Professionalisierung in der sozialen Arbeit I I Abstract
Im Rahmen der soziologischen Professionalisierungstheorie wurde der Beruf des Erziehers bisher häufig als Semiprofession bezeichnet. Im Rahmen dieser Arbeit wird auf der Grundlage eines Experteninterviews eine Bestandsaufnahme erstellt, ob diese Kategorisierung des Erzieherberufes noch zeitgemäß ist. Dabei werden vor allem die Ausbildung, die Spezifikation der Tätigkeiten sowie die notwendigen Kompetenzen von Erziehern thematisiert. Darüber hinaus werden berufsspezifische Nachteile und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Berufes unter die Lupe genommen. Aus den Ergebnissen der zusammenfassenden Inhaltsanalyse und der Analyse aktueller Kontexte wird der Schluss gezogen, dass sich ein Wandel im Wissen und der sozialen Orientierung von Erziehern vollzieht, womit der Weg geebnet ist zu einer Trendumkehr in der Tätigkeit von staatlich anerkannten Erziehern.
Up to now within the scope of the sociological professionalization theory the occupation of the educator was often called semiprofession. Within the scope of this work, a stock-taking is provided on the basis of an expert's interview, whether this categorisation of the educator's occupation is still contemporary. Besides, above all, the education, the specifications of the activities as well as the necessary competence are picked out as a central theme by educators. In addition, disadvantages specific for occupation and the whole-social meaning of the occupation are taken under the magnifying glass. From the results of the comprising content analysis and the analysis of topical contexts the end is pulled that a change takes place in knowledge and social orientation of educators with which the way is flattened to a trend return in the activity by accredited educators.
Professionalisierung in der sozialen Arbeit II
II Inhaltsverzeichnis
I Abstract I
II Inhaltsverzeichnis II
III Abbildungs- und Tabellenverzeichnis III
1 Ausgangslage 1
2 Zielsetzungen 3
3 Methodische Vorgehensweise 4
4 Darstellung der wichtigsten Ergebnisse 7
4.1 Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher 7
4.2 Spezifikation der Tätigkeiten und der notwendigen Kompetenzen 8
4.3 Berufsspezifische Nachteile 13
4.4 Gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Erzieherberufes 15
5 Resümee 17
6 Anhang 19
6.1 Quellenverzeichnis 19
6.1.1 Literatur 19
6.1.2 Fachzeitschriften, Journals, Zeitungen 20
6.1.3 Internet 21
6.2 Transkript des vollständigen und anonymisierten Interviews 22
6.3 Materialreduzierung durch Zusammenfassung 31
Professionalisierung in der sozialen Arbeit
III Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abb. 1: Verberuflichung und Professionalisierung
Abb. 2: Ablaufmodell zusammenfassender Inhaltsanalyse
Abb. 3: Berufliche Orientierung eines Individuums
Abb. 4: Paraphrasen, Generalisierungen, Reduktionen
Abb 5: Überblick über das Kategoriensystem
Professionalisierung in der sozialen Arbeit Professionalisierung in der sozialen Arbeit 1
1 Ausgangslage Ausgangslage
Die soziologische Berufsforschung ist stark geprägt von der Unterscheidung im Sinne Die soziologische Berufsforschung ist stark geprägt von der Unterscheidung im Sinne Die soziologische Berufsforschung ist stark geprägt von der Unterscheidung im Sinne von Hartmann (1972: 36 ff. 1972: 36 ff.), der Arbeit, Beruf und Profession auf der Grundlage de , der Arbeit, Beruf und Profession auf der Grundlage der Dimensionen (1.) Wissen und Wissen und (2.) soziale Orientierung differenziert soziale Orientierung differenziert:
Quelle: Eigene Darstellung. In Anlehnung an Hartmann Quelle: Eigene Darstellung. In Anlehnung an Hartmann (1972: 38 ff.).
Diese Einteilung ermöglicht eine Kategori Diese Einteilung ermöglicht eine Kategorisierung von Berufen bezüglich deren sierung von Berufen bezüglich deren Systematisierung sowie deren Vergesellschaftung. Systematisierung sowie deren Vergesellschaftung. Die Professionalisierung beschreibt Die Professionalisierung beschreibt
dabei den Übergang vom Beruf zur Profession. Dieser Prozess geht nach Hartmann dabei den Übergang vom Beruf zur Profession. Dieser Prozess geht nach Hartmann dabei den Übergang vom Beruf zur Profession. Dieser Prozess geht nach Hartmann (ebd.: 40 f.) einher mit einer „Veränderung von einer ei mit einer „Veränderung von einer einigermaßen ausgeprägten zu nigermaßen ausgeprägten zu
einer besonders starken Systematik des Wissens und [der] Ausweitung der sozialen einer besonders starken Systematik des Wissens und [der] Ausweitung der sozialen einer besonders starken Systematik des Wissens und [der] Ausweitung der sozialen Orientierung vom Mittelmaß zur ausgesprochenen Kollektivitätsorientierung“. Orientierung vom Mittelmaß zur ausgesprochenen Kollektivitätsorientierung“. Orientierung vom Mittelmaß zur ausgesprochenen Kollektivitätsorientierung“. Wobei durch die von Hartmann eingeführten Fixpunkte und Dimensionen ein durch die von Hartmann eingeführten Fixpunkte und Dimensionen ein durch die von Hartmann eingeführten Fixpunkte und Dimensionen ein Kontinuum geschaffen wird, welches das Verhältnis der Begriffe zueinander widerspiegelt. geschaffen wird, welches das Verhältnis der Begriffe zueinander widerspiegelt. geschaffen wird, welches das Verhältnis der Begriffe zueinander widerspiegelt. Auf dieser Basis werden die Begrifflichkeiten in dieser Arbeit werden die Begrifflichkeiten in dieser Arbeit werden die Begrifflichkeiten in dieser Arbeit ebenfalls relational verwendet. Der durch diese Definitionen geschaffene Raum er durch diese Definitionen geschaffene Raum bewirkt allerdings auch bewirkt allerdings auch,
dass im Rahmen der soziologischen Professionalisierungstheorie einige Berufe s m Rahmen der soziologischen Professionalisierungstheorie einige Berufe s m Rahmen der soziologischen Professionalisierungstheorie einige Berufe seit Jahren sehr kontrovers diskutiert sehr kontrovers diskutiert werden. So bezeichnet Gildemeister (1996 Gildemeister (1996: 443) als Professionen grundsätzlich grundsätzlich „gehobene Berufe mit den entsprechenden Ausprägungen in mit den entsprechenden Ausprägungen in Einkommen, Status, Prestige und Einfluss“. en, Status, Prestige und Einfluss“. Tätigkeiten in der sozialen Arbeit Tätigkeiten in der sozialen Arbeit werden hingegen als „unvollständige“ oder „Semiprofessionen“ hingegen als „unvollständige“ oder „Semiprofessionen“ charakterisiert charakterisiert. Die Gründe hierfür sind vielfältig. hierfür sind vielfältig.
Professionalisierung in der sozialen Arbeit 2
Eine Ursache ist darin zu sehen, dass diesem Berufsfeld ein eindeutiger Fokus ihres Tätigseins fehlt. Personen, die in der sozialen Arbeit aktiv sind, benötigen zur Ausführung ihrer Berufspraxis in der Regel ein sehr breites Wissensspektrum, allerdings sind sie in Deutschland sehr stark in bürokratische Organisationen eingebunden und damit auch abhängig von staatlichen Steuerungssystemen. Zu guter Letzt besitzen sie tendenziell ein geringeres öffentliches Ansehen als vergleichbare Berufsfelder, da sich ihre Kompetenzen auf Probleme des täglichen Lebens beschränken. Die vorgenannten Kritikpunkte machen auf der einen Seite deutlich, welchen Herausforderungen Menschen gegenüberstehen, die in der sozialen Arbeit tätig sind. Auf der anderen Seite sind dies genau die Kriterien, die der soziologischen Professionalisierungstheorie widersprechen und die eine Diskrepanz zum Prototyp des vollprofessionalisierten Arbeitsfeldes, wie dem Arztberuf, schaffen (ebd.: 443 ff.). Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen dieser Arbeit speziell das Tätigkeitsfeld von
staatlich anerkannten Erziehern 1 detaillierter untersucht werden. Die Analyse erfolgt in fünf Schritten und basiert auf einem Experteninterview. Nachdem nun bereits ein erster Einstieg in die Thematik gefunden wurde, wird im folgenden Kapitel die Zielstellung explizit definiert und es erfolgt eine inhaltliche Abgrenzung. Daraufhin schließen sich Erörterungen zu der methodischen Vorgehensweise an. Im vierten Kapitel wird das Experteninterview mit theoretischem Wissen und aktuellen Fragestellungen verknüpft. Der Aufbau des praktischen Teils dieser Arbeit entspricht dem Kategoriensystem, welches aus dem Interview extrahiert werden konnte. In diesem Sinne wird erst auf die Erzieherausbildung eingegangen sowie auf Spezifikationen der Tätigkeit und den zur professionellen Ausführung notwendigen Kompetenzen. Darauf aufbauend werden berufsspezifische Nachteile erörtert und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Berufes. Schließlich soll die Analyse der Befragung im fünften Kapitel eine Bestandsaufnahme sowie die Ableitung von Trends ermöglichen zur aktuellen Situation in der sozialen Arbeit: Ist die Bezeichnung als „unvollständige“ oder „Semiprofession“ gerechtfertigt oder bedarf es aufgrund der aktuellen Entwicklungen einer Anpassung und / oder der Erweiterung des Begriffes?
1 Um die Arbeit leserfreundlich zu gestalten, wurde auf eine durchgehende Nennung beider Geschlechter
verzichtet. Wo nur die männliche oder weibliche Form verwendet wird, kann davon ausgegangen werden,
dass immer auch das andere Geschlecht gemeint ist.
Professionalisierung in der sozialen Arbeit 3
2 Zielsetzungen
Wie bereits im vorangegangenen Abschnitt erwähnt, ist es das Ziel dieser Arbeit, aus der Analyse eines Experteninterviews eine Bestandsaufnahme über den Grad der Professionalisierung von sozialer Arbeit abzuleiten. Diese Einschätzung wird unabhängig von der funktionalen und gesellschaftlichen Dimension wertfrei erfolgen. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine Bestandsaufnahme handelt. Sie ist nur für den aktuellen Zeitraum gültig, soll aber ermöglichen, einen Trend abzuleiten. Grundsätzlich sind mit sozialer Arbeit eine Vielfalt von Berufen verknüpftangefangen von Heilpädagogen über Supervisoren bis zu klinischen Sozialarbeitern und
Beschäftigten, die im Bereich des Case-Management qualifiziert sind. 2 Die Basis für die folgende Untersuchung bildet der Beruf des staatlich anerkannten Erziehers. Es handelt sich dabei um „eine landesrechtlich geregelte schulische Aus- bzw. Weiterbildung an Fachschulen, Berufsfachschulen, Berufskollegs und anderen Bildungseinrichtungen. Die Aus- bzw. Weiterbildung dauert 2 bis 4 Jahre. … Auch immer mehr Hochschulen bieten bereits Bachelor- und Master-Studiengänge für Erzieher/innen an“ (Bundesagentur für Arbeit).
Dieser Beruf wurde für die folgende Analyse ausgewählt, weil die Fremdbetreuung von Kleinkindern und deren Professionalisierung den Grundstein bilden für eine Reform in der Bildungspolitik. Damit erhält der Beruf des Erziehers in der aktuellen Debatte eine ganz essentielle Bedeutung. Durch den großen Einfluss dieser Berufsgruppe auf nachfolgende Generationen besteht hier auch ein hohes gesamtgesellschaftliches Interesse. Das folgende Experteninterview soll Aufschluss darüber geben, inwiefern sich dies in der Praxis von ausgebildeten Erziehern widerspiegelt. Durch die zunehmende Umstellung der Qualifizierung von Erziehern von der konventionellen Ausbildung zu einem Hochschulstudium soll zusätzlich die Frage geklärt werden, ob Professionalisierung nur auf der „Grundlage systematisierten (wissenschaftlichen) Wissens“ - in diesem Fall: akademischen Wissens - möglich ist (Gildemeister 1996: 443). Die Grundlage für diesen Wandel bilden nach der Analyse von Jansen (2010: 55 ff.) neue Zugangsvoraussetzungen, Inhalte und didaktische Konzepte, die in den Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz vereinbart wurden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Kompetenz- und Lernfeldorientierung.
2 Detaillierte Informationen zu den verschiedenen Berufs- und Tätigkeitsfeldern finden sich beim
Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit e.V.
Professionalisierung in der sozialen Arbeit 4
3 Methodische Vorgehensweise
An dieser Stelle soll der planvolle Ablauf der Datenerhebung und -auswertung dargelegt werden. Dabei wird auf die Rahmenbedingungen des Interviews eingegangen, auf die Auswahl des Probanden, die Transkription sowie abschließend auf die qualitative Auswertung. Das Interview wurde am 10. Mai 2010 in der Wohnung der Befragten durchgeführt. Nach Einwilligung der Probandin erfolgte die Aufzeichnung mittels Diktiergerät. Im Sinne eines qualitativen Forschungsansatzes waren die Reihenfolge und die Formulierung der Fragen nicht starr vorgegeben. Diese richteten sich nach dem Gesprächsverlauf. Das Ziel war es, der Befragten die Gelegenheit zu geben, in eigenen Worten ihre Ausführungen gestalten zu können. Die gestellten Fragen sollten lediglich als Input und Richtungsgeber dienen. Wesentliche Bestandteile des Interviewleitfadens waren die persönliche Situation der Probandin sowie die Rahmenbedingungen der Erzieherausbildung. Darüber hinaus sollten Spezifikationen der Tätigkeiten in der sozialen Arbeit durch die Expertin genannt werden. Auch die Erhebung notwendiger Kompetenzen und berufsspezifischer Nachteile bildeten integrale Bestandteile des Interviewleitfadens. Schließlich sollte auch die Anerkennung des Berufes des Erziehers in der Öffentlichkeit thematisiert werden.
Bei der Auswahl des Probanden für das Experteninterview lag der Fokus darauf, dass es sich um eine Person handeln sollte, welche die Professionalisierung in der sozialen Arbeit aus möglichst vielen divergierenden Perspektiven und Rollen schildern kann. Die angefragte Probandin war der Interviewerin persönlich bekannt, allerdings bestand bezüglich des beruflichen Hintergrundes nur bruchstückhaftes Wissen. Aus diesem Grund nahm die persönliche Situation der Probandin eine wesentliche Stellung im Interviewleitfaden ein, um deren Position als mögliche Expertin für das Thema einschätzen können.
Im Rahmen der Befragung qualifizierte sich die Probandin jedoch sehr schnell als adäquate Expertin, da sie die Professionalisierung in der sozialen Arbeit aus fünf verschiedenen Blickwinkeln schildern konnte:
(1) Perspektive einer Lehrkraft für Erzieher: Sie ist aktuell als Dozentin in der Ausbildung für staatlich anerkannte Erzieher an einer Schule für Sozialwesen tätig. Sie unterrichtet dort ein Fach, welches das besondere Profil der Schule
Arbeit zitieren:
Antje Reichert, 2010, Professionalisierung in der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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