Otto – von – Guericke – Universität
Institut für Erziehungswissenschaft
Zwischenprüfungsarbeit
Wintersemester 2002/ 2003
Thema:
Was ist Erziehung?
Heidi Fischer
Gliederung
1) Einleitung ... 1
2) Positionen des Erziehungsbegriffs ... 1
a) Prozess individueller Entwicklung ... 1
b) Erziehung als direkte Einwirkung ... 2
3) Elemente der Erziehung ... 4
a) Asymmetrische Interaktionssituation ... 4
b) Intentionalität ... 4
c) Wirkungsannahme ... 5
4) Einflussfaktoren ... 5
5) Beratung als Erziehungshilfe ... 7
6) Quellen ... 10
1) Einleitung
Die Definition der Erziehung ist in der Pädagogik äußerst umstritten. Es gibt keinen feststehenden Begriff der Erziehung, da dieser stark von der pädagogischen Auffassung bzw. Richtung abhängt, die der Betrachter vertritt.
Grundsätzlich ist erstmal festzuhalten, dass es nach der Aufklärung und der Emanzipation schwer wurde, Erziehung als „Führung“ zu Haltung und Einstellung zu legitimieren, da sich das Weltbild von „gottgewollter Ordnung“ in „vernunftbegabte Selbstverantwortlichkeit“ wandelte.
2) Positionen des Erziehungsbegriffs
Da die verschiedenen pädagogischen Richtungen ( Prinzipienwissenschaftl., geisteswissenschaftl., empirisch – analytische, kritische, systemtheoretische Erziehungswissenschaft) unterschiedliche Ansätze finden und Ziele definieren, und es in diesem Rahmen gar nicht möglich ist, alle Richtungen aufzuzeigen, möchte ich die Positionen im Folgenden in zwei Kategorien einteilen und näher beschreiben.
1) Erziehung als selbstgesteuerter Prozess individueller Entwicklung (Prinzip des Wachsenlassens) Rousseau; Dewey
2) Erziehung als direkte, aktive Einwirkung (Anpassung an die Gesellschaft) Durkheim
2a) Prozess individueller Entwicklung
Die erste Position geht von einer Erziehung als Prozess des begleitenden Wachsenlassens aus. Man kann den Erzieher gut mit einem Gärtner vergleichen, der die äußeren Umstände gestaltet und die natürlichen Bedürfnisse der Pflanze stillt, um ihr ein optimales Gedeihen zu ermöglichen. D.h. der Mensch entwickelt sich selbstgesteuert und benötigt gar keine direkte Formung durch andere. Der Erzieher handelt nicht aktiv am Zögling, sondern schafft ihm eine geeignete Lern – bzw. Erfahrungsumgebung. Neben John Dewey, auf den ich später noch eingehen will, ist oder war Jean Jaques Rousseau wohl der bekannteste Vertreter dieser Position.
Er war der Auffassung, dass der Mensch von Natur aus gut ist, er sich aber durch die Zivilisation, Wissenschaften, Künste, Kultur immer weiter von der Natur entfernt und dadurch verdorben wird. Die natürliche, positive Erziehung Rousseaus zielt darauf ab, die natürlichen Instinkte und ursprünglichen Gefühle des Zöglings zu beobachten, zu fördern und zu entwickeln anstatt sie durch aktive, negative Erziehung einzugrenzen bzw. zu beschränken. Dies setzt eine umfassende Kenntnis der kindlichen Wesensart voraus.
Das Kind soll also nicht von negativen Einflüssen abgeschirmt werden, sondern aktiv seine eigenen Erfahrungen machen dürfen und daraus lernen.
Rousseau entwickelte hierzu 4 Stufen der Entfaltung von Körper, Geist und Seele, die ich in diesem Rahmen nur erwähnen möchte.
John Dewey erweitert die Position des „Wachsenlassens“ oder des „Sich – Entwickelns“ um einen entscheidenden Punkt. Er betrachtet wie Rousseau den Erzieher als Teil der Umgebung, dessen Aufgabe es ist, immer wieder neue Anregungen zu bieten bzw. impulsgebend zu wirken. Voraussetzung dieses Erziehungsprozesses ist das Prinzip der Selbstorganisation des Menschen, d. h. der Mensch erhält sich selbst, indem er sich ständig erneuert, oder anders ausgedrückt: Der Mensch versucht, die einwirkenden Kräfte/ Eindrücke umzulenken und für die eigene weitere Existenz zu nutzen.
Da der Heranwachsende nicht Objekt, sondern Subjekt des erzieherischen Geschehens ist, sind mechanisch beeinflusste Handlungen problematisch aufgrund des Mangels an Selbstbestimmung.
Zusammenfassend lässt sich diese Position folgendermaßen beschreiben: Der Erzieher agiert als Umweltgestalter und Impulsgeber für den Zögling, und zwar um seiner selbst willen, sodass er zu seinem Leben und seiner individuellen Form finde.
2b) Erziehung als direkte Einwirkung
Hierbei handelt es sich um eine reine Instruktionspädagogik, in der der Erzieher den Zögling formt und sein Verhalten daher kontrollieren kann. Diese Auffassung entspricht der behavioristischen, lerntheoretischen Position (Positive Verstärkung) von Pawlow und Skinner.
Für nähere Erläuterungen beziehe ich mich speziell auf Max Durkheim, der sich besonders mit der gesellschaftlichen Bedeutung von Erziehung beschäftigte.
[....]
Arbeit zitieren:
Heidi Fischer, 2003, Was ist Erziehung?, München, GRIN Verlag GmbH
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