1. Politische und religiöse Aspekte auf dem Weg in den Krieg
a) Religiöse Aspekte als mögliche Kriegsursache
Der Krieg zwischen Böhmen und dem Kaiser, zwischen Protestanten und Katholiken war das Ergebnis einer langen Kette von Streitigkeiten und Ereignissen, die sich über die Jahre hinweg zwischen den beiden rivalisierenden Parteien immer mehr zuspitzten. Die Frage nach den Ursachen lässt sich nicht auf rein politische oder rein religiöse Ereignisse beschränken. Vielmehr ist der Krieg Folge des Einhergehens von politischen und religiösen Gegensätzen, die im Folgenden jedoch zu trennen versucht werden.
Religion galt zunächst einmal als stärkste Legitimationsbasis für den universellen Herrschaftsanspruch, sowohl auf der katholischen Seite (Spanien, Österreich), als auch auf der protestantischen Seite (Böhmen, Schweden). Die Leute zu dieser Zeit waren sehr gläubig und folglich auch leichter manipulierbar. Viele Dinge wurden im „Namen Gottes“ durchgeführt. Die Religion war von jeher ein sehr effektives Mobilisierungsmittel für das Volk. Die Führungsspitze nutzte geschickt den Gegensatz religiöser Parteien, um die Menschen dazu zu bewegen, sich politisch zu engagieren. In diesem Fall sind es die in die Defensive getriebenen Protestanten, die sich energisch gegen die Vormachtstellung des Katholizismus zu Wehr setzen. „Der Streit zwischen den Konfessionen ging vor allem um die Frage der Geltung des geistlichen Vorbehalts, außerdem aber um das Reformationsrecht der Reichsstände und um das der evangelischen Obrigkeiten am territorialen Kirchengut.“ 1 „Über die Forderung der Protestanten zur Bestätigung des Religionsfriedens und die katholische Gegenforderung nach Herausgabe der seit 1555 säkularisierten Bistümer und Klöster kam es auf dem Reichstag zu Regensburg 1608 zum Bruch zwischen beiden Seiten. Ungeachtet eines Vermittlungsversuchs der Kaiserlichen, die auch nach der Beendigung des Türkenkrieges 1606 weitere Reichsteuern begehrten, verließ eine Anzahl evangelischer Stände unter Führung von Kurpfalz den
1 Martin Vogt, Die Zeit der Glaubenskämpfe - Reich und Territorien bis zum Dreißigjährigen Krieg, in Martin Vogt (Hg), Deutsche Geschichte, Von den Anfängen bis zur Gegenwart (2. Auflage 2003), (197)
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Reichstag, der ohne Reichsabschied auseinander ging.“ 2 Die darauf hin gegründeten Parteien der Union und der Liga waren nichts anderes als konfessionell- politische Bündnisse. Die Union, unter Vorsitz von Friedrich V. von der Pfalz, war 1608 der Zusammenschluss mehrerer protestantischer Reichsstände. Unter anderem gehörten Ansbach-Bayreuth, Württemberg, Hessen-Kassel, Pfalz-Neuburg und Berg dazu. „Ziel war der gemeinsame Schutz vor Angriff und die Bewahrung ihrer Rechte als Reichstände. Brandenburg schloss sich später an. Als Gegenbund zu Wahrung des Landfriedens und Verteidigung der katholischen Religion entstand im Sommer 1609 unter Führung Bayerns die (katholische) Liga, der sich die meisten Fürstbistümer und andere kath. Reichsstände anschlossen.“ 3 Sie waren das erste Ergebnis der Gegenreformation im Reich, welche den Augsburger Religionsfrieden von 1555 in Frage stellte. „Der dort formulierte Grundsatz cuius regio eius religio erlaubte es jedem Territorialfürsten, den von ihm favorisierten Glauben in seinem Gebiet durchzusetzen, notfalls mit Gewalt. Ob katholisch, lutherisch oder calvinistischjedem Fürsten taugte dieser Grundsatz als Vehikel, seine Herrschaft durchzusetzen [...] .“ 4 Im Jahre 1609 nahm der Religionsstreit eine überraschende Wende. Der schon senile Kaiser Rudolf gewährt den böhmischen Ständen den sogenannten „Majestätsbrief“, welcher ihnen Glaubensfreiheit und das Recht auf Königswahl sichert. Nach der Entmachtung Rudolfs durch dessen Bruder Matthias und die böhmischen Stände, versichert Matthias die Einhaltung des Briefes. Aber bereits nach kurzer Zeit begeht er schwere Verletzungen der Religionsfreiheit. Protestanten werden in den katholischen Gottesdienst gezwungen und entfremdetes Kirchengut muss zurückgegeben werden. Außerdem wurde das Drucken von protestantischen Büchern durch scharfe Zensur stark behindert oder ganz verboten. Und Da die Statthalter meist katholisch waren, halfen auch die Beschwerden der Protestanten nichts. Somit entstand natürlich der Eindruck, Matthias fördere mit aller Kraft die Gegenreformation. Dadurch wuchs unter den Adeligen die Bereitschaft zur Rebellion. Die in Landesständen zusammengeschlossenen böhmischen Stände
2 Martin Vogt, Die Zeit der Glaubenskämpfe - Reich und Territorien bis zum Dreißigjährigen Krieg, in Martin Vogt (Hg), Deutsche Geschichte, Von den Anfängen bis zur Gegenwart (2. Auflage 2003), (198) 3 Glauben und Macht, Johann Michel Sailer Verlag GmbH (Hg), in : Geschichte , Das große Morden. Der Dreißigjährige Krieg, (Ausgabe 6/2002) (24)
4 Glauben und Macht, Johann Michel Sailer Verlag GmbH (Hg), in : Geschichte , Das große Morden. Der Dreißigjährige Krieg, (Ausgabe 6/2002) (23)
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pochten auf ihr Recht mitzubestimmen. Der Konflikt zwischen dem Landesherrn und dem alten Adel spitzte sich zu. Das Fass begann überzulaufen, als im Jahre 1617 böhmische Protestanten auf einem Grundstück der katholischen Kirche eine evangelische Kirche bauten. Mit gerichtlichen Schritten versuchten die Katholiken, die Kirche wieder abreißen zu lassen. Der Streit zog sich hin, landete erst vor Gericht und endete schließlich in einer großen Aktion. Die evangelischen Stände riefen zu einer Protestversammlung in Prag auf. Obwohl der Kaiser die Versammlung verboten hatte, hielten sich die Stände nicht daran. Sie erhoben sich gegen ihren König und den Kaiser, um ihr Recht auf Religionsfreiheit, dass ihnen mit dem Majestätsbrief zweifelsohne zugesichert wurde, durchzusetzen. Es kam zum Prager Fenstersturz (siehe unten).
b) Politische Aspekte als mögliche Kriegsursache
Was spricht gegen einen Religionskrieg? Hatten die Parteien auch politisches Interesse? Ging es um Religion oder Machtzuwachs. Zweifelsohne drängten sich im Verlauf des 17. Jahrhunderts die politischen Aspekte mehr und mehr in den Vordergrund.
Schon vor dem Krieg ging es um die Behauptung der ständischen Libertäten gegenüber absolutistischen Ansprüchen, am eindeutigsten im Fall Böhmens und der Niederlande, die wieder der Habsburger Monarchie unterworfen werden sollten, aber auch um das Verhältnis von Kaiser und Reichsständen. Habsburg bzw. Spanien konnten auf die Einnahmen aus Böhmen und den Niederlanden nicht verzichten, und Schweden suchte mit der politischen Expansion im Ostseeraum vor allem seine ökonomischen Probleme zu lösen. Seit den Türkenkriegen (1593 - 1606) zeigte sich der nördliche Teil von Ungarn (unter habsburgischer Herrschaft) als ständiger Unruheherd. Die Stände dort erhielten von den Magnaten mehr ständische und konfessionelle Freiheit, was die Stände schnell mit den Türken sympathisieren ließ. „Innerhalb der deutschen und böhmischen Länder meldeten die in starken Landesverbänden zusammengeschlossenen Stände laut und vernehmlich Ansprüche auf Mitregierung an. Die Konflikte zwischen dem Landesherrn und dem eingesessenen Adel verschärften sich durch den konfessionellen, besonders in
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Arbeit zitieren:
joachim schwarz, 2008, Böhmen, der Prager Fenstersturz und der Winterkönig, München, GRIN Verlag GmbH
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