Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Reaktionärer und revolutionärer Charakter der Bewegung 4
3.1. Der Rassismus als Folge von Konkurrenz und mangelndem
Klassenbewusstsein 8
3.2. Die Angriffe auf unbeteiligte Schwarze 10
4. Warum die Teilnahme an einer Bewegung mit reaktionärem Charakter? 13
5. Schlussfolgerung 17
Literaturverzeichnis 18
Quellenverzeichnis 18
2
1. Einleitung
Die Parole „Workers of the World Unite and fight for a white South Africa“ wurde in der Forschung als Vermischung rassistischer und sozialistischer Ideologien bewertet. Jeremy Krikler dessen Monografie White Rising den neusten Stand der Forschung zu diesem Thema darstellt, spricht von einem „racial socialism“ und davon, dass „the class ideology and the socialism of the movement of 1922 sat uncomplicated with racism.“ Es gäbe generell keinen grundlegenden Widerspruch zwischen Sozialismus und Rassismus, sondern es bestünde immer die Gefahr, dass „the plant of socialism would grow towards the white light of rassism.“ Dies veranlasst ihn auch zu der Bemerkung, dass der Sozialismus erst durch die Aktionen der internationalen kommunistischen Bewegung vom Rassismus getrennt wurden, aber dieser Prozess habe im Falle der SACP gerade erst begonnen und einige Mitglieder der kommunistischen Partei wären sogar „compromising with rassism“ 1 . In dieser Behauptung stützt er sich vor allem auf das Werk von Jack und Ray Simons, die darin zahlreiches Quellenmaterial aus der International und sonstigen Veröffentlichungen der kommunistischen Partei Südafrikas ausgewertet haben. Sie erwecken den Eindruck, die Kommunisten hätten sich dem Druck einer rassistischen Bewegung gebeugt und diesen Rassismus dadurch gerechtfertigt. 2
Deshalb erscheint es sinnvoll kommunistische Quellen einer erneuten Untersuchung zu unterziehen, um eine Klarstellung der kommunistischen Position zu erreichen. Hierzu sollen Artikel aus der Internationalen Pressekorrespondenz (Inprekorr) dienen. Inprekorr war in erster Linie ein Informationsdienst für die kommunistische Presse, die Artikel richten sich demnach nicht in erster Linie an Außenstehende, sondern an Mitglieder der kommunistischen Parteien selbst. Das heißt, die Inprekorr diente nicht in erster Linie der Propaganda, sondern dem internen Informationsverkehr. Daher kann man davon ausgehen, dass sie eine offenere Sprache führt und weitergehende Einschätzungen wiedergibt, ohne an ein außenstehendes Publikum angepasst zu sein. So heißt es in der ersten Nummer der Inprekorr in einer kurzen Einleitung:
„Die internationale Pressekorrespondenz will ein treues Bild der jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse aller Länder bieten, die
1 Alle vorstehenden Zitate aus Jeremy Krikler, White Rising: The 1922 insurrection and
racial killing in South Africa, S. 110.
2 Vgl. Jack und Ray Simons, Class and Colour in South Africa 1850 - 1950. S. 281f;
3
wichtigsten Erscheinungen des proletarischen Klassenkampfes schildern, den Stand und die Fortschritte unserer Bewegung aufzeigen [...] Durch die Vermittlung einer möglichst genauen Kenntnis der Verhältnisse der einzelnen Länder sowie durch das internationale Zusammenwirken bei dieser Arbeit soll das Band zwischen den einzelnen Parteien enger geschlossen werden und die Kooperation erleichtert werden“. 3
In dieser Arbeit werden auch Artikel von Mitgliedern der SACP selber untersuch, die in der Inprekorr veröffentlicht wurden. Diese ermöglichen, so die Redaktion, „einen tieferen Einblick in die Zusammenhänge der Bewegung“ 4 im Witwatersrand.
2. Reaktionärer und revolutionärer Charakter der Bewegung
Zunächst muss hier die Einschätzung des Charakters der Bewegung durch die Kommunisten dargestellt werden. Folgt man Simons und Simons, so hielten die Kommunisten den Streik für „reactionary in form and progressive in content.“ 5 Dies geht auch aus den Artikeln in Inprekorr hervor. Auf der einen Seite wurde der objektiv revolutionäre Charakter der Bewegung betont: Revolutionär, insofern sie einzuordnen war in eine weltweite revolutionäre Bewegung infolge einer weltwirtschaftlichen Krise und der russischen Revolution. Andererseits auch deshalb, da sie sich, eben weil sich Kapitalisten und Arbeiter in einem Kampf gegenüberstanden, auch gegen die Interessen des weltweiten Kapitals richtete und seine Herrschaft ins Wanken brachte, speziell die des englischen Kapitals. Die Bewegung zeige, „dass in der ganzen Welt Klassenkämpfe wüten, wobei auch die Ursache derselben eine gemeinsame ist“ 6 . Diese tiefere Ursache liege „in dem Bestreben der Unternehmer , den Folgen der weltwirtschaftlichen Krise durch die Steigerung der Ausbeutung der Arbeiterschaft zu begegnen.“ 7 Der Angriff der Unternehmen auf die Colour Bar wurde in diesem Zusammenhang gedeutet: Die Produktionskosten sollten gesenkt werden, „vermittels einer intensiveren Ausbeutung der Eingeborenen“ 8 . Für diese sei der hohe Goldpreis der Kriegsjahre vor allem in den Gruben mit geringem Goldgehalt, die einzige Profitquelle gewesen und bei einem fallenden
3 Einleitung. In: Internationale Pressekorrespondenz, Nr.1 (24.9.1921).
4 Ivon Jones, Die Krisis der südafrikanischen Arbeiterbewegung. In: Internationale
Pressekorrespondenz, Nr. 26 (4.3.1922).
5 Simons + Simons, Class and Colour, S.276.
6 W. Lada, Die Klassenkämpfe in Südafrika. In: Internationale Pressekorrespondenz,
Nr. 19 (16.2.1922).
7 Ebd.
8 Ebd.
4
Goldpreis, müsse man die Eingeborenen stärker ausbeuten, indem man sie „auch zu den qualifizierteren Arbeiten mit“ 9 heranziehe. Diese Erwägungen seien „unzweifelhaft für die Goldbergwerksbesitzer bestimmend für ihre Bestrebungen, die Rassenschranke niederzureißen.“ 10 Schon seit Jahren würden die Bergwerksunternehmen davon „träumen“. „Mit ihrem Ultimatum bezweckte die Bergkammer keinesfalls eine Besserung der Lage der Eingeborenen. Ihr einziger Zweck war und ist - mehr Profit.“ 11 Diese Einschätzung der Gründe für die Abschaffung der Colour Bar wird auch weitgehend von Krikler geteilt. 12 Während Simons und Simons zusätzlich zu der ökonomischen Begründung auch eine moralische Begründung der Unternehmer akzeptieren. Diese hätten erklärt, die Rassenschranke sei „unjustifiable on both moral and economic grounds.“ 13 Es ist jedoch höchst zweifelhaft, dass bei Unternehmen, die jahrelang Schwarze unter den unmenschlichsten Bedingungen ausgebeutet hatten, auf einmal die Moral siegte.
Aus Sicht der Kommunisten widersetzte sich der Streik den Interessen des Kapitals und brachte auch seine Vorherrschaft ins Wanken. Weil die Goldminen im Transvaal die Hälfte der gesamten weltweiten Goldmenge förderten, ergäbe sich eine
„große Bedeutung nicht nur für die unmittelbar interessierte Schicht der Bourgeoisie, sondern zugleich auch für den Gesamtfinanzorganismus des Weltkapitalismus in einer Zeit, wo die britischen Bankiers sich alle Mühe geben, das Geldwesen auf der Goldbasis zu stabilisieren.“ 14 „Nicht nur in Indien, nicht nur in Aegypten, auch in Südafrika gärt es, und diese Klassenkämpfe bedrohen die Herrschaft des englischen Kapitals.“ 15 Unter den gegebenen Bedingungen in der Atmosphäre der weltwirtschaftlichen Krise, in dem geschichtlichen Moment, da das englische Imperium in allen Fugen kracht, hat die Bewegung der südafrikanischen Lohnknechte der Goldmagnaten eine unbestreitbare revolutionäre Bedeutung. 16
9 Jones, Inprekorr Nr. 26.
10 Ebd.
11 Dave Kendall, Südafrika: Rettet unsere Brüder vom Rand. In: Internationale
Pressekorrespondenz, Nr. 164 (16.8.1922).
12 Vgl. Krikler, White Rising, S.45ff.
13 Simons + Simons, Class and Colour, S.272.
14 Jones, Inprekorr Nr. 26.
15 Lada, Inprekorr Nr. 19.
16 Die südafrikanischen Arbeiter im Aufruhr! In: Internationale Pressekorrespondenz,
Nr. 31 (16.3.1922).
5
Arbeit zitieren:
Niko Pankop, 2009, Die Revolte von weißen Arbeitern im Witwatersrand aus Sicht der kommunistischen Internationale, München, GRIN Verlag GmbH
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