Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Hauptteil
1. Strukturelle Erfordernisse der Toleranzpolitik
1.2. Österreichs innenpolitis.
2. Kaiser Josephs II. persönliche Beweggründe für die Toleranzpolitik
2.1. Ausbildung, Lehrer, Einflüsse.
2.2. Josephs Staatsziele im Verhältnis zu
3. Das Toleranzpatent von 1781
III.Schluss
Fazit 17
IV. Literatur- und Quellenverzeichnis18
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Einleitung
Heute wird das 18. Jahrhundert in der Forschung meistens, in dem die Forderung nach Toleranz eine primäre Rolle spielte,
definiert. 1 Gerade in den bi- oder mehrkonfessionellen Staaten, wie Österreich musste die Forderung nach religiöser Toleranz eine entscheidende Rolle für das Staatsverständnis und Überleben der Dynastie spielen. Denn der Westfälische Friede von 1648 und die damit verbundene gegenseitige Anerkennung von katholischem-tridentinischen und reformierten Glauben, brachte für die Kronländer des Hauses Habsburg keine religiöse Entspannung. 2 In den habsburgischen Erblanden existierten weiterhin, starke religiöse Minderheiten, die im gesellschaftlichen Leben stark benachteiligt waren, wie den Juden in Österreich, den Lutheranern und Kalvinisten in Böhmen und Ungarn, sowie den orthodoxen Christen in Siebenbürgen und im Banat. Der Vielvölkerstaat war Mitte des 18. Jahrhunderts ein durch die katholische Barockfrömmigkeit im aufklärerisch-innovativen Sinne erstarrtes Gebilde, 3 das zugleich, durch die schlechte außen- und innenpolitische Lage mit starken politischen und religiösen Zerreißkräften konfrontiert wurde. Denn zusammengehalten wurde dieses Riesenreich allein durch die Personalunion der habsburgischen Dynastie, die über Jahrhunderte hinweg den Schutz des Katholizismus zu ihrem politischen Programm machte, und der wirtschaftlichen Pulsader des Landes: die Donau. 4 Der gegenreformatorischtridentinische Katholizismus mit seinen machtvollen Institutionen wie dem Jesuitenorden war der wesentliche Garant zur Gewährleistung der gesellschaftlichen Wohlfahrt, Sittenlehre und Bildung. Doch zugleich waren die ausgedehnten Besitzungen der Kirchenorden, der Hochstifte und Bruderschaften, ein wirtschaftlicher und politischer Hemmfaktor, für den im 17. und 18. Jahrhundert, in Europa zunehmenden Staatsbildungsprozess und der damit einhergehenden Säkularisierung und Effizienzsteigerung. 5 Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass es für das Haus Habsburg überlebenswichtig war, die religiösen und damit politischen Probleme durch eine neuartige Toleranzpolitik zu lösen. Doch warum fand diese religiös-politische Wende erst so spät im 18. Jahrhundert statt, während Preußen, England und
1 Stollberg-Rilinger, Barbara, Europa im Jahrhundert der Aufklärung, Stuttgart 2000, S. 97. ; Karniel, Joseph,
Die Toleranzpolitik Kaiser Josephs II., Gerlingen 1985, S. 33. ; Schneiders, Werner, Das Zeitalter der
Aufklärung, München 2008, 7-12.
2 Karniel, Joseph, Die Toleranzpolitik Kaiser Josephs II., S. 48-52.
3 Ebd., S. 39.
4 Duchhardt, Heinz, Europa am Vorabend der Moderne 1650-1800, Stuttgart 2003, S. 249-266 ; Fejtö, François,
Joseph II. Portrait eines aufgeklärten Despoten, München 1987, S. 170.
5 Duchhardt, Heinz, Europa am Vorabend der Moderne 1650-1800, S. 50-62 ; Demel, Walter, Europäische
Geschichte des 18. Jahrhunderts, Stuttgart 2000, S. 187-195 ; Duchhardt, Heinz, Barock und Aufklärung,
München 2007 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 11), S. 40-61.
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die Niederlande schon längst tolerante Politik, im weiteren Sinne betrieben? Was waren die strukturellen Bedingungen, die Effizienzsteigerung durch religiöse Toleranz erforderlich machten? Zu klären ist v.a. auch
Kaiser Joseph II. mit der österreichischen Toleranzpolitik verbunden wurden und werden. Um die Ursachen und die Bedeutung der österreichischen Kehrtwende richtig zu ergründen, müssen damit auch die persönlichen Beweggründe des Kaisers veranschaulicht werden und damit besonders auf seine Ausbildung, intellektuellen Einflüsse und Vorbilder Rücksicht genommen werden. Hinzu kommt, dass man sich seine zeitgenössischen politischen Staatsziele im Verhältnis zur Kirche vor Augen führen muss. Die strukturellen und persönlichen Gründe für die Entstehung und Bedeutung der österreichischen Toleranzpolitik möchte ich daher einzeln betrachten. Ein dritter Schritt soll anhand eines berühmten Beispiels zeigen, wie scheinbar rein religiöse Toleranz, die Staatseffizienz verändern konnte. Als Beispiel wähle ich das berühmte Toleranzpatent von 1781.
Zusammenfassend gesagt, wird es also in dieser Arbeit zu zeigen sein, wodurch in Österreich zwischen1765 und 1790 eine, in dieser Form und Radikalität noch nie dagewesene, Toleranzpolitik nötig und möglich wurde und was ihre primären Ziele sein sollte. Die Untersuchung wird sich daher in die drei Schritte gliedern: Strukturelle äußere- und innere Einflüsse, persönliche Beweggründe Kaiser Josephs II. und der Beweis des Analysierten anhand einer konkreter Maßnahme.
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1. Strukturelle Erfordernisse der Toleranzpolitik 1.1. Österreichs außenpolitische Situation
Als Joseph II. im Jahr 1765 deutscher Kaiser wurde, befinden sich die Habsburgerländer in einer schwierigen Position. Schon nach dem Frieden von Utrecht 1713, als Österreich durch die Annexion der Südlichen Niederlande in direkte Nachbarschaft mit den innovativenprotestantischen Staaten England und den Niederlanden kam, hatte man die Möglichkeit die Effizienz der Staatswirtschaft und Verwaltung direkt miteinander zu vergleichen. 6 Die fatale Lage und Ineffizienz der österreichischen Länder, zeigte sich dann plötzlich in den katastrophalen Niederlagen im Österreichischen Erbfolgekrieg und den Schlesischen Kriegen. 7 Das demographisch und territorial um ein vielfaches kleinere Preußen zeigte sich über Jahre hinweg dem riesigen Österreich ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen und konnte somit erfolgreich das reiche Schlesien für sich beanspruchen. Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. ( der Große ) von Preußen schafften es, durch eine tolerante und äußerst effiziente Verwaltung, die preußischen Minderheitenprobleme zu lösen und einen Verwaltungs- und Armeeapparat aufzubauen, der in dieser Perfektion in ganz Europa seinesgleichen suchte. 8 Trotz früher Reformen im Militärbereich und in der Finanzverwaltung 1748/49, durch die Kaiserin Maria Theresia, 9 erwies sich Preußen im Siebenjährigen Krieg 1756-1763, erneut als ebenbürtig. So musste man in Wien zwangsweise auf die Frage kommen: Warum war die staatliche Effizienz der protestantischen Länder und insbesondere Preußens, denen der katholischen Länder bzw. Österreichs überlegen? 10 Hier musste man schon bald zu der Erkenntnis kommen, dass die protestantischen Länder es durch eine rigorose Toleranzpolitik besser verstanden, die eigenen Minderheiten an sich zu binden und zu guten und damit effizienten Bürgern zu machen. 11 Gerade Preußen verstand es, sich als dessen Anziehungskraft jede benachteiligte Minderheit in
6 Karniel, Joseph, Die Toleranzpolitik Kaiser Josephs II., S. 41.
7 Reinalter, Helmut, Josephinismus als Aufgeklärter Absolutismus ein Forschungsproblem? Gesellschaftlicher
Strukturwandel und theresianisch-josephinische Reformen, in: Wolfgang Schmale/ Renate Zedinger/ Jean
Mondot (Hg.), Josephinismus eine Bilanz. Échecs et réussites du Joséphisme (=Jahrbuch der österreichischen
Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts 22 (2007)), S.19. ; Gnant, Christoph, Der Josephinismus und Renate Zedinger/ Jean Mondot (Hg.), Josephinismus eine Bilanz. Échecs et réussites du Joséphisme
(=Jahrbuch der österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts 22 (2007)), S. 38.
8 Karniel, Joseph, Die Toleranzpolitik Kaiser Josephs II., S. 39ff. ; Möller, Horst, Fürstenstaat oder
Bürgernation. Deutschland 1763-1815, Berlin 1998, S. 14-43.
9 Beales, Derek, Joseph II. und der Josephinismus, in: Helmut Reinalter/ Harm Klueting (Hg.), Der aufgeklärte
Absolutismus im europäischen Vergleich, Wien 2002, S. 36.
10 Gnant, Christoph, Der Josephinismus und das Heilige Römische Reich, S. 39. ; Demel, Walter, Europäische Geschichte des 18. Jahrhunderts, Stuttgart 2000, S. 241-259.
11 Duchhardt, Heinz, Europa am Vorabend der Moderne 1650-1800, Stuttgart 2003, S. 270-278.
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Arbeit zitieren:
Tim Altpeter, 2009, Von der Entstehung und Bedeutung der religiösen Toleranz im Hinblick auf die Effizienz des absolutistischen Staates am Beispiel des Josephinismus 1765-1790, München, GRIN Verlag GmbH
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