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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Eric Williams’ Capitalism and Slavery
2.1. Wirtschaftliche Bedeutung des Dreieckshandels und Gründe für die
Abolition - eine kurze Darstellung der zentralen Williamsthesen 5
2.2. Marxistische Geschichtsschreibung und koloniale Emanzipations-
bestrebungen - prägende Einflüsse auf Capitalism and Slavery 8
3. Die Rezeption von Williams’ These zur wirtschaftlichen Bedeutung
des Sklavenhandels
3.1. Vorwurf von Voreingenommenheit und wirtschaftlichem
Determinismus in den 40er und 50er Jahren 12
3.2. Debatte der 60er und 70er Jahre - eine verengte Debatte über die
H öhe der Profite 16
4. Kontextualisierung und ideologiekritische Bewertung der Debatte 22
Literaturverzeichnis 29
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1. Einleitung
„Every age rewrites history, but particularly ours, which has been forced by events to re-evaluate our conceptions of history and economic and political development.” 1 Mit diesen Worten beginnt Eric Williams sein Werk Capitalism and Slavery, das er 1944 herausbrachte und in dem er neue mutige Thesen über den Zusammenhang zwischen der Sklaverei, dem Dreieckshandel und der Entwicklung des Kapitalismus aufstellte. In einnehmender Weise schrieb er mit diesem Werk die Geschichte neu, beeinflusst von den entstehenden Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien, speziell seiner Heimat Trinidad und Tobago.
Aber nicht nur jede Epoche schreibt ihre eigene Geschichte, sondern auch die Protagonisten jeder Epoche jeweils aus ihrem eigenen Blickwinkel. So kam es in der Folge des Erscheinens von Capitalism and Slavery zu den verschiedensten Reaktionen, die jedes Mal von den jeweiligen zeitgenössischen Ereignissen und von der geographischen und politischen Herkunft ihrer Autoren geprägt waren. Diese Arbeit soll sowohl die bahnbrechenden Ergebnisse von Capitalism and Slavery zusammenfassen als auch den Kern der wichtigsten Antworten, die dieses Werk hervorrief, umreißen und kommentieren. Hierbei konzentriert sich die Arbeit auf einen Zweig der Debatte, der sich einer der zwei Hauptthesen in Capitalism and Slavery über die Bedeutung der Sklaverei für die Entwicklung des Kapitalismus widmete. Dabei geht es um die Annahme, dass die Profite aus dem Sklavenhandel einen unentbehrlichen Beitrag zum Start der Industriellen Revolution in Großbritannien leisteten. Als zentrales Werk und Antwort auf Eric Williams wird in dieser Arbeit der Artikel von Stanley Engerman 2 The Slave Trade and British Capital Formation in the Eighteenth Century eingestuft, der einen wichtigen Beitrag zur Debatte leistete. Die Rezeption von Capitalism und Slavery unterlag einer Entwicklung, die von anfänglicher Zurückweisung des Werkes in den 40er, 50er und Anfang der 60er Jahre, bis hin zur formellen Anerkennung der Williamsthesen durch die Geschichtswissenschaft seit Mitte der 60er Jahre reichte. Diese Entwicklung wird hier anhand der Untersuchung einiger Rezensionen aus den 40er Jahren, späterer Zeitschriftenartikel, die eine kritische Argumentation gegenüber der
1 Eric Williams, Capitalism and Slavery. New York 1966.
2 Stanley L. Engerman, The Slave Trade and British Capital Formation in the Eighteenth Century: A Comment on the Williams Thesis. In: The Business History Review 46,4 (1972) S.430 - 443.
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Williamsthese entfalten wie der oben bereits genannte von Engerman und unter zu Hilfenahme früherer Darstellungen der Debatte 3 dargestellt. Die Argumente der jeweiligen Kritiker von Williams sollen in aller Kürze kritisch hinterfragt werden.
Im Anschluss daran bemüht sich diese Arbeit um ideologiekritische Bewertung der Debatte. Die Debatte wird in ihrem historischen und ideologischen Kontext untersucht. Dabei wird erörtert, welches der jeweilige Hintergrund von Stellungnahmen war und wie diese Stellungnahmen in ihrem politischen Kontext zu erklären sind.
3 Roderick A. McDonald, The Williams Thesis: A Comment on the State of Scholarship. In: Caribbean Quarterly 25,3 (1979) S. 63 - 68; Hilary Beckles, Capitalism and Slavery: The Debate over Eric Williams. In: Social and Economic Studies 33,4 (1984) S. 171 - 189; Cedric J. Robinson, Capitalism, Slavery and Bourgeois Historiography. In: History Workshop 23 (1987) S. 122 - 140; Martin Conzillius, Eric Williams: Capitalism and Slavery. Geschichtsschreibung als Mittel zur kulturellen Dekolonisation. In: Periplus 5 (1995) S. 85 - 97.
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2. Capitalism and Slavery
2.1. Wirtschaftliche Bedeutung des Dreieckshandels und Gründe für die
Abolition - eine kurze Darstellung der zentralen Williamsthesen
Die erste der Williamsthesen beschäftigt sich mit der Bedeutung der Sklaverei und des Systems des sogenannten Dreieckshandels für die wirtschaftliche Entwicklung Großbritanniens. 4 Im Ganzen lautet die erste These folgendermaßen:
„The triangular trade gave a triple stimulus to British industry. The Negroes were purchased with British manufactures; transported to the plantations, they produced sugar, cotton, indigo, molasses and other topical products, the processing of which created new industries in England; while the maintenance of Negroes and their owners on the plantations provided another market for British industry, New England agriculture and the Newfoundland fisheries. By 1750 there was hardly a trading or manufacturing town in England which was not in some way connected with the triangular or direct colonial trade. The profits obtained provided one of the main streams of that accumulation of capital in England which financed the industrial revolution.” 5
Die Karibik lieferte auf der einen Seite braunen Zucker, Melasse und Baumwolle und auf der anderen Seite waren die Plantagen Abnehmer, in geringerem Maße für Wolle, aber vor allem für Baumwollprodukte, Fisch aus Neufundland und andere Existenzgüter. In Afrika wiederum wurden Waren wie Ramsch aus Glas, Waffen oder Textilien gegen Sklaven ausgetauscht. Während nach Williams die neuen Produkte wie Zucker, Rum und vor allem Baumwolle neue Industrien entstehen ließen, eröffneten sich durch den Dreieckshandel auch große Märkte für die entstehenden Manufakturen. Diese Märkte ermöglichten die Expansion der englischen Manufakturen. Zu diesen Märkten hinzu kam der größer werdende Überseehandel selber, der einen Aufschwung für den Schiffsbau, für Seilereien und die Metallindustrie mit sich brachte.
So wuchsen auf der einen Seite Bristol, Glasgow und vor allem Liverpool, dass heißt Hafenstädte, die mit dem Sklavenhandel verbunden waren, stark an. Auf der anderen Seite floss das Kapital, das hier im Überseehandel akkumuliert wurde, in ihr Hinterland und befruchtete dort das Wachstum der
4 Vgl. Eric Williams, Capitalism and Slavery. V.a. Kapitel 3, S. 51 - 84 + Kapitel 5, S. 98 - 107.
5 Ebd., S. 52.
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Industrie. Zentral war dabei die Baumwollindustrie in Manchester, Ursprung der englischen Industrie überhaupt, die durch die Sklaverei und den Dreieckshandel sowohl ihre Rohmaterialien als auch ihren Markt erhielt. Das Wachstum Manchesters war so eng verbunden mit dem Wachstum Liverpools. Über Liverpool lief der Exporthandel der Baumwollindustrie in Manchester, deren erste Märkte Afrika und West Indien waren. 1770 ging ein Drittel des Baumwollexports an die Küste Afrikas und die Hälfte ging in die amerikanischen und westindischen Kolonien. Williams weist auch Fälle nach, bei denen Industrielle verstrickt waren in den Sklavenhandel. Besonders zeigt sich diese Verstrickung beim Schiffsbau, allerdings führt Williams auch einige Fälle auf, die eine Verstrickung von Baumwollfabrikanten in den Sklavenhandel zeigen. 6
Dies reißt bereits einen weiteren wichtigen Aspekt der Williamsthese an, der schließlich Ziel eines großen Teils der Kritik an seinen Thesen wurde: Das Kapital, das im Dreieckshandel und insbesondere im Handel mit Sklaven und auf den Plantagen in der Karibik akkumuliert wurde, diente dazu, die Industrielle Revolution zu finanzieren. „Typical of the eighteenth century banker is the transition from tradesman to merchant and then the further progression from merchant to banker.“ 7 Und so ging Handelskapital in Finanzkapital über. Williams legt dar, wie die Notwendigkeiten des Überseehandels Banken und Versicherungen entstehen ließen, viele davon in Liverpool und Manchester. Diese Banken, finanzierten schließlich auch große Industrieunternehmungen wie Baumwollfabriken und Kanalbauten. Auch die Entwicklung der Schwerindustrie wurde mit Kapital aus dem Dreieckshandel finanziert. Die besten Beispiele dafür sind sicherlich Boulton und Watt, die die Erfindung der Dampfmaschine mit Kapital finanzierten, dass aus dem Dreieckshandel kam. 8 Das gleiche gilt für viele andere
Industrieunternehmungen: Die Schieferindustrie in Wales wurde zum Beispiel mit Kapital aus dem Dreieckshandel revolutioniert. Die erste Eisenbahnstrecke zwischen Liverpool und Manchester wurde mit durch den Dreieckshandel finanziert.
Die Expansion der Industrie brauchte viel Geld. Für Williams ist die Quelle dieses Geldes klar: „What man in the first three-quarters of the eighteenth century was better able to afford the ready capital than a West Indian sugar
6 Vgl. ebd., S. 58f + 70f.
7 Ebd., S. 99.
8 Vgl. ebd., S. 103.
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planter or a Liverpool slave trader?“ 9 Die Plantagen und der Sklavenhandel seien sehr profitabel gewesen. 10 In Liverpool seien im ersten Drittel des 18. Jh. Profite von 100 Prozent pro Expedition nicht ungewöhnlich gewesen. In den 80er Jahren hätten der Sklavenhandel in Liverpool jährlich 300 000 ₤ eingebracht. Folge man den Zahlen einer zeitgenössischen Quelle, hätten 1783 und 1793 die Schiffe aus Liverpool im Schnitt einen Profit von 30% gemacht. Auch wenn Williams bemerkt, dass die moderne Forschung solchen Quellen gegenüber den Vorwurf erbracht habe, sie seien übertrieben gewesen. 11
Und auch wenn der Dreieckshandel nicht „solely and entirely responsible for the economic development” 12 gewesen sei, so sei er dennoch ein enormer Beitrag dazu gewesen: „The profits from this trade fertilized the entire productive system“ 13 .
Die zweite der Williamsthesen betrifft die Abolition des Sklavenhandels und der Sklaverei. Sie ist zwar weniger von Bedeutung für diese Arbeit, dennoch soll sie hier knapp umrissen werden. Williams widerspricht der vorherrschenden These, die Abolition sei der Sieg der Humanität oder christlicher Werte über wirtschaftliche Interessen gewesen. Im Gegenteil:
„[Der erst durch die Sklaverei entstandene Industriekapitalismus] 14 turned round and destroyed the power of commercial capitalism, slavery, and all its works.“ 15 “The political and moral ideas of the age are to be examined in the very closest relation to the economic development. Politics and morals in the abstract make no sense. We find the British statesmen and publicists defending slavery today, abusing slavery tomorrow, defending slavery the day after.” 16 “The humanitarians , attacking the system in its weakest and most indefensible spot, spoke a language that the masses could understand. They could never have succeeded a hundred years before when every important capitalist interest was on the side of the colonial system.” 17 „When British capitalism found the West Indies monopoly a
9 Ebd., S. 98.
10 Vgl. ebd., S. 25f + 36f.
11 Vgl. ebd., S. 36.
12 Ebd., S. 106.
13 Ebd., S. 105.
14 Anmerkung des Verfassers werden in Zitaten im Lauftext im folgenden immer mit eckigen Klammern markiert.
15 Ebd., S.210.
16 Ebd., S. 211.
17 Ebd., S. 136.
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nuisance, they destroyed West Indian slavery as the first step in the destruction of West Indian monopoly” 18
Die Abolition entsprang Williams zufolge wirtschaftlichen Interessen. Er ist der Meinung, das die Rolle der Abolitionisten weitgehend überbewertet wurde, obwohl er ihnen auch nicht jegliche Bedeutung absprechen will. Die Abolition in der Karibik entsprach den Erfordernissen des modernen Kapitalismus und auch konkreten wirtschaftlichen Gründen wie der Konkurrenz mit anderen Zuckerinseln und dem Abbau von Überproduktion. „Overproduction in 1807 demanded abolition, overproduction in 1833 demanded emancipation. 19
Die Leistung von Williams besteht vor allem darin, diese beiden Haupt -Thesen miteinander verschmolzen zu haben. 20 Beide Thesen für sich wurden schon vorher von einigen Historikern in Amerika, Großbritannien, Deutschland und Frankreich aufgeworfen. Williams hat sie in seinem Werk zusammengeführt und den Zusammenhang zwischen ihnen hergestellt. Des Weiteren ist Williams Darstellung sehr viel umfangreicher, als die seiner Vorgänger. Sie enthält eine große Zahl von Beispielen. Außerdem enthält Williams’ Werk weitere Unterthesen. So erklärte er auch die Amerikanische Unabhängigkeit und der Entstehung des Rassismus mit wirtschaftlichen Gründen und im Zusammenhang mit dem Dreieckshandel und der Sklaverei.
2.2. Marxistische Geschichtsschreibung und koloniale Emanzipationsbestrebungen - prägende Einflüsse auf Capitalism and Slavery Capitalism and Slavery hat politische Hintergründe und Motivationen. Williams ist beeinflusst vom Marxismus. Große Teile seiner These sind im Grunde auch schon bei Marx vorhanden, als Teil der Ursprünglichen Akkumulation. 21 Williams selber beruft sich nicht direkt auf Das Kapital und
18 Ebd., S.169.
19 Ebd., S.152.
20 Vgl. William Darity, Eric Williams and slavery. A West Indian viewpoint? In: Eric Williams and the Postcolonial Caribbean: A Special Issue. Callaloo 20,4 (1997) S. 813.
21 Nach Marx muss eine „Ursprüngliche Akkumulation“ der „kapitalistischen Akkumulation“ vorausgehen, die „nicht das Resultat der kapitalistischen Produktionsweise (d.h. der industriellen Lohnarbeit Anm. des Verfassers) ist, sondern ihr Ausgangspunkt“ (Karl Marx, Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie. Band I, S.751). „Das Kolonialsystem reifte treibhausmäßig Handel und Schiffahrt. Die ‚Gesellschaften Monopolia’ (Luther) waren gewaltige Hebel der Kapital -Konzentration. Den aufschießenden Manufakturen sicherte die Kolonie Absatzmarkt und eine durch das Marktmonopol potenzierte Akkumulation. Der außerhalb Europa
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Niko Pankop, 2009, Die Rezeption von Eric Williams’ "Capitalism and Slavery" und die Debatte über die Profite im Sklavenhandel, München, GRIN Verlag GmbH
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British Capitalism and Caribbean Slavery: The Legacy of Eric Williams
Barbara Lewis Solow, Stanley L. Engerman, Solow Barbara Lewis
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