1. Einleitung 3
2. Chamfort in der moralistischen Tradition 4
3. Seine Merkmale: Ernüchterung und Satire gegen die Privilegierten 4
4. Chamforts Anekdoten. Sein Leben in Paris 6
5. Wieso sein Hang zur Einsamkeit? 7
6. Ein Verweigerer der gesellschaftlichen Heuchelei 8
7. Neue Aufgabe der Moralisten: Vorreiter eines besseren Systems 9
8. Kampf dem Ancien régime 11
9. Chamforts Opposition in der Revolutionszeit. Tod 12
10. Seine Bedeutung für die Nachwelt 14
11. Nachwort 16
12. Literaturverzeichnis 17
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1. Einleitung
In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Leben und Werk Nicolas Chamforts, des großen - aber eher unbekannten - französischen Moralisten, der vielleicht in Deutschland völlig in Vergessenheit geraten sein würde, wenn Fritz Schalk ihn nicht in seinem Werk „Die französischen Moralisten“, Bd. 1, 4. Aufl. Bremen 1962 aufgenommen hätte. Chamfort war kein Freund großer Auftritte, deshalb verschwand er auch relativ schnell aus dem Gedächtnis seiner Mitmenschen. Für die Nachwelt war es dann auch besonders schwierig, seine Erinnerung wach zu halten.
Auch bei der Übersetzung seiner Schriften ergeben sich Schwierigkeiten, die nicht so leicht zu beseitigen sind, wenn man bedenkt, dass die Aufgabe eines Übersetzers nicht nur daran liegt, etwas so zu übersetzen, dass es der Leser versteht, sondern auch dem Text treu zu bleiben. Man muss schließlich den Sprachrhythmus berücksichtigen und darauf achten, dass bestimmte Vorstellungen, die im Originaltext vorhanden waren, in der Übersetzung nicht verloren gehen. Ganz klar eine Sisyphusarbeit! Jedoch lohnt sich in diesem Fall ein derartiger Aufwand, denn Chamfort ist einer der wichtigsten Gestalten der Französischen Revolution und gleichzeitig jemand, der mit seinen Aphorismen hilft, dass die Menschen ein Zusammenleben frei von Betrug und Verstellung führen gemäß den Idealen Erich Fromms oder Martin Bubers. Mit seiner Aufopferung macht er die Menschen schon zu den Zeiten Robespierres und seiner Terrorherrschaft darauf aufmerksam, dass die Freiheit ein unvergängliches Gut ist, was niemals durch irgendwelche materielle Werte ersetzt werden kann. Ich hoffe nur, dass es mir gelingt, Chamfort als Person sowie die Thematik seiner Schriften näher zu beleuchten.
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2. Chamfort in der moralistischen Tradition
Aufgrund seiner Besonderheiten ist Nicolas Chamfort eine durchaus eigentümliche Figur aus der Reihe der Moralisten, also der Schriftsteller, die als Philosophen und Psychologen das Verhalten des Menschen, seine Tugenden, Laster, die Entstehungsbedingungen seines Handelns sowie die Wechselwirkung Individuum - Gesellschaft untersucht, analysiert und vieles daran kritisiert haben. Der Moralismus leitet sich von einer Tradition ab, die in dieser Form fast nur in Frankreich zu finden war, was sicherlich nicht bedeutet, dass andere Länder keine moralistischen Vertreter hatten: Namen wie Lichtenberg, Klinger, Nietzsche, Guicciardini, Leopardi oder Gracian sind Beweise für die Verbreitung der moralistischen Tendenzen auch in anderen Ländern.
Eine große Bedeutung erlangt bei dieser Tradition neben dem Essay der Aphorismus meistens in der Form einer kurzen Feststellung ironischen Charakters, oft witzig, sarkastisch und entlarvend, welcher als Verhaltensanweisung dienen soll. Chamfort, dieser Symbol zweier Welten, die zu seinen Lebzeiten aufeinander stoßen und in der Jakobinerdiktatur enden, beherrscht diese Reflexionsform in einmaliger Weise. Die Gegensätze, die in ihm und seinen Schriften toben, spiegeln sich in der damaligen sozialen Lage des vorrevolutionären Frankreichs wieder. Chamfort, der Freund und Berater Mirabeaus, für den er mehrere Reden geschrieben hat, und Mitbegründer des Jakobinerklubs, ist einer der wichtigsten und interessantesten Gestalten der Französischen Revolution. Die Schriften, unter denen ihn vor allem die Maximes et Pensées, Caractères et Anecdotes bekannt gemacht haben, erscheinen unvollständig allerdings erst nach seinem Tode und nach dem Sturz Robespierres 1795. 1 In seinem Werk geht Chamfort auf die Fehler und Missetaten seiner Epoche ein. Er vernachlässigt nicht auch diejenigen, die zu solchen misslichen Zuständen führten. Sein Stil ist ironisch, steigert sich geradezu zum Sarkasmus. Der Sarkasmus findet sich auch in einem Teil seines Manuskriptes wieder, den Chamfort Produits de la civilisation perfectioné 2 nach Rousseau genannt hatte.
3. Seine Merkmale: Ernüchterung und Satire gegen die Privilegierten
Unter den Moralisten ist Chamfort derjenige, der seine Feststellungen nicht zu verallgemeinern versucht, sondern das persönliche Subjekt behält. An die Stelle des üblichen
1 WUTHENOW, Ralph-Rainer (Übersetzung und Nachwort), Nicolas Chamfort. Früchte der vollendeten
Zivilisation. Stuttgart 1977, S. 143.
2 ESSWEIN, Hermann, Nicolas Chamfort. Aphorismen und Anekdoten. München 1906, S. XI.
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„man hat“, „man weiß“, „man hat erfahren“ setzt er „ich habe gesehen“ oder „ich habe gehört“. Wie Hermann Esswein es so treffend ausdrückt, „er denkt, er urteilt, aber „es denkt“ nicht „in ihm““. 3 Chamfort benutzt keine großen Worte. Auf der Basis seiner Erfahrungen schreibt er seine Maximen nieder, die ein hohes Maß an Ernüchterung aufweisen, was noch lange nicht bedeutet, dass er gefühllos wird, auch wenn er an Stärke gewinnt: „Die ersten Gegenstände schmerzlicher Erfahrung wurden mir zum Panzer für die folgenden.“ 4
Wer also bei ihm einen belehrenden Stil, klangvolle Sätze, eindruckschillernde Leidenschaft und abwechslungsreiche Beispiele sucht, wird bald feststellen, dass dies nicht die Eigenschaften sind, die Chamfort ausmachen. Vielmehr charakterisieren ihn Strenge, Witz und Nachdrücklichkeit, die sich in knappen Worten ausdrücken. Chamfort versucht nicht, sein Gegenüber zu überreden, er berichtet immer über eine Erfahrung und zieht dann die Schlussfolgerung daraus.
Insbesondere bei den Dialogen und Vorgängen, die er als Anekdoten beschrieben hat, fällt Desillusionierung und Sarkasmus auf, welche dem Leser den Schmerz deutlich machen, die Chamfort im Anblick der politischen und sozialen Zustände fühlt. Sein Werk enthält keinerlei philosophische Komplexität, sondern dient zur Darstellung der moralischen realen Welt. Er sagt vieles mit wenig Worten.
Aber werfen wir einen Blick auf seinen Lebensdaten: Chamfort wurde im Jahre 1740 bei Clermont in der Auvergne als unehelicher Sohn eines Geistlichen geboren. 5 Er wurde im Collège des Graffins erzogen, wo sein witzvolles Wesen schon früh auffiel. Das Collège verließ er als Abbé, hatte aber nicht vor, diese Würde anzunehmen. Durch die Armut war Chamfort gezwungen, Hauslehrer zu werden, zuerst 1761 beim Grafen Eyk in Köln, später in Paris. 6 Er verzichtete jedoch auch auf diesen Beruf, um Schriftsteller zu werden. In seiner Prosa ist eine Wendung gegen die privilegierten Stände auffallend, die sich auch als Kritik an der sozialen Ordnung zeigt. Entschiedener formuliert er nun, was andere Verfasser, wie La Bruyère, bescheidener niedergeschrieben hatten. „Wenn das Leben erbärmlich ist, so ist es bitter zu ertragen; wenn es glücklich ist, so ist es schrecklich, es zu verlieren. Eins läuft aufs andre hinaus.“ Daraus macht Chamfort ein Bekenntnis gegen die Gesellschaft, in welchem sein Stolz und Liebe zur Freiheit sich wiederfindet. Dabei geht er auch auf den Selbstmord ein, der von der Kirche als unchristlich bezeichnet und mit dem Bann belegt wird:
3 Ebd., S. VIII.
4 WUTHENOW, Ralph-Rainer, Der Moralist der Französischen Revolution: Nicolas Chamfort. München 1984,
S. 186.
5 ESSWEIN, Aphorismen und Anekdoten, S.XIII.
6 Ebd., S. XVf.
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Arbeit zitieren:
Visar Nonaj, 2010, Leben und Werk von Nicolas Chamfort, München, GRIN Verlag GmbH
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