Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Bedeutung naturnaher, funktionsfähiger Moore
1.2 Zielsetzung
2 Beschreibung des Untersuchungsgebietes
2.1 Lage des Untersuchungsgebietes
2.2 Klima
2.3 Landschaftsgenese und Geologie
2.4 Böden
2.5 Hydrologische Situation
2.6 Nutzungsgeschichte
2.7 Schutzstatus
3 Methodik
3.1 Wahl des floristischen Klassifikationskonzepts
3.2 Bestimmung der Pflanzenarten
3.3 Pflanzenformationen
3.4 Vegetationsformen
3.5 Bestimmung wichtiger Standortparameter
3.6 Auswertung der historischen Daten
3.7 GIS- Auswertung
3.7.1 Kartenerstellung
3.7.2 Flächenanteile
Ergebnisse
4.1 Auswertung historischer Daten
4.1.1 Aufnahmen aus den Jahren 1978 und 1979
4.1.1.1 Zustand des Moorsubstrates
4.1.1.2 Vegetationsausbildung
4.1.2 Antrag auf Ausweisung zum Naturschutzgebiet 1989
4.1.3 Aufnahmen im Jahr 1991
4.1.4 Luftbild aus dem Jahr 1993
4.1.5 Biotopkartierung in den Jahren 1994 und 1996
4.1.6 Orthophoto aus dem Jahr 2001
4.2 Beschreibung der aktuellen Vegetationsausbildung
4.3 Aktuelle Standortparameter
4.3.1 Wasserstände
4.3.2 pH-Werte
5 Diskussion der Ergebnisse
5.1 Vegetationsentwicklung vor der Wiedervernässung
5.2 Vegetationsentwicklung seit Wiedervernässungsbeginn
5.2.1 Allgemeine Tendenzen
5.2.2 Entwicklungstendenzen in den heutigen Vegetationseinheiten
5.3 Einschätzung des Wiedervernässungserfolges
5.4 Maßnahmenvorschläge
6 Zusammenfassung
7 Danksagung
8 Literatur
Anhang Fotos
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Titelbild (Foto: Y. Panzer)
Abbildung 2: Schutzzonen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin
1 Einleitung
Anlass für die Untersuchung des Fettseemoores war die Tatsache, dass das Ergebnis der seit 1987 im Fettseemoor schrittweise eingeleiteten Wiedervernässung noch nicht beurteilt wurde. Für mich klang es verlockend, ein Moor genauer zu erforschen, welches in der aktuellen Ausprägung bisher nicht untersucht worden war. Gehaltvolles Material, mit dem ich meine Aufnahmen vergleichen würde, war aus früheren Zeiten vorhanden.
In den Jahren 1978 und ´79 wurden im Fettseemoor Geländeaufnahmen durchgeführt, bei denen die Ermittlung von Moorgenese und Aufbau im Mittelpunkt stand. Dabei ist der Nordteil als mesotroph-subneutrales Verlandungsmoor mit abgeschlossener Verlandung und Entwicklung zum Durchströmungsmoor ausgewiesen worden. Den südlichen Teil nimmt ein mesotroph-saures Verlandungsmoor auf subneutralem Verlandungsmoor mit noch nicht abgeschlossener Verlandung ein. Das Untersuchungsgebiet als besonders charakteristisches Beispiel eines Verlandungsmoores diente der Erläuterung von Beschaffenheit und Entwicklungsgeschichte von Mooren dieses hydrogenetischen Typs in SUCCOW (1988) sowie SUCCOW (a, 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). Innerhalb der seit 1987 eingeleiteten Wiedervernässungsphase wurde die Vegetationsausprägung mehrfach mit unterschiedlichem Anliegen dokumentiert. Im Rahmen der Beantragung zum Naturschutzgebiet im März 1989 wurden gefährdete Pflanzengesellschaften und seltene Arten erfasst. Vier Jahre nach begonnener Wiedervernässung erfolgten im Juni 1991 Untersuchungen, um die Zusammenhänge zwischen hydrologischen Gegebenheiten und Vegetation im Fettseemoor im Vergleich mit dem noch drainierten Durchströmungsmoor Lieper Posse aufzuzeigen. Die Ergebnisse wurden in Anlehnung an die Aufnahmen vor der Wiedervernässung von 1978/´79 mit dem Ziel ausgewertet, Maßnahmen zur effektiven Renaturierung von Mooren abzuleiten, woraufhin eine Veröffentlichung in GROOTJANS ET AL. (1992) erfolgte.
Im August 1994 sowie Februar 1996 fand eine Biotopkartierung durch die Verwaltung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin statt. Anhand dieser Daten sowie durch die Auswertung eines Luftbildes und eines Orthophotos aus den Jahren 1993 und 2001 sowie der Ermittlung der aktuellen
Vegetations- und Standortsgegebenheiten war die Dokumentation des Vegetationswandels möglich. Die Rekonstruktion der Entwicklungen und die Erfolgseinschätzung sind in sofern relevant, als dass ein geringer Erfahrungsschatz hinsichtlich der komplexen Wirkung von Wiedervernässungsmaßnahmen vorhanden ist, da diese erst in den letzten fünfzehn Jahren verstärkt Anwendung fanden (vgl. LUTHARDT 1999).
1.1 Bedeutung naturnaher, funktionsfähiger Moore
Mooren kommt eine vielfältige ökosystemare Bedeutung zu. Zum einen wirken intakte Moore stabilisierend auf den Landschaftswasserhaushalt, da sie zur Aufnahme und Retention von überschüssigem Wasser fähig sind. Damit tragen sie zur Verlangsamung des Oberflächenabflusses bei, wodurch beispielsweise Hochwasserspitzen verringert werden. Die Wasserrückhaltung in der Landschaft gewährleistet außerdem die stabile Wasserspeisung der Vorfluter in Niedrigwasserphasen (Landesumweltamt Brandenburg 2004).
Die Bedeutung des Ökosystems Moor liegt zum anderen in der Funktion als Senke für Nähr- und Schadstoffe. Im einfließenden Wasser gelöste Substanzen werden dem Stoffkreislauf entzogen und dauerhaft in den Torfen gespeichert. So liegt diesem Ökosystem im Gegensatz zu anderen Lebensräumen eine negative Stoffbilanz zugrunde, weil die gebildete Phytomasse nur unvollständig abgebaut wird. Neben der Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes dienen Moore auch als Stabilisierungsraum für das Klima, da sie in ihrer unmittelbaren Umgebung für Kühlung und Erhöhung der Luftfeuchte sorgen. Ferner wird Kohlenstoffdioxid in den Torfen gebunden, der daraufhin seine klimaschädigende Wirkung in der Atmosphäre verliert. Als Archiv der Erdgeschichte ist dem Ökosystem Moor eine weitere Bedeutung zuteil, da anhand des Mooraufbaus Rückschlüsse auf Genese sowie die Nutzungsgeschichte der Landschaft und die klimatischen Verhältnisse seit Beginn der Torfablagerung möglich sind.
Ferner stellen Moore einen Lebensraum für speziell angepasste Arten und Lebensgemeinschaften dar, die heute zunehmend vom Aussterben bedroht sind. Zu begründen ist der Rückgang dieser Arten durch die Melioration, die fast den Gesamtteil der Moore Brandenburgs erreichte. Laut Landesumweltamt Brandenburg
(2004) sind derzeit noch 10% der Moorflächen des Bundeslandes in einem naturnahen Zustand, wobei wiederum 10% von diesen wachsende Moore darstellen. Der Kontrast zwischen umfassender Bedeutung der Moore für das Ökosystem und dem verschwindend geringen Anteil unbeeinträchtigter und funktionsfähiger Moore bedingt die Notwendigkeit der Moorrenaturierung.
1.2 Zielsetzung
Diese Diplomarbeit wurde mit dem Ziel erarbeitet, die aktuelle Vegetationsausbildung des Fettseemoores vor dem Hintergrund abgelaufener Entwicklungen darzustellen. Dafür wurde weitgehend das Vegetationsformenkonzept nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) verwendet. Neben vorgenommener Messungen der Parameter pH-Wert und Wasserstand im Gelände war es dank der ermittelten Vegetationsformen möglich, gegenwärtige Standortverhältnisse abzuleiten, um Aussagen über die Veränderung des Untersuchungsgebietes fünfzehn Jahre nach Abschluss der Wiedervernässung zu treffen. Die derzeitige Vegetationsausprägung wurde in Bezug zur Entwicklung der Vegetation vor und nach der Renaturierung gesetzt. Daran konnte der Erfolg eingeschätzt und notwendige Maßnahmen empfohlen werden.
So ergeben sich für diese Arbeit die Hauptanliegen der Erfassung der aktuellen Vegetationsausprägung, der Darstellung der Vegetationsveränderungen durch Auswertung früherer Untersuchungen und der Bewertung der Wiedervernässungsergebnisse mit anschließenden Maßnahmenvorschlägen. Aufgrund des starken anthropogenen Einflusses auf das Fettseemoor kommt außerdem der Dokumentation der Nutzungsgeschichte hohe Bedeutung zu.
2 Beschreibung des Untersuchungsgebietes
2.1 Lage des Untersuchungsgebietes
Das Fettseemoor hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 600 m und eine Ost-West-Ausdehnung von im Mittel 200 m, woraus sich eine Gesamtfläche von 9 ha ergibt. Es liegt anderthalb Kilometer nördlich der Stadt Eberswalde (Landkreis Barnim) im Nordosten Brandenburgs und ist über das 300 m entfernte Dorf Neuehütte durch einen
Waldweg zu erreichen. Die von Hügeln geprägte Landschaft nahe dem Fettseemoor ist zum Großteil mit Buchen-Mischwald bestockt, der zum Revier Kahlenberg in der Oberförsterei Chorin des Amtes für Forstwirtschaft Eberswalde gehört. In unmittelbarer Umgebung schneidet sich parallel zur Bundesstraße 2 das Ragöser Fließ tief ins Gelände. Nördlich des Gebietes liegt die Siedlung Polenzwerder. Im Westen führt ein Weg mit dem Namen Kahlenberger Pflaster durch den Wald und im Süden befindet sich der Bachsee.
2.2 Klima
Das Untersuchungsgebiet liegt großklimatisch in der mecklenburgischbrandenburgischen
Übergangszone zwischen atlantisch und kontinental geprägtem Klima. Genauer betrachtet befindet es sich am Südrand der Zone des nordbrandenburger Übergangsklimas an der Grenze zum subkontinentalen Klima des Oderbruchs.
Die Jahresdurchschnittstemperatur an der nächstgelegenen Wetterstation zwischen Sandkrug und Liepe lag im Mittel der Jahre 1995 bis 1999 bei 8,4°C. Bei der Beobachtung des Verlaufs der Sommertemperatur seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1999 an der Wetterstation Angermünde ist ein kontinuierlicher Temperatur-Anstieg von circa 3,5°C zu erkennen (M ÜLLER 2002).
An der Wetterstation Britz wurde im Zeitraum zwischen 1993 und 1999 eine Jahressumme von 607,7 mm Niederschlag gemessen. Abbildung 2: Sommerliche Mitteltemperaturen und Niederschlagssummen seit Beginn des 20. Jh. Wetterstation Angermünde; (nach MÜLLER 2002) Bei Betrachtung der Summe der Sommerniederschläge von 1902 bis 1998 an der Wetterstation Angermünde ist zwar keine langzeitige Tendenz einer Niederschlagsveränderung zu verzeichnen. Jedoch ist bei der Verteilung der Sommer-und Winterniederschläge die Zunahme von trockeneren Sommern festzustellen. Die zwischen Mai und Juni auftretende Vorsommertrockenheit ist charakteristisch für das Klima der Region und führt zum Wassermangel am Anfang der Vegetationsperiode. Die klimatologische Wasserbilanz ist im langjährigen Mittel negativ (MÜLLER 2002), da die Landschaftsverdunstung höher ausfällt als das Niederschlagsaufkommen.
Infolgedessen konnten sich im Nordosten Brandenburgs keine Hochmoore bilden (TIMMERMANN 1999).
Aufgrund der obligat feuchten Ausprägung und der Senkenlage des Fettseemoores ist von einer erhöhten Frostgefahr auszugehen. Der lockere Torfboden zeichnet sich durch eine geringe Wärmeleitfähigkeit aus und bleibt deshalb bis in den Sommer hinein gefroren oder zumindest sehr kalt (ELLENBERG 1996). Möglich sind Nachtfröste noch bis Mitte Juni und schon ab September (SCHRÖDER 1994). Im umgebenden Wald ist Spätfrost, der zur Gefahr für Buchen-Naturverjüngung werden könnte, allerdings selten, da die dichte Beschirmung vor starker Auskühlung schützt.
2.3 Landschaftsgenese und Geologie
Die Umgebung des Untersuchungsgebietes verdankt wie das gesamte Norddeutsche Tiefland seine gegenwärtige Geländebeschaffenheit dem Wirken der Inlandvereisung im Pleistozän. Das Fettseemoor liegt im Bereich der Weichseleiszeit, die vor etwa 15.000 Jahren eine Jungmoränenlandschaft hervorbrachte, die in der Gegend um Eberswalde durch einen kleinräumigen Wechsel des Reliefs und des geologischen Substrates geprägt ist.
In den hinterlassenen Sandern und Endmoränen dieser jungpleistozänen Landschaft kam es laut SUCCOW (1988) vornehmlich zur Ausbildung von Verlandungs-, Kessel-, Quell- und Durchströmungsmooren. Das Fettseemoor als Beispiel eines Verlandungsmoores war in seiner Entstehung ebenfalls an die Jungmoränenlandschaft gebunden. Der Anteil naturnaher, funktionsfähiger Verlandungsmoore ist noch verhältnismäßig hoch, jedoch verstärkt in Entwicklung zu eutroph und polytrophen Ausbildungen begriffen. Verlandungsmoore mesotroph-saurer Standorte, welche der Ausprägung im Südteil des Untersuchungsgebietes gleichkommen, sind heute nur noch in ehemaligen Torfstichgebieten häufig. Unbeeinflusste Ausbildungen mesotrophsubneutraler Verlandungsmoore, die der Nährkraft im Nordteil entsprechen, sind gegenwärtig sehr selten (vgl. SUCCOW, b 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). Durch den zweiten Vorstoß des weichselkaltzeitlichen Inlandeises wurde die Pommersche Endmoräne, von Nordwest nach Südost verlaufend, geschaffen. Diese Endmoräne erstreckt sich nordöstlich des Untersuchungsgebietes. Die Schmelzwässer lieferten Sande und Kiese, die sich im Vorland der Haupteisrandlage zu Sandern
auftürmten.
Naturräumlich wird das Untersuchungsgebiet einem solchen Sander zugeordnet. Nach SCHMIDT (2002) zählt es zur Kleinlandschaft des Mönchsheider Sander, die der Haupteinheit des Eberswalder Tals und des Oderbruchs angehört. An diese Haupteinheit schließen sich im Norden die Kleinlandschaften der Hauptendmoräne (Pommersche Eisrandlage) und der süduckermärkischen Grundmoränen und Sander. Im Süden grenzen die Kleinlandschaften des nördlichen Barnims im Bereich der Ostbrandenburgischen Platten und Niederungen an das Eberswalder Tal. Der Mönchsheider Sander als Ergebnis spätglazial-frühholozäner Entwässerungsentwicklung wurde zuerst durch einschneidendes Schmelzwasser, das von der Angermünder Staffel ins Rückland der Pommerschen Endmoräne floss, von Amtsweg- und Klosterbrücke-Sander abgetrennt. Daraufhin folgte durch periglaziale Klimaverhältnisse im Weichselspätglazial eine Phase starker Einebnung, die von Hangabspülung, Bodenfließen und Flugsandbewegung gekennzeichnet war. Im folgenden Alleröd kam es nach Klimaerwärmung und völliger Entfaltung der Vegetation zu weitgehendem Stillstand der Einebnungsprozesse. Der Anstieg der Temperaturen äußerte sich ferner durch Auftauen von verschüttetem Toteis, woraufhin sich in den verbliebenen Mulden Seen und Moore zu bilden begannen (SCHMIDT 2002). Auch das Untersuchungsgebiet entstand durch Schmelzen eines verschütteten Restes des Inlandeises. Auf das hohe Alter weist das an manchen Stellen nachgewiesene Tephraband, welches auf einen Vulkanausbruch in der Eifel zurückzuführen ist (SUCCOW 1988). Heute ist der Mönchsheider Sander durch ein flachwelliges Relief mit kleinen vermoorten Senken gekennzeichnet (SCAMONI zitiert in: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L. Hrsg.). Das Untersuchungsgebiet ist von Hügeln mit steilen Hängen umgeben. Lediglich im Nordwesten steigt das Gelände allmählich an. In Westen schließt sich nahe dem Fettseemoor das Ragösetal an den Mönchsheider Sander an. Es wird mit der Stadtsee-Rinne zu einer Kleinlandschaft zusammengefasst (SCHMIDT 2002).
2.4 Böden
Laut dem Entwurf des Pflege- und Entwicklungsplanes für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (1997) ist das Ausgangssubstrat des Mönchsheider Sander von
kiesig-sandigen Talablagerungen geprägt, aus denen sich vornehmlich mäßig nährstoffversorgte Sand-Braunerden bilden konnten. Laut Forstlicher Standortskartierung aus dem Jahr 1962 handelt es sich im nördlichen und südlichen Einzugsgebiet sowie auf den Hügeln im Südwesten und Südosten um Jabeler Sand-Braunpodsol mittlerer Standorte. Im Osten und Westen des Untersuchungsgebietes dominieren hingegen kräftige, lehmigere Standorte auf Sonnenburger Bändersand-Braunerde. Nach SUCCOW (1988) sind die Böden des Einzugsgebietes im Nordwesten von sehr kalkhaltigen Schluffsanden geprägt.
Die Böden des Fettseemoores sind laut Geologischer Spezialkarte von Preußen aus dem Jahr 1882/´83 im Alluvium (Holozän) entstanden. In der Senke konnten sich hydromorphe, organische Moorböden herausbilden. So liegt im Untersuchungsgebiet laut geologischer Karte Torf über Torfuntergrund bei nahem Grundwasser vor. Mittels Flachschurf wurde im Moorzentrum der Moorbodentyp Ried ermittelt, was auf naturnahe, nicht entwässerte Bodenverhältnisse hinweist. Am westlichen Rand des Untersuchungsgebietes wurde mit Hilfe der selben Methode Fenmulm gefunden. Dieser Bodentyp entwickelte sich durch die Entwässerung des Gebietes. In der Auswertung der Geländeaufnahmen 1978/´79 im Kapitel 4.1.1 werden die Bodenverhältnisse im Fettseemoor näher erläutert.
2.5 Hydrologische Situation
In der Weichselkaltzeit fand eine grundlegende Neugestaltung des Gewässernetzes der Region statt, bei der die Ausbildung von Tälern und Seen unabhängig voneinander erfolgte. Die Ausformung der Becken, in denen sich Seen entwickeln konnten, begann bereits unter der Eisdecke. Das Bett der Fließgewässer hingegen wurde durch die Schmelzwasserbahnen mit dem Abschmelzen der Gletscher geschaffen (SCHLAAK & SCHMIDT 2002).
Das Untersuchungsgebiet hatte bis zur Anlage eines Entwässerungsgrabens laut Urmesstischblatt aus dem Jahr 1844 keinen natürlichen Anschluss an ein Fließgewässer und besaß somit ein eigenes Binneneinzugsgebiet. Durch die Entwässerung, die zwischen 1844 und 1882/´83 einsetzte, wurde es an die nächste Vorflut - die Ragöse - angeschlossen. Seitdem entwässerte das Gebiet, da östlich der Hauptwasserscheide gelegen, in die Ostsee.
Im Jahr 1987 wurde begonnen, diesen Drainagegraben schrittweise zu schließen. Ein schmaler Damm wurde in diesem Jahr am Austritt des Grabens aus dem Fettseemoor errichtet (GROOTJANS ET AL. 1992). Der Oberlauf des Grabens war zudem schon seit längerem durch Pflanzenbewuchs in seiner Funktion eingeschränkt (mündliche Mitteilung Woßmann, ehemaliger Gebietsbetreuer im Biosphärenreservat; Januar 2007).
Am 02.03.1989 wurde die Unterschutzstellung des Fettseemoores beantragt. Die voraussichtliche naturschutzrechtliche Sicherung des Gebietes allein minderte jedoch noch nicht dessen Gefährdung. Deshalb ging die Unterschutzstellung im darauf folgenden Jahr mit einer weiteren Anhebung des Moorwasserspiegels durch stufenweise Erhöhung des Dammes einher. Im Antrag hieß es, dass es nötig sei, den Entwässerungsgraben durch ein einfaches Stau weiter zu schließen, um den „…für ein lebendes Moor notwendigen Wasserstand(…)“ sichern zu können (Rat des Bezirkes Frankfurt/O. 1989). Die Ausweisung des Fettseemoores als Naturschutzgebiet erfolgte mit dem Ziel der Erhaltung eines funktionsfähigen Moorkomplexes. Rings um den See fand zu dieser Zeit noch immer Torfwachstum statt. Um den Schutzzweck der Ausweisung zum NSG im gesamten Moorkomplex zu erreichen, wurde eine regelbare Stauentwässerung angeordnet. Diese ist umgesetzt worden, indem ein weiterer Anstau in zwei Stufen erfolgte. Im Jahr 1991 erhöhte man den 1987 angelegten Damm mit Bodenaushub sowie Ziegelschutt und hob den Wasserspiegel im Untersuchungsgebiet vorläufig um etwa 30 cm an. Die letzte Pegelerhöhung im Jahr 1996 erhöhte den Wasserstand um weitere 30 cm. So wurde der Wasserspiegel insgesamt um mindestens 60 cm erhöht. Bei Überstau des Gebietes zwischen März und Juni fließt das überschüssige Wasser über eine in den Damm eingebaute Tonröhre ab. In den Monaten September und Oktober fällt der Wasserstand am tiefsten. So variiert das Wasserstandsniveau im Lagg zwischen feuchtem und trockenem Halbjahr um etwa 20 bis 30 cm (mündliche Mitteilung Sakowski, Leiter Revier Kahlenberg, 2006). Die Wasserstandsschwankungen sind im gesamten Lagg an den dunklen Stammansätzen der Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa) und daran, dass die Wasserfeder (Hottonia palustris) auf Schlamm aufliegt, zu erkennen.
Der seit 1991 vom Moor abgetrennte Entwässerungsgraben ist stets wassergefüllt, da
dieser stromabwärts vom Biber durch Anhäufung von Ästen angestaut wurde. Aufgrund ständiger Wassersättigung des Grabens dringt vermutlich weniger Sickerwasser aus dem Fettseemoor durch den Damm. Hinter der Astanhäufung geht der Graben in einen naturnahen Bachlauf mit Gefälle und Natursteinen über und mündet in die Ragöse.
Aufgrund steil zum Moor abfallender Hänge hat das oberirdische Einzugsgebiet eine geringe Ausdehnung. Das Flächenverhältnis zwischen Moorfläche und oberirdischem Einzugsgebiet beträgt etwa 1:2. Demnach erreicht das oberirdische Einzugsgebiet nicht die Mindestgröße, um den Moorkomplex zu ernähren. Da das Fettseemoor jedoch stets ausreichend mit Wasser versorgt ist, wird neben oberflächennahem Zulauf auch Grundwasser als Speisung eine Rolle spielen. So wiesen GROOTJANS ET AL. (1992) im Juni 1991 den vorhandenen Grundwassereinfluss durch umfassende Untersuchungen der Zusammensetzung des Moorwassers nach. Laut hydrogeologischer Karte aus dem Jahr 1982 liegt das oberste Grundwasserstockwerk mit einer Fließbewegung in Richtung Südwest in einer Höhe von 23 m über NN. Demnach müsste das Fettseemoor, da auf einer Höhe von 21,3 m gelegen, seit Grabenschluss komplett überstaut sein. Es ist jedoch anzunehmen, dass der Grundwasserstand seit 1982 gesunken ist.
Laut hydrogeologischer Karte von 1965 ist die Versickerungsmöglichkeit in der Umgebung gut. Der Hauptgrundwasserleiter des Mönchsheider Sander liegt unter wechselhaft aufgebauten Sand- und Kiesablagerungen, wodurch anfallender Niederschlag zügig bis ins Grundwasser vordringen kann. Auf den kräftigen teils lehmigen Standorten mit Sonnenburger Bändersand-Braunerde im östlichen sowie westlichen Einzugsgebiet ist die Versickerungsmöglichkeit hingegen geringer. Dort bildet sich kalkhaltiges Grund- und Zwischenabflusswasser, wovon das Fettseemoor und ein Quellmoor östlich des Untersuchungsgebietes durch hohen Wasserzulauf dank der Kessellage gespeist werden. Vor allem am östlichen Rand des Untersuchungsgebietes gelangt verhältnismäßig viel Mineralbodenwasser ins Fettseemoor, wovon Quellaustritte zeugen. Vermutlich ist der erhebliche Zulauf auf ein angrenzendes weit nach Osten gestrecktes Tal mit Gefälle in Richtung des Untersuchungsgebietes zurückzuführen. Der beträchtliche Zufluss von Grundwasser am Ostrand ist mit dem Gefälle des obersten Grundwasserleiters in südwestliche
Richtung zu erklären.
Der recht hohe Lehmgehalt der Böden im Einzugsgebiet begründet den Basenreichtum des Randsumpfes sowie der Areale im Nordteil des Fettseemoores. Der Nachweis sehr kalkhaltiger Schluffsande nordwestlich des Untersuchungsgebietes (Succow 1988) erklärt den Zustrom von kalkhaltigem Wasser.
Die überwiegende Bestockung des Waldes der Umgebung mit Rot-Buche (Fagus sylvatica) kommt der Grundwasserneubildung zugute, da diese Baumart sich durch hohen Stammabfluss und insgesamt geringere Verdunstungsraten im Vergleich zur Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris) auszeichnet. Allerdings sind die Hügel des Einzugsgebietes auch teilweise mit Gemeiner Kiefer und Gemeiner Fichte (Picea abies) bestanden. Die hohen Verdunstungsverluste und geringen Versickerungsraten dieser Arten resultieren in einer geringeren Grundwasserneubildung. Da das Untersuchungsgebiet seit Ende des 19. Jahrhunderts anthropogen beeinflusst wurde, ist die hydrologische Situation des Untersuchungsgebietes eng an die Nutzungsgeschichte gebunden.
2.6 Nutzungsgeschichte
Auf der ältesten vorliegenden Karte, dem Urmesstischblatt aus dem Jahr 1844 ist das Untersuchungsgebiet als einheitliches Bruch mit dem Restsee, jedoch ohne eine erkennbare Drainierung angegeben. Die geologische Karte aus dem Jahr 1882/´83 zeigt erstmals einen durchgehenden Entwässerungsgraben. Dieser ist direkt an den Fettsee angeschlossen und mündet in das Ragöser Fließ. Der Drainagegraben muss demnach zwischen 1844 und 1882/´83 angelegt worden sein. Ein geradlinig gezogener Graben ist ebenfalls auf dem Messtischblatt von 1890 eingetragen. Allerdings ist zu dieser Zeit keine direkte Anbindung an den See vorhanden. Der Graben beginnt auf dieser Karte erst etwas weiter nördlich des Fettsees. Die direkte Umgebung des Fettsees wurde als ´nasses Ödland mit Buschwerk` ausgewiesen.
Das Untersuchungsgebiet wurde mit dem Ziel der Torfgewinnung trockengelegt. Zum anderen entstanden in Zuge dessen Areale, die für Wiesennutzung geeignet waren. So wurden im Nordwesten wahrscheinlich zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg mehrere Torfstiche angelegt und genutzt (mündliche Mitteilung Woßmann, Januar
2007). Diese sind allerdings in keiner Karte verzeichnet und werden vermutlich von geringem Ausmaß gewesen sein. Der Torf wurde in Form von Rollen gewonnen und mit Hilfe von Loren auf Schienen aus dem Moor transportiert. Anschließend sind die Rollen gepresst worden, woraufhin der Torf zum Heizen Verwendung fand. Die im Nordosten und Westen durch die Absenkung des Wasserstandes entstandenen Wiesen wurden zweimal im Jahr gemäht. Das Schnittgut diente als Viehfutter und Streu (mündliche Mitteilung Woßmann; Januar 2007). Die Sumpf-Segge (Carex acutiformis) beispielsweise wurde früher häufig als Strohersatz für Einstreu in Viehställen genutzt (PFADENHAUER 1993).
Wiesenmahd sowie Torfgewinnung sind bis Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts betrieben worden. Danach wurde das Gebiet nicht mehr genutzt und der Graben begann nahe dem Fettsee zuzuwachsen.
In die Zeit der Entwässerung fällt ein Waldumbau, der sich in einer Dezimierung von Eiche (Quercus spec.) und Rot-Buche (Fagus sylvatica) zugunsten der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris) auswirkte. So ist der Waldbestand auf dem Mönchsheider Sander nach dem Bau des zweiten Finowkanals zwischen 1743 und 1746 stark aufgelichtet worden (ENDTMANN 2002). Während um 1800 der Wald im Westen des Fettseemoores vorwiegend mit Buche und Eiche bestockt war (OLBERG zitiert in: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L.; Hrsg.), setzte sich dieser um 1960 aus Kiefer und Buche zusammen (SCAMONI zitiert in: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L.; Hrsg.). Einen ähnlichen Umbau lässt die Entwicklung der Baumartenverteilung östlich des Untersuchungsgebietes erkennen, wo um 1800 noch Kiefer und Eiche überwogen (OLBERG ZITIERT IN: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L.; Hrsg.) und um 1960 Kiefern die Bestände prägte (SCAMONI zitiert in: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L.; Hrsg.). Die Kiefer trägt in geringerem Maße zur Grundwasserneubildung bei als beispielsweise Buche oder Eiche. Die Verschiebung des Baumartenspektrums in der Umgebung wird vermutlich dazu geführt haben, dass dem Fettseemoor weniger Wasser aus dem Einzugsgebiet zur Verfügung stand. Dieser Umstand könnte die Trockenlegung des Untersuchungsgebietes noch verstärkt haben.
In den Waldbestockungen des Moorrandbereiches ist seit der Ausweisung des Fettseemoores als Naturschutzgebiet eine kahlschlaglose Bewirtschaftung festgelegt. Heute erfolgt in der gesamten Umgebung eine naturnahe Waldbewirtschaftung mit
dem Ziel einer dem Standort angepassten Bestockung. Die Bewirtschaftung ist neben der Einzelstammentnahme durch Belassen von Solitärbäumen und Altbaumgruppen sowie stehendem und liegendem Totholz gekennzeichnet. Die Verjüngung des Bestandes erfolgt durch Naturverjüngung, die zu einer standortgerechten Artenzusammensetzung der Bestände führt, weshalb regelmäßige Handlungsschritte wie Auflichtung des Kronendachs zur Lichtschaffung nötig sind. Auf den Böden der Umgebung verjüngen sich Buche und Hainbuche, während die hier konkurrenzschwächere Kiefer von der Buche überwachsen wird. Neben Buche-Naturverjüngung mit einem Alter zwischen 2 und 15 Jahren kommen im Einzugsgebiet Kiefern mit einem Alter von bis zu 197 Jahren vor, die als Samenbäume dienen sollen. Es wird versucht diese regelmäßig freizustellen, um allzu starken Konkurrenzdruck durch die Buche zu verhindern (mündliche Mitteilung Sakowski, Januar 2007).
2.7 Schutzstatus
Laut § 20c des Bundesnaturschutzgesetzes stehen zahlreiche Biotoptypen unter einem pauschalen Schutz. Zu diesen zählen Moore, Sümpfe, Röhrichte, Riede, seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Verlandungsbereiche stehender Gewässer sowie Bruchwälder, womit alle im Fettseemoor vertretenen Biotoptypen von pauschalem Schutz betroffen sind. Der Schutz von Lebensräumen intakter Moore wird von der Europäischen Union mittels Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG) vorgeschrieben. Damit wurde die Schaffung eines kohärenten Systems von repräsentativen Schutzgebieten mit dem Namen „Natura 2000“ eingeleitet, das den Erhalt von bedeutenden Arten und Lebensräumen gewährleisten soll (vgl. SCHOPP-GUTH 1999). Das Fettseemoor mit seiner Umgebung ist Teil des FFHGebietes „Finowtal - Ragöser Fließ“, womit ein Biotopverbund wertvoller Feuchtgebiete geschützt wird.
Ferner wurde der Moorkomplex mit angrenzenden Arealen am 14.09.1990 als Naturschutzgebiet mit den Hauptanliegen, der „… Dokumentation (…) gefährdeter Biogeozönosen (…) für Forschung und Lehre, Sicherung von Rückzugsgebieten für vom Aussterben bedrohte oder bestandsgefährdete Arten…“ und der „…Sicherung von Untersuchungsobjekten mit vielfältiger Naturausstattung zur Klärung von Naturabläufen und Prozessen …“ (Bezirkstag Frankfurt/O., 1990) ausgewiesen. Das
Gutachten, welches in die Beantragung des Schutzgebietes einfloss, wurde damals von Succow erarbeitet. Es wurde eine Fläche von 31,82 ha vorgesehen, die unter dem Schutzziel der „…Erhaltung eines funktionsfähigen mesotrophen Moorkomplexes (…) als Lebensraum stark bedrohter Pflanzengesellschaften und existenzbedrohter Tierarten“ (Bezirkstag Frankfurt/O., 1990) steht. Aufgrund eines Übertragungsfehlers ist jedoch lediglich etwa die Hälfte der als Naturschutzgebiet 1989 beantragten Fläche tatsächlich unter Schutz gestellt worden.
Das Naturschutzgebiet Fettseemoor ist in das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin eingebunden. Innerhalb dieses Landschaftsschutzgebietes von zentraler Bedeutung sind alle Naturschutzgebiete der Schutzzone II zugeordnet, ausgenommen derer, die die Kernzone bilden (Gesetzesblatt der DDR 1990, §3 Absatz 1). So liegt auch das Fettseemoor in der Schutzzone II, die der Pflege- bzw. Pufferzone des Reservates entspricht.
Im Umkreis des Fettseemoores erstreckt sich die Entwicklungszone des Biosphärenreservates, die der Weiterentwicklung naturverträglicher Bewirtschaftungsformen dient. Das Biosphärenreservat wurde am 12.09.1990 mit dem Nationalparkprogramm der letzten DDR-Regierung festgesetzt. In Kraft trat diese Schutzanordnung am 1. Oktober des selben Jahres, woraufhin im Dezember die Anerkennung durch die UNESCO erfolgte (HENNE 2002).
Um dem Ziel der Biosphärenreservatsverordnung zur „Erhaltung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes“ nachzukommen, wurde es für notwendig erachtet, Pflege- und Entwicklungspläne zu entwickeln. Diese wurden unter anderem mit der Zielsetzung erarbeitet, die ursprünglichen hydrologischen Verhältnisse wiederherzustellen (Gesetzesblatt der DDR 1990, §5 Absatz1).
3 Methodik
Im Gelände erfolgte zuerst die Ausweisung von leicht erkennbaren Pflanzenformationen. Daraufhin wurden innerhalb der Pflanzenformationen Bestände durch das Vorkommen dominanter und indikatorischer Arten voneinander abgegrenzt. In diesen Beständen wurde versucht, die Gesamtheit der vorkommenden Pflanzenarten zu ermitteln. Anhand der Einordnung der Pflanzenarten in Artengruppen ergaben sich Vegetationsformen nach dem Vegetationsformenkonzept von KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). Bei unmöglicher Zuordnung eines Bestandes in das Vegetationsformenkonzept wurden andere Klassifikationskonzepte zu Rate gezogen. In jeder Vegetationseinheit wurden dann für die Auswertung bedeutsame Standortparameter stichprobenartig gemessen. Den Vegetationsformen konnten weitere Standortverhältnisse abgeleitet werden.
Anschließend erfolgte die Auswertung von vorhandenen historischen Daten in Hinsicht auf Vegetations- und Standortentwicklung.
Die aktuellen Vegetationsausprägungen sowie die Standortparameter wurden mit Hilfe des GIS-Programms Arc-View 3.3 verarbeitet, um Flächenanteile der Vegetationseinheiten und der Standortverhältnisse berechnen und darstellen zu können.
3.1 Wahl des floristischen Klassifikationskonzepts
Die Darstellung der Pflanzengemeinschaften erfolgte nach dem Vegetationsformenkonzept nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.). Dieses Konzept lässt im Gegensatz zu anderen floristischen Klassifikationssystemen wie beispielsweise das Charakterartenkonzept nach BRAUN-BLANQUET (1964) aussagekräftige Rückschlüsse auf die ökologischen Standorteigenschaften zu. Die
Mitte des letzten Jahrhunderts konzipierten Klassifikationssysteme widerspiegeln die heutigen, vom Menschen überprägten Pflanzengesellschaften unzureichend. Dank des Vegetationsformenkonzeptes lassen sich hingegen recht präzise Aussagen über Wasserhaushalt, Trophieverhältnisse, Bodenreaktion und Oberbodenentwicklung machen. Anhand der aus den Vegetationsformen gewonnenen Ergebnisse über die ökologischen Standortverhältnisse können Schlussfolgerungen über die Funktionsfähigkeit des Moores gezogen werden.
Mit Hilfe des Vegetationsformenkonzeptes war es allerdings nicht möglich, alle Pflanzenbestände zu determinieren. Dann wurden andere Klassifikationsmodelle aus jüngerer Zeit zur Einordnung genutzt. Dies traf für Vegetationsausbildungen auf dem Restsee und an dessen Rand sowie für ein artenarmes Seggenried zu. Sie wurden mit Hilfe von PASSARGE (1996, 1999) sowie SCHUBERT ET AL. (2001) determiniert, mit denen nordostdeutsche Pflanzengesellschaften ausführlich beschrieben wurden. Des weiteren sind zwei Erlen-Bruchwaldgesellschaften mit Hilfe von HOFMANN & POMMER (2005) bestimmt worden, mit denen eine detaillierte Klassifikation der mitteleuropäischen Wald-Ökosystemtypen vorliegt. Jedoch basieren die beiden pflanzensoziologischen Gliederungen allein auf vegetationseigenen Merkmalen und spiegeln die Standortbedingungen demnach nur ungenügend wider.
3.2 Bestimmung der Pflanzenarten
Zur Bestimmung der Farn- und Blütenpflanzen mit Ausnahme der Gräser wurden JÄGER & WERNER (1995, 2002), JAHNS (1995) und WELLINGHAUSEN (1994) verwendet. Die Determination der Gräser im Untersuchungsgebiet erfolgte nach KLAPP & VON BOBERFELD (1990), CONERT (2000), CHISTIANSEN & HANCKE (1993), ENDTMANN (1998) sowie HUBBARD (1985). Seggen und Wollgräser wurden außerdem anhand des Bestimmungsschlüssels für Riedgrasgewächse nach BRÜCKL (2006) bestimmt. Im Fettseemoor vorkommende Bäume wurden nach GODET (1998) determiniert. Die Ansprache der Moose erfolgte durch Herrn Dr. Michaelis unter Verwendung von FRAHM & FREY (1992). Die Nomenklatur der Farn- und Blütenpflanzen richtet sich nach JÄGER & WERNER (2002).
Für die Artenlisten, insbesondere der Moose, kann kein Anspruch auf Vollständigkeit
erhoben werden, da die Vegetationserfassung in einem sehr begrenzten Zeitraum (August bis Oktober 2006) vorgenommen wurde, minderstete Arten leicht übersehen worden sein können und das Gelände teilweise unbegehbar war. Außerdem kann es zu Fehlbestimmungen gekommen sein. Die Angaben zum Deckungsgrad der Wasserflächen wurden geschätzt und die Vitalität der im Untersuchungsgebiet vorkommenden Baumarten wurde durch Betrachtung des Habitus ermittelt. Anhand der Roten Listen für Farn- und Blütenpflanzen (JEDICKE 1997) wurde der Gefährdungsgrad der aktuell im Untersuchungsgebiet nachgewiesenen sowie der in der Biotopkartierung dokumentierten Pflanzenarten ermittelt. Die Arten wurden nach JEDICKE (1997) in folgende Gefährdungskategorien eingestuft: 1 vom Aussterben bedroht
2 stark gefährdet
3 gefährdet
V in der Vorwarnliste enthalten
R potentiell gefährdet
/ derzeit vermutlich nicht gefährdet
D Daten unzureichend
3.3 Pflanzenformationen
Die letzte Wasserstandserhöhung im Untersuchungsgebiet liegt lediglich zehn Jahre zurück. Deshalb ist anzunehmen, dass sich noch keine stabilen Klimaxstadien eingestellt haben und es sich bei der Vegetationsausbildung um Übergangsstadien handelt. Die Bestände werden sich in den nächsten Jahren vermutlich weiter differenzieren. Aufgrund dessen wurde die Vegetationsausprägung nicht anhand von Vegetationsaufnahmen, sondern mit Hilfe des Dominanzprinzips ermittelt. Die Ausweisung der Vegetationseinheiten erfolgte deduktiv. Bei einer ersten Begehung des Geländes wurden leicht erkennbare Formationsklassen ausgewiesen. Im Fettseemoor sind die Formationsklassen „Gehölzvegetation“ und „offene ungenutzte Vegetation“ nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.) vertreten. Hinzu kommt die Formationsklasse der limnischen Vegetation flacher, mäßig bewegter Stillgewässer auf dem Restsee. Die Formationsklasse der „Gehölzvegetation“ wird vom Offenland durch eine Mindestdeckung der Baum- und
Strauchschicht von 30% unterschieden. Die im Untersuchungsgebiet vorgefundenen Bestände der erstgenannten Formationsklasse lassen sich in ´Bruchwald` und ´Bruchgebüsch` unterteilen. Zum anderen sind Standorte ohne dichten Baumbewuchs vertreten, die der zweiten Formationsklasse angehören. Die im Fettseemoor ausgebildeten Gesellschaften lassen sich in ´Semiterrestrisches Ried` und ´Aquatisches Ried` untergliedern, welche sich durch unterschiedliche Wasserstufen auszeichnen. Das ´Semiterrestrische Ried` ist der Wasserstufe 5+ zuzuordnen, hingegen ist das ´Aquatische Ried` auf Standorten der Wasserstufe 6+ ausgebildet (auf die Bestimmung der Wasserstufe wird in Kapitel 3.5 eingegangen). Als weitere Formationsgruppe hat sich auf dem Fettsee eine ´Limnische Flachwasser-Makrophytenflur` entwickelt.
Für jede der Formationsgruppen sind zugehörige Artengruppen und somit Vegetationsformen ausgewiesen worden.
3.4 Vegetationsformen
Nach Ausweisung der Pflanzenformationen wurden diese in Vegetationsformen nach dem Vegetationsformenkonzept (KOSKA ET AL. 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.) feiner untergliedert. Dabei wurde weitgehend der dort beschriebenen Methodik gefolgt. Jedoch ist auf Vegetationsaufnahmen verzichtet worden. Statt dessen wurden mittels sorgfältiger Geländebegehung Gesamtartenlisten erstellt. Dabei konnten Bestände voneinander abgegrenzt werden, die sich durch das Vorkommen von Dominanzarten und indikatorischer Arten unterschieden. Dominanzarten sind nach SUCCOW (1988) Arten, die mit einem Deckungsgrad ab 3 (26-50% Deckung) präsent sind und demzufolge meistens besonders stark aus dem Bestandesbild hervortreten. Dominanzgesellschaften entwickeln sich laut POTT (1992) oftmals unter extremen Standortgegebenheiten oder anthropogenen Einflüssen. Nach DIERSCHKE (1994) ist die Dominanz von Arten zwar leicht zu erfassen, jedoch können vorherrschende Arten ökologisch überaus begrenzte aber auch sehr ausgedehnte Bereiche charakterisieren. Außerdem können zur Dominanz tendierende Arten in floristisch sehr verschiedenartigen Gesellschaften auftreten. Aufgrund dessen ist Dominanz zur Bestimmung von Grundeinheiten ungeeignet und wird dennoch häufig verwendet. Diese Art der Bestimmung von Vegetationseinheiten ist beispielsweise in Skandinavien
sinnvoll und gebräuchlich, wo verhältnismäßig artenarme Bestände mit einer eindeutigen Schichtung der Vegetation etabliert sind. Für die hierzulande häufig artenreichen oder heterogenen Gesellschaften eignet sich das Vorherrschen von Arten wie schon erläutert weniger.
Deshalb wurden Gesamtartenlisten erstellt, mit deren Hilfe die Ermittlung der Artengruppen erfolgte. Dabei wurden auch indikatorische Arten erfasst, die bei der Bestimmung der Vegetationseinheiten hilfreich sind. Sie zeigen Standorteigenschaften an, die für jede der Vegetationsformen nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.) definiert sind.
Die nachgewiesenen Pflanzenarten wurden in die ökologisch-soziologischen Artengruppen nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.) eingeteilt. Daraufhin ermöglichte die Kombination der Artengruppen eines Bestandes die Zuordnung in eine der Vegetationsformen, die sich durch mehrere divergierende Artengruppen voneinander unterscheiden. Bei Zweifel und zur Absicherung der Einordnung in eine Vegetationsform wurden die im Gelände ermittelten Wasserstände und pH-Werte zur Hilfe genommen. Auf die Ausweisung von Ausbildungen und Fazies wurde verzichtet, da diese ungewiss in Hinsicht auf deren Aussagekraft sind (KOSKA ET AL. 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.).
Die Angaben zur Gefährdungssituation der Vegetationsformen erfolgten nach KOSKA & TIMMERMANN sowie CLAUSNITZER & SUCCOW (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.). Der Gefährdungsgrad der anderen Vegetationseinheiten wurde nach PASSARGE (1996, 1999) sowie JEDICKE (1997) übernommen.
Zur Methodik ist anzumerken, dass die Abgrenzung von Vegetationseinheiten anhand von dominanten und indikatorischen Arten im Gegensatz zur Anfertigung von Vegetationsaufnahmen eine erhöhte Ungenauigkeit mit sich bringt.
3.5 Bestimmung wichtiger Standortparameter
Bei der Begehung sind die pH-Werte in jeder Vegetationseinheit mit dem PH-Meter AGRAR 2000 stichprobenartig ermittelt worden. Durch Messung des Wasserstandes im September und Januar konnten die Wasserstufen der Vegetationseinheiten abgeleitet werden. Dafür dient nach KOSKA (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) nicht der Jahresmittelwert sondern der Median
des feuchten Halbjahres. Der kurze Untersuchungszeitraum verhinderte die Ermittlung dieses Wertes. Den gemessenen Wasserständen konnte jedoch mit Hilfe der Wasserstandsbereiche der Wasserstufen und Wasserstufenausbildungen nach KOSKA (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) die passende Wasserstufe zugeordnet werden. Die im Gelände ermittelten Wasserstufen wurden mit denen, die die Vegetationsformen nach KOSKA (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) anzeigen, verglichen. Andere Standorteigenschaften wie Säure-Basen-Verhältnis, Trophie und Wasserregimetyp sind aus den Vegetationsformen abgeleitet worden. Anhand der Vegetationseinheiten, die nach PASSARGE (1996, 1999) und HOFMANN & POMMER (2005) ermittelt wurden, war es nicht möglich, alle Standortbedingungen zu bestimmen. Deshalb wurden diese anhand mehrerer indikatorischer Pflanzenarten grob eingeordnet.
3.6 Auswertung der historischen Daten
Die Erläuterungen der Geländeaufnahmen von 1978/´79 in SUCCOW (1988) sowie SUCCOW, a (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) wurden in Hinsicht auf Standortgegebenheiten und jüngere Entwicklung der Vegetation ausgewertet. Die im Rahmen der Beantragung zur Ausweisung des Fettseemoores zum Naturschutzgebiet im Jahr 1989 aufgelisteten Pflanzengesellschaften einschließlich schützenswerter Pflanzenarten sind in die Auswertung einbezogen worden. Sie sind bei der Rekonstruktion der Vegetationsausprägung vor der Wiedervernässung hilfreich. Die Veröffentlichung durch GROOTJANS ET AL. (1992) sowie unveröffentlichte Manuskripte von TOLMAN ET AL. (1991) fanden hinsichtlich der Standort- und Vegetationsveränderungen sowie der Maßnahmenvorschläge für die Wiedervernässung grundwasserernährter Moore Verwendung. Als Grundlage für die Pflege- und Entwicklungsplanung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin wurden in den Jahren 1994 und ´96 Biotopkartierungen durchgeführt. Dabei wurden Flora, Biotopausprägung und Begleitbiotope erfasst. Grundbögen sowie Geländebögen für Wälder und Forsten wurden ausgewertet. Das Ergebnis verschafft einen Eindruck vom Entwicklungsstand vor der zweiten und letzten Wasserstandsanhebung im Untersuchungsgebiet. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Bestimmung mancher Pflanzenarten fehlerhaft ist. Außerdem wurde das Biotop des
Fettsees nicht richtig typisiert. Möglicherweise falsch bestimmte Arten wurden nicht in die Interpretation einbezogen, wenn diese kein weiteres Mal im Untersuchungsgebiet ermittelt wurden und deren Vorkommen nicht den Standortseigenschaften entsprach. In Luftbild sowie Orthophoto von 2001 sind zumindest Pflanzenformationen voneinander unterscheidbar. Teilweise ist zu erkennen, ob die Bestände homogen oder heterogen beschaffen sind. Abgrenzungen zwischen unterschiedlich beschaffenen Beständen sind oftmals gut nachvollziehbar. Das Orthophoto diente ferner der Kartenerstellung.
3.7 GIS- Auswertung
3.7.1 Kartenerstellung
Die Grundlage der Vegetationskarte bildet das Orthophoto aus dem Jahr 2001. Zur Einmessung der Vegetationseinheiten und anderer wichtiger Punkte im Gelände wurde das GPS Trimble verwendet. Die Vegetationseinheiten sind als Polygone aufgenommen worden. Die entstandenen Shapes wurden mit dem Programm Transdat transformiert, um die Daten dem Koordinatensystem des Orthophotos anzugleichen. Daraufhin war es möglich, die Polygone über das Orthophoto zu legen und zu digitalisieren. Der Grenzverlauf der Vegetationseinheiten musste zum Teil abgeschätzt werden, weil sich das Gelände stellenweise als unbegehbar erwies. Die Karte des Einzugsgebietes wurde erstellt, indem die höchsten Punkte der Höhenlinien der unmittelbaren Umgebung des Fettseemoores der Topographischen Karte 1:10.000 abgetragen und digitalisiert wurden.
3.7.2 Flächenanteile
Anhand der mit dem Programm Arc View 3.3 erstellten Karten konnten die Flächenanteile von Vegetationseinheiten und Standorteigenschaften errechnet werden. Im Tabellenkalkulationsprogramm Excel wurde daraufhin der prozentuale Anteil jeder Vegetationseinheit errechnet und in Kreisdiagrammen veranschaulicht. Ebenso wurde mit den Flächenanteilen der Standorteigenschaften verfahren.
4 Ergebnisse
4.1 Auswertung historischer Daten
4.1.1 Aufnahmen aus den Jahren 1978 und 1979
Im Fettseemoor fanden jeweils im Juli der Jahre 1978 und ´79 Geländeaufnahmen statt, die in SUCCOW (1988) und in SUCCOW, a (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) veröffentlicht wurden. Anhand des Fettseemoores wurden beispielhaft Genese und Aufbau von Verlandungsmooren erläutert.
Im Untersuchungsgebiet erfolgten entlang zweier Trassen in Ost-West-Richtung die Entnahme von Bohrproben sowie die Ermittlung der Vegetationsausprägung. Die Bohrproben wurden im Labor auf pH- und Nc-Werte sowie andere Parameter analysiert, um die Moorgenese rekonstruieren zu können. Ferner wurde der hydrologische Moortyp bestimmt sowie Entwicklungstendenzen ausgewertet. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass sich die Trockenlegung des Moores in einer bis weit ins Moorzentrum reichenden Vererdung und zum Teil hohen Zersetzung der oberen Torfschichten auswirkte (SUCCOW 1988).
Die Ergebnisse der Aufnahme entlang der Trassen sind anhand von Moorquerprofilen graphisch dargestellt. Die erste Trasse führte durch das nördlich gelegene mesotrophsubneutrale
Verlandungsmoor. Die zweite Trasse verlief durch das südlich gelegene mesotroph-saure Verlandungsmoor auf subneutralem Verlandungsmoor sowie durch den Restsee.
Den Profilschnitten sowie den Erläuterungen konnten Angaben zur Auswirkung der Entwässerung auf das Moorsubstrat sowie Aussagen zur jüngeren Entwicklung der Vegetation entnommen werden.
4.1.1.1 Zustand des Moorsubstrates
Im Folgenden wird die Beschaffenheit des Moorsubstrates genauer erläutert, da diese sich stark auf die Entwicklung der Vegetation auswirkt. Die 1978/´79 in dieser Hinsicht vorgefundenen Bedingungen werden sich seitdem unwesentlich verändert haben, sind also noch für die heutige Vegetationsausprägung von hoher Bedeutung. Das Ausmaß der Torfzersetzung nach der Trockenlegung lässt sich entlang der
Nordtrasse wie folgt zusammenfassen: Im Westteil der Trasse schnitt sich der Entwässerungsgraben 1978/´79 circa einen Meter tief ins Gelände. Dort lagerte unter einer etwa 20 cm mächtigen Schicht von vererdetem Torf eine durchschnittlich 30 cm mächtige Lage von hochzersetztem Torf mit einem Zersetzungsgrad zwischen 8 und 10. Darunter befand sich gering zersetzter Braunmoos-Seggentorf (Humifizierungsgrad um 2) über weiteren nicht von der Entwässerung betroffenen Torf- und Muddeschichten. Die durch Trockenlegung hervorgerufenen Torfabbauprozesse erreichten eine Tiefe von etwa 0,5 m. Die oberen Torfschichten im östlichen Teil der Trasse waren heterogener beschaffen. Im Bereich eines verlandeten Gewässers fanden sich unter Torfschlamm gering bis mäßig zersetzte Torfmoos-Seggentorfe und Braunmoos-Seggentorfe (Zersetzungsgrad zwischen 2 und 4). Der Zersetzungsgrad der obersten Torfschichten der Südtrasse erreichte geringere Ausmaße als auf der Nordtrasse. Die Entwässerungswirkung beeinflusste diesen Teil des Fettseemoores kaum, möglicherweise weil aufkommender Pflanzenbewuchs den oberen Grabenlauf schon seit längerem außer Funktion setzte. Lediglich an den Moorrändern wurde stärkere Zersetzung nachgewiesen. Beiderseits des Restsees lagerte bis zu 1,20 m mächtiger Torfmoostorf (Humifizierungsgrad 1). Diese kaum zersetzte Schicht wuchs einschließlich darunter lagernder Grobdetritusmudde in den See hinein. Der östliche Teil der Untersuchungstrasse war von Braunmoostorf und Braunmoos-Seggentorf mit Humifizierungswerten zwischen 2 und 3 gekennzeichnet. Hier wurden pedogene Prozesse bis in eine Tiefe von zwei Metern ermittelt. In Richtung des westlichen Moorrandes nahm der Zersetzungsgrad des Oberbodens stark zu. Dort reichten schwach bis mäßig zersetzte Braunmoostorfschichten (Zersetzungsgrade von 2-3 und 4-5) bis in eine Tiefe von drei Metern. Darüber lagerte Braunmoos-Seggentorf neben Seggentorf mit Humifizierungswerten zwischen 6 und 7. Darüber befand sich am westlichen Rand eine Schicht hochzersetzter Torf von 20 cm Mächtigkeit unter vererdetem Torf.
4.1.1.2 Vegetationsausbildung
Die nördliche Untersuchungstrasse führte durch folgende Pflanzenbestände: Der westliche Außenrand des Moores war mit Erlen-Eschenwald (Fraxino-Alnetum)
bestockt, woran sich entlang des Entwässerungsgrabens ein Großseggen-Erlenbruchwald (Carici elongatae-Alnetum typicum) schloss. Im Zentrum breiteten sich ein Spitzmoos-Großseggenried (Acrocladio-Magnocarictum Fazies: Carex acutiformis und C. elata) und ein Krummmoos-Seggenried (Drepanoclado-Caricetum Fazies: Carex lasiocarpa, C. elata, C. appropinquata) aus. Der östliche Teil der Trasse war im Bereich eines seit langem verlandeten Sees von Scorpionsmoos-Sumpfsimsenried (Scorpidio-Eleocharitetum quinqueflorae) sowie Krummmoos-Kleinbinsenried (Drepanoclado-Caricetum Fazies: Carex lasiocarpa) geprägt. Daran schloss sich am östlichen Außenrand eine Mädesüß-Hochstaudenflur (Filipenduletum ulmariae). Entlang der Südtrasse wurden folgende Vegetationsformen nachgewiesen: Am westlichen Rand des Fettseemoores erstreckte sich ebenso wie an der Nordtrasse ein Erlen-Eschenwald (Fraxino-Alnetum glutinosae). Der Restsee, auf dem sich eine Krebsscheren-Armleuchteralgen-Wasserpflanzengesellschaft (Hydrocharitetum Stratiotes Fazies) ausbreitete, wurde vermutlich vollständig von einem Schnabelseggen-Kiefern-Birken-Bruchwald/-gehölz (Carici-Betuletum pubescentis) umgeben. Daran schloss sich zum Rand hin ein Torfmoos-Birken-Erlenwald (Sphagno- Alnetumglutinosae), der am östlichen Außenrand der Untersuchungstrasse von einem Kreuzdorn-Stieleichen-Rotbuchenwald (Rhamno Quercetum) abgelöst wurde. Dieser fußte bereits auf vergleytem Substrat, das sich zwischen dem Fettseemoor und dem Quellmoor am Hang befindet (GROOTJANS ET AL. 1992).
4.1.2 Antrag auf Ausweisung zum Naturschutzgebiet 1989 Im Jahr 1989 wurde die Ausweisung des Fettseemoores zum Naturschutzgebiet beantragt. Im Antrag wurde auf seltene, schützenswerte Arten und Vegetationsausbildungen im Untersuchungsgebiet aufmerksam gemacht, um die Unterschutzstellung zu untermauern.
Der Nordteil wurde als kalkreich-mesotrophes Verlandungsmoor mit stark gefährdeten Pflanzengesellschaften beschrieben, in dem sich drei Seggenried-Ausprägungen befinden, auf die bereits SUCCOW (1988) hinwies. Dort wurden die Orchideenarten Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Steifblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), Sumpfsitter (Epipactis palustris) und Glanzkraut (Liparis
loeselii) erfasst. Als weitere gefährdete Pflanzenarten wurden Binsen-Schneide (Cladium mariscus), Armblütige Sumpfsimse (Eleocharis quinqueflora) und Wasserschlaucharten (Utricularia minor, U. vulgaris, U. intermedia) im nördlichen Teil nachgewiesen. Der Südteil wurde als mesotroph-saures Verlandungsmoor mit den von SUCCOW (1988) typisierten Pflanzengesellschaften dargestellt, in denen sich in Brandenburg gefährdete Arten, wie der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia), die Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) sowie die Armleuchteralge Chara hedvigii und die stark gefährdete Krebsschere (Stratiotes aloides) auf dem Restsee befanden. 4.1.3 Aufnahmen im Jahr 1991
Nachdem man 1987 begonnen hatte, den Drainagegraben am Austritt aus dem Fettseemoor durch einen einfachen Damm zu schließen, erfolgten vier Jahre darauf im Juni 1991 Untersuchungen der ersten Ergebnisse der Wiedervernässung. Die Aufnahmen von hydrologischen Verhältnissen und Vegetationsentwicklung nach der Wasserstandsanhebung wurden durch Zusammenarbeit zwischen dem Department of Plant Ecology der Universität Groningen in den Niederlanden und Prof. Dr. Succow unternommen, woraufhin durch GROOTJANS ET AL. 1992 eine Veröffentlichung auf dem „International Peat Congress“ erfolgte. Dabei wurden die im Fettseemoor gewonnenen Ergebnisse zusammen mit Untersuchungen in dem nahe gelegenen Moor Lieper Posse dargestellt. Beide Moore haben eine sehr ähnliche Entwicklungsgeschichte und waren seit mindestens einhundert Jahren von Entwässerung betroffen. Die Lieper Posse hatte im Gegensatz zum Fettseemoor noch keine Renaturierung erfahren. Die Zusammensetzung des Grundwassers wurde in beiden Mooren unter anderem auf pHWert
und Nährstoffgehalt analysiert, um die Funktionsfähigkeit des wiedervernässten Fettseemoores im Vergleich zur noch drainierten Lieper Posse herauszustellen. Daraufhin war es möglich, die Auswirkungen der Wiedervernässung im Fettseemoor zu bewerten und effektive Maßnahmen zur Regeneration von grundwasserernährten Mooren abzuleiten.
Obwohl im Untersuchungsgebiet zur Zeit der Untersuchung noch ein erheblicher Teil des anfallenden Wassers über den Graben ausströmte, wurde durch die Errichtung des Dammes bereits eine Anhebung des Wasserspiegels erreicht. Der Pegel wurde
möglicherweise um etwa 30 cm erhöht, wobei sich die Autoren nicht sicher waren. GROOTJANS ET AL. (1992) beschreibt den Norden des Untersuchungsgebietes als Durchströmungsmoorausbildung und den Süden als Verlandungsmoor mit hydrologisch stark isolierten Arealen um den Restsee. Es wurde eine Vegetationskarte erstellt, die auf den Ausführungen in SUCCOW (1988) aufbaut. Die Klassifikation der Bestände erfolgte allerdings pflanzensoziologisch.
Die Vegetationsausprägung ist zu dieser Zeit als extrem differenziert bewertet worden. So wurden damals zwölf Vegetationstypen im gesamten Untersuchungsraum ermittelt. In der Abbildung 5 sowie der darauf folgenden Beschreibung wurden die Bestände auf mineralischem Untergrund nicht beachtet.
Im weitgehend baumfreien Nordteil erstreckte sich auf einem Großteil der Fläche ein Steifseggen-Ried (Caricetum elatae), welches auf eutroph-subneutralen Standorten (POTT 1992) beheimatet ist. Die Assoziation setzte sich im Zentrum aus der Steif-Segge (Carex elata) neben Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata), Faden-Segge (Carex lasiocarpa), Schnabel-Segge (Carex rostrata) und Blutauge (Potentilla palustris) zusammen. Außerdem kamen vereinzelte Grau-Weiden (Salix cinerea) sowie von Spitzmoos (Calliergonella cuspidata) besiedelte Areale vor. Am äußeren Rand, wo der Wasserspiegel im Jahresverlauf starken Schwankungen unterworfen war, hatte sich die Sumpf-Segge (Carex acutiformis) ausgebreitet. Dort kam ferner das Gemeine Schilf (Phragmitis australis) vereinzelt vor. Im Südteil des Steifseggen-Riedes hatte sich eine Subassoziation aus Grau-Weide (Salix cinerea), Blutauge (Potentilla palustris) und Spitzmoos (Calliergonella cuspidata) etabliert. Dieser Subtyp bildete den Übergang zum Faulbaum-Grauweidengebüsch (Frangulo-Salicetum cinerea), welches sich südlich an das Steifseggen-Ried anschloss. Die Pflanzenarten Grau-Weide (Salix cinerea), Schnabel-Segge (Carex rostrata) und Blutauge (Potentilla palustris) dominierten diesen Bestand neben wenigen Exemplaren der Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata), des Gemeinen Schilfs (Phragmitis australis) und des Spitzmooses (Calliergonella cuspidata). Mesotrophe Vegetationsformen, wie Scorpionsmoos-Sumpfsimsenried (Scorpidio- Eleocharitetumquinqueflorae) und Krummmoos-Kleinbinsenried (Drepanoclado- CaricetumFazies: Carex lasiocarpa) wurden nur stellenweise vorgefunden. Mesotroph-kalkliebende Braunmoose, laut SUCCOW (1988) in den Jahren 1978/´79
noch verbreitet, waren auf sehr kleine Bestände zurückgedrängt. Im überfluteten Nordostteil hatte sich ein Mosaik aus drei Vegetationstypen herausgebildet: Eine Armleuchteralgen-Gesellschaft (Charetalia), die Gesellschaft der Armblütigen Sumpfbinse (Eleocharitetum quinqueflorae) und ein Fadenseggen-Schwingrasen (Caricetum lasiocarpae).
Die Gesellschaft der Armblütigen Sumpfbinse setzte sich aus der namensgebenden Art sowie Sumpf-Dreizack (Triglochin palustre) und Scorpionsmoos (Drepanocladus scorpioides, D. revolvens) zusammen. Es ist davon auszugehen, dass sich hier das Scorpionsmoos-Sumpfsimsenried (Scorpidio-Eleocharitetum quinqueflorae) nach SUCCOW (1988) in geringerem Umfang erhalten konnte. Die Gesellschaft begleiteten stellenweise Kleinseggen-Bestände aus Faden-Segge (Carex lasiocarpa) und Schuppenfrüchtiger Gelb-Segge (Carex lepidocarpa) sowie ein Schneiden-Röhricht (Cladietum marisci). Das kleinflächige Vorkommen des Fadenseggen-Schwingrasen (Caricetum lasiocarpae) wurde von Scorpionsmoos (Drepanocladus revolvens, D. scorpioides) neben Schuppenfrüchtiger Gelb-Segge (Carex lepidocarpa), Faden-Segge (Carex lasiocarpa), Blutauge (Potentilla palustris) und Fieber-Klee (Menyanthes trifoliata) dominiert.
In wassergefüllten Senken, die wahrscheinlich durch Wildschweine entstanden, hatten sich die Wasserschlaucharten Utricularia vulgaris, U. intermedia und U. minor angesiedelt. Das Vorkommen von Wasserschlaucharten wurde bereits im Antrag zur Ausweisung des Fettseemoores zum Naturschutzgebiet in Jahr 1989 erwähnt. Zwischen Nord- und Südteil konnte sich Erlenbruchwald mit reichlich Wasserfeder (Hottonia palustris) in der Krautschicht etablieren.
Erlenbruchwälder bedeckten zu dieser Zeit den gesamten Lagg im Südteil sowie im Nordosten. Die gehölzdominierten Bestände ließen sich innerhalb des Untersuchungsgebietes in die drei Pflanzengesellschaften „Walzenseggen-Erlenwald in Sumpffarn-Ausbildung“ [übernommen nach SUCCOW, d (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.); nach GROOTJANS ET AL. (1992): Thelypterido-Alnetum], Walzenseggen-Erlenwald (Carici-elongatae-Alnetum) und Erlen-Eschenwald (Fraxino-Alnetum) unterteilen.
Der „Walzenseggen-Erlenwald in Sumpffarn-Ausbildung“ bildete den Übergang zwischen dem Walzenseggen-Erlen-Bruchwald und dem sauren Moorzentrum. Dort
waren neben den namensgebenden Arten des weiteren die Grau-Weide (Salix cinerea), die Walzen-Segge (Carex elongata) und verschiedene Torfmoose (Sphagnum palustre, S. fimbriatum, S. fallax) häufig vertreten. Außerdem hatten sich hier der Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) und der Fieber-Klee (Menyanthes trifoliata) etabliert. Die Assoziation des Walzenseggen-Erlenwaldes wurde in verschiedene Ausprägungen gegliedert. Zum einen in eine sehr nasse Subassoziation im Nordwesten, dessen Krautschicht die Walzen-Segge (Carex elongata) neben der Sumpf-Segge (Carex acutiformis) und der Wasserfeder (Hottonia palustris) dominierte. Die zweite Ausprägung war der ersten sehr ähnlich, hier war allerdings die Wasserfeder (Hottonia palustris) sehr häufig vertreten. Diese schloss sich nördlich des Moorzentrums an den „Walzenseggen-Erlenwald in Sumpffarn-Ausbildung“ (Thelypterido-Alnetum) an. Der dritte Subtyp auf trockeneren Standorten wurde zum Großteil von der Sumpf-Segge (Carex acutiformis) eingenommen. Die letzte Ausprägung war im Südende des Fettseemoores auf feuchten Standorten angesiedelt. Hier prägte eine extrem artenreiche Krautschicht mit Vertretern wie Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera), Flatter-Binse (Juncus effusus) und Brennnessel (Urtica dioica) die Bestände. Die Baumschicht war nur licht ausgebildet, da ein Großteil der Birken nach der Wasserstandsanhebung abgestorben war. In allen vier Ausprägungen des Walzenseggen-Erlenwaldes waren ferner die Grau-Weide (Salix cinerea), die Scheinzyper-Segge (Carex pseudocyperus) und das Spitzmoos (Calliergonella cuspidata) häufig vertreten.
Am westlichen Rand des Fettseemoores erstreckte sich auf den trockeneren Arealen ein Erlen-Eschenwald. Die Krautschicht wurde dort vom Weißen Straußgras (Agrostis stolonifera) neben Sumpf-Reitgras (Calamagrostis canescens), Flatter-Binse (Juncus effusus), Brennnessel (Urtica dioica) sowie Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) eingenommen.
Im südlichen gehölzdominierten Teil des Untersuchungsgebietes wurden insgesamt die selben Vegetationseinheiten vorgefunden, wie in SUCCOW (1988) beschrieben, mit Ausnahme des Torfmoos-Birken-Erlenbruchwaldes (Sphagno-Alnetum glutinosae) am Rand des Moorzentrums. Dieser wurde zwischen 1979 und 1991 von dem „Walzenseggen-Erlenwald in Sumpffarn-Ausbildung“ (Thelypterido-Alnetum) verdrängt. Der Moorbirkenwald (Betuletum pubescentis) rund um den Restsee gliederte sich in
zwei Subassoziationen. Westlich des Sees hatte sich eine saure Ausprägung mit der Moor-Birke (Betula pubescens) und der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris) in der Baumschicht und Scheidigem Wollgras (Eriophorum vaginatum), Stern-Segge (Carex echinata) und Schlamm-Segge (Carex limosa) in der Krautschicht sowie Sphagnum fallax und Rundblättrigem Sonnentau (Drosera rotundifolia) in der Moosschicht etabliert. Auf der Ostseite fand sich eine Subassoziation mit einem hohen Anteil Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) in der Baumschicht, jedoch ohne typische Säurezeiger in der Krautschicht. Dort wurden Fieber-Klee (Menyanthes trifoliata), Grau-Weide (Salix cinerea), Flatter-Binse (Juncus effusus), Grau-Segge (Carex canescens) sowie die Torfmoose Sphagnum palustre und Sphagnum fallax nachgewiesen. Auf dem Fettsee hatte sich ein Teppich ausgebreitet, der zum Großteil aus Armleuchteralgen-Arten und der Wasserschlauch-Art Utricularia vulgaris bestand. Die Krebsschere (Stratiotes aloides) war bis auf wenige Quadratmeter zurückgedrängt worden.
Bei der Darstellung der Ergebnisse wurde der enorme Einfluss des ehemaligen Drainagegrabens betont, der sich in starker oberflächlicher Zersetzung des Torfes im Nordwestteil des Untersuchungsgebietes ausdrückte. Die Analyse der Grundwasserzusammensetzung ergab, dass mittlerweile ein ausreichender Anteil des in das Gebiet einströmenden geogenen Wassers vom errichteten Damm im Untersuchungsgebiet zurückgehalten wird, um die obersten Substratschichten stets zu durchnässen. Allerdings wurde als problematisch dargestellt, dass anfallendes Niederschlagswasser sich nicht mit dem Mineralbodenwasser vermischt. Das ombrogene Wasser lagerte oberhalb auf, da entwässerte Torfböden auch nach der Wiedervernässung aufgrund verdichteter Schichten weniger wasserdurchlässig sind (SUCCOW 1988). Durch das auflagernde Niederschlagswasser kam es zu einer verstärkten Nährstoffauswaschung aus den obersten Torfschichten. 4.1.4 Luftbild aus dem Jahr 1993
Anhand des Luftbildes lässt sich das Untersuchungsgebiet in drei klar voneinander unterscheidbare Formationsklassen gliedern. Im nördlichen Teil des Fettseemoores erstreckt sich baum- und strauchfreies Offenland, im gesamten Südteil dominiert hingegen Gehölzbestand. Ferner ist der Restsee als dritte Formationsklasse genau zu
erkennen. Das Offenland, welches einen Großteil des Nordens einnimmt, wird von einzelnen Wasserstellen durchsetzt. An der nordwestlichen Spitze des Untersuchungsgebietes befindet sich eine Wasserfläche, in der einzelne Bäume zu erkennen sind. Diese ordnen sich scheinbar in drei parallelen Reihen an. Der Nordostteil des Fettseemoores lässt sich als Mosaik aus Gehölz und Offenland charakterisieren. Der gesamte zentrale und südliche Bereich ist von Bäumen und Sträuchern bedeckt. Dieser Gehölzbestand setzt sich aus Abschnitten zusammen, die sich durch den Kronenschlussgrad voneinander unterscheiden lassen. Vom nordwestlichen Rand ragt ein dicht geschlossener Gehölzbestand bis weit ins Zentrum hinein. Rund um den Fettsee erscheint die Baumschicht hingegen eher lückig. Vor allem im Südwesten des Restsees ist der Gehölzbestand nur spärlich ausgebildet. Ganz im Süden des Fettseemoores erscheinen die Gehölze vitaler. Dort zeugen ausladende Baumkronen von vergleichsweise alten Bäumen. Der südöstliche Rand wird von weitgehend gehölzfreiem Röhricht eingenommen. 4.1.5 Biotopkartierung in den Jahren 1994 und 1996
Im August 1994 sowie Februar 1996 erfolgte eine Biotopkartierung, die durch die Verwaltung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin in Auftrag gegeben wurde. Im Fettseemoor wurden zu dieser Zeit vier Biotoptypen ausgewiesen. Diese Biotoptypen sind nach § 32 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes geschützt. Im Februar 1996 wurde der Restsee als Moorgewässer (Biotopcode: 02170) ausgewiesen.
Rund um den Fettsee wurde zu dieser Zeit ein Birken-Moorgehölz (Biotopcode: 041322) kartiert. Aus dem beigefügten Geländebogen für Wälder und Forsten ist zu entnehmen, dass die Baumschicht eine maximale Höhe von 10 Metern sowie einen Brusthöhendurchmesser zwischen 8 und 20 cm erreichte. Das Baumartenspektrum bestand zu 50% aus Birke, zu 15% aus Erle und 5% nahm die Kiefer ein. Die Baumkronen erreichten weitgehend Kronenschluss, wobei der Bestand im südwestlichen Teil laut Biotopkartierung licht ausgebildet war. Dort lag die Höhe der Bäume unter fünf Meter. Zur Zeit der Kartierung zeichnete sich das Biotop durch einen hohen Totholzanteil mit zahlreichen morschen oder umgebrochenen Stämmen sowie aufgestellten Wurzeltellern aus. Ferner wurde es als Lebensraum seltener
beziehungsweise gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen, Moose sowie als Kranichbrutgebiet erfasst. Nachgewiesen wurden hier folgende Pflanzenarten: Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia), Gewöhnliche Moosbeere (Oxycoccus palustris), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa), Flatter-Binse (Juncus effusus), Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata), Grau-Segge (Carex canescens), Schlank-Segge (Carex gracilis), Schlamm-Segge (Carex limosa), Lanzettliches Reitgras (Calamagrostis canescens), Sumpf-Farn (Thelypteris palustris), Torfmoos (Sphagnum spec.), Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris).
Rings um das Birkenmoorgehölz wurde im August 1994 ein Erlen-Moorgehölz (Biotopcode: 041332) erfasst. Die Baumschicht dieses Bestandes war zur Erfassungszeit locker geschlossen und wurde zu 65% aus Erle und zu 10% aus Birke gebildet. Das Biotop besaß einen großen Anteil an Totholz. Viele Bäume waren bereits umgebrochen oder absterbend, was zu einer hohen Zahl von Höhlenbäumen und aufgestellten Wurzeltellern führte. Außerdem wurden die nachfolgenden Pflanzenarten erfasst: Ufer-Segge (Carex riparia), Scheinzyper-Segge (Carex pseudocyperus), Schlank-Segge (Carex gracilis), Walzen-Segge (Carex elongata), Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre), Gemeiner Blutweiderich (Lytrum salicaria), Flatter-Binse (Juncus effusus), Sumpf-Farn (Thelypteris palustris), Bucklige Wasserlinse (Lemna gibba),
Kleine Wasserlinse (Lemna minor), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa).
Der größte Teil im Norden des Fettseemoores wurde im Februar 1996 als ungestörtes Seggen- und Röhrichtmoor (Biotopcode: 041216) kartiert. Die Biotopausbildung wurde als teilweise ständig überstauter Bestand beschrieben, der durch das Vorherrschen unterschiedlicher Seggenarten sowie vereinzelte Inseln von Weidengebüsch und Erlenaufwuchs strukturiert wurde. Das Biotop ist damals als Lebensraum für seltene und gefährdete Farn- und Blütenpflanzen ausgewiesen worden, wobei das Vorkommen der nachstehenden Pflanzenarten belegt wurde: Pfeifengras (Molinia caerulea), Ufer-Segge (Carex riparia), Schlank-Segge (Carex gracilis), Walzen-Segge (Carex elongata), Gemeines Schilf (Phragmitis australis), Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Blutauge (Potentilla palustris), Gemeiner Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris). 4.1.6 Orthophoto aus dem Jahr 2001
Das Orthophoto ist bei einer Befliegung im Oktober 2001 entstanden. Zu dieser Zeit waren der Norden des Fettseemoores zum Großteil durch Offenland und der gesamte Süden des Fettseemoores durch Gehölzbestand geprägt. Der offene Röhrichtbestand im Norden wurde von Gehölzinseln durchsetzt. Ein kleinflächiger Wechsel von Gehölz- und Röhrichtbeständen kennzeichnete die Nordost- und Nordwestspitze. Ein Teil des Verlaufs des ehemaligen Entwässerungsgrabens war durch die linienförmige Anordnung von größeren Bäumen noch nachvollziehbar. Die Bestände im Süden des Untersuchungsgebietes ließen sich durch die heterogene Ausbildung der Baum- und Strauchschicht differenzieren. Direkt um den Fettsee hatte sich ein schmaler Gürtel ausgebildet, in dem die Baum- und Strauchschicht mittlere
Deckungswerte erreichten. Dieser Gürtel wurde von einem sehr lichten Gehölzbestand umgeben. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass die Bäume zur Befliegungszeit schon einen Großteil ihrer Blätter verloren haben könnten und der Bestand infolgedessen sehr licht wirkte (bereits eingetretener Blattabwurf der Birken im Untersuchungszeitraum 2006 bestätigt die Vermutung). An diese Ausprägung schloss sich wiederum ein Bestand mit einem höheren Kronenschlussgrad. Dieser bildete im Südteil den äußeren Rand des Fettseemoores. Insgesamt scheinen alle Gehölzbestände zu dieser Zeit geringere Deckungswerte zu erreichen, als zum Zeitpunkt der Aufnahme des Luftbildes.
4.2 Beschreibung der aktuellen Vegetationsausbildung
In diesem Kapitel erfolgt die Darstellung der gegenwärtigen Vegetationsausbildung, die in sechzehn Vegetationseinheiten untergliedert wurde. Im Text wurde jeder Vegetationseinheit eine Nummer zugeordnet, welche das Finden in der Gesamtartenliste erleichtert. Die Aufnahmen fanden zwischen August und Oktober des Jahres 2006 statt. Zur Übersicht wird hier erst die Ausprägung des Lagg sowie des Nordteils beschrieben, worauf die Beschreibung des Moorzentrums folgt. Die im Anhang befindliche Karte stellt die Abgrenzung der beschriebenen Vegetationseinheiten dar. Den Vegetationseinheiten ist im Anhang die Tabelle 1 gewidmet, welche eine Auflistung der vorkommenden Pflanzenarten darstellt. Die Charakterisierung der Vegetation des äußeren Moorrandes, der sich bereits auf mineralischem Untergrund befindet, beschränkt sich auf die Auflistung in Tabelle 2. Nahezu der gesamte Norden und Osten des Gebietes wird von Großseggenried bedeckt, wohingegen Süden und Westen fast vollständig bewaldet sind. Der Südteil des Untersuchungsgebietes wird von einem Verlandungsmoor eingenommen, das sich in den Randsumpf, eine Übergangszone, das Moorzentrum sowie den Fettsee als eigentliches Zentrum aufteilt. Der Lagg setzt sich aus unterschiedlichen Ausbildungen von Erlenbruchwald, Großseggenrieden und Grauweidengebüsch zusammen.
Am nordwestlichen Ende des Untersuchungsgebietes befindet sich ein Wasserfeder-Erlenwald (1). Dort war bis 1987 ein Graben angeschlossen, welcher
heute direkt an der Mündung zum Fettseemoor mit Bodenaushub und Ziegelschutt verfüllt ist. Im Wasserfeder-Erlenwald mit einer Größe von etwa 0,3 ha dominiert die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) in der Baumschicht mit einem Brusthöhendurchmesser von bis zu 20 cm. Die Bäume haben kräftige Bulte ausgebildet. In der Überzahl sind dabei mäßig vitale Bäume, neben denen viele abgestorbene Exemplare zu finden sind. In der spärlich ausgebildeten Strauchschicht gibt es sowohl wenige Grau-Weiden (Salix cinerea) als auch Moor-Birken (Betula pubenscens), die eine Höhe von 4 m erreichen. Der beträchtliche Totholzanteil an der Wasseroberfläche bietet zusammen mit den Erlenbulten Besiedlungsmöglichkeiten für Sauergräser, wie Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Steif-Segge (Carex elata) und Scheinzyper-Segge (Carex pseudocyperus). Daneben haben sich Wasserfeder (Hottonia palustris), Verwachsenblättriger Zweizahn (Bidens connata) sowie Blutauge (Potentilla palustris), Gemeines Helmkraut (Scutellaria galericulata) und Sumpf-Labkraut (Galium palustre) angesiedelt. Außerdem verjüngen sich hier vereinzelt Moor-Birke (Betula pubescens), Gemeine Fichte (Picea abies) und Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris). Die Krautschicht ist jedoch so gering ausgeprägt, dass offene Wasserflächen mit wenigen Exemplaren von Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) und Weißer Seerose (Nymphaea alba) überwiegen. Im Süden schließt sich an diese Vegetationsform ein Erlen-Grauweidengebüsch (2) an. Die vitale Strauchschicht wird von der Schwarz-Erle und der Grau-Weide (Salix cinerea) mit einer Höhe von maximal 5 m beherrscht, wobei die Grauweide deutlich überwiegt. Gelegentlich kommen Ohr-Weide (Salix aurita) und Sal-Weide (Salix caprea) vor. Die Krautschicht der Vegetationsform vermischt sich mit den Arten angrenzender Flächen und ist aufgrund dessen artenreich und vielgestaltig, wobei keine der Arten deutlich überwiegt. So findet man die Wasserfeder (Hottonia palustris), die Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata) und das Blutauge (Potentilla palustris) aus dem Wasserfeder-Erlenwald neben der Sumpf-Segge (Carex acutiformis) als Vertreter des Walzenseggen-Schwarzerlenwaldes, der sich südlich des Erlen-Grauweidengebüsches ausbreitet.
Die Vegetationseinheit des Walzenseggen-Erlenwaldes (3) wird durch die Schwarz-Erle und wenige Moor- Birken in der Baumschicht und einem dichten Sumpf-Seggen- Teppich (Carex acutiormis) in der Krautschicht gebildet. Außerdem wird der Bestand
von vereinzelten Wasserflächen durchzogen. Die mindervitalen Erlen am äußeren Rand erreichen eine Höhe von etwa 10 m. Dort finden sich die Moose Drepanocladus aduncus und Calliergonella cuspidata neben Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Walzen-Segge (Carex elongata) und Scheinzyper-Segge (Carex pseudocyperus). Nach innen verjüngt sich der Erlenbestand. Dieser ist dort dichter und niedriger mit einer Höhe von 7 m. Die überwiegend von Kleiner Wasserlinse (Lemna minor) bedeckten Wasserflächen werden von Gemeinem Schilf (Phragmitis australis), Breitblättrigem Rohrkolben (Typha latifolia) und Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata) begleitet. Im Anhang ist ein Foto der Vegetationsform beigefügt.
Im Süden fügt sich ein Spitzmoos-Großseggenried (4) als eine weitere Ausbildung des Lagg an die zuvor beschriebene Vegetationseinheit an. Abgestorbene Eschen mit einer Höhe bis 15 m und einem Durchmesser von etwa 20 cm bestimmen den Bestand, dessen Krautschicht sich aus Sumpf-Segge (Carex acutiformis) auf den trockeneren Bereichen und Walzen-Segge (Carex elongata) an den Wasserflächen zusammensetzt. Die Wasserflächen haben teilweise eine Deckung von bis zu 40% und werden zum Großteil von Kleiner Wasserlinse (Lemna minor), Untergetauchter Wasserlinse (Lemna trisulca) sowie Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela polyrhiza) eingenommen, während weiter südlich auch offene Wasserflächen vorkommen. Zum Rand hin nehmen Moose wie Calliergonella cuspidata und Drepanocladus polycarpus sowie der Verwachsenblättrige Zweizahn (Bidens connata) zu, während sich weiter innen ein dichter Teppich der Sumpf-Segge mit wenigen Grau-Weiden ausbreitet. Auffällig sind ein alter Birnbaum und zwei große abgängige Eschen (Brusthöhendurchmesser: 70 cm) sowie abgestorbene, zum Teil umgebrochene Fichten (Brusthöhendurchmesser: 30 cm) am Rand der Vegetationsform. Dem Anhang ist ein Foto der Vegetationsform beigefügt.
Das Spitzmoos-Großseggenried geht im Süden in einen Waserfeder-Erlenwald (5) über. Die Baumschicht mit einer maximalen Höhe von 15 m wird von der Schwarz-Erle, die hier Bulte ausgebildet hat, eingenommen. Es ist eine Auflichtung der Kronen zu erkennen, wobei manche Bäume bereits abgestorben sind. Das trifft vor allem auf den Süden der Vegetationsform zu, wo sich die Krautschicht wesentlich artenreicher ausprägt. Jedoch ist im gesamten Bestand ein Aufkommen junger Erlen
auf den Bulten der abgängigen Bäume zu erkennen. Mehr als 60% der Fläche wird von Wasser eingenommen. Kleine Wasserlinse (Lemna minor), Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela polyrhiza) und Untergetauchte Wasserlinse (Lemna trisulca) sowie wenige Exemplare von Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) bedecken die gefluteten Bereiche. Schwimmendes Totholz ist von Schnabel-Segge (Carex rostrata), Walzen-Segge (Carex elongata), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus) und Gemeinem Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) besiedelt. Auf dem in den Sommermonaten trocken gefallenen Rand der Vegetationsform findet sich die Wasserfeder (Hottonia palustris). Der südliche Teil der Vegetationsform wird im Inneren von einem Sumpf-Seggen-Teppich durchzogen. Darauf folgt im Süden eine kleine Bucht, die von einem Spitzmoos-Großseggenried (6) eingenommen wird. Charakteristische Arten der Krautschicht sind die Scheinzyper-Segge (Carex pseudocyperus), die Walzen-Segge (Carex elongata) und die Sumpf-Segge (Carex acutiformis), welche den Bestand dominiert. Ferner treten die Moose Calliergonella cuspidata und Drepanocladus polycarpus vereinzelt auf.
Der Bestand, der das gesamte Südende einnimmt, ist ein Grauweiden-Schwarzerlenwald (7) nach HOFMANN & POMMER (2005). Neben wenigen jungen Birken beherrschen vitale Erlen mit einer maximalen Höhe von 7 m und einem Brusthöhendurchmesser von etwa 8 cm die lichte Baum- und Strauchschicht. Der westliche Teil, der an das oben beschriebene Großseggenried grenzt, weist ein Mosaik aus Erlen-Grauweidengebüsch und Großseggenried auf. Dort findet man Sumpfseggen-Ausbildungen, die zum einen von einzelnen jungen vitalen Erlen, zum anderen älteren abgängigen Erlen neben kleinflächigem Grauweidengebüsch durchsetzt sind. Ganz im Süden bestimmt Grauweidengebüsch mit umgebrochenen Fichte den Bestand. Die Vegetationsausbildung wird von vereinzelten Wasserflächen mit einer Deckung von etwa 10 % durchzogen, woraufhin sich dort die Kleine Wasserlinse (Lemna minor) angesiedelt hat. Die ausgeprägte Krautschicht setzt sich vor allem aus Sumpf-Calla (Calla palustris), Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre), Flatter-Binse (Juncus effusus), Walzen-Segge (Carex elongata) und Sumpf-Farn (Thelypteris palustris) zusammen. Nach Innen treten neben abgestorbenen sowie jungen Erlen vermehrt Sumpf-Farn und Sumpf-
Segge (Carex acutiformis) auf, wohingegen am nordöstlichen Rand die Flatter-Binse neben der Sumpf-Segge häufig präsent ist. Am Rand wurden die Moose Calliergonella cuspidata, Drepanocladus polycarpus und Sphagnum fimbriatum nachgewiesen. Im Anhang ist ein Foto der Vegetationseinheit zu finden, welches an der Südspitze des Untersuchungsgebietes entstand. An diesen Grauweiden-Schwarzerlenwald schließt sich ein Spitzmoos-Großseggenried (8) als weitere Ausbildung des Lagg im Südosten an. Die Krautschicht des Bestandes setzt sich überwiegend aus Sumpf-Segge (Carex acutiformis) und Walzen-Segge (Carex elongata) zusammen. Der Bestand ist neben einzelnen abgängigen Schwarz-Erlen von wassergefüllten Schlenken mit Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Schnabel-Segge (Carex rostrata) sowie Sumpf-Farn (Thelypteris palustris) durchsetzt.
Am Ostrand hat sich an zwei Stellen eine Schilfried-Ausprägung von jeweils etwa 5 m2 ausgebildet. Dort dominieren neben Gemeinem Schilf (Phragmitis australis) ebenfalls Sumpf-Segge und Scheinzyper-Segge (Carex pseudocyperus). Im Norden beherrschen abgestorbene Kiefern das Bild der Vegetationseinheit. Die Bäume mit einer Höhe von etwa 20 m erreichten ein Alter von circa 100 Jahren. Dort treten außer den genannten Vertretern der Krautschicht vermehrt das Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre) und die Steif-Segge (Carex elata) auf. Ferner erreicht der Sumpf-Farn hier hohe Deckungswerte. Das dem Anhang beigefügte Foto gibt diesen Teil des Bestandes wieder.
Im Norden hat sich ein kleinflächiger Wechsel von einzelnen jungen Schwarz-Erlen, Erlen-Grauweidengebüsch und Großseggenried ausgebildet, der von Schnabel-Segge (Carex rostrata) und Walzen-Segge (Carex elongata) neben Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Flatter-Binse (Juncus effusus) und Calliergonella cuspidata dominiert wird. Der nordöstliche Rand nahe dem Quellmoor wird von einer Galium palustre-Carex acutiformis-Gesellschaft (9) nach PASSARGE (1999) eingenommen. Die Sumpf-Segge (Carex acutiformis) bildet hier einen dichten Bestand, während lediglich Sumpf-Labkraut (Galium palustre), Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre) sowie Moose wie Drepanocladus aduncus und Leptodictyum riparium vereinzelt eingestreut sind. Im Anhang ist ein Foto der Vegetationsform beigefügt.
Diese Vegetationsform geht in ein Spitzmoos-Großseggenried (10) im Norden des Untersuchungsgebietes über. Diese Vegetationsform erreicht die größte Flächenausdehnung mit 1,7 ha. Während im Inneren die Bulte der Steif-Segge (Carex elata) und der Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata) das Bild des Bestandes dominieren, wird der Rand von der Sumpf-Segge (Carex acutiformis) eingenommen, die stellenweise weit in den Bestand hineinragt. Die Vegetationsform wird zu etwa 50% von offenen Wasserflächen bedeckt und ferner von einzelnen jungen mindervitalen Schwarz-Erlen und Grau-Weidengebüsch durchsetzt. Nahe der von Norden in das Gebiet hineinragenden Landzunge befindet sich eine Ausbildung, in der Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Gemeines Schilf (Phragmitis australis) und Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia) überwiegen. Die offenen Wasserflächen begleiten Schnabel-Segge (Carex rostrata), Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata) und Steif-Segge (Carex elata). Auf den mächtigen Bulten der beiden letztgenannten Seggen haben sich die Graugrüne Sternmiere (Stellaria palustris), das Sumpf-Schaumkraut (Cardamine palustris) sowie das Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre) angesiedelt.
Im Bereich des verlandeten Sees findet sich ein monophytischer Bestand der Binsen-Schneide (Cladium mariscus) von etwa 15 m2. Dieser wird von Breitblättrigem Rohrkolben (Typha latifolia) umgeben. Angrenzend an diesen Bestand hat sich eine Schwingdecke aus den Moosen Drepanocladus aduncus und Leptodictyum riparium gebildet, die unter anderem von Blutauge (Potentilla palustre), Sumpf-Labkraut (Galium palustre), Bitterem Schaumkraut (Cardamine amara) und Schnabel-Segge (Carex rostrata) besiedelt wird. Ferner kam die Faden-Segge (Carex lasiocarpa) vereinzelt vor.
Im Südwestteil des Bestandes erstreckt sich eine Phragmitis-Ausbildung, die von den Bulten der Steif-Segge (Carex elata) und der Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata) sowie offenen Wasserflächen mit Schnabel-Segge (Carex rostrata), Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), Untergetauchter Wasserlinse (Lemna trisulca) sowie Blutauge (Potentilla palustris) ergänzt wird. Nahe dem Wasserfeder-Erlenwald, der im Nordwesten an das Spitzmoos- Großseggenried grenzt, finden sich vermehrt die Sumpf-Segge (Carex acutiformis),
Schnabel-Segge (Carex rostrata) und Steif-Segge (Carex elata) neben vereinzelten Schwarz-Erlen mit einer Höhe von bis zu 5 m.
Am Nordostende des Fettseemoores setzt sich der Bestand aus Schnabel-Segge (Carex rostrata) und der Walzen-Segge (Carex elongata) zusammen. Stellenweise sind Ohr-Weide (Salix aurita) und Grau-Weide (Salix cinerea) beigemischt. Den größten Teil dieser Ausprägung, etwa 40%, nehmen geflutete Bereiche ein, die teilweise von Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) besiedelt werden. Am Rand breitet sich stellenweise ein Sumpf-Seggen-Teppich aus, der von dem Moos Drepanocladus aduncus ergänzt wird.
Im gesamten Bestand treten die Ohr-Weide (Salix aurita) und wenige junge Schwarz-Erlen vereinzelt auf. Ferner wurden die Moose Calliergonella cuspidata und Calliergon giganteum nachgewiesen. Im Anhang befindet sich ein Foto des Bestandes, welches am Rand nahe dem Hochsitz entstand. An diese Vegetationsform schließt sich in der Bucht im Nordosten ein Erlen-Grauweidengebüsch (11) an, wo Grau-Weiden neben wenigen Schwarz-Erlen mit einer Höhe von maximal 4 m dominieren. Die sehr schwach ausgeprägte Krautschicht ist von den dominanten Arten des Spitzmoos-Großseggenriedes Schnabel-Segge (Carex rostrata) und Walzen-Segge (Carex elongata) durchsetzt. Mit geringen Deckungswerten treten der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia), die Sumpf-Segge (Carex acutiformis) und der Verwachsenblättrige Zweizahn (Bidens connata) auf.
Als eine Ausbildung des Lagg schließt sich nördlich an den äußeren Rand des Moorzentrums ein Grauweiden-Schwarzerlenwald (12) nach HOFMANN & POMMER (2005) an. Dort finden sich viele abgängige und bereits abgestorbene Schwarz-Erlen mit einer Maximalhöhe von 15 m sowie tote Birken einer Höhe von bis zu 10 m. Die in manchen Teilen stark ausgebildete Strauchschicht wird von Weidengebüsch (Grau- und Ohrweide) und einzelnen Exemplaren des Faulbaumes (Frangula alnus) gebildet. Die Krautschicht beherrschen Walzen-Segge (Carex elongata) und Sumpf-Farn(Thelypteris palustris), während Scheinzyper-Segge (Carex pseudocyperus), Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Schnabel-Segge (Carex rostrata) sowie Gemeines Schilf (Phragmitis australis) mit geringen Deckungswerten beigemischt sind. Ferner sind vereinzelte offene Wasserflächen, die von Froschbiss (Hydrocharis
morsus-ranae) und Wasserfeder (Hottonia palustris) besiedelt werden, in der schwer betretbaren Vegetationsform zu finden.
Im Osten des Bestandes hat sich ein dichter, fast kreisrunder Schwarzerlenbestand entwickelt. Die Bäume sind gleichaltrig und etwa 8 m hoch, wobei die Krautschicht von der Sumpf-Segge (Carex acutiformis) eingenommen wird. Den Übergang des Lagg zum Moorzentrum bildet ein Torfmoos-Moorbirken-Erlenwald (13). Dort überwiegt die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) gegenüber der Moor-Birke (Betula pubescens). Die Schwarz-Erle mit einem Brusthöhendurchmesser von 10 bis 15 cm und einer Höhe von etwa 5 m ist hier wesentlich vitaler als die Moor-Birke, von der vor allem abgängige und abgestorbene Exemplare sowie Baumstümpfe existieren. Die sehr ausgeprägte Strauchschicht setzt sich aus der vorherrschenden Grau-Weide (Salix cinerea) neben wenigen Exemplaren des Faulbaumes (Frangula alnus) zusammen. Die artenreiche Krautschicht wird in weiten Teilen des Bestandes von Sumpf-Farn (Thelypteris palustris), Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Hunds-Straußgras (Agrostis canina), Blutauge (Potentilla palustris) und Sumpf-Weidenröschen (Epilobium palustre) gebildet, wobei keine der Arten dominiert. Auf den Erlenbulten gedeihen Torfmoose, die sich ebenso wie das Gemeine Schilf (Phragmitis australis), die Sumpf-Calla (Calla palustris) und der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) aus dem Schnabelseggen-Moorbirkenwald hier angesiedelt haben. Indes sind auch Vertreter aus angrenzenden Lagg-Ausbildungen wie Walzen-Segge (Carex elongata) oder Wasserfeder (Hottonia palustris) eingewandert. Ferner finden sich einzelne Exemplare der Gemeinen Fichte (Picea abies), der Rot-Buche (Fagus sylvatica) und der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris) in der Krautschicht. Im Südosten setzt sich diese Vegetationsform lediglich aus Sphagnum palustre in der Moosschicht, der Ohr-Weide (Salix aurita) und wenigen Exemplaren der Grau-Weide (Salix cinerea) zusammen. Die Sumpf-Segge (Carex acutiformis), welche im angrenzenden Schnabelseggen-Moorbirkenwald im Osten den Bestand beherrscht, breitet sich ebenfalls im Ostteil des Torfmoos-Moorbirken-Erlenwaldes aus. Auch die Grau-Weide (Salix cinerea) erreicht hohe Deckungswerte im Osten der Vegetationseinheit. Nach Nordosten dominiert der Sumpf-Farn (Thelypteris palustris) neben der Grau-Weide den hier lediglich einen Meter breiten Bestand, während die
Sumpf-Segge von der Walzen-Segge (Carex elongata) abgelöst wird. Im Norden verbreitert sich die Vegetationseinheit wieder, während Sumpf-Farn und Pfeifengras (Molinia caerulea) in der Krautschicht überwiegen. Im Westen der Vegetationsform tritt vereinzelt die Wald-Simse (Scirpus sylvaticus) neben dem Sumpf-Reitgras (Calamagrostis canescens) und der Sumpf-Calla (Calla palustris), die hier höhere Deckungswerte als im übrigen Bestand erreicht, auf.
An diese Vegetationseinheit schließt sich ein zwischen dreißig und sechzig Meter breiter Ring eines mesotroph-sauren Schnabelseggen-Moorbirkenwaldes (14), der das Moorzentrum bildet. Die Baumschicht mit einer Höhe von maximal 12 m wird neben Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) und Gemeiner Kiefer (Pinus sylvestris) flächendeckend vor allem von der Moor-Birke (Betula pubescens) gebildet. Es ist auffällig, dass zum inneren sowie äußeren Rand hin der Anteil der Birken zugunsten der Erlen abnimmt.
Die Moor-Birke mit einem Brusthöhendurchmesser bis zu 15 cm bildet lichte Bestände aus mäßig vitalen und toten Bäumen sowie kleinen vitaleren Exemplaren in der Strauchschicht. Neben gelegentlich auftretenden vitalen Kiefern in der Strauchschicht der gesamten Vegetationseinheit sind abgängige Exemplare mit einer Höhe von maximal 15 m im Osten verbreitet. In der Krautschicht finden sich einzelne Individuen der Ohr-Weide (Salix aurita), der Buche (Fagus sylvaticus), der Gemeinen Fichte (Picea abies) und der Europäischen Lärche (Larix decidua). Das Arteninventar der Krautschicht ist eher heterogen und lässt sich in verschiedene Ausprägungen gliedern, wobei Schnabel-Segge (Carex rostrata) und Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum) den gesamten Bestand bestimmen. Die Schnabel-Segge existiert in der für diesen Standort charakteristischen Hungerform und erreicht Höhen von nur 40 cm (POTT 1995). Häufig sind auch die Grau-Segge (Carex canescens), die Flatter-Binse (Juncus effusus) und die Wiesen-Segge (Carex nigra) in der gesamten Vegetationsform vertreten.
Die vitale Moosschicht zieht sich flächendeckend durch den schwammsumpfigen Bestand und wird neben dem auf sehr gering ausgeprägten Bulten wachsenden Polytrichum strictum von Torfmoosarten (Sphagnum palustre, S. rubellum, S. russowii, S. fallax, S. riparium) dominiert. Den Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia), welcher in weiten Teilen der Moosschicht vorhanden ist, ersetzen im
Süden und Südwesten die Gemeine Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) und die Blaubeere (Vaccinium myrtillus). Dort kommt die Schlamm-Segge (Carex limosa) vereinzelt vor, wohingegen die Krautschicht im Gegensatz zur typischen Ausprägung des Bestandes lediglich geringe Deckungswerte erreicht. Im Westen und Südwesten der Vegetationsform erstreckt sich ein dichter Bestand von Gemeinem Schilf (Phragmitis australis), der neben der Moor-Birke in der Baumschicht und der Gemeinen Kiefer in der Strauchschicht von der Flatter-Binse (Juncus effusus), der Schnabel-Segge (Carex rostrata), der Grau-Segge (Carex canescens) sowie dem Scheidigen Wollgras (Eriophorum vaginatum) in der Krautschicht begleitet wird. Diese Ausprägung geht im Südosten der Vegetationseinheit in einen dichten Teppich mit Sumpf-Segge (Carex acutiformis) über, in dem das Gemeine Schilf (Phragmitis australis) ebenso wie die zuvor genannten Begleitarten eingestreut ist. Der Norden ist neben dem Schmalblättrigen Wollgras (Eriophorum angustifolium) vom Blauen Pfeifengras (Molinia caerulea) durchsetzt, das hier den Bestand dominiert. Vor allem im Norden und Osten ist der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) vereinzelt eingestreut. Der äußere sowie innere Rand wird von Hunds-Straußgras (Agrostis canina) und von Sumpf-Fingerkraut (Potentilla palustris) besiedelt. Im Süden ragt eine Ausbuchtung der Vegetationsausbildung in den äußeren Lagg. Das Bild des Bestandes wird hier von der Schnabel-Segge (Carex rostrata) und dem Gemeinen Schilf (Phragmitis australis) beherrscht, während das typische Arteninventar des Schnabelseggen-Moorbirkenwaldes mit der Moor-Birke in der Baumschicht, einer flächendeckenden Moosschicht aus Torfmoosen und weiteren Vertretern in der Krautschicht vorhanden ist. Dem Anhang sind zwei Fotos der Vegetationsform beigefügt. Ferner ist das Foto auf dem Deckblatt dort entstanden.
Direkt an den Restsee schließt sich eine zwischen ein und drei Meter breite Schwingmoorausbildung, die von der Vegetationseinheit Thelypterido palustris-Phragmitetum australis (15) nach PASSARGE (1999) eingenommen wird. Die Assoziation ist von dichtem Unterwuchs geprägt, wobei Sumpf-Farn (Thelypteris palustris) und Gemeines Schilf (Phragmitis australis) dominieren. Der Bestand lässt sich einer Subassoziation zuordnen, die von Blutauge (Potentilla palustris), Hunds- Straußgras (Agrostis canina) sowie den Moosen Sphagnum fallax und Calliergon
giganteum geprägt wird (PASSARGE 1999).
Diese direkte Verlandungszone wird außerdem von Flatter-Binse (Juncus effusus) und Sumpfhaarstrang (Peucedanum palustre) mit geringer Artmächtigkeit eingenommen. Im Osten ist der Bestand von der Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata) durchsetzt. Die gering ausgeprägte mindervitale Baumschicht, welche eine Höhe von bis zu 15 m erreicht, wird im Wesentlichen von der Schwarzerle (Alnus glutinosa) und der Moorbirke (Betula pubescens) gebildet, während der Nordosten von der Kiefer (Pinus sylvestris) besiedelt wird. Die Grau-Weide (Salix cinerea) nimmt im Südteil dieser Vegetationseinheit einen großen Teil der sonst spärlichen Strauchschicht ein. Dort hat sich eine Schwingdecke von etwa 5 m² aus Torfmoosen entwickelt. Die Moosschicht ist dort im Gegensatz zum Rest des Bestandes flächendeckend vorhanden.
Auf dem mesotroph-basenreichen Restsee hat sich die Vegetationseinheit Hydrocharito-Stratiotetum aloidis (16) nach Passarge 1996 herausgebildet. Die Assoziation ist in einer typischen Ausprägung vorhanden, die sich aus Krebsschere (Stratiotes aloides, über 80% Deckung), Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) und Kleiner Wasserlinse (Lemna minor) zusammensetzt. Nach SCHUBERT ET AL. (2001) handelt es sich um die Assoziation Stratiotetum aloidis des Verbandes Hydrocharition morsus-ranae mit den oben genannten Arten als typische Vertreter. Da sich die Assoziation nach SCHUBERT ET AL. (2001) in zwei Facies untergliedern lässt, wurde der Bestand der Stratiotes aloides-Facies, welche in nährstoffärmeren Gewässern ihren Verbreitungsschwerpunkt hat, zugeordnet. Am unbetretbaren Rand des Sees hat sich außerdem die Weiße Seerose (Nymphaea alba) stellenweise angesiedelt. Im Anhang befinden sich zwei Fotos des Fettsees im Sommer- sowie im Herbstaspekt.
Zum Abschluss der Beschreibung der gegenwärtigen Vegetationsausbildung wurde der prozentuale Flächenanteil der Vegetationseinheiten an der Gesamtfläche des Untersuchungsgebietes geschätzt. Daraus wird ersichtlich, dass knapp die Hälfte des Fettseemoores zu jeweils etwa gleichen Anteilen von Spitzmoos-Großseggenried sowie von Grauweiden-Schwarzerlenwald eingenommen wird. Einen bedeutenden Teil mit 14% an der Gesamtmoorfläche bedeckt der Schnabelseggen-Moorbirkenwald im Moorzentrum. Die geringste Ausdehnung erreichen hingegen die Galium palustre-Carex
acutiformis-Gesellschaft und die Pflanzengesellschaften des Thelypterido palustris-Phragmitetum australis und des Hydrocharito-Stratiotetum aloidis.
4.3 Aktuelle Standortparameter
4.3.1 Wasserstände
Die im September und Januar 2006 im Gelände ermittelten Wasserstände ergaben folgendes Bild:
Im Fettseemoor haben sich nach der Wiedervernässung die Wasserstufen 5+ und 6+ ausbilden können. Um den Restsee hat sich ein Schnabelseggen-Moorbirkenwald (14) entwickelt, dem die Wasserstufe 5+ zugeordnet wurde. Dieser ist neben dem Walzenseggen-Erlenwald (3) am Nordwestrand und dem Spitzmoos-Großseggenried (6) am südwestlichen Rand des Untersuchungsgebietes die einzige Vegetationseinheit, in der die Wasserstufe 5+ nachweisbar ist. In allen übrigen Vegetationsausbildungen wurde die höchste Wasserstufe (6+) ermittelt. Die Jahresmediane der Wasserstufe 6+ liegen zwischen 20 und 140 cm über Flur, während sich bei Wasserstufe 5+ die Jahresmediane zwischen 20 cm über Flur und der Fluroberkante bewegen.
Im Moorzentrum lag das Niveau des Wasserstandes Ende September 2006 sowie Ende Januar 2007 etwa an der Fluroberkante. Hier zeigt die Vegetationsform die Wasserstufe 5+ an, was durch die gemessenen Wasserstände bestätigt wurde. Im Lagg sowie im Nordteil des Untersuchungsgebietes variiert der Wasserpegel zwischen trockenem und feuchtem Halbjahr um etwa 25 cm, wobei in allen Arealen stets die Durchfeuchtung des Substrates gegeben ist. Die geringen Unterschiede der Wasserstufenausbildung sind Ausdruck des kaum reliefierten Untergrundes.
4.3.2 pH-Werte
Die im September 2006 im Untersuchungsgebiet stichprobenartig gemessenen pH-Werte korrelieren mit den Säure-Basen- Stufen der jeweiligen Vegetationsformen. In Arealen, auf denen sich Vegetationsformen neutral bis basischer Standortsverhältnisse ausgebildet haben, wurden pH-Werte zwischen 6,5 und 7,0 ermittelt. Subneutrale Oberbodenbedingungen ergaben pH-Werte zwischen 6,0 und 6,3. Im stark bis mäßig
sauren Moorzentrum sind Werte zwischen 3,2 und 4,2 nachgewiesen worden.
5 Diskussion der Ergebnisse
In der Darstellung der Vegetationsveränderungen vor und nach Beginn der Renaturierung wird erst auf allgemeine Tendenzen im gesamten Untersuchungsgebiet eingegangen, worauf die Erläuterung der Entwicklung in einzelnen Vegetationseinheiten folgt.
Die Ausprägung der Vegetation im Untersuchungsgebiet kann ab 1978/´79 rekonstruiert werden, da aus dieser Zeit erste Untersuchungen vorliegen. Über die Entwicklung vor dieser Zeit können nur Hypothesen aufgestellt werden, die sich auf in der Literatur beschriebene Beobachtungen in anderen drainierten Mooren sowie mündliche Mitteilungen des ehemaligen Gebietsbetreuer im Biosphärenreservat, Herrn Woßmann, stützen.
5.1 Vegetationsentwicklung vor der Wiedervernässung
Die Vegetation des Fettseemoores wurde seit dem 19. Jahrhundert von Entwässerung beeinflusst. Die Anlage eines Grabens im Nordwestteil des Moores hatte Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem. Mit der Trockenlegung der obersten Torfschicht in einem Großteil des Untersuchungsgebietes gingen die Beendigung der Torfakkumulation und der Beginn einer schwachen Mineralisation einher. Die Nährstoffmobilisierung durch Mineralisation in den obersten Torfschichten führte tendenziell zu höheren Trophiestufen.
Eine deutliche Stickstoffmineralisation im Randsumpf konnte laut GROOTJANS ET AL. (1992) in über einhundert Meter Entfernung vom Drainagegraben nachgewiesen werden.
Mit der Entwässerung dürften aus dem bis dahin wachsenden Torfmoor mit braunmoosreichen Seggenrieden im nördlichen Teil des Untersuchungsgebietes eine Feuchtwiese entstanden sein. Im südlichen Teil dürfte die Verlandung des Restsees gefördert worden sein.
Die entstandenen Feuchtwiesen konnten seit dem Grabenausbau als Mähwiese genutzt werden (mündliche Mitteilung Woßmann, Januar 2007). Nach der Nutzungsauflassung Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, die vermutlich
mit der Einstellung der Grabenpflege einherging, dürfte sich eine mäßige sekundäre Vernässung bemerkbar gemacht haben. Es ist anzunehmen, dass sich auf den zuvor extensiv genutzten Feuchtwiesen relativ zügig Seggenriede und Röhrichte ausgebreitet haben. Wahrscheinlich ist der gesamte Randsumpf bis zum Südende zumindest oberflächlich vererdet worden. Das Auftreten von nitrophilen Staudengesellschaften am Nordwestrand wird durch den bei der Mineralisation der oberen Torfschicht freigesetzten Stickstoff begünstigt worden sein (DIERSSEN 2001). Gerade die äußersten Randbereiche dürften im Zuge der Trockenlegung in besonderem Maße von Torfzersetzung betroffen gewesen sein. Ohne einen Rückbau der Melioration, der ab 1987 erfolgte, hätten sich vermutlich polytraphente Hochstaudenfluren auf den trockengefallenen Arealen ausbreiten können. Dieser Entwicklung wäre daraufhin völlige Bewaldung gefolgt. Die Ansiedlung von Pioniergesellschaften wie Weidengebüsch initiierte die Bewaldung nach der Nutzungsauflassung im nördlichen Teil. Laut Succow (mündliche Mitteilung, Februar 2007) war bereits 1978/´79 der Aufwuchs von Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Moor-Birke (Betula pubescens) und Gemeiner Kiefer (Pinus sylvestris) stellenweise zu verzeichnen. Die Etablierung von Gehölzen wiederum dürfte durch den vergleichsweise höheren Wasserverbrauch zu einer gewissen Absenkung des Wasserstandes beigetragen haben (DIERSSEN 2001). In SUCCOW (1988) sind die Auswirkungen der Entwässerung auf die obersten Substratschichten anhand der Profilschnitte ableitbar. Das damalige Ausmaß der Torfzersetzung, in Kapitel 4.1.1 genauer dargestellt, spiegelte sich in oberflächiger Vererdung über teilweise hochzersetzten Torfschichten wider. Anhand der 1978/´79 entlang der Untersuchungstrassen nachgewiesenen Vegetationsformen lassen sich deutliche Veränderungen zur Zeit der Trockenlegung nachweisen. Am Nordwestrand des Untersuchungsgebietes, wo bis Anfang der 1950er Jahre Wiesennutzung stattfand, etablierte sich nach Nutzungsauflassung ein Erlen-Eschenwald. Zwei mächtige Eschen (Fraxinus excelsior) am Rand des Bestandes werden dabei als Samenbäume fungiert haben. Nach der Nutzungsaufgabe können Erlen-Eschenwälder aus aufgelassenen Pfeifengraswiesen oder daraus entstandenen Hochstauden- und Großseggenbeständen hervorgehen (PFADENHAUER 1993). Sie spiegeln einen basen- und nährstoffreichen Standort wider.
Die Mädesüß-Hochstaudenflur am östlichen Rand der Nordtrasse deutet auf gut stickstoffversorgte, subneutral-kalkreiche Standortverhältnisse hin. Diese Vegetationsform gedeiht auf brachliegenden Feuchtwiesen und stellt ein Übergangsstadium in der Sukzession zu Waldgesellschaften dar (ELLENBERG 1996). Sie ist im Fettseemoor an diesem Standort vermutlich sowohl auf Nährstoffzufluss durch einströmendes Mineralbodenwasser als auch auf Torfzersetzung durch Trockenlegung der Randbereiche zurückzuführen.
Auf der nördlichen Trasse schließt sich im Bereich des Entwässerungsgrabens an den Erlen-Eschenwald ein Großseggen-Erlenbruchwald. Diese Bruchwaldgesellschaft bildet ein relativ stabiles Endstadium der Sukzession auf dauernassen, jedoch höchstens kurzzeitig überstauten Standorten mit kräftiger bis mittlerer Nährstoffversorgung (HOFMANN 1997).
Das Zentrum des Nordteils wurde von braunmoosreichen Seggenried-Ausprägungen naturnaher Moorstandorte eingenommen. Naturnähe zeigt sich in einem Moor laut SUCCOW (1988) in Torfwachstum oder zumindest Stillstand der Torfzehrung. Die hier ermittelten Seggenried-Vegetationsformen zeigen die Wasserstufe 5+ an. Unter diesen Wasserstandsverhältnissen findet Torfakkumulation statt. Der Drainagegraben war zu dieser Zeit bereits weitgehend verlandet, sodass auf den einst trockengelegten Wiesen eine Wasserstandsanhebung ohne Zutun des Menschen erfolgt war. Das Seggenried ließ sich in Spitzmoos-Großseggenried (Acrocladio-Magnocarictum Fazies: Carex acutiformis und C. elata), Krummmoos-Seggenried (Drepanoclado-Caricetum Fazies: Carex lasiocarpa, C. elata, C. appropinquata) und Scorpionsmoos-Sumpfsimsenried (Scorpidio-Eleocharitetum quinqueflorae) differenzieren. Das heute stark gefährdete Spitzmoos-Großseggenried spiegelt mesotroph-subneutrale Standortbedingungen wider. Die vom Aussterben bedrohte Vegetationsform des Krummmoos-Seggenriedes gedeiht auf basenreichen Arealen mittlerer Trophie. Spitzmoos-Großseggenried und Krummmoos-Seggenried deuten auf ein Durchströmungsregime hin. Das vom Aussterben bedrohte Scorpionsmoos-Sumpfsimsenried besiedelt Standorte mittlerer Trophie mit Schwingmoorregime, was an dieser Stelle auf einen verlandeten See zurückzuführen ist. Alle genannten Seggenried-Vegetationsformen sind auf naturnahen Moorstandorten beheimatet (vgl. SUCCOW 1988).
Entlang der Südtrasse wurden ebenfalls vornehmlich Vegetationsformen nachgewiesen, die auf ungestörte Verhältnisse hindeuten. Das ist auf ein geringeres Ausmaß der Entwässerungswirkung in diesem Bereich des Untersuchungsgebietes zurückzuführen und dürfte damit zusammenhängen, dass der Graben an seinem Beginn nahe dem See schon frühzeitig verlandete. Laut SUCCOW (1988) war rund um den Fettsee 1978/´79 Torfakkumulation zu verzeichnen. Am westlichen Rand fand hingegen Torfzersetzung in großem Umfang statt. Dort hatte sich ein Erlen-Eschenwald etabliert.
Der Kreuzdorn-Stieleichen-Rotbuchenwald auf vergleytem Substrat hat sich bis heute fortwährend am östlichen Außenrand der Südtrasse erhalten können, da die Wasserspeisung aus dem angrenzenden Quellmoor vermutlich stets erhalten blieb. Auf den kaum entwässerten Flächen im Süden des Untersuchungsgebietes konnten sich ein Torfmoos-Birken-Erlenwald und ein Schnabelseggen-Kiefern-Birken-Bruchwald (-gehölz) ansiedeln. Diese naturnahen Bestände der Wasserstufe 5+ ordneten sich in einem Gürtel um den Fettsee an und waren Ausdruck von anthropogen bedingten Verlandungsschüben (Succow, mündliche Mitteilung, Februar 2007).
Der mäßig gefährdete Torfmoos-Birken-Erlenwald gedeiht auf stark bis mäßig sauren Standorten mittlerer Trophie (SUCCOW 1988).
Der Schnabelseggen-Kiefern-Birken-Bruchwald mit dem Zusatz „-gehölz“ war von einer spärlich ausgebildeten Baumschicht geprägt, was charakteristisch für nasse, bodensaure Bruchwälder ist (ELLENBERG 1996). Die mäßig gefährdete Vegetationsform besiedelt ziemlich arme, stark bis mäßig saure Standorte. Infolge des Basenmangels im oberflächlich anstehenden Substrat wird die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) hier von Moor-Birke (Betula pubescens) und Gemeiner Kiefer (Pinus sylvestris) verdrängt (ELLENBERG 1996). Der Torfmoos-Birken-Erlenwald hingegen fußt auf dem subneutralen Substrat des Lagg, daher konnten sich hier vereinzelte Schwarz-Erlen etablieren. Das gemeinsame Vorkommen von Birke und Kiefer im Schnabelseggen-Kiefern-Birken-Bruchwald deutet auf den Einfluss des subatlantischen Klimas hin (ELLENBERG 1996).
Die Trophiestufe (ziemlich arm) ist auf die Filterwirkung des Torfkörpers zurückzuführen. Beim Durchfließen des basenreichen Mineralbodenwassers vom
äußeren Lagg zu Moorzentrum findet Nährstoff- und Elektrolytfilterung statt (SUCCOW 1988).
Die Areale um den Restsee gehen auf junge Verlandungsprozesse zurück. Dieser Teil des Fettseemoores wird durch gering zersetzte, quellfähige Torfe und darunter liegende wässrige Mudden stets zur Oszillation fähig gewesen sein. Je nach Wasserdargebot konnte sich dieser Bereich deshalb durch Aufschwimmen oder Zusammensacken dem Wasserstand anpassen. Oszillation gewährleistet die permanente Wassersättigung des Substrates und schließt Überstauung aus (SUCCOW 1988).
Ferner wurde eine Krebsscheren-Armleuchteralgen-Wasserpflanzengesellschaft (Hydrocharitetum Stratiotes Fazies) nachgewiesen, welche den mesotrophbasenreichen Fettsee besiedelte.
Der Basenreichtum, der bis auf die Areale des Schnabelseggen-Kiefern-Birken-Bruchwaldes und des Torfmoos-Birken-Erlenwaldes alle Vegetationsformen charakterisierte, ist auf die Speisung des Moores durch kalkhaltiges Mineralbodenwasser aus dem Mönchsheider Sander zurückzuführen. Im Rahmen des Antrages zur Ausweisung des Fettseemoores zum Naturschutzgebiet im Jahr 1989 wurden die bereits in Kapitel 4.1.2 genannten Vegetationsbestände und Pflanzenarten nachgewiesen.
Die Areale im Nordteil prägten Seggenried-Ausbildungen, in denen zu dieser Zeit Pflanzenarten nachgewiesen wurden, die folgende Zusammenhänge erkennen lassen:
Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) könnte nach OBERDORFER (1994) ein Relikt aus der Zeit der Wiesennutzung sein. Diese sowie die ebenfalls nachgewiesenen Arten Steifblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata) und Sumpfsitter (Epipactis palustris) gehören zum Arteninventar von naturnahen, basenreichen Mooren.
Die Wasserschlaucharten Utricularia minor und U. intermedia zeugen vom Vorhandensein von Schlenken, da die Arten bevorzugt kleine Gewässer mit hydrochemischen Extrembedingungen besiedeln (POTT 1995). Der Nordteil des Fettseemoores war bereits 1989 stellenweise schwach überflutet, was auf die erste Wasserstandsanhebung zurückzuführen ist. Vermutlich spielte auch die Verlandung
des Drainagegrabens, die bereits vor der Renaturierung einsetzte, eine Rolle bei der Vernässung des Untersuchungsgebietes. Möglicherweise noch zur Zeit der Nutzung der Wiesen und Torfstiche oder spätestens nach Nutzungsauflassung dürfte der Graben nicht mehr instand gehalten worden sein, woraufhin sich Erlenaufwuchs etablieren konnte. Rasches Aufkeimen war am Grabenufer eher möglich als auf den Feuchtwiesen, wo dichter Wurzelfilz und regelmäßige Mahd dies verhinderte. Auf dem Luftbild aus dem Jahr 1993 ist der Erlenaufwuchs, der zu dieser Zeit schon die Baumschicht bildete, zu erkennen.
Das Schlenkensystem, welches das Seggen-Ried durchzog, ist ebenfalls auf dem Luftbild ersichtlich. Es ist möglich, dass sich die offenen Wasserstellen nach der zweiten Wasserspiegelanhebung 1990 ausgedehnt haben und deshalb auf dem Luftbild deutlich erkennbar sind.
Aus dem Luftbild von 1993 lassen sich weitere Rückschlüsse auf die Vegetationsausbildung vor der Wiedervernässung ziehen. Zum Zeitpunkt der Befliegung lag die Wiedervernässung zwar bereits sechs Jahre zurück. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Luftaufnahme noch zum Teil die Ausbildung der Vegetation vor dem Grabenschluss widerspiegelt, da Vegetationsbestände gewöhnlich erst nach mehreren Jahren neue Standortbedingungen anzeigen. Das Seggenried im Nordteil hat nach der Aufgabe der Nutzung als Wiese weitgehend seinen Offenlandcharakter beibehalten. Im Gegensatz dazu hatten sich auf allen weiteren einst genutzten Arealen gehölzdominierte Bestände angesiedelt. Kleinflächiger Wechsel aus Gehölz und Offenland im Nordosten des Fettseemoores deutet ebenfalls auf eine Tendenz zur Bewaldung hin. Das dortige Durchströmungsregime erschwert jedoch durch ständige Wassersättigung die Ausbreitung eines geschlossenen Gehölzbewuchses. Hier war laut SUCCOW (1988) ein Entwicklungstrend zum Durchströmungsmoor zu erkennen. Nach Aufgabe der Wiesennutzung entstanden im Zusammenhang mit der Entwicklung eines Durchströmungsregimes teilweise seltene Lebensraumtypen mit gefährdeten Arten. Diese konnten von Succow 1978/´79 noch erfasst werden, wurden jedoch bereits durch Gehölzaufkommen zurückgedrängt. Bei der schrittweisen Wiedervernässung wurde in Kauf genommen, dass die damalige Vegetationsausprägung mit seltenen Arten oder Beständen sich verändern wird. Die
Gefahr bestand hauptsächlich für relikthafte Vorkommen, wie das vom Aussterben bedrohte Scorpionsmoos-Sumpfsimsenried mit seinen Kleinseggen- und Orchideenarten. Dieser Vegetationstyp ist in Verlandungsmooren generell nur ein relativ raschlebiges Stadium, das bei fortschreitender Entwicklung natürlicherweise bewaldet oder bei einer Grundwasseranhebung die schützenswerten Arten einbüßt (Succow, mündliche Mitteilung, Februar 2007).
5.2 Vegetationsentwicklung seit Wiedervernässungsbeginn
5.2.1 Allgemeine Tendenzen
Während die Vegetation rund um den Fettsee schon seit längerem in ähnlicher Ausprägung etabliert ist, unterliegen die Bestände des Lagg und des Nordteils seit Beginn der Renaturierung einem ausgeprägten Wandel. Hier haben sich die Standortverhältnisse seitdem stark verändert. Das Ausmaß der Wiedervernässung erreicht dort zum Großteil eine weiträumige Überflutung der Bestände. Im gesamten Fettseemoor war im Untersuchungszeitraum 2006 eine permanente Durchnässung der oberen Substratschichten zu verzeichnen. Im Randsumpf herrscht heute weitestgehend die Wasserstufe 6+, mit Ausnahme des Walzenseggen-Schwarzerlenwaldes am Nordwestrand und des Spitzmoos-Großseggenriedes am südwestlichen Rand. Die Ausprägung der Wasserstufe 5+ in diesen Beständen beruht auf Unebenheiten im Relief. Im Gegensatz dazu ist die selbe Wasserstufe im Moorzentrum auf die Fähigkeit zur Oszillation zurückzuführen. Die im Gelände ermittelten Wasserstände stimmen zum Großteil nicht mit den für die Vegetationsformen nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) geltenden Wasserstufen überein. Sie liegen im Untersuchungsgebiet meist eine Stufe über der Wasserstufe, die die jeweilige Vegetationsform anzeigen sollte. So liegt die Schlussfolgerung nahe, dass sich die Bestände noch in Veränderung befinden, sich also noch nicht vollständig an die neuen Bedingungen angepasst haben. Die Wiedervernässung löste ferner eine Nährstoffrücklösung in den obersten Substratschichten aus, in denen während der Trockenlegung Mineralisierungsprozesse stattfanden. So kam es vermutlich dazu, dass belastetes Wasser die stellenweise ausgewaschenen Nährstoffe über weite Teile des Moorkomplexes verteilte (SUCCOW 1988). Wegen gesteigerter Nährstoffverfügbarkeit
erhöhte sich teilweise die Trophiestufe des Standortes. Aufgrund des Wandels der Standortbedingungen waren Dominanzveränderungen in den Pflanzenbeständen des Lagg und des Nordteils zu verzeichnen. In zuvor gehölzdominierten Arealen des Randsumpfes erfolgte zum Teil eine Verschiebung der Formationsklasse von Wald zu Offenland. Bereits beim Vergleich von Luftbild aus dem Jahr 1993 und Orthophoto aus dem Jahr 2001 ist die Auflichtung der Gehölzbestände erkennbar. Seit der Wasserspiegelanhebung ist ein erheblicher Teil des Baumbestandes abgestorben oder abgängig. Möglicherweise wechseln sich in Zukunft Gehölzphasen mit Offenvegetation über Jahrzehnte ab. Eine solche Periodizität gilt als typisch für die Vegetationsentwicklung von Verlandungsmooren in Kessellage (vgl. Landesumweltamt Brandenburg 2004). Mit einer erneuten Torfbildung werden sich im Untersuchungsraum weitgehend mesotrophe Verhältnisse wiederherstellen. Nach und nach werden sich vermehrt spezialisierte Pflanzenarten im Zuge der Verarmung der Standorte etablieren können, woraufhin derzeit noch vorherrschende konkurrenzstarke Arten in ihrem Bestand zurückgehen werden. Im von Durchströmungsregime geprägten Nordteil wird sich möglicherweise als Ergebnis der Mesotrophierung wachsender Moorökosysteme wieder Braunmoos-Seggenvegetation ansiedeln können. Der Randsumpf wird allerdings stets natürlicherweise eutrophe Verhältnisse aufweisen. Dort werden sich Vegetationsausbildungen mit höheren Nährstoffansprüchen erhalten. Nach SUCCOW (1988) ließ sich das Untersuchungsgebiet 1978/´79 in drei topische Naturräume einteilen: Basenmoor im Norden, Sauermoor um den Restsee und das Gewässer. Diese Grobgliederung ist bis heute erhalten geblieben und wird sich weiterhin erhalten können.
5.2.2 Entwicklungstendenzen in den heutigen Vegetationseinheiten Die nordwestliche Bucht des Untersuchungsgebietes wird heute von einem Wasserfeder-Erlenwald (1) eingenommen. Mit dem stufenweisen
Wasserstandsanstieg entstanden hier ausgedehnte Wasserflächen. Offenes Wasser nimmt heute die Bereiche ein, wo sich die Torfstiche befanden. GROOTJANS ET AL. (1992) wies hier 1991 eine sehr nasse Subassoziation des Walzenseggen- Erlenwaldes nach. Vermutlich ist der Wasserstand seitdem weiter angestiegen. Die
damals beschriebene Walzen-Segge (Carex elongata) wurde 2006 nur relikthaft gefunden. Die Wasserfeder (Hottonia palustris) und die Sumpf-Segge (Carex acutiformis) hingegen dominieren weiterhin den Bestand. Die Baumschicht dürfte sich seither aufgelichtet haben. Im Luftbild waren 1993 einzelne belaubte Schwarzerlen zu erkennen. Die Anordnung in Reihen lässt die Vermutung zu, dass sich die Bäume an den Rändern der Torfstiche angesiedelt hatten. Die Torfstiche selbst werden sich wahrscheinlich bereits vor der Wiedervernässung mit Wasser gefüllt haben, was eine Ansiedlung von Gehölzen verhindert hat. Es ist anzunehmen, dass der mindervitale Baumbestand künftig weiter absterben wird.
Im Walzenseggen-Erlenwald (3) am Nordwestrand des Untersuchungsgebietes dominiert die Sumpf-Segge (Carex acutiformis) die Krautschicht des Bestandes. Sie ist als weit verbreiteter und standörtlich sehr variabler Helophyt relativ stabil gegenüber Wasserstandsschwankungen und Eutrophierung (PASSARGE 1999). Die Vegetationsform spiegelt eutrophe Standortverhältnisse wider, was auf den hohen Zersetzungsgrad der oberen Torfschichten in diesem Teil des Fettseemoores zurückzuführen ist. Gegenwärtig scheinen die Areale hier ständig durchfeuchtet zu sein, weshalb die Torfzersetzung gestoppt sein dürfte. Bereits 1991 war hier ein Bestand ähnlicher Ausprägung laut GROOTJANS ET AL. (1992) angesiedelt, wobei die Randbereiche von Erlen-Eschenwald eingenommen wurden. Die Eschen (Fraxinus excelsior) müssen in den letzten fünfzehn Jahren mit der Pegelanhebung abgestorben sein. Die Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa) konnten sich hingegen etablieren, obwohl auch sie empfindlich auf sommerlichen Überstau reagieren (ELLENBERG 1996). Diese Baumart ist allerdings als einziges mitteleuropäisches Moorgehölz dazu fähig, ihr Wurzelsystem nach einer Wasserspiegelanhebung zu verlagern (TIMMERMANN 1999). Der Walzenseggen-Erlenwald (Carici-elongatae-Alnetum) ist laut RIECKEN ET AL. (1994) stark gefährdet. Wahrscheinlich waren die Auswirkungen der veränderten hydrologischen Verhältnisse in diesem Teil des Fettseemoores weniger weitgreifend als beispielsweise im Spitzmoos-Großseggenried (4), das sich am westlichen Rand des Fettseemoores erstreckt.
Aufgrund der Entwicklungstendenz eines absterbenden Baumbestandes hat sich hier
die Formationsklasse von Wald zu Offenland verschoben. Die Eschen und Erlen, die sich nach der Nutzungsauflassung der Wiesen in der Bucht im Nordwesten etablieren konnten, sind im Zuge der Wiedervernässung abgestorben. Fünfzehn Jahre nach den ersten Renaturierungsmaßnahmen befindet sich an Stelle des von GROOTJANS ET AL. (1992) nachgewiesenen Erlen-Eschenwaldes ein mesotroph-subneutrales Spitzmoos-Großseggenried. Dort wurde die Wasserstufe 6+ ermittelt. Die Wiedervernässung resultierte hier vermutlich im Gegensatz zum nördlich gelegenen Walzenseggen-Erlenwald lediglich in einer deutlichen Anhebung des Wasserstandes auf die Wasserstufe 6+. Die Eutrophierung dieses Standortes scheint seit der ersten Wasserstandsanhebung rückläufig zu sein. Das Vorkommen des Spitzmoos-Großseggenriedes zeigt geringere Trophieverhältnisse an als der zuvor etablierte Erlen-Eschenwald. Möglicherweise war dieser Bereich von geringerer Mineralisierung betroffen als die Areale des Walzenseggen-Erlenwaldes. Dafür spricht die Differenz der beiden Bestände hinsichtlich der Wasserstufenausprägung, die bereits vor der Renaturierung aufgrund der Relieffierung des Geländes existiert haben wird.
Starke Überstauung ist ebenfalls im Wasserfeder-Erlenwald (5) zu verzeichnen, der sich am Westrand des Untersuchungsgebietes ausdehnt. Die Baumschicht ist hier ebenfalls abgängig. Jedoch dienen die Bulte der mindervitalen Bäume dem Aufwuchs junger Erlen, woraus sich eine hohe Verjüngungstendenz ergibt. Der Deckungsgrad der Baumschicht von 30%, zur Einordnung des Bestandes in die Formationsklasse der Wälder nötig, wird teilweise nur knapp erreicht. Hier wurde 1991 ein Walzenseggen-Erlenwald nachgewiesen. Nach fortlaufender Anhebung des Wasserspiegels trat der Wasserfeder-Erlenwald an dessen Stelle. Die Standortverhältnisse sind in den letzten fünfzehn Jahren demnach hinsichtlich der Trophiestufe sowie der Säure-Basen-Stufe gleich geblieben. Allerdings hat sich der Wasseregimetyp verändert. Das topogene Wasseregime wurde von einem topogenen Regime mit Überflutungstendenz abgelöst, was für häufig überschwemmte Areale spricht.
Möglicherweise wird sich aufgrund des beträchtlichen Erlenaufwuchses langfristig ein Bruchwald erhalten können.
Grauweiden-Schwarzerlenwald (7) nimmt gegenwärtig den gesamten Süden des
Fettseemoores ein. Die Baumschicht ist infolge des Absterbens des Birken- sowie Fichtenbestandes seit den ersten Wiedervernässungsmaßnahmen nur locker ausgebildet. Begleitet wurde diese Entwicklung von einer Wiederbewaldungsphase durch den Aufwuchs vieler Erlen und vereinzelter Birken. Die einst feuchten Areale erfuhren in den letzten fünfzehn Jahren eine verhältnismäßig geringe Wiedervernässung. Das ist vermutlich auf die Relieffierung des Untergrundes zurückzuführen, die sich hier in leicht ansteigendem Gelände in Richtung des Moorrandes äußert. Heute finden sich stellenweise wassergefüllte Schlenken auf dem sonst nassen Standort.
Zu Beginn der Renaturierung wurde bereits eine extrem artenreiche Krautschicht nachgewiesen, die sich bis heute erhalten hat. Allerdings kommen Pflanzen nährstoffreicher Standorte wie Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera) und Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) nicht mehr vor, Störungszeiger wie die Flatter-Binse (Juncus effusus) sind nur noch randlich anzutreffen. Die Brennnessel (Urtica dioica) als Stickstoffzeiger besaß 1991 noch hohe Präsenz, ist aber heute im Bestand nicht mehr nachweisbar. Möglicherweise ist auch dieser Teil des Untersuchungsgebietes in der Zeit der Trockenlegung zumindest oberflächlich entwässert worden, woraufhin sich mit der Nährstoffrücklösung im Zuge der ersten Wasserspiegelanhebung nitrophile Pflanzenarten ausbreiten konnten.
Bei der Biotopkartierung, die hier im August 1994 stattfand, wurde im gesamten Randsumpf ein Erlen-Moorgehölz nachgewiesen. Erlenbruchwald nährstoffreicher Standorte gilt im Nordostdeutschen Tiefland laut RIECKEN ET AL. (1994) als gefährdet. Erstaunlich war die Tatsache, dass von den abgestorbenen Birken kaum noch Überreste auffindbar waren.
Mächtige Kiefern in Form von stehendem Totholz prägen hingegen das Bild des Spitzmoos-Großseggenriedes (8) im Osten des Untersuchungsgebietes. Die Bäume dürften ein Alter von etwa hundert Jahren erreicht haben, bevor sie nach der ersten Pegelerhöhung 1987 abstarben (mündliche Mitteilung Woßmann, Januar 2007).
Hier erstreckte sich 1991 ein Walzenseggen-Erlenwald. Der gesamte Baumbestand ist seither dem Ried mit vereinzeltem Erlenjungwuchs und Weidengebüsch (Salix aurita) gewichen. Dieser Teil des verlandungsmoortypischen Randsumpfes ist im
Gegensatz zu den Ausbildungen im westlichen Lagg kaum überstaut. Hier finden sich lediglich vereinzelte wassergefüllte Schlenken. Die unterschiedlich starke Überstauung der Randsumpf-Bereiche ist wahrscheinlich auf das Relief des Untergrundes zurückzuführen, kann allerdings auch Ausdruck für unterschiedlich stark ausgeprägte Einströmungsverhältnisse von oberflächennahem Zulaufwasser sein. Diese verschiedenartigen Standortgegebenheiten haben sich in geringerem Maße schon in der Zeit der Trockenlegung des Untersuchungsgebietes geäußert, indem die feuchteren Areale am Westrand mit Erlen-Eschenwald und die trockeneren Areale am östlichen Rand mit Kiefern bestockt waren. Am Ostrand des Bestandes haben sich an zwei Stellen Schilfried-Ausbildungen etabliert. Dort dominieren neben Gemeinem Schilf (Phragmitis australis) die Steif-Segge (Carex elata), Sumpf-Segge (Carex acutiformis) und Scheinzyper-Segge (Carex pseudocyperus). Die Anwesenheit des Schilfs spricht für Mineralbodenwasserbewegung. Ferner zeigen Steif- sowie Sumpf-Segge nährstoffund basenreiche Standortbedingungen an. Vermutlich tritt hier basenreiches Mineralbodenwasser aus dem Hang aus.
Von nährstoffreichem Zulaufwasser wurde ebenfalls die Galium palustre- Carex acutiformis-Gesellschaft (9) am östlichen Rand nahe dem Quellmoor beeinflusst. Die Gesellschaft wird hier durch ein sehr enges Artenspektrum charakterisiert. Die Sumpf-Segge (Carex acutiformis), auf nährstoffreichen sowie zeitweilig überstauten Standorten beheimatet (POTT 1999), fungiert gegenwärtig als Hauptbestandsbildner. Laut GROOTJANS ET AL. (1992) dominierte schon 1991 die Art in den östlichen Randbereichen. Diese Areale waren bereits damals neben austretendem Grundwasser von stark fluktuierendem Wasserstand beeinflusst, wovon die Sumpf-Segge profitierte, die auf Nährstoffversorgung durch Wasserbewegungen angewiesen ist (PASSARGE 1999).
Der Bestand verdrängte zwischen 1979 und 1991 die Mädesüß-Hochstaudenflur (Filipenduletum ulmariae), die von SUCCOW (1988) im stark durch die Trockenlegung degenerierten Randbereich beschrieben wurde. Mädesüß-Hochstaudenfluren entwickeln sich meist als langlebiges Sukzessionsstadium auf Standorten der Wasserstufe 3+ und 4+ (KOSKA ET AL. 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). Hier wurde diese jedoch vom Sumpf-Seggen-Bestand
aufgrund der gravierenden Anhebung der Wasserstufe auf 6+ verdrängt. Wo sich heute ein ausgedehntes Spitzmoos-Großseggenried (10) im Nordteil erstreckt, wurden vier Jahre nach begonnener Renaturierung folgende Entwicklungstendenzen beobachtet:
Auf Mineralisierungsvorgänge im Zuge der Trockenlegung folgte Nährstoffauswaschung in den obersten vererdeten Substratschichten durch die eingeleitete Wiedervernässung. Im Luftbild aus dem Jahr 1993 sind erste Vernässungstendenzen zu erkennen. Zwischen 1979 und 1991 vollzog sich ein rapider Vegetationswandel zugunsten eines Steifseggen-Riedes (Caricetum elatae). Die Assoziation eutroph-subneutraler Standorte (POTT 1992) wurde vor allem von der namensgebenden Steif-Segge (Carex elata) gebildet, die in Deutschland als gefährdet gilt. Die nördlichen Randbereiche, in denen der Wasserspiegel im Jahresverlauf starken Schwankungen unterworfen war, nahm die standörtlich sehr variable Sumpf-Segge (Carex acutiformis) ein.
Während das Steifseggen-Ried (Caricetum elatae) sich ausdehnen konnte, sind mesotrophe Vegetationsformen wie das Scorpionsmoos-Sumpfsimsenried (Scorpidio-Eleocharidetum quinqueflorae) sowie das Krummmoos-Kleinbinsenried (Drepanoclado-Caricetum Fazies: Carex lasiocarpa) in ihrem Bestand stark zurückgegangen. Basiphile Braunmoose, laut SUCCOW (1988) in den Jahren 1978/´79 noch verbreitet, waren auf sehr kleine Areale zurückgedrängt worden. Die mesotraphenten Vegetationstypen konnten sich im Raum des verlandeten Sees, wo Torf- und Muddenschichten sehr mächtig sind, in kleinflächiger Anordnung erhalten. Dort fiel der Einfluss der Trockenlegung geringer aus (vgl. GROOTJANS ET AL. 1992). Möglicherweise sind die hier drei Meter mächtigen Torfschichten mit Anhebung des Wasserspiegels aufgeschwommen. Die Vermutung liegt nahe, da sich dort heute eine Schwingmoor-Ausbildung wiederfindet. Während vor der Renaturierung im Rahmen der Beantragung zur Ausweisung des Fettseemoores zum Naturschutzgebiet noch die Orchideen Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) sowie Steifblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata) und die Arten Sumpfsitter (Epipactis palustris) sowie Glanzkraut (Liparis loeselii) im Nordteil erfasst wurden, sind diese heute verschwunden. Sie wurden mit der Wasserstandserhöhung und der Trophiezunahme verdrängt.
Fünfzehn Jahre nach den Untersuchungen durch GROOTJANS ET AL. (1992) wurde im Bereich des Steifseggen-Riedes die Vegetationsform des Spitzmoos-Großseggenriedes ermittelt. Der Bestand ist noch immer in ähnlicher Ausbildung erhalten geblieben. Die Steif-Segge (Carex elata) nimmt weiterhin den Großteil des Bestandes ein, während die Sumpf-Segge (Carex acutiformis) in den Randbereichen dominiert.
Der laut Bundesamt für Naturschutz (2000) in Deutschland stark gefährdete Fadenseggen-Schwingrasen (Caricetum lasiocarpae) konnte nicht mehr nachgewiesen werden. Von der Faden-Segge (Carex lasiocarpa), die in Deutschland als gefährdet, in Brandenburg als stark gefährdet gilt (JEDICKE 1997), sind nur noch vereinzelte Exemplare im Bereich des verlandeten Sees vorhanden. Die Schuppenfrüchtige Gelb-Segge (Carex lepidocarpa), die in Brandenburg vom Aussterben bedroht ist, konnte 2006 nicht mehr nachgewiesen werden. Die Gesellschaft der Armblütigen Sumpfbinse (Eleocharidetum quinqueflorae), in Deutschland laut Bundesamt für Naturschutz (2000) stark gefährdet, wurde in den letzten Jahren durch das Steifseggen-Ried verdrängt. Selbst die namensgebende Armblütige Sumpfbinse (Eleocharis quinqueflora), in Deutschland stark gefährdet und in Brandenburg vom Aussterben bedroht, war 2006 nicht mehr nachweisbar. Gleiches gilt für den Sumpf-Dreizack (Triglochin palustre), der in Deutschland gefährdet und in Brandenburg stark gefährdet ist (JEDICKE 1997) sowie das Moos Drepanocladus scorpioides, in Deutschland gefährdet und in Brandenburg vom Aussterben bedroht.
Erhalten konnte sich hingegen die Binsen-Schneide (Cladium mariscus). Der heute etwa 15 m² umfassende Bestand ist ein Relikt der Seeverlandung. Dieser konnte sich trotz Störanfälligkeit der Art erhalten. Die Binsen-Schneide toleriert keine starken Schwankungen der Wasserstände, weshalb die Vermutung nahe liegt, dass sich im Bereich des verlandeten Sees stets schwammsumpfige Verhältnisse bewahren konnten. Die Art der mesotroph-kalkhaltigen Moore gilt in Deutschland und auch in Brandenburg als selten. Der Bestand wird sich wahrscheinlich erhalten oder gar ausbreiten können, wenn sich wie vermutet wieder mesotrophe Standortverhältnisse einstellen werden.
Insgesamt kam es im Spitzmoos-Großseggenried in den letzten Jahren zur
Vereinheitlichung der Vegetationsdecke. Es dehnten sich konkurrenzstarke Arten aus, die sich schnell an die Veränderungen der Wasserstandsanhebung anpassen konnten. Zu diesen Arten zählen die Steif-Segge (Carex elata), die große Spiegelschwankungen verträgt (ELLENBERG 1996) und die Sumpf-Segge (Carex acutiformis), die neben Veränderungen des Wasserspiegels auch Eutrophierung in geringem Maße toleriert (POTT 1999).
Laut SUCCOW (1988) liegt im Nordteil die Tendenz zur Ausbildung eines Durchströmungsmoores vor, da die Verlandung des Restsees im Nordosten seit längerem abgeschlossen ist und ein Durchströmungsregime bereits von den 1978/´79 nachgewiesenen Pflanzengesellschaften angezeigt wurde. Laut JESCHKE (1993) kommt es nach der Trockenlegung oftmals zum Absenken der Mooroberfläche in Richtung des Drainagegrabens, wodurch die Entwicklung zum Durchströmungsmoor vermutlich gefördert wurde.
Den Bestand des Spitzmoos-Großseggenriedes beherrscht heute ein topogener Regimetyp mit bewegtem, perkolierendem Wasser, was auf austretendes Grundwasser am östlichen Rand des Untersuchungsgebietes zurückzuführen ist. Die Schilfried-Ausbildung im Südwesten der Vegetationsform deutet ebenso auf bewegtes Mineralbodenwasser hin.
In diesem Teil des Untersuchungsgebietes besteht die Möglichkeit, dass basiphile Vegetationsformen aufgrund der kalkreichen Speisung durch Grundwasser und Zwischenabfluss wieder an Beutung zunehmen. Dann besteht die Möglichkeit der Wiederansiedlung für verdrängte Arten, wie die Armblütige Sumpfbinse (Eleocharis quinqueflora) oder die Schuppenfrüchtige Gelb-Segge (Carex lepidocarpa), von denen möglicherweise noch keimfähige Samen im Untersuchungsgebiet existieren. Im nordöstlichen Zipfel findet sich ein Erlen-Grauweidengebüsch (11). Als Zeichen der Bewaldung konnte es sich wahrscheinlich seit der Trockenlegungsphase erhalten. Laut GROOTJANS ET AL. (1992) nahm 1991 die Assoziation des Faulbaum-Grauweidengebüsches (Frangulo-Salicetum cinerea) diesen Bereich ein. Die damals nachgewiesenen Pflanzenarten Grau-Weide (Salix cinerea), Schnabel-Segge (Carex rostrata) und Blutauge (Potentilla palustris) dominieren noch immer den Bestand. Der Grauweiden-Schwarzerlenwald (12), der sich gegenwärtig nördlich des Moorzentrums erstreckt, wurde in ähnlicher Ausprägung bereits von GROOTJANS ET
AL. (1992) beschrieben. Schon 1991 hatte sich ein Großseggen-Erlenwald mit einem erheblichen Anteil der Wasserfeder (Hottonia palustris) in der Krautschicht etabliert. Da der Bestand lediglich kurzzeitige Überstauung verträgt, entwickelte sich aus dem Großseggen-Erlenwald trotz relativer Stabilität dieses Endstadiums der Sukzession (HOFMANN 1997) die Vegetationsform des Grauweiden-Schwarzerlenwaldes. Die Anwesenheit von Erlen einer Höhe von maximal 20 Metern lässt vermuten, dass dieser Bestand schon vor der Wiedervernässung existierte und sich seitdem erhalten hat.
Am Rand des Moorzentrums wurde 1978/´79 ein Torfmoos-Moorbirken-Erlenwald (13) nachgewiesen (Succow 1988). Diese Vegetationsform ist an mesotroph-saure Standortbedingungen gebunden. Nach begonnener Wiedervernässung wurde rund um das Moorzentrum ein „Walzenseggen-Erlenwald in Sumpffarn-Ausbildung“ (Thelypterido-Alnetum) ermittelt. Das Vorkommen des Walzenseggen-Erlenwaldes liegt auf Standorten mit eutroph, subneutral-kalkhaltiger Nährkraft. Ein gehäuftes Auftreten des Sumpf-Farnes (Thelypteris palustris) deutet auf mesotrophsaure Verhältnisse.
Möglicherweise sind diese Uneindeutigkeiten in der Vegetationsausprägung das Zeichen für einen rasanten Wandel der Standortbedingungen zu Beginn der Renaturierungsphase, während die Vegetation noch in Anpassung begriffen ist. Die Veränderungen von Trophie und Säure-Basen-Stufe gehen vermutlich auf Nährstoffrücklösung durch die Vernässung trockengefallener Randareale zurück. Heute konnte hier wieder ein Torfmoos-Moorbirken-Erlenwald nachgewiesen werden, in dem Pflanzenarten häufig sind, deren Vorkommen auf einstige Entwässerung hinweist. Das Auftreten von Hunds-Straußgras (Agrostis canina) und Sumpf-Reitgras (Calamagrostis canescens) ist auf Wasserstandsschwankungen im Moorkörper zurückzuführen und weist auf gestörte Standortverhältnisse hin (POTT 1995). Ein Vorkommen des Pfeifengrases (Molinia caerulea) im Norden des Bestandes gilt ebenfalls als Zeichen für Entwässerung.
Trotz der Störungszeiger zeugt die erneute Ausbildung des Torfmoos-Moorbirken-Erlenwaldes von eher unbeträchtlichen Auswirkungen der Trockenlegung, da die Vegetationsform laut KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) als potentiell natürliche Vegetation in mäßig entwässerten Verlandungsmooren mesotroph-saurer
Standorte anzusehen ist.
Im Moorzentrum wurde im Untersuchungszeitraum 2006 ein Schnabelseggen-Moorbirkenwald (14) ermittelt. Die mesotroph-saure Vegetationsform wurde bereits in SUCCOW (1988) beschrieben. Es ist davon auszugehen, dass der Bestand schon zur Zeit der Entwässerung vorhanden war und sich bis heute in dieser Ausbildung erhalten konnte.
Während der Biotopkartierung wurde der Bestand 1996 als Birken-Moorgehölz ausgewiesen, wobei man vornehmlich Pflanzenarten fand, die mit der Aufnahme der aktuellen Vegetationsausbildung ebenfalls erfasst sind. Es wurden allerdings auch die Schlank-Segge (Carex gracilis) und die Ufer-Segge (Carex riparia) damals nachgewiesen. Da die genannten Arten vornehmlich meso- beziehungsweise eutrophe sowie subneutral bis kalkhaltige Standorte besiedeln (OBERDORFER 1994) ist anzunehmen, dass es sich um Fehlbestimmungen handelt. Es erscheint unmöglich, dass die Standortbedingungen sich hier hinsichtlich Trophie und Säure-Basen-Verhältnis so stark verändert haben könnten.
Die aktuelle Artenzusammensetzung ist recht heterogen. Die Vegetationsform ist auf Verlandung des Fettsees zurückzuführen, die hier bereits abgeschlossen ist. Jedoch zeugen relikthafte Vorkommen der Schlamm-Segge (Carex limosa) und dichtere Bestände des Gemeinen Schilfs (Phragmitis australis), die sich im Südwesten der Vegetationsform abwechseln, von der Verlandungsphase. Beide Arten zeigen permanente Wassersättigung des Substrates an (ELLENBERG 1996). In den Arealen, in denen die Schlamm-Segge nachgewiesen wurde, finden sich sämtliche Artengruppen eines Torfmoos-Schlammseggen-Riedes. Die Bestände von minimaler Ausdehnung deuten auf zeitweise oligotroph-saure Oberbodenverhältnisse im Laufe der Verlandung des Fettsees hin.
Rudimentäre Vorkommen der Flatter-Binse (Juncus effusus) in der gesamten Vegetationsform lassen hingegen auf zeitweise nährstoffreichere Verhältnisse in der Vergangenheit schließen. Funde der Blaubeere (Vaccinium myrtillus) im Süden des Bestandes deuten neben Fichten-Jungpflanzen (Picea abies) auf vormals trockenere Verhältnisse. Beide Arten werden bereits von Torfmoosen überwachsen. Da sie nicht an die aktuellen Standortgegebenheiten angepasst sind, werden beide Arten voraussichtlich verdrängt werden.
Das Auftreten des Pfeifengrases (Molinia caerulea) ist auf Entwässerungstätigkeit im Untersuchungsgebiet zurückzuführen. Die Pflanzenart besiedelt weniger nasse Standorte und ist elementarer Bestandteil von entwässerten Feuchtwiesen (POTT 1995). Möglicherweise ist die Art aus den einst genutzten Bereichen eingewandert und konnte sich nach der Wiedervernässung nur in diesem Teil, der recht geringen Veränderungen unterworfen war, erhalten.
Das Vorkommen der Torfmoose Sphagnum riparium und Sphagnum rubellum etwa spricht dafür, dass die Standortbedingungen hier einem geringfügigen Wandel ausgesetzt waren. Sphagnum riparium gilt in Brandenburg derzeit als nicht gefährdet (JEDICKE 1997), reagiert allerdings wenig plastisch auf Standortveränderungen. Sphagnum rubellum war im Tiefland ehemals häufig und weit verbreitet, ist jedoch durch Moorkultivierung stark zurückgegangen (vgl. DIERSSEN 1996). Der Zustand der Torf- und Muddeschichten sowie die Vegetationsausbildung sprechen dafür, dass dieser Teil des Fettseemoores stets oszillationsfähig war und ist. Die Pflanzenbestände sind dadurch stets vor Überflutung und Austrocknung geschützt.
Im Zuge der Wiedervernässung kam es zu verstärktem Absterben in der Baumschicht, die sich aus Moor-Birke (Betula pubescens) und Gemeiner Kiefer (Pinus sylvestris) zusammensetzt. Dieser Trend hält bis heute an und ist vermutlich auf höhere Wassersättigung des Substrates zurückzuführen, woraufhin die Wurzeln der Gehölze in anaerobe Verhältnisse gelangen. Möglicherweise ist die Entwicklung auch als Phase einer sich vollziehenden Periodizität der Vegetationsentwicklung zu interpretieren, die sich in zyklischem Aufwachsen und Absterben der Bäume äußert (vgl. TIMMERMANN 1999). Bereits während der Biotopkartierung fand man abgängige und tote Exemplare der Moor-Birke vor. Die Bäume werden möglicherweise nach und nach in ihrer Gesamtheit absterben und von aufkommenden Kiefern (Pinus sylvestris) und Moor-Birken, die bereits die Strauchschicht einnehmen, abgelöst werden. Im Gegensatz zur derzeitigen Ausprägung der Baumschicht wird diese dann eher von der Kiefer dominiert werden, da die Baumart bereits die Krautschicht dominiert. Diese Tatsache spricht vermutlich für den zunehmenden Einfluss des subkontinentalen Klimas (ELLENBERG 1996) in Nordostbrandenburg. Es ist anzunehmen, dass sich hier nur eine lichte Baumschicht etablieren wird. Das
Vorkommen einzelner Exemplare der Rot-Buche (Fagus sylvatica), der Gemeinen Fichte (Picea abies) und der Europäischen Lärche (Larix decidua) in der Krautschicht zeigt positive Keimungs- und Wuchsbedingungen für Gehölze an. Im Zuge stattfindender Oszillation wird sich langfristig wahrscheinlich eine zyklische Vegetationsentwicklung vollziehen, die von einem periodischen Wechsel zwischen Aufwuchs- und Zusammenbruchphasen der Gehölze geprägt sein wird (vgl. TIMMERMANN 1999).
Im Zuge einer spärlich ausgebildeten Baumschicht wird das Vorkommen lichtliebender Arten, wie Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Breitblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia) und Moos-Beere (Vaccinium oxycoccus) in der Krautschicht gefördert werden.
Der Einfluss des Mineralbodenwassers wurde schon in der Vergangenheit in den Bereichen um den Fettsee durch Filterung der Torfe und Stoffaufnahme der Pflanzen geringer (PASSARGE 1999). Daraus resultierte eine oberflächliche Versauerung, weshalb ombrotraphente Armmoorarten wie Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Gemeine Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) und Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia) häufig sind. Durch den Aufbau eines immer höher werdenden Torfkörpers bei gleichzeitiger Nährstoffakkumulation wächst der Bestand mehr und mehr aus dem Wirkungsbereich des geogenen Zulaufwassers heraus (SUCCOW 1988). Niederschlagswasser gewinnt dadurch in der obersten Substratschicht immer stärker an Bedeutung. Aufgrund der geringen Entwässerungswirkung in diesem Teil des Untersuchungsgebietes verfügen die kaum zersetzten Torfschichten über eine ausgezeichnete Wasserleitfähigkeit. Der daraus resultierende ständige Wasseraustausch verhindert eine völlig ombrogene Überprägung des Standortes (vgl. TIMMERMANN 1999). Langfristig wird der Standort aufgrund des verminderten Einflusses von geogenem Wasser verarmen. Jedoch sinkt die Wahrscheinlichkeit der Ausbildung oligotropher Standorte mit den heute steigenden Immissionsbelastungen (EDOM 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). Direkt an den Restsee schließt sich die Assoziation des Thelypterido palustris-Phragmitetum australis (15). Da der Fettsee meso- bis schwach eutroph ausgeprägt ist (MAUERSBERGER & MAUERSBERGER 1997), erfolgt die unmittelbare Schwingmoorverlandung vor allem durch mesotraphente Arten. Aufgrund dessen ist
die Vegetationsform nach PASSARGE (1999) in einer typischen Subassoziation vorhanden, die von Zeigerpflanzen für Mesotrophie wie Blutauge (Potentilla palustris) und Hunds-Straußgras (Agrostis canina) in der Krautschicht sowie den Moosen Sphagnum fallax und Calliergon giganteum geprägt ist. Die Vegetationseinheit besiedelt schwingende Torfdecken an kalkarmen, mesotrophen Standgewässern. Die Verlandungszone ist bereits gefestigt, sodass sich auch Gehölze wie Grau-Weide (Salix cinerea), Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) und Moor-Birke (Betula pubescens) ansiedeln konnten.
Hier wird bei Aufrechterhaltung des gegenwärtigen hydrologischen Zustands künftig stets Torfakkumulation stattfinden, was eine wachsende Filterstrecke für Mineralbodenwasser mit sich bringt SUCCOW,a (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). Daraus resultiert eine fortlaufende Mesotrophierung der Areale rund um den Restsee sowie des Fettsees selbst.
Auf dem See hat sich die Pflanzengesellschaft des Hydrocharito-Stratiotetum aloidis (16) nach PASSARGE (1996), die bereits in SUCCOW (1988) als „Froschbiß-Schwebematten-Krebsscheren Fazies“ beschrieben wurde, bis heute erhalten. Der Restsee wurde im Zuge der Biotopkartierung als Moorgewässer ausgewiesen. Da Moorgewässer von dystropher Ausprägung sind, also oligo-sauer reagieren und über einen hohen Anteil an Huminsäuren verfügen (PFADENHAUER 1993), trifft dieser Biotopcode für den Fettsee nicht zu. Dieser wurde nach MAUERSBERGER & MAUERSBERGER (1997) als meso- bis schwach etroph- alkalischer Klarwassersee mit einer maximalen Tiefe von einem Meter eingestuft. Zwischenzeitlich war starke Expansion anderer Wasserpflanzen als der namensgebenden Arten zu verzeichnen. So hatte sich mit Beginn der Wasserstandsanhebung 1987 ein Teppich aus Armleuchteralgen (Chara spec.) und Wasserschlauch-Arten (Utricularia spec.) ausgebreitet. Die Entwicklung geschah zum Nachteil der Krebsschere (Stratiotes aloides), die zu dieser Zeit in Rückgang begriffen war.
Diese Veränderungen der Vegetationsausprägung sind wahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass auch hier eine Wasserspiegelanhebung stattfand und Nährstoffe, die im Randlagg freigesetzt wurden, mit dem Sickerwasser bis in den See drangen.
Daraufhin dürfte die Verlandung des Sees kurzzeitig beschleunigt worden sein (MAUERSBERGER & MAUERSBERGER 1997).
Die Krebsscheren-Gesellschaft ist gegenüber Wasserverschmutzung und Wasserstandsschwankung in größerem Umfang empfindlich (PASSARGE 1996) und gilt laut Bundesamt für Naturschutz (2000) als gefährdet. Ihr Bestand ist in großen Teilen Deutschlands deutlich zurückgegangen und lokal bereits verschwunden. Seit 1991 ist die Gesellschaft auf dem Fettsee wieder in Ausbreitung begriffen. Die erneute Entfaltung der Krebsschere läßt auf eine Verbesserung der hydrologischen Verhältnisse hin zu mittlerer Trophie und relativ ausgeglichenem Wasserstand schließen.
5.3 Einschätzung des Wiedervernässungserfolges
Die Ausweisung des Fettseemoores zum Naturschutzgebiet im Jahr 1990 erfolgte mit dem Ziel, ein funktionsfähiges Moor zu erhalten. In einem funktionsfähigen Moor findet Torfwachstum statt, welches durch völlige Wassersättigung initiiert wird. Um dieses Leitbild zu erreichen, wurde die Wiedervernässung des gesamten Untersuchungsgebietes angeordnet. Mit der Renaturierung sollten die ursprünglichen Wasserstandsverhältnisse wiederhergestellt werden. Damit erhoffte man sich die Wiederbelebung der entwässerten Areale des Moores und somit eine Reaktivierung des Torfwachstums im gesamten Fettseemoor.
Zur Umsetzung dieses Leitbildes waren lediglich geringe Raumwiderstände zu überwinden. Es bestanden forstwirtschaftliche Nutzungsansprüche auf den Flächen rund um das Fettseemoor. „Da sich die Landesforstverwaltung sehr stark dem Naturschutz verbunden fühlt“ (LUTHARDT 1999, S.5) und da die ausfallenden Areale geringe Erträge versprachen, traten die Nutzungsansprüche in den Hintergrund des Naturschutzes. In den Jahren 1987, 1991 und 1996 erfolgte eine schrittweise Verfüllung des Drainagegrabens, aus der eine Wasserspiegelanhebung von mindestens 60 cm resultierte.
Nach abgeschlossener Wiedervernässungsphase fand am 25.08.1999 eine Begehung mit Vertretern des Biosphärenreservates, der Naturwacht, sowie dem Revierförster und der Naturschutzbeauftragten zur Überprüfung der aktuellen Biotopentwicklungen hinsichtlich des Schutzzwecks und zur Kontrolle der
übernommenen Schutzgebietsgrenze statt. Laut Protokoll ist das Wasserstandsniveau zu dieser Zeit, in der sinkende Wasserstände vorherrschten, mit der Grenze zwischen Mineralboden und Moorrand übereinstimmend. Der Pegel ist ideal eingestellt, da bei Tiefstwasserständen im Oktober noch immer genügend Wasser zurückbleibt, um die Durchnässung der obersten Substratschicht zu gewährleisten.
Mittlerweile finden sich im gesamten Fettseemoor die Wasserstufen 5+ und 6+. Der Oberboden ist somit im gesamten Untersuchungsgebiet ständig durchnässt. Daraus resultiert ein dauerhafter Luftmangel im Wurzelraum, woraufhin sich Nässespezialisten und echte Wasserpflanzen etablieren. Die Wasserstufe 5+ bildet eine Grenze für Torfbildung. Würde der Wasserstand im Jahresverlauf tiefer fallen, sodass die oberste Substratschicht mit Sauerstoff in Kontakt käme, dann würde der Abbau von organischer Substanz höher als der Aufbau dieser sein (vgl. KOSKA 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). Aufgrund der vorherrschenden Wasserstufen ist jedoch im Untersuchungsgebiet ausnahmslos davon auszugehen, dass der Torfabbau gestoppt ist.
Nach und nach wird sich torfbildende Vegetation ansiedeln, woraufhin die vor der Renaturierung stattgefundene Torfzersetzung von Torfakkumulation abgelöst wird. Damit wäre das Leitbild der Renaturierung erreicht. Torfakkumulierende Verhältnisse waren im Moorzentrum wahrscheinlich stets aufgrund des oszillationsfähigen Akrotelm vorhanden. Dadurch konnte sich dieser fortwährend naturnahe Teil des Moores den Wasserstandsschwankungen durch Aufschwimmen oder Absinken anpassen.
Auch auf den Seggenried-Ausbildungen im Nordteil waren schon vor der Wiedervernässung weitgehend wassergesättigte Areale vorhanden. Die 1978/´79 dort vorgefundenen Vegetationsformen sowie das Vorkommen von Wasserschlaucharten sind Indizien dafür. Die Anhebung des Wasserstandes erfolgte dort seitdem der Graben nach Nutzungsauflassung des Gebietes nicht mehr bewirtschaftet wurde, wodurch Verlandung der Drainage einsetzte. Da heute ein fortlaufendes Absterben der Bäume zu verzeichnen ist, wird die Wassersättigung des Untersuchungsgebietes noch zunehmend verbessert, weil die Verdunstungsleistung der Bestände zurück geht.
Die für Verlandungsmoore typischen Muddeschichten dichten den Moorkomplex nach unten hin mehr oder weniger stark ab, sodass eine Speisung durch Grundwasser vermutlich nur bei hoch anstehendem Grundwasser gegeben ist. In der Trockenperiode wird ein Eindringen von Grundwasser verhindert, daher ist der Moorkomplex zu dieser Jahreszeit weitgehend von zurückgehaltenem und oberflächennah einströmendem Wasser abhängig. Die Speisung durch Überstauwasser, Zwischenabfluss und oberflächlichem Einstrom reicht trotz der geringen Größe des Einzugsgebietes aus, um eine Durchfeuchtung der obersten Substratschicht im trockenen Halbjahr zu gewährleisten. Im Nordteil des Untersuchungsgebietes ist die Tendenz zur Entwicklung eines Durchströmungsmoores erkennbar, während der Fettsee im Südteil weiterhin verlandet (SUCCOW 1988). Damit ist im Untersuchungsgebiet die Entwicklung zu unterschiedlichen hydrogenetischen Moortypen aufgrund des Vorherrschens divergierender hydrologischer Bedingungen gegeben. Wegen der Kombination zweier hydrogenetischer Moortypen gestaltet sich das Finden von passenden Renaturierungsmaßnahmen für beide Ausprägungen schwierig.
Derzeit scheint es, als hätte die Wiedervernässung in den Vegetationsbeständen der typischen Verlandungsmoorausbildung weniger drastische Auswirkungen zur Folge gehabt, als in den Arealen im Nordteil. In der Verlandungsmoorausbildung kam es neben der weiträumigen Verschiebung der Formationsklasse zur Eutrophierung. Jedoch sind die Bestände des Randsumpfes natürlicherweise eutroph und anpassungsfähig gegenüber schwankenden Wasserständen. Ferner war das Moorzentrum stets zur Oszillation fähig und konnte sich durch Aufschwimmen der Wasserstandsanhebung anpassen und der Eutrophierung entziehen. In den vom Durchströmungsregime geprägten Arealen im Nordteil wurden hingegen wertvolle basiphile Braunmoos- und Seggenbestände von konkurrenzstarken Arten im Zuge eingetretener Eutrophierung und drastischer Wasserstandsveränderungen verdrängt. Durchströmungsareale sind allgemein schwer wiederherstellbar, da die Entwässerung zu einer Veränderung der Moorbodenstruktur führt, wodurch das Substrat seine Fähigkeit zur Durchströmung einbüßt. Bei weniger drastischen Oberbodenveränderungen in Form von niedrigen Zersetzungsraten und geringer
Mächtigkeit, wie sie im Nordteil zu finden sind, ist eine erfolgreiche Vernässbarkeit nicht ausgeschlossen. Im Bereich des verlandeten Sees im Nordosten liegen keine vererdeten oder hochzersetzten Horizonte vor. Hier ist das Substrat wahrscheinlich noch durchströmungsfähig. Es ist nicht erkennbar, ob eine Durchströmung bereits wieder stattfindet. Ein Teil des Gebietes ist allerdings komplett überstaut. Vorraussetzung für das Fortbestehen der Durchströmungsareale ist ein positiver Landschaftswasserhaushalt. Da ein ständiger Wassereinstrom am östlichen Moorrand gewährleistet ist, erfolgt derzeit zumindest stets Überrieselung. Ein Indiz für erfolgreiche Reaktivierung des Durchströmungsregimes ist eine Schwingmoorbildung, die sich im Bereich des verlandeten Sees bereits findet. Es bleibt abzuwarten, ob sich die seltenen, für Durchströmungsregime typischen, Vegetationsformen wieder einstellen werden (vgl. Landesumweltamt Brandenburg 2004).
Sollte sich im Nordteil eine Durchströmungsmoorausbildung entwickeln können, so wäre das ein außerordentlicher Erfolg der Renaturierung. Mesotroph-subneutrale Durchströmungsmoore kommen heute nur noch selten vor. In Deutschland sind von diesem Moortyp lediglich stark geschädigte Restflächen vorhanden. Die nächsten intakten Moorkomplexe dieser hydrogenetischen Ausprägung finden sich erst in Ostpolen oder Weißrussland sowie am Alpenrand SUCCOW,b (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.).
In den Beständen des südlich gelegenen Verlandungsmoores war eine weitflächige Überstauung vertretbar, um die ausreichende Durchnässung des Substrates in der Trockenperiode zu gewährleisten. Ferner war die Erhaltung der Gewässergüte des Fettsees von Bedeutung. Der See schien nach der ersten Anhebung des Moorwasserspiegels von Eutrophierung betroffen. Seitdem ist der Nährstoffeintrag wieder rückläufig, was sich in einer erneuten Ausbreitung der Krebsschere (Stratiotes aloides) und einer Verdrängung der Armleuchteralgen (Chara spec.) und Wasserschlauch-Arten (Utricularia spec.) äußert.
Von einer erfolgreich verlaufenen Renaturierung im südlichen Verlandungsmoor zeugt zum einen die konzentrische Ausbildung einer charakteristischen Biotopabfolge, die sich in einem das Moor nach außen hin abschließenden Lagg, einer Übergangszone und dem Moorzentrum niederschlägt. Zum anderen ist der
Randsumpf im Frühjahr wenigstens schwach, stellenweise auch stark überstaut. Ferner sind die Areale nahe dem See, auf denen sich ein Schwingmoor ausbilden konnte, weich und kaum betretbar, was ebenfalls für den positiven Verlauf der Wiedervernässung spricht (vgl. Landesumweltamt Brandenburg 2004). Von mesotroph-sauren Verlandungsmooren, die der Ausbildung des südlichen Untersuchungsraumes entsprechen, sind heute noch vereinzelt naturnahe Moorkomplexe in Nordostdeutschland vorhanden SUCCOW,b (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.).
Insgesamt wirkte sich die Renaturierung stabilisierend auf den Landschaftswasserhaushalt sowie den Stoffhaushalt aus. Von einströmendem Mineralbodenwasser wird heute ein bedeutend größerer Teil im Fettseemoor zurückgehalten als vor dem Grabenverschluss. Damit leistet der Moorkomplex einen wichtigen Beitrag zur Wasserrückhaltung in der Landschaft, die vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen von zunehmender Bedeutung ist. Das gesteigerte Retentionsvermögen für Wasser wird von einer verbesserten Fähigkeit zur Nährstoffakkumulation durch verstärkte Torfbildung begleitet. Die Effekte auf den Stoff- Wasserhaushalt wären allerdings größer, wenn der Damm weiter erhöht werden würde, da das Moor seine Funktion als Binneneinzugsgebiet nicht vollständig erfüllt. Zwischen März und Juni wird überschüssiges Wasser über die in den Graben eingebaute Tonröhre abgeführt. Im ursprünglichen Einzugsgebiet gab es vor der Anlage der Drainage vermutlich keinen Gebietswasserabfluss, woraufhin das Fettseemoor seine Funktionen der Stoffsenke und des Wasserrückhaltes voll wahrnehmen konnte. Heute erfüllt das Fettseemoor seine Aufgabe als Retentionsraum für Wasser sowie Nähr- und Schadstoffe nicht ganzjährig. Mit dem ausströmenden Wasser wird ein Teil der Nähr- und Schadstoffe, die ursprünglich im Torf akkumuliert wurden, im feuchten Halbjahr aus dem Gebiet ausgetragen, was zur Eutrophierung der Ragöse beiträgt. Heute finden sich auf etwa der Hälfte der Fläche des Fettseemoores Standorte mittlerer Trophiestufe. Fast der selbe Anteil der Fläche wird von eutrophen Arealen eingenommen. Während der Trockenlegung mineralisierte Nährstoffe wurden seit der ersten Wasserstandsanhebung ausgewaschen, was zu erhöhten Trophiestufen führte. Diese
Nährstoffrücklösung ist vermutlich schon jetzt rückläufig und die Bestände sind zunehmend von Mesotrophierung betroffen. Durch Eutrophierung verursachte Vegetationsveränderungen gelten in torfakkumulierenden Mooren prinzipiell als reversibel (TIMMERMANN 1999). So wird sich die Vegetation zu mesotraphenten Beständen entwickeln. Eine fortlaufende Verarmung wird sich voraussichtlich im größten Teil des Fettseemoores vollziehen. Nur in den Bereichen des Randsumpfes werden sich eutrophe Verhältnisse erhalten, da einströmendes Grundwasser und oberflächennahes Zulaufwasser hohe Nährstoffgehalte aufweisen (GROOTJANS ET AL. 1992). In Zukunft steht der weiträumigen Mesotrophierung der Areale im Untersuchungsgebiet ein steigender Nährstoffeintrag aus der Luft entgegen. In Mitteleuropa betragen die mittleren Gesamtstickstoffeinträge heute zwischen 10 und 20 Kilogramm pro Hektar und Jahr (BÜRGER-ARNDT 1994). Diese Entwicklung könnte der Mesotrophierung des Moorkomplexes entgegen stehen, da eine Verarmung dann nicht mehr wirksam würde. Über die Entwässerung hinaus ist die Eutrophierung über das Grundwasser oder die Luft die Hauptursache für den Rückgang von moortypischen Pflanzenarten (SCHOPP-GUTH 1999). LAUT GROOTJANS ET AL. (1992) konnte bereits vier Jahre nach begonnener Grabenverfüllung eine ständige Durchnässung im Untersuchungsgebiet festgestellt werden. Mit dem Rückhalt von einströmendem Mineralbodenwasser in größerem Umfang erhofften sich die Autoren eine Verhinderung der Bildung von Niederschlagswasserlinsen in der trockenen Jahreszeit, was den seltenen basiphilen Pflanzengesellschaften im Nordteil zugute kommen sollte. Schon 1991 waren kalkliebende Vegetationsformen auf Restbestände zurückgedrängt worden. Ein Erhalt der Bestände konnte nicht umgesetzt werden. Wünschenswert wäre die erneute Etablierung basiphiler Pflanzenarten nach hoffentlich gelungener Wiederherstellung des Durchströmungsregimes. Seggenarten beispielsweise haben im allgemeinen langfristig persistente Samen, wodurch eine Keimfähigkeit nach mehr als fünf Jahren nicht ausgeschlossen ist (SCHOPP-GUTH 1999). Im Aufnahmezeitraum 2006 wurden verschiedene gefährdete Pflanzenarten nachgewiesen, die sich während der Renaturierungsphase in ihrem Bestand erhalten konnten. Diese sind mit den Angaben zur Gefährdungssituation nach JEDICKE (1997) in der Gesamtartenliste im Anhang der Arbeit zu finden. Das Vorkommen
geschützter Pflanzenarten unterstreicht die Bedeutung des Fettseemoores für den Artenschutz, denn es sind insbesondere an den Lebensraum Moor gebundene Pflanzen, bei denen eine Gefährdung vorliegt.
Mit der Erstellung der Gesamtartenlisten konnten drei in Deutschland stark gefährdete und dreizehn in Deutschland gefährdete Pflanzenarten ermittelt werden. Aufgrund veränderter Standortbedingungen sind seit dem Wiedervernässungsbeginn folgende Pflanzenarten im Untersuchungsgebiet verdrängt worden. Diese Arten kommen möglicherweise noch relikthaft vor, wurden aber bei der Aufnahme der aktuellen Vegetationsausbildung nicht gefunden, da gerade die Areale des verlandeten Sees kaum betretbar waren. Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) / Bbg: 2 Steifblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata) D: 2 Bbg: 2 Sumpfsitter (Epipactis palustris) D: 3 Bbg: 2 Glanzkraut (Liparis loeselii) D: 2 Bbg: 1 Wenigblütige Sumpfsimse (Eleocharis quinqueflora) D: 2 Bbg: 1 Schuppenfrüchtige Gelb-Segge (Carex lepidocarpa) / Bbg: 1 Das Vorkommen der vier erstgenannten Arten war vermutlich auf die Wiesennutzung zurückzuführen. Bei der Renaturierung wurde in Kauf genommen, dass diese Arten der naturnahen, basenreichen Moore im Zuge der Standortveränderungen verdrängt werden. Das Auftreten der beiden letztgenannten Arten beschränkte sich bereits zu Beginn der Wasserstandsanhebung auf kleinflächige Areale. Deren Bestand ging aufgrund ihrer Bindung an kalkreiches Substrat (OBERDORFER 1994) mehr und mehr zurück.
Bei der Ausweisung des Fettseemoores zum Naturschutzgebiet wurde auf den Erhalt von Nahrungs- und Fortpflanzungshabitaten für die vom Aussterben bedrohte oder bestandsgefährdete Fauna besonderer Wert gelegt. Mit der Renaturierung konnte ein Lebensraum für teilweise eng mit der Moorvegetation verbundene Tierarten weiterentwickelt werden.
Im Moorkomplex, der seltene semiaquatische und aquatische Lebensräume umfasst, konnten sich im Laufe der Wiedervernässung Tierarten neu ansiedeln. Andere
bereits im Fettseemoor heimische Arten sind dem Standort weiterhin treu geblieben. So bietet das Untersuchungsgebiet im Frühjahr Brutmöglichkeiten für feuchtgebietstypische Vertreter der Avifauna wie den Kranich (Grus grus), die Bekassine (Gallinago gallinago) und die Graugans (Anser anser). Ein ausreichendes Vorkommen von stehendem Totholz sichert Brutmöglichkeiten für den Schwarzspecht (Dryocopus martius) und andere Höhlenbrüter. MAUERSBERGER & MAUERSBERGER (1997) wiesen dreißig Libellen-Arten (Odonata) im Untersuchungsgebiet nach, darunter so gefährdete wie die Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis). Die Art ist hauptsächlich an Gewässern beheimatet, in denen die Krebsschere (Stratiotes aloides) vorkommt, in die das Weibchen bevorzugt die Eier ablegt (NEEDON 1989).
Ferner konnte der Bestand des Fischotters (Lutra lutra) erhalten werden. Dieser findet heute bessere Habitatstrukturen im Untersuchungsgebiet
als vor der Renaturierung. Aufgrund ausgedehnter Wasserflächen hat sich auch der Biber (Castor fiber) neu angesiedelt. Die Population, die sich an der Ragöse etablieren konnte, erweiterte ihr Territorium auf das Fettseemoor. Die Spuren sind im gesamten Untersuchungsgebiet auffindbar.
Die Etablierung des Bibers steht in positiver Wechselwirkung mit der Wiedervernässung. Die Tiere tragen zur Anhebung des Wasserstandes bei, in dem sie durch Gehölzansammlungen den Graben weiter anstauen. Des weiteren schaffen sie durch das Fällen von Bäumen Offenräume, was ebenfalls der Wasserstandsanhebung zugute kommt.
Ferner bietet das Fettseemoor Rückzugsraum für Rot- und Schwarzwild, welches die schwer zugänglichen Areale aufgrund der Ungestörtheit bevorzugt. Dort anfallende Fegeschäden vom Rotwild bleiben ohne forstwirtschaftliche Einbußen. Schwarzwild findet sich im Moorzentrum zum Frischen ein, wovon das Vorhandensein alter Wurfkegel zeugt. In den Randbereichen des Moorkomplexes tragen die Tiere mittels Suhlen zu einem kleinflächigen Wechsel vielfältiger Standortbedingungen bei. Die von ihnen geschaffenen offenen Torfschlammflächen stellen für Arten, die zu schneller Besiedlung fähig sind, ideale Standorte dar. Zu solchen feuchtigkeitsliebenden Pionierarten zählen die Schnabel-Segge (Carex rotrata) und die Flatter-Binse (Juncus effusus). Die Keimlinge von Kiefern (Pinus sylvestris) und Moor-Birken (Betula pubescens) profitieren zudem von Bodenverletzungen die im
Moorzentrum durch unterschiedliche Tierarten hervorgerufen werden (vgl. TIMMERMANN 1999).
Leider ist die ökologische Durchgängigkeit des Drainagegrabens für Fische seit der Grabenverfüllung nicht mehr gegeben, was allerdings nicht mit dem Schutzziel des Naturschutzgebietes zu vereinbaren war.
Mit der Renaturierungsmaßnahme, die sich in einem weitgehend naturnahen Wasserstand auswirkte, ist der erste Schritt zur Regeneration des Fettseemoores getan. Die daraus resultierenden Umstrukturierungen des Standortes sind noch lange nicht abgeschlossen. Sie sind langwierig, können jedoch nur unter Eigenregie der Natur geschehen. Die Entwicklung des Untersuchungsgebietes wird langfristig zu einem höheren Natürlichkeitsgrad führen, der sich in Torfwachstum und Ansiedlung von auf den Moorstandort angewiesene Spezialisten der Flora und Fauna widerspiegelt.
Die Wiedervernässung des Fettseemoores ist bislang insgesamt erfolgreich verlaufen und vor dem Hintergrund des degradierten Zustandes von 98% der Moorflächen Brandenburgs (Landesumweltamt Brandenburg 2004) als wichtiger Beitrag zum Moorschutz zu bewerten.
5.4 Maßnahmenvorschläge
Aus der Erfolgsbewertung der Wiedervernässung lassen sich folgende Maßnahmenvorschläge ableiten:
Das Fettseemoor als Naturschutzgebiet im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin sowie Teil des FFH-Gebietes „Finowtal - Ragöser Fließ“ ist nach Meinung der Autorin für touristische Zwecke jeglicher Art nicht geeignet. Zum einen begründet sich diese Entscheidung mit dem Betretungsverbot, welches im gesamten Schutzgebiet außerhalb der Wege gilt. Das Betretungsverbot ergibt sich aus der Sensibilität des Lebensraumes. Vor allem die schwammsumpfigen Areale rund um den Fettsee sind besonders gegenüber Tritt hochgradig empfindlich. Die hohe Persistenz der Trittpfade, welche während der Geländeaufnahmen 2006 entstanden, verdeutlicht die Darlegung. Diese sensiblen Bereiche wären im Falle einer Moorexkursion von größtem Interesse für Naturliebhaber. Das ergibt sich vor allem aus dem hohen Anteil seltener Pflanzenarten, was wiederum das Argument gegen Führungen durch
das Moor unterstreicht. In diesen Bereichen wäre der Charakter eines Moores wohl am besten für Laien nachvollziehbar. Jedoch resultiert aus einem weiteren Charakteristikum der Moore ein anderes Argument gegen touristische Erschließung, welches die schlechte Begehbarkeit wegen zum Teil hoch überstauter Areale darstellt. Der Randsumpf wird im Fettseemoor seiner Aufgabe als Abschirmung negativer äußerer Einflüsse gerecht und verhindert das Eindringen von Fremdkörpern in die sensiblen Bereiche.
Damit das Fettseemoor seine Aufgabe im Stoffkreislauf und Landschaftswasserhaushalt wieder vollständig wahrnehmen kann wird empfohlen, den Damm weiter zu erhöhen. Derzeit tritt im feuchten Halbjahr Wasser über die in den Damm eingebaute Tonröhre aus dem Moorkomplex, womit auch ein Austrag darin gelöster Nährstoffe verbunden ist. Die Funktion des Binneneinzugsgebietes wird demnach nicht erfüllt. Eine wiederholte Wasserstandsanhebung wäre vertretbar, da die Vegetation sich seit der letzten Pegelerhöhung vor zehn Jahren noch immer in Anpassung befindet. Die oszillationsfähigen Areale rund um den Fettsee sowie im Bereich des bereits verlandeten Sees im Nordosten werden sich durch Aufschwimmen einer Überflutung entziehen können. Der Lagg hingegen ist heute bereits stellenweise etwa einen Meter hoch überstaut. Trotz ständigem Überstau konnten sich bultbildende Seggenarten und Erlen etablieren. Deren Bulte werden sich vermutlich auch nach weiterer Wasserstandsanhebung erhalten. Schwimmendes Totholz sowie überdauernde Bulte von abgängigen Erlen dienen auch künftig als besiedlungsfähige Inseln, auf denen schon heute junge Erlen sowie andere eutraphente Pflanzenarten Fuß fassen. Erlenbruchwald ist zwar häufig nicht zur Torfbildung fähig, er ist aber ein wertvoller Teil der natürlichen Standortabfolge in Verlandungsmooren (SCHOPP-GUTH 1999). Laut STEGNER (2000) sollten extreme Überstauungen in Erlenbruchwäldern nicht länger als eine halbe Vegetationsperiode andauern. ELLENBERG (1996) weist darauf hin, dass die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) Überflutungen von einigen Dezimetern toleriert. Auf starke Wasserstandanhebungen in der Vegetationsphase reagiert die Art allerdings empfindlich. Eine erneute Erhöhung des Dammes sollte demnach im Winterhalbjahr erfolgen. Die Höhe der Anhebung hängt davon ab, wie stark der Ausstrom im feuchten Halbjahr ist. In der Entstehungszeit dieser Arbeit war der Höchstwasserstand Ende Februar 2007 noch nicht erreicht, deshalb sind an
dieser Stelle keine genauen Angaben möglich. Da der Wasserstand sich am Moorrand nahe der Grenze zwischen Mineralboden und organischem Substrat bewegt, dürfte die ursprüngliche Höhe des Moorwasserspiegels vor der Trockenlegung annähernd erreicht sein. Demnach wird nur eine geringe Aufschüttung des Dammes notwendig sein, damit das Fettseemoor seiner Rolle im Stoff- und Wasserhaushalt ganzjährig gerecht werden kann. Bei Erhöhung des Dammes muss darauf geachtet werden, dass die heute eingebaute Tonröhre wieder an der Dammoberkante installiert wird. Bei eventuell auftretendem Überstau in besonders feuchten Winterhalbjahren kann überschüssiges Wasser problemlos abgeleitet werden, ohne die Grabenoberkante auszuspülen. Eine fortlaufende Kontrolle der Festigkeit des Dammes, der zwar als langfristig stabil gilt, sollte durch den Revierförster oder die Naturwacht regelmäßig stattfinden.
Des weiteren sollte das Naturschutzgebiet vergrößert werden. Aufgrund ökologischer Verflechtung zwischen Moor und dessen Einzugsgebiet ist das Fettseemoor nicht als isoliert von seiner Umgebung zu betrachten. Die als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Flächen umfassen nicht das gesamte oberirdische Einzugsgebiet. SCHOPP-GUTH (1999) fordert die Integration von weiträumigen Pufferzonen in das Schutzgebiet, um negative Einflüsse von außen zu verringern. Demnach ist eine Einbeziehung wichtiger Teile des Wassereinzugsgebietes unerlässlich. Laut Landesumweltamt Brandenburg (2004) sollte eine hydrologisch-hydrochemische Pufferzone mindestens zehn Mal breiter als der Moorkomplex sein. Gerade im östlichen Einzugsgebiet werden ein Teil des Grundwassers sowie ein beträchtlicher Teil des oberirdischen Abflusses und des Zwischenabflusses gebildet, wodurch die Speisung des Moores gesichert wird. Dort ist nur ein geringer Teil unter Schutz gestellt. Es wird empfohlen, diese Areale in das Naturschutzgebiet aufzunehmen. Damit wäre die Grenze des Schutzgebietes umgesetzt, wie sie 1989 mit der Beantragung der Ausweisung zum NSG vorgeschlagen wurde.
Die Nutzung im Einzugsgebiet beeinflusst erheblich die Qualität und Quantität des oberflächennahen Zulaufwassers sowie die Grundwasserneubildung (TIMMERMANN 1999). Im Antrag zur Ausweisung des Gebietes zum NSG wurde die Erhaltung der umgebenden Waldbestockungen als Schutzzone gegen Nährstoffeintrag und als
potentieller Brutraum für gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Greifvögel festgelegt. Ein naturnaher Waldumbau erfolgt bereits. Das Ziel einer standortgerechten Bestockung sollte weiter verfolgt werden. Kiefern- und Fichtenbestände sollten schrittweise zu naturnahen Laubmischwäldern umgewandelt werden. Diese Maßnahme kommt der Grundwasserneubildung zugute, was die Wasserspeisung des Moores verbessert. Eine Umsetzung dessen in ganz Brandenburg begünstigt den Landschaftswasserhaushalt, was vor dem Hintergrund der negativen klimatischen Wasserbilanz im Bundesland von entscheidender Bedeutung ist. Damit wäre auch die Situation sämtlicher Moore Brandenburgs verbessert, die heute noch etwa 7% der Landesfläche einnehmen (Landesumweltamt Brandenburg 2004).
Die im Zuge der Untersuchungen 1991 gewonnenen Erkenntnisse resultierten in folgenden Empfehlungen für die Umsetzung von Wiedervernässungsmaßnahmen durch GROOTJANS ET AL. (1992):
Die Wiedervernässung sollte in jedem Fall stufenweise erfolgen, um exzessive Überflutungen zu vermeiden, die zu einem verstärkten Absterben der Vegetation führen würden. Außerdem ist es von entscheidender Bedeutung, den Moorwasserspiegel stets auf einer Höhe zu halten, die dafür sorgt, dass die obersten Substratschichten ständig durchnässt sind. Nur so wird einer plötzlichen Nährstofffreisetzung im trockenen Halbjahr vorgebeugt. Die chemischen Analysen zeigten, dass eine Nährstoffrücklösung wahrscheinlich am besten eingedämmt wird, wenn kalkreiches Mineralbodenwasser stets die obersten Substratschichten durchnässt. Wenn hingegen im trockenen Halbjahr die obersten Substratschichten nicht vollständig von Mineralbodenwasser durchtränkt sind, kann es zur Ansammlung von Niederschlagswasserlinsen kommen. Diese lagern oberhalb des Substrates, denn wegen der geringeren Wasserdurchlässigkeit von entwässertem Torf wird die Vermischung von ombrogenem und geogenem Wasser verhindert. Das Niederschlagswasser regt die Mobilisierung der im trockengelegten Zustand des Moores freigesetzten und nicht aufgenommenen Nährstoffe in stärkerem Maße an als Mineralbodenwasser. Die ständige Durchfeuchtung mit Mineralbodenwasser ist auch vor dem Hintergrund des Rückgangs basiphiler Vegetation zu gewährleisten (vgl. GROOTJANS ET AL. 1992).
Eine Verarmung der gesamten Seggenried-Bestände im Nordteil könnte durch eine Pflegemahd beschleunigt werden. Andere Autoren empfehlen Entkusseln für die Areale im Moorzentrum, womit der Moorwasserhaushalt verbessert werden könnte und lichtliebende, oftmals gefährdete Pflanzenarten in ihrer Ausbreitung gefördert wären. Die Maßnahmen der Pflegemahd und der Gehölzentnahme sind jedoch in ihrer Wirkung eher als zweifelhaft zu bewerten und sollten nach Meinung der Autorin im Untersuchungsgebiet unterbleiben. Denn damit würde eine Vorwegnahme von Veränderungen erfolgen, die sich aller Voraussicht nach ohnehin im Zuge einer natürlichen Vegetations- und Standortdynamik vollziehen werden (vgl. TIMMERMANN 1999).
Nach Durchführung der vorgeschlagenen weiteren Wasserstandsanhebung, die zum ganzjährigen Verschluß des Grabens führt, sollten die Renaturierungsmaßnahmen abgeschlossen sein und als Anstoß zur Entwicklung von natürlicheren Verhältnissen dienen. Für alles weitere ist nun, gemäß dem Prinzip des Prozessschutzes, die Eigenregie der Natur gefragt. Nach Wiederherstellung konstanter Rahmenbedingungen, im Falle des Fettseemoores der hydrologischen Verhältnisse, sollten die Mechanismen der Selbstregulation der Natur in den Vordergrund rücken. Da ein Großteil des Moorkomplexes im Laufe der Trockenlegung seine Funktionsfähigkeit beibehalten hat, ist eine vollständige Regeneration innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte im Bereich des Möglichen (vgl. TIMMERMANN 1999).
6 Zusammenfassung
Gegenstand der Arbeit war die Vegetationsentwicklung im Fettseemoor, das sich in ein mesotroph-saures Verlandungsmoor im Südteil und ein mesotroph-subneutrales Verlandungsmoor im Nordteil gliedert. Das Untersuchungsgebiet hatte über hundert Jahre Entwässerung erfahren, bis 1987 eine schrittweise Wiedervernässung durch Schluss des Entwässerungsgrabens eingeleitet wurde. Die jüngere Entwicklung des Moores konnte anhand von historischen Daten rekonstruiert werden, wobei unter anderem umfassende Geländeaufnahmen aus den Jahren 1978/1979 und 1991 einflossen. Die Auswertung ergab folgendes Bild: Im Zuge der Trockenlegung kam es im Großteil des Untersuchungsgebietes zu Torfzersetzung in der obersten Substratschicht, womit Eutrophierung weitreichender
Areale einherging. Diese Entwicklung wurde von Bewaldungsvorgängen begleitet. Im Laufe der stufenweisen Anhebung des Moorwasserspiegels wurde der gesamte Moorkomplex wiedervernässt, woraufhin ein Absterben eines erheblichen Teils des Gehölzbestandes einsetzte. Ferner wurde eine Nährstoffrücklösung beobachtet, wodurch nitrophile Pflanzenbestände in ihrer Ausbreitung gefördert wurden. Die gegenwärtige Vegetationsausbildung ist mittels Erstellung von Gesamtartenlisten ermittelt worden. Das Vorkommen dominanter und indikatorisch bedeutsamer Arten führte zur Ausweisung von Vegetationsformen nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). War die Determinierung eines Bestandes so nicht möglich, dann erfolgte diese nach pflanzensoziologischen Klassifikationskonzepten. Die aktuellen Vegetations- und Standortausprägungen werden vor dem Hintergrund abgelaufener Entwicklungen diskutiert. Die Verteilung der ausgewiesenen Vegetationseinheiten ist auf der Karte im Anhang dargestellt. Flächenmäßig überwiegt die vielfältig differenzierte Vegetation subneutral-kalkhaltiger Standorte mittlerer Trophie. Ein großer Teil der Fläche wird von eutraphenten Vegetationsausbildungen eingenommen. Langfristig wird sich vermutlich eine Mesotrophierung der Bestände vollziehen.
Die Renaturierungsmaßnahme wird in Bezug zum Leitbild der Wiedervernässung, das den Erhalt eines funktionsfähigen Moorkomplexes beinhaltet, als erfolgreich bewertet. So wurde mit Anhebung des Moorwasserspiegels die Torfzehrung im gesamten Fettseemoor unterbunden. Ferner konnten sich gefährdete Tier- und Pflanzenarten etablieren bzw. erhalten. Negativ zu betrachten ist die Tatsache, dass der Moorkomplex seine Funktion als Retentionsraum im Stoff- und Landschaftswasserhaushalt nicht ganzjährig erfüllt.
Aufgrund dessen werden Maßnahmen empfohlen, die eine erneute Aufschüttung des Dammes und die Erweiterung des Schutzgebietes umfassen. Ferner sollte der naturnahe Waldumbau zu standortgerechten Beständen gefördert werden. Mit Hilfe der vorgeschlagenen Maßnahmen und im Zuge natürlicher Vegetations- und Standortdynamik wird sich das Fettseemoor zu einem intakten, wachsenden Moor entwickeln können.
7 Danksagung
Frau Prof. Dr. Vera Luthardt danke ich für die gute Betreuung, die inhaltlichen Anregungen und die aufmunternden Worte während der Entstehung dieser Arbeit. Haben doch erst die begeisternden Moorexkursionen mein Interesse für Moore geweckt.
Bei Herrn Hans-Joachim Sakowski möchte ich mich für die Unterstützung bedanken, die unter anderem Hinweise zur historischen Entwicklung des Untersuchungsgebietes und zur Bewirtschaftung des Einzugsgebietes umfassten. Herrn Prof. Dr. Succow gilt mein Dank für die Beschaffung der Manuskripte aus den Niederlanden und die unverzügliche Durchsicht des Entwurfs. Ferner möchte ich Ron Meier meinen Dank aussprechen, da er nie in Erklärungsnot geriet, selbst bei so komplexen Prozessen, wie der „Zyklischen Periodizität“. Herrn Dr. Michaelis gilt meine Anerkennung für die Bestimmung sämtlicher Moose. Die Bestimmung der Seggen rechne ich Camilla Brückl hoch an. Für die wichtigen Beiträge zur Historie des Fettseemoores bin ich Herrn Egbert Woßmann dankbar.
Des weiteren danke ich Sebastian Falke für die Unterstützung in jeglicher Hinsicht sowie meinen Eltern für die Ermöglichung der unbeschwerten Studienzeit.
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Topographische Karte 3149 NW Sandkrug, 1:10.000. Herausgeber: Landesvermessungsamt Brandenburg, Potsdam, 1995. CIR-Luftbild, CIR-Befliegung 1993, Bild-Nr. 0709-2216, Gesellschaft für Luftbildinterpretation mbH Berlin.
Digitales Orthophoto, farbig, Landkreis Barnim 2001, Geodätischer Lagebezug: ETRS89, Auflösung: 1m2, Befliegungszeitraum: Oktober 2001. Lagegenauigkeit: 10 m Erfassungsmaßstab: 1:1000, Geometrische Auflösung: 1 Pixel = 25 cm, Nutzung mit Genehmigung der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg. Potsdam. Geologische Spezialkarte von Preußen 1:25000, 1882/83, Blatt Eberswalde, Königlich Preussisch Geologische Anstalt.
Hydrogeologische Übersichtskarte der Deutschen Demokratischen Republik,
Oktober 1965, Hydrogeologische Grundkarte 1: 200 000, N33-XXVl Eberswalde, Staatssekretariat für Geologie, Zentrales Geologisches Institut Berlin.
Forstliche Standortskartierung aus dem Jahr 1962, VEB Forstprojektierung Potsdam.
Hydrogeologische Karte der Deutschen Demokratischen Republik, April 1982, Karte der Hydroisohypsen-Grundwasserleiter S3-W2, 1: 50 000, Eberswalde-Finow NW/ Eberswalde N 0709-1/2, Hrsg.: Zentrales Geologisches Institut Berlin.
Messtischblatt 3149, 1: 25 000, Herausgegeben von der Preußischen Landesaufnahme 1890, Reichsamt für Landesaufnahme, Einzelne Nachträge 1937.
Urmesstischblatt aus dem Jahr 1844, Kön. Preuss. Landesaufnahme, Kartographische Abtheilung.
Arbeit zitieren:
Yvonne Panzer, 2007, Wiederbelebung des entwässerten Fettseemoores, München, GRIN Verlag GmbH
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