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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 2
1.1. Abstrakt. 2
1.2. Problemstellung 3
1.3. Aufbau der Hausarbeit 3
2. Hintergrund 4
2.1. Menschenwürde. 4
2.2. Erweiterbarkeit des Würdebegriffs auf die Tierwelt 6
2.3. Vagness von Begriffen und das Sorites-Paradoxon 7
3. Konzepte der Menschenwürde 10
3.1. Stoizismus. 10
3.2. Präferenzutilitarismus 12
3.3. Nussbaums Konzept. 14
4. Kritischer Diskurs. 17
5. Zusammenfassung 22
6. Literaturverzeichnis 23
1. Einleitung
Konzepte der Würde wurden innerhalb der Philosophie schon seit sehr langer Zeit diskutiert. Insbesondere die Fragestellung nach der inhärenten Menschenwürde und deren Auswirkungen auf Gesetzgebung und Gesellschaft stehen dabei im Mittelpunkt. Erweitert man diesen Fokus auf andere Lebewesen, wie Tiere, so stellt sich gleichsam die Frage nach der Anwendbarkeit bzw. den Limitationen eines würdevollen Umgangs.
1.1. Abstrakt
Die Hausarbeit beschreibt das von Nussbaum ausgeführte Konzept der Würde und dessen Ausweitung bezogen auf Tiere. Dabei werden zunächst wichtige Begriffe in diesem Kontext definiert - z.B. die Menschenwürde, der Stoizismus und der Präferenzutilitarismus. Innerhalb dieser Erweitung auf die Tierwelt, wird der bei Nussbaum vorgeschlagene Würdebegriff zunächst gegenüber anderen Konzeptionen von Würde abgegrenzt. Darauf aufbauend beschäftigt sich die Fragestellung primär mit den Fähigkeiten (engl. capabilities) von Tieren. Da Nussbaum die Definition von Würde über das Konzept der Fähigkeiten herleitet, gilt es dabei zu hinterfragen, ob eine Erklärung durch Fähigkeiten alleine hinreichend ist, um trennscharf zu argumentieren. So beschreibt die Arbeit entlang der Leitfrage der Trennschärfe den Vergleich der kognitiven Fähigkeiten. Dabei wird unter anderem der Vergleich zwischen hochentwickelte Primaten aus dem Tierreich und geistig behinderten Menschen aufgebaut. Dieses Beispiel dient als Indikator für die Schwierigkeit in der Differenzierung solcher Randbereiche durch Nussbaums Würdekonzeption. Ab welchem Niveau von Fähigkeiten kann von Menschenwürde gesprochen werden und wie stark muss eine solche Konzeption auf Spezieszuordnungen zurückgreifen, um weiterhin konsistent zu bleiben?
Innerhalb des kritischen Diskurses wird die Würdekonzeption anhand dieses Beispiels gegenüber dem Präferenzutilitarismus, sowie dem Stoizismus unter dem Aspekt der Vagness und dem damit verbundenen Sorites-Paradoxon abgewogen. Die unterschiedlichen konzeptionellen Herangehensweisen werden dabei kritisch verglichen.
1.2. Problemstellung
Das Ziel der Arbeit ist eine Übersicht zu Nussbaums Darstellung der Würde eines Lebewesens basierend auf dessen Fähigkeiten zu geben. Dieser Argumentation folgend beschreibt die vorliegende Studienarbeit die Limitationen der konzeptionellen Erweiterbarkeit auf das Tierreich. Anhand des Beispiels der Vegetarier wird die moralische Sinnfrage von der Würde eines Lebewesens exemplarisch diskutiert.
1.3. Aufbau der Hausarbeit
Kapitel 2 beschreibt die Hintergrundinformationen zum Thema. Zunächst wird dazu der Begriff der (Menschen-)Würde spezifiziert und danach auf die Erweiterbarkeit dieses Begriffes auf die Tierwelt eingegangen. Diese Informationen dienen als Grundlage für die tiefer gehende, thematische Auseinandersetzung. Letztlich werden das Sorites-Paradoxon und die damit verbundene Vagness von Begriffen beschrieben.
Kapitel 3 stellt drei verschiedene Modelle der Menschenwürde dar. Erstens wird das Modell der stoischen Menschenwürde thematisiert. Zweitens stellt das Kapitel den präferenzutilitaristischen Ansatz gegenüber, der ebenfalls unter dem Fokus der Würde von Tieren behandelt wird. Innerhalb der dritten Sektion wird letztlich das Konzept der Erweiterbarkeit des Würdebegriffs nach Nussbaum beschrieben.
Kapitel 4 diskutiert unter diesem Hintergrund des Würdebegriffes entlang der drei verschiedenen Theorien und stellt gegenüber inwiefern Tiere zum einen eine Würde besitzen können bzw. wie sich dies auf den Grenzfall des Vergleichs zwischen Tieren und geistig behinderten Personen auswirken würde.
Kapitel 5 fasst die wesentlichen Erkenntnisse inklusive kritischem Diskurs zusammen und gibt einen Überblick zu künftigen Fragestellungen. Kapitel 6 umfasst die verwendete Literatur.
2. Hintergrund
Das Themenfeld der Würde stellt in der Philosophie ein bereits intensiv diskutiertes Problem dar. Dabei divergiert beispielsweise die aktuelle im Grundgesetz der BRD verankerte Definition von Würde stark von der historischen Auffassung des Würdebegriffs. Dieses Kapitel beschreibt deshalb zunächst die generelle Entwicklung in der philosophischen Würdebetrachtung und geht dabei auf die Abgrenzung gegenüber dem Tierreich sowie der vorhandenen Begriffsunschärfen ein.
2.1. Menschenwürde
Die aktuell im Grundgesetz bestehende Definition des ersten Artikels lautet:
Menschenwürde: (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ (Deutsches Grundgesetz Artikel 1). Innerhalb dieses Artikels wird also der Begriff der Menschenwürde als wichtigste und unantastbare Eigenschaft dargestellt. Verfolgt man allerdings den Ursprung des Würdebegriffs in der Historie der Philosophie, so trat dieser zum ersten Mal direkt bei Cicero 1 auf. Hierbei wird allerdings schnell deutlich, dass der von Cicero geprägte Würdebegriff zunächst nicht im engeren Sinne als die Menschenwürde verstanden werden kann, sondern vielmehr von der Amtswürde, also basierend auf den eigenen Taten abgeleitet werden kann. Das Bild der Würde ist bei Cicero vom stoischen Grundgedanken der Logik geprägt, so argumentiert er: „Aber es ist für jede Untersuchung von dem, was Pflicht ist, wichtig, stets vor Augen zu haben, welch einen großen Vorzug die menschliche Natur vor der der Tiere, der zahmen wie wilden, habe. Diese haben nur für sinnliche Lust Gefühl und streben danach mit allem Ungestüm; der menschliche Geist hingegen findet seine Nahrung im Lernen und Denken, immer erforscht oder tut er etwas und wird durch das
1 Vergleiche hierzu Cicero (übersetzt 1848, S. 25 ff.).
Vergnügen des Sehens und Hörens angezogen.“ (Cicero, übersetzt 1848). Würde im Sinne von Ciceros Wahrnehmung erfährt ein Mensch also unabhängig von seiner Herkunft und seinem Stand, einzig durch das nach der Logik basierte Verhalten.
Im weiteren geschichtlichen Verlauf ändert sich der Würdebegriff, sowohl in der Entscheidung auf wen dieser angewendet werden kann als auch in der Diskussion über den Ursprung von Würde. So entsteht um 400 nach Christus mit Nyssa 2 der Gedanke einer von Gott gegebenen Würde, die dem Menschen qua seiner Abbildfunktion des Schöpfers zu Teil wird. Würde kommt in dieser Konzeption etwas königlichem gleich. Die Metapher der Adligkeit wird im 11. Jahrhundert 3 genutzt, um den Würdebegriff sowohl an die Schöpfung Gottes, aber auch an das eigene, regelkonforme Verhalten zu binden. Diese Argumentation findet bei Thomas von Aquin 4 eine weitere Erklärung, der auf der Theorie der gottgegebenen Würde aufsetzt und diese mit der Begründung der Willensfreiheit der Menschen in Verbindung bringt. Eine parallele Deutung des Würdebegriffs ist in der Weiterentwicklung des Stoizismus zu erkennen, bei der die Würde im Ursprung als auf der Logik basierend begriffen wird.
Kant wiederum argumentiert in seiner Darstellung der Würde über den kategorischen Imperativ 5 . Einer Person kommt Würde zu, indem sie als ein Vernunftwesen handelt, moralisch heißt in diesem Kontext für Kant autonom zu sein. Diese Konzeption unterstreicht nicht nur stoische Tendenzen, sondern auch das Konzept der Autonomie, bei der Handlungen auf persönlichen Gesetzgebungen beruhen.
In der Neuzeit divergieren die Ansätze weniger in der Diskussion wem alles eine Würde zu Teil werden kann (in den meisten Ansätzen umfasst das Konzept alle Menschen), als vielmehr in der Fragestellung, was den Ursprung bzw. die Messbarkeit von Würde ausmacht.
2 Siehe auch Hübner (1974, S. 47ff.).
3 Vergleiche auch Gysi (1960).
4 Die vollständige Darstellung ist enthalten in Aquin (übersetzt 2005).
5 Siehe hierzu auch Kant (aufgelegt 1989).
Dabei reicht die Suche nach der Ursache von Würde von stoischen Ansätzen, über präferenzutilitaristische Ansätze (z.B. von Schaber 6 ), die Würde als einen konzeptionellen Teil in der Nutzenbetrachtung der Umwelt verstehen, bis hin zu marxistischen Theorien und deren Weiterentwicklungen (z.B. Stepanians 7 ), die Würde als ein essenzielles Grundrecht für alle Menschen betrachten, oder neuer Konzepte (z.B. Nussbaum 8 ), die z.B. Würde durch andere Ursachen erklären. Mit dem von Beck beschriebenen gesellschaftlichen Fahrstuhleffekt 9 , bei dem breite Teilen der industrialisierten Gesellschaft ein signifikant höherer Lebensstil zu Gute kommt, der im Spannungsfeld der modernen Globalisierung zu weltweiter Ungleichverteilung der Ressourcen (insbesondere Geld) führt, ist das Thema der Menschenwürde aktueller denn je.
2.2. Erweiterbarkeit des Würdebegriffs auf die Tierwelt
Einen weiteren Aspekt des ursprünglich von der Amtswürde abgeleiteten Begriffs „dignitas 10 “ kommt der Abgrenzung zwischen Mensch und Tieren zu. Noch heute macht das Gesetz eine klare Unterscheidung in den Rechten von Menschen und Tieren.
Ein Beispiel für diese Trennung stellt die aktuelle Formulierung im Bundesgesetzbuch dar: „Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.“ (BGB, § 90a). Der Verweis erläutert, dass Tiere von Dingen unterschiedlich sind, aber vor dem Gesetz dennoch als solche behandelt werden.
6 Siehe auch Schaber (2003).
7 Vergleiche hierzu Stepanians (2003, S.81 ff.).
8 Siehe auch Nussbaum (2010) oder für eine detaillierte Beschreibung der Erweiterbarkeit des Würdebegriffs auf Tiere Nussbaum (2006).
9 Vergleiche hierzu auch Bühl (2008, S. 258 ff.).
10 Dignitas beschreibt das lateinische Wort für Würdigsein, Tüchtigkeit und Verdienst (siehe Pons, 2010), vergleiche hierzu Cicero
Arbeit zitieren:
Dr. Tobias Fritsch, 2010, Das Konzept der Würde von Tieren in der Postmoderne, München, GRIN Verlag GmbH
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