Inhalt
1 Einleitung. 1
2 Bevölkerungsentwicklung in den neuen Ländern 3
2.1 DDR 3
2.2 Bevölkerungsrückgang nach 1990 4
2.3 Hansestadt Wismar 7
2.3.1 Historie 7
2.3.2 Aktuelle Entwicklung 8
3 Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs auf den Städtebau und die
Stadtentwicklung 13
3.1 Wohngebiete 13
3.1.1 Erwartung und tatsächliche Entwicklung 13
3.1.2 Städtebauförderprogramm „Stadtumbau Ost“ 15
3.1.3 Auswirkungen auf die technische Infrastruktur. 18
3.1.4 Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur. 19
3.2 Gewerbegebiete 20
3.3 Verkehr. 22
3.3.1 Erschließung 22
3.3.2 Öffentlicher Personennahverkehr. 23
3.4 Einzelhandel. 23
4 Schlussbetrachtung 25
Literatur - und Quellenverzeichnis 27
Städtebaupolitik aufgrund des Bevölkerungsrückgangs 1
1 Einleitung
Die Anzahl der Bevölkerung in Deutschland wird abnehmen. 2050 werden in Deutschland nur noch 69 Millionen Menschen leben, heute sind es 82 Millionen. 1 Besonders dramatisch wird sich der Bevölkerungsrückgang in den neuen Bundesländern auswirken und zur Entvölkerung insbesondere der ländlichen Regionen führen. Aber auch in den Städten zeichnet sich ein deutlicher Wandel der Bevölkerungsstruktur ab. Seit der Wendezeit gab es vor allem in den ostdeutschen Städten einen starken Trend zum Fortzug teils in den wirtschaftlich besser gestellten Westen Deutsch-lands, teils in die umliegenden Gemeinden (Suburbanisierung). In beiden Fällen sind es vorwiegend jüngere, aktive, gut ausgebildete Menschen, die fortziehen. Hinzu kommt eine sehr niedrige Geburtenrate seit Ende des vergangenen Jahrtausends. Der daraus resultierende Bevölkerungsrückgang erfordert städtebaupolitische Reaktionen und eine andere Stadtplanung als man sie noch Anfang der 1990er Jahre praktizierte.
Noch Mitte 1993 ging man beispielsweise in den zuständigen Landesstellen Meck-lenburg-Vorpommerns von einer positiven Bevölkerungsentwicklung für die Hansestadt Wismar aus, derzufolge die Einwohnerzahl in den folgenden zehn bis fünfzehn Jahren auf 60.000 ansteigen sollte. 2 Dementsprechend erfolgten die Planungen für eine Erweiterung und den Umbau der Stadt Anfang der 1990er Jahre. Aber es kam zu einer gegenteiligen Entwicklung. So hat die Hansestadt seit der Wendezeit fast 25 Prozent ihrer Einwohner verloren. Damit ist Wismar auf eine tragische Weise beispielhaft für die meisten Groß- und Mittelstädte in den neuen Bundesländern.
In dieser Arbeit stelle ich - exemplarisch an der mecklenburgischen Hansestadt Wismar - einführend die Bevölkerungsentwicklung in den neuen Ländern vor. Im Weiteren werden die Auswirkungen des stattfindenden Rückgangs, sowie die daraus resul- 1 Prognoseunter Annahme eines Zuwanderungssaldos von 100.000 Menschen pro Jahr. (Quelle: Statistisches Bundesamt: Bevölkerungsvorausberechnung, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/
cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/
VorausberechnungBevoelkerung.psml, zuletzt abgerufen am 14.03.2009.)
2 Vgl.: Schreiben des Dezernats für Regionalplanung des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Mecklenburg-Vorpommern: Überschlägige Ermittlung des Bauflächenbedarfs an Wohnbauland
für die Stadt Wismar, Schwerin, 26.08.1993, S. 3.
Städtebaupolitik aufgrund des Bevölkerungsrückgangs 2
tierenden Reaktionen, insbesondere aus städtebaulicher Sicht, beleuchtet und zukünftige Perspektiven aufgezeigt.
Die von mir verwendeten statistischen Berechnungstabellen sind im Excel-Format unter http://www.uni-bonn.de/~fprante/staedtebaupolitik-bevoelkerungsrueckgang abrufbar.
Städtebaupolitik aufgrund des Bevölkerungsrückgangs 3
2 Bevölkerungsentwicklung in den neuen Ländern
2.1 DDR
Bei der Bevölkerungsentwicklung sind insbesondere zwei Gesichtspunkte zu betrachten: zum einen die Geburtenentwicklung und zum anderen Wanderungsbewegungen.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es in beiden deutschen Staaten eine ähnliche, leicht steigende Geburtenentwicklung. Wie in Abbildung 1 dargestellt, hatten noch zu Beginn der 1960er Jahre sowohl die Bundesrepublik, als auch die DDR mit rund 2,5 Kindern pro Frau die höchste zusammengefasste Geburtenziffer der Nachkriegszeit verzeichnen können.
Abbildung 1: Zusammengefasste Geburtenziffer 1960-1990 (Datenquelle: BpB: Geburten.)
Mit der Entwicklung der hormonellen Empfängnisverhütung Anfang der 1960er Jahre sank allerdings, wie in den meisten Industrienationen, die Geburtenzahl auch in den beiden deutschen Teilstaaten. In der DDR versuchte man besonders ab Mitte der 1970er Jahre durch sozialpolitische Maßnahmen, wie die Errichtung von Kinder- betreuungseinrichtungen, kürzere Arbeitszeiten für berufstätige Mütter sowie mate-
Städtebaupolitik aufgrund des Bevölkerungsrückgangs 4
rielle Anreize, diesem negativen Trend entgegenzuwirken, was auch teilweise gelang. So verlief die Geburtenentwicklung etwas positiver als in Westdeutschland. Für eine Reproduktion der Bevölkerung war aber auch diese nicht ausreichend.
Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung in DDR und BRD (Datenquellen: StatBund: Bevölke-
rung und Fischer: DDR, S. 265.)
Wie Abbildung 2 zeigt, sank die Gesamtbevölkerung der DDR kontinuierlich, was neben der Geburtenentwicklung vor allem auf den durchweg negativen Wanderungssaldo zurückzuführen ist. Hier gab es - im Gegensatz zur Bundesrepublikkaum Zuwanderungen aus benachbarten Ländern. Dafür allerdings eine starke Ab-wanderung, vor allem nach Westdeutschland.
2.2 Bevölkerungsrückgang nach 1990
Der Trend zum Rückgang der Bevölkerung setzt sich in den neuen Bundesländern auch nach der Wiedervereinigung fort. Allein in den 1990er Jahren sank die Einwohnerzahl in den neuen Ländern um 670.000, in den ersten sieben Jahren des 21. Jahrhunderts um weitere 564.000. Im gleichen Zeitraum stieg die Einwohnerzahl in den alten Bundesländern um 2,655 Millionen beziehungsweise um 341.000, seit 2004 nimmt sie allerdings auch hier ab. 3
3 Eigene Berechnungen auf Grundlage von Statistisches Bundesamt: Bevölkerung nach Gebietsstand, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/La
ngeReihen/Bevoelkerung/Content75/lrbev03a, zuletzt abgerufen am 22.03.2009.
Abbildung 3: Wanderungssalden in den Regionen Deutschlands (Quelle: Schlömer: Binnen-
wanderungen, S. 106.)
Grund hierfür sind zum einen die negativen Wanderungssalden, die - wie in Abbildung 3 dargestellt - die neuen Bundesländer im Bezug auf die alten Bundesländer aufweisen. Insgesamt verlor Ostdeutschland allein im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts cirka eine halbe Million Menschen an die alten Bundes-
länder. 4
150 100 50 0 -50 -100 -150 -200 -250 -300 Abbildung 4: Wanderungen zwischen den neuen und den alten Bundesländern in Tausend,
bezogen auf Ostdeutschland (Datenquelle: BBR: unveröffentlichte Tabelle.)
4 Eigene Berechnungen auf Grundlage von Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: Abwande- rung Ost, unveröffentlichte Tabelle.
Städtebaupolitik aufgrund des Bevölkerungsrückgangs 6
Besonders in den ersten Jahren nach der Wende verließen viele Menschen die neuen Länder (Siehe Abbildung 4). Mitte der 1990er Jahre glich sich der Wanderungssaldo zeitweise beinahe aus.
Dabei wandern vor allem junge, gut ausgebildete Menschen in die westlichen Bundesländer ab. Auch sind es mehr Frauen als Männer, die Ostdeutschland verlassen, und diese insbesondere im gebärfähigen Alter. 5 Dies führt neben einem „Braindrain“ (und damit dem Entzug der Grundlage für eine positive wirtschaftliche Entwicklung) auch zu einer geringeren Zahl potentieller Geburten.
Abbildung 5: Zusammengefasste Geburtenziffer (Datenquelle: StatBund: Kinderzahl.)
Neben der aufgezeigten numerischen Verringerung der Bevölkerung wirkt sich die gleichzeitige Verschiebung der Altersstruktur besonders negativ aus. Der Altenquotient (Anzahl der Personen über 65 Jahren) im Bundesgebiet liegt heute bei cirka einem Drittel. Bis zum Jahre 2050 ist eine Verdoppelung zu erwarten. Diese Veränderung der Altersstruktur wird sich in den neuen Bundesländern besonders bemerkbar machen. Der in Abbildung 5 dargestellte extreme Geburtenrückgang der frühen 1990er Jahre wird sich langfristig stark auswirken. Bereits heute zeigen sich Auswirkungen durch besonders geringe Bevölkerungszahlen in bestimmten Jahrgängen. Dazu gibt es neben der Abwanderung vorrangig junger Menschen einen überdurchschnittlich hohen Zuzug älterer Generationen. Während der Ost-West- 5 Siehe:Nikolaus Werz: Abwanderung aus den neuen Bundesländern von 1989 bis 2000, in: Aus Poli- tik und Zeitgeschichte 39-40/2001, S.23-31, S. 25.
Arbeit zitieren:
Fabian Prante, 2009, Anforderungen an die Städtebaupolitik aufgrund des Bevölkerungsrückgangs in den neuen Ländern, München, GRIN Verlag GmbH
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