I
Aimé Jäschner
Fakultät für Pädagogik
Institut für Sportwissenschaft und Sport
Lehrgebiet für Trainings- und Bewegungswissenschaften
Diplomarbeit
zur Erlangung des Grades eines Diplom-Sportwissenschaftlers
,,Entwicklung und Erprobung eines leistungsdiagnostis
chen
Verfahrens zur biomechanisch orientierten Technikanalyse der
zweiten
Beschleunigungsphase im leichtathletischen Sprint"
Vorgelegt von:
Aimé Jäschner
2010
Vorwort
III
Vorwort
Diese Diplomarbeit entstand in einer Bearbeitungszeit von gut sieben Monaten und
wurde am 22. Dezember 2010 am Institut für Sportwissenschaft und Sport der
Universität der Bundeswehr München für das Lehrgebiet der Trainings- und
Bewegungswissenschaften eingereicht.
Zuerst möchte ich mich bei Herrn Tobias Heller, Trainer beim TSV 1860 München
im Bereich Leichtathletik, für sein enormes Engagement bedanken. Durch die
Bereitstellung von Probanden und der gemeinsamen Koordinierung von Terminab-
sprachen wurde diese Untersuchung erst möglich. Mein Dank gilt dabei auch allen
Probanden, die ausnahmslos konzentriert und motiviert an den Messungen
teilnahmen. Besonderer Dank gilt außerdem dem Diplomsportlehrer Andreas Born,
wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrgebiet Trainings- und Bewegungswissen-
schaften und Leiter des bewegungs- und trainingswissenschaftlichen Labors. Mit
seiner intensiven Betreuung während der gesamten Bearbeitungszeit dieser Arbeit
stand er mir bei Fragen und Problemen zu jeder Zeit fachkundig und kompetent zur
Seite. Nicht zuletzt durch seine Bewegungsvorstellungen gab er mir im Dialog stets
wertvolle Gedankenanstöße und Ideen.
Aimé Jäschner,
Neubiberg, im Dezember 2010
Inhaltsverzeichnis
V
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ... III
Inhaltsverzeichnis ... V
Abbildungsverzeichnis ... XI
Tabellenverzeichnis ... XXI
Abkürzungsverzeichnis ... XXIII
1
Einleitung ... 1
2
Problemstellung... 3
3
Theoretische Betrachtung der Thematik ... 5
3.1
Aktueller Forschungsstand im Sprint ... 5
3.1.1 Abgrenzung der einzelnen Laufabschnitte der Sprinttechnik ... 5
3.1.2
Die Phasenstruktur des ,,freien" Sprintschritte
s ... 8
3.2
Entwicklung eines Technikleitbildes des Sprints (2. Beschleunigungsphase) ... 11
3.2.1 Allgemeines zur Schrittlänge und Schrittfrequenz ... 11
3.2.2 Stützzugphase ... 13
3.2.3 Ausschwungphase ... 18
3.2.4 Kniehubschwungphase ... 21
3.2.5 Schwungzugphase ... 22
3.2.6 Allgemeine Merkmale ... 24
3.2.6.1 Maximale KSP-Geschwindigkeit in Laufrichtung ... 25
3.2.6.2 Schrittlänge ... 25
3.2.6.3 Schrittfrequenz ... 26
3.2.6.4 Verlauf der Oberkörpervorlage ... 26
3.2.6.4 KSP-Schwankung ... 27
3.2.6.5 Weg-Zeit-Kurve ... 28
3.2.7 Zusammenfassung des Technikleitbildes ... 29
4
Untersuchung der Bewegungskinematik ... 31
4.1
Methodik ... 31
4.1.1 Untersuchungsgut ... 31
4.1.2 Räumliche Gegebenheiten ... 32
4.1.3 Materielle Gegebenheiten ... 32
VI
Aimé Jäschner
4.1.4 Messgeräte... 32
4.1.4.1 Motion Analysis ... 33
4.1.4.2 Cortex Software 1.1.4.368 ... 34
4.1.4.3 SIMI Motion 7.5 ... 35
4.1.4.4 Videokamera ... 36
4.1.4.5 Startblock ... 37
4.1.5 Untersuchungsdesign ... 38
4.1.6 Untersuchungsdurchführung ... 38
4.1.6.1 Vorbereitungen der Aufnahmen ... 39
4.1.6.2 Durchführung der Aufnahmen ... 43
4.1.7 Bearbeitung der Aufnahmen ... 44
4.1.7.1 Zuordnung der Marker ... 44
4.1.7.2 Glätten ... 45
4.1.7.3 Schneiden ... 46
4.1.7.4 Bestimmung des besten Laufes ... 47
4.1.7.5 Virtuelle Marker ... 48
4.1.7.6 KSP-Berechnung ... 49
4.1.8 Auswertung der Daten ... 51
4.1.8.1 Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 51
4.1.8.2 Messungen der Merkmale in der Stützzugphase ... 58
4.1.8.3 Messungen der Merkmale in der Ausschwungphase ... 61
4.1.8.4 Messungen der Merkmale in der Kniehubschwungphase ... 65
4.1.8.5 Messungen der Merkmale in der Schwungzugphase ... 66
4.1.8.6 Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 68
4.2
Darstellung und Bewertung der Ergebnisse ... 69
4.2.1
Proband 1 ... 69
4.2.1.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 70
4.2.1.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 73
4.2.1.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 76
4.2.1.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 78
4.2.1.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 80
4.2.1.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 83
4.2.2
Proband 2 ... 86
Inhaltsverzeichnis
VII
4.2.2.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 86
4.2.2.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 89
4.2.2.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 92
4.2.2.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 94
4.2.2.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 96
4.2.2.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 99
4.2.3
Proband 3 ... 102
4.2.3.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 102
4.2.3.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 106
4.2.3.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 108
4.2.3.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 111
4.2.3.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 112
4.2.3.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 115
4.2.4
Proband 4 ... 118
4.2.4.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 118
4.2.4.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 122
4.2.4.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 124
4.2.4.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 127
4.2.4.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 129
4.2.4.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 132
4.2.5
Proband 5 ... 134
4.2.5.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 134
4.2.5.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 138
4.2.5.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 141
4.2.5.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 143
4.2.5.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 145
4.2.5.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 148
4.2.6
Proband 6 ... 150
4.2.6.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 150
4.2.6.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 154
4.2.6.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 157
4.2.6.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 160
4.2.6.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 162
VIII
Aimé Jäschner
4.2.6.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 165
4.2.7
Proband 7 ... 167
4.2.7.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 167
4.2.7.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 171
4.2.7.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 173
4.2.7.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 176
4.2.7.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 178
4.2.7.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 181
4.2.8
Proband 8 ... 183
4.2.8.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 184
4.2.8.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 188
4.2.8.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 190
4.2.8.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 193
4.2.8.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 195
4.2.8.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 198
4.2.9
Proband 9 ... 201
4.2.9.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 201
4.2.9.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 205
4.2.9.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 207
4.2.9.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 210
4.2.9.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 212
4.2.9.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 215
4.2.10
Proband 10 ... 217
4.2.10.1
Berechnung der allgemeinen Merkmale ... 218
4.2.10.2
Untersuchung der Merkmale zur Stützzugphase ... 221
4.2.10.3
Untersuchung der Merkmale zur Ausschwungphase ... 224
4.2.10.4
Untersuchung der Merkmale zur Kniehubschwungphase ... 226
4.2.10.5
Untersuchung der Merkmale zur Schwungzugphase ... 228
4.2.10.6
Zusammenfassung aller Schrittphasen ... 231
4.3
Diskussion der Ergebnisse ... 233
4.3.1
Methodenkritik ... 234
4.3.1.1
Untersuchungsgut ... 234
4.3.1.2
Aufnahme und Messgeräte ... 235
IX
4.3.1.3
Auswertung ... 237
4.3.2
Interpretation der Ergebnisse ... 238
4.3.3
Ergebnisse der allgemeinen Merkmale ... 239
4.3.4
Ergebnisse der Stützzugphase ... 240
4.3.5
Ergebnisse der Ausschwungphase ... 241
4.3.6
Ergebnisse der Kniehubschwungphase ... 243
4.3.7
Ergebnisse der Schwungzugphase ... 243
4.3.8
Exemplarischer Vergleich zweier Probanden ... 245
4.4
Schlussfolgerungen ... 249
5
Ausblick ... 253
6
Zusammenfassung ... 255
7
Literaturverzeichnis ... 259
8
Anhang ... 263
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
XI
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Phasenstruktur des Sprintschrittes
orthodoxer Ansatz ... 8
Abb. 2: Phasenstruktur Sprint: hintere & vordere Schwung- und Stützphase ... 9
Abb. 3: Phasenstruktur des Sprintschrittes
funktionaler Ansatz ... 10
Abb. 4: Strukturierung des Sprintlaufs nach Tidow & Wiemann (1994, S. 19) ... 10
Abb. 5: Impact
Beginn der Stützzugphase ... 13
Abb. 6: Bild 1
Guter Fußaufsatz (Ballen); Bild 2
Schlechter Fußaufsatz ( Ferse) ... 14
Abb. 7: Geschwindigkeitsänderungen im KSP ... 16
Abb. 8: Darstellung der Vektoren der Impulsänderung (Schritt 11 & 15 hier zu hoch) ... 17
Abb. 9: Kontaktzeit der Stützzugphase während der zweiten Beschleunigungsphase ... 18
Abb. 10: Altes (links) und neues Ende der Ausschwungphase (rechts) ... 19
Abb. 11: Messpunkte der Hüftstreckung ... 20
Abb. 12: Hüftstreckung bei Beginn (rechts) & Ende der Beschleunigungsphase (links) ... 21
Abb. 13: Ende der Kniehubschwungphase mit gemessenen Winkel ... 22
Abb. 14: Ende der Schwungzugphase ... 23
Abb. 15: Hüftwinkelgeschwindigkeit ... 24
Abb. 16: Verlauf der KSP-Geschwindigkeit in Laufrichtung ... 25
Abb. 17: Verlauf der Oberkörpervorlage ... 27
Abb. 18: Verlauf der Oberkörpervorlage eines rhythmischen Läufers ... 27
Abb. 19: Betrachtung der KSP-Schwankung ... 28
Abb. 20: Weg-Zeit-Kurve zweier Athleten ... 28
Abb. 21: Infrarotkamera Typ Eagle ... 33
Abb. 22: Cortex 1.1.4.368 der Firma Motion Analysis ... 35
Abb. 23: SIMI Motion 7.5 ... 36
Abb. 24: Digitalkamera zur Aufnahme der Referenzvideos... 37
Abb. 25: Startblock - Typ Dynamic ... 37
Abb. 26: Kameraaufstellungen mit jeweiligem Aufnahmebereich ... 40
Abb. 27: Untersuchungsaufbau ... 41
Abb. 28: Markerpositionen ... 42
Abb. 29: Zuordnung der einzelnen Markerpunkte ... 45
Abb. 30: Zuschneiden der Trackfiles ... 46
XII
Aimé Jäschner
Abb. 31: Vergleich von zwei Läufen ... 48
Abb. 32: Berechnung der virtuellen Marker ... 49
Abb. 33: KSP-Berechnung in Cortex... 50
Abb. 34: aY(KSP) zur Ermittlung von Impact, Abdruck und Take-Off ... 52
Abb. 35: Schrittlängenbestimmung ... 53
Abb. 36: Bestimmung der Beinlänge ... 54
Abb. 37: Verlauf der KSP-Geschwindigkeit in Laufrichtung (Beispiel) ... 54
Abb. 38: Winkel zur Bestimmung der Oberkörpervorlage ... 55
Abb. 39: Laden des TRC-Files in SIMI Motion ... 56
Abb. 40: Darstellung der Oberkörpervorlage in SIMI ... 56
Abb. 41: vertikale KSP-Schwankung ... 57
Abb. 42: Weg-Zeit-Kurve ... 58
Abb. 43: Unterschiedlicher Verlauf der KSP- Beschleunigungskurve ... 59
Abb. 44: Unterschiedlicher Verlauf der KSP- Beschleunigungskurve ... 60
Abb. 45: Bestimmung des Kniewinkels in Cortex ... 61
Abb. 46: Bestimmung Phasenende Ausschwungphase ... 62
Abb. 47: Darstellung Hüftwinkel in Cortex (oben) und SIMI Motion (unten) ... 64
Abb. 48: korrekte Winkelberechnung für Hüftstreckung in SIMI Motion ... 65
Abb. 49: Darstellung der Hüftwinkelgeschwindigkeit in SIMI Motion ... 67
Abb. 50: Punktdiagramm der Hüftwinkelgeschwindigkeit... 67
Abb. 51: Balkendiagramm zur vertikalen Distanz zwischen Sprunggelenk und Hüfte ... 68
Abb. 52: Balkendiagramm zur Zusammenfassung der Schrittphasen ... 69
Abb. 53: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 1 ... 70
Abb. 54: Screenshot vY(KSP), Proband 1 ... 71
Abb. 55: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 1 ... 71
Abb. 56: Schrittfrequenz, Proband 1 ... 72
Abb. 57: Verlauf Körpervorlage, Proband 1 ... 72
Abb. 58: vertikale KSP-Schwankung, Proband 1 ... 73
Abb. 59: Weg-Zeit-Kurve, Proband 1 ... 73
Abb. 60: Bodenkontaktzeit, Proband 1... 74
Abb. 61: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 1 ... 74
Abb. 62: Impulsänderung, Proband 1 ... 75
Abb. 63: Wege im Kniegelenk, Proband 1 ... 76
Abbildungsverzeichnis
XIII
Abb. 64: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 1 ... 76
Abb. 65: Hüftstreckung, Proband 1 ... 77
Abb. 66: Kniegeschwindigkeit am Ende der Ausschwungphase, Proband 1 ... 78
Abb. 67: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 1 ... 78
Abb. 68: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 1 ... 79
Abb. 69: Winkel max. Kniehub, Proband 1 ... 79
Abb. 70: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 1 ... 80
Abb. 71: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 1 ... 80
Abb. 72: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 1 ... 81
Abb. 73: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 1 ... 82
Abb. 74: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 1 ... 83
Abb. 75: Phasendauer Gesamt, Proband 1 ... 84
Abb. 76: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 2 ... 86
Abb. 77: Screenshot vY(KSP), Proband 2 ... 87
Abb. 78: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 2 ... 87
Abb. 79: Schrittfrequenz, Proband 2 ... 88
Abb. 80: Verlauf Körpervorlage, Proband 2 ... 88
Abb. 81: vertikale KSP-Schwankung, Proband 2 ... 89
Abb. 82: Weg-Zeit-Kurve, Proband 2 ... 89
Abb. 83: Bodenkontaktzeit, Proband 2... 90
Abb. 84: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 2 ... 90
Abb. 85: Impulsänderung, Proband 2 ... 91
Abb. 86: Wege im Kniegelenk, Proband 2 ... 91
Abb. 87: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 2 ... 92
Abb. 88: Hüftstreckung, Proband 2 ... 92
Abb. 89: Kniegeschwindigkeit am Ende der Ausschwungphase, Proband 2 ... 93
Abb. 90: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 2 ... 94
Abb. 91: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 2 ... 94
Abb. 92: Winkel max. Kniehub, Proband 2 ... 95
Abb. 93: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 2 ... 96
Abb. 94: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 2 ... 96
Abb. 95: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 2 ... 97
Abb. 96: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 2 ... 98
XIV
Aimé Jäschner
Abb. 97: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 2 ... 99
Abb. 98: Phasendauer Gesamt, Proband 2 ... 100
Abb. 99: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 3 ... 103
Abb. 100: Screenshot vY(KSP), Proband 3 ... 103
Abb. 101: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 3 ... 104
Abb. 102: Schrittfrequenz, Proband 3 ... 104
Abb. 103: Verlauf Körpervorlage, Proband 3 ... 105
Abb. 104: vertikale KSP-Schwankung, Proband 3 ... 105
Abb. 105: Weg-Zeit-Kurve, Proband 3 ... 106
Abb. 106: Bodenkontaktzeit, Proband 3... 106
Abb. 107: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 3 ... 107
Abb. 108: Impulsänderung, Proband 3 ... 107
Abb. 109: Wege im Kniegelenk, Proband 3 ... 108
Abb. 110: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 3 ... 108
Abb. 111: Hüftstreckung, Proband 3 ... 109
Abb. 112: Kniegeschwindigkeit am Ende der Ausschwungphase, Proband 3 ... 110
Abb. 113: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 3 ... 110
Abb. 114: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 3 ... 111
Abb. 115: Winkel max. Kniehub, Proband 3 ... 111
Abb. 116: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 3 ... 112
Abb. 117: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 3 ... 113
Abb. 118: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 3 ... 113
Abb. 119: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 3 ... 114
Abb. 120: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 3 ... 115
Abb. 121: Phasendauer Gesamt, Proband 3 ... 116
Abb. 122: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 4 ... 119
Abb. 123: Screenshot vY(KSP), Proband 4 ... 119
Abb. 124: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 4 ... 120
Abb. 125: Schrittfrequenz, Proband 4 ... 120
Abb. 126: Verlauf Körpervorlage, Proband 4 ... 121
Abb. 127: vertikale KSP-Schwankung, Proband 4 ... 121
Abb. 128: Weg-Zeit-Kurve, Proband 4 ... 122
Abb. 129: Bodenkontaktzeit, Proband 4... 122
Abbildungsverzeichnis
XV
Abb. 130: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 4 ... 123
Abb. 131: Impulsänderung, Proband 4 ... 124
Abb. 132: Wege im Kniegelenk, Proband 4 ... 124
Abb. 133: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 4 ... 125
Abb. 134: Hüftstreckung, Proband 4 ... 126
Abb. 135: Kniegeschwindigkeit am Ende der Ausschwungphase, Proband 4 ... 126
Abb. 136: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 4 ... 127
Abb. 137: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 4 ... 127
Abb. 138: Winkel max. Kniehub, Proband 4 ... 128
Abb. 139: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 4 ... 129
Abb. 140: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 4 ... 130
Abb. 141: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 4 ... 130
Abb. 142: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 4 ... 131
Abb. 143: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 4 ... 132
Abb. 144: Phasendauer Gesamt, Proband 4 ... 133
Abb. 145: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 5 ... 135
Abb. 146: Screenshot vY(KSP), Proband 5 ... 136
Abb. 147: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 5 ... 136
Abb. 148: Schrittfrequenz, Proband 5 ... 137
Abb. 149: Verlauf Körpervorlage, Proband 5 ... 137
Abb. 150: vertikale KSP-Schwankung, Proband 5 ... 138
Abb. 151: Weg-Zeit-Kurve, Proband 5 ... 138
Abb. 152: Bodenkontaktzeit, Proband 5... 139
Abb. 153: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 5 ... 139
Abb. 154: Impulsänderung, Proband 5 ... 140
Abb. 155: Wege im Kniegelenk, Proband 5 ... 141
Abb. 156: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 5 ... 141
Abb. 157: Hüftstreckung, Proband 5 ... 142
Abb. 158: Kniegeschwindigkeit bei Ende der Ausschwungphase, Proband 5... 142
Abb. 159: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 5 ... 143
Abb. 160: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 5 ... 144
Abb. 161: Winkel max. Kniehub, Proband 5 ... 144
Abb. 162: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 5 ... 145
XVI
Aimé Jäschner
Abb. 163: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 5 ... 146
Abb. 164: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 5 ... 146
Abb. 165: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 5 ... 147
Abb. 166: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 5 ... 148
Abb. 167: Phasendauer Gesamt, Proband 5 ... 149
Abb. 168: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 6 ... 151
Abb. 169: Screenshot vY(KSP), Proband 6 ... 152
Abb. 170: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 6 ... 152
Abb. 171: Schrittfrequenz, Proband 6 ... 153
Abb. 172: Verlauf Körpervorlage, Proband 6 ... 153
Abb. 173: vertikale KSP-Schwankung, Proband 6 ... 154
Abb. 174: Weg-Zeit-Kurve, Proband 6 ... 154
Abb. 175: Bodenkontaktzeit, Proband 6... 155
Abb. 176: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 6 ... 156
Abb. 177: Impulsänderung, Proband 6 ... 156
Abb. 178: Wege im Kniegelenk, Proband 6 ... 157
Abb. 179: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 6 ... 158
Abb. 180: Hüftstreckung, Proband 6 ... 158
Abb. 181: Kniegeschwindigkeit am Ende der Ausschwungphase, Proband 6 ... 159
Abb. 182: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 6 ... 160
Abb. 183: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 6 ... 160
Abb. 184: Winkel max. Kniehub, Proband 6 ... 161
Abb. 185: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 6 ... 162
Abb. 186: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 6 ... 162
Abb. 187: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 6 ... 163
Abb. 188: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 6 ... 164
Abb. 189: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 6 ... 164
Abb. 190: Phasendauer Gesamt, Proband 6 ... 165
Abb. 191: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 7 ... 168
Abb. 192: Screenshot vY(KSP), Proband 7 ... 168
Abb. 193: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 7 ... 169
Abb. 194: Schrittfrequenz, Proband 7 ... 169
Abb. 195: Verlauf Körpervorlage, Proband 7 ... 170
Abbildungsverzeichnis
XVII
Abb. 196: vertikale KSP-Schwankung, Proband 7 ... 170
Abb. 197: Weg-Zeit-Kurve, Proband 7 ... 171
Abb. 198: Bodenkontaktzeit, Proband 7... 171
Abb. 199: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 7 ... 172
Abb. 200: Impulsänderung, Proband 7 ... 173
Abb. 201: Wege im Kniegelenk, Proband 7 ... 173
Abb. 202: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 7 ... 174
Abb. 203: Hüftstreckung, Proband 7 ... 174
Abb. 204: Kniegeschwindigkeit am Ende der Ausschwungphase, Proband 7 ... 175
Abb. 205: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 7 ... 176
Abb. 206: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 7 ... 177
Abb. 207: Winkel max. Kniehub, Proband 7 ... 177
Abb. 208: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 7 ... 178
Abb. 209: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 7 ... 179
Abb. 210: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 7 ... 179
Abb. 211: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 7 ... 180
Abb. 212: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 7 ... 181
Abb. 213: Phasendauer Gesamt, Proband 7 ... 182
Abb. 214: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 8 ... 184
Abb. 215: Screenshot vY(KSP), Proband 8 ... 185
Abb. 216: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 8 ... 185
Abb. 217: Schrittfrequenz, Proband 8 ... 186
Abb. 218: Verlauf Körpervorlage, Proband 8 ... 186
Abb. 219: vertikale KSP-Schwankung, Proband 8 ... 187
Abb. 220: Weg-Zeit-Kurve, Proband 8 ... 187
Abb. 221: Bodenkontaktzeit, Proband 8... 188
Abb. 222: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 8 ... 189
Abb. 223: Impulsänderung, Proband 8 ... 189
Abb. 224: Wege im Kniegelenk, Proband 8 ... 190
Abb. 225: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 8 ... 190
Abb. 226: Hüftstreckung, Proband 8 ... 191
Abb. 227: Kniegeschwindigkeit am Ende der Ausschwungphase, Proband 8 ... 192
Abb. 228: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 8 ... 193
XVIII
Aimé Jäschner
Abb. 229: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 8 ... 194
Abb. 230: Winkel max. Kniehub, Proband 8 ... 194
Abb. 231: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 8 ... 195
Abb. 232: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 8 ... 196
Abb. 233: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 8 ... 196
Abb. 234: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 8 ... 197
Abb. 235: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 8 ... 198
Abb. 236: Phasendauer Gesamt, Proband 8 ... 199
Abb. 237: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 9 ... 202
Abb. 238: Screenshot vY(KSP), Proband 9 ... 202
Abb. 239: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 9 ... 202
Abb. 240: Schrittfrequenz, Proband 9 ... 203
Abb. 241: Verlauf Körpervorlage, Proband 9 ... 204
Abb. 242: vertikale KSP-Schwankung, Proband 9 ... 204
Abb. 243: Weg-Zeit-Kurve, Proband 9 ... 205
Abb. 244: Bodenkontaktzeit, Proband 9... 205
Abb. 245: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 9 ... 206
Abb. 246: Impulsänderung, Proband 9 ... 207
Abb. 247: Wege im Kniegelenk, Proband 9 ... 207
Abb. 248: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 9 ... 208
Abb. 249: Hüftstreckung, Proband 9 ... 209
Abb. 250: Kniegeschwindigkeit am Ende der Ausschwungphase, Proband 9 ... 209
Abb. 251: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 9 ... 210
Abb. 252: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 9 ... 210
Abb. 253: Winkel max. Kniehub, Proband 9 ... 211
Abb. 254: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 9 ... 212
Abb. 255: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 9 ... 213
Abb. 256: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 9 ... 213
Abb. 257: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 9 ... 214
Abb. 258: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 9 ... 215
Abb. 259: Phasendauer Gesamt, Proband 9 ... 216
Abb. 260: max. KSP-Geschwindigkeiten, Proband 10 ... 218
Abb. 261: Screenshot vY(KSP), Proband 10 ... 219
Abbildungsverzeichnis
XIX
Abb. 262: Untersuchung der Schrittlänge, Proband 10 ... 219
Abb. 263: Schrittfrequenz, Proband 10 ... 220
Abb. 264: Verlauf Körpervorlage, Proband 10 ... 220
Abb. 265: vertikale KSP-Schwankung, Proband 10 ... 221
Abb. 266: Weg-Zeit-Kurve, Proband 10 ... 221
Abb. 267: Bodenkontaktzeit, Proband 10... 222
Abb. 268: Geschwindigkeitsänderungen im KSP, Proband 10 ... 222
Abb. 269: Impulsänderung, Proband 10 ... 223
Abb. 270: Wege im Kniegelenk, Proband 10 ... 223
Abb. 271: Phasendauer Ausschwungphase, Proband 10 ... 224
Abb. 272: Hüftstreckung, Proband 2 ... 224
Abb. 273: Kniegeschwindigkeit am Ende der Ausschwungphase, Proband 10 ... 225
Abb. 274: Screenshots, Ende Ausschwungphase; Proband 10 ... 226
Abb. 275: Phasendauer Kniehubschwungphase, Proband 10 ... 227
Abb. 276: Winkel max. Kniehub, Proband 10 ... 227
Abb. 277: Screenshots, Ende Kniehubschwungphase; Proband 10 ... 228
Abb. 278: Phasendauer Schwungzugphase, Proband 10 ... 229
Abb. 279: Hüftwinkelgeschwindigkeit, Proband 10 ... 229
Abb. 280: Horizontale Distanz Sprunggelenk
Hüfte, Proband 10 ... 230
Abb. 281: Screenshots, Ende Schwungzugphase; Proband 10 ... 231
Abb. 282: Phasendauer Gesamt, Proband 10 ... 232
Tabellenverzeichnis
XXI
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Technikleitbild im Überblick ... 29
Tab. 2: Probandenübersicht ... 31
Tab. 3: Entfernungen der Kameras zum L-Frame (in Metern) ... 39
Tab. 4: Markerpositionen an Gelenkpunkten ... 42
Tab. 5: Positionen der Referenzmarker... 42
Tab. 6: Differenzen und Prozente der max. KSP-Geschwindigkeit in Laufrichtung ... 55
Tab. 7: Berechnung des Hüftwinkels zur Horizontalen im maximalen Kniehub ... 66
Tab. 8: Zusammenfassung, Proband 1 ... 85
Tab. 9: Zusammenfassung, Proband 2 ... 100
Tab. 10: Zusammenfassung, Proband 3 ... 117
Tab. 11: Zusammenfassung, Proband 4 ... 133
Tab. 12: Zusammenfassung, Proband 5 ... 149
Tab. 13: Zusammenfassung, Proband 6 ... 166
Tab. 14: Zusammenfassung, Proband 7 ... 182
Tab. 15: Zusammenfassung, Proband 8 ... 200
Tab. 16: Zusammenfassung, Proband 9 ... 216
Tab. 17: Zusammenfassung, Proband 10 ... 232
Tab. 18: Interpretation der Ergebnisse der allgemeinen Merkmale ... 240
Tab. 19: Interpretation der Ergebnisse der Stützzugphase ... 241
Tab. 20: Interpretation der Ergebnisse der Ausschwungphase ... 242
Tab. 21: Interpretation der Ergebnisse der Kniehubschwungphase ... 243
Tab. 22: Interpretation der Ergebnisse der Schwungzugphase ... 244
Tab. 23: Rangfolge nach 20m-Zeit anhand Körpergröße (Klassen) ... 245
Tab. 24: Zusammenfassung der Merkmale, Proband 8 und 10 ... 246
Tab. 25: Datenübersicht Proband 1 ... 264
Tab. 26: Datenübersicht Proband 2 ... 265
Tab. 27: Datenübersicht Proband 3 ... 266
Tab. 28: Datenübersicht Proband 4 ... 267
Tab. 29: Datenübersicht Proband 5 ... 268
Tab. 30: Datenübersicht Proband 6 ... 269
XXII
Aimé Jäschner
Tab. 31: Datenübersicht Proband 7 ... 270
Tab. 32: Datenübersicht Proband 8 ... 271
Tab. 33: Datenübersicht Proband 9 ... 272
Tab. 34: Datenübersicht Proband 10 ... 273
Abkürzungsverzeichnis
XXIII
Abkürzungsverzeichnis
-
Differenz
A
-
Abdruck
a
-
Beschleunigung
Abb.
-
Abbildung
bzw.
-
beziehungsweise
ca.
-
circa
cm
-
Zentimeter
d.
-
des
et al.
-
et alii/aliae/alia (und andere)
f
-
und folgende (Seite)
ff
-
und folgende (Seiten)
F
-
Frequenz
Hz
-
Hertz
I
-
Impact
li
-
links
Kap.
-
Kapitel
kg
-
Kilogramm
km/h
-
Kilometer pro Stunde
KSP
-
Körperschwerpunkt
max.
-
maximal
m
-
Meter
M.
-
Musculus (der Muskel)
min.
-
minimal
Mm.
-
Musculi (die Muskeln)
mm
-
Millimeter
MS
-
Microsoft
n.a.
-
nicht angegeben
n.r.
-
nicht relevant
XXIV
Aimé Jäschner
PC
-
Personal Computer
re
-
rechts
s
-
Strecke
S.
-
Seite
sec
-
Sekunde
SG
-
Sprunggelenk
t
-
Zeit
Tab.
-
Tabelle
tan
-
Tangenz
TO
-
Take-Off
u.a.
-
und andere
unv.
-
unvollständig
v
-
Geschwindigkeit
vgl.
-
vergleiche
z.B.
-
zum Beispiel
Einleitung
1
1 Einleitung
Es sind vor allem die Sprintdisziplinen, die bei den Olympischen Sommerspielen und
Leichtathletik-Weltmeisterschaften die höchste Spannung bei den Zuschauern erzeugen.
Der 100-Meter-Lauf ist nach dem 50- bzw. 60-Meter-Lauf die zweitkürzeste Laufstrecke in
der Leichtathletik. Bei den Olympischen Sommerspielen ist die 100-Meter-Strecke die
kürzeste Sprintdistanz. Diese ist vom 100-Yards-Lauf (91,44 m), wie er im 19. Jahrhundert
in englischsprachigen Ländern durchgeführt wurde, abgeleitet. Seit Beginn der
Olympischen Spiele der Neuzeit im Jahr 1896 in Athen, Griechenland, ist der 100-Meter-
Sprint fester Bestandteil dieser Veranstaltung. Dabei ist bis heute eine stetige
Verbesserung der Sprintleistungen zu beobachten: der Amerikaner Ralph Metcalfe stellte
1932 in Stanford mit einer Zeit von 10,64 sec den ersten elektronisch gestoppten
Weltrekord auf. Bereits im Jahr 1968 gelang es Jim Hines vom Team der USA in Mexiko-
Stadt erstmals mit einer Zeit von 9,95 sec die Zehn-Sekunden-Grenze zu durchbrechen.
Seit 2008 ist der Jamaikaner Usain Bolt Weltrekordhalter im 100-Meter-Lauf. Seine in New
York City aufgestellte Zeit von 9,72 sec verbesserte er zunächst noch im gleichen Jahr in
Peking um 0,03 sec, ehe er am 16.08.2009 in Berlin einen weiteren Weltrekord mit einer
Zeit von 9,58 sec aufstellte. Diese Entwicklung zeigt, dass durchaus Optimierungs-
möglichkeiten im leichtathletischen Sprint bestehen, die auf die Technik zurück zu führen
sind. Dennoch fällt es schwer eine allgemein gültige Idealtechnik zu beschreiben, da
individuelle körperliche Merkmale der jeweiligen Sportler berücksichtigt werden müssen. In
der bisherigen Geschichte des Kurzsprints wurde stets die Lauftechnik des amtierenden
Weltrekordhalters als ideal anerkannt.
In der Fachliteratur findet man verschiedene Untersuchungen und Modelle zur
Technikanalyse im Sprint. Hierbei ist vor allem auf die Arbeiten von BALLREICH & GABEL
(1975), COH u.a. (1997), COH & TOMAZIN (2005) und MANN (2008) zu verweisen. Bei
den genannten Untersuchungen handelt es sich um Bewegungsanalysen von Leistungs-
und Hochleistungssportlern, die bereits über eine differenzierte Technik verfügen. Im
Bereich der Nachwuchsförderung und -begleitung sind solche detaillierten
Technikanalysen nur selten zu finden. Aus diesem Defizit heraus entstand die Idee, in
Zusammenarbeit mit der Talentförderschule des TSV 1860 München, anhand von Athleten
im Kinder- und Jugendalter ein leistungsdiagnostisches Verfahren zu entwickeln, um unter
anderem Technikentwicklungen zu dokumentieren und determinierende Faktoren der
2
Aimé Jäschner
Sprinttechnik zu finden. Mit dieser Arbeit wird versucht, anhand verschiedener Quellen,
leistungslimitierende Faktoren der Sprinttechnik zu finden, ein Technikleitbild zu erstellen
sowie ein geeignetes Mess- und Auswerteverfahren für die Analyse des Sprints zu
entwickeln. In Anlehnung an die Arbeiten von LOSCHAN (2009), JÄSCHNER &
KOCHINKE (2010) und KOCHINKE (2010) befasst sich diese Diplomarbeit mit dem
Abschnitt der hinteren Beschleunigungsphase (ca. 10-20 m), sodass mit Hilfe aller vier
Arbeiten sowohl die Startphase, die beiden Beschleunigungsphasen als auch die Phase
der maximalen Geschwindigkeit im Kurzsprint von Kindern und Jugendlichen beschrieben
und leistungsdiagnostisch untersucht werden können.
Problemstellung
3
2 Problemstellung
Obwohl die Sprinttechnik auf den ersten Augenschein recht simpel wirkt, ist diese ein
höchst komplexes Geflecht aus unterschiedlichen Faktoren. Da vor allem im
Spitzenbereich oft nur hundertstel Sekunden über Sieg und Niederlage entscheiden,
können bereits durch minimale Abweichungen der optimalen Bewegung wettkampf-
entscheidende Zeitverluste entstehen. Eine optimale Bewegung besteht darin, die zur
Verfügung stehenden anthropologischen Voraussetzungen und die konstitutionellen
Leistungsfaktoren biomechanisch möglichst effizient zu nutzen (vgl. SCHNABEL u.a.,
2005, S. 180). Auf diese Weise ist eine Vielzahl von Faktoren an der sportlichen Leistung
beteiligt, so auch im Sprint. MANN (2008) stellte in diesem Zusammenhang eine
Gliederung der wesentlichen limitierenden Faktoren auf. Hierzu zählen neben dem
anthropometrischen Potential auch das Kraft- und Ausdauervermögen sowie die mentale,
mechanische und konditionelle Leistungsfähigkeit. Außerdem fließt das individuelle
Entwicklungsstadium des Athleten in seiner Betrachtung mit ein. Hieraus wird ersichtlich,
dass der einzelne Athlet in jedem dieser Faktoren zu einem gewissen Grad absolut
einzigartig ist. Dadurch wird auch verständlich, warum es keine einheitliche Idealtechnik
geben kann, welche ohne Ausnahme für alle Sportler gültig ist. Trotz alledem müssen
auch im Sprint gewisse Bewegungsmerkmale, die auf biomechanischen Grundsätzen
basieren, erfüllt werden, um ökonomisch und effektiv zu arbeiten.
Es existieren bereits zahlreiche Untersuchungen zum Sprint, welche sich mit der Thematik
eines Technikleitbildes beschäftigt haben, wie zum Beispiel GUNDLACH (1963),
BAUMANN (1985), BRÜGGEMANN (1999), LETZELTER & LETZELTER (2004 & 2005)
und MANN (2008). Allerdings existiert kein umfassendes, allgemeingültiges Leitbild für die
Technik des Sprints in der Beschleunigungsphase. Die Ursache hierfür ist vor allem in der
Unregelmäßigkeit der Technik während dieses Streckenabschnittes zu sehen. Denn
während der Beschleunigungsphase verändert sich die Technik des Sprintschrittes
kontinuierlich und, abhängig von der Höhe der Geschwindigkeitszunahme, unterschiedlich
stark. Ein konstantes Laufbild ergibt sich zumeist erst mit dem Erreichen der maximalen
Geschwindigkeit und der damit verbundenen aufrechten Körperhaltung. Vor allem im
Nachwuchsalter ist eine solche Konstanz noch nicht gegeben. Neben diesem Faktor ist
außerdem unklar, wie sich bestimmte Merkmale mit dem Alter und dem Trainingszustand
des Athleten entwickeln.
4
Aimé Jäschner
Ein weiterer zu berücksichtigender Punkt ist, dass in vorangegangenen Studien eine
Vielzahl von Parametern zur Beurteilung der Sprinttechnik herangezogen wurde (vgl.
MANN (2008), ZAFFRAN (2008)). Es stellt sich dabei die Frage, ob dieser komplette
Datenumfang überhaupt notwendig ist, um die Sprinttechnik ausreichend beurteilen zu
können. Genauer gesagt ist zu bedenken, dass die Aufbereitung der Daten in diesem Maße
recht langwierig ist und bei entsprechend hoher Probandenzahl, mit den zurzeit
verfügbaren technischen Mitteln, selbst mit vorbereiteten Schablonen prinzipiell zu lange
dauert. Deshalb soll eine Parameterreduzierung nicht nur den Zeitaufwand bei der
Datenaufarbeitung minimieren, sondern dadurch auch aussagekräftigere Merkmale
gefunden werden. Somit wird sich diese Arbeit auf das Reduzieren und das Festhalten
wirklichst relevanter Parameter konzentrieren, die einen Vergleich mit späteren Aufnahmen
ermöglichen.
Trotz bereits abgeschlossener Untersuchung bleiben dennoch einige Fragen offen:
Welche Kriterien sind für eine effektive Beurteilung der Sprinttechnik notwendig? Wie
können individuelle Unterschiede dabei Berücksichtigung finden? Wie verändern sich
möglicherweise Merkmale mit zunehmendem Alter und Trainingszustand eines Athleten?
Wie können die Ergebnisse der Untersuchung in die Trainingsgestaltung eingebracht
werden?
Mit dieser Untersuchung soll somit ein erster Schritt getan werden, um diese noch offenen
Fragen zu klären. Ziel der Arbeit soll es dabei sein, ein möglichst ökonomisches
diagnostisches Verfahren zu entwickeln, welches ermöglicht, einen Athleten hinsichtlich
seiner Sprinttechnik und seines Stils während der zweiten Beschleunigungsphase zu
analysieren und individuell zu beurteilen. Dadurch sollen vor allem Verbesserungs-
möglichkeiten aufgezeigt werden, die dann im Rahmen der Trainingsplanung und
-steuerung berücksichtigt werden können.
Theoretische Betrachtung der Thematik
5
3 Theoretische Betrachtung der Thematik
3.1 Aktueller Forschungsstand im Sprint
Der folgende Abschnitt befasst sich mit der theoretischen Betrachtung der Thematik.
Hierbei werden die bereits gewonnenen Erkenntnisse aus unterschiedlichen Unter-
suchungen und verschiedenen Autoren herangezogen und in ihrer Relevanz für die
vorliegende Arbeit eingeordnet. Allerdings ist die Sprintstruktur im Nachwuchsbereich
bisher kaum untersucht worden, weshalb man auf das allgemeine biomechanische und
trainingsmethodische Wissen im Sprint angewiesen ist.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 3)
3.1.1 Abgrenzung der einzelnen Laufabschnitte der Sprinttechnik
Versucht man den Sprint genauer zu analysieren und zu beurteilen, muss man den Lauf in
seinen unterschiedlichen Abschnitten betrachten. So unterteilte BALLREICH (1969) den
Sprint in folgende Abschnitte:
1. Beschleunigungsphase
2. Phase der maximalen Geschwindigkeit
3. Phase der absinkenden Geschwindigkeit
Diese Phaseneinteilung wurde daraufhin auch von vielen anderen Autoren übernommen
(vgl. BAUMANN et al., 1986; LIU, 1992; WIEMANN & TIDOW, 1994). Allerdings blieb hier
eine Trennung der Reaktionszeit vom Start noch außen vor, obwohl diese zur effektiven
Beurteilung der Starttechnik gesondert betrachtet werden muss.
Zu den einzelnen Phasen ist zusammenfassend zu sagen, dass nach der Startbewegung
aus dem Tiefstart die kontinuierliche Aufrichtung des Oberkörpers erfolgt sowie, dass die
Schrittlänge und die Schrittfrequenz zunehmen (vgl. HESS, 1991, S. 57). Außerdem ist die
Geschwindigkeitszunahme hier am größten. Während dieser Phase der positiven
Beschleunigung ändert sich die Lauftechnik vom stoßenden zum ziehenden Laufen bis die
maximale Geschwindigkeit erreicht wird. Aufgrund der Geschwindigkeitszunahme ist in
dieser Phase eine ungleichmäßige Technikausprägung zu beobachten. Abhängig von dem
Umfang der Geschwindigkeitszunahme verändert sich diese vor allem im Nachwuchsalter
6
Aimé Jäschner
mehr oder weniger stark, da die Beständigkeit der sportlichen Technik im jungen Alter
noch nicht ausreichend ausgeprägt ist.
Im Abschnitt der gleichförmigen Geschwindigkeit wird die maximale Geschwindigkeit
erreicht (bzw. liegt die Geschwindigkeit bei 95% des absoluten Geschwindigkeits-
maximums) und es wird versucht diese solange wie möglich aufrecht zu erhalten. Die
maximale Geschwindigkeit wird, abhängig vom Leistungsniveau, nach etwa 30-50 m
erreicht (vgl. LETZELTER, 2004, S. 99ff und SCHRADER et al., 2008). An diese Phase
schließt sich der Abschnitt der negativen Beschleunigung an. Individuell nach dem
Leistungsstand der Athleten beginnt hier entsprechend früher oder später die Abnahme
der maximalen Geschwindigkeit.
Dies ist eine simple Unterteilung der einzelnen Abschnitte beim Sprint. Betrachtet man
hingegen dessen die Untersuchungen von LETZELTER & LETZTELTER (2005) sowie
MANN (2008) so stellt man fest, dass eine detailliertere Einteilung der Abschnitte für eine
genaue Analyse der Sprinttechnik sinnvoll ist. Demnach wird bei MANN (2008) der Start
als eigener wesentlicher Bestandteil im Kurzsprint hervorgehoben, welcher sich
unabhängig von der Reaktionszeit bis zum Ende des zweiten Schrittes erstreckt.
Da der Startvorgang im Beschleunigungsabschnitt mit inbegriffen ist, lassen sich dieses
nur schwer voneinander trennen. So wurde früher die Beschleunigungsphase aus-
schließlich als Ganzes betrachtet. Erst seit DICK (1988) wurde zwischen der
Startbeschleunigung und der Pick-Up-Beschleunigung unterschieden. Seit dem gilt der
Übergang vom Startabschnitt in die Phase der Pick-Up-Beschleunigung, und damit zum
freien Sprint, als bedeutsamer Knotenpunkt (vgl. LETZELTER & LETZELTER, 2005, S.
260). Dieser wichtige Wechsel zwischen den beiden Beschleunigungsabschnitten wurde
auch später in verschiedenen elektromyographischen Analysen bestätigt und es wurde
versucht eine Trennung zwischen beiden festzulegen. So bestimmten zum Beispiel
TIDOW und WIEMANN (1994) nach den EMG-Werten die Grenze dort, wo die
Beschleunigungsarbeit überwiegend aus der Hüftgelenksstreckung, und nicht aufgrund
der Streckung aus dem Kniegelenk erfolgt. Ebenso tätigten auch QUING und KRÜGER
(1995, S. 39) die Aussage
, dass ,,die Beschleunigungs
phase im Sprint nicht ein-, sondern
zweiteilig"
ist. Allerdings ist bis heute trotz der EMG-Messungen nicht genau festgelegt,
wann diese Trennung erfolgt und wie diese ohne elektromyographische Werte ermittelt
Theoretische Betrachtung der Thematik
7
werden kann. Es wird vermutet, dass der Übergang von der einen in die andere Phase
erfolgt, wenn der Athlet vom stoßenden zum ziehenden Laufen übergeht.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 3ff)
Je nach Leistungsstand und individueller Fähigkeiten erfolgt ein solcher Übergang nach
LEHMANN und VOSS (1997) ungefähr im Streckenabschnitt zwischen zehn und zwanzig
Metern. In einer Theorie nach LETZELTER (2004) wird hingegen davon ausgegangen,
dass ein Übergang auch deutlich früher erfolgen kann, sodass die Pick-Up-
Beschleunigung bereits vor der Zehn-Meter-Markierung greift. Lediglich durch MANN
(2008) wird ein fiktives Kriterium der Übergangsdefinition festgelegt. Nach dessen Theorie
beginnt die Phase der Pick-Up-Beschleunigung bereits, sobald 80% der Maximalge-
schwindigkeit erreicht werden. Die Ergebnisse der Datenanalyse von KOCHINKE (2010)
bestätigen dabei, dass jener Wert im Rahmen dieser Untersuchung bereits vor der Zehn-
Meter-Markierung erreicht wird. In Anlehnung an diese Theorien sowie der technisch
bedingten Begrenzung des Untersuchungsdesigns dieser Untersuchung erfolgte daher
eine Einigung, die Pick-Up-Beschleunigung (also die zweite Beschleunigungsphase) durch
die Teilstrecke zwischen zehn und zwanzig Metern zu beschreiben. Im Weiteren kann
daher davon ausgegangen werden, dass alle in dieser Arbeit untersuchten Probanden
innerhalb dieses Streckenabschnittes die Phase der Startbeschleunigung bereits
abgeschlossen haben.
Welche Bedeutung beiden Beschleunigungsphasen hinsichtlich der gesamten
Sprintstrecke zugesprochen werden kann und in welchem Umfang der Erfolg eines Sprints
von der jeweiligen Phase abhängig ist, kann anhand der einschlägigen Literatur nicht
eindeutig geklärt werden. So geht COH (1997) beispielsweise vom Start und der
Startbeschleunigung als wichtigste Phase aus. Im Widerspruch dazu erfährt nach
LETZELTER (2004) jedoch die Pick-Up-Beschleunigung eine größere Bedeutung.
Gemeinsam ist dabei allen Ansätzen, dass eine gute Beschleunigungsphase notwendiger
Bestandteil einer erfolgreich bewältigten Sprintstrecke ist. Deren Einfluss beruht dabei auf
zwei verschiedenen Faktoren: dem Umfang der Beschleunigungsleistung und der Dauer
der Beschleunigungsphase. In einer Untersuchung der Kurzstreckensprint-Finale von
Männern und Frauen der Weltmeisterschaften des Jahres 1987 beschreiben FUCHS &
LAMES (1990)
in ihrer Publikation zur ,,
mathematischen Modellierung des
8
Aimé Jäschner
Wettkampfverhaltens im Sprint"
in diesem Zusammenhang, dass diejenigen Athleten, die
über eine sehr kurze Zeit eine sehr hohe Beschleunigung produzieren, am Ende
langsamer sind als diejenigen Läufer, die über eine längere Dauer beschleunigen. Der
Unterschied besteht hierbei in der früheren und intensiveren Abnahme der maximalen
Geschwindigkeit. LETZELTER (2004) bestätigt diese Beobachtung des größeren
Geschwindigkeitsverlustes aufgrund einer früher erreichten Maximalgeschwindigkeit.
Demnach besteht eine erfolgreiche Sprintleistung in einer lang andauernden
Beschleunigung, deren Ziel es ist, eine möglichst gleichmäßige und hohe
Geschwindigkeitszunahme zu produzieren.
3.1.2 Die Phasenstruktur des
,,freien"
Sprintschrittes
Im Allgemeinen existieren zwei theoretische Ansätze zur Theorie der Laufbewegung im
Sprint. Für die anstehende Analyse der Sprinttechnik werden diese beiden Ansätze
zunächst betrachtet und voneinander abgegrenzt. Die zwei Ansätze lassen sich in einen
älteren, orthodoxen Ansatz, der die Phasenstruktur des Laufschrittes in eine Stütz- und
eine Schwungphase trennt (vgl. Abb. 1), und in einen neueren, funktionaleren Ansatz, der
die Phasenstruktur in die Schwung- und Zugphase trennt (vgl. Abb. 2), unterteilen. In
beiden Ansätzen werden die zwei Phasen zusätzlich noch in zwei weitere Teile
differenziert.
Abb. 1: Phasenstruktur des Sprintschrittes
orthodoxer Ansatz (Letzelter & Letzelter 2005, S. 272)
Unter einem Laufschritt wird hierbei ein kompletter Schrittzyklus eines Beines verstanden,
der sich aus der Schwung- und der Stützphase ergibt. Zu beachten ist, dass es bei diesen
Phasen stets zu Überschneidungen beider Beine kommt und sie somit nicht zeitlich
voneinander abgegrenzt werden können. Getrennt wird die vordere und hintere
Theoretische Betrachtung der Thematik
9
Stützphase, nachdem die Amortisationsphase beendet ist und die größte Beugung im Knie
stattgefunden hat (vgl. Abb. 2). Die Arbeitsweise wechselt hierbei vom negativ-
dynamischen (exzentrisch) ins positiv-dynamische (konzentrisch). Dabei überholt das
Schwungbein in gebeugtem Zustand das Stützbein. Die hintere Stützphase hat die
Funktion, eine optimal horizontale Abdruckkraft zu entwickeln. Sie ist somit entscheidend
für die Größe und Richtung des Abdrucks, folglich resultieren in Abhängigkeit daraus der
Vortrieb und die Flughöhe. Nach dem Lösen des Fußes vom Boden beginnt die hintere
Schwungphase und das Bein pendelt in Richtung Gesäß aus. Dies dient der Entspannung
der Ischiocruralen Muskulatur, mit der außerdem der Kniehub vorbereitet wird. Mit dem
Überholen des Stützbeines durch das Knie des Schwungbeines beginnt die vordere
Schwungphase. Diese Phase des Schrittes ist entscheidend für die Schrittlänge und dient
der Vorbereitung einer aktiven Landung. Zudem wird hier eine gewisse Vorspannung der
Ischiocruralen Muskulatur aufgebaut. Daran schließt sich die Phase des vorderen Stützes
mit dem Aufsatz des Fußes an. Hier sollen neben den Bremskräften auch die
Amortisation, also das Abfangen des Landedrucks, so gering wie möglich gehalten
werden. Die Phasenstrukturen beider Beine überlappen sich daher: Befindet sich das eine
Bein in der Stützphase, so ist das andere Bein in der Schwungphase und umgekehrt (vgl.
Abb. 2).
Abb. 2: Phasenstruktur Sprint: hintere & vordere Schwung- und Stützphase (Bauersfeld & Schröter, 1998, S. 121)
Beide Beine wechseln unabhängig voneinander diese Phasen, so dass es vorkommt, dass
sich auch beide Beine gleichzeitig in der Luft und somit in der Schwungphase befinden,
was das Laufen vom Gehen unterscheidet.
Aus diesem orthodoxen Ansatz entwickelte sich später ein neues Modell, was sich nicht
mehr an dem äußeren Erscheinungsbild, sondern vielmehr funktional an der
Phasenstruktur orientiert, da es sich konkret nach den Aufgaben und der Funktion der
jeweiligen Phasen richtet. Gerade die besondere Stellung der Stützphase wird hier
10
Aimé Jäschner
hervorgehoben, weil sie für den Vortrieb von elementarer Bedeutung ist. Seit 1994 wird
der Sprintschritt mit der Schwung- und Zugphase weiter in die Ausschwung-,
Kniehubschwung-, Schwungzug- und Stützzugphase untergliedert (vgl. Abb. 3).
Abb. 3: Phasenstruktur des Sprintschrittes
funktionaler Ansatz (Letzelter & Letzelter, 2005, S. 273)
Diese Neustrukturierung basiert im Wesentlichen auf den Resultaten der EMG-Analyse
von TIDOW und WIEMANN (1994) und geht auf die unterschiedlichen Aktivierungsmuster
der beteiligten Muskulatur der unteren Extremitäten zurück. Dabei wird unter der
Schwungphase, in Anlehnung an den orthodoxen Ansatz, das Abdrücken des
Standbeines, das Ausschwingen, das Anfersen und der Kniehub verstanden (vgl. Abb. 4:
Positionen 1-6). Die Zugphase beginnt mit der Abwärtsbewegung des neuen Standbeines
und geht bis zum Lösen des Fußes vom Boden am Ende der Stützphase. Die Zugphase
wird durch das Abschwingen des zukünftigen Standbeines, das Stützfassen, das
Durchziehen und das Abdrücken gekennzeichnet (vgl. Abb. 4: Positionen 7-10).
Abb. 4: Strukturierung des Sprintlaufs nach TIDOW & WIEMANN (1994, S. 19)
Die vorliegenden Arbeit orientiert sich an der Strukturierung des Sprintlaufs nach TIDOW
und WIEMANN. Die genaue Trennung der einzelnen Phasen wird unter dem folgenden
Punkt zur Entwicklung des Technikleitbildes beschrieben.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 5ff)
Theoretische Betrachtung der Thematik
11
3.2 Entwicklung eines Technikleitbildes des Sprints (2. Beschleunigungsphase)
Zur Erfassung und Beurteilung der sportlichen Leistung ist, wie in jedem diagnostischen
Verfahren, ein Vergleich von Ist- und Soll-Werten notwendig. Dazu sind objektive
Merkmale unabdingbar. Diese sollen im folgenden Abschnitt aus den Erkenntnissen
verschiedener Autoren ausgewählt und die relevanten Faktoren zusammengefasst
werden. Das zusammengefasste Technikleitbild stellt so den Soll-Wert für die
anschließende Untersuchung dar. Die Ist-Werte werden durch die dreidimensionalen
Aufnahmen der Athleten in der Bewegungsausführung gewonnen und können mit den
festgelegten objektiven Merkmalen verglichen werden, um Defizite oder Abweichungen
festzustellen. Allerdings existieren für die Schrittanalyse kaum umfassende Unter-
suchungen, die sich auf den Abschnitt der positiven Beschleunigung beziehen. Die
Ursache hierfür sieht LIU (1992, S. 6) in der sich ändernden kinematischen und dyna-
mischen Struktur der Sprintbewegung im Abschnitt der Beschleunigung. Auch die Analyse
einzelner Schritte an sich ist mit den jetzigen Mittel noch recht unökonomisch. Dennoch
soll im vorliegenden Abschnitt versucht werden aus den unterschiedlichen Quellen und
Untersuchungen der verschiedenen Autoren diverse Aspekte der Lauftechnik herauszu-
ziehen und in einem Technikleitbild zusammen zu fassen. Diese Merkmale stammen nicht
nur ausschließlich aus der verwendeten Literatur, sondern auch aus eigenen theoretischen
Annahmen. Die Relevanz der ausgewählten Merkmale soll anhand der ausgewählten
Probanden untersucht und abschließend beurteilt werden.
Wie bereits im Kap. 3.1.2 beschrieben wurde, entspricht der Aufbau des hier verwendeten
Technikleitbildes der Phasenstruktur des funktionalen Ansatzes. Als Beginn wurde die
Stützzugphase mit dem ersten Bodenkontakt des Fußes, im Weiteren als ,,Impact"
bezeichnet, festgelegt.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, S. 8f)
3.2.1 Allgemeines zur Schrittlänge und Schrittfrequenz
Bevor auf die einzelnen Phasen der Schrittgestaltung im Kurzstreckensprint eingegangen
wird, sollen die Möglichkeiten aufgezeigt werden, mit denen im Allgemeinen eine höhere
Laufgeschwindigkeit erreicht werden kann. Dazu ist die Überlegung notwendig, wie sich
die Geschwindigkeit zusammensetzt.
12
Aimé Jäschner
Die Geschwindigkeit v ergibt sich bekannter Weise aus der zurückgelegten Strecke s und
der dafür benötigten Zeit t:
v = s/t [m/s]
Übertragen auf den Sprintlauf wird die Strecke durch die Schrittlänge ermittelt und anstelle
der Zeit wird die Schrittfrequenz, mit der Einheit Schritte pro Sekunde, hinzugezogen. Die
mittlere Laufgeschwindigkeit wird folglich durch das Produkt aus mittlerer Schrittlänge und
mittlerer Schrittfrequenz definiert. Somit hat ein Sprinter grundsätzlich zweierlei
Möglichkeiten schneller zu laufen: Zum einen über die Steigerung der Schrittfrequenz und
zum anderen über die Vergrößerung der Schrittlänge. Aus diesen beiden Faktoren
ergeben sich nun unterschiedliche Kombinationen, die BALLREICH und GABEL (1975) in
fünf logischen Möglichkeiten zusammengefasst haben:
1) Größere Schritte bei konstanter Frequenz
2) Schnellere Schritte bei konstanter Schrittlänge
3) Längere und schnellere Schritte
4) Größere Schritte bei sinkender Frequenz, dabei übertrifft das Plus an Schrittlänge
das Minus an Frequenz
5) Schnellere Schritte bei niedrigerer Schrittlänge, wobei das Plus an Frequenz das
Minus an Schrittlänge kompensiert
Am besten wäre ein Zuwachs beider Einflussgrößen. Hierbei stellt sich allerdings die
Frage, inwiefern eine Steigerung beider Faktoren in der Startbeschleunigung möglich ist
und welche Auswirkungen dies mit sich bringt.
Anhand verschiedener Untersuchungen zeigt sich, dass sich sowohl die Schrittlänge, als
auch die Schrittfrequenz mit steigender Laufgeschwindigkeit erhöhen (vgl. NELSON und
CHENGULAR, 1991, S. 15). Während vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten eine
rasche Zunahme der Schrittlänge zu beobachten ist, erfolgt eine Schrittfrequenzsteigerung
eher langsam. Nach der Theorie von MANN (2008) hingegen bleibt die Schrittfrequenz ab
Beginn der Startbeschleunigung nahezu gleich. Weder in den Beschleunigungsphasen,
noch in der Phase der maximalen Geschwindigkeit kommt es zu signifikanten
Veränderungen. Die Schrittfrequenz kann somit als Fähigkeit betrachtet werden, die ein
Athlet besitzt und die er, abhängig von der individuellen Leistungsfähigkeit, in
Theoretische Betrachtung der Thematik
13
entsprechendem Umfang über die gesamte Distanz einer Kurzsprintstrecke erzeugen
kann. Lediglich das Verhältnis von Stützphase zu Flugphase verändert sich. Während der
Auswertung der zugrunde liegenden Daten konnte dies bestätigt werden. Folglich muss es
das Ziel sein, die Frequenz für das gesamte Rennen und somit bereits von Beginn an
maximal zu halten. Dies ist jedoch nur bis zu einem gewissen Grad trainierbar, da die
Fähigkeit zur Frequenzschnelligkeit im Wesentlichen von der Funktionstüchtigkeit des
zentralen Nervensystems abhängig und in großem Umfang angeboren ist (vgl. GROSSER
u.a., 2008). Auch bei der Vergrößerung der Schrittlänge ist zu bedenken, dass diese
individuell abhängig von der Beinlänge und Körpergröße ist und zudem von der
Kraftfähigkeit des Athleten bestimmt wird (vgl. COH & TOMAZIN, 2005). Dies könnte bei
dem Versuch der Vergrößerung der Schrittlänge zur Folge haben, dass sich die Stützzeit
verlängert und die Schrittfrequenz deutlich negativ darunter leiden würde (vgl. DILLMANN,
1975). Ziel sollte es deshalb sein, ein ideales Verhältnis von Schrittlänge und
Schrittfrequenz zu erreichen.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, S. 9f)
3.2.2 Stützzugphase
Die Stützzugphase beginnt mit dem ersten Bodenkontakt (Impact) des zu betrachtenden
Fußes (vgl. Abb. 5) und endet mit dem letzten Bodenkontakt (Take-Off).
Abb. 5: Impact
Beginn der Stützzugphase
Für eine gute Stützphase sollte der Fußaufsatz möglichst mit dem Ballen erfolgen (vgl.
Abb. 6 links), um so die Bodenkontaktzeit möglichst kurz zu halten. Der Ballenaufsatz wirkt
sich positiv auf den Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus und somit auf die Muskulatur, die
Bänder und die Sehnen im Sprunggelenk aus (vgl. DILLENBERGER, 2002, S. 45).
14
Aimé Jäschner
Abb. 6: Bild 1
Guter Fußaufsatz (Ballen); Bild 2
Schlechter Fußaufsatz ( Ferse)
Während dieser kurzen Amortisationsphase (exzentrische Arbeitsweise) wirkt das
Fußgelenk wie eine steife Feder, die möglichst schnell wieder konzentrisch arbeiten
möchte, um einen schnellkräftigen Abdruck vom Boden im Take-Off (Verlassen des Fußes
vom Boden) zu erzielen. Eine kurze und effektive Stützzugphase wird neben dem
Ballenaufsatz durch einen körpernahen Fußaufsatz begünstigt. Hierfür wird zum Zeitpunkt
des Impacts die Entfernung des Fußaufsatzes zur vertikalen Projektion des KSP
gemessen. Nach MANN (2008) sollte diese Entfernung etwa 20 cm betragen. Allerdings
wurde dieser Wert aus Messungen im Abschnitt der maximalen Geschwindigkeit ermittelt
und ist daher nur bedingt für die zweite Beschleunigungsphase verwertbar. Dennoch
dürfte es für die Lauftechnik im Allgemeinen, so auch für die Beschleunigungsphase, von
Bedeutung sein, den Fuß nahe der Projektion des KSP aufzusetzen. Somit wird nicht nur
das ziehende Laufen begünstigt, der KSP hat so auch einen kürzeren Bremsweg und
kann daher schneller wieder mit dem Abdruck vom Boden beschleunigt werden. Der
Geschwindigkeitsverlust beim Impact wird auf diese Weise, und durch eine aktiv
schlagende Greifbewegung, so gering wie möglich gehalten. Um die Fehlerquote zu
minimieren, wurden für die Beurteilung dieses Merkmals nicht die Fußspitze und der KSP
herangezogen, sondern die vertikale Projektion der Hüfte sowie das Sprunggelenk des zu
betrachtenden Beines. Dadurch, dass die Lage des KSP auch von der Oberkörpervorlage
abhängt und diese sich während des Beschleunigungsabschnitts kontinuierlich ändert, ist
eine rein subjektive Aussage durch den Hüftmarker eher möglich. Ebenso durch die
Verwendung des Sprunggelenks als Messpunkt, da der Marker der Fußspitze durch die
wirkenden Kräfte beim Impact extremen Schwankungen unterliegt und hier viel interpoliert
wurde. Außerdem wirkt sich auch die Schuhgröße auf diesen Messwert aus. Durch das
unterschiedliche Schuhwerk der Athleten bedingt, konnte nicht sichergestellt werden, dass
die Marker der Fußspitze immer exakt an der gleichen Stelle sitzen.
Theoretische Betrachtung der Thematik
15
Des Weiteren muss auch die Winkelveränderung im Kniegelenk während der Stützphase
betrachtet werden. Die in dieser Phase stattfindende Kniegelenksbeugung ist für einen
geradlinig verlaufenden KSP verantwortlich. Ohne eine solche Beugung wäre eine durch
die Kniestreckung verursachte Wellenbewegung des KSP zu beobachten. Des Weiteren
dient die Beugung des Kniegelenkes einer kurzen Erholungsphase der am Kniegelenk
sitzendenden Muskulatur. Eine Beugung bleibt nicht zuletzt deshalb unvermeidbar, um die
durch den Fußaufsatz auftretende Kräfte abzufangen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
die Dauer des Abdrucks im Fußgelenk umso größer ist, je intensiver eine solche
Kniegelenksbeugung und Amortisation vollzogen wird. Ein schnellkräftiger Abdruck sowie
ein dem einhergehenden explosiven Wechsel zwischen exzentrischer und konzentrischer
Arbeit wäre so nicht in vollem Umfang möglich. Um eine unnötige Verlängerung der
Stützphasendauer zu vermeiden, muss ein Kompromiss zwischen der Intensität der
Kniegelenksbeugung und dem schnellkräftigen Fußgelenksabdruck eingegangen werden.
WIEMANN (1986) spricht darüber hinaus von einer durch diese Beugung im Kniegelenk
verursachten Vergrößerung des Streckweges am Ende der Stützphase, welche sich, wenn
auch nur zu einem sehr geringen Teil, positiv auf den Beschleunigungskraftstoß auswirkt
und eine bessere Horizontalbeschleunigung hervorruft. Vielmehr wird dies jedoch durch
die Streckung im Hüftgelenk des Stützbeines verursacht.
Während der Beschleunigungsphase im Sprint nimmt die Kniegelenksbeugung aufgrund
der zunehmenden Geschwindigkeit und der höher werdenden Kräfte im Moment des
Fußaufsatzes zu (vgl. BRÜGGEMANN, 1999). Anhand der Literatur von BARTIONETZ &
GÜLLICH (1992) treten bei der 20-Meter-Marke Zunahmen von acht bis fünfzehn Grad
auf. LETZELTER & LETZELTER (2005) beschreiben im Bereich zwischen 30 und 70
Metern des Kurzsprints Zunahmen von sechs bis zwölf Grad. Ähnliche Werte sind bei der
hier durchgeführten Untersuchung zur zweiten Beschleunigungsphase zu erwarten.
Außerdem gilt, dass die Dauer der Kniegelenksstreckung bzw. -beugung mit zunehmender
Laufgeschwindigkeit abnimmt.
Der Bodenkontakt stellt in der Schrittgestaltung die wichtigste Phase dar, da hier die
eigentliche Kraft aufgebracht wird, um zu beschleunigen. In der Flugphase hingegen wird
der Körper aufgrund des Luftwiederstandes nur noch abgebremst. Deshalb werden
während der Stützzugphase die wichtigsten Merkmale betrachtet, um das
Beschleunigungsverhalten sowie die Lauftechnik beschreiben und beurteilen zu können.
16
Aimé Jäschner
Das Aufsetzen des Fußes wurde bereits betrachtet. Des Weiteren gehört zu diesen
wichtigen Merkmalen die Geschwindigkeitsänderung im KSP. Mit diesem Messwert kann
die Qualität der Schritte während der Stützzugphase genauer betrachtet werden. Dazu
wurden die horizontalen Brems- und Beschleunigungsstöße der jeweiligen Schritte
ermittelt und daraus die Gesamtbilanz gezogen, um sichtbar zu machen, wie viel Kraft pro
Schritt für den Vortrieb aufgebracht wurde. Aus den Bremsstößen lässt sich erkennen, wie
gut der Fußaufsatz war. Denn wer seinen Fuß weit vor dem Körperschwerpunkt und noch
dazu mit der Ferse aufsetzt, hat weitaus größere Bremskräfte als ein Ballen- oder
Mittelfußläufer, der den Fuß unter dem Körper aufsetzt (vgl. Abb. 6). Durch den
Fußaufsatz wird zunächst geringfügig gebremst, anschließend aber weitaus mehr
beschleunigt (vgl. LETZELTER & LETZELTER, 2005, S. 266). Während der zweiten
Beschleunigungsphase ändern sich diese Beschleunigungs- und Bremsstöße nur noch
aufgrund des individuellen Leistungsstandes des Athleten und weisen in der Regel keine
stetigen Änderungen mehr auf, wie sie in der Startbeschleunigung zu beobachten sind
(vgl. KOCHINKE, 2010). Ein guter Sprinter nutzt diese Beschleunigungsphase zur
Stabilisierung des Laufschrittes und deren Kraftstöße (vgl. Abb. 7).
Abb. 7: Geschwindigkeitsänderungen im KSP
In direktem Zusammenhang mit den Geschwindigkeitsänderungen stehen die Vektoren
der Impulsänderung, welche die wirkenden Kräfte nicht nur in horizontaler Richtung,
sondern auch in vertikaler Richtung anzeigen. Dies ist relevant, um die
Geschwindigkeitswerte aussagekräftig beurteilen zu können. Nicht nur die Stärke der
horizontalen Beschleunigungsstöße ist ausschlaggebend, sondern eben auch die
Richtung der wirkenden Gesamtkraft. Bei einem großen Kraftstoß wird der Körper auf den
Theoretische Betrachtung der Thematik
17
ersten Blick betrachtet zwar viel beschleunigt, allerdings ist dies nicht sehr effektiv, wenn
die Kraft stark nach oben gerichtet ist (vgl. Abb. 8). Dadurch wird die Flugzeit unnötig
verlängert und kann durch die folgenden Schrittphasen nicht wieder ausgeglichen werden.
Ist hingegen der Kraftstoß zu flach nach vorn gerichtet, hätte dies zur Folge, dass sich die
anderen Phasen des Schrittzyklus und die Schrittlänge verkürzen, während sich die
Schrittfrequenz erhöht.
Abb. 8: Darstellung der Vektoren der Impulsänderung (Schritte 11 & 15 hier zu hoch)
Ebenso wichtig ist hier das Betrachten der Kontaktzeit. Die Kontaktzeit ergibt sich aus dem
Zeitpunkt des Impacts, also dem ersten Bodenkontakt, und dem Zeitpunkt des letzten
Bodenkontakts, dem Take-Off. Diese sollten wiederum nicht zu lang und auch nicht zu
kurz auseinander liegen. Ein zu kurzer Kontakt reicht nicht aus, um einen guten Abdruck
vom Boden zu produzieren und der Beschleunigungsstoß würde zu kurz ausfallen, was im
Diagramm durch den Vektor der Impulsänderung dadurch deutlich wird. Genauso sollte
die Phasendauer nicht zu lang sein, auch wenn auf geringem Niveau mit einem hohen
Kraftimpuls der Zeitverlust mit einer längeren Stützphase ausgeglichen werden kann (vgl.
LEHMANN und VOSS, 1997). Auf höherem Niveau liegt der Schwerpunkt der
Krafterzeugung darin, einen gleich großen Impuls in kürzerer Zeit zu erzielen. Hier muss
ein Mittelmaß gefunden werden. In Bezug auf die Beschleunigungsphase sollte sich die
Kontaktzeit mit
zunehmender
Laufgeschwindigkeit
zunächst
verringern
(vgl.
OSTERHOUDT, 1968 und MANN, 2008), ehe sie sich in der zweiten Beschleunigungs-
phase stabilisiert (vgl. Abb. 9).
18
Aimé Jäschner
Abb. 9: Kontaktzeit der Stützzugphase während der zweiten Beschleunigungsphase
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 10ff)
3.2.3 Ausschwungphase
Die Ausschwungphase beginnt mit dem Abdruck des Fußes vom Boden, zu dem
Zeitpunkt, an dem
der Fuß keinen Bodenkontakt mehr hat, also einen ,,Frame"
(entspricht
0,002 sec) nach dem Take-Off (Take-Off + 1 Frame). Nach MANN (2008) endet die Phase
im Zeitpunkt der sich kreuzenden Knie. Aufgrund der Erkenntnisse von JÄSCHNER &
KOCHINKE (2010) in ihrer Untersuchung zur Phase der maximalen Geschwindigkeit,
wurde in dieser Diplomarbeit ein anderer Zeitpunkt als Phasenende definiert. Begründet
wird dies dadurch, dass das Phasenende, wie MANN (2008) es beschreibt, stark vom
Fußaufsatz des anderen Beines abhängig ist. Bei einem schlechten Fußaufsatz ist die
Ausschwungphase länger, da der Fuß weiter vor dem Körper aufgesetzt wird und so mehr
Weg überwunden werden muss, bis das Knie des Schwungbeines auf Höhe des Knies
vom Standbein ist. Um die Phase einheitlich und unabhängig betrachten zu können, wurde
daher nach einem besseren Orientierungsmerkmal gesucht. Die Trennung zwischen
Kniehubschwung- und Ausschwungphase wird demnach dort festgelegt, wo der
Oberschenkel senkrecht zum Boden steht (vgl. Abb. 10).
Theoretische Betrachtung der Thematik
19
Abb. 10: Altes (links) und neues Ende der Ausschwungphase (rechts)
Neben der Phasendauer werden in dieser Phase die Hüftstreckung zu Phasenbeginn
sowie die Kniegeschwindigkeit zum Phasenende untersucht. Aufgrund der Tatsache, dass
das Ausschwingen des Beines nach hinten nicht aktiv vollzogen wird, sondern passiv
aufgrund von Aktions- und Reaktions-Kräften erfolgt, brauchen keine weiteren Merkmale
während dieser Phase untersucht werden. Somit ist eine direkte Einflussnahme in dieser
Phase nicht möglich, da diese durch die Beschleunigung in der vorhergehenden
Stützzugphase bestimmt wird. Darüber hinaus gilt, dass die Ausschwungphase eine
Erholungsfunktion erfüllt, welche es für eine hohe Schrittfrequenz schnell zu überwinden
gilt. Für Schrittlängenläufer hingegen gilt, dass die Ausschwungphase verlängert werden
sollte, um gleichzeitig mit dem anderen Bein, welches sich zu diesem Zeitpunkt in der
vorderen Schwungphase befindet, mehr Zeit zu haben, um einen langen und großen
Schritt zu setzen. Für die Beschleunigungsphase bedeutet dies, dass sich die
Ausschwungphase mit Zunahme der Schrittfrequenz verlängert.
Die Kniegeschwindigkeit wurde im Phasenende ermittelt, da ab diesem Zeitpunkt ein
aktiver Kniehub erfolgt. Dabei wird die Hüfte aktiv und schnellkräftig gebeugt während sich
der Kniegelenkswinkel öffnet. Die Geschwindigkeit im Knie spiegelt daher wider, wie aktiv
das Beugen in der Hüfte erfolgt. Die Werte sollten dabei möglichst hoch sein und im
Verlauf der Beschleunigungsphase kontinuierlich größer werden. Folglich sollte auch das
aktiv nach vorne geführte Bein in der vorderen Schwungphase umso höher kommen, je
höher die Kniegeschwindigkeit ist.
Neben der Kniegeschwindigkeit zum Phasenende wurden im selben Frame ein
Screenshot aufgenommen, um die allgemeine Lauftechnik besser beurteilen zu können
(vgl. Tab. 1), da hier ein rhythmisches Laufen anhand des Vergleichs der Winkel zwischen
den Beinen und der Armhaltung erkennbar ist.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 15ff)
20
Aimé Jäschner
Des Weiteren wurde während der Ausschwungphase die Bewegung im Hüftgelenk
betrachtet. NELSON & CHENGULAR (1991) beschreiben, dass bessere Läufer die
Streckung im Hüftgelenk zeitlich länger halten können. Daher wurde die Dauer der
Hüftstreckung genauer untersucht. Dazu wurde zunächst der Hüftgelenkswinkel zu
Phasenbeginn untersucht, ehe anschließend die Zeit ermittelt wurde, bis dieser Wert
erneut erreicht wurde. Der Zeitpunkt der maximalen Hüftstreckung befindet sich in der
Regel zwischen diesen beiden Werten (vgl. Abb. 11).
Abb. 11: Messpunkte der Hüftstreckung
Der Hüftwinkel zu Phasenbeginn sowie der Winkel in der maximalen Streckung sollten im
Verlaufe
der
Beschleunigung
zunehmen
und
sich
beim
Erreichen
der
Maximalgeschwindigkeit einpendeln. Mit zunehmender Streckung sollte sich auch die
Dauer der Hüftstreckung kontinuierlich verlängern.
Über die Dauer der Hüftstreckung hinaus, wurden zusätzlich die Winkelwerte im Moment
des Take-Offs und im Maximum betrachtet. Nach MANN (2008) ist der Hüftwinkel am
Ende des Abdrucks bei Topsprintern größer als bei schlechteren Athleten. Dies ist nicht
zuletzt von der Körpervorlage abhängig. Im Verlauf der Beschleunigungsphasen sollte die
Hüftstreckung im Moment des Take-Offs zunehmen (vgl. Abb. 12).
Theoretische Betrachtung der Thematik
21
Abb. 12: Hüftstreckung bei Beginn (rechts) und Ende der Beschleunigungsphase (links)
Bei schlechteren Läufern wird diese Streckung nicht erreicht. Vielmehr macht es den
Anschein,
als würde der Athlet beim Laufen ,,sitzen".
LETZELTER & LETZELTER hingegen
beschreiben, dass eine völlige Hüftstreckung vermieden werden sollte, um die
Ausschwungphase möglichst schnell zu überwinden und Zeit zu gewinnen (vgl.
LETZELTER & LETZELTER, 2005, S. 293).
Aufgrund dieses Widerspruchs bleibt zu erwähnen, dass MANN (2008) dieses Merkmal im
Abschnitt der maximalen Geschwindigkeit untersuchte. Inwiefern diese Aussagen auf die
Beschleunigungsphasen übertragen werden können bleibt daher zunächst ungeklärt. Die
Tatsache, dass der Hüftwinkel zwischen Oberkörper und Oberschenkel gemessen wird,
macht deutlich, dass vor allem die Aufrichtung der Körpervorlage entscheidend für den
Hüftwinkel ist. Diese Oberkörpervorlage ist zu Beginn der Startbeschleunigung sehr hoch
und nimmt im Verlauf stetig ab. In der zweiten Beschleunigungsphase stabilisiert sich
dieser Wert bei guten Sprintern.
3.2.4 Kniehubschwungphase
Unmittelbar nachdem der Oberschenkel die Senkrechte zum Boden passiert hat, beginnt
die Kniehubschwungphase (Ende der Ausschwungphase plus ein Frame) und endet zu
dem Zeitpunkt, an dem das Knie den höchsten Punkt erreicht (vgl. Abb. 13).
22
Aimé Jäschner
Abb. 13: Ende der Kniehubschwungphase mit gemessenem Winkel
Zugleich stellt das Phasenende ein relevantes Merkmal dar. Durch den Kniehub, also dem
Hüftwinkel zur Horizontalen, werden die Voraussetzungen für die folgende Stützphase und
die Schrittlänge bestimmt. So haben Schrittlängenläufer einen höheren Kniehub und einen
kleineren Winkel zur Horizontalen als Frequenzläufer, welche die vordere Schwungphase
schneller überwinden, indem sie das Knie nicht so hoch führen (dieser Unterschied ist
bereits während der Beschleunigungsphase zu beobachten). Mit zunehmender
Laufgeschwindigkeit wird der Oberschenkel vor dem Körper höher gezogen, der Winkel
verkleinert sich, bis die Maximalgeschwindigkeit erreicht ist. Durch einen hohen Kniehub
wird die ischiocurale Muskulatur vorgedehnt und die Streckung des Hüftgelenks kann
durch die auftretenden reaktiven Kräfte kraftvoller und schneller erfolgen (vgl. MANN,
2008).
Generell gilt auch für diese Phase, dass sie maximal schnell überwunden werden sollte,
um die Gesamtdauer des Schrittzyklus gering zu halten.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 17f)
3.2.5 Schwungzugphase
In der Schwungzugphase werden die Voraussetzungen für einen guten Boden-kontakt
geschaffen. Die Phase beginnt einen Frame nachdem das Knie den höchsten Punkt
erreicht hat (das Bein befindet sich wieder in der Abwärtsbewegung) und endet einen
Frame vor dem ersten Bodenkontakt des Fußes (vgl. Abb. 14).
Theoretische Betrachtung der Thematik
23
Abb. 14: Ende der Schwungzugphase
Ziel dieser Phase ist es, den Fußaufsatz mit einer möglichst hohen Geschwindigkeit
vorzubereiten. Diese Geschwindigkeit ist in Bezug zum Rumpf rückwärtsgerichtet (vgl.
TIDOW & WIEMANN, 1994, S. 17). Für die nähere Betrachtung wurde der Verlauf der
Hüftwinkelgeschwindigkeit herangezogen. Die Geschwindigkeit des Hüftwinkels gibt dabei
an, wie schnellkräftig die Muskulatur der Hüftstrecker arbeitet und wie schnell der
Hüftwinkel demnach geöffnet wird. Somit ist sie kennzeichnend dafür, wie aktiv und
greifend der Fuß gesetzt wird. Die gemessene Winkelgeschwindigkeit sollte
dementsprechend hoch sein, da diese für die schnelle Überwindung des Vorderstützes
entscheidend ist. Eine hohe Hüftwinkelgeschwindigkeit im Zeitpunkt des Fußaufsatzes
minimiert die Bremsimpulse zu Beginn des Bodenkontakts und verkürzt so die Dauer der
Stützzugphase. Eine optimal gestaltete Schwungzugphase liefert demnach die
Voraussetzung für eine gute Stützphase. Der greifende, körpernahe Fußaufsatz wird hier
vorbereitet und ist zugleich entscheidend für die Schrittlänge. Dabei muss berücksichtigt
werden, dass eine hohe Winkelgeschwindigkeit in der Hüfte durch einen hohen Kniehub in
der vorangegangenen Phase begünstigt wird. Mit einem hohen Kniehub wird dem Läufer
mehr Weg geboten, um eine hohe Winkelgeschwindigkeit aufbauen zu können. Gerade
dadurch wird der Einfluss einer Phase auf eine darauffolgende Phase sowie ihre Relevanz
für die Geschwindigkeitsentwicklung deutlich. Eine einzelne Phase der Schrittgestaltung
kann nie isoliert von den anderen betrachtet werden. Parallel dazu spielt auch die
entsprechende Phase des anderen Beines eine Rolle und sollte bei der Beurteilung der
einzelnen Phasen berücksichtigt werden.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 18ff)
Zusätzlich wurden aus der Hüftwinkelgeschwindigkeit die Minimal- und Maximalwerte
untersucht und deren Differenzen gebildet. Dadurch lässt sich sofort erkennen, in welchem
24
Aimé Jäschner
Schritt der Hüftwinkel am schnellkräftigsten geöffnet wurde. Dies ist notwendig, da die
Winkelgeschwindigkeiten aufgrund der vorherigen Phase unterschiedliche Ausgangs- und
Endwerte aufweisen (vgl. Abb. 15). In Bezug auf die Beschleunigungsphase bleibt zu
erwähnen, dass diese Geschwindigkeiten bei steigendem Kniehub größer werden sollten.
Abb. 15: Hüftwinkelgeschwindigkeit
Zum Ende der vorderen Schwungphase wurde außerdem die horizontale Distanz vom
Sprunggelenk zur Hüfte gemessen, um die Entfernung des Fußaufsatzes zum Körper
beurteilen zu können. Die Bedeutung dieses Merkmals wurde bereits in Absatz 3.2.2
beschrieben. Zusätzlich wurde beim Phasenende ein Screenshot aufgenommen, um die
Art des Fußaufsatzes beurteilen zu können (vgl. Abb. 6).
3.2.6 Allgemeine Merkmale
Neben der Betrachtung der einzelnen Phasen der Schritte werden auch allgemeine
Merkmale betrachtet, die sich keiner Phase zuordnen lassen und sich auf den gesamten
Schritt beziehen. Zu diesen Merkmalen zählen die maximale Geschwindigkeit des KSP in
Laufrichtung, Schrittlänge und Schrittfrequenz (welche bereits im Absatz 3.2.1 beschrieben
wurden), der Verlauf der Körpervorlage bzw. die Oberkörperaufrichtung und die vertikale
Schwankung des KSP. Diese Merkmale werden im Folgenden erläutert.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 20)
Theoretische Betrachtung der Thematik
25
3.2.6.1 Maximale KSP-Geschwindigkeit in Laufrichtung
Aufgrund dessen, dass der Wert der gemessenen Geschwindigkeit immer davon abhängig
ist, in welcher Phase des Schrittes sich der Läufer befindet, wird zur Beurteilung der
Laufgeschwindigkeit jeweils der maximale Wert der KSP-Geschwindigkeit während eines
Schrittes in Laufrichtung herangezogen (vgl. Abb. 16).
Abb. 16: Verlauf der KSP-Geschwindigkeit in Laufrichtung
Dieser Maximalwert wird zum Ende der Stützzugphase, ungefähr beim Take-Off, erreicht.
Um aussagekräftige Werte zu erhalten, wird jeweils immer die Differenz zum
vorhergehenden Schritt herangezogen und sämtliche Werte in Relation zur maximal
erreichten Geschwindigkeit gesetzt. Für diesen Wert wurden die Aufnahmen von 20 bis 30
Metern herangezogen, die am selben Tag, wie die Läufe zur Pick-Up-Beschleunigung,
aufgenommen wurden. Für einen Teil der Probanden lag dieser Wert aus einer bereits
vorangegangenen Auswertung vor.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 20f).
3.2.6.2 Schrittlänge
Ab Beginn der Startphase vergrößert sich die Schrittlänge im Kurzstreckensprint
kontinuierlich, bis die maximale Schrittlänge erreicht ist. Vergrößert sich die Schrittlänge
nicht mehr, sollte auch die maximale Geschwindigkeit erreicht sein, da die Schrittfrequenz
bereits ab dem dritten Schritt annähernd gleich bleibt (vgl. MANN, 2008). DILLMANN
(1975) schreibt zur Schrittlänge, dass die Körpergröße und die Beinlänge eindeutig mit ihr
korrelieren. Um die Werte vergleichbar zu machen, müssen diese sowohl für den inter- als
auch für den intraindividuellen Vergleich berücksichtigt werden. Gerade bei jungen
Probanden, wie sie in dieser Arbeit untersucht wurden, ist zu beachten, dass diese sich
noch im Wachstum befinden. Dies muss beim intraindividuellen Vergleich verschiedener
Zeitpunkte berücksichtigt werden.
Die Länge der Schritte wurde daher in Relation zur Beinlänge gesetzt, um einheitliche
Vergleichswerte zu erhalten. Da die körperliche Konstitution und somit die Relation von
26
Aimé Jäschner
Oberkörper und Unterkörper nicht bei jedem Athleten gleich sind und demnach eine
Relation zur Körpergröße fehlerhaft wäre, wurde die Beinlänge herangezogen.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 21)
3.2.6.3 Schrittfrequenz
Auf die Schrittfrequenz wurde bereits im Abschnitt 3.2.1 eingegangen. Die Frequenz sollte
optimaler Weise bereits zu Beginn des Kurzstreckensprints recht hoch sein oder im Laufe
der Beschleunigung noch auf das Optimum ansteigen, so dass die Schrittlänge nicht
darunter leidet.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 21)
3.2.6.4 Verlauf der Oberkörpervorlage
Die Oberkörpervorlage unterliegt, ebenso wie der KSP, beim Durchlaufen der einzelnen
Schrittphasen gewissen Schwankungen. Dabei sollte die Vorlage des Oberkörpers,
aufgrund des Abdrucks vom Boden, zum Zeitpunkt der Kniestreckung während der
Stützzugphase (ca. im Zeitpunkt des Take-Offs) maximal sein (HESS, 1991, S. 48).
Innerhalb der Probandengruppe wurde kein einheitlicher Zeitpunkt in der Schrittgestaltung
festgestellt, an dem der Oberkörper eine maximale Vorlage erfährt. Dies liegt unter
anderem daran, dass der Oberkörper während der Beschleunigungsphasen nahezu
kontinuierlich aufgerichtet wird. Daher wurde statt einer punktuellen Betrachtung der
Verlauf der Oberkörpervorlage herangezogen (vgl. Abb. 17). Dabei ist anzustreben, dass
der Zeitpunkt der Maximalwerte einheitlich ist, da dies ein Anzeichen für das rhythmische
Laufen darstellt (vgl. Abb. 18). Außerdem verdeutlicht der Verlauf der
Oberkörperaufrichtung gut das Gleichgewicht beim Laufen, da bei einem nicht optimal
gesetzten Schritt der Läufer in ein Schwanken und Stolpern gerät, welches mit dem
folgenden Schritt ausgleichen werden muss, um ein Gleichgewicht zu erhalten. Ein
Ungleichgewicht kann daher im Verlauf der Oberkörpervorlage sichtbar werden (vgl. Abb.
17).
Theoretische Betrachtung der Thematik
27
Abb. 17: Verlauf der Oberkörpervorlage
Abb. 18: Verlauf der Oberkörpervorlage eines rhythmischen Läufers
3.2.6.4 KSP-Schwankung
Neben den bereits genannten Merkmalen wurde auch die vertikale Schwankung des KSP
während der zweiten Beschleunigungsphase betrachtet (vgl. Abb. 19). Es lässt sich
beobachten, dass der vertikale KSP-Verlauf zu Beginn der Schwungphase steigt und mit
einsetzendem Bodenkontakt wieder sinkt. Bessere Läufer heben und senken ihren KSP in
einem nur geringen Umfang (DILLMANN 1975). Der flache Verlauf wird durch die Senkung
28
Aimé Jäschner
im Kniegelenk während der Stützphase begünstigt (WIEMANN, 1986) (siehe Absatz
3.2.2). Die Schwankung des KSP sollte daher einen geringen Wert aufweisen und in der
Höhe der Schwankung stabil sein. Die Konstanz des Wertes gibt Aufschluss über ein
rhythmisches Laufen. Durch einen zu hohen Wert hingegen ist ein zu sehr nach oben
gerichteter Kraftimpuls erkennbar.
Abb. 19: Betrachtung der KSP-Schwankung
3.2.6.5 Weg-Zeit-Kurve
Ebenfalls in der Rubrik der allgemeinen Merkmale angesiedelt, wird die Weg-Zeit-Kurve
der Beschleunigungsphasen betrachtet. Dies stellt in dieser Arbeit eine Fortführung der
Werte aus KOCHINKE (2010) dar und erweitert jene Angaben der Fünf- und Zehn-Meter-
Marke um die Werte der 15- und 20-Meter-Marke. Neben der Beurteilung der
Startbeschleunigung nach LETZELTER (2006) kann somit auch eine Aussage über die
Qualität der zweiten Beschleunigungsphase getroffen werden. Vor allem im inter- und
intraindividuellen Vergleich lassen sich so auf einen Blick eventuelle Unterschiede und
Entwicklungen erkennen (vgl. Abb. 20). Im Idealfall stellt das Diagramm eine steil nach
oben gerichtete Kurve dar (vgl. Abb. 20, rechts), welche einen schnellen Athleten
beschreibt. Verläuft die Kurve flacher, handelt es sich um einen langsameren Sprinter (vgl.
Abb. 20, links)
in Bezug auf den dargestellten Streckenabschnitt.
Abb. 20: Weg-Zeit-Kurve zweier Athleten
Theoretische Betrachtung der Thematik
29
3.2.7 Zusammenfassung des Technikleitbildes
Tab. 1: Technikleitbild im Überblick
Merkmal
Messzeitpunkt
Soll-Wert
Schrittgestaltung, allgemeine Merkmale
Schrittlänge
Fußspitze von Impact zu Impact
Möglichst hoher Wert mit
hohem Anstieg (in Abhängigkeit
zur Schrittfrequenz)
Schrittdauer
Beginn bis Ende eines Schrittzyklus (Impact bis
folgender Impact minus 1 Frame)
Möglichst geringer und
konstanter Wert
Schrittfrequenz
Beginn bis Ende eines Schrittzyklus
(Schritte pro Sekunde)
Möglichst hoher Wert
Maximale KSP-
Geschwindigkeit
KSP-Geschwindigkeit in Laufrichtung:
Maximalwert um den Take-Off
Ansteigende Werte
Oberkörpervorlage
Maximalwert zwischen Beginn und
Ende eines Schrittzyklus
Im Verlauf sinkender Wert,
konstanter Zeitpunkt der
Maximalwerte
Vertikale KSP-Schwankung
Differenz von Maximal- und Minimalwert
während eines Schrittzyklus
Schwaches Heben und Senken,
kontinuierliche Werte
Zeit über 5m, 10m & 20m
Zeit vom Start bis 5m, 10m bzw. 20m
Möglichst gering
Stützzugphase
Kontaktzeit
Dauer von Impact bis Take-Off
Abnehmende bzw.
einpendelnde Werte
Geschwindigkeitsänderung
im KSP (in Laufrichtung)
Y-Geschwindigkeit vom KSP beim Impact,
Abdruck und Take-Off:
Bremsstoß = Abdruck minus Impact
Beschleunigungsstoß = Abdruck minus Take-Off
Gesamtbilanz = Take-Off minus Impact
Möglichst geringer Wert
Möglichst hoher Wert
Möglichst hoher Wert
Vektoren der
Impulsänderung
Differenz von v(Y)KSP Take-Off minus Impact
Insgesamt: Großer Kraftvektor mit
ansteigendem Winkel
30
Aimé Jäschner
Merkmal
Messzeitpunkt
Soll-Wert
Kniegelenksbeugung
und -streckung
Beugung: Kniewinkel im Impact,
kleinster Kniewinkel
Streckung: Kniewinkel im TO &
kleinster Kniewinkel
Beugung: Werte zwischen 6-12°
Streckung: höhere Werte bei
besseren Läufern
Ausschwungphase
Phasendauer
Zeitpunkt Take-Off plus ein Frame und
Oberschenkel Schwungbein senkrecht
Mit zunehmender Schrittlänge
ansteigend
Hüftstreckung
Hüftwinkel bei Phasenbeginn, maximaler
Wert und Zeitpunkt, an dem Ausgangswert
erneut erreicht wird
Möglichst hohe Werte,
ansteigend
Kniegeschwindigkeit bei
Phasenende
Zeitpunkt, an dem Oberschenkel senkrecht
zum Boden ist
Möglichst hoher Wert,
ansteigend
Kniehubschwungphase
Phasendauer
Oberschenkel Schwungbein senkrecht
bis Knie im höchsten Punkt
Möglichst geringer Wert,
leicht zunehmend
Maximaler Kniehub
Hüftwinkel zur Horizontalen: Zeitpunkt, zu dem
das Knie den höchsten Punkt erreicht hat
Möglichst geringer Wert,
abnehmend
Schwungzugphase
Phasendauer
Zeitpunkt: ein Frame nach dem maximalen
Kniehub bis ein Frame vor dem Impact
Möglichst geringer Wert
Horizontale Distanz
Sprunggelenk zur Hüfte
Zeitpunkt: ein Frame vor Impact
Körpernaher Fußaufsatz,
möglichst geringer Wert
Hüftwinkelgeschwindigkeit
Während der gesamten Phase;
Minimal- und Maximalwert
Möglichst hohe Werte
Zusammenfassung
Schrittdauer gesamt
Dauer der einzelnen Phasen im Überblick
Möglichst gering, Abnahme Stützzeit
und Zunahme Flugzeit
Grundsätzliche Lauftechnik
Fußaufsatz
Screenshot zum Impact
Ballen- bzw. Mittelfußaufsatz
Oberkörperrotation
Während des gesamten Schrittzyklus
Möglichst gering
Unterschiede zwischen
rechts & links
Während des gesamten Schrittzyklus
Möglichst geringe Unterschiede
Untersuchung der Bewegungskinematik
31
4 Untersuchung der Bewegungskinematik
4.1
Methodik
Im folgenden Abschnitt wird die Methodik des ersten Untersuchungsabschnitts näher
betrachtet. Es werden die Voraussetzungen der Arbeit, wie Probanden, räumliche und
materielle Gegebenheiten sowie die verwendeten Messgeräte und -verfahren,
beschrieben. Des Weiteren werden die Untersuchungsdurchführung, das Unter-
suchungsdesign und das Auswerteverfahren dargestellt. Hierbei wird auf eine detaillierte
Beschreibung und dessen Nachvollziehbarkeit geachtet. Somit kann gegebenenfalls eine
Überprüfung des Verfahrens oder eine Reproduktion gewährleisten werden. Dies ist von
besonderer Bedeutung, da die Probanden über einen Zeitraum von sechs Jahren betreut
und untersucht werden sollen. Außerdem ist ein Vergleich der halbjährig durchgeführten
Aufnahmen nur möglich, wenn sie unter denselben Bedingungen stattfinden und die Daten
mit dem gleichen Verfahren ausgewertet werden.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 24)
4.1.1 Untersuchungsgut
Für die Untersuchung der zweiten Beschleunigungsphase wurden zehn junge
Leichtathleten, sowohl männlich als auch weiblich, ausgewählt. Die Athleten befanden sich
zum Aufnahmezeitpunkt in der Wettkampfphase der Hallensaison. Die folgende Tabelle
zeigt die Reihenfolge und Zusammensetzung der Probanden:
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 24)
Tab. 2: Probandenübersicht
Proband
Geschlecht
(m/w)
Alter
(Jahre)
Größe
(m)
Gewicht
(kg)
- 01 -
w
15
1,71
61,0
- 02 -
w
13
1,56
55,0
- 03 -
w
11
1,58
50,0
- 04 -
m
9
1,48
34,0
- 05 -
m
9
1,38
35,5
- 06 -
m
13
1,61
47,0
- 07 -
m
10
1,41
35,0
- 08 -
m
9
1,34
28,0
- 09 -
w
9
1,41
30,0
- 10 -
w
10
1,33
27,0
32
Aimé Jäschner
4.1.2 Räumliche Gegebenheiten
Die Aufnahmen wurden im Labor der Universität der Bundeswehr München durch-geführt.
Das Labor umfasst in etwa die Größe eines Handballfeldes (ca. 40 x 20 m), was von der
Breite her für den Aufbau der Kameras gerade ausreichend war. Als Untergrund wurde eine
1,20 m breite, rutschfeste Matte über den Laufbereich ausgelegt. Durch geöffnete Rolltore
an den Stirnseiten des Labors wurde genügend Auslauffläche für die Probanden
geschaffen.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 25)
4.1.3 Materielle Gegebenheiten
Für die Messungen sowie deren Interpretation der Bewegungsstruktur wurden folgende
Messinstrumente und Softwareprogramme des sportwissenschaftlichen Labors für
Bewegungswissenschaften zur Verfügung gestellt:
- 12 Eagle Digital Kamera (EDK), Eagle Digital RealTime System (Firma: Motion
Analysis)
- Videokamera
- Startblock
- Cortex Software (Version 1.1.4.368)
- SIMI Motion Software (Version 7.5)
- Microsoft Excel Software (Version 2003 & 2007)
- Microsoft Editor Software
Die Bekleidung der Probanden während der Messungen bestand einheitlich aus
Laufschuhen und ausschließlich kurzer, eng anliegender Laufbekleidung.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 25)
4.1.4 Messgeräte
Für die Untersuchung wurden mehrere Messgeräte und Systeme des Labors für
Bewegungswissenschaften genutzt. Diese werden in den folgenden Abschnitten
beschrieben, ihre Funktionsweisen erläutert und deren Einstellungen angegeben.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 25)
Untersuchung der Bewegungskinematik
33
4.1.4.1 Motion Analysis
Gerade bei Aufnahmen sportlicher Bewegungen empfiehlt sich ein dreidimensionales
Verfahren, wie beispielsweise mit Motion Analysis. Gründe für diese Methode beschrieben
BALLREICH & BAUMANN bereits 1988:
,,Bei sportlicher Bewegung haben sowohl der Körper als bewegtes Objekt als auch die
Bewegungsbahnen der Körperpunkte räumlichen Charakter. Die aus verschiedenen
Gründen häufig aufgenommene Zweidimensionalität von Objekt und Bewegung stellt in
sehr vielen Fällen eine unzulässige Vereinfachung der Wirklichkeit dar, die mit großen
Messfehlern verbunden sein kann. Darüber hinaus können bei zweidimensionalen
Analysen nicht berücksichtigt werden: die Drehung der Segmente um ihre Längsachsen,
die Schiefe der Gelenkachsen" (BALLREICH & BAUMANN, 1988, S.
92).
Das System besteht sowohl aus Hardware- als auch Softwarekomponenten. Die Software
kann dabei mit verschiedenen, systemunabhängigen Hardwarekomponenten kombiniert
werden (z.B. eine Digitalkamera), die mit dem System synchronisiert werden können. Das
Hauptsystem besteht aus zwölf Infrarot-Kameras vom Typ Eagle Digital RealTime System
(vgl. Abb. 21). Diese senden ein pulsierendes Infrarot-Licht aus, welches von speziell
beschichteten, runden Markern reflektiert und in gleiche Richtung zurück gesendet wird.
Die Kameras nehmen diese Reflektionen auf und können so die Bewegung der
rückstrahlenden Marker in einem definierten Raum erfassen. Diese Rohdaten werden
unmittelbar an die Bewegungssoftware Cortex des Bildschirmarbeitsplatzes übermittelt.
Abb. 21: Infrarotkamera Typ Eagle
34
Aimé Jäschner
Die Kameras besitzen, je nach Auflösung, eine maximale Aufnahmefrequenz von bis zu
2000 Bildern pro Sekunde. Da sich während der Testläufe eine Arbeitsfrequenz von 500 Hz
bewährt hat, wurden die Probanden mit einer Frequenz von 500 Bildern pro Sekunde
aufgenommen.
Um die ständige Position eines Markers im Raum genau bestimmen zu können, ist es
notwendig, dass alle Marker ständig von mindestens zwei Kameras erfasst werden. Hierfür
werden von den Kameras, aus unterschiedlichen Standpunkten, gleichzeitig Messbilder des
entsprechenden Markers aufgenommen, dessen Position im Raum ermittelt und mit Hilfe
der Software am PC dargestellt. Die Marker sollten von möglichst vielen Kameras erfasst
werden, um sicher zu stellen, dass diese über den gesamten Aufnahmebereich
Bewegungen erfassen können. Verschiedene Bereiche werden daher durch mehrere
Kameras gleichzeitig abgedeckt (vgl. Abb. 26).
Die Daten aller Messgeräte werden im Cortex System gesammelt und stehen mit Hilfe der
Software für die weitere Bearbeitung zur Verfügung.
Die zweidimensionalen Daten der Videokameras werden noch innerhalb des Systems
mittels DLT-Verfahren (Direct Linear Transformation) in dreidimensionale Ortskoordinaten
transformiert und in einem virtuellen Raum transferiert.
Ebenso erfolgt die Kalibrierung des Raumes zur Herstellung einer realen Größenordnung
sowie die Aufnahme, Ansicht, Bearbeitung und Unterstützung der Datenauswertung durch
das Cortex-Programm. Die gemessenen Punkte können erst dann korrekt in einem
dreidimensionalen Raum dargestellt werden, wenn diese an zuvor definierten Markierungen
ausgerichtet werden. Diese Ausrichtung wird mit einem
sogenannten ,,L
-Frame
"
durchgeführt. Dieser besteht aus vier fixierten Markern, welche jeweils einen einheitlichen,
vertikalen Abstand zum Boden sowie festgelegte Abstände zu einander aufweisen. Anhand
dieser definierten Maßangaben werden die Positionen der bewegten Marker im Raum
ermittelt und der Aufnahmeraum generiert.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 26f)
4.1.4.2 Cortex Software 1.1.4.368
Die Cortex Software der Firma Motion Analysis dient zur Steuerung der Messgeräte sowie
der Aufnahme, Bearbeitung und Analyse der Daten (vgl. Abb. 22).
Untersuchung der Bewegungskinematik
35
Abb. 22: Cortex 1.1.4.368 der Firma Motion Analysis
Bewegungen können mit Hilfe dieses Programms
vereinfacht als ,,Strichmännchen"
dargestellt werden, indem die am Probanden befestigten Marker der Gelenkpunkte mit
einander verbunden werden. Zusätzlich können sogenannte
,,Virtuelle Marker"
eingefügt
werden, die beispielsweise zur besseren Darstellung der Kopf-, Schulter- oder Hüftmitte
anhand der tatsächlich verwendeten Marker berechnet werden. Des Weiteren erlaubt die
Software die Darstellung und Berechnung von Winkelangaben, Geschwindigkeiten,
Beschleunigungen oder Positionen im Raum, die jeweils in X-, Y- und Z-Richtung
angegeben werden. Die Exportmöglichkeit zu anderen Softwareprogrammen, wie SIMI
Motion oder Microsoft Excel, erlauben eine über Cortex hinausgehende Verarbeitung der
Daten. So kann beispielsweise mit Hilfe von Microsoft Excel ein Körperschwerpunkt
hinzugefügt werden, der wiederum in Cortex dargestellt und berechnet werden kann.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 27f)
4.1.4.3 SIMI Motion 7.5
Die Auswertung der aufbereiteten Bewegungen der Athleten erfolgte neben der Cortex-
Software mit Hilfe des Programms SIMI Motion 7.5. Die Daten können problemlos
36
Aimé Jäschner
importiert und exportiert werden. Das Programm der SIMI Reality Motion Systems GmbH
ermöglicht eine Aufbereitung und Analyse von Bewegungen. Außerdem bietet es eine
detailliertere Auswahlmöglichkeit in der Darstellung von Winkeln als dies bei Cortex der Fall
ist (vgl. Abb. 23).
Abb. 23: SIMI Motion 7.5
Obwohl eine dreidimensionale Betrachtung mit SIMI nur schwer möglich ist, wird die
Vergleichbarkeit und Anschaulichkeit besonders von Kurvenverläufen deutlich einfacher
und übersichtlicher gestaltet, da mehrere Daten
auch von unterschiedlichen Läufern
gleichzeitig in einem Diagramm betrachtet werden können. Ebenso bietet die Software eine
Möglichkeit der Körperschwerpunktberechnung anhand verschiedener Modelle.
(vgl. JÄSCHNER & KOCHINKE, 2010, S. 28f)
4.1.4.4 Videokamera
Bei der Untersuchung wurde zusätzlich ein Digitalcamcorder der Firma Panasonic (vgl.
Abb. 24) eingesetzt, um die Bewegungsabläufe besser nachvollziehen zu können.
Außerdem konnte somit ein Referenzvideo erstellt werden. Die Kamera wurde dabei mit
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