2
Jena , den 13.07.2003
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Inhaltliche Rekonstruktion 4
2.1 „Der Ursprung der Rationalität“ 4
2.2 „Beispiele von Rationalitätstheorien“ 5
2.3 „Externe und forschungsimmanente
Rationalit ätstheorien“ 7
2.4 „Wissenschaft für freie Menschen“ 9
3. Zusammenfassung der Position Feyerabends 9
in kritischer Darstellung
4. Fazit 12
Literatur 14
Die Teilüberschriften zur inhaltlichen Rekonstruktion sind dem Aufsatz wegen einer besseren
Nachvollziehbarkeit direkt entnommen
3
1. Einleitung
Die Position Paul K. Feyerabends hinsichtlich einer „Rationalität der Forschung“ wird in seinem gleichlautendem Aufsatz aus seinem Werk „Der wissenschaftstheoretische Realismus und die Autorität der Wissenschaften“ deutlich. Als studierter Theaterwissenschaftler, Historiker, Mathematiker, Physiker, Astronom und Philosoph 1 setzt er sich hier bekanntermaßen nicht zum ersten Mal mit der Wissenschaftstheorie auseinander. Die Frage nach dem „Ursprung der Idee der Rationalität“ 2 , ihrer Entwicklung von den Entdeckungen frühzeitlichen menschlichen Daseins bis zu den in der heutigen Forschung verbreiteten Rationalitätstheorien beschäftigt ihn in diesem Aufsatz ebenso, wie ein Diskurs mit den vorgestellten Ansätzen, denen er seine eigene Position gegenüberstellt.
„Anything goes“ - dieser Slogan etikettiert sein Vorgehen. Als Autor von „Against Method“ (1974) bestreitet Feyerabend die These von Karl Popper und Imre Lakatos der Existenz von Regelmäßigkeiten in der Wissenschaft 3 : Antrieb der Wissenschaft sei schon immer die Kreativität, das Umwerfen und Missachten alter, wenn auch bewährter Vorgehensweisen gewesen, dann jedoch auch nicht ohne Ergebnis. Die Befürwortung dieses Vorgehen charakterisiert den Autor. Allerdings verleitet gerade die evidente Einfachheit der Losung „anything goes“ zum Missverstehen seiner Forderungen. Dies zu verhindern, ist ebenfalls Anliegen seines Aufsatzes.
1 Vgl. http:// www.philosophenlexikon.de/feyerab.htm, 27.06.2003.
2 Vgl. Feyerabend, Paul (1978a): „Die ‚Rationalität’ der Forschung“, in: Der Wissenschaftstheoretische Realismus und die Autorität der Wissenschaften, Braunschweig / Wiesbaden: Vieweg, S. 339 ff.
3 Vgl. http://www.philosophenlexikon.de/feyerab.htm.
4
Im folgenden soll die Position Feyerabends anhand der Rekonstruktion des Inhalts des Aufsatzes und dem Nachvollziehen der Argumentationslinie veranschaulicht werden. Dabei spielen insbesondere seine „Beispiele von Rationalitätstheorien“ 4 eine Rolle, anhand derer Feyerabend seine eigene Position entwickelt. Um diese zu rekonstruieren, wird zunächst der Inhalt des Aufsatzes vorgestellt, um währenddessen und im folgenden seine Argumentation in Gegenüberstellung mit anderen Modellen nachzuvollziehen.
2. Inhaltliche Rekonstruktion
2.1 „Der Ursprung der Idee der Rationalität“ 5
Feyerabend beginnt seinen Aufsatz mit der Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte der „Rationalität“. Er stellt fest, dass die Forschung heute zum einen erfolgreich sein soll und zum zweiten „rational“. Die Frage nach dem Ursprung der fortlaufenden Erkenntnis, der Erkennung der „Regelmäßigkeiten“, wie sie der Autor nennt, soll in diesem ersten Kapitel nachvollzogen werden. Die Anwendung verschiedener überlebenswichtiger Praktiken unterscheidet sich von deren Bewusstwerden. Feyerabend zeigt am Beispiel des Feuermachens, dass erst durch die Erkenntnis, dass das Feuer ein Bestandteil weitergehender Erkenntnisse ist, wie zum Beispiel die Möglichkeit des Sichwärmens, dieses Phänomen als solches erst bewusst und hinterfragt wird. Auch die Entstehung von Mythen spielt hier eine Rolle. Der Erkenntnisgewinn wurde Bestandteil der Sprache, wurde bildlich festgehalten, so dass er als Mythos weitergegeben werden konnte. Feyerabend stellt fest, dass die Erforschung dieser Mythen ergab, dass bereits in der Steinzeit Kenntnisse nicht nur an einem geographischen Ort, sondern überall verbreitet waren und Mensch und Natur verband. Den Bezug auf die Homerischen Epen, die Mythen um Troja und Odysseus, nutzt der Autor, um die Weiterentwicklung des Prozesses einer Rationalisierung zu erläutern: „Die Homerischen Epen unterscheiden sich von den früheren Mythen durch eine gewisse
4 Vgl. Feyerabend, Paul: „Die ‚Rationalität’ der Forschung“, S. 342 ff.
5 Ebd., S. 339.
5
Standardisierung und Beseitigung nun als unzivilisiert empfundener Denk- und Verhaltensweisen.“ 6 Während hier zunächst „das Unbestimmte, Drohende, Rätselhafte, das Barbarische (...) zurückgedrängt“ 7 wird, erfolgt die Evolution der Rationalisierung im nächsten Schritt über die Entwicklung des Rationalismus im Abendland. Die Vorsokratiker arbeiteten mit simplen Begriffen, so wie etwa dem des Seins und glaubten somit die Komplexität ihrer Lebenswelt erfassen zu können. Bereits hier, so die Auffassung Feyerabends, zeigen sich die Probleme des Rationalismus. Die Denkweisen der Vorsokratiker überwinden ihre „Vorgänger“ nur in kleinen Kreisen. Ein Konflikt zwischen der Komplexität Homers und der begrifflichen Vereinfachung entsteht. Anhand von vier Rationalitätstheorien versucht Feyerabend, ihren „Triumph“ 8 heute zu erklären
2.2 „Beispiele von Rationalitätstheorien“ 9
Seinen Lehrer Popper 10 , sowie Lakatos, Kant und Descartes sieht der Autor als Vertreter des „naiven Rationalismus“ 11 . Nach dieser Position handelt ein Handelnder rational, wenn er sein Tun auf bestimmte Weise vollzieht, „komme, was da wolle.“ 12 Als Beispiel kann man hier recht einfache Normen, wie das Verbot des Stehlens, des Lügens und andere aufführen. Also: „Du sollst nicht lügen!“ als ein Grundsatz, nach dem man rational handeln soll, kann hier genannt werden. Er gilt universell, man soll demnach auch nicht unter bestimmten Umständen stehlen. Feyerabend hingegen ist der Auffassung, dass jegliche Methodologien ihre Grenzen haben, was durch die Aufweisung von Grenzen und der Irrationalität gewisser Regeln bewiesen werden kann. Das heißt, dass Vertreter dieser Position im Sinne Feyerabends nicht besonders glücklich agieren, wenn ihr Rationalitätskriterium allein die Einhaltung der als rational empfunden universellen Handlungsregeln darstellt, obwohl deren Einhaltung im Einzellfall durchaus irrational sein kann.
6 Ebd., S. 341.
7 Ebd., S. 341.
8 Ebd., S. 342.
9 Ebd., S. 342.
10 Vgl. http://home.t-online.de/home/boa-kuenstlerkooperative/phil251.htm, 27.06.2003.
11 Feyerabend, Paul: „Die ‚Rationalität’ der Forschung“, S. 342.
12 Ebd., S. 342.
Arbeit zitieren:
M.A. Stefan Waldheim, 2003, Rekonstruktion und Diskussion der Position Paul K. Feyerabends, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Vergleich der Wissenschaftsansätze von Karl R. Popper und Thomas S. Ku...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 14 Seiten
Kuhn, Lakatos, Feyerabend - Die Abkehr von Popper (?)
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 17 Seiten
Paradigmenwechsel und "Anything goes". Die Wissenschaftsauff...
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 16 Seiten
Wiener Aktionismus: Die frühen Aktionen von Günter Brus
Körperbemalung der Ana, Selbst...
Kunst - Installationen, Aktionskunst, 'moderne' Kunst
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die Entwicklungspolitik der Bundesrepublik Deutschland
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Seminararbeit, 25 Seiten
Migration unter den Bedingungen der sich verändernden internationalen ...
Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Internationale Migration als globale Herausforderung?
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 57 Seiten
Migration und Migrationstheorien
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 25 Seiten
Historische Sozialwissenschaft - Entstehung, Definition, Programmatik
Seminararbeit, 38 Seiten
Heinrich der Löwe und der Wendenkreuzzug 1147
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Seminararbeit, 17 Seiten
Das Magdeburger Erzbistum und die Anfänge der Mark Brandenburg
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 23 Seiten
Bernhard von Clairvaux und der zweite Kreuzzug
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 22 Seiten
Rollenspiel - Theoretische Begründung und ein praktisches Beispiel
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 19 Seiten
Entwicklungsländer und Entwicklungstheorie
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Hausarbeit, 33 Seiten
Stefan Waldheim hat den Text Rekonstruktion und Diskussion der Position Paul K. Feyerabends veröffentlicht
Stefan Waldheim hat einen neuen Text hochgeladen
Das Ritual Der Aatu (Cth 490): Rekonstruktion Und Tradition Eines Hurr...
Susann Gorke, Susanne Garke
National Military Establishments and the Advancement of Science and Te...
Studies in 20th Century Histor...
P. Forman, José M. Sánchez-Ron
Feyerabend Feyerabend Feyerabend Feyerabend: Philosophy, Science and S...
John Preston, Preston
A Zimmermann
Hochschule und Schule in der internationalen Diskussion
Chancen und Risiken neuer Entw...
Olga Graumann, Mikhail Pevzner, Margitta Rudolph, Irena Diel
Positive Operators, Riesz Spaces, and Economics
Proceedings of a Conference at...
Charalambos D. Aliprantis, Wilhelmus A. J. Luxemburg, Kim C. Border
0 Kommentare