und des Systems von Zwangsarbeitslagern und Straflagern mit ihren unmenschlichen, durch Hunger, Kälte, Überanstrengung, unhygienische Zustände, Krankheiten und mangelnde medizinische Versorgung geprägten Lebensbedingungen. Ziel des nun vorliegenden Essays ist es Form und Inhalt des Archipel Gulag näher zu betrachten und die Art der Aufarbeitung des Erlebten genauer zu untersuchen. Dabei soll nun zunächst auf Entstehung und Gliederung des Werkes eingegangen werden. Alexander Solschenizyn verbrachte viele Jahre seines Lebens in den Straflagern Sibiriens und in der Verbannung. Gestützt auf seine eigenen Erfahrungen und die Berichte von über 200 Überlebenden schrieb er zwischen 1958 und 1967 „Der Archipel Gulag“, das die „unmenschliche Macht von Menschen über Menschen“ bezeugen sollte. Solschenizyn hielt die Veröffentlichung jedoch zunächst zurück und versteckte das Manuskript. Eine Publikation des „Archipel Gulag“ und die danach mögliche Verhaftung hätten die Arbeit daran unmöglich gemacht, die er erst 1975 abzuschließen dachte. Im August 1973 entdeckte der KGB das Manuskript, dadurch hatte es für Solschenizyn keinen Sinn mehr, das Werk weiterhin geheim zu halten. Ein russischer Emigrantenverlag, der über eine Kopie des Manuskriptes verfügte, wurde von ihm angewiesen, das Buch sofort zu drucken. Anfang Januar 1974 erschien es in Paris und kurz darauf in Übersetzungen vieler westlicher Länder. Solschenizyns Archipel Gulag wurde in Russland erst 1989 freigegeben.
Das ursprüngliche Buch enthält die Teile I und II (Die Gefängnisindustrie und Ewige Bewegung). Später wurde daraus eine 3-bändige Ausgabe, die in 7 Teile gegliedert ist. Band 2 und Band 3 wurden 1975 beziehungsweise 1978 veröffentlicht. 1985 erschien außerdem eine gekürzte, einbändige Gesamtausgabe, die als leichter lesbar gilt. Im ersten Band steht die geschichtliche Entwicklung des Systems im Mittelpunkt, Band 2 schildert die Lagerwelt aus der Sicht der verschiedenen Gruppen, die sie bevölkerten und beschreibt den Weg der Häftlinge von der Einlieferung bis zum Tode durch Erschöpfung, Krankheiten oder den Sadismus der Bewacher. Mit dem dritten Band ist das Werk abgeschlossen. Er handelt von der Bestrafung politischer Häftlinge unter dem zaristischen und dem bolschewistischen System, schildert die Massenvertreibung ganzer Klassen, die Zwangsumsiedlung ganzer Völker und gibt einen Ausblick auf die Zeit nach Stalin. Solschenizyn selbst nennt sein Werk den „Versuch einer künstlerischen Bewältigung“, „all jenen gewidmet, die nicht genug Leben hatten, um dies zu erzählen“.
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„Der Archipel Gulag“ wirkt dabei einerseits als Sachbuch, sowie als wissenschaftliche Arbeit mit dem dazugehörigen Anhang, wie einem biographischen Namensverzeichnis und einem Verzeichnis der Abkürzungen. Außerdem existieren zahlreichen Anmerkungen in der Fußzeile der Seiten. Solschenizyn stützt sich auf seine eigenen Erfahrungen, auf die Aussagen von mehreren hundert anderen Verurteilten und Häftlingen, auf offizielle, öffentliche und geheime Dokumente und Untersuchungen. Auf der anderen Seite ist das Buch ein im zynischen Tonfall gehaltenes politischliterarisches Manifest, ein Pamphlet und eine Anklage an die Zustände in Justiz und Lagerwesen der Sowjetunion. Im Kern ist es den Opfern gewidmet, es versteht sich als Erinnerung und Würdigung ihres Lebens und Leidens und als eine Anklage gegen die Unmenschlichkeit, gegen die Unfreiheit und gegen den Terror:
"All jenen gewidmet, die nicht genug Leben hatten um dies zu erzählen. Sie mögen mir verzeihen, dass ich nicht alles gesehen, nicht an alles mich erinnert, nicht alles erraten habe"
"In diesem Buch gibt es weder erfundene Personen noch erfundene Ereignisse. Menschen und Schauplätze tragen ihren eigenen Namen. Wenn Initialen gebraucht werden, geschieht dies aus persönlichen Überlegungen. Wenn Namen fehlen, dann nur darum, weil das menschliche Gedächtnis sie nicht behalten hat - doch es war alles genau wie beschrieben"
Wie bereits erwähnt ist „Der Archipel Gulag“ in sieben Teile gegliedert. Im ersten Teil „Die Gefängnisindustrie“ schildert Solschenizyn den seit der russischen Oktoberrevolution betriebenen Ausbau und Aufbau der russischen
„Gefängnisindustrie“. Er vergleicht die Zustände im Justizapparat der Sowjetunion mit denen der Zarenzeit. Er nennt die Namen von Opfern und Tätern, wobei die „Täter“ oft nur wenige Jahre später selbst zu „Opfern“ des Systems werden und mit der nächsten Verhaftungswelle selbst im Archipel landen. Solschenizyn schreibt, dass oftmals nicht die Straftat (oder der Verdacht) ausschlaggebend für die Verhaftung war, sondern wirtschaftliche Erwägungen und der Bedarf an Arbeitskräften. Haupttäter - daran lässt Solschenizyn keinen Zweifel - ist für ihn Stalin. Teil II „Ewige Bewegung“ behandelt anschließend die „Besiedlung“ des neu geschaffenen Archipels durch die „Häftlingsströme“, die ab 1917 bis in die
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Arbeit zitieren:
Florian Rübener, 2008, Über Alexander Solschenizyms "Der Archipel Gulag" , München, GRIN Verlag GmbH
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