Inhalt
1 Einleitung 3
2 Kulturpolitik
2.1 Denkmalpflege 4
2.2 Kulturförderung und Kulturfinanzierung 5
3 Kulturmanagement 6
4 Die italienische Museenlandschaft 7
5 Managementpraktiken 8
5.1 Angebote 8
5.2 Strategisches Management 9
5.3 Finanzierung 10
5.4 Kommunikation und Qualifikation 11
6 Schlussbetrachtung 12
7 Quellen 13
1 Einleitung
Die Kunst ist die wahrscheinlich authentischste Ressource auf italienischem Boden. 1 Wären alle daraus ableitbaren Implikationen ebenso offenkundig und dem praktischen Handeln zugrunde gelegt, könnte man von der Betonung dieser doch recht allgemein bekannten Tatsache absehen. In der Tat hat das Land, dessen Besuch in den vergangenen Jahrhunderten als fester Bestandteil des Bildungskanons galt, seine unumstrittene Monopolstellung eingebüßt. Diese Entwicklung ist durchaus erfreulich, weil sie nicht allein der gestiegenen Mobilität zu verdanken ist, sondern veranschaulicht, wie erfolgreich das Bestreben im restlichen Europa war, kulturelle Zentren aufzuwerten. Als nicht schuldlos erweist sich allerdings auch das Unvermögen, das vorhandene kulturelle Erbe in Italien genügend geschützt, in den Mittelpunkt gestellt und ausgeschöpft sowie neue Attraktionen in ausreichender Menge geschaffen zu haben. Auch wenn die Denkmalpflege einen immensen künstlerischen, technischen und vor allem finanziellen Aufwand in sich birgt, reicht sie nicht mehr aus, um die Bedeutung und das Potenzial des Kulturstandorts im vollen Umfang zu nutzen. Um nach wie vor stilbildend zu wirken, müssen Einrichtungen, wie etwa die Museen, neue Spielräume schaffen, damit über die Präsentation altbewährter Objekte hinaus auch neuere Werke ausgestellt und aufstrebende Künstler gefördert werden können. Einigung herrscht bei der Forderung nach Erhalt und steigender Wertschöpfung kultureller Hervorbringungen. Differenzen zeigen sich dagegen sofort bei der Frage nach der Umsetzung der Ziele. Nicht selten wird die Unversehrtheit des kulturellen Reichtums missachtet, weil Einzelinteressen überwiegen.
Eine in diesem Zusammenhang vieldiskutierte Methode ist die des strategischen Managements, die als Gelegenheit betrachtet wird, die Abhängigkeit von einer kontinuierlich schrumpfenden staatlichen Unterstützung zu verringern. 2 Mit ihr werden u.a. die Erschließung finanzieller Mittel, Beschäftigung geeigneter Mitarbeiter, der Einsatz neuer Technologien und ein gutes Reaktionsvermögen im Hinblick auf aktuelle Markterfordernisse assoziiert. Ziel der vorliegenden Arbeit ist, nach Nennung grundlegender Informationen und Voraussetzungen zum italienischen Museumswesen, die Darstellung eines effizienten Marketings. Mithilfe der italienischen Literatur zum Kulturmanagement soll schließlich geklärt werden, inwieweit es sich durchgesetzt hat und die mit ihm verbundenen Erwartungen erfüllt werden konnten.
1 Einige Autoren schrecken nicht zurück, die vorhandenen Kunstwerke numerisch zu erfassen. So soll sich zwischen 60% und 95% des gesamten Kulturguts - was auch immer sich hinter dieser Vokabel verbirgt - in Italien befinden; vgl. Kerbaker, S. 7.
2 Vgl. Paoli, S. 11.
3
2 Kulturpolitik
2.1 Denkmalpflege
Der junge italienische Nationalstaat nahm sich erst spät wirksam der Erhaltung und Pflege seiner kulturellen Stätten und Hervorbringungen an. Erst nach knapp vierzig Jahren wurde in dem Gesetz 364 vom 20. Juni 1909 (legge Rosadi) die schon in den einzelnen italienischen Staaten formulierte Unveräußerlichkeit des staatlichen Kulturbesitzes für ganz Italien festgelegt und der Status des öffentlichen Eigentums betont. Auf diese stützt sich das Gesetz 1089 vom 1. Juni 1939 (legge Bottai). Mit diesem während des faschistischen Regimes beschlossenen Gesetz begann die Katalogisierung der vorhandenen Kulturgüter nach Auswahl bestimmter Kategorien, eine Rechtsnorm, die erst 1999 bearbeitet wurde, wobei die Modifikationen eher einer erneuten Zusammenstellung als einer Reform gleichkommen. 3
Durch die Verfassung von 1948 gewann die Denkmalpflege zusätzlich an Bedeutung. Der Artikel 9, in dem es heißt, dass „la Repubblica tutela il paesaggio e il patrimonio storico-artistico della nazione“, stellt eine Besonderheit dar, zumal es bislang nur drei weitere europäische Staaten (Spanien, Portugal, Malta) gibt, die die Pflicht der Denkmalpflege als eines der zentralen Aufgaben des Staates festschreiben. 4
Dennoch wurde erst Ende des Jahres 1974 mit dem Ministero per i Beni Ambientali e Culturali ein eigenständiges Ministerium gegründet, das die kulturellen Angelegenheiten verstärkt in die Wahrnehmung des politischen Geschehens rückte. 5 Bis dahin hatte es vielfach Spekulationen auf Kosten einer authentischen und unversehrten Landschaft und historischer Stätten gegeben und sich ein ungezwungener Handel mit Antiquitäten breit gemacht; die wenigsten Museen waren mit Alarmanlagen oder einem Brandschutzsystem ausgestattet, ein Drittel aller Einrichtungen waren aufgrund fehlenden Wachpersonals geschlossen. Mit Giovanni Spadolini, der betonte, dass „chiudere i musei e come chiudere la scuola“ 6 , war eine ambitionierte Führung gefunden. Viele Absichtserklärungen zugunsten des kulturellen Erbes konnten allerdings in der Praxis nicht umgesetzt werden. Gerade unter der vierten Regierung Berlusconi werden mehr als zuvor der Stellenwert der Patrimonialgüter und unantastbar geglaubte Prinzipien wie das der Kulturgüter als res extra commercium in Frage gestellt. 7
3 Vgl. Masi, S. 57.
4 Vgl. Settis, S. 105f.
5 Es fasste die Aufgaben zusammen, die sich zuvor das Ministero della Pubblica Istruzione, das Ministero degli Interni und die Presidenza del Consiglio dei Ministri geteilt hatten. Schon in dem Namen der Behörde drückt sich die gestiegene Wertschätzung aus: Man wählte per und nicht dei, um die Arbeit sichtbar in den Dienst der Gemeinschaft und seiner Güter zu stellen; vgl. Ceccuti, S. 97, ferner Emiliani, S. 23.
6 Spadolini zitiert nach Ceccuti, S. 94.
7 Zur gegenwärtigen Kulturpolitik vgl. http://www.sueddeutsche.de/kultur/955/304927/text/ (25.08.2008).
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Arbeit zitieren:
2009, Museumsmanagement in Italien, München, GRIN Verlag GmbH
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