2
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Die Person Dostojewskis 4
3. Der Roman „Die Brüder Karamasow“ 5
3.1 Vatermord als Hauptmotiv in „Die Brüder Karamasow“ 6
4. Die psychoanalytischen und psychologischen Gründe des
Vatermordes…………………………………………………………. 8
4.1 Freud: „Dostojewski und die Vatertötung“ - Ödipus - Komplex
und Neurose 8
4.2 Die Figur des Vaters - homo fictus oder alter ego ? 13
5. Schluss 14
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Im Jahr 1928 veröffentlichte Freud ein Essay über Dostojewski, in dem er den Charakter dieses Schriftstellers analysiert 1 . Freud bezieht sich auf die Neurose Dostojewskis und setzt sich mit den Aspekten seiner Persönlichkeit, unter anderem mit seiner Sünder - Fassade, auseinander. Der Grund, warum Freud diesen großen Autor als eine Person betrachtet, die zur Vatertötung und zum Verbrechen fähig ist, liegt darin, dass dieser für seine Werke einen entsprechenden Stoff wählt. Das Beispiel, das auch Freud nennt, ist der Roman „Die Brüder Karamasow“, in dem das Hauptmotiv eben Vatermord ist. Freuds kurzer Aufsatz enthält eine genaue psychoanalytische Darstellung der Persönlichkeit Dostojewskis nicht nur aufgrund seiner Werke, sondern vor allem in Bezug auf seine Kindheit und das Verhältnis Dostojewskis zu seinem Vater. In dieser Arbeit will ich mich in den Charakter dieses Schriftstellers vertiefen und verifizieren, inwieweit der Charakter eines Menschen sich nach der psychoanalytischen Methode kennen lernen lässt.
Zum Einstieg will ich mich die Person dieses großen russischen Autors etwas nähern und dann an den Inhalt des Romans „Die Brüder Karamasow“ anknüpfen. Im Hauptteil meiner Arbeit werde ich mich mit dem Thema des Vatermordes auseinander setzen, um zu zeigen, welche Motive dafür die Söhne des alten Karamasow hatten und welche Motive Dostojewski dazu treiben könnten, seinen Vater töten zu wollen. Ich werde mich auf die freudschen Thesen beziehen um schließlich herauszufinden inwiefern die Psychoanalyse für die
Literaturinterpretation brauchbar und nützlich ist.
1 Sigmund Freud „Dostojewski und die Vatertötung“ in: Freud, Studienausgabe Bd. X, Frankfurt
1969
4
2. Die Person Dostojewskis
Um die Symmetrie zwischen Leben und Werk des Dichters aufzuzeigen und die „Brüder Karamasow“ zu deuten, soll uns die Erläuterung der wichtigsten Elemente aus Dostojewskis Biographie behilflich sein. Ich beziehe mich auf die Biographie von Janko Lavrin 2 .
Dostojewski wurde am 11. November in Moskau in einer verarmten adeligen Familie als Sohn eines Arztes geboren. Nach dem Tod seiner Mutter (1837) ließ sich Dostojewski mit seinem Bruder in St. Petersburg nieder, wo er von 1838 bis 1843 an der Militärakademie Bauingenieurwesen studierte. Sein Vater ging auf sein Landgut, wo er 1839 durch leibeigene Bauern ermordet wurde. Dostojewskis Vater wurde als ein Geizkragen und Tyrann beschrieben. Möglicherweise wirkte diese Erfahrung auf die spätere Gestaltung des „alten Karamasow“ in seinem letzten Roman. Lavrin schreibt, dass die Haltung Dostojewskis seinem Vater gegenüber von vorwurfsvollem Groll bestimmt war. Das Verhältnis des Dichters zu seinem Vater werde ich später näher erläutern im Zusammenhang mit dem Motiv des Vatermordes in „Die Brüder Karamasow“.
Im Jahr 1844 begann er mit den Arbeiten zu seinem 1846 veröffentlichten Debüt „Arme Leute“, das sehr erfolgreich war. 1847 trat er einem Kreis von Revolutionären bei (Petraschévskij - Gruppe). Als er dessen Mitgliedern 1849 einen später als politisch höchst aggressiv betrachteten Brief des Literaturkritikers Belinskij an Nikolai Gogol vorgelesen hatte, denunzierte man ihn und er wurde zunächst verhaftet und später zum Tode verurteilt. Erst auf dem Richtplatz begnadigte ihn Zar Nikolaus I. zu vier Jahren Verbannung und Zwangsarbeit in Sibirien, mit anschließender Militärdienstpflicht. In der Katorga von Omsk wurde zum ersten Mal seine Epilepsie diagnostiziert, was aus seinem Brief an den Bruder Michail hervorgeht. Dostojewski konnte erst 1859 nach St. Petersburg zurückkehren. In der Folgezeit veröffentlichte er ein Dokument seiner
Verbannungszeit in Sibirien, die „Aufzeichnungen aus dem Totenhaus“. Gemeinsam mit seinem Bruder gründete er die Zeitschrift „Die Zeit“, in der sein Roman „Die Erniedrigten und Beleidigten“ erschien, jedoch bereits 1863 wurde „Die Zeit“ wegen eines "antipatriotischen" Beitrags verboten. Von 1862 bis 1865
2 Janko Lavrin „Dostojevskij“, Rowohlts Monographien, Reinbeck bei Hamburg 1963
5
reiste Dostojewski durch Europa; während dieser Zeit begann seine Spielsucht. 1864 starben in kurzer Folge Dostojewskis Frau, sein Bruder und sein Freund Apollon Grigorjew. Die Nachfolgezeitschrift der „Zeit“, die „Epoche“ musste er aus Geldmangel einstellen. 1865 ruinierte er sich beim Roulettespiel in Wiesbaden. 1866 erschien der erste seiner großen Romane, „Schuld und Sühne“. Im selben Jahr erschien auch der innerhalb von nur 26 Tagen verfasste Kurzroman Der Spieler, ein Bekenntnis seiner Spielsucht. Nach seiner zweiten Eheschließung 1867 ist Dostojewski wegen seiner hohen Spielschulden ins Ausland geflohen. Nach langem Aufenthalt in Baden - Baden kehrt er 1871 wieder nach Russland zurück.
Bis zum Ende seines Lebens verfasste er die beiden letzten seiner großen Werke, „Die Dämonen“ und abschließend „ Die Brüder Karamasow“ - eine Quintessenz seines eigenen Werkes. Dostojewski starb 1881 an den Folgen eines Blutsturzes.
3. Der Roman: „Die Brüder Karamasow“
In diesem Teil will ich auf den Inhalt des Romans eingehen. Da dieser aber sehr vielschichtig ist und somit viele Deutungen zulässt, konzentriere ich mich nur auf den für diese Arbeit psychologisch relevanten Aspekt: das Motiv des Vatermordes in Bezug auf das Verhältnis zwischen Fjodor Karamasow und seinen Söhnen.
Der Schwerpunkt der Handlung liegt auf der Darstellung des Konflikts zwischen dem Vater - dem alten Fjodor Pawlowitsch Karamasow - und seinem Sohn aus erster Ehe - Dmitrij. Fjodor Pawlowitsch ist ein Gutsbesitzer, „der Typ eines nichtsnutzigen und lasterhaften Menschen“ 3 , der vier Söhne hat: Dmitrij - auch Mitjagenannt - „führt ein sehr flottes Zecherleben und verbraucht verhältnismäßig viel Geld“ 4 , ein Offizier von aufbrausender Art. Mitja kommt zu seinem Vater, um das ihm zustehende Geld - das mütterliche Erbteil - zu holen. Der Streit um das Geld ist der Grund des Konfliktes zwischen ihm und seinem Vater sowie die Ursache dessen tödlicher Konsequenzen. Der Sohn Iwan, aus
3 F.M. Dostojewskij "Die Brüder Karamasow", dtv -Deutscher Taschenbuch Verlag, München
1978, S. 13
4 ebd. S. 19
Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz. Beata Janosz, 2004, Dostojewski und die Vatertötung, München, GRIN Verlag GmbH
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