den Mensch aus Anlagen zu erklären. So spricht die Anthropologie auch von „dem Menschen“ und will somit eine Wesendefinition erreichen; als Vergleich Marx spricht von „den Menschen bzw. uns Menschen“. Für Ballauff nimmt die Anthropologie die Position einer Ersatztheologie ein. Für ihn ist der Mensch nur deshalb bemerkenswert, weil er denken kann und zudem über dieses denken auch reflektieren kann. Allerdings kann das Denken nicht hinter sich selber kommen im Sinne einer Illumination.
Auch mit der philosophischen Sicht von Kant geht Ballauff in die Kritik. Kant lebte von 1724 - 1804 und gilt als einer der großen Philosophen der Aufklärung. Dabei versucht Kant mit seiner Philosophie die Menschen aus ihrer selbst gewählten Unmündigkeit zu lösen. Dabei sieht Kant die Aufgabe von Erziehung und Bildung darin, die menschliche Anlage zum Guten auszugestalten, sodass das moralische Gesetz zu dessen oberstem Handlungsgrundsatz wird. Diese Anlage zum Guten teilt Kant in drei aufeinander aufbauende Klassen ein, nämlich in 1. die Anlage für die Tierheit; 2. die Anlage für die Menschlichkeit und 3. die Anlage zur Persönlichkeit. Diesen Anlagen entsprechen Formen der Erziehung bzw. der Bildung, nämlich I. die Disziplinierung, II. die Kultivierung und Zivilisierung und III. die moralische Bildung, im Sinne Kants kategorischem Imperativ. Die Formen der Erziehung sind letztlich Anpassungsleistungen des Menschen an seine gesellschaftliche Umwelt und erhalten ihre Legitimität dadurch, dass sie als Vorbereitung für die moralische Bildung dienen. In dieser folgt der Mensch, aus vernünftiger Einsicht, dem Sittengesetz/ kategorischem Imperativ („Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemein gültiges Gesetz werde.“). Dabei will der Mensch das Gute um des Guten selbst willens. Hierzu kann er nicht erzogen werden, sondern muss sich selbst in Freiheit zur moralischen Bildung entschließen. Das bedeutet, das Handeln nach dem kategorischen Imperativ muss von jedem Menschen in Freiheit und durch Autonomie vollzogen werden.
Allerdings stellt sich bereits die Frage was das Gute ist. Im Sinne von Ballauff könnte es sich um die erfüllte Menschlichkeit handeln, welche wir allerdings noch nicht gefunden haben, sondern nach welcher wir streben.
Somit geht Ballauff in seinem Buch mit einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Theorien und Bildungsansätzen in die Kritik. Dabei versucht er eine neue Theorie, sein „antithetisches Bildungskonzept“ zu bilden und zu rechtfertigen. Dabei wendet sich Ballauffs „Antithetisches Bildungskonzept“ gegen eine jedwede Lehre eines
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letzten Ziels bzw. letzter Ziele. Pädagogischer Humanismus wie auch pädagogischer Realismus unterscheiden sich nach Ballauff nicht darin, Dinge; Lebewesen; Mitmenschen und deren Verhältnisse zum Nutzbringer ihres jeweiligen Zentrums zu instrumentalisieren. Nach Zurückweisung anthropologischer, soziologischer und ethischer Begründungen von Erziehungstheorie gründet Ballauff seine Theorie auf der Selbstlosigkeit. Dabei lehnt er eine Bildung als Selbstsuche genauso ab wie z.B. die menschliche Fundamentalideologie. Bei der Bildung als Selbstsuche geht es darum, dass der Mensch nicht als Mitglied der Gesellschaft geboren wird. Es muss folglich zu einer Sozialisation des Zöglings in irgendeiner Form der Erziehung kommen. Dadurch gelangt der Mensch zu „Bildung“ und kann nun von außen einen Blick auf die Sozialisation werfen und auf diese einwirken. Dieses einwirken geschieht dadurch, dass der Mensch in die Welt geht um Wissen zu suchen. Dieses Wissen wird umgewandelt und verarbeitet bevor es schließlich zur Anwendung kommt. Dabei ist die Reflexion Teil der Bildung vgl. hierzu das Höhlengleichnis nach Platon. Die menschliche Fundamentalideologie beschäftigt sich mit den oben bereits erwähnten anthropologischen Ansätzen also einer Abgrenzung menschlich/ nichtmenschlich. Dabei ist alles was nicht Mensch ist, Mittel zum Zweck. Die ethische Selbstrechtfertigungslehre beschäftigt sich mit der eigenen Persönlichkeit welche im Fokus des Interesses liegt. Rücksicht wird lediglich auf Mitmenschen genommen wobei es zu einer mangelnden Verantwortung der Umwelt gegenüber kommt. Als Beispiel für die Selbstrechtfertigungslehre führt Ballauff in seinem Buch Kant an. Des Weiteren kritisiert Ballauff auch noch die Willentlichkeit. Er behauptet, dass der Wille Wahrheit zum Willen der Nützlichkeit verkommt. Dabei ging der Mensch ursprünglich in die Welt hinaus um die Wahrheit zu finden, jetzt sucht er jedoch nur noch die Nützlichkeit. Dabei liegt für Ballauff die Wahrheit im Denken selbst. Die selbstlose Verantwortung auf die Wahrheit wird verfehlt und es kommt dazu, dass Pädagogik zu einer Berufswissenschaft der Lehrer verkommt.
Das Missverständnis war, Denken; Einsicht; Erkenntnis; Wissen mit „dem Menschen“ zu identifizieren, d.h. als „Vermögen der Menschen“ zu interpretieren, als das ihnen zur Verfügung stehende - anstatt Denken usw. als sie selbst zu nehmen, an denen ein Lebewesen Anteil gewinnt, teilnehmen kann, ohne deshalb Verfügungsgewalt zu erwalten. (vgl. S. 131). Auch hier richtet sich Ballauffs Kritik maßgeblich gegen Kant. Kants Morallehre gründete sich auf der zu überwindenden Spannung zwischen Pflicht und Neigung zugunsten der Pflicht. Das Bezwingen der Neigung ist nach Kant
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nur durch äußerste Kraftaufwendung möglich. Die von Ballauff beanschlagte Inanspruchnahme hat Kant in seiner Theorie nicht eingebaut bzw. wie Ballauff es sieht nicht gesehen. Vielmehr findet sie Ballauff in der Pädagogik von Pestalozzi, welche sich mit Maßgaben und Maßstäben als Leitlinie beschäftigt. Was sind jedoch Maßgaben und Maßstäbe und wie sollen diese ein Wertebewusstsein schaffen, welches sich für eine Bildungslehre eignet?
Die Forderung nach einem neuen Wertebewusstsein gibt es von vielen Seiten wie z.B. von Seiten des Liberalismus, Sozialismus und Marxismus. Dabei wird unter „Wert“ jedoch immer etwas Unterschiedliches Verstanden. Das menschliche Leben ist durchzogen von Erkennen und Ermessen. Jeder Mensch beurteilt und verurteilt und das zu jedem Zeitpunkt. Die Bildung bezeichnet Erkennen und Ermessen als Grundaufgabe des menschlichen Lebens. Die kapitalistisch materialistische Welt verleiht allem einen bestimmten Wert. Dadurch jedoch wird alles entwertet, soweit es sich in diesem Wert verwirklicht. Wird die daraus entstehende Werteordnung jedoch nicht anerkannt wird alles sinn- und wertlos und ein Nihilismus im Sinne Nietzsches tritt an die Stelle der Werteordnung. Dies soll jedoch auf unterschiedliche Weise verhindert werden; der Buddhismus z.B. macht sich die Gefahr des Nihilismus von Anfang an bewusst und bezieht diesen mit ein. Einen anderen Weg wählt Kant mit seiner Ethik. In dieser geht es nicht darum einen Wert zu verwirklichen sondern den kategorischen Imperativ zu verwirklichen. Die Werte können erst durch Erfüllung des kategorischen Imperativs zustande kommen.
Durch dieses Denken liefern wir jedoch unsere Selbstlosigkeit im Denken an eine Wertediktatur und deren Hüter aus. Die daraus resultierende Folge ist ein Gesinnungsunterricht, der überall Vorrang besitzt. Dabei werden Werte wie feste Maßstäbe gelehrt, nicht aber das Ermessen dessen, was „Wert hat“. Daher sollte man zu erst in Maßgaben denken. Diese geben ein Maß voraus, welches einen Rahmen zum selbstständigen Ermessen auferlegt. Aus dieser Erkenntnis heraus ergeben sich eine Reihe unterschiedlicher Prinzipien. Dem Prinzip der Sachgemäßheit folgend hat Erziehung nicht die Aufgabe alle Menschen zu Wissenschaftlern zu machen. Vielmehr sind wir menschlich wenn wir sachlich sind; sonst nicht. Allerdings gilt auch, dass Sachlichkeit nicht gesellschaftliche Nützlichkeit ist, denn diese macht unter Umständen Maßnahmen erforderlich, welche für die Gesellschaft nicht wünschenswert sind. Auch das Wohl des Menschen liegt für die Sachgemäßheit nicht an oberster Stelle, daher ist sie nie selbstsüchtig, obwohl sie
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Arbeit zitieren:
Sascha Pfeiffer, 2010, Über Pädagogik als Bildungslehre von Theodor Ballauff, München, GRIN Verlag GmbH
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