Horst Haub Ambraser Heldenbuch - Anfang 2
Inhaltsverzeichnis
Vorwort. 3
I Die Forschung. 4
I.1 Das Ambraser Heldenbuch als Programm und Absicht. 9
II Eine Handschrift im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit. 11
II.1 Eine Prachthandschrift als Hochzeitsgeschenk? 15
III Adlige Öffentlichkeit und Heldenbuch. 16
IV Die Mehrverse des 'Frauenehre'-Fragments. 24
IV.1 Mahnrede Maximilians an seinen Sohn mit literarischen Mitteln. 24
IV.2 Machtpolitik und Beziehungsprobleme. 27
V Das 'Frauenehre'-Fragment weiterhin auf Platz 1 im Heldenbuch. 31
V.1 Zur Aussage des 'Frauenehre'-Fragments. 32
V.2 Gebrochene Heiratsversprechen und 'Brautraub' 36
V.2.1 Historischer Kontext. 36
V.2.2 Das 'Frauenehre'-Fragment als Kommentar zu Frankreichs Königen. 37
VI Die Minderverse (Schlussverse) 39
VI.1 Armut. 39
VI.2 der ander got der werlde. 41
VII Verteidigung der Ehre der Frauen als Aufgabe des Heldenbuchs. 45
VIII Literaturverzeichnis 47
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Vorwort
In den letzten Jahren wurde durch eine Reihe von Einzeluntersuchungen und Aufsatzsammlungen neues interessantes Material zur höfischen Kultur der Zeit Maximilian I. und zu Aspekten und Deutungsmöglichkeiten des 'Ambraser Heldenbuchs' erarbeitet.
Zusammen mit den grundlegenden Arbeiten z. B. von Martin Wierschin, Hermann Wiesflecker und Jan-Dirk Müller steht somit ein breites Wissen zur Verfügung, das zu einem verständlicheren Bild dieser Zeit führen könnte. Die Problematik liegt natürlich wie immer darin, die bereitgestellten Informationen wie verstreute Mosaiksteinchen zu einem erkennbaren Bild zusammen zu fügen, das dann in der Lage ist Geschichte sowohl zutreffender als auch anschaulicher und lebendiger darzustellen. Um zu tragfähigen Ergebnissen zu gelangen, ist es allerdings im Falle des 'Ambraser Heldenbuchs' notwendig, die dort versammelten Dichtungen aus einem veränderten Blickwinkel heraus in Augenschein zu nehmen. Irgendwann einmal wird dann vermutlich das Groteske der Einschätzung des 'Ambraser Heldenbuchs' als einer schlichten Sammlung von alten Texten aus dem 13. Jahrhundert, die Kaiser Maximilian habe sammeln und abschreiben lassen, nur noch Verwunderung auslösen. Das eigentlich Faszinierende daran wird dann die Tatsache sein, dass diese Ansicht ein gutes halbes Jahrtausend Bestand haben konnte. (Hierzu insbes. Kap. III.) Neben der Einbeziehung neuer Forschungsergebnisse ist, wie in dieser Arbeit dargestellt, die analytische Arbeit am Text selbst notwendig, um die Botschaft des Autors, die dieser den imaginierten Rezipienten zukommen lassen möchte, enträtseln zu können.
Leider kann ich an dieser Stelle wiederum keine Dankesworte an irgendeine öffentliche Institution für deren Unterstützung der hier vorliegenden Arbeit richten. Dazu kann es auch gar nicht kommen. Denn fortgesetztes forciertes Grübeln zu historisch relevanten Fragestellungen über einen längeren Zeitraum hin, der die zeitliche Grenze des Jungakademikers überschreitet, kann in diesem unseren Lande nicht mit öffentlicher Unterstützung rechnen, wie mir seitens einiger Professoren, sowie eines prominenten Mitgliedes der Deutschen Forschungsgemeinschaft verdeutlicht wurde.
Deshalb gilt mein besonderer Dank wiederum Prof. Ernst Erich Metzner von den Frankfurter Altgermanisten, der sich trotz Emeritierung wieder die Zeit nahm meine Ausführungen durch konstruktive Kritik und wertvolle Anregungen zu begleiten, sowie Fred Arend, dessen geduldige freundschaftliche Hilfe ein vorschnelles Scheitern der Arbeit an den technologischen Hürden bei der Herstellung eines druckreifen Textes verhinderte.
Frankfurt, Dezember 2010
Horst Haub
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I Die Forschung
Maximilian I. spricht in einem Schreiben an den Innsbrucker Säckelmeister Wilhelm von Oy 1502 von einem 'Heldenbuch an der Etsch' und von dem Auftrag an Paulsen von Liechtenstein, ihm das 'Heldenbuch an der Etsch' „ausschreiben“ zu lassen 1 Am 14. April 1504 gibt Maximilian I. dem Regiment in Innsbruck Anweisung, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, damit Hans Ried, Zöllner am Eisack, ein puech in pergamen für ihn schreiben könne. 2 Zu diesem Zweck wird dann Hans Ried zwischen 1504 und 1514 von seinen Dienstverpflichtungen als Zöllner entbunden. 3 Bis zu seinem Tode Anfang 1516 war Hans Ried mit dem Schreiben des 'Heldenbuchs' beschäftigt. 4
Trotz der ausführlichen Nachrichten über die Schreib-Genese des 'Ambraser Heldenbuches' sei nichts überliefert, was genaueren Einblick in die konzeptionelle Arbeit geben könne, so erst jüngst wieder Martin Schubert zum Stand der Forschung. 5 Ganz anders als bei den Ruhmeswerken, bei denen das „work in progress“ aufgrund der Notizen, der Fassungen und der Schichtungen von Text- und Bildentwicklung nachvollziehbar bleibt, sei das Ambraser Heldenbuch wie ein „erratischer Block“. Weder sei bekannt, wer das Werk entwarf, inwiefern der Kaiser auf den Entwurf Einfluss nahm, noch genau, aus wievielen Vorlagen es zusammengetragen wurde, also welcher Anteil an der Textzusammenstellung in der Tat als „konzeptionell“ bezeichnet werden könne. 6
In einer jüngeren Aufsatzsammlung zum 'Ambraser Heldenbuch' fasst Angela Mura erneut die grundsätzlichen Fragen, zusammen, mit denen sich die Forschung zum 'Ambraser Heldenbuch' auseinanderzusetzen habe: „Wer waren die Akteure, welche die entscheidende Rolle bei der Auswahl der Texte gespielt und die endgültige Anlage und das Schicksal des Codex bestimmt
1 Franz Unterkircher: „Ambraser Heldenbuch...“, 1973, S.5. Martin Wierschin, 2005 (1976), S. 144, Notiz vom 15.04.1502 Hofkammerarchiv Wien, Gedenkbuch XII, fol. 283 (alt. 257 r). Angela Mura:“Spuren...“, 2008, S. 63: Der früheste bisher aufgetauchte Beleg für den Wunsch Maximilians nach Ausfertigung der Handschrift ist ein in Füssen ausgestelltes Mandat vom 12. April 1502, aus dem hervorgeht, dass Maximilian bereits kurz vorher unter nicht näher beschriebenen Umständen Paul von Liechtenstein den Auftrag erteilt haben musste, sich um die Abschrift zu kümmern, das helldenpuch an der Etsch ausschreiben zulassen.
2 Angela Mura: „Spuren einer verlorenen...“, 2008, S. 86
3 Dorothea Klein: “Mauricius von Craûn...“, 1999, S. 8.
4 Nach Ausweis der Quittungsbelege starb Hans Ried Ende Februar oder Anfang März. M. Wierschin, 2005, S.138.
5 Martin Schubert, „Funktionen der Vergangenheit...“, 2009, S. 287. Peter Strohschneider, „Ritterromantische Versepik...“, 1986, S. 422, habe dazu richtig angemerkt: „es sei kein Ordnungsprinzip zu erkennen, das irgend mit einer literaturwissenschaftlichen Systematik zur Deckung zu bringen wäre“, M. Schubert, 2009, S. 287.
6 Weder sei überliefert, in welcher Form der Kaiser, der als begeisterter Amateur alles Wissbaren seine Projekte gerne bis ins kleinste Detail überwachte, auf das Konzept des Buches Einfluss nahm, noch werden die subalternen Betreuer, die Hans Ried doch wohl hatte, genannt. Martin J. Schubert: „Offene Fragen...“, 2008, S 100.
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haben? Wie sah das literarische Konzept aus, das dem Werk zu Grunde lag? Oder gab es überhaupt einen Plan, einen ersten Entwurf am Beginn der Sammlung? Wer waren die Personen, welche die Durchführung dieses Planes vorangetrieben und geleitet haben?“: 7
Die Vermutung, die Anordnung des 'Heldenbuchs' solle eine Botschaft vermitteln, wurde bereits wiederholt geäußert. So von Hugo Kuhn, der von der Annahme ausging, Strickers 'Frauenehre' und Moritz von Craon stellten eine programmatische Einleitung des 'Ambraser Heldenbuchs' dar. 8 Edward Schröder hatte bereits zuvor erwogen, es könne eine Absicht darin zu erkennen sein, dem ersten größeren Gedicht, dem 'Iwein', zwei kleinere Dichtungen voraus zu schicken, „die eine allgemeinere tendenz zu vertreten scheinen“. 9 Dorothea Klein kann sich vorstellen, man habe den 'Mauricius von Craûn' möglicherweise als Komplement und Kontrast zur vorausgehenden 'Frauenehre' gelesen. Während mit der 'Frauenehre' die Vorbildlichkeit höfischer Damen gepriesen werde, gehe es dort um die Folgen inadäquaten weiblichen Verhaltens. Gemeinsam sei den ersten sieben Texten das Grundthema Minne, „das im einzelnen mit unterschiedlichen literarischen Mitteln gestaltet und mit unterschiedlicher Akzentsetzung diskutiert wird. 10 Als einzige Handschrift repräsentiere das 'Ambraser Heldenbuch' die Vorläufer von Minnereden vielseitig, stellt auch Ingeborg Glier fest. Hartmanns von Aue 'Büchlein', das zweite Ambraser 'Büchlein' und Ulrichs von Lichtensteins 'Frauenbuch' seien nur hier überliefert. Ein so langes und so spurloses Verschwinden aus der Tradition sei allerdings ansonsten bei der Überlieferung von Minnereden unbekannt, auch unter dem Aspekt der Überlieferung von Minnereden bildeten die drei Büchlein also eine besondere Gruppe. 11 Für eine Erklärung des paradoxen Überlieferungsbefundes, so assistiert auch Nicola Kaminski, wo denn überhaupt eine versucht werde, müssten dann „letztlich die Launen der Fortuna herhalten.“ 12 Aber, auch wenn sie mit Verweis auf andere 13 einräumt, dass der Zufall eine große Rolle gespielt haben mag, bei dem, was dem einzelnen in die Finger kam, so fragt sie doch skeptisch, „gleich vierzehn oder (falls man die quasi unikalen Texte hinzurechnet) gar achtzehn solcher unglücklichen Zufälle ?!“ Damit stelle sich weiterhin die Frage, so Ingeborg Glier, „wie und auf welchen Wegen können die 'Büchlein' ins Ambraser Heldenbuch gekommen sein ?“ Auch die Reihenfolge, in der sie dort zu finden sind, gebe Rätsel auf, da sie in der Handschrift nicht alle zusammenhängend aufzufinden seien. „Nur Hartmanns 'Büchlein' und das zweite Ambraser
7 die „am schwersten zu beantwortenden Fragen“, Angela Mura: „Spuren einer verlorenen...“, in: W. Fritsch-Rößler (Hg.) „Rahmenthema..., 2008, S. 59.
8 Hugo Kuhn: Minnesangs Wende, 1967, S.185.
9 Zit. Nach Albert Leitzmann, „Die Ambraser...“, 1935, S. 151.
10 D. Klein, 1999, S. 9.
11 Ingeborg Glier: „Artes amandi..“, 1971, S. 390.
12 Nicola Kaminski: “Die Unika im Ambraser Heldenbuch...“, 2009, S. 186
13 Die Zufallsüberlieferung von Einzel- bzw. kleinsten Gruppenmanuskripten bemühe Martin Wierschin, 1976, S. 565 und 567, Anm. 219, ebenso gern, wie Hugo Kuhn, 1967, 184 f, wenn er die „aberwitzige 'Zufälligkeit' der „ganz verspäteten Unicum-Überlieferung konstatiere oder Peter Jörg Becker, 1977, 223, so Nicola Kaminski, 2009, S.186.
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'Büchlein' stehen beieinander, (als viertes und fünftes Gedicht der Sammlung), ihnen vorauf geht Hartmanns 'Iwein', es folgt 'Der Mantel' von Heinrich von dem Türlin. Ulrichs von Lichtenstein 'Frauenbuch' hingegen findet als 21. Gedicht der Sammlung seinen Platz zwischen einer Märengruppe Herrands von Wildonie und der Märe vom 'Helmbrecht' von Wernher dem Gartenaere.“ Es gebe allerdings nur drei Möglichkeiten, wie diese Reihenfolgen zustande gekommen sein könnten. Sie seien entweder von einem, der die Anlage gestaltete, beabsichtigt oder geben die Folge einer Vorlage wieder oder beides. 14
Ebenso kann Albert Leitzmann keine „planvolle aufeinanderfolge“ der Texte im 'Ambraser Heldenbuch entdecken. 15 Diese Anordnung der Texte hätte ja vom Kaiser selbst oder aber seinem 'lterarischen Beirat' Paul von Lichtenstein ausgehen müssen „In alle psychologischen einzelheiten dieses ordnungsgedankens eindringen zu wollen, muß ich allerdings für unmöglich halten. Warum z. b. zwischen Iwein und Erec die Büchlein und der Mantel eingefügt wurden, davon kann ich keine ratio erkennen:“. 16
Auch wenn Martin Wierschin Vermutungen zur Textauswahl des 'Ambraser Heldenbuches' anstellt, so kann doch auch er keinen durchgängigen Anlage- oder Gliederungsplan erkennen. Franz Unterkirchers' Versuch, eine Viergliederung des Textes vorzunehmen, komme nur scheinbar zu einem akzeptablen Ergebnis. Denn die Gliederung beruhe exklusiv auf dem phänomenologischen Befund der Handschrift und lasse die komplexen Bedingungen der Entstehungsgeschichte völlig außer acht. 17
Obwohl die vorhandenen Archivalien keinen Zweifel an der persönlichen Verantwortlichkeit Maximilians I. für die Anfertigung des 'Ambraser Heldenbuches' lassen, gebe der Kodex selbst, anders als andere vergleichbare Pergament-Prachthandschriften des ausgehenden Mittelalters, keinerlei Hinweis auf den Auftraggeber und seine Beteiligung an der Abfassung desselben. 18 Das Befremden von Martin W. Wierschin über diese „bemerkenswerte“ Tatsache ist nur zu verständlich, angesichts der von Maximilian I. sonst geübten Praxis, einer für ihn angelegten Zimelie einen
14 „Nur Hartmanns 'Büchlein' und das zweite Ambraser 'Büchlein' stehen nebeneinander (als viertes und fünftes Gedicht der Sammlung), ihnen vorauf geht Hartmanns 'Iwein', es folgt 'Der Mantel' von Heinrich von dem Türlin. Ulrichs von Lichtenstein 'Frauenbuch' hingegen findet als 21. Gedicht der Sammlung seinen Platz zwischen einer Märengruppe Herrands von Wildonie und dem 'Märe vom Helmbrecht' von Wernher dem Gartenaere.“ I. Glier, 1971, S. 390.
15 A.. Leitzmann, „Die Ambraser...“,1935. S. 151.
16 A. Leitzmann, 1935, S. 151.
17 Martin Wierschin: „Ich stimmer auch aus diesem Grunde völlig mit A. Leitzmann überein, der im Ambraser Heldenuch keinen durchängigen Anlage- oder Gliederungsplan erkennen konnte.“, „Das Ambraser...“, 2005 (1976), S.133. So auch Heimo Reinitzer (Hg.): 'Moritz von Craon', 2000, S. IX.: „Die herkömmliche Gliederung in vier Bereiche“, Artusepik, Heldenepik, Kleinepik und Anhang überzeuge nicht. Hingegen postuliert Kurt Gärtner, als Leitfaden für textgeschichtliche und überlieferungsgeschichtliche Fragen genüge die herkömmliche Gliederung immer noch, wenn sie wohl auch nicht mehr allgemein akzeptiert werde. K. Gärtner: „Hartmann von Aue...“, 2008, S. 199.
18 Martin Wierschin, 2005 (1976), S. 102. Ebesno Martin J. Schubert, 2008, S. 101.: An den Zeugnissen über die Handschriftenentstehung falle vor allem auf, dass offfensichtlich an nichts gespart wurde - nicht an Kosten, Mühen, Pergament, Zeit - , dass aber über den Einsatz einer einzigen Ressource rein nichts überliefert ist: des Sachverstands.
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panegyrisch getönten Verweis auf seine 'Autorschaft' und eine interpretierende Präambel, mit Bezug auf seine Person voran zu stellen. 19 Wierschin vermutet deshalb, das uns vorliegende 'Ambraser Heldenbuch' sei nur der realisierte Teil eines weit umfangreicher geplanten Werkes. Das ursprüngliche Exposé habe wohl nichts Geringeres vorgesehen, als eine umfassende Sammlung aller erreichbaren Texte einer historischen Epoche, mit der sich Maximilian ja uneingeschränkt identifiziert habe. 20 Die Anlage eines illustrierten Prachtkodex sei den enzyklopädischen
Neigungen des „erklärten Bibliophilen Maximilan“ 21 geschuldet. So, wie sein historisches Idol, Karl der Große, nach dem Zeugnis von Einhards Vita Caroli Magni, eine Heldenliedersammlung habe anlegen lassen, ebenso habe Maximilian verfahren wollen. Dabei sei er von burgundischen Kodizes und dem Reckenbuch seines hoch geschätzten Onkels Sigmund von Tirol angeregt worden. Vielleicht habe er daran gedacht, „eine feste Bücher- und Dokumentensammlung nach burgundischem Vorbild“ auf der von ihm bevorzugten Burg Runkelstein einzurichten 22 , in der sein neues universales heldenbuch zu seiner gedechtnus einen prominenten Platz beanspruchen sollte. Denn Maximilians I. Bücherschätze lagerten ja in Truhen verpackt an allen möglichen Orten. Dem steht aber offensichtlich entgegen, dass Maximilian nie am Erwerb der Bücher, denen er nachfragen ließ interessiert war, sondern nur an ihrem Gegenstand 23 Zwar ließ Maximilian Mitarbeiter wie Peutinger, Cuspinian, Vadian, Beatus Rhenanus Nachforschungen anstellen, um an der Wiederentdeckung, Edition und Erschließung mittelalterlicher Autoren zu arbeiten und um somit Verlorenes oder Vergessenes der Vergangenheit zu retten, jedoch sei es ihm dabei vor allem um die Istory gegangen, also um die idealisierten Vorstellungen von einer Welt der Ehre und des Abenteuers, die er in der heimischen Heldensage und der Artusepik fand, nicht jedoch um den Besitz der Bücher selbst. 24 Bei den (durchaus bezeugten) Visitationen von Klosterbibliotheken ließ Maximilian die ihn interessierenden Bücher nicht beschlagnahmen oder beim Sieg über innenpolitische Gegner deren Buchbesitz pfänden, sondern entlieh sie zum Abschreiben aus den Bibliotheken ihm verbundener Adelshäuser. 25 Dies erklärt dann auch den nur bescheidenen Buchbesitz Maximilians. Seine Innsbrucker Büchersammlung von 329 Bänden entspricht vom Umfang her nicht einmal der Hälfte des Bestandes einer durchschnittlichen Klosterbibliothek des Spätmittelalters und ist nicht größer als etwa die des niederadligen Standesgenossen Anton von
19 Martin Wierschin führt den 'Theuerdank, 'Weißkunig' und den 'Triumphwagen-Entwurf' hierfür an. M. Wierschin, 2005 (1976), S. 102.
20 M. Wierschin, 2005, S. 119 ff.
21 Wierschin, 2005, (1976), S. 119, verweist auf die Vermutung von E. Egg, Der Schlern 28, 1954, S. 136.das 'Heldenbuch' sei „mehr für den Privatgebrauch des Kaisers bestimmt“ gewesen. Ebenso fragt Martin Schubert: „Handelt es sich bei diesem Buch um einen Beitrag zur Verschriftlichung früherer Wissensbestände, um eine Art Heldenindex für die kaiserliche Privatbibliothek?“ Ein zur Verbreitung drängendes Sendungsbewusstsein sei im Falle des 'Ambraser Heldenbuchs' nicht festzustellen. Der Auftraggeber sei im Werk in geradezu mittelalterlich anmutender Bescheidenheit nicht genannt und in keiner Weise repräsentiert. M. Schubert: „Funktionen der Vergangenheit...“,2009, S. 281.
22 M. Wierschin, 2005, S. 120.
23 Theodor Gottlieb, 1900, S.50.
24 Jan-Dirk Müller: „Kaiser Maximilian I...“, 2000, S.462.
25 Nicola Kaminski: „Die Unika...“, 2009, S.188.
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Annenberg. 26 Anders habe es Maximilian mit den Büchern, die aus dem Besitzt der Herzöge Burgunds an ihn übergingen, gehalten, so Jan-Dirk Müller. Diese habe er nur ihres materiellen Wertes wegen geschätzt. Deshalb habe er sie, wie schon Karl der Kühne vor ihm, seinen für Kleinodien zuständigen Hofleuten anvertraut. Von „einer nachhaltigen Wirkung“, die diese Bücher auf Maximilian hatten, „aber hört man nichts“. 27
Es stehe „außer Zweifel“, so jedoch Daniela Buschinger, dass Maximilian sich mit den Bibliotheken auf das lebhafteste beschäftigte. Die burgundischen Bibliotheken, die zu den kostbarsten der damaligen Welt gehörten, haben ihm die Welt der Epen und der Geschichte erst recht erschlossen, postuliert sie, so zum Beispiel eine Ritterdichtung wie Gestes du Comte Gerard de Roussillon, von Jean Vauquelin. 28
Ob der Buchbesitzer Maximilian die Bestände, in die er durch Erbschaft oder Heirat gelangt war, lediglich in seinen Besitz eingegliedert hat oder ob und unter welchen Aspekten er sich dafür interessiert hatte, sei heute nicht mehr nachprüfbar, so Frank Fürbeth. 29
Man dürfe bei Maximilian zwar mit einem umfassenden literarischen Interesse an heldenpüechern rechnen, die enthielten, was man modern das kulturelle Gedächtnis des mittelalterlichen Adels nennen könnte, nicht aber mit „einem künstlerischen Gesamtkonzept“, was die Restaurierung der Fresken auf Burg Runkelstein, sowie das 'Ambraser Heldenbuch' betreffe. 30
Angela Mura schließt sich hingegen Wierschins' Überlegungen, insbesondere in Bezug auf die Fresken von Burg Runkelstein an. 31 Der fast gleichzeitige Beginn beider Projekte, der von Maximilian I. angeordneten Restaurierung der Fresken von Runkelstein, der guten alten istori wegen, sowie der Auftrag an Hans Ried, am 14.April 1504 32 , machten es wahrscheinlich, dass beide Projekte nicht nur in ideeller, sondern direkt miteinander in Verbindung stehen. Beide Projekte verdankten sich Maximilans I. Plan einer Wiederbelebung (im Sinne von vernewen, wie von J. D. Müller 2000 beschrieben 33 ) der guten alten istori, verstanden als verschlüsselter historiographischer Überblick zum Zwecke dynastischer Selbstlegitimierung. Zwar seien in den Runkelsteiner Fresken bisher keine Themenschwerpunkte mit klarem, direktem Bezug auf die
26 Frank Fürbeth: „Historien' und 'Heldenbücher'...“, 2009, S. 154.
27 Zwar sei die ältere Forschung , wo sie das „burgundische Erlebnis“ des jungen Thronfolgers beschrieb regelmäßig ins Schwärmen geraten, hätte aber nur wenig Konkretes vorbringen können. Jan-Dirk Müller: „Archiv und Inszenierung...“, 1998, S. 116.
28 Handschrift der Hofbibliothek in der Burg zu Wiener-Neustadt, Codex 2549 (Nov. 457), saec. XV., die wie Theodor Gottlieb herausfand auf die Herzöge von Burgund zurückgeht. D. Buschinger, „Die Literatur...“, 2009, S. 336.
29 Frank Fürbeth: 2009, S. 151.
30 Jan-Dirk Müller: Kaiser Maximilian I. und Runkelstein, 2000, S. 465.
31 „Daß hinter diesem dreifachen Unternehmen (Grabmal, Fresken, heldenpuch) ein für Maximilian charakteristisches Gesamtkonzept stand, ist unverkennbar.“ M. Wierschin, 2005 (1976), S. 116.
32 Nur 4 Tage später befehle Maximilian I. dem Maler Friedrich Lebenpacher sich mit zwei kompetenten Assistenten nach Runkelstein zu begeben, um alles gemeld und arbeit in Augenschein zu nehmen. A Mura, 2008, S. 71.
33 Jan Dirk Müller: Kaiser Maximilan I. und Runkelstein, in: Bilderburg, 2000, S. 459-468, zit. nach Angela Mura, 2008.
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literarischen Texte des 'Ambraser Heldenbuchs' gefunden worden 34 , die intensivere kritische Beschäftigung mit den Fresken in den letzten Jahren, habe jedoch den Eindruck verstärkt, dass deren darstellerische Detailgenauigkeit ohne die fallweise Anlehnung an die mittelalterliche Literatur und ohne eine Gegenüberstellung mit den entsprechenden Texten nicht denkbar wäre. 35
Die Existenz einer Bibliothek auf Schloss Runkelstein, aus deren Werken sich Hans Ried bei der Herstellung des 'Heldenbuchs' bedient haben könnte, sei also durchaus wahrscheinlich, zumal sich auf dem Stammsitz des damaligen Schlosspflegers (von 1500-1528) Georg von Fundsberg 36 , laut Bibliotheksinventar vom 25. September 1589, eine der damals reichsten, heute leider verschollenen Büchersammlungen, befunden haben musste. 37 Ebenso vermutete schon Theodor Gottlieb, der Bücherschatz Maximilians I. sei auf einem der Schlösser in der Umgebung Innsbrucks, in Wiener Neustadt oder noch anderwärts aufbewahrt worden. 38
Da sich der nachweisliche Sammeleifer Maximilians offensichtlich nicht auf seinen Stolz reduzieren lässt als einer der größten Bücherbesitzer zu gelten und es andererseits schon durch sein umfangreiches „gedechtnus“-Projekt 39 als gesichert gelten kann, dass Maximilian an inhaltlichen Konzepten interessiert war, kommt der These bei der Zusammenstellung des 'Heldenbuchs' habe der Zufall gewaltet kaum Wahrscheinlichkeit zu.
I.1 Das Ambraser Heldenbuch als Programm und Absicht
Folgt man n i c h t der Überlegung M. Wierschins, es handele sich beim 'Ambraser Heldenbuch' um einen Torso, das 'AH' sei eines der vielen unvollendeten Projekte Maximilians I. 40 , es sei also deshalb nicht mehr zu einer einführenden Präambel gekommen, und geht man n i c h t von der Annahme aus, hier habe der Zufall seine Hand im Spiel gehabt, dann drängt sich die Vermutung auf, dass die Texte implizit von Maximilians Absichten und programmatischen Vorstellungen
34 A. Mura, 2008, S.73.
35 A. Mura, 2008, S.72.
36 Georg I. Von Fundsberg hatte die Schlossverwaltung vom 25. September 1500 bis zu seinem Tod am 20. August 1528 inne. A. Mura, 2008, S.74
37 Auf derer Mindelburg in Mindelheim/Schwaben habe es eine Bibliothek mit 616 Handschriften und Inkunabeln gegeben, der Großteil aus der 2. Hälfte des 15. und aus dem 16. Jahrhundert, aber einige davon alt deutsch geschriben , aus dem 14. Jahrhundert, wenn nicht füher. A. Mura, 2008. S.74.
38 Ein Teil der Handschriften die Maximilian I. besaß sei „mit Bestimmtheit“ nicht im Innsbrucker Verzeichnis enthalten. Theodor Gottlieb: „Büchersammlung Kaiser...“,1990, S. 76.
39 Insbesondere 'Freydal', 'Weißkunig', 'Teuerdank', die Riesenholzschnitte 'Triumphzug' und 'Ehrenpforte', sowie sein Grabmal und die Fresken Runkelsteins.
40 M. W. Wierschin erklärt sich das Fehlen dieser programmatischen Elemente damit, es handele sich bei der Textsammlung um einen „Torso“, also einem von vielen Vorhaben, die von Maximilian sowohl im künstlerischen als auch politischen Bereich nicht zu Ende geführt wurden. Denn über die Bedeutung des 'Ambraser Heldenbuches' für Maximilian I gebe es keinen Zweifel. Dieser habe durch ständiges, „ganz persönliches Insistieren“ ja überhaupt erst dafür gesorgt, dass das ''Heldenbuch' in seinem schließlichen Umfang zustande kam. M. W: Wierschin, 2005, S. 102.
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handeln.
Zum einen müsste man dann mit der Möglichkeit rechnen, dass für Maximilian und seine Mitarbeiter am 'AH' die, mit manchen Texten für die Zeitgenossen gegebenen Bezüge so offensichtlich erschienen, dass sie meinten auf eine gesonderte Einführung verzichten zu können. Zum anderen müsste man auch in Betracht ziehen, dass es Maximilian I. und seinen Mitarbeitern in manchen Fällen durchaus auch um Diskretion ging, sie sich nicht in die Karten blicken lassen wollten, sich die eindeutige Absicht der Texte und ihrer Botschaft also nicht unmittelbar erschließen sollte, sondern hinter der gebotenen Mehrdeutigkeit erst durch engagiertes Mitdenken erschlossen werden sollte.
Im letzten der Texte, die in die Sammlung des 'AH' aufgenommen wurden, im 'Priesterkönig Johannes', scheint die implizit gegebene Botschaft, die Maximilian mit der Aufnahme in die Sammelhandschrift geben will, weitgehend deutlich. Das Reich des Priesters Johannes könnte als Vorbild für Maximilians eigene Ambitionen, die Welt als deren weltliches und geistliches Oberhaupt zu beherrschen, gedient haben. Sein Papstplan von 1511 als auch seine Versuche Spanien und Portugal unter seine Herrschaft zu bringen wären hier beweiskräftig. 41 In der Versübersetzung des Briefes vom 'Priesterkönig Johannes' werde die Vorstellung von einem ewigen und globalen Friedensreich entwickelt, so Kurt Gärtner, kein anderer Text des 'A.H' komme den Ideen seines Auftraggebers Maximilian I. so sehr entgegen. 42
Hier soll nun entgegen skeptischer jüngerer Einschätzungen, die Konzeption und Intention des Ambraser Heldenbuchs doch noch klären zu können 43 , durch eine Betrachtung des ersten Textes der Handschrift, der Frauenehre des Sticker, eine Beantwortung der Frage versucht werden, warum Maximilian I. denn überhaupt den Auftrag zum Schreiben des Heldenbuches erteilte und welches die möglichen Motive zur Zeit der Auftragserteilung waren, das 'Heldenbuch' mit einem Fragment der 'Frauenehre' des Stricker beginnen zu lassen.
41 So Klaus Ammann: Kaiser Maximilians erfolgreiches alter ego im Kampf um weltliche und geistliche Macht. Zum Priesterkönig Johannes im Ambraser Heldenbuch, 2008, S. 129.
42 Kurt Gärtner: „Hartmann von Aue im 'Ambraser Heldenbuch'..., 2008, S. 201.
43 „Einige Fragen an das Ambraser Heldenbuch, vor allem zu Konzeption und Intention, werden sich wohl gar nicht mehr klären lassen.“ Martin J. Schubert: „Offene Fragen, 2008, S. 120. Es falle schwer in den Texten des Ambraser Heldenbuchs „ein 'Handschriften-Programm' verwirklicht zu sehen; weder der Gattung noch den Inhalten nach läßt sich eine Einheit konstruieren, und ganze bemühte Suche der bisherigen Forschung nach einem roten Faden scheint mir vergeblicher als bei vielen anderen Mischhandschriften, denen ebenfalls kein thematischer Sinn zur Zusammenstellung zu entnehmen ist. Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, daß das Ambraser 'Helden'-Buch eher einem vielseitigen Antiquitäten-Laden gleicht als einer mit Liebe gehegten Spezial-Sammlung.“ Ulrich Seelbach: „Späthöfische Literatur...“, 1987, S. 108.
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Vor der Analyse und Deutung des Frauenehre-Fragments noch einige notwendige Anmerkungen zum Handschriften-Horizont, der dem 'Ambraser Heldenbuch' vorgelagert war und zur möglichen pragmatischen Funktion der Prachthandschrift.
II Eine Handschrift im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit
Dass Maximilian I. die alten und neuen Medien virtuos und unglaublich vielfältig zu nutzen verstand 44 , wird in der Forschung immer wieder hervorgehoben. 45 So datiert der früheste bekannte Druck politischer Propaganda Maximilians I. schon auf das Jahr 1478. 46 Da Maximilian sein Ruhmeswerk 47 „nahezu ausnahmslos zur Reproduktion“ bestimmt 48 , drängt sich die Frage auf, warum lässt er das 'Heldenbuch' nicht ebenfalls als Druck realisieren? 49 Zumal 'Heldenbücher' bereits vor 1500 als Druck vorliegen. 50 Weshalb eine Handschrift im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von Kunstwerken? 51 Unter den literaturpolitischen Projekten Maximilians dürfte der 'Theuerdank' am ehesten mit dem 'Ambraser Heldenbuch' vergleichbar sein. Nicht nur, weil
44 Dieter Mertens: „Mittelalterbilder ...“,1992, S.38
45 Stephan Füssel bezeichnet Maximilian I. als den ersten Herrscher der Neuzeit, der bewusst und zielgerichtet die neuen Möglichkeiten des Buchdrucks, aber auch die „alten“ Medien der mündlichen Rede, der bildenden Kunst, des Volkslieds etc. zum eigenen Herrschaftserhalt und zur Vermehrung des Ansehens seines Hauses Habsburg eingesetzt habe. Stephan Füssel: “Der Theuerdank...“, 2003, S. 7.
46 Ein allgemeines „Ausschreiben“ mit der Aufforderung Söldner für einen Kriegszug gegen König Ludwig XI. Zu stellen, das mit dem 18. Januar 1478 in Antwerpen datiert ist. S. Füssel, 2003, S. 22.
47 Jan Dirk Müller:versteht unter Ruhmeswerk insbesondere den 'Freydal' (zum Roman stilisiertes Turnierbuch), den 'Theuerdank' (eine Verbindung aus Autobiographie, Abenteuerroman und Allegorie), den 'Weißkunig' (Geschichte des Hauses Habsburg, romanhaft und verschlüsselt), sowie die Holzschnitte 'Triumphzug' und 'Ehrenpforte'. J.D. Müller: „Gedechtnus..“, 1982, v
48 J. D. Müller, 1982, S. 268.
49 So weist auch Martin Schubert jüngst darauf hin, dass sich bei den von Maximilian betreuten Werken meist eine „zwiefältige Publikationsstrategie“ beobachten lasse: Das prächtige Einzel-Exemplar stehe der - wenn auch kleinen - Serie, der medialen Vervielfältigung durch Druck oder Holzschnitt gegenüber, so z.B. im Falle von Ehrenpforte und Triumphzug. Nur beim Ambraser Heldenbuch sei dies anders, hier fehle die breitere Publikation, es liege nur das kaiserliche Prachtexemplar vor. Ein zur Verbreitung drängendes Sendungsbewusstsein sei hier nicht festzustellen. M. Schubert: „Funktionen...“,2009, S. 281.
50 So ein nach hervorragenden Holzschnitten reich illustriertes Heldenbuch von 1479, das von Johann Prüß dem Älteren in Straßburg hergestellt wurde (Joachim Heinzle, „Dietrichepik...“, 1999, S. 44) und ein von Hans Schönsberger 1491 gedrucktes Heldenbuch in Augsburg.
51 Martin J. Schubert: „Offene Fragen...“, 2008, S. 119. „Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass das Ziel des Heldenbuchprojekts nur dieses eine Exemplar war.“ Martin Schubert vermutet ein privates, primär literarisches Interesse könne der Grund gewesen sein. „Das Entstehen nur eines einzigen Exemplars, ohne die Option auf eine gezielte Verbreitung, könnte so verstanden werden, dass das Werk gerade nicht in den öffentlichen historischen Legitimierungsdiskurs eingebunden sein sollte, sondern in der Tat auf die - wenn auch historisch ausgerichtete - private Betrachtung des Kaisers zielte. Wenn aber dieses Buch nicht im Gedechtnus-Werk funktionalisiert wurde, dann äußert sich hier vielmehr ein wahrhaft literarhistorisches Interesse, dessen professionelle Anwendung in der Textauswahl erkennbar ist. Dem Kaiser sollte eingeräumt werden, neben sekundären Interessen hier auch ein primär literarisches Interesse verfolgt zu haben. M. Schubert, 2009, S. 284.
Arbeit zitieren:
Horst Haub, 2010, Ambraser Heldenbuch und Kaiser Maximilian I., München, GRIN Verlag GmbH
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