Inhalt
1 Einleitung. 1
2 Organisierte Freizeit 2
2.1 Aufnahme in die Volksgemeinschaft: Die Jugendweihe 2
2.2 FDJ. 3
2.3 Aufbau- und Produktionsaktionen 7
2.4 Staatliche Propagandaveranstaltung: Die Weltjugendfestspiele 1973 8
3 Bildung- und Erziehungswesen 10
4 Medien. 13
4.1 Zeitungen 14
4.2 Rundfunk. 15
4.3 Fernsehen 17
5 Schlussbetrachtung 19
Literatur - und Quellenverzeichnis 21
Eingliederung durch Erziehung? - Einflussnahme des DDR-Staates auf seine Jugend 1
1 Einleitung
„Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ 1 sollte es im Staat gehen, der 1949 in der sowjetischen Besatzungszone entstand. Früh erkannte die Führungsspitze, dass hierbei die Jugend eine zentrale Rolle spielen würde und so wurde schon in Artikel 37 der ersten Verfassung vom 07.10.1949 festgehalten: (1) Die Schule erzieht die Jugend im Geiste der Verfassung
(2) Als Mittlerin der Kultur hat die Schule die Aufgabe,
Bereits 1946 sah die SED die Notwendigkeit einer eigenen Jugendorganisation und gründete, auf Grundlage der Traditionen der Bündischen Jugend, die Freie Deutsche Jugend (FDJ). Sie sollte nach der Staatsgründung andere - vor allem kirchliche -Einflüsse aus der Jugendfreizeitgestaltung zurückdrängen. Dies war nur ein Aspekt von vielen um die Jugendlichen auf den Sozialismus vorzubereiten und zu guten Staatsbürgern zu erziehen. Weitere Vereinigungen, Veranstaltungen, Gesetze und Maßnahmen folgten. Nach außen gab sich die DDR jugend-freundlich, nicht zuletzt durch eine pronatalistische Bevölkerungspolitik, besonders nach dem Geburteneinbruch in den meisten Industrieländern der 1960er Jahre, die im Vergleich zur Bundesrepublik auch Erfolge aufweisen konnte. Durch gezielte Maßnahmen versuchte der zentralistische DDR Staat seine Jugendlichen staatskonform einzugliedern, auszurichten und zu erziehen. Waren diese Maßnahmen geeignet, um den Bedürfnissen der Jugendlichen nachhaltig gerecht zu werden?
In dieser Arbeit möchte ich einige Aspekte der Einflussnahme der DDR-Regierung auf die Jugendlichen des Landes darstellen. Inwieweit ihr das gelang und wie die jungen Bürger des Staates darauf reagierten, wird versucht zu erläutern. Im ersten Teil werde ich dabei den Fokus auf Beispiele zur Arbeit in Organisationen und zu Instrumenten der Jugendpolitik, insbesondere bei der Freizeitgestaltung, lenken. Fol-
1 Erich Honecker, anlässlich einer Festansprache zum 40. Jahrestag der DDR am 07.10.1989.
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gend soll das Bildungs- und Erziehungswesen beleuchtet werden und im letzten Teil der Bereich der Medien.
2 Organisierte Freizeit
2.1 Aufnahme in die Volksgemeinschaft: Die Jugendweihe
Mit dem vierzehnten Lebensjahr sollte der Jugendliche - dem Willen der SED folgend - mit dem feierlichen Akt der Jugendweihe „in die große Gemeinschaft des werktätigen Volkes“ aufgenommen werden. Mit der Jugendweiheurkunde und dem vorangehenden Gelöbnis wurden die angehenden Jugendlichen auf den Staat, den Sozialismus und moralische Werte eingeschworen. 2
In Vorbereitung auf die Jugendweihe wurden zahlreiche Kurse und Veranstaltungen angeboten. Hierunter waren zum Beispiel der Besuch von Gerichtsverhandlungen, Werksbesichtigungen, Studienfahrten nach Berlin und Vorträge zu finden. Weder die Teilnahme an den Kursen, noch die Teilnahme an der Jugendweihe selbst war vorgeschrieben. Jedoch hatten „Verweigerer“ teilweise mit erheblichen Repressalien in ihrer späteren Laufbahn zu rechnen. So war die Beteiligung für gewöhnlich sehr hoch. Veranstaltungen wurden meist im Klassenverband organisiert. Schon hier erfuhren Kinder, die nicht an der Jugendweihe teilnahmen, innerhalb der Klasse eine gewisse Ausgrenzung. Dies betraf vor allem Kinder aus religiös gebundenen Familien. Obwohl die Teilnahme an Jugendweihe und Konfirmation / Firmung von Staats wegen nicht ausgeschlossen war 3 , lehnten viele konfessionell gebundene Eltern die Jugendweihe für ihre Kinder ab. Die massive Förderung der (eigentlich schon aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammenden) Jugendweihe in der DDR war ab Mitte der 1950er Jahre von der SED-Führung auch bewusst als Gegenpol zur kirchlichen Aufnahme in die Gemeinde gedacht gewesen. 4
2 Vgl.: Jugendweiheurkunde von Beate Nickel, verliehen durch den Oberbürgermeister der Stadt Wismar, am 13.04.1974, privates Dokument. Das Gelöbnis wurde im Laufe der Jahre mehrfach geändert.
3 Einige nutzten dies auch entgegen ihrer Überzeugung, um ihren Kindern den Weg zur EOS nicht zu versperren, siehe: Astrid Segert / Irene Zierke: Gesellschaft der DDR: Klassen - Schichten - Kollektive in: Matthias Judt (Hg.): DDR-Geschichte in Dokumenten. Beschlüsse, Berichte, interne Materialien und Alltagszeugnisse, Bonn 1998, S. 221, G 79.
4 Vgl.: Ulrich Mählert, Gert-Rüdiger Stephan: Blaue Hemden - Rote Fahnen. Die Geschichte der Frei- en Deutschen Jugend, Opladen 1996, S. 127f.
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Ein weiteres wichtiges Zeichen des Beitritts der Jugendlichen zur Volksgemeinschaft war der Erhalt des Personalausweises, den man in der DDR bereits mit vierzehn Jahren bekam. Auch wurde man nach der Jugendweihe im öffentlichen Leben offiziell gesiezt.
2.2 FDJ
Die wichtigste und einzig offizielle Jugendvereinigung in der DDR war die bereits am 7. März 1946 gegründete Freie Deutsche Jugend (FDJ). 5 Nur zwei Jahre später wurde auch die der FDJ untergeordnete Kinderorganisation, die Jungen Pioniere (gegliedert in Jungpioniere für die 1. bis 3. Schulklasse und die Thälmann-Pioniere für die 4.-8. Schulklasse), gegründet, die frühzeitig Nachwuchs für die FDJ rekrutieren sollte. Bei ihnen konnten Schüler unter 14 Jahren Mitglied werden. Schon hier gab es zahlreiche Veranstaltungen um die Kinder gezielt zu erziehen und in Staat und Gesellschaft einzugliedern. Der allgegenwärtige Pioniergruß „Für Frieden und Sozialismus, seid bereit!“, worauf die Kinder schließlich antworten sollten „Immer bereit!“, kennzeichnet die Ziele und die Eigensicht der Organisatoren. Die Bezeichnung „Gebote der Jungpioniere“, wie sie in jedem Jungpionierausweis abgedruckt waren, deutet auf den Versuch hin, sich deutlich von den kirchlichen Jugendorganisationen abzugrenzen. Sie waren in erster Linie ideologisch, erst in zweiter Linie moralisch ausgerichtet. Schon das erste Gebot lautete: „WIR JUNGPIONIERE lieben unsere Deutsche Demokratische Republik“. 6
Im 14. Lebensjahr konnte dann der Eintritt in die FDJ erfolgen.
Die FDJ hatte unterschiedliche Funktionen im System der DDR. Vor allem sollte sie der Sozialisation der Jugendlichen dienen, sie also auf das Leben in einer sozialistischen Gesellschaft vorbereiten. Daneben war sie aber vor allem in den Anfangsjahren auch eine Kaderschmiede für die SED. So konnten junge Leute als Vertreter der Massenorganisation erste politische Erfahrungen in der Volkskammer sammeln. Der tatsächliche Einfluss der Abgeordneten dürfte letztendlich jedoch rein formal gewe-
5 Vgl.:Peter Skyba: Vom Hoffnungsträger zum Sicherheitsrisiko. Jugend in der DDR und Jugendpolitik der SED 1949-1960, Köln 2000, S. 34.
6 Vgl.: documentarchiv.de: Die Gebote der Jungpioniere, http://www.documentarchiv.de/ddr/jpgebote.html, abgerufen am 15.09.2009.
Siehe auch: Deutsches Historisches Museum: Lebensstationen in Deutschland 1900 bis 1993, http://www.dhm.de/ausstellungen/lebensstationen/3_45.htm, abgerufen am 19.09.2009.
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sen sein, vielmehr schlug die FDJ Gesetzesvorlagen der SED vor, um den demokratischen Schein zu stützen. In der politischen Elite der DDR war die FDJ spätestens ab den 80er Jahren kaum noch vertreten. 7
Gleichzeitig diente die FDJ der Kontrolle der Jugend und ließ sie an der Gesellschaft teilnehmen, dies unter anderem durch wirtschaftliche Aufbaumaßnahmen (siehe Punkt 2.3). Nicht zu vergessen ist auch eine gewisse Außenwirkung, die man insbesondere bei westdeutschen Jugendlichen erzielen wollte.
Das Programm der SED sah „die wichtigste Aufgabe des sozialistischen Jugendver-bandes darin, klassenbewusste Kämpfer für den gesellschaftlichen Fortschritt heranzubilden und dafür zu wirken, daß alle Jugendlichen die Möglichkeit nutzen, Arbeit, Studium und Freizeit, ihr gesamtes Leben sinnvoll zu gestalten, daß sie zu aktiven Erbauern und standhaften Verteidigern des Sozialismus und Kommunismus werden.“ 8
Noch 1989 verstand der Vorsitzende der FDJ, Eberhard Aurich, den Erziehungsauftrag der Jugendorganisation darin, „die wissenschaftliche Weltanschauung des Marxismus-Leninismus zu verbreiten, an den Idealen und Werten des Sozialismus orientierte Grundüberzeugungen auszuprägen und zu festigen […], die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung berücksichtigende Politik der SED zu erläutern und die Jugendlichen für ihre bewusste Verwirklichung zu gewinnen“. 9 Um dies gewährleisten zu können, war die FDJ fest im politischen und gesellschaftlichen System der DDR verankert. Besonders enge Verbindungen bestanden mit den staatlichen Bildungseinrichtungen. Personell wie organisatorisch wurden bewusst Überschneidungen geschaffen (Siehe Punkt 3). Nachdem die Schülerräte bereits 1948 abgeschafft wurden, bildete die FDJ das einzige Repräsentationsorgan der Schüler einer Schule 10 .
Im Dezember 1952 nannte die FDJ zwei Millionen Mitglieder, deren Zahl jedoch innerhalb des nächsten Jahres auf eine Million sank. Grund hierfür war eine zuneh-
7 Vgl.:Michael Walter: Die Freie Deutsche Jugend. Ihre Funktionen im politischen System der DDR, Freiburg i. Br. 1997, S. 175.
8 Sozialistische Einheitspartei Deutschland: Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutsch-lands, 1986 (1976), S.60.
9 Stenographisches Protokoll der 11. Tagung des Zentralrates der FDJ am 24.06.1989 in Berlin, S. 15 (JA IzJ, A11.561), zitiert nach: Walter: Funktion der FDJ, S. 72.
10 Vgl.: Walter: Funktion der FDJ, S. 74.
Arbeit zitieren:
Fabian Prante, 2009, Eingliederung durch Erziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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