicklern als Grundlage zur Gestaltung von Lernsituationen, den Schülerinnen und Schülern als Anwendungsfelder für schulische Lerngegenstände. Nach Bader und Schäfer (1998, S. 230) verknüpfen Handlungsfelder berufliche, gesellschaftliche und individuelle Problemstellungen. Die Berufsbilder, die Ausbildungsordnungen und vor allem die berufliche Ausbildungsrealität selbst, geben Hinweise auf berufliche Problemstellungen. Die gesellschaftlichen Problemstellungen ergeben sich für die Lernenden durch den Kontakt mit Anderen in sozialen
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Gruppen, z. B. Vereinen. Die individuellen Problemstellungen betreffen den privaten Bereich, z. B. die Familie oder den Freundeskreis. Soweit möglich, sollte in Lernsituation die Mehrdimensionalität von Handlungsfeldern, im Sinne von berufsbezogenen als auch berufsübergreifenden Anteilen, berücksichtigt werden (Bader & Schäfer, 1998, S. 230). Zu Beginn der Lehrplanarbeit sollten die Handlungsfelder zwischen der Rahmenlehrplankommission und den verantwortlichen Sachverständigen des Bundes abgestimmt werden (KMK, 2007, S. 18).
Nach Kremer und Sloane (2000a, S. 72) ist noch nicht ausreichend geklärt, was ein exemplarisches Handlungsfeld ausmacht und nach welchen Kriterien es charakterisiert werden kann. Als mögliches Vorgehen nennen sie (ebd.) die Orientierung an Geschäftsprozessen. Dieses wird in Kapitel 4.5 noch weiter vertieft. Nach der Meinung von Kremer und Sloane (2000b, S. 171) fordern Handlungsfelder eine Deckungsgleichheit mit den betrieblichen Anwendungsfeldern, was durch den Hinweis der KMK Richtlinie auf die Anbindung an das Ausbildungsberufsbild noch verstärkt wird. Kremer und Sloane (ebd.) weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass vor dem Hintergrund des Bildungsauftrags der berufsbildenden Schulen eine Konzentration auf betriebliche Anwendungsfelder und die Bewältigung dieser nicht ausreichend sind und daher eine Orientierung am Lebensraum der Schülerinnen und Schüler zusätzlich notwendig ist.
2.3 Lernfeld
In lernfeldstrukturierten Curricula werden keine Fächer sondern Lernfelder vorgegeben. Auf diesen Lernfeldern soll der Unterricht aufbauen, der im optimalen Fall strukturell fächerübergreifend und handlungsorientiert ist. Die Ordnung nach Unterrichtsfächern wird durch eine handlungslogische Struktur ersetzt. Bei Lernfeldern handelt es sich nach Dilger und Sloane (2007, S. 35) um exemplarische Tätigkeitsfelder bzw. curriculare Bausteine (KMK, 2007, S. 18). In ihnen sind die beruflichen Aufgaben, konkretisiert durch die Zielformulierungen, sowie die fachlichen Inhalte enthalten (Dilger & Sloane, 2007, S. 35). Lernfelder sind „didaktisch begründete, schulisch aufbereitete Handlungsfelder“ (Bader, 2000, S. 16), die fachtheoretische Inhalte in einen Anwendungszusammenhang bringen (KMK, 2007, S. 18). In ihnen werden komplexe Aufgabenstellungen zusammengefasst. Lernfelder beinhalten Zielformulierungen die aus Kompetenzbeschreibungen und Inhaltsangaben bestehen. Die Bearbeitung erfolgt im Unterricht in handlungsorientierten Lernsituationen (Bader, 2000, S. 16). Im nachfolgenden Beispiel (Abb. 1) sieht man den Aufbau eines Lernfelds aus den Lehrplanrichtli-
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nien für die Fachklasse Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel vom Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (ISB, 2004, S. 10).
Abb. 1: Lernfeld „Das Einzelhandelsunternehmen repräsentieren“ (ISB, 2004, S. 10)
Im Lehrplan werden für jedes Lernfeld der Titel, der die zu vermittelnde Fähigkeit grob beschreibt, die Zuordnung zum Ausbildungsjahr, der Zeitbedarf, die Zielbeschreibung und die Inhalte vorgegeben (KMK, 2007, S. 17). Der erste Satz der Zielbeschreibung eines Lernfelds
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verdeutlicht die Kernkompetenz, die ein Kaufmann/eine Kauffrau im Einzelhandel am Ende der Lernsituation beherrschen sollte. Unter Kompetenz versteht man im Allgemeinen die Bereitschaft und Befähigung, eine bestimmte Handlung vorzunehmen. Gleichzeitig spiegelt dieser erste Satz die Thematik des Lernfelds wider. In diesem Fall ist die Kernkompetenz bzw. die Thematik: „Die Schülerinnen und Schüler präsentieren den Ausbildungsbetrieb“. Die nachfolgenden Sätze beschreiben die Kernkompetenz genauer und spalten sie in einzelne Kompetenzen auf. Aus diesen Kompetenzen werden dann nachfolgend Handlungen entwickelt. Die Inhaltspunkte am Ende des Lernfelds stehen in direktem Zusammenhang mit dem Lernfeldtext und konkretisieren bzw. schränken die oben beschriebenen Kompetenzen ein. Sie beziehen sich teilweise auf ganz bestimmte Sätze oder Wörter der Kompetenzbeschreibungen im Lernfeldtext. So betrifft zum Beispiel der Inhaltspunkt „Ausbildungsvertrag“ die Kompetenz „...setzen sich mit den Regelungen sowie Aufgaben, Rechten und Pflichten der Beteiligten im dualen System der beruflichen Ausbildung auseinander“ (ISB, 2004, S. 10). Durch die Inhaltspunkte wird verdeutlicht, was konkret die Schülerinnen und Schüler untersuchen sollen, wobei die beschriebenen Inhalte auf jedem Fall als Mindestanforderung anzusehen sind (ISB, 2009, S. 8f.). Nach der Handreichung der KMK (2007, S. 17) ergibt sich aus der Gesamtheit aller Lernfelder der Beitrag der Berufsschule zur Berufsqualifikation.
2.4 Lernsituation
Lernsituationen konkretisieren die Lernfelder und sind nach Dilger und Sloane (2007, S. 27) die kleinste Einheit im Bildungsgang. Sie stellen lernerbezogene Problemstellungen dar, die auf Basis der Lernfelder entwickelt werden. Als Ergebnis der unterrichtlichen Konstruktion von Handlungsfeldern (Sloane, 2000, S. 81) stellen sie die Fachinhalte in einen Anwendungszusammenhang (ebd.) und werden nach Sloane (2003, S. 10) nicht direkt aus Lernfeldern abgeleitet, sondern durch eine Gruppe von Lehrkräften im Diskurs entwickelt. Deshalb gibt es nicht die eine, objektiv richtige Lernsituation. Die Umsetzung von Lernsituationen erfolgt nicht in einzelnen Unterrichtsstunden, sondern in Unterrichtsreihen (Dilger & Sloane, 2007, S. 48). Da die in Lernsituationen verwendete Theorie in einen Anwendungszusammenhang gebracht wird, muss bei der Gestaltung ein Bezug zu den individuellen Handlungsfeldern der Schülerinnen und Schüler hergestellt werden (Kremer & Sloane, 2000a, S. 73). Durch die Bearbeitung problemhaltiger Lernsituationen soll die Kompetenz zur Bewältigung der durch die Lernfelder definierten Aufgaben und Problemstellungen und eine Vermittlung theoretischer Fachkenntnisse erfolgen (Drees & Pätzold, 2002, S. 11). Drees und Pätzold (2002, S.
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Arbeit zitieren:
Stefan Groitl, 2010, Umsetzung lernfeldstrukturierter Lehrpläne in Lernsituationen im Einzelhandel, München, GRIN Verlag GmbH
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