„Und hoffe mich doch noch zu verheiraten. Und vielleicht eher als du.“ „Meinetwegen. Denkst du, dass ich darauf warte? Das fehlte noch.“ (S. 7) Für das Mädchen ist das Leben wie ein nie endendes Spiel. Auch den Ernst, den die Verlobung und folglich die Heirat mit Imstetten mit sich bringen, kann sie nicht begreifen.
Effis Mutter zu Effi: „Es kommt dir vor wie ein Märchen, und du möchtest eine Prinzessin sein.“ (S. 31) Einerseits ist Effi stolz darauf, einen erfolgreichen und hoch gestellten Verlobten zu haben. Kritische Äußerungen über Imstetten wehrt sie ab und verteidigt sich mit seinen gesellschaftlichen Vorzügen. „Ist er denn auch der Richtige?“
„Gewiss ist er der Richtige. Das verstehst du nicht, Herta. Jeder ist der Richtige. Natürlich muss er von Adel sein und eine Stellung haben und gut aussehen.“ (S. 20)
Andererseits flößt der mehr als doppelt so alte Mann dem jungen Mädchen Angst ein, was sich in Gesprächen mit ihrer Mutter äußert.
„Sieh, Mama, da liegt etwas, was mich quält und ängstigt. Er ist so lieb und gut gegen mich und so nachsichtig, aber. .. ich fürchte mich vor ihm.“ (S. 37)
In Effis zweiten Lebensabschnitt, jenem in Kessin, ändert sich ihr Wesen grundlegend. Von ihrem Ehemann eingeschränkt wird aus dem einst so lebensfrohen Mädchen eine einsame Ehefrau. Sie fühlt sich gefangen in ihrem neuen Zuhause und ist durch großes Heimweh geplagt. Effi zieht sich immer mehr zurück. Ängste und Einsamkeit prägen ihren Alltag.
„Und ich so allein, und so jung. Ach, wenn ich doch wen hier hätte, bei dem ich weinen könnte. Aber so weit von Hause… Ach, von Hause…“ (S. 84)
Zunehmendes glaubt Effi auch, den gesellschaftlichen Forderungen nicht gerecht werden zu können. Sie wird sich bewusst, dass sie den Belastungen aufgrund ihres Wesens auf Dauer nicht gewachsen sein wird.
„Ach, ich tauge doch gar nichts für eine große Dame. … Ich bin ein Kind und wird es auch wohl bleiben. Einmal hab ich gehört, das sei ein Glück.“ (S. 78)
Die Menschen in Kessin sind Effi nicht sympathisch. Sie machen einen reservierten Eindruck auf sie und die junge Frau findet kaum Anschluss.
„Der Eindruck, den Effi empfing, war überall derselbe: mittelmäßige Menschen, von meist zweifelhafter Liebenswürdigkeit, die, während sie vorgaben, über Bismarck und die Kronprinzessin zu sprechen, eigentlich nur Effis Toilette musterten,…“ (S. 71)
Besonders leidet Effi unter der fehlenden Zuwendung seitens Imstettens. Auch Zärtlichkeiten erfährt sie nicht, obwohl sie genau das brauchen würde, über ihre Frustration und Einsamkeit in Kessin hinwegzukommen.
„Nur einen Kuss könntest du mir geben. Aber daran denkst du nicht. Auf dem ganzen weiten Weg nicht gerührt, frostig wie ein Schneemann.“ (S. 74)
Als Effi nach der Geburt ihrer Tochter Annie nach Hohen-Cremmen zurückkehrt, verbessert sich ihr Gemütszustand schlagartig. Sie hat keine Angst mehr, vergisst Sorgen und Eheprobleme und gewinnt ihre alte Lebensfreude zurück.
„… war ihr doch das Leben daheim voller Glück und Zufriedenheit gewesen. … und mehr als einmal, wenn sie mit ihnen Ball oder Krocket gespielt hatte, war ihr’s ganz aus dem Sinn gekommen, überhaupt verheiratet zu sein.“ (S. 132)
Zurück in Kessin, holen Effi die alten Gefühle wieder ein und die Einsamkeit kehrt zurück. In ihrer Sehnsucht nach Abwechslung und Abendteuer, flüchtet sie sich in eine Liebesaffäre. Zu Beginn versucht sie sich noch, Major Crampas Verführungen zu entziehen, schlussendlich stellt sie für ihn jedoch ein leichtes Opfer dar und die Liebesbeziehung entsteht mehr auf Crampas’ Drängen als auf den eigenen Willen Effis hin. Zwar ist sich ihrer Schuld des Ehebruchs bewusst, beteuert diese jedoch nicht in ihrem Herzen. Mehr leidet sie unter den Lügen und Heimlichkeiten und hat furchtbare Angst, dass Imstetten von ihrer Affäre erfährt. Zudem schämt sie sich für ihr Verhalten. „Und habe die Schuld auf meiner Seele.“, wiederhole sie. „Ja, da hab ich sie. Aber lastet sie auch auf meiner Seele? Nein. … Was da lastet ist etwas ganz anderes - Angst, Todesangst und die ewige Furcht: es kommt doch am Ende noch an den Tag. Und dann außer der Angst … Scham. Ich schäme mich.“ (S. 245) Effi will die Affäre zwar beenden, ist jedoch zu schwach sich aus eigener Hand von Crampas zu trennen. Als sie vom Umzug nach Berlin erfährt, ist Effi überglücklich und erleichtert. Erst dies bringt das endgültige Ende der Affäre.
„Ich reise morgen mit dem Schiff, und dies sind die Abschiedszeilen. … Vergessen Sie das Geschehene, vergessen Sie mich.“ (S. 212, 213)
In Berlin schöpft Effi neuen Mut und ist in der Lage, das Geschehene mehr und mehr zu vergessen. Sie wird wieder fröhlicher.
…, weil es ihm nicht entging, dass Effi sich unbefangener und heiterer gab. Und das konnte sie, weil sie sich freier fühlte. (S. 232)
Zwar holen Effi immer wieder ihre Schuldgefühle ein, jedoch glaubt sie trotz allem, in Berlin endlich ein glückliches Eheleben führen zu können. Der Bruch kommt, als Imstetten durch Zufall von ihrer Affäre erfährt.
Verlassen vom Ehemann und verstoßen von der Familie, holt Effi wieder das einst in Kessin erlebte Gefühl der Einsamkeit ein.
Das Gefühl des Alleinseins in der Welt überkam sie mit seiner ganzen Schwere. Vor einer Stunde noch eine glückliche Frau, Liebling aller, die sie kannten, und nun ausgestoßen. (S. 286)
In ihrer eigenen kleinen Berliner Wohnung lebt Effi gesellschaftlich isoliert und findet an nichts mehr Freude, zu groß ist die Sehnsucht nach ihrer Familie und besonders nach ihrer Tochter.
„Sehnsucht nach Hohen-Cremmen erfasste sie mitunter einer wahren Leidenschaft, und noch leidenschaftlicher sehnte sie sich danach, Annie wiederzusehen.“ (S. 300, 301)
Das Einzige, was sich noch am Leben hält, ist die Hoffnung, dass sie Annie eines Tages wieder sehen wird. Jedoch kommt es genau nach einem Treffen mit dieser zum totalen Zusammenbruch Effis. Ihre eigene Tochter ist ihr fremd geworden. In Effis Wut und Verzweiflung empfindet sie tiefen Hass für Imstetten und gibt ihm die Schuld für ihr Unglück.
„… aber das ist zu viel. Denn das hier, mit dem Kind, das bist nicht du, Gott, der mich strafen will, dass ist er, bloß er! …ich will euch nicht mehr, ich hass euch, auch mein eigen Kind. Was zu viel ist, ist zu viel.“ (S. 309)
Ihr gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich enorm und veranlasst den Arzt, Effis Eltern zu bitten, ihre Tochter wieder aufzunehmen.
Durch ihre Liebe zu ihrem Heimatort kann Effi letzte unbeschwerte Monate in Hohen-Cremmen verbringen. Sie versöhnt sich mit ihrer Familie.
… und lebte ganz dem Glücksgefühle, wieder an dieser für sie so freundlich friedreichen Stelle zu sein, in Versöhnung mit denen, die sie immer geliebt hatte und von denen sie immer geliebt worden war, auch in den Jahren ihres Elends und ihrer Verbannung. (S. 314)
Nach dem es Effi auch schafft, sich selbst zu vergeben und Imstetten innerlich zu verzeihen, verstirbt sie an ihrer seelischen Erkrankung.
„Und da wollt ich dir denn sagen: ich sterbe mit Gott und Menschen versöhnt, auch versöhnt mit ihm.“ (S. 330) Der Roman zeigt den tragischen Weg Effi Briests, welche durch Heirat vom naiven lebensfrohen Mädchen zu einer einsamen unglücklichen Frau wird und schließlich an ihrem eigenen Leben zerbricht.
Arbeit zitieren:
Maria Pernegger, 2010, Theodor Fontane, Effi Briest - Effi Briests Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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