sich von den Nationalsozialisten und deren Methoden abzugrenzen. So beschreibt er die Propaganda der Partei als „satanisch“ 4 und Hitler als politischen Opportunist, der immer den leichten und sicheren Weg wählte und für Kritik nicht empfänglich war. 5 Von Papen erscheint wie die Stimme der Vernunft, die alles versuchte um Hitler zum Umdenken zu bewegen und die Entstehung der Diktatur in Deutschland zu verhindern („Unser Ziel müsse die Begründung einer natürlichen sozialen Ordnung sein.“ 6 ). Als seine kritische Rede der Zensur von Goebbels zum Opfer fiel, soll von Papen sich um seinen sofortigen Austritt aus der Reichsregierung bemüht haben, was jedoch immer wieder von Hitler abgelehnt oder hinausgezögert wurde. Von Papen stellt sich so nun auch noch als eine Art Idealist dar, dem seine Überzeugungen wichtiger sind als die politische Karriere.
Im weiteren Verlauf beschreibt von Papen nun, wie er aufgrund seines Verhaltens selbst zum Opfer des Systems wurde. Viele seiner Mitarbeiter sollen verhaftet und einige sogar erschossen worden sein, Akten aus seiner Kanzlei wurden beschlagnahmt und er selbst wurde von der SS für einige Tage in seiner eigenen Wohnung gefangen gehalten. Von Papen bringt ausdrücklich seine Abscheu im Bezug auf diese Geschehnisse zum Ausdruck:
Zum ersten Mal hatte man damals das Gefühl, das in den späteren Jahren des Dritten Reiches kein ungewohntes mehr war, man stehe einem verbrecherischen Geschehen völlig wehrlos gegenüber. 7
Obwohl sich von Papen alle Mühe gibt, um mit solchen Äußerungen seine Ablehnung gegenüber dem Nationalsozialismus zu betonen, so nimmt er dennoch später ein, von Hitler angebotenes, hohes Amt in Wien an. Dies sieht er jedoch nicht als Verrat seiner Ideale, sondern auch hier stellt er sich wieder als Teil einer Gegenbewegung dar, da er den Posten nur annahm um weiter gegen das System operieren zu können: Da es gegenwärtig keinen Weg gab, eine wirksame Opposition gegen den Nationalsozialismus ins Leben zu rufen, so musste die nächstbeste Lösung sein, ruhig aus dem Hintergrund zu arbeiten und das Odium vor den alten Freunden zu riskieren. 8
4 Franz von Papen: Der Wahrheit eine Gasse. München, 1952, S. 344
5 vgl. Franz von Papen: Der Wahrheit eine Gasse. München, 1952, S. 345
6 Franz von Papen: Der Wahrheit eine Gasse. München, 1952, S. 347
7 Franz von Papen: Der Wahrheit eine Gasse. München, 1952, S. 359
8 Franz von Papen: Der Wahrheit eine Gasse. München, 1952, S. 383
2
Arbeit zitieren:
Florian Rübener, 2006, Charakterisierung von Franz von Papen , München, GRIN Verlag GmbH
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